Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 45 (8.6.1928)
- Date
- 1928-06-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Zionismus in der Diaspora Zweiter Teil des Referates Felix Rosenblüth auf dem Breslauer Delegiertentag •י" Ich möchte an diesem Punkte, veranlaßt durch die vorausgegangene Debatte des Delegiertentages, einige Bemerkungen einschalten, weil ich fürchte, daß ohne eine solche Erläuterung meine nachstehenden Ausführungen mißverstanden werden könnten. Wenn ich von Wahrung und Stärkung des Aufbaugeistes rede, so will ich damit selbstverständlich keinen Gegensatz zur Aufrechterhaltung und Intensivierung der zionistischen Propaganda im Galuth konstruieren. Es wäre merkwürdig, wenn gerade ich als Leiter des Organisations-Departments der Exekutive eine solche Auffassung vertreten würde. Ich erkenne einen solchen Gegensatz nicht an. Es gibt nur eine Ideologische Gegenposition, mit der man sich prinzipiell auseinanderzusetzen hätte, gewisse Auffassungen, die in der Art, wie sie sich geben und vor allem, wie sic leicht mißverstanden werden, eine Gefahr für den Aufbaugeist sind. Das ist die Auffassung, über die ich zu sprechen haben werde, in der scheinbar dem realen Ziel des Zionismus ein geistiges gegenübergestellt wird. Im übrigen aber fordere ich nicht etwa Konzentrierung der Energien auf den Palästinaaufbau, weil ich nicht an die Möglichkeit glaube, im Galuth in gewissem Sinne ein zionistisches Eigenleben zu entwickeln, sondern ausschließlich deshalb, weil die Lage in Palästina, die Abhängigkeit des Aufbauwerkes von gewissen politischen Bedingungen und Konstellationen, eine besonders starke Betonung und intensive Förderung der Aufbauanstrengungen erfordert. Meine Forderung ist eine rein praktische und steht in keinem prinzipiellen Gegensatz zur nationalen propagandistischen oder kulturellen Arbeit im Galuth. Ich gehöre z. B. durchaus nicht zu denen, die die Landespolitik im Osten bekämpfen, weil sie der Aufbauarbeit Kräfte entzöge. Der Drang zur landespolitischen Betätigung im Osten wird von den gleichen Quellen nationalen Freiheitswillens gespeist, denen der Zionismus selbst entspringt. Das nationale Freiheitsgefühl kann nicht auf ein palästinensisches Ziel lokalisiert werden. Man kann nicht in Palästina frei sein wollen und im Galuth Knecht, und ich bin weit davon entfernt, Forderungen stellen zu wollen, deren Erfüllung den Zionismus selbst vergewaltigen würde. Ich leugne, wie gesagt, durchaus nicht die Möglichkeit und Notwendigkeit der Entwicklung nationalen Lebens von gewissem Eigenwert i!n Galuth und würde den mit Recht in der Debatte bereits als sehr zweideutig bezeichneten Begriff der Galuth-Verneinung immer nur in sehr eingeschränkter Weise interpretieren. Noch weiter bin ich davon entfernt, zuzulassen, daß zionistische Propagandatätigkeit vernachlässigt wird. Erstens hat auch sie einen gewissen Eigenwert in sich selbst, d. h. sie ist nicht bloß deshalb bedeutungsvoll, weil sie mittelbar die Voraussetzungen für die Erhaltung der Aufbauenergien schafft. Aber gerade auch praktisch, vom Standpunkt der Palästinaforderung aus gesehen, wäre cs Wahnsinn, zionistische Propaganda und Kulturarbeit m Galuth vernachlässigen zu wollen. Wir müssen ja die Menschen heranbilden, die für Pal|stina jprgep tw} arbeiten sollen, wir müssen den Kreis! der’aktiven Träger der Palästinaarbeit erweitern. Um wieder in praktischen Beispielen zu reden: Ich habe gerade mit den Fonds in der letzten Zeit Auseinandersetzungen darüber geführt, daß gewisse Länder ganz aus dem Arbeitsbereich der Finanzaktionen ausgeschaltet werden, weil hier zunächst organisatorische und propagandistische Vorarbeit im rein zionistischen Geiste notwendig erschien. Ich kann mir auch vorstellen, daß unter gewissen Umständen in anderen Ländern Ruhepausen eingeschaltet werden müssen, die ausgenutzt werden, um einmal alle Kräfte auf die Propaganda und Erziehungsaufgaben anzusetzen. Das sind Fragen praktischer Politik. Im allgemeinen muß gesagt werden, daß alle antithetischen Formulierungen im Rahmen einer solchen Diskussion falsch und irreführend sind. Die Wirklichkeit erfordert eine Synthese von Finanzaktionen, rein zionistischer Propaganda- und nationaler Erziehungsarbeit * Nach dieser Einschaltung kehre ich zu der Forderung zurück: Stärkung und Bewahrung des Aufbaugeistes. Es ist notwendig, diese Forderung auszusprechen, gerade jetzt, wo wir mit den Ergebnissen der Sammelarbeit beider Fonds nicht zufrieden sein können, weil die Einnahmen im Vergleich mit dem Vorjahr eine sinkende Tendenz zeigen, während besonders in einer Zeit wo wir die ersten tastenden Schritte in der Richtung auf eine Anleihepolitik hin unternehmen, nicht bloß Stabilität, sondern auch die Tendenz einer wenn auch nur langsamen aber wenigstens stetigen Steigerung der Einnahmen sichtbar werden müßte. Wir müssen uns immer wieder vor Augen halten: Noch manche Jahre werden im Zeichen unerhörter Keren Hajessod-Anstrengungen und unermüdlicher Arbeit für den Keren Kajemeth, über dessen grundlegende Bedeutung für unser ganzes Siedlungswerk ich in diesem Kreise kaum zu sprechen brauche, stehen müssen, und unsere Generation wird dem Palästinawillen dauernd materielle, vielleicht sogar seelische, ich möchte beinahe sagen zionistische Opfer bringen müssen. Ich hörte vor noch nicht langer Zeit auf der Landeskonferenz einer Zionistischen Landesorganisation Aeußerungen etwa folgenden Inhaltes: es ist nachgerade evident geworden, daß der Aufbau Palästinas sich nur sehr langsam vollziehen kann. Daraus folgt für uns, daß wir nicht alle unsere Kräfte auf den Aufbau konzentrieren können. Wir müssen einen großen Teil unserer Energie der Entwicklung nationa'en und kulturellen Eigenlebens im Galuth widmen. Ich bin, wie gesagt, mit ganzer Seele für nationale Erziehungsarbeit im Galuth, aber die gegenüber Nichtzionisten so leidenschaftlich vertretene Forderung des Primats Palästinas gilt gewiß für uns. Obschon in der Wirklichkeit unser nationales Erziehungswerk dem Palästinaaufbau geistige und materielle Energien entziehen muß und soll, darf dieses notwendige Kompromiß nicht zum Prinzip, nicht zur leitenden Idee, nicht zu einer Gegenforderung erhoben werden. *) Der erste, Palästina behandelnde Teil wurde in der vorigen Nummer wiedergegeben. Niemand hat heute das Recht zu sagen: der Einsatz lohnt nicht das erreichbare Ergebnis. Wir stehen erst am Anfang der Entwicklung, die immer weitere Kreise des Judentums erfassen wird: wir werden in wenigen Tagen erleben, daß sich Männer, nur um dem Palästinaaufbau zu dienen, in London versammeln werden, die noch vor wenigen Jahren unseren Ideen völlig fernstanden. Und sie dienen dem Aufbau einer nationalen jüdischen Heimstätte in Palästina im Sinne der Balfour-Dcklaration und des Mandats. Ich glaube nach wie vor, daß wir, undogmatisch und großzügig, dieser Politik eine ״fair chancc“ geben müssen, und daß sie große, noch nicht abmeßbare Möglichkeiten in sich trägt. Was wir tun, wenn wir alles daran setzen, tausend Familien mehr im Jahresdurchschnitt in Erez-Israel anzusiedeln, ist nicht, daß wir die Zionistische Organisation zur Kolonisationsgesellschaft herabdrücken, sondern wir erfüllen den realen Sinn des Zionismus, wir kämpfen seinen Entscheidungskampf. Gewiß ist der Sinn des Zionismus weder Immigration an sich, noch Wirtschaft an sich, noch ein Gemeinwesen an sich, sondern die Erneuerung jüdischen Geistes und jüdischer Kultur. Aber wir sollten für die Zwecke praktischer Politik alle die Ideok>- gien ablehnen, die so leicht mißverstanden werden können, als wolle man das geistige Ziel des Zionismus denen Vorhalten, die sich redlich um die Erfüllung der Tagesaufgaben mühen. Geschieht es, um sie in ihrem Kampf zu stärken, um sie nicht vergessen zu machen, was der tiefere Sinn all dieses Getriebes von Politik und Wirtschaft ist, so ist es gut. Ist aber der auch nur unbeabsichtigte Effekt Resignation vor den realen Aufgaben, die Meinung, es sei letzten Endes gleichgültig, ob 1000 Familien mehr oder weniger nach 'Palästina einwanderten, so ist diese Haltung verderblich. Wir dürfen nicht in die Lage kommen, daß der Jischnw, der in höchster Unvollkommenheit und Unzulänglichkeit, schließlich durch den Sinn des Zionismus verwirklicht, sich in den Tagesaufgaben zermürbt, während wir, um des geistigen Zieles willen, die ungeistigen Tagesaufgaben vernachlässigen. Der Gedanke an die letzten Ziele muß dem Alltag Würde verleihen, er darf ihn' aber nicht diskreditieren. Es ist speziell die geistige Unruhe und seelische Unzufriedenheit im Lager der westjQdischei! Zionisten, für die immer wieder fälschlich die Konzentrierung der Energien auf die Aufbauarbeit verantwortlich gemacht wird. Ohne Zweifel ist diese innere Unzufriedenheit und Unsicherheit vorhanden, aber man verkennt ihren Ursprung, wenn man die Ursachen in der palästinozentrischen Richtung unserer Politik sucht. Weder die angebliche Verkleinerung der politischen Ziele des Zionismus, noch die Politik der Kooperation mit Nichtzionisten, vor allem aber nicht die Konzentrierung unserer Gedanken und Arbeiten auf den Aufbau, haben den seelischen Konflikt erzeugt, von dem heute viele Elemente im westjüdischen Zionismus berührt sind. Im Gegenteil, bin ich der Ueberzeugung, daß diese Krise viel krasser zutage liegen würde, wenn nicht das Aufbauwerk und die Arbeit für Palästina das Leben der westjüdischen Zionisten mit Verantwortlichkeit, Ernst und Realität erfüllen würde. Der seelische Konflikt des westjüdischen Zionisten würde heute, im Jahre 1928, viel schwerer auf dem deutschen Zionisten lasten, wenn die Entwicklung sich ohne Unterbrechung durch Balfour- Deklaration und Keren Hajessod-Bewegung in den Bahnen vollzogen hätte, die 1914 oder 1918 verlassen wurden. Das wahre Problem besteht darin, daß die Erkenntnisse, die im Rahmen der nationalen Ideologie gewonnen wurden, ihre Uebertragung auf das Leben und auf die Wirklichkeit forderten, und daß diese Konkretisierung im wirklichen Leben nicht oder nur sehr unvollkommen gelungen ist, — eine Schwierigkeit, die schon 1914 bestand. Die Einbeziehung des Lebens in den Gedanken- und Arbeitskreis des Palästinaaufbaus hat die Situation erleichtert und nicht erschwert. Sie hat ein Leben, dessen Gefahr Schernenhaftigkeit und Unwirklichkeit war, durch den Glanz beginnender Verwirklichung erhellt. Man spricht von der kämpferischen Haltung früherer Zeiten und stellt die von Kämpfen erfüllte Vergangenheit dem Kurs der heutigen Politik gegenüber. Diese Propaganda und der Kampf um die Durchsetzung der zionistischen Idee ist an sich notwendig und eine Lebensfrage für den Zionismus. Aber es ist ein Irrtum zu glauben, daß dieser Kampf ausreicht, um die Leere zu füllen, die viele Zionisten im Westen heute empfinden. Für wen immer Zionismus nicht bloß Bekenntnis zu einem Programm bedeutete, sondern eine Forderung an das eigene Ich, eine Forderung geistiger, kultureller, sittlicher Art, der wird in seiner eigenen Person und in der Person vieler anderer, genügend Gründe zur Unzufriedenheit und Enttäuschung finden. Es mag ihm zudem oft schwer fallen, die Wirklichkeit eines von vielen menschliehen Schwächen verzerrten politischen Getriebes mit seinem Idealbilde einer werdenden neuen Gemeinschaft in Einklang zu bringen. Er wird sich fragen müssen, wie weit er persönlieh Anteil hat an einem Zionismus, der geistige Renaissance und Erneuerung und Verwirklichung im individuellen Leben meinte. Es gibt auf diese Fragen eine Reihe von Antworten — und die wesentliche Antwort ist die Forderung an den Einzelnen — Anschluß zu gewinnen an die Vergangenheit und Gegenwart hebräischer Kultur. Aber man wird immer eine falsche Antwort geben, wenn man seine Schwierigkeiten gewissermaßen mit einer übermäßigen zeitlichen Inanspruchnahme durch die Palästinaarbeit zu erklären sucht. Ich bin mit diesen Bemerkungen bereits ziemlich tief in den zweiten Teil meines Referates hineingeraten, und ich sehe, daß ich vieles, was ich in diesem Rahmen über die* Lage in der Organisation sagen wollte, überspringen muß. Ich hatte beabsichtigt, einiges über das Problem der immer weiter fortschreitenden Parteidifferenzierung zu sagen, ich wollte über die Frage der sogenannten Bureaukratisierung der Organisatien und über das Beamtenproblem sprechen, aber ich muß mir das versagen. Ich fühle aber, daß Sie von mir zumindestens einige Aufklärungen über die Lage in Amerika erwarten. Ich kann darüber nicht viel mehr mitteilen als Sie aus der Presse bereits wissen. Das wesentliche, was ich zu sagen habe, ist, daß es leider weniger um einen Kampf um Prinzipien des Weltzionismus zu gehen scheint, als daß sich eine Auseinandersetzung um die Erlangung der Macht innerhalb des amerikanischen Zionismus vollzieht, die in einer Atmosphäre erbitterter persönlicher Gegnerschaft und in den sehr unerfreulichen Formen persönlicher Feindschaft geführt wird. Es mag sein, daß hinter dieser Auseinandersetzung prinzipielle Gegensätze stellen, aber sie treten im Kampf nicht genügend hervor und verleihen ihm daher einen besonders peinlichen Charakter. Sie wissen, daß Stephen W i s e seine Demission mit Argumenten erklärt hat, die jedenfalls das eine für sich hatten, daß sie eine prinzipielle Begründung enthielten. Er begründete seine Demission mit einer Kritik der bisherigen Leitung der zionistischen Bcwegung, die sich mehr oder minder mit der Kritik der Kongreß- Opposition an der Führung der politischen Geschäfte deckt. Aber es ist ein Irrtum, zu glauben, daß Stephen Wise dem Kampf das Gepräge gibt und es ist daher falsch, wenn die radikalen und revisionistischen Gruppen die amerikanische Opposition für sich in Anspruch nehmen. Stephen Wise ist seit seiner Demission in dem Kampf nicht mehr hervorgetreten. Führer im Kampf ist vielmehr der Teil der Brandeis- Gruppe, der im wesentlichen wirtschaftlich interessiert ist. Aber es ist hier eben das Bedenkliche, daß in der praktischen Auseinandersetzung nicht mit prinzipiellen Argumenten einer bestimmten Wirtschaftsauffassung operiert wird, sondern daß in die Oeftentlichkeit Angriffe auf angebliche Mängel in der inneren Administration der Geschäfte der amerikanisehen Organisation gezerrt werden. Es mußte ja auch für die Brandeis-Gruppe schwer sein, die Auseinandersetzung gegen die Lipsky-Gruppe auf der Grundlage einer prinzipiellen Wirtschafts-Diskussion zu führen, nachdem sie in den letzten Jahren Gelegenheit hatte, direkten Einfluß auf die Geschäfte zu gewinnen und die amerikanische Organisation auf dem letzten Kongreß eigentlich ihrer Führung in wirtschaft liehen Dingen gefolgt war. Man hat in der Analyse des Konfliktes behauptet, im Grunde handle es sich um einen Gegensatz zwischen Ostjuden und Westjuden, zwischen mehr assimilierten Elementen und weniger assimilierten Elementen und die sachlichen Meinungsverschiedenheiten seien nur ein ideologischer Ueberbau über dieser tieferliegenden seelischen Kluft. Es mag sein, daß an dieser Auffassung etwas Richtiges ist. Wir erleben es ja oft genug in unserer Organisation, daß die Idee mit der Wirklichkeit in Widerspruch gerät, und es gibt auch mehr als ein Beispiel, daß die Wirklichkeit nicht ganz unserer idealen Forderung der nationalen Einheit des jüdischen Volkes entspricht. Ein sehr wesentliches Problem unserer Organisations-Politik ist zum Beispiel der ״Stammesgegensatz“ zwischen Sephardim und Aschkenasim in verschiedenen Teilen der zionistischen Welt, und so mag es sefu«.: daß auch in dem amerikanischen Konflikt ein durch die zionistische Entwicklung noch nicht hinreichend ausgeglichener Gegensatz zwischen östlichen und westlichen Elementen hineinspielt. Wie dem auch sein mag! Es ist klar, daß sich ein Kampf um die Erlangung der Macht im amerikanischen Zionismus zwischen der seinerzeit im Jahre 1921 unterlegenen Brandeis-Gruppe und der Gruppe um Lipsky vollzieht. Das,^ was an diesem Kampf prinzipiell abzulehnen ist, ist die Form, in der er geführt wird, und auch die Zielsetzung, die offenbar die radikale Ausschaltung der einen oder der anderen Gruppe bezweckt. Es sollte eine grundsätzliche Forderung unserer Organisations-Politik sein, daß Meinungsverschiedenheiten im zionistischen Lager nie mit letzter Schärfe ausgetragen werden, und wir stehen mit nicht geringeren Bedenken den erbitterten Kämpfen gegenüber, die seit langem die Schlagkraft und Aktionsfähigkeit des polnischen Zionismus lähmen. Niemand wird so töricht sein können, daß er nicht dem Meinungskampf im ־zionistischen Lager freien Spielraum geben wollte. Aber solche Kämpfe dürfen nie die grundsätzüche Erkenntnis verdunkeln, daß wir als Zionistische Organisation uns gewissermaßen in einem Kriegszustände befinden, in dein doch letzten Endes alj£ Kräfte diszipliniert in einer Richtung marschieren und ein außerhalb unseres eigenen Lagers Hegendes Ziel attackieren müssen. Auseinandersetzungen innerhalb der Zionistischen Organisation müssen immer mit dem Ziel einer Verständigung geführt werden. Ich stimme mit Jabotinsky nicht oft überein, aber wenn er kürzlich einmal gesagt hat, die Zionistische Organisation muß innerpolitisch grundsätzlich auf einem Kompromiß aufgebaut sein, so ist das ein Gedanke, dem auch ich oft Ausdruck gegeben habe. Immerhin sind diese Konflikte nur ein Teil unseres organisatorischen Problems, und man darf sie in ihrer Bedeutung nicht überschätzen. Viel bedenklicher ist der Mangel an zionistischer Schulung und Erziehung der Massen im Osten, in Amerika, auch in Palästina. Wenn es im Westen, in Deutschland, ebenso z. B. in Rumänien, im zionistischen Lager ein «jüdisches Kulturproblem gibt, so gibt es im Osten und Amerika ein zionistisches Erziehungsproblem, das nur durch Heranbildung einer zionistisch-ideologisch geschulten Führerorganisation aus den Reihen der Jugend gelöst werden kann. Man braucht in dieser Hinsicht nicht pessimistisch zu sein. In unseren Reihen steht im Osten eine ausgezeichnete, begeisterte Jugend, im Haschomer Hazair, in der Gordonia, im Makkabi, in der Jugendbewegung des Misrachi, Ich habe einen Teil dieser Jugend in Litauen und Lettland gesehen, Jungen und Mädchen mit leuchtenden und begeisterten Augen, und ich glaube, daß es nicht schwer sein kann, in diese Generation, die großenteils hebräisch geschult ist, auch die Grunderkenntnisse der nationalen Ideologie einzupflanzen und sie zu einer Haltung nationaler Disziplin und Pflichterfüllung zu erziehen. Ich kenne die Verhältnisse in Amerika nicht gut, aber man hört immer wieder Rühmlichcs über die Erziehungsarbeit der Junior Hadassah. Jedenfalls ist in diesen Ländern eine Lebensfrage die Heranbildung einer Generation, die von Sensation und Bluff unabhängig ist, »