Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 44 (5.6.1928)
- Date
- 1928-06-05
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 318 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 44, 5. VI. 1928 Hebräische Publizistik und Literatur Fünf Bände ״Hedim" (Ein Gruß für Jaakow Rabinowitsch.) 1■ diesen Wochen ist das erste Heft vom sechsten Band einer hebräischen Zeitschrift erschienen, die ein hoffnungsvolles Beispiel dafür ist, wie rechte Intention, von unbeugsamem, opferfreudigem Willen begleitet, Schwierigkeiten überwindend, schließlich ihr Ziel zu erreichen vermag. Die Anfänge der ״H e d i m“ — so heißt diese Zeit■ schritt — reichen jetzt sechs Jahre zurück. Es war die Zeit der großen hebräischen Buchproduktion, Stybels Mäzenatentum ermöglichte die Herausgabe zahlreicher hebräischer Bücher in anspruchsvoller Ausstattung, und die großen Wälzer der ״Hatekufah“, die einander rasch folgten, hatten einen neuen Typus der ״Repräsentation“ geschaffen. Die hebräische Literatur der Batlanim, der Habenichtse mit dem Glauben an ihre Sendung, die Herzen des Volkes aufzurütteln, war mit einem Schlage, durch die Tat eines Mäzens, ״Literatur“ geworden, ihre Schöpfer Empfänger von Autorenhonoraren, anspruchsvoll und ״arriviert“. Mehr konnte man nicht wollen. Daß der Aufstieg so schnell kommen würde, das hatte sich niemand einfallen lassen. Was war da noch zu wünschen übrig? Indessen, es gab Menschen, die wollten doch mehr, indem sie etwas anderes wollten. Während in Europa die Inflation eine Konjunktur der hebräischen Prachtausgaben und mit ihr eine I’art pour 1 art-Literatur geschaffen hatte, war in Palästina mit der chaluzischen Alijah und in ihrer Mitte eine neue Generation eingezogen, der die Kunst um der Kunst willen nicht viel zu sagen hatte, die skeptisch war gegen die ׳• t/IHie Erhebung des hebräischen Literatenstandes. In;hreni revolutionärem Willen erneuerte sich der Geist des Anfangs, der Geist des auf die Wahrheit und die eigenen Kräfte allein gestellten Eroberungszuges, des Sturmes auf die Festungen, die dem soliden Verstand uneinnehmbar scheinen. — Plötzlich war auch eine neue Generation von Dichtem und Schriftstellern da, mit neuem Wollen, neuen Versuchen, neuem Vorstoß, und dadurch geschieden von der Generation der Arrivierten. Einige Namen, deren Träger diesem Kreise angehörten, sind heute in der hebräischen Literatur zu Geltung gekommen; eine ״repräsentative“ Zeitschrift, wenn sie heute wieder geschaffen werden sollte, würde sich mit ihren Beiträgen gerne schmücken, ln jenen Jahren indessen, als es einen hebräischen ״Büchermarkt“ zu geben schien, haften sie es schwer, mit ihren zuerst noch tastenden Versuchen Gehör zu finden. Ihnen kam Jaakow Rabinowitsch zu Hilfe. Einige Worte über diesen liebenswerten Menschen seien hier erlaubt. Er gehört seinen Jahren nach nicht mehr zu den Jungen. Und doch ist es kein Wunder, daß gerade er es war, der darauf verzichtete, die Frucht jahrzehntelanger Arbeit zu ernten, und von neuem begann. Seit Brenners tragischem Tode hat die hebräische Literatur keinen Autor mehr, der «einen Beruf so ausschließlich als Amt des Mahners und Erweckcrs, des Richters und Fürsprechers auffaßt und übt wie Jaakow Rabinowitsch. Er hat in den letzten Jahren Erzählungen, Romane und auch Gedichte veröffentlicht. Aber nicht die freie Schöpferlust, die auch in ihm lebt, ist der wichrigste Antrieb seines Schaffens. Schmerz um die Erniedrigung, um alles Böse, das er sehen muß, Hilfe für alles, worin er keime des besseren Morgen findet und der Glaube daran, daß es kommt, sie treiben ihn, daß er seiner selbst verge .::(1 und jederzeit von neuem, wie der Jüngsten einer neu anzufangen bereit, sich einsetzt, wo er stützend oder mahnend durch Einsatz seiner Person wirken zu können meint. Zusammen mit Josef Chajim Brenner Freund und Berater der Menschen der zweiten Alijah, besorgt um sie, aufmunternd, beratend, dem Gedanken der Erneuerung des jüdischen Menschen durch die neue Zuwendung zum Mutterboden in der Arbeit der väterlich liebevolle Vorkämpfer, hat er seine Treue auch der dritten Alijah erhalten, wurde er mit ihr wieder jung. Die Wirkung in der Masse ist aber diesem aller Phrase und Geste, allen äußerlichen Pathos unfähigem Freunde A. D. Gordons fremd, er braucht das Intime, menschlieh Nahe, um wirken zu können, Politik und alles, was mit kluger Berechnung zu tun hat, liegt ihm ferne; er vermag nur den Menschen zu sehen, sich ihm gegenüberzustellen, nur ihm zu antworten, wessen er bedürftig ist. Und so scharte er aus der Masse der jungen Ankömmlinge einen Kreis um sich, in dem er seine Wirksamkeit im Intimen fortsetzen konnte. Das Ergebnis waren die kleinen weißen Hefte, dünnen li-.;gs, unbestimmter Erscheinungsweise, die aber in fast jeder Nummer neue Namen brachten und die Reinheit der Absicht ausstrahlten, welche sie unter größten Entbehrungen in die Welt setzte. Die großen und anspruchsvollen Zeitschriften sind indessen eingegangen. Die ״Hedim“ aber, diese unscheinbaren Heftchen eben, gewannen langsam Boden. Allmählich konnte der Umfang der Hefte zu dem jetzigen Umfang anwachsen, bis sie regelmäßig in Abständen von zwei Monaten erscheinen konnten, und ein Verlag wurde «^gegliedert. Man lese die Briefe Brenners aus der Zeit seiner Arbeit am ״Hameorer“, die Max Mayer im letzten I fette des ״Jungen Juden“ deutsch publiziert hat, und man wird sich eine Vorstellung davon machen können, welches Maß von selbstlosem Opfermut und von Ausdauer der Her- ״usgeber (neben Rabinowitsch zeichnet Ascher Ba rasch als Herausgeber) dazu gehörte, es in einer von der des Jlameorer“ in dieser Hinsicht vielleicht gar nicht so sehr verschiedenen Zeit so weit zu bringen. Es war das nur möglieh, weil dem Beispiel der Herausgeber die Autoren folgten. Von der Selbstlosigkeit der Beteiligten lebt diese Zeitschrift, eine Leistung, die richtig zu würdigen man die Lage des hebräischen Schriftstellers kennen muß. Die fünf Bände der ״Hedim“ sind aus der Geschichte der hebräischen Literatur nicht mehr wegzudenken; Lamdan, S c h 1 o n s k i und andere publizierten hier zum ersten Male, wurden hier entdeckt. Die ganze jüngere Schriftstellergeneration ist hier ständiger Gast. Daneben fast in jedem Heft Debcrsct/iingrn bedeutender Stücke aus der europäischen l iteratur, auch ungeläufiger (wer von den Lesern kennt Shelley’s im letzten Heft übersetzten Essay ״Rechtfertigung der Dichtkunst“?). Der unermüdliche J. Rabinowitsch begleitet, was in der jüdischen Welt geschieht, mit seinen (wenn man ihm auch nicht immer zustimmen kann;) immer in die Tiefe gehenden Betrachtungen. So ist diese Zeitschrift die einzige emste größere literarische Tribüne geworden, über welche die hebräische Literatur jetzt verfügt. Es sei noch erwähnt, daß in ihrem Verlag mehrere der wuchtigsten hebräischen Bücher der letzten Jahre erschienen sind; die Bücher von Schlonski (״Dawaj“), Uri Zwi Grinberg (״Ejma gedolah wajareach“), Agnon (״Polin“), Jaakow Rabinowitsch (Gedichte) Lamdan (״Massadah“), Baß, Streit, Bawli und Barasch. Zum Schluß mit allem Nachdruck: Ein Jahresabonnement der ,,Hedim“, für sechs Hefte von je 144 Seiten, kostet im Auslande vier Dollar. Jahresabonnenten erhalten drei Bücher des Verlages ztftn halben Preis! Mosche Chadad. Aus der hebräischen Dichtung Amerikas E. Llssitzky» Gedichte ״■ein א«ריס א. .יפיוגקי שידים הוצאת ,חבלים׳ ע״• ,דביר״ תל־אכיב Von Z. A d m 0 n i. Jenseits des Ozeans, im Hasten und Drängen, im Lande des Business, ist, zugleich mit einer bunten, mannigfaltig sich gestaltenden jüdischen Gesellschaft, auch eine eigenartige nebräische Dichtung entstanden, eine Dichtung, die die alte, gute Tradition der hebräischen Dichtung fortsetzt. Halkin, Silkiner, Bawli, Lissitzky, Regelson u. a. sind einige Namen talentierter Dichter. Die Gedichte von Ephraim Lissitzky sind jetzt gesammelt im Verlag ״Dwir“ erschienen. Lissitzky steht zwischen zwei Welten. Das alte Ufer seiner russisch-litauischen Heimat gehört ihm nicht mehr, aber eine Brücke ist noch geschlagen. Ein Blättern in diesem Sammeiband ist wie ein Wühlen in alten Andenken — es sind Anklänge an altbekannte Motive. Aber alle diese Ableger aus fremden Gärten sind seiner eigenen Scholle tief und lebenskräftig eingewurzelt, ziehen aus dieser besonderen Scholle ihr besonderes Aroma — aber dabei, darüber, darunter: ein herrischer Geist, dem all dies Sinnliche nur Rohmaterial, nur Bildungsstoff seiner übersinnlich-geistigen Traumwelt ist. In seinen Naturliedern (Bechek hajam, Al chof Niagara, Bathaschdot u. a.) bleibt seine eigenartig starre Lebendigkeit in ihrer wunderbar geglückten sinnlich-übersinnlichen Mischung: ein vollkommen harmonisches Gleichgewicht wie zwischen Tierischein und Göttlich-Menschlichem. Der Künstler Lissitzky hat aber unendliche Feinheiten dazu gewonnen. So ist es oft zuin Staunen: beherrscht er die Sprache als sein willenloses Medium? Muß sie auf seinen Wink alle Tänze ausführen: die gespenstisehen, die feierlichen, die schwülen und bacchantischen, die schwermütigen und grotesken? Oder ist er nur Medium — er nur Sprachrohr, nur Feder, durch den die Sprache die Wunder und Tiefen ihrer Klangzauber, ihrer Sinnbilder und wurzelhaften Verwobenheiten aller Beziehungen offenbaren will? Blättert man weiter, die Sonette und andere Gedichte, so kann man von zw;ci Welten des Dichters sprechen: die eine sinnlieh und bildlich, die andere übersinnlich und gestaltlos; die eine, welche die wandelbaren Aeußerliehkeiten des Lebens und all jene bunte und duftende Blüte in sich begreift, welche die Natur über die Außenseite des Seins verschwenderisch ausbreitet; die andere, die die tiefsten schaffenden Kräfte und die unsichtbaren, festen Gesetze umfaßt. Aus diesen Tiefen rauschen die inneren Stimmen herauf, denen das Herz des Dichters nur zu lauschen braucht. Und wie bei Wordsworth, dem er stark zu huldigen scheint, ruht auch bei Lissitzky die Erregung auf wahrem Gefühl. So wird er, seherisch, gotterlebena, mystisch; .אץ־וז. אלהום, :י לש?ןיסך 9;$יף ה;ניו אוז־ף/ אלהיב, כי .,קרעתי את לויט-וזי:?אה?על ע.־י?־ ואראנו- 3לדז?;תי יה^דיתו. לדוש ולזהור הוא עולמן־ד, אלהים!- אשר כי יזיינו. rjs .על ״)Ich danke Dir, Gott, daß Du mir von Deiner geheimen Pracht zu trinken gabst, fch danke Dir, Gott, daß ich die Hülle der Unreinheit aus Deiner Welt herunterriß und sie in ihrer Heiligung und Reinheit sah. Heilig uttd rein ist Deine Welt, Gott! — ein Schleier, den Du auf Dein strahlendes Antlitz heraufgetan hast.“) Die Worte reden in seinem Herzen, ja, sie singen (siehe das Gedicht ״Naftulim“). — Um diese kurze Betrachtung zu vervollständigen, sei noch das schöne Idyll ״Kitkoa Schofar“ —• eine Schilderung aus dem jüdisch-amerikanischen Milieu — erwähnt. Auch hier zeigt sich uns der Dichter verwurzelt, einfach, kräftig. Der hars nicht im Gehirn, der hat’s im Blut. Wo er philosophiert, versagt er, aber wo er glaubt und schafft, ist er groß. Allerbeste, uralte Tradition.... Die Jüdische National- und Universitätsbibliothek ln Jerusalem hat an einer Arbeit auf dem Gebiete der Internat ionalon Bibliographie teilgenommen, die für die intemationalen intellektuellen Verbindungen von hoher Bedeutung ist. Das Institut international de Coop6ration intellectuelle, eine Sektion des Völkerbundes, hatte alle Nationen zur Vorbereitung eines internationalen Jahrbuches für historische Bibliographie eingeladen, welches die gesamte historische Produktion in jährlichen Berichten zusammenfassen soll, hinter den Nationen, die ihre Teilnahme ungesagt haben, befindet sich auch Palästina, beziehungsweise die Bibliothek in ihrer Stellung als palästinensische Zentralbibliothek. Die. Bibliothek hat eine Bibliographie der literarischen Produktion auf dem Gebiete der Ge- Schichtswissenschaft, soweit sie in Palästina sowohl in Büchern als in Zeitschriften veröffentlicht wurde, zu bearbeiten unternommen. Ferner erhielt Palästina eine dej^ 13 Sektionen des Jahrbuches, und zwar moderne Religionsgeschichte, zur endgültigen Redaktion in Gemeinschaft mit Deutschland und Italien zugewiesen. Daß Palästina somit nicht nur seine national-historische Produktion mitzuteilen hat, 50ndem berufen ist, die internationale historische Produktion auf einem bestimmten Gebiete redaktionell zu bearbeiten, ist insofern hedeuttingsvoll, als überhaupt nur in Staaten als Redaktionskomitees bestimmt worden sind. Palästina hat damit in einem wichtigen Werk wissenschaftlicher internationaler Zusammenarbeit, ja in dem ersten vom Völkerbund durchgeführten, eine verantwortliche Stellung eingenommen. Der erste Teil der Aufgabe ist nunmehr von der Bibliothek beendet worden, die Sichtung und Sammlung der palästinensischhistorischen Produktion (Bücher und Zeitscbriflen-Aufsätzn). Für die Wahl der Bücher hilde'e die Zeilschn fl ,.Kirjah Sephcr". welche die sämtlichen palästinensische Neuerscheinungen rer/eiclmet. die hihliographische Grundlage. Die historischen Aufsätze wurden aus allen im L*ndo erscheinenden Zeitschriften gewählt. Zsvei Drittel der gcwählten Schriften sind hebräisch abgefaßt. BUcherschau Palästinensische Geschichten. Von A. Reubeni. Erzählungen (hebräisch). 1928, Verlag Achiewer, Jerusalem-Tel- Awiw, 197 Seiten. Reubenis Roman ״Verwüstung“ ist hier schon (am 15. März 1927) besprochen worden, und es wurde damals gesagt, daß er bei vielen Vorzügen doch nur der Unterhaltungslektüre zu zurechnen ist. Dieser Charakter der schriftstellerischen Arbeit, der, künstlerisch gesehen, ein Mangel ist״ wirkt sich noch viel stärker und sichtbarer in den Novellen aus, von denen hier der erste Band (es sind drei Bände angezeigt) vorliegt. Die Novellen sind kleine Ausschnitte aus dem palästinensisehen Leben vor dem Kriege und im Kriege und nur die letzte reicht bis ins Jahr 1923. Die erste ״An der Mauer“ ist eine Erzählung aus dem Leben der Schomrim. Der Stoff läßt eine Glorifizierung des Abenteuers und des bewaffneten Lebens fürchten, doch ist das Thema nicht in dieser uninteressanten Weise aufgenommen. Denn wenn auch der Autor Herz und Sinn ein wenig zu sehr an den Helden und seinen Führer verschenkt hat und einen fast übermenschlichen Mann geschildert hat, der bei seinem soldatischen Handwerk so ganz ohne die üblichen geistigen Requisiten des Militärs auskommt, der jede Nacht mit der Waffe in der Hand die Mauer des Dorfes umschreitet und ganz nüchtern und reinen Herzens, ganz ohne Eitelkeit und Abenteuerlust ist, so bleibt es doch beachtenswert, daß der Erzähler sich auch der andern Seite des Schomrimlcbens nicht verschlossen hat. Es zeugt von Erkenntnis der wahren Gestalt des Lebens, daß hier der Schomer, der fällt, ein Schuft ist, daß der Sterbende für den ״Jiskor“ nur Hohn hat und nicht hinein will und daß der Urgrund so vieler dieser Menschen: Ruhmsucht und Feigheit, die es vor sich selbst beweisen will, vor dem Leser bloß liegt. Von einem solchen Hintergrund von Schmutz und Niedertracht hebt sich die Lichtgestalt des Helden ab, des Helden eines so simplen Gedankens wie dieser; Jüdisches Gut muß durch Juden geschützt werden. Nacht für Nacht umgeht er die Mauer, die das Dorf umgibt, die Menschen drinnen, über die er wacht, gehen ihn nichts an, mögen sie leben, wie sie wollen, mögen sie ihm durch Nachlässigkeit seine Aufgabe erschweren, mögen sie ihn selbst verachten, der sein Leben preisibt und eben darum für einen gilt, der nichts zu verlieren hat. r selbst ist der Sache wohl müde, er möchte arbeiten, die Frucht seiner Mühe sehen, eine Frau heiraten. Aber er steht unter der Disziplin der Schomrim und da so wenige für seinen Posten taugen, darf er ihn nicht verlassen. Die Geschichte ist ein wenig legendär und naiv, aber es ist immerhin eine fesselnde Geschichte, die Widerhall finden kann und darf. Sie ist die längste und auch die ernsteste. Es gibt da noch zwei recht unbedeutende Novellen um die Liebe und eine Inhaltsreichere über eine furchtbare und qualvolle Wagenfahrt von Jerusalem nach Jaffa zur Kriegszeit. Eine Flucht vor dem Tode, denn der Reisende hat sich dem Militär nicht gestellt und sein Name steht schon auf der Liste der zum Tode Verurteilten am Jaffator. Das Grauen dieser Wagenfahrt wird unendlich, als ein türkischer So'dat zusteiyt, der sich seiner Tei n hme an den Armeniermorden rühmt; schwer durchbricht der Flüchtling den Bann seiner Furcht und verläßt den Wagen. Eine kleinere Geschichte erzählt von einem Araber, der zur Kriegszeit mit zwei Kamelen auszieht, und das große schöne und starke wird ihm requiriert und das kleine, schwache, elende, das ihm geblieben ist, frißt auch noch das armselige Papiergeld, das er für sein schönes Kamel bekommen hat. Eine wohlgelungene burleske Skizze. Leider darf nicht verschwiegen werden, daß der Schluß eftf böser ist. Das ist die Geschichte von dem judenfeindüchen englischen Beamten, dessen Frau von einem Araber vergewaltigt wird, von einem Angehörigen eben jenes Volkes, das er — nach des Autors Angaben gegen besseres Urteil — aus reiner Politik gegen die Juden ausgespielt hat. Und dies Ereignis ist ״Das Ende seiner Karriere“. Es hat sich einmal dergleichen in Palästina zugetragen und hat auch vielleicht ein wenig schönes Echo im Lande gefunden. Aber doch war die publizistische Stimme, die damals solchen Gefühlen Ausdruck lieh, vereinzelt und wenig geachtet. Daß hier diese Sache dichterischen Niederschlag fand und Schadenfreude eine so dürftige und durchsichtige Einkleidung erhielt, das steht zu bedauern. Das Gericht ist schließlich Gottes Sache und dessen Urteile sind nicht so eindeutig, und auf jeden Fall ziemt es dem menschlichen Publikum, nicht zu akklamieren. besonders wenn man mir Schriftsteller und kein Prophet ist. Es ist schade um diesen Schluß, denn das Buch enthält sonst manches Wertvolle und Tüchtige. Escha Scholem. Ascher Barasch: Aus dem Leben Jakob Rudorfers. Verlag Hedim, Tel-Awiw, 1928. 220 Seiten (hebräisch). Die vorliegende Erzählung ist eine Art Entwicklungsroman und verfolgt das Leben ihres Helden von der Beendigung seiner Schulzeit, bis in die frülten Mannesjahre. Jakob Rudorfer entstammt einer fortschrittlich gerichteten Familie in einer Kleinstadt Galiziens. Er ist ein moderner junger Mann, als "er die Schule (wohl im Anfänge dieses Jahrhunderts) verläßt, er ist Zionist, glaubt an seine Ideale und an sich selbst. Sein Leben, in dem Jahrzehnt, das das Buch umfaßt, verläuft äußerlich ereignisarm: ein Zusammentreffen des Jünglings mit der orthodoxen Jugend eines kleinen Dorfes gibt ihm Gelegenheit zu einiger kulturzionistischer Aktivität, ln zahlreichen Liebesabenteuern zeigt er eine krampfhafte und denaturierte Erotik. Das dichterisch wertvollste Kapitel des Buches schildert den Tod des Vaters. Dieses Ereignis macht Jakob Rudorfer zum unabhängigen Erben eines kleinen Vermögens. Die Jahre verbrauchen ihn, sein seelisches Gleichgewicht ist nicht das beste, seine Energie und sein Streben erlahmen, er vollendet sein Studium nicht und führt eine ziemlich trübe Existenz in den Kaffeehäusern der Großstädte Galiziens. Ein Zufall führt ihn für einen Tag als Gefangenen in das Untersuchungsgefängnis von Lemberg, und die dort qualvoll verbrachten Stunden rauben ihm den Glauben an Oesterreich als Kulturstaat und befestigen und erneuern in ihm den Ent- Schluß, nach Palästina zu gehen und dort als Jude zu leben. Der Roman scheint viel Autobiographisches zu enthalten und dies erklärt die geringe Distanz des Autors zu dem Dargestellten. Das Thema ist an sich interessant, aber es ist nicht mit der nötigen Deutlichkeit und Einsicht ausgeführt. Eben diesen selben Stoff, die erste junge intellektuelle Generation des Zionismus in Galizien, behandelt Agnons meisterliehe Novelle: ״Mit unsern Jungen und mit unsern Alten“, die in der ״Hatckufa“ erschienen ist. e. sch. Eine vollständige nach wissenschaftlichen Gesichtspunkten hergesteilte Uebersetzung des Koran ins Hebräische wird demnächst in dem von Ch. N. Bialik geleiteten Verlag ״Dwir“ erscheinen. Der jüdische Maler Chaim Lifschitz stellt in der Jerusalemer Zitadelle 20 Illustrationen zum Koran aus; es sind dies die ersten Versuche zu einer umfangreichen Illustrierung des Koran. — Illustrationen zum Koran sind seit seinem Bestehen bis auf den heurigen Tag noch nicht hergestellt worden.