Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 47 (15.6.1928)
- Date
- 1928-06-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 47, 15. VI. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 339 über die übrige Welt zu unterrichten hat, und zwar von zionistischer Grundanschauung aus. Ich gebe zu, daß das nicht leicht ist und daß besonders im Anfang einer solchen Arbeit Anregungen nötig sind, die von einer Zentrale ausgehen müßten. Eine der nächsten Sitzungen der erfreulicherweise neu geschaffenen Ver* Sammlung der Ortsgruppenleiter sollte sich mit der Gestaltung und Organisierung dieser Arbeit beschäftigen. VII. Die vorstehenden Ausführungen wollten nichts anderes, als die Aussprache des Delegiertentagcs fortsetzen, die nicht versickern darf, auf daß alles beim alten bleibe. Wir wollten versuchen, anzudeuten, wo noch Klärung nottut, ohne vielleicht im einzelnen letzte Klärung geben zu können. Um Klarheit und Wahrhaftig* keit in unserer Arbeit müssen wir ringen, nicht nur um unsertwegen, sondern auch um derer willen, die außerhalb unserer Reihen den Weg zu uns suchen und vielfach nicht mehr finden können. Claude Monteilore Der Mann und seine Tätigkeit Von Paul Goodman, London. Am 6. Juni feierte Mr. Claude Montefiore seinen siebzigsten Geburtstag. Ein Komitee, mit Mrs. Leopold de Rothschild an der Spitze, überreichte ihm aus diesem Anlaß einen Scheck über £ 2683 für gemeinnützige Zwecke, mit einer Mappe, die die Namen von 639 Beiträgem enthielt, und drückte die Gefühle, die in allen Schichten, fern und nah, für seine Persönlichkeit etnpfunden werden, aus. (Wir haben auf den 70. Geburfstag dieses bedeutenden Mannes, der unser Gegner ist, und auf die Widersprüche seiner antizionistischen Betätigung in unserem Schawuoth-Artikel in Nr. 40/41 der ״J. R.“ hingewiesen. — Red.) Ein Festtag Claude Goldsmid-Montefiores ist ein Ereignis von mehr als lokaler Bedeutung. Montefiores hervorragende Persönlichkeit sowie seine mannigfaltige Tätigkeit in fast allen Zweigen des jüdischen Lebens haben ihn zu einer repräsentativen Figur gemacht So wie sein Großonkel Sir Moses Montefiore ein Symbol seiner Zeit war, können wir auch Claude Montefiore als Vertreter einer bestimmten Richtung im Judentum des letzten halben Jahrhunderts hetrachten — als den würdigsten Repräsentanten, den die jüdische Philanthropie als Betätigung und das liberale Judentum als religiöse Auffassung während dieser fünfzig Jahre hervorgebracht haben. Claude Montefiore ist sephardischer Patrizier. Sein Vater, Nathaniel, war Arzt, übte aber seinen Beruf nicht aus, sondem widmete sich den Angelegenheiten der Londoner sephardischen Gemeinde. Seine Großmutter väterlicherseits war eine Rothschild, aber er wurde besonders durch seine Mutter, eine Tochter des Sir Isaac Lyon Goldsmid, ,des ersten jüdi• sehen Baronets und eines Vorkämpfers der jüdischen Emanzipatlon, beeinflußt Die Montefiores, die^Ödurch den rühm־ reichen Sir Moses einen besonderen Glans erhielten, wäret nicht nur, wie die meisten Sephardim, konservativ veranlagt, sondern betätigten sich fast ausschließlich in den Grenzen jüdischer Gemeindeangelegenheiten. Nicht so die Goldsmids, eine Familie, die von Hamburg über Amsterdam im Jahre 1765 nach London einwanderte, und bald eine hohe Stellung in der englischen Finanzwdt sowie auch im gesellschaftlichen Leben der englischen Aristokratie einnahm. Die Goldsmids, die nebenbei eine ziemlich bedeutende Rolle in der englischen Politik spielten, blieben wohl dem Judentum treu, aber sie waren ausgesprochen freisinnig veranlagt und waren Führer der Reformgemeinde, die in London in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegründet wurde. Claude Goldsmid-Monfefiore war der Erbe dieser verschiedcnen Familientraditionen. Tief religiös gestimmt, hat er zäh an dem väterlichen Glauben gehalten, hat aber dabei neue Wege gesucht und sie im liberalen Judentum, dessen hervorragendster Führer er geworden ist, gefunden. Als Zogling der Universität Oxford kam Montefiore unter dem Einfluß des Benjamin Jowett, eines der markantesten Figuren, der englischen Kultur, der als ״Master“ der aristokratischen Balliol College eilten nachhaltenden Eindruck auf eine ganze Generation der geistigen Führer Englands ausgeübt hat Jowett war vornehmlich Hellenist, aber seine freigeistige Weltansehauung fand im weiten Rahmen der englischen Staatskirche starken Anklang. Claude Montefiore sah in Benjamin Jowett einen verwandten Geist, sowie er selbst in Philo Judaeus einen vorbildlichen Apostel der Verschmelzung griechischer Kultur mit jüdischer Frömmigkeit fand. Er wollte sich im Judentum nicht nur in der üblichen charitativ-politisehen Weise ausleben, sondern auch einen Versuch zur Annäherung und zur Verständigung zwischen dem altelirwürdigen Glauben Israels und der modernen, protestantischchristlich europäischen Geisteswelt herstellea Wir finden diese Spuren in dem ״Florilegium“ phiionischer Gedanken und Aus- Sprüche, und einem Bändchen Predigten, ״Aspects of Judaism“, die er gemeinsam mit seinem Freunde Israel Abrahams vor einigen dreißig Jahren hermsgab. Montefiore wollte sich daher dem Rabbinerberufe widmen und ihn in der Londoner Reformsynagoge, die von seiner Familie gegründet und verwaltet wurde, ausüben. Es war ihm aber nicht daran gelegen, seine Gemeinde mit salbungsvollen Phrasen, die er der christlichen Kanzel abgelauscht hatte, ab- Zuspeisen. Sein Drang nach jüdischer Bildung führte ihn nach Berlin, wo er einige Zeit Hörer an der Lehranstalt für die Wissenschaft des Judentums war. Es schien aber, daß die jüdische Theologie, wenn auch in ungebunden wissenschaftlicher Art, ihn nicht ganz befriedigte, und er gab daher seine Absicht als Geistlicher zu fungieren auf. Wenn, es auch zu bedauern war, daß in England ein ökonomisch sowie geistig unabhängiger Mann das Amt eines Gemeinderabbiners nicht ausübte — denn das hätte gewiß unter den gegebenen Umständen einen wohltuenden Einfluß auf die geistige Ent- Wickelung des englischen Judentums ausgeübt — so war dennoch der Versuch an und für sich von bleibender Bedeutung. Seine Freundschaft mit Salomon Schechter. den er in Deutschland kenncnlernte, sollte von weitreichendem Einfluß werden. Schechter, der auf Montefiores Veranlassung nach England übersiedelte, fand hier ein Tätigkeitsfeld, das ihm woM In Zentraleuropa verschlossen geblieben wäre. Es war ein Mann, der als Gaon die gesamte jüdische Geistesweit beherrschte, und alle Phasen des Judentums in ungewohnlich schöner englischer Sprache der nicht-jüdischen Welt nahezu offenbarte. Schechters jüdischen Einfluß auf Claude Montefiore konnte man besonders bemerken an seinen Vorträgen über die Religion der Hebräer, die er in seiner Eigen- Schaft als Hibbert Lecturer der christlichen Welt in ungewohnter Form darlegte. Die vornehme, aber dennoch entschiedcne Verteidigung der Pharisäer hat grundlegend dahin gewirkt, daß man seitdem das Judentum des ersten Christliehen Zeitalters mit mehr Objektivität behandelt hat. Schechter, der durch Montefiore das Amt eines Lektors der Rabbinischen Wissenschaft an der Universität Cambridge erhielt, setzte in diesem Mittelpunkt der englischen Kultur seine Missionsarbeit im Dienste des Judentums unter christlichen Gelehrten fort, eine Tätigkeit, die späterhin auf Montefiores Veranlassung von seinem intimen Freunde Israel Abrahams übernommen wurde. Es war auch späterhin, als Maecenas der jüdischen Wissenschaft, daß Claude Montefiore mit Israel Abrahams, zwanzig Bände der ״Jcwish Quarterly Review“ herausgab, die als die bedeutendste jüdische Leistung dieser Art in England zu ,.betrachten ist. Claude Montefiore blieb dabei aber immer der Verteidiger und Verbreiter des radikalen Reformjudentums in England. Er fand besondere Unterstützung bei Oswald John Simon, der vor dreißig Jahren einen Sonntagsgottesdienst für Jud und Christ einrichten wollte. Viel mehr aber gab ihm Israel Abrahams, der aus seinem Geistesreichtum dem Reformjudentum in London einen gewissen Inhalt zu geben versuchte. Allmählich sammelten sich um Montefiores Persönlichkeit die verschiedenen Elemente, die im liberalen Judentum ihre religiöse Befriedigung zu finden hofften. Eine liberale Synagoge ist entstanden und wächst an Mitgliederzahl, sie sucht durch Propaganda Anhänger in allen Schichten der jüdischen Bevölkerung, in London und der Provinz. Es ist das nur zu oft ein Ersatzjudentum, ohne Saft und Kraft, aber man kann getrost sagen, daß die Führer und die Geführten in dem Leben und Streben Claude Montefiores eine Anregung, aber auch nicht selten eine Entschuldigung für ihr liberales Judentum gefunden haben. Man könnte als Paradox behaupten, daß Claude Montefiores jüdisches Ideal grundverschieden von dem seiner gewohnlichen Anhänger ist. Für sie ist letztens das liberale Judentum etwas, das leicht zu erfassen und zu ertragen ist, das zu keinem besonderen Opfer verpflichtet und gerade ausreichend für ihr schwaches jüdisches Bewußtsein ist. Montefiorc ist wohl theologisch freigesinnt, aber ihm ist jedenfalls das Judentum eine geschichtliche Pflicht und ein hohes Erlebnis. Er meint es mit dem liberalen Judentum so ernst, daß er seit vielen Jahren die Verbreitung des Judentums unter Nichtjuden befürwortet hat. Er ist Llniversalist, der das Ideal des zweiten Jesaias in ^lie Tat umsetzen möchte. Hierin haben wir die Gründe seiner Gegnerschaft zum jüdischen Nationalismus, die ihn bewogen hat, den Zionismus Us Gefahr für die Zukunft des Judentums zu bekämpfen. Wir Zionisten haben in ihm leider den bedeutendsten, weil ehrlichsten, Gegner gefunden, was wir, wenn auch in ritterlieber Form, betonen müssen. Man könnte sagen, daß die Opposition Montefiores, die auf philosophisch-religiöser Grundläge aufgebaut ist, wie die Gegnerschaft Lucicn Wolfs auf politischem Gebiet, die *zionistische Arbeit in England sehr erschwdüt hat Sowie Herzls Versuche, ihn zu gewinnen, fehlgeschlagen hatten, so waren auch die späteren Bestrebungen, ihn als Präsidenten der Anglo-Jewish Association und als Mitglied des Rates der Jewish Colonization Association für die Palästinaarbeit freundlich zu stimmen, von keinem Erfolge gekrönt Er gehört konsequent zum äußersten linken Flügel des Judentums sowie die Agudath Israel zum rechten, wenn auch Montefiores vornehme Art des Kampfes Vergleiche mit anderen Antizionisten erschwert. Mr. Montefiore hat viele hohe Aemter in der englischjüdischen Gemeinde bekleidet, und war besonders in seiner Eigenschaft als einer der Vorsitzenden des Conjoint Foreign Committee mit bestem Wissen und Gewissen von bedeutendem Einfluß auf die Geschicke seines Volkes. Das Schwergewicht seines Lebenswerkes ist aber auf geistigem Gebiet zu suchen. Die äußeren Erfolge des liberalen Judentums in England, mit dem sein Name seit den letzten Jahren so eng verknüpft ist, stehen in gar keinem Verhältnis zu den wirkliehen Leistungen des Mannes. Denn mehr noch als in Deutschland oder in Amerika entbehrt das radikale Judentum in England eines wirklichen Inhalts und ist fast ganz auf einem Personenkultus aufgebaut. Es fehlt ihm eben an einem eigenen geistigen Hinterland, wie es die Orthodoxen und Zionisten besitzen und aus dem sie frische Kräfte ziehen können. Unter seinen Leuten ragt Claude Montefiore wie eine edle Gestalt, ein moderner Philo Judaeus, hervor, von allen verehrt, aber nur von wenigen in seinen religiösen Bestrebungen unterstützt. Es sollen daher seine Verdienste um das Judentum nicht geschmälert werden, wenn man behauptet, daß er mehr als das Symbol einer creignisvollen Vergangenheit, denn als das einer hoffnungsvollen Zukunft betrachtet werden kann. Die palästinensisch-arabische Konferenz Von unserem palästinensischen Korrespondenten. AG, Jerusalem, 6. Juni. Die Vorbereitungen zur siebenten arabischen Konferenz machen bisher keine guten Fortschritte. Ein Versuch der Familie H u s s e i n i, mit der Hilfe der Familie der Dadjani in Jaffa die Wahl der ihnen gemäßen Kandidaten durchzuführen, scheiterte an dem Widerstand ihrer Gegner. Es scheint außer! dem, daß eine Tendenz unter den christlichen Arabern besteht, sich gegen die Moslems in einer geschlossenen Front zu einigen. So vermischt sich der alte Kapipf mit den großen Familien mit den gegensätzlichen Tendenzen der verschiedenen religiösen Bekenntnisse. Eine Klärung der Verhältnisse ist bisher nicht abzusehen. Die arabische Zeitung ״Fa lest in“ in Jaffa bringt einen eingesandten Vorschlag, wieder eine Delegation der palästinensischen Araber nach London zu schicken, die aus Christen und Moslems zusammengesetzt sein und dort Jahre hindurch arbeiten soll. Ihr Ziel ist die Gewinnung von Freunden für die arabische Sache und die Bekämpfung des Zionismus. E>er ״Falestin“ weist darauf hin, daß es weder Geld noch Menschen für diese Aufgabe gäbe. Er empfiehlt statt dessen, die Benutzung ausländischer Zeitungen für arabische Propaganda. Abschied von Ciro €cla$ Es ist kaum fünf Wochen her. Wir standen am Fenster eines römischen Palastes, der wie viele seiner Brüder jetzt zum Hause der Arbeit geworden war, und blickten auf das Trajansforum herab: den wild umgrünfen Platz; rings eingezäunt, tief unter der Straße liegend wie ein unterirdisches Reich; mitten drauf noch die Reste einstiger Pracht, marmorne Säulenstümpfe, hier und da im Grase Bruchstücke antiker Reliefs: allles aber überwuchert von frischem Grün und umspielt von Scharen von Katzen, die jetzt hier daheim sind. Tod und Leben kämpfen hier miteinander, so scheint es; und das Leben siegt . . . Widerschein dieses Anblicks vielleicht lag über unserem Gespräch. Der hochgewacliscne Mann mit den blitzenden Augen und dem wildlockigen Haar (sah Ciro Giaß wie ein Römer aus? sah er wie ein Jude aus? — nie konnte ich’s ergründen) hatte mir von italienischer Jüdenheit erzählt; einiges davon suchte ich bereits in meinem Aufsatz ״Italia Judaica“ (s. vorige Nummer der ״J. R.“) wiederzugeben. Erstarrung und Erschlaffung vieler Geschlechter; ״nur wenn sie heiraten oder sterben, merken sie, daß sie Juden sind“. Seit einem Menschenalter aber neues Leben überall unter der jüdischen Jugend; Ciro Glaß selbst gehörte ja zu den Führern der zukunftsreichen jungjüdischeii Bewegung der ״Integralen“, von denen hier schon die Rede war. Eine kleine Schar von Auserlesenen, erwachsen auf dem erinncrungsschweren Boden dieses Landes, wo Verständnis für historische Werte, wie es dem Fremden scheint, aufsprießen muß wie das Gras auf der Wiese, entdeckte auf dem Wege des jüdisehen Nationalismus das ״Lebenswerk der jüdischen Nation“, wie Glaß cs im Gespräche nannte, den uralten Quaderbau der jüdischen Tradition; und nahm in lebendiger Erkenntnis ihrer weittragenden Bedeutung die jüdische Sitte in ihr Leben auf. Ciro Glaß selbst, ursprünglich Naturwissenschaftler, hatte die Sache der Juden immer mehr zum Inhalte seines Lebens gemacht. In Florenz schon hatte er, der Triestiner, das jüdische Wochenblatt ״Israel“ geleitet; jetzt hatte er vor kurzem in Rom den Verlag ״Israel“ gegründet und war voll von Plänen für die Weiterentwicklung dieses Unternehmens. Hier am Trajansforum arbeitete er; Stapel von Büchern lagen aufgehäuft um ihn herum; eben kam ein neuer Schreibmaschinentisch — alles atmete Jugend, Tatkraft, Zukunft, in einer Reihe von Uebersetzungen wollte er das Italienische Judentum anschließen an das geistige Leben der Juden in aller Welt. Daneben sollten Biographien die Gestalten großer Juden aller Zeiten wieder lebendig machen. Schon arbeitet ein Florentiner Philosoph an einer Biographie Moses Mendelssohns, die im Verlage ״Israel“ erscheinen soll; eine Heine-Biographie wurde vorbereitet; auch der berühmte italienische Volkswirtschaftler Luigi Luzatti sollte in dieser Reihe erscheinen. Und kurz vor der Veröffentlichung schon stand, so erzählte er, das Buch seines Freundes Pacifici, das die Grundlagen dieser jungfräulichen Bewegung darstellte, ״LTsracle Unica“. Wenige Tage später sah ich, wie schön Ciro Glaß seine jüdische Lebensanschauung in den Alltag seines Lebens aufgenommen hatte. Jeder jüdische Student Roms kannte sein schönes Haus in der Via Nomentana, wo er im Verein mit seiner lieblichen jungen Frau wahrhaft altjüdische Gastlichkeit pflegte. Nie vergesse ich, wie der jünglinghafte Mann, die seltsam altertümlich geformte sephardische Kappe auf dem Haupte, nach Tische die Birkath Hamason vortrug — nein: vorsang. Da glich er einem jener ״stolzen Sepharden“, die Heinrich Heine liebte; Rabbi Manasse ben Israel mochte in seiner Jugend etwa ähnlich ausgesehen haben. Das ist kaum fünf Wochen her. Unterdes hat ein unbegreiflich schweres Geschick uns diesen außen wie innen edelgeformten Menschen geraubt. Und wenn ich heute wiederkäme in die verödete Arbeitsstätte am Trajansforum, so würde mein trauriges Auge wohl dort nur noch den Sieg des Todes über das Leben sehen: geborstene Säulen, verfallene Tempel. Und im Ohr würde mir Israels alte Klage klingen: Wie sind deine Helden gefallen. . . . Bertha Badt -Strauß. * Ciro Glaß stammte aus einer zionistischen Familie in Fiume. Sowohl sein Vater wie auch ein verstorbener Onkel standen seit den Anfängen des Zionismus in unserer Bewegung. Unmittelbar nach dem Kriege wohnte Ciro Glaß in Triest und übersiedeltc kurze Zeit später auf dringenden Wunsch unserer italienischen Gesinnungsgenossen nach Florenz, wo sich seither das zionistische Zentrum Italiens befand. Zusammen mit unseren Gesinnungsgenossen Dr. Pacifici und Prof. Prato — der letzte ist jetzt Oberrabbiner in Alexandrien —, mit denen ihn ein selten inniges Freundschaftsverhältnis verband, schuf Ciro Glaß dem Zionismus in Italien eine beherrschende Stellung innerhalb der Jüdenheit und starke Sympathien in der nichtjüdischen Oeffentliehkeit. Dank seiner unermüdlichen Arbeit wurde die, anfänglich dem Zionismus in der öffentlichen Meinung Italiens nicht sehr günstige Stimmung in das Gegenteil umgewandelt. Sicherlich ist es der Arbeit Ciro Glaß’ zu danke״, wenn jetzt in Italien ein Pro Palästina-Komitee besteht und die maßgebende und öffentliche Meinung Italiens ein sehr starkes Interesse an unserem Aufbauwerk nimmt. Daneben entfaltete Ciro Glaß eine rastlose organisatorische und kulturelle Arbeit und auch Keren Hajessod und Keren Kajemeth standen seit Jahren unter seiner Leitung. In Ciro Glaß verliert nicht nur unsere italienische Organisation einen ihrer aktivsten Führer und einen unersetzlichen Arbeiter, sondern auch der Weltzionismus beklagt in dem jungen, hochbegabten, auf so tragische Weise ums Leben Gekommenen einen Mitstreiter, der eine große Hoffnung unserer Bewegung war. Mandatsländer und internationales Arbeitsamt Genf, 10. Juni. (J. T. A.) Die Reglementskommission der soeben in Genf stattgefundenen elften Session des Internationalen Arbeitsamtes hat dem Beschluß des Verwaltungsrates hinsichtlich der Beteiligung von Arbeiter vert r e t e r n aus den Kolonien und Mandatsländ e r n an der internationalen Arbeitskonferenz zugestimmt. Auf diese Weise erhält auch die jüdische Arbeiterschaft Palästinas Gelegenheit, sich von Fall zu Fall an den Arbeiten des Internationalen Arbeitsamtes zu beteiligen. Dr. M. S u r a s k y vom Londoner jüdischen Hospital wurde eingeladen, auf der im Juli in London stattfindenden ersten Internationalen Konferenz für Krebsforschung einen Vortrag über Krebskrankheit unter den Juden zu halten.