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Jüdische Rundschau · 1928-06-19 · Heft 48 (19.6.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 48 (19.6.1928)
Date
1928-06-19
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 340 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 48, 19. VI. 1928 Mais- \' ie auch der Kirtoffelkünig Südafrikas Juden sind, trsterer, Mr. Lazarus, ist überdies der größte Maisproduzent der Welt. Es ist eine außergewöhnliche Erscheinung, daß die Juden Südafrikas trotz ihrer verhältnismäßig ausgezeichneten politischen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Situation i h r Judentum nicht vergessen haben — und dies kann nicht nur von einem Teil, sondern der Gesamtheit des südafrikanischen Judentums gesagt werden. Wer die südafrikanische Judcnheit einmal hier im Lande seihst gesehen hat, weiß, daß sic trotz geringer Zahl einer der positivsten Faktoren des heutigen Judentums ist. Dies will nicht etwa heißen, daß die Juden Südafrikas sonderlich religiös sind. Die litauischen Juden sind selten übermäßig orthodox', wenn sie in westeuropäischen oder überseeischen 1 ändern leben. Die südafrikanischen Juden sind bewußte Juden mit gutem jüdischen Gefühl und Instinkt. Sie haben weder ihre Leiden in Osteuropa vergessen — dies ist auch ganz ausgeschlossen, da jeder eine oder mehr verwandte Familien im Osten zu unterstützen hat, — noch die Art wie Deutschland und besonders die deutschen Juden sich gegenüber jüdischer Einwanderung nach Deutschland verhielten. So sei nebenbei erwähnt, daß die Mehrheit der deutschen Juden als Juden hier einen außerordentlich ungünstigen Ruf genießt und daß der freie Jude Südafrikas nichts als tiefste Verachtung hat für die Haltung unserer Assimilanten Deutschen und Juden gegenüber. Die wenigen deutschen Juden, die es hier in Südafrika gibt, tragen in ihrem Hochmut den anderen Juden gegenüber auch nicht dazu bei, diesen Ruf wesentlich zu verbessern. Zionismus ist dem südafrikanischen Juden Teil seines Judentums. Es gibt natürlich auch vereinzelt Nichtzionisten, aber diese sind dann in der Regel auch allgemein jüdisch völlig desinteressiert und gehen meistens durch Mischehen dem Judentum verloren. Es handelt sich dabei gewöhnlich um Leute, die in irgendeinem von jeder jüdischen Gemeinschaft femabgelegenen Farmerdistrikt leben oder um berufsmäßige Diamantendigger. Die ״Krise“ in Palästina hat nicht die geringste Depression auf den südafrikanischen Zionisten ausgeübt, weil jeder hier täglich mit eigenen Augen lieht, welche Schwierigkeiten in einem Neulande zu überwinden sind — und daß sie überwunden werden, erscheint selbstverständlich. Zionismus ist hier so identisch mit Judentum, daß auch die Regierung sich diese Auffassung völlig zu eigen gemacht hat und jede zionistische Aktion mit allen ihren Kräften unterstützt. Es ist überaus schwierig, den südafrikanischen mit dem deutschen Zionisten zu vergleichen. Der südafrikanische Jude war nie vor die Entscheidung gestellt: Assimilation oder Nationaljudentum. Für ihn war immer letzteres Selbstverständlichkeit, so wie es keiner Frage bedurfte, ob der Bur Bur oder der Engländer Engländer sei. Daß Zionismus auch für den südafrikanischen Juden Uebersiedlung nach Palästina hedeuten könnte, ist eine kaum eben debattierte Frage. Ursache mag sein, daß die wirtschaftliche Lage hier zu günstig ist und daß vorläufig weder intellektuelle noch moralische Judennot fühlbar sind, daß ferner Auseinandersetzungen über jüdische Probleme äußerst selten sind, da der südafrikanische Zionismus des intellektuellen .Wesens des deutschen Zionismus völlig entbehrt. Es mag hier auch erwähnt werden, daß Krieg und Nachkriegsideen einen ganz unbedeutenden Einfluß auf Südafrika ausgeübt haben. Die jüdische Jugend ist dfcm Judentum schon recht entfremdet. Nicht daß man in diesem Lande von einer eigentliehen Assimilation sprechen könnte, aber die Jugend versteht zu einem guten Teile nicht mehr Jiddisch und ist stark anglisiert, was sich in einer vollkommenen Vernachlässigung geistiger Dinge äußert. Wie mir jedoch Dr. 01 s v a n g c r erklärte, stände es heute um die Jiklischkeit der jüdischen Jugend Südafrikas weit besser als noch vor wenigen Jahren, und zwar ausschließlich unter dem Einfluß des werdenden Palästina und der zionistischen Jugendbünde (Scouts). Auf diese Jugend, die als wirklichen Juden nur den alten frommen und für ihre Begriffe nicht ganz sauberen Juden anzusehen geneigt war, hat jetzt die Erscheinung K i s c 11 s einen ungelieuren Eindruck gemacht. Es war für diese Jugend etwas Unfaßbares, als dieser in seinem Wesen einem vollkommenen Engländer gleichende, kriegsverwundete Colonel — Südafrika hat vom Kriege nur die heroische Seite gespürt — und frühere Oxfordstudent zu ihr nur als Jude sprach —■ über Dienst am Judentum und jüdische Aufgaben. Zum Schluß noch ein kurzer Bericht über eine Keren Hajessod-Versammlung in Potchefstroom, einem kleinen Städtchen Transvaals. In Potchefstroom leben etwa 70 meist wohlhabende, doch für südafrikanische Verhältnisse nicht ausgesprochen reiche jüdische Familien. Die Keren Hajcssod- Propaganda war in der ganzen Union gut vorbereitet, und zwar mit Hilfe der Tageszeitungen, die täglich Berichte über Colonel Kisch, den Keren Hajessod und Palästina brachten. In diesem Zusammenhang mag nachgetragen werden, daß die Zeitungen auch sonst regelmäßig wöchentlich oder häufiger Berichte über jüdische Angelegenheiten bringen. Colonel Kisch, der nebst seiner Frau und Dr. Olsvanger mit dem Auto einfraf, wurde, wie hier üblich, einige Meilen von der Stadt vom Bürgermeister und den Delegierten der Gcrneinde empfangen. Die Frage, welche Familie das Mittag- und welche das Abendessen vorbereiten sollte, hatte schon lange vorher die Gemüter stark erhitzt, zumal die Gemeinde gerade über der wichtigen Frage, ob ein gewisser Chasen angestellt werden sollte oder nicht, in zwei feindliche Lager gespalten war. Aber schließlich wurde auch dies zur Zufriedenheit der einen und zur Unzufriedenheit der anderen glücklich erledigt, und der Abend fand die gesamte jüdische Gemeinde Potchefstrooms in einem hübschen, mit den jüdischen und englischen Farben geschmückten Saale an kleinen Tischchen beim Tee; die Damen in ihren besten Kleidern, kluge Gedanken über Abendkleid, Alter und Abkunft von Frau Kisch austauschend, die Männer vorläufig noch ein wenig unsicher, und jeder für sich noch einmal die Höhe des Keren Hajessod-Beitrages fesfsetzend. Zuerst sprach Dr. ülsvanger jiddisch, ein wenig für das jüdische Herz, dann Kisch, vom Vorsitzenden als Handelsreisender des Keren Hajessod eingeführt — es ist mir noch heute nicht klar, ob es ein Witz oder eine Entgleisung war — kühl, sachlich, Zahlen und Tatsachen bringend. Dann war auf einmal ״Stimmung“ da; eine ungeheure Freude am Geben und Gebenkönnen war auf jedem Gesicht zu lesen. Alle guten Vorsätze, noch vor wenigen Minuten endgültig festgelegt, waren plötzlich vergessen, da war nicht einer, der nicht weit mehr gab als er ursprünglich wollte. Und dies war keineswegs der Tatsache zuzuschrcibcn, daß die Zeichnungen sofort laut bekanntgegeben wurden und auch nicht dem Wunsch den Rekord Benonis (ein anderes kleines Städtchen) zu brechen, sondern der reinen Freude, als Juden mithelfen zu können. Geschäftspartner verbesserten den gemeinsamen Beitrag, ohne den anderen zu fragen, wohlsituierte jüdische Ehemänner wichen dem Blick ihrer Frauen .aus 11ml verdoppelten den vorgenommenen Beitrag, die ganze Gemeinde fühlte sich eins in der Freude des Gebens, und Zank und Spaltung waren völlig vergessen. Es fällt mir schwer, dies zu beschreiben, und es ist schwer, sicli gesetzte, jüdische Väter, kühle Geschäftsleute unter den Augen ihrer Frauen und Kinder Jiidisehkeit und Zedakah als Erlebnis fühlend vorzustellen. Ich sprach später mit vielen Jüngeren, und so verschieden sie dies ausdrückten, allen hatte die Erscheinung Kischs und die Reaktion ihrer Eltern den Blick auf etwas bisher Unverständliches und Unbekanntes eröffnet, die Freude am J u d e s c i n. $\t «•" *CA f. - V ' bei Euren Bekannten, auf allen Der- Sammlungen und durch Hausbesuche! Zionismus in Tunis Von Dr. h. c. Freiherr von Schocnaich, Generalmajor a. D. Bei meinen Wanderungen durch Tunis bin ich, abgesehen von den modernen Wohnhäusern in den Europäcrvicrteln, auf vier'verschiedene Arten jüdischer Heimstätten gestoßen. In der Stadt Tunis wohnen die Juden ziemlich geschlossen im nordöstlichen Teil der Medina. Nur am Rande des Juden- Viertels sind Juden- und Araberhäuser in Gemengelage, ln Sous sc wohnen die Juden innerhalb der alten Stadtmauer mit den Arabern ganz, in Gemengelage. In S f a x hat man ihnen innerhalb der arabischen Stadtmauer die Ansiedlung nicht gestattet, man hatte ihnen aber dicht dabei ein Wohngebiet angewiesen, das anschließend au die arabische Stadtmauer mit einer besonderen Mauer umgeben wurde. Dieser Mauerteil ist bei dem Bombardement durch die Franzosen itn Jahre ISS! zerstört und bald darauf ganz niedergelegt worden. Dadurch ist das Judenviertel mit dem neuen Europäer viertel, in dem auch Araber wohnen, verschmolzen. Endlich in den Troglodytcndörfern Matmata, Mcdcninc und Foum-Tataouinc wohnen Juden und Araber ohne Abgrenzung nach außen ganz in Gemengelage. Ucberall dort, wo Juden und Araber vermischt wohnen, sind die Judenhäuser durch hellblauen Anstrich leicht erkennbar. Das erleichterte mir, bei dem Wunsch, in die Seele der tunesischen Juden cinzudringen, sehr die Anknüpfung. Um so mehr, weil die in Sfax erscheinende zionistische Zeitung ״Le Reveil juif“ am Tage meiner Ankunft einen Artikel über mich gebracht hatte. Sowie ich mich zu erkennen gab, war ich eines freundlichen Empfanges in allen Häusern, die ich betrat, sicher. Das erste, was man mir überall zeigte, war die hellblaue Sammelbüchse des Keren Kajemeth. Ich habe nicht erfahren können, ob die hellblaue Farbe irgendwelche historische Bedeutung hat. Vielleicht weiß es einer der Leser. Eines der ersten Gesprächsthemen war immer die Stellung der Zionisten innerhalb der deutschen und innerhalb der tunesischen Juden. Nach allem, was ich in Tunis gehört habe, dürften die Zionisten innerhalb der tunesischen Juden mit 95 0'״ in der erdrückenden Mehrheit sein. Innerhalb der wohlliabcnderen livornesischcn Grani ist der Prozentsatz niedriger als innerhalb der ärmeren Tuansa. Präsident der zionistischen Vereinigung ist der bei Juden, Arabern und Franzosen hochgeachtete Advokat Victor Cattau, dessen sachrersfändiger Führung ich die interessantesten Stunden meiner Entdeckungsreisen innerhalb der Medina verdanke. Ich habe in früheren Artikeln (in der ״Voss. Ztg.“) gezeigt, daß die tunesischen Juden gewissermaßen das Spiegelbild der ganzen bewegten Landesgeschichte sind. Gute und schlechte Zeiten sind in Jahrhunderten über sie hinweggegangen, bis sic unter der jetzigen französischen Fferrschaft zu einem Ruhepunkt mittleren Wohlergehens gelangt sind. Wenn unter diesen Juden der Prozentsatz der Zionisten größer ist als in den meisten Ländern der Erde, so dürften sie gewissermaßen als zionistisches Schulbeispiel besonders geeignet sein.!; Irgendein Witzbold bat einmal gesagt, die Zionisten seien Juden, die den Wunsch haben, daß die anderen Juden nach Palästina auswandern sollen. Ein Körnchen Wahrheit steckt darin. Es gibt zahlreiche Juden in allen Ländern, die selbst gar nicht daran denken, nach Palästina auszuwandern, und die doch die zionistische Bewegung wärmstens unterstützen, nicht, weil sie die anderen Juden los sein wollen, sondern weil sie hoffen, daß ihre Glaubensgenossen, denen es in ihren derzeitigen Heimatländern schlecht geht, in Palästina wieder zu Menschenwürde kommen können, die ihnen anderswo vorenthaltcn wird. Man vergißt so leicht, daß die zionistische Bewegung in erster Linie entstanden ist im Hinblick auf die unterdrückten Juden in den europäischen Ostländern und erst in zweiter, weil die Juden auch in vielen der sogenannten westeuropäischen Kulturländer wohl gesetzlich, aber nicht moralisch die volle Gleichberechtigung hatten. Max Nordau, einer der großen Bahnbrecher des Zionismus, hat einmal im Frühstadium der Bewegung einem jüdischen Gegner geantwortet, der den Zionismus für eine feige Flucht vor dem Antisemitismus genannt hatte. Er hat in dieser Antwort die Palästina-Pioniere verglichen mit den Pilgervätern, die auf der Mayflower der Stickluft des englischen Vaterlandes entflohen, und drüben die Schöpfer einer neuen Welt geworden sind, und mit den Hugenotten, die nach Aufhebung des Ediktes von Nantes dem französischen Vaterlandc den Rücken kehrten, und dann in Brandenburg die Schöpfer neuen Gewerbcfleißes wurden. Zu solcher aufbauenden Flucht gehört oft weit mehr Mut als zu dumpfem Dulden bitteren Unrechtes. Wenn heute unter den tunesischen Juden, denen es verhältnismäßig gut geht, soviel Zionisten vorhanden sind, auch solche, die wie mein Freund Cattan, nicht daran denken, selbst nacli Palästina auszuwandern, so muß das doch noch tiefere Gründe haben. Mit der tunesischen Staatsangehörigkeit hat es eine sehr eigenartige Bewandtnis. Der Bey führt tatsächlich ein Schattendasein und der wirkliche Regent ist sein Außenminister, der gleichzeitig französischer Minister- Resident ist. Alle maßgebenden Beamten sind Franzosen. Die Juden, die größtenteils staatsrechtlich Tunesier sind, haben daher mit Recht die Empfindung, daß sie in Wahrheit weder Tunesier, noch Franzosen, noch Ausländer, noch Staatenlose sind, sondern eben nur Juden. Zu dieser rein staatsrechtlichen Erklärung der Werbekraft der zionistischen Idee kommen dann noch die besonderen jüdischen. Die tunesischen Juden haben sich in ihrer sehr verwickelten Geschichte, die ich in früheren Artikeln geschildert habe, einige ganz besondere Eigenschaften erworben. Der bei allen Juden an sich schon starke F a m i - l i e n s i n n ist dort besonders ausgeprägt. Dazu kommt ein gewisser Stolz darauf, Jude zu sein. Ob dabei das alte phönizische Meerbeherrscherblut oder die starke Mischung mit den bcrberischen Ureinwohnern eine Rolle spielt, lasse ich dahingestellt. Aus diesen Elementen ist dann ein jüdisches Nationalgefühl entstanden, wie es bei den weit mehr assimilierten Juden westlicher Kulturländer und sogar bei den osteuropäischen Juden nicht aufkommen konnte. Natürlich wissen die tunesischen Juden auch, daß eine Masseneinwanderung nach Palästina vorläufig nicht in Frage kommt. Sie sind daher bestrebt, ihre sonderbare Staatsangehörigkeit zunächst dadurch zu klären, daß sie sich französisch naturalisieren lassen. Damit ist unter ihnen die auch in anderen Ländern viel besprochene Frage brennend geworden, ob man gleichzeitig guter Franzose und guter Jude sein könne. Die Fragesteller vergessen dabei immer, daß die ganze Nationälitätenfrä'ge durch die Entwicklung dfer ^eltpolitik und Wirtschaft heute ein ganz anderes Gesicht bekommen hat als vor 100 Jahren. Wirtschaft und Verkehr haben die Grenzliniert ■wischen den Nationen mehr und mehr verwischt, und wenn nicht immer wieder von politischen Brunnenvergiftern mit täppischer Hand eingegriffen würde, wäre die Verwischung noch viel weiter gediehen. Dazu kommt, daß die nationale und die soziale Schichtung sich in allen Ländorn längst übcrschnciden. Damit schwindet nach meiner Auffassung auch der Haiipteiinvand der Antizionisten. Ich glaube, daß ein tunesischer Jude sehr wohl sein Heimatland glühend lieben kann, es nicht verlassen will, dabei die Entwickelung des Palästinastaates doch freudig fördern und obendrein auch noch die französische Regierung als durchaus wohltuend empfinden kann. Wenn er dann vielleicht auch noch Mitglied einer Internationale ist, so haben in seiner Brust nicht nur zwei, sondern vier Seelen Platz. Eine andere Frage ist, ob das Zusammenleben von Juden und Arabern, das sielt in Tunis ganz reibungslos abspielt, sich in derselben Weise auch in Palästina entwickeln kann. Das Tunis-Beispiel zeigt jedenfalls, daß cs einen natürlichen Völkerhaß nicht gibt. Was unter dieser Spitzmarke segelt, ist üble Mache übler Politiker. Wenn ich je einen Zweifel gehabt hätte, ob das Palästinawerk bei gutem Willen gelingen kann, so hätte meine dies- .jährige Tunisreise diesen Zweifel beseitigt. % * T a n g e r, 6. Juni. (J. T. A.) Zur Förderung von Freundschaftund Verständigung zwischen dem jüdischen und dem arabischen Element in Tanger wurde von Vertretern jüdischer und arabischer Jugendorganisationen eine Gesellschaft gegründet. In Tanger wohnen 40000 Araber und 10000 Juden. Griinbaam Präsident des fOdischen Clobs Warschau, 14. Juni. (J. T. A.) Der Club der jüdischen Deputierten und Senatoren hielt gestern eine Sitzung ab, in der die Richtlinien für die jüdische Politik in Polen für die nächste Zukunft festgelcgt worden sind. Abg. Grünbäum cröffnele die Aussprache mit der Erklärung, daß die jüdischen Deputierten gegen das Budget der Regier u n g stimmen müssen, da insbesondere das Steuer• budget gegen die Interessen der jüdischen Bevölkerung aufgebaut worden ist. Senator Dr. Schreiber polemisierte gegen Grünbaum und setzte die Nachteile einer oppositionellen Politik auseinander. Er trat für Stimmenthalhing ein. Abg. Dr. Leon Reich schloß sich den Ausführungen Schreibers an. Abg. Heller stimmte den Ausführungen Grünbaums zu. Es sprachen noch Eisenstein, Wygodski, Rosmarin und Farbstein. Bei der nun folgenden Wahl des Präsidenten wurde Grünkaum mit 6 Stimmen zum Präsidenten gewählt; die 5 ostgalizischcn Deputierten enthielten sich der Stimme. Dr. Reich gab im Namen der jüdischen Deputierten aus Ostgalizien eine Erklärung ab, in der die Wirtschaftliehe Benachteiligung des jüdischen Elements bedauert, aber dargelegt wird, daß nach positiven Mitteln zur Durch• setzung des jüdischen Standpunktes, wie Aufklärung der öffentlichen Meinung, Verhandlungen mit den politischen Parteien und der Regierung, gesucht werden müsse, da eine rein negative Politik, wie Ablehnung des Budgets, nicht zum Ziele führen könne.

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