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Jüdische Rundschau · 1928-06-12 · Heft 46 (12.6.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 46 (12.6.1928)
Date
1928-06-12
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 40, 12. VI. 1928 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 385 Das ״Jüdische״ als Erziehungsproblem unserer Jugend Von Heinrich Kuhn, Charlottenburg. Der Augenblick ist gekommen, das Problem des Jüdischen in der Erziehung unserer Jugend zu untersuchen. Woher kommt es, daß eine Mehrzahl aller Organisationen trotz angewandter Energie so geringe Resultate auf diesem Gebiete zu verzeichnen haben? Sieht man sich die Liste der Referate, Kurse, Veranstaltungen an, so findet man eine solche Fülle von jüdischem Kulturgut verzeichnet, das an die Jugend lierangetragen wurde, daß man unbedingt ergründen muß, warum dieses Gut nicht bessere Zinsen getragen hat. Der Grund muß in der Methode zu suchen sein. Diese Methode war eine rationalistische und ökonomische. Sie konnte die Jugend.nicht erfassen; denn die mußte eine Halbheit bleiben. ״Geschichte des Zionismus“, ,,Palästinakunde“, ,,Jüdische Gcschichte“, ״Kongreßberichte“ oder wie alle die Kurse, Seminare, Vorträge usw. betitelt sind, vermögen in volkstümlieber und allgemeinverständlicher Weise, in der sie mit Rücksicht auf die Niveauungleichheit der Teilnehmer gehalten sein müssen, kein werterfülltes Erlebnis zu bieten. Dort, wo die Persönlichkeit des Führers'oder Leiters hinreißen und begeistern kann, wirken eben nicht jüdische Kuiturwcrte, sondern persönlich-psychische Momente. Wo dagegen bei einem gleichmäßig hohen Niveau aller Teilnehmer eine ernste theuretische Behandlung des Stoffes vorgenommen wird, die auf letzte theoretische Erkenntnis des Problems gerichtet ist, da bleibt das Walirheitscrlcbnis im Bewußtsein (sei es das des Suchens oder das des Findens). Dies ist der Grund dafür, daß die nach Art von Seminaren gestalteten Arbeitsgemeinschatten noch die relativ besten Erfolge zeitigen. Aber diese Methode ist der Jugend nicht angemessen. — Wohin zielte man denn immer mit dieser jüdischen Erziehung? Junger Nachwuchs sollte zum Ersatz herangebildet, weitere Kreise organisatorisch erfaßt werden, die künftige Rekordzahl an Schekolim stand im Hintergründe. Aber das muß doch einmal ausgesprochen werden: Das ist — wenn auch nicht formell, so doch inhaltlich — Parteischule, ist O c k o 11 o m i c des Geistes. Und dazu eine geringwertige; denn der Nutzen bleibt ans. Jugend ist noch Unbegrenztheit, lebt noch in glückhafter Zweckfremdheit oder — cs ist keine Jugend. Die Realität ihrer Ziele ist gering, erst in Formung begriffen, spielerisch und autonom gesetzt. Vor allem anderen aber ist jeder jugendliche Mensch ein ״Ego“. Diese Ich-Betontheit steht jeder theoretischen Methode absolut gegenüber und gehört in eine gänzlich andere Sphäre. In dir allein kann unsere Jugend das ״Jüdische“ erleben; also in einer Sphäre, der als psychische Funktion das Gefühls- und Willensmäßige zugeordnet ist. Man darf aber dieses Gefühl und diesen Willen nicht unter der Terminologie der üblichen Psychologie auffassen. Sic sind unmittelbares Sclbstbewußtsein an einer Erfahrung, komplexartiges — nicht logisch zergliederndes — Erfassen eines Gegebenen und innere Bestimmung der eigenen Haltung, instinktive Hinwendung zu diesem Gegebenen. Dieser Fewußtseinsablauf ist vorherrschend bei der Jugend, auch bei der großen Masse des Volkes, der ein kritischer Intellektualismus fremd ist. Darum haben Appelle an den Intellekt keinen Erfolg, machen keinen Eindruck, haben die Wirkung einer nie gehörten und nie erlernten Fremdsprache. Der einzige Erfolg dieser Methode ist eine instinktive Abwehr- Haltung. Es ist erstaunlich, daß diese täglich zu beobachtende Erscheinung in ihrer psychologischen Struktur noch niemals gedeutet wurde. Mit einem Bedauern, das an Stelle klarer Urteilsfunktionen immer mehr in ein emotionales Erfassen tritt, wird nichts getan. Wir leben in der Epoche einer beginnenden Abkehr vom Rationalismus. Diesen geschichtlichen Tatbestand kann man mit einem günstigen oder ungünstigen Werturteil einschätzen, aber man muß ihm Rechnung tragen. Das emotionale Denken ist die geistige Grundlage der Masse, des einfachen Mannes, die theoretische Vernunft die des Führers. Will er sich der Menge, besonders aber der Jugend, verständlich machen, so muß er die Objekte seiner theoretischen Vernunft in eine dem emotionalen Denken gemäße Form bringen. Jugendführer müssen Gestaltungskraft haben, müssen selbst da, wo reine Vernunft notwendig angewendet werden muß, einen Weg zum Geiste der Jugend finden können. Hier beginnt die Aufgabe der Kunst, der wahren, politisch tendenzfreien, jüdischen Kunst. Politisch tendenzfrei; denn politische Tendenz ist in ihrem Grunde rationalistisch. Hier kann die Gestaltungskraft der Rede —- besonders in der biographisch-historischen Darstellung — gewaltigen Widerhall im Bewußtsein der Jugend erwecken. Denn die letztere abstrahiert nicht aus Erfahrungen und Konstruktionen, sondern nimmt den Sinngehalt unmittelbar aus dem Erlebnis. Diese psychologische Tatsache erklärt auch das rasche Anwachsen der jüdischen Turn- und Sportbewegung. Das siegende Mögen Dovid auf dem Kleide unserer Sportsleute, ihr geschlossener Aufmarsch hat mehr jüdische Gehalte als eine der üblichen problematischen Diskussionen. Das ist nicht ungeistig, sondern objektivierter Geist. Den jüdischen Geist in allen möglichen Formen zu objektivieren (in der hebräischen Sprache ist diese Objektivation zur höchsten Reife gelangt und ihre Pflege daher eines unserer besten Erziehungsmittel) ist wichtigste Aufgabe jeder jüdischen Jugendpflege. Die Tragödie der Heimatlosigkeit Wien, 8. Juni. (J.T. A.) Der 42 jährige staatenlose jiidische Handwerker Israel Mendel hatte sich vor dem Gericht in Szatmar (früher Ungarn, jetzt Rumänien) wegen des folgenden Delikts zu verantworten: Israel Mendel hat auf einem nicht ihm gehörenden Ruderboot die Fahrt nach Palästina unternommen, wohin er über Donau und Schwarzes Meer zu gelangen hoffte. Der Staatsanwalt und der Besitzer der Barke erklärten, sie verzichten auf die Bestrafung Mendels und erbitten vom Gericht dessen Freispruch, weil der Angeklagte in sich die Tragödie des staatenlosen Juden verkörpert. Mendel selbst sagte zu seiner Verteidigung; Ich wollte mit dem Fahrzeug die Fahrt nach Palästina machen, weil ich kein Geld besaß, um auf anderem Wege Rumänien zu verlassen, wo mir jede Arbeit und jeder Broterwerb verboten ist, obwohl ich in Rumänien geboren bin. Mein Anspruch auf die Staatszugehörigkeit wurde nicht anerkannt, die Polizei hat mich zweimal über die ungarische Grenze geschoben, aber auch die ungarischen Behörden verweigerten mir Aufenthalt und Gewerbeschein. Jahrelang mußte ich von Dorf zu Dorf »andern, urn auf illegale Weise mein Gewerbe auszuüben. Ich mußte mich immer wieder vor der Siguranza (Staatspolizei) verstecken, die mich schon mehrere Male nach Ungarn abgeschoben hat. Jetzt erwischte mich die Gendarmerie, als sich mein Ruderboot an einer Fiußmühle verfangen hatte. Seine Aussage beschloß Mendel unter Tränen. Das Gericht verurteilte ihm wegen verbotener Rückkehr nach Rumänien zu vier Tagen Gefängnis und 200 Lei Geldstrafe sowie zur Auslieferung an die Siguranza. Unser Gesinnungsgenosse, Dr. R. Zysmann, hat sich in Tel Awiw, P.ö. B. 163, als Rechtsanwalt niedergelassen. Aus arabischen Ländern Von unserem palästinensischen Korrespondenten. A. G. Jerusalem, 30. Mai 1928. Sir Gilbert C 1 a y t o n ist in Jerusalem eingetroffen, wo er mit Lord PI u m e r 'und dem dort weilenden Lord Lloyd Konferenzen abhielt. Ucbcr den Verlauf der Unterhandlungen zwischen Ihn Saud und Sir Gilbert CI a y t o n erscheint jetzt eine offizielle Nachricht lbn Sauds, die das gute Vorwärtsschreiten der Konferenz betont. Die Unterbrechung der Ver- Handlung und die Rückkehr der englischen Delegation nach London sei dem Pilger fest in Mekka zuzuschrciberi. Nach Beendigung der Pilgerfahrten wird Clavton erneut die Verhandlungen in Djedda aufnehmen. Verschiedene Nachrichten aus dem Hedschas besagen, daß sich die wirtschaftliche Lage und die ö f f e n t ־ liehe Sicherheit im Laufe der letzten Jahre auffallend gebessert habe. Beides hängt miteinander zusammen, da der wirtschaftliche Aufstieg vor allem dem Handel zuzuschreiben ist, der sich durch die Befriedung der öffentlichen Wege gchoben habe. Das Land wird mehr und mehr durch Automobile erschlossen, der Kraftwagen spielt auch bei den Pilgerfahrten nach Mekka eine große Rolle. Der Bau einer Chaussc.־ zwischen Djedda, dem Hafen am Roten Meer, und ,V.G.l.a wird ebenfalls viel zur Erschließung des Landes beitragen. Zur '.kt der großen Wallfahrten nach der Kaaba hat lbn Saud in Mekka eine Anzahl bedeutender und bekannter Mohammedaner zu einer Konferenz vereinigt. Es waren Vertreter aus fast allen Ländern des Nahen und Fe. :1 Ostens anwesend. Ihn Saud legte in seinen Reden ein besonderes Gewicht auf seine Stellung und Politik als Mohammedaner und Erneuerer und Verteidiger des Islam. Von politischen Fragen aktueller Art, die z. B. die Vorhandlungcn mit England angehen (ürenzfragen zwischen Hedschas und Mesopotamien, Besitz von Akaba usw.) scheint nicht die Rede gewesen zu sein. * Die Entscheidung über die künftige Organisation Syriens, die jetzt nach der Einberufung der Constituante entschieden werden soll, wird durch Presse und persönliche Propaganda vorbereitet. Die .v age schwankt zwischen einer konstitutionellen Monarchie und einer Republik. Die Kreise, die für ein Königtum eintreten, appellieren vor allem an das religiöse Bewußtsein, das Damaskus als das Tor zur Kaaba in Mekka ansieht und durch die Tradition gewöhnt ist, dieses Tor im Schutze eines Königs zu wissen, von dem man auch annimmt, daß er. von Frankreich vielleicht unabhängiger sei als der Präsident einer Republik (?!). Unter den Präsidenten wird Faisal, der SohnvonlbnSaud, genannt. Das Bestreben Frankreichs geht dahin, die nationale Partei innerhalb der neuen syiischen Regierung nicht zu stark werden zu lassen. Die Berichte über T ransjordanien sind weiter voll von Schwierigkeiten z w i s c h e n de m E m i r Ab d 1111 a h und den einzelnen Scheichs und Notabcln, die bisher unentwegt einen Kampf gegen den Vertrag mit England führen. Trotz des heftigen Auftretens und Vorgehens des Emir scheint es nur sehr schwer zu gelingen, zu einer Verständigung zu gelangen. Die Kommnnistenausweisungen Jerusalem, 4. Juni. (J.T.A.) Zwischen der Polizei und einer Gruppe Demonstranten, die gegen die Aus- Weisungen von Kommunisten aus Palästina protestierten, kam es hier zu einem Zusammenstoß. Mehrere Dcmon- *trauten wurden verhaftet. Ebenso wie in Jerusalem fanden auch in Haifa und in Tel-Awiw Kundgebungen gegen die Verhaftung und Landesverweisung der jüdischen Kommunisten statt. Jerusalem, 5. Juni. (J.T. A.) Der Hungerstreik der im Jerusalemer Gefängnis ihrer Ausweisung harrenden Kommunisten dauert an. Drei der Verhafteten, Kancvsky, Lauf man und Zit man erhielten je zwölf Rutenstreiche. (!!) Die palästinensische Arbeiterföderation forderte telegraphisch die britische Arbeiterpartei auf, bei der Regierung wegen Erleichterung des Loses der Verhafteten zu intervenieren, ln dem gleichen Sinne telegraphierte die Organisation Rote Hilfe an das kommunistische Unterhausmitglied Saklatvala und an Lansbttrv, sowie an die Liga zur Bekämpfung des Imperialismus in Berlin. Sieben wegen Kriminalverbrechen Verhaftete schlossen sich dem Hungerstreik an. Jerusalem, 5. Juni. (J.T. A.) Moses K a f a i 1 o w wurde unter der Beschuldigung, ohne behördliche Erlaubnis nach Palästina gekommen zu sein, verhaftet. Er soll des Landes verwiesen werden. Hebräitcher Fernunterricht Unser hebräischer Fernunterricht will Zionisten, die an Orten wohnen, wo es keine Möglichkeit eines direkten hebräischen Unterrichts gibt, den Weg des Selbststudiums durch schriftliche Anleitung und Unterweisung erleichtern helfen. Durch geeignete Uebungen wird die Selbstarbeit des Schülers kontrolliert, durch Uebersetzungsaufgaben ins Hebräische insbesondere Gelegenheit gegeben, das Verständnis für das Erlernte zu vertiefen. Die vom Schüler angefertigten Arbeiten werden korrigiert und mit entsprechenden Anmerkungen und Erläuterungen postwendend zurückgesandt. Der Fernunterricht ist seit 15. Mai im Gange. Es hat sich eine größere Zahl von Teilnehmern aus allen Gauen Deutschlands gemeldet. Auch aus den Nachbarländern (Holland, Schweiz, Tschechoslowakei, Deutsch-Oesterreich, Jugoslawien u. a.) beteiligt sich eine ansehnliche Zahl von Interessenten. Obwohl der Unterricht zunächst nur für Anfänger gedacht war, hat sich eine verhältnismäßig große Anzahl F 0 r t g cschrittener gemeldet, die den Wunsch haben, noch einmal von vorne anzufangen. Die Erfahrung lehrt, daß gerade sie mit großem Gewinn am Unterricht teilnehmen. Der Widerhall, den unsere erste Ankündigung gefunden hat, ermuntert uns, den Kreis der Teilnehmer zu erweitern. Zum 15. Juni soll eine weitere Zahl von Schülern auf genommen werden. Der Unterricht erfolgt unentgeltlich, nur für Portospesen ist vom Lernenden Ersatz zu leisten. Interessenten wenden sich an die Zionistische Vereinigung für Deutschland Berlin W15, Meinekestr. 10. Die GemeindewalHen in Daisborg Wie wir bereits gemeldet haben, hat bei den Gemeindewählen in Duisburg am 3. Juni die Liste Epstein die Mehrheit erlangt und'die Liberalen gingen ohne Mandat aus. Der siegreiche Jüdische Einheitsblock erließ nach den Wahlen nachstehende E r k 1 ä r 11 n g: Bei den jüdischen Gemeindewahlen erhielten unsere Kandidaten eine große Stimmenmehrheit, während die liberale Minderheit ausfiel. Das war eine Folge des veralteten Mehrheitswahlrerhts, das wir nach einer vor drei Jahren getroffenen Vereinbarung beseitigen wollten, dessen Anwendüng aber durch Beschwerde bei der Regierung gegen unseren Widerspruch erzwungen wurde. Die Entscheidung mußte zugunsten der einen oder anderen Partei fallen. Der Ausgang einer Wahl darf nicht Anlaß dazu sein, die Gemeinde zu verlassen und zu schwächen. ״Al tiphroseh min hazibur“, trenne Dich nicht von der Gemeinde! Nach diesem Satz haben unsere Freunde, die in den meisten jüdischen Gemeinden Deutschlands in der Minderheit sind, stets gehandelt. Wir, die wir selbst jahrzehntelang um Anerkennung haben ringen müssen, werden wie bisher allen Richtungen ihr Recht werden lassen. Täten wir das nicht, so müßten wir uns selbst aufgeben. So werden wir die Einführung der von uns ausgearbeiteten gerechten Satzungen und des Verhältniswahlrechfs mit Nachdruck betreiben, damit zum Nutzen der Gesamtheit unsere alte Forderung des Mit best im mungsreehts aller erfüllt־ werde, So wenig wir zulassen werden, daß die Verwaltung der Gemeinde ״nach liberalen Grundsätzen unter Ausschaltung jüdisch-nationaler Bestrebungen geführt wird“, wie es verlangt worden ist, ebensowenig werden wir irgendeiner anderen Richtung das 1 chensrecht absprechen. Wir werden auch dafür sorgen, daß die Bedürfnisse aller religiösen Richtungen innerhalb der uns gesteckten finanziellen Grenzen ohne Bevorzugung der einen oder anderen Gruppe befriedigt werden. Nach wie vor werden wir unserem Programm getreu eintreten für die Einheit der Gemeinde, für die Einheit des Judentums. Duisburg, den 6, Juni 1928. Jüdischer Einheitsblock. Kleine Nachrichten ln den letzten Wochen haben die J ii d i sehen Gemeinden in F r a n k f u r t a. M. 3000 M. und in B a m b e r g 500 M. für den Keren Hajessod bewilligt; Frankfurt a. M. hat daneben weitere 1500 M. für die Ile bräische Univcrsit ä t in Jerusalem gezeichnet. Der frühere österreichische Bundeskanzler, der Wiener Polizeipräsident Dr. Schober, begleitet den Bundeskanzler Prälat Dr. Seipel auf seiner Reise nach dem Orient und Palästina. Dr. Schober gehört dem Ehrenpräsidium des österreichischen Pro Palästina-Komitees an. Die englische zionistische Föderation hält am 8. Juli d. J. in London ihre 29. Jahreskonferenz ab. Der Handelsvertrag zwischen Aegypten und Palästina enthält für die beiden Partner die Meistb c g ü 11 s t i g u n g s k I a 11 sei. I )ie Herabsetzung des Tabak- Zolles aut dieselbe Höhe wie bei dem griechischen Tabak wird besonders festgestellt. Die Bedeutung des Vertrages für die Wirtschaftsentwicklung Palästinas kann weitgehend sein. Der Vertrag bedarf noch der Ratifikation durchdasägyptische Paria m c n t. Dr. Joseph Rosen, der Direktor von Agro-Joint in pußland, und Dr. Ezekiel Grower, der juristische Berater des Agro-Joint, haben in diesen Tagen die Rückreise aus A m e r ik a nach Rußland angetreten. Auf Initiative des litauischen Konsuls in Palästina, des früheren jüdischen Ministers Dr. S. Rosen bäum, befassen sich gegenwärtig das litauische Außenministerium und das Handelsdcpartement mit der Frage der Anknüpfung von Handelsbeziehungen zwischen Litauen lind Palästina, Jerusalem, 5. Juni. (J.T. A.) Unter großer Beteiligütig wurde S. Ch. Landau zu Grabe getragen. Unter den Leidtragenden bemerkte man Oberrabbiner Kuk, David Yellin, Joseph Sprinzak, Rabbiner Mayer Berlin, Rabbiner Fischman 11. a. m. Mehr als 2000 Personen folgten dem Sarg. Zwischen den Orangenpflan/ern in den jüdischen Kolonien und den nationalen Organisationen werden bereits jetzt Verhamdlungen geführt über die Verwendung jüdischer Arbeiter in der Ernte des nächsten Jahres. Freilich sehen die Verhandlungen bis jetzt nicht besonders leicht und vielversprechend aus. Nach langen Bemühungen ist es gelungen, von der Regicrung die Bestätigung eines Gesetzes über den Zeitpunkt des Ladenschlusses in Tel-Awiw zu erlangen. Damit ist der Ladenschluß im Sommer um acht, im Winter um sieben Uhr festgesetzt. Die Polizei in Tel-Awiw sorgt für Beobachtung der Verordnung. Die ״Habimah“ ist auf dem Wege, sich zu entschließen, in Palästina zu bleiben und hier weiterzuarbeiten. Onessin, der Leiter des ״palästinensischen Theaters", hat sich wieder der ״Habimah“ angeschlossen. Claude Monleliores 70. Geburtstag Der hervorragende englische Religionshistoriker Claude G. Montefiore, Vorsitzender des Weltverbandes für religiösliberales Judentum und Ehrendoktor der Universität Oxford, vollendete am 6. Juni sein 70. Lebensjahr. Aus diesem Anlaß wird von der Vereinigung für das liberale Judentum und der Vereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands eine Festschrift vorbereitet! die Montefiore bei der Eröffnung der jüdiseh-liberalen Weltkonferenz am 18. August d. j. in Berlin überreicht werden wird. Sie enthält Beiträge der bedeutendsten jüdischliberalen Theologen Deutschiands. Rektor Dr. Adolf Schwarz, der am 15. Juli das 82. Lebensjahr erreicht, beschließt gleichzeitig sein siebzigstes Seinester an der Israelitisch-theologischen Lehran st alt in Wien. Seine Lehrtätigkeit begann mit der Er- Öffnung dieser Anstalt, als Schwarz von seinem Rabbinerposten in Karlsruhe nach Wien berufen wurde, um das Rektorat zu übernehmen. Von jener Zeit datiert auch sein erster Ansatz zu einer berühmten ״wissenschaftlich-hermeneutischen Forschung“, welche er dann im Verlaufe von 25 Jahren in fünf Büchern verarbeitete; damit hat Hof rat Schwarz das Talmudstudium in neue Bahnen geleitet. Nach völkerpsychologischer Methode ist es ihm gelungen, die logischen Denkgesetze des Talmud — Midoth genannt — von allen sie umgebenden Schlacken zu befreien und den Nachweis zu erbringen, daß das talmudische Denksvstem sich der allgemeinen philosophischen Logik anschließt, so daß beispielsweise der syliogistische Schluß hunderte Jahre vor Aristoteles im Talmud als erstes Denkgesetz (Kot-W'chomer) unter den Midoth vorangestellt war. Ebenso ist der Induktions- und Analogieschluß in den Midoth zu finden. Ein zweites Riesenwerk von Schwarz ist die ״Tosifta", die er im Jahre 1879 begonnen und bis heute noch nicht abgeschlossen hat.

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