Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 42-43 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 308 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 42/43, 1. VI. 1928 ‘׳i>.. Mehrheit und Opposition in Polen Die zionistische Konjunktur. — Konferenz des ״AI Hämischmar“ — Polen und die amerikanische Opposition. — Für und gegen Konsolidierung in Polen. — Grünbaums Intransigenz. (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, Ende Mai. Die zionistische Lage in Polen hat in den letzten Tagen eine weitere Klärung erfahren. Leider nicht in positivem Sinne, doch sind die Ereignisse von großer Bedeutung nicht nur für Polen, sondern für die ganze zionistische Oeffentlichkeit. Die Exploitation des Märzsieges bei den Sejmwahlen für die reinzionistische Arbeit, woran wir noch beim Abfassen unseres letzten Berichtes glaubten, erweist sich nun leider in Kongreßpolen als unmöglich. Nicht nur innere, sondern auch äußere Gründe spielen dabei mit Während die ״Eth Liwnoth“-Gruppe der allgemeinen Zionisten nach anfänglichem Schwanken intensiv und energisch zusammen mit Abg. Grünbaum die Wahlkampagne mitmachte, hatte Abg. Grünbaum die an ihn sofort nach den Sejmwahlen vom Zentralkomitee ergangene Einladung gemeinsam mit der gegenwärtigen Mehrheit (״Eth Liwnoth“) eine großzügige zionistische Propaganda aufzunehmen, abgelehnt. Er hat zwar zugegeben und selbst mit Nachdruck hervorgehoben, daß jetzt in Polen eine gute zionistische Konjunktur vorhanden sei, daß die gegenwärtige zionistische Leitung in Polen unfähig sei, dieselbe zu nützen — doch muß er eine gemeinsame Arbeit ablehnen. Begründung: Wir stünden schon kurz vor der Entscheidung in der Agencyfrage, also verlange man nicht von ihm und seiner Gruppe (Al Hamischmar) Waffenstreckung vor dem sicher zu erwarteten Sieg der Opposition. Diese Haltung Grünbaums war tief bedauerlich, da man in Polen bei Wiederbeginn einer großzügigen zionistischen Tätigkeit keine einzige bedeutende Kraft entbehren kann. Bald stellte sich heraus, daß man von einer solchen Tätigkeit für die nächste Zeit leider absehen muß. Auch Leib Jaffe fand die Situation ungünstig, ordnete die laufenden Arbeiten des Keren Hajessod und verließ Polen. Eine Offensive setzte zwar ein, aber von ganz anderer Art. Abg. Grünbaum hielt den Augenblick für gekommen, die gute Konjunktur in Polen für seine, die radikal-zionistische Gruppe, auszunutzen und hatte dabei die Absicht, in der zionistischen Welt den Eindruck zu erwecken, als ob nun auch in Polen, nach dem in Amerika gegebenen Signal, eine starke zionistische Opposotion auftrete, und zwar nach außen gegen die Exekutive gerichtet, nach innen gegen die gegenwärtige zionistische Leitung in Polen. Mit Beteiligung von Dr. Nahum Goldmann fand in Warschau eine Landestagung des ״Al Hamischmar“ statt, in größeren Städten politische Meetings mit radikal-zionistischen Losungen. Der vor der Konferenz erlassene Aufruf, die Referate Grünbaums und Goldmanns, die beschlossenen Resoiutionen unterbreiteten dem zionistischen Publikum das bekannte oppositionelle Programm, dargelegt noch an einigen Beispielen der letzten Zeit, und wandten sich scharf gegen die Exekutive in London und Jerusalem, deren Demission gefordert wurde. Mit großen Hoffnungen sprach man von der amerikanischen Opposition ab ״einem Symptom des Gesundungs- Prozesses in der amerikanischen zionistischen Organisation.“ Die Opposition und insbesondere Dr. Stephen Wise wurden begrüßt und die Hoffnung ausgesprochen, daß sie den leitenden Gedanken der zionistischen Opposition treu bleiben werden. Der Jewish Agency-Plan wird schon als liquidiert angesehen und die zionistische Linke als Verbündete in diesem letzten Kampfe erwartet. Welches Echo fand dieses Auftreten der Opposition in Polen? Wir glauben nicht fehlzugehen, wenn wir behaupten, daß das Echo ein sehr schwaches war. Die Konferenzteilnehmer haben sich zu diesen, sozusagen außenpolitischen Fragen fast nicht geäußert oder nur die alten Argumente gegen die Jewish Agency wiederholt. Im Lande hat man wenig Sinn für alle diese Attacken gegen die zionistische Leitung usw. In informierten Kreisen würdigt man wohl diese und jene Erscheinung in der zionistischen und jüdischen Welt, aber die breite zionistische Oeffentlichkeit hat kein kritisches Verhältnis und ist weit, weit davon entfernt, der Opposition nachzugehen. Es kann keine Rede davon sein, daß jetzt in Polen eine ansehnliche oppositionelle Gruppe besteht. Grünbaums Sieg in der Landespolitik kann und darf nicht als irgendein Sieg der zionistischen Opposition in Polen gedeutet werden. Die ״Al Hamischmar“-Gruppe ist jetzt in Polen sogar schwächer als zurzeit ihrer Begründung. Und bezeichnend ist, daß Grünbaums intransingente Stellung zur gegenwärtigen Leitung in Polen von der überwiegenden Mehrheit seiner eigenen Genossen auf der Konferenz bekämpft wurde. Grünbaum stand mit seiner Unnachgiebigkeit allein und die anderen Führer des ״Al Hamischmar“ Abg. Hartglas, Dr. Schipper, Grawitzki u. a. plädierten stark für eine Koalition mit Eth Liwnoth, um die zionistische Bewegung in Polen zu befestigen. Ohne Verständigung meinten die Redner, drohe dem Zionismus in Polen eine weitere Zersplitterung und somit eine weitere Ab- Schwächung, Die ״Hamischmar“-Gruppe, sagte Dr. Schipper, sei atrophiert und habe keine Möglichkeit, ihre Energie auszunutzen. Deswegen sprach er sich für eine Konsolidierung beider Gruppen aus, die doch nur in wenigen Grundfragen auseinandergehen. Sehr stark trat Abg. Hartglas für eine Vereinigung (mit Vorbehalt freier Meinungsäußerung in den Fragen des Jewish Agency und der Aufbauformen in Palästina) mit dem gegenwärtigen Z. K. ein. Die Bedingungen seien andere in Amerika und andere in Polen. Abg. Grünbaum begehe eben den Fehler, sagte Abg. Hartglas, daß er in Polen den großen zionistischen Frontkampf auskämpfen will. Grünbaum wehrte sich lange, mußte aber gewissermaßen nachgeben. Die beschlossene Resolution gab eine Möglichkeit der Verständigung mit Eth Liwnoth. Die einige Tage später einberufene Parteiratssitzung der allgemeinen Zionistischen Organisation (umfaßt beide Gruppen) war aber ein Schauplatz gegenseitiger leidenschaftlicher Kämpfe. Abg. Grünbaum trat scharf gegen das Z. K. auf, verlangte Demission desselben, die vom ״Al Hamischmar“ eingebrachte Resolution forderte Einberufung einer Landeskonferenz nicht später als im Juli. Die Vertreter des Eth Liwnoth betonten die Wichtigkeit der Unifizierung der allgemeinen Zionistischen Organisation in der ganzen Republik; die einzuberufende Reichskonferenz wird einen Oberrat zu wählen haben, welcher die höchste verantwortliche Instanz in Polen sein solle. Bis dahin muß der innere Kampf eingestellt werden, die Opposition habe die Möglichkeit, an der Arbeit der leitenden Instanzen teiizunehmen. Dabei wurde Abg. Grünbaum infolge seiner persönliehen und ambitiösen Politik stark angegriffen. Mit einer kleinen Mehrheit wurde die Resolution des ״Al Hamischmar“ abgelehnt und die des ״Eth Liwnoth“ angenommen. Ein Kompromißantrag des Abg. Hartglas, ein gemeinsames Zentral- Komitee mit je 10 Mitgliedern beider Gruppen zu bilden, wurde auch von der Mehrheit abgelehnt und nur ein Drittel (5 auf 15) der Minderheit zugesprochen. So endete der Parteirat ergebnislos und die letzte Hoffnung auf Konsolidierung der zionistischen Reihen in Polen noch in diesem Jahre ist leider geschwunden. * In West- und Ostgalizien fanden auch in der zweiten Maihälfte Parteiratssitzungen der allgemeinen Zionisten und des M i s r a c h i statt. Sic waren hauptsächlich aufbauender zionistischer Arbeit gewidmet: der Schekelaktion, den Vorbereitungen zu den jüdischen Gcmeindevvahlen. Die Beschlüsse der Lodzer Beratung wurden gut geheißen und Fortführung des Vercinigungswerkes beschlossen. Zwar traten auch bei der Parteiratssitzung in Lemberg Meinungs- Verschiedenheiten zutage, aber man ginge fehl, die zionistische Opposition in Ostgalizien mit der radikal-zionistischen Opposition, insbesondere in den reinzionistischen Fragen zu identifizieren. Die zionistische Tätigkeit, die Keren Hajessod-Arbcit gehen in West- und Ostgalizien ihren normalen Weg. Palästina- Chronik (Von unserem Korrespondenten.) A. G. Tel-Awiw, 24. Mai. Der Konflikt in der Munizipalität Tel- Awiw wegen der Neueinstellung von Beamten ist zu einem vorläufigen Abschluß gekommen. (Siehe den Bericht unseres palästinensischen Korrespondenten. Anm. J. R.) Es ist ziemlieh unwahrscheinlich, daß durch den Beschluß der zufällig in der Mehrheit befindlichen Linken der Konflikt abgeschlossen ist, da die Rechte bereits ihre Absicht hat durchblicken lassen, sich bei nächster Gelegenheit ihrer Macht als Majorität zu bedienen, um die Beschlüsse rückgängig zu machen. Die Presse der letzten vier Tage ist voll von Artikeln, Briefen und Deklarationen, die den Konflikt und die Stellung verschiedener Gruppen und Delegierten dazu betreffen. ״Haarez“ vom 24. bringt einen Leitartikel, der in vorsichtiger Form auf die Gefahren dieser Art von Zwischenfällen und die dabei benutzten Kampfmethoden hinweist Die Forderungen der Sephardim gegenüber dem Waad Leumi, die darauf hinzielen, jeder Gruppe in den Wahlen zur Assefat Haniwcharim von vornherein eine bestimmte Anzahl von Mandaten zuzusprechen, hat der Waad Leumi in seiner letzten Sitzung insoweit angenommen, daß er den Sephardim eine bestimmte Anzahl von Sitzen zu sichern versprach. Die sephardische Gemeinde in Tel-Awiw hat sich mit diesem Zugeständnis nicht zufrieden gegeben und besteht auf ihren Gesamtforderungen, mit der Drohung, sich sonst nicht an der ״Knesseth Jisrael“ zu beteiligen. Der Streik in der arabischen Zigarettenfabrik ״Mabruk“ in Haifa dauert an. Ein Teil der Arbeiter sind unter den Drohungen der Eltern (es arbeiten hauptsächlich Burschen unter siebzehn Jahren) zur Arbeit zurückgekehrt. Die Fäbrikleitähg tehtlf "bllbeif verttändltirigeu ab. Die Regierung ist darauf aufmerksam gemacht warnen, daß sie darüber zu wachen hat, daß in Betrieben mit Kinderarbeit die Arbeitszeit nicht mehr als acht Stunden betragen darf. Sie hat versprochen, die Sache zu untersuchen. Der Arbeiterrat von Haifa bemüht sich weiter um eine Beilegung des Streiks. Die siebente arabische Konferenz und ihre Vorbereitung wird in der arabischen Presse lebhaft erörtert. Eine vorbereitende Sitzung in Jerusalem, die von Musa Kasim Pascha einberufen war, vereinigte die den Husseinis nahen Kreise. Von den eingeladenen christlichen Vertretern waren nur zwei erschienen. Der christliche ״Falestin“ tritt gegen eine solche einseitige Vorbereitung der Konferenz auf und weist mit Genugtuung darauf hin, daß sich die christlichen Araber Palästinas einer solchen Konferenz nicht anschließen werden. Nach verschiedenen Berichten machen die christlichmoslemischen Verbindungen in letzter Zeit (zum Teil unter Einfluß der Missionäre) christlichen Gesellschaften Platz. Lord Piumer hat in der letzten Woche Transjordanien einen Besuch abgestattet. Es ist das sein erster Besuch bei Emir Abdullah. Die arabische Zeitung ״Falestin“ in Jaffa veröffentlicht einen Artikel, in dem sie die Versetzung Symes nach Aden und die Berufung Lukes an seine Stelle als ein Resultat der zionistischen Politik in London und besonders der Verwendung von Wedgwood ״des Sprachrohrs der Zionisten“ hinstellt. ״Haare z“ vorn 23. bringt einen Leitartikel über die Zustände in Amerika. Er heißt die neutrale Haltung Weizman ns gegenüber dem Kampfe der beiden Richtungen gut und weist nochmals mit aller Schärfe darauf hin, daß von einer Verkleinerung des palästinensischen Budgets im nächsten Jahre nicht die Rede sein könne. In der Gegend von Che der ah ist in diesen Tagen eine Orangenpiantage nach kalifornischer Methode gepflanzt worden, die eine verbesserte Bewässerung besitzt und es durch Pflanzung älterer Bäume erreichen will, schon nach drei Jahren aen ersten Ertrag zu erhalten. Der Ban des Krankenhaases in Emek Jesreel Nach längeren Verhandlungen wurde am 11. Mai zwischen der Kupatn Cholim und Miss Szold als Vertreterin der Hadassah und der Acrzteorganisation in Amerika ein Abkommen getroffen über die Beteiligung der erwähnten Organisationen mit £ 5000 an dem Bau des zentralen Krankenhauses im Emek. Der Bau des Krankenhauses iiat im Laufe von 20 Monaten nach Abschluß des erwähnten Vertrages zu erfolgen. Der Plan stammt von Architekt B a e r w a 1 d und wurde von dem Vertrauensmann der Hadassah, Architekt Haikin, approbiert. Der Plan wird dieser Tage der Regierung zur Bestätigung unterbreitet werden. (Ziko.) Die Sabbatrahe in Tel-Awiw Jerusalem, 29. Mai. (j. T. A.) Das Oberste Gericht von Palästina hat das Urteil des Jaffaer; Distriktsgerichts bestätigt. welches bekanntlich entschieden hat, daß der Beschluß des Gemeinderates von Tel-Awiw, wonach die Sabbatruhe in Tel-Awiw für alle obligatorisch sei, weil in Widerspruch zu Artikel 15 des Palästinamandates stehend, ungesetzlich sei. Es verlautet, daß die Palästina-Regierung gegen den Beschluß des Obersten Palästina-Gerichtes bei dem Kronrat in London Berufung einlegen werde. Die Hypothekenbank ln Palästina Die palästinensische Hypothekenbank (General Mortgage Bank) ist vom Keren Hajessod, der auch sämtliche Aktien der Bank besitzt, gegründet worden, um die Entwicklung der jüdischen Stadt in Palästina und des Baugewerbes zu fördern. Ucber die von der Bank vor kurzem veröffentlichte Bilanz per 31. Dezember 1927 wird der Ziko. aus Palästina berichtet: Während die General Mortgage Bank im Jahre 1926 109 Darlehen gewährt hat, hat sie im Laufe des Jahres 1927 infolge des Nachlasscns der Bautätigkeit nur noch 44 Darlehen im Betrage von £ 17 413 gegenüber £ 68 592 im Vorjahre gewährt. Besonders hervorzuheben ist, daß ungeachtet der schweren wirtschaftlichen Lage die Zins- und Rückzahiungen im Berichtsjahre fast restlos eingegangen sind. Der Betrag der gesamten Rückstände belief sich am 31. Dezember 1927 auf nicht mehr als £ 983, worauf bis zum 1. Mai 1928 £ 422 eingegangen sind. Im Berichtsjahr mußte keine einzige Versteigerung zur Durchführung gebracht werden. Der Gesamtbestand an ausstehenden Hypothekardarlehen stellte sich am 31. Dezember 1927 auf £ 158010. Während des Berichtsjahres wurden £ 23 756 neue Pfandbriefe ausgegeben, so daß der Totalbestand der in Umlauf sich befindenden Pfandbriefe £ 103942 beträgt. Es handelt sich um 7 ״/oige Pfund- und um 6,5 0,oige Dollarpfandbriefe. Angesichts der wirtschädlichen Depression, die sich besonders auf dem Grundstücksmarkt fühlbar machte, unterzog die Verwaltung während des Berichtsjahres sämtliche Darlehen einer scharfen kritischen Prüfung, worauf sämtliche Objekte auf Grundlage der neu eingetretenen Verhältnisse auf dem Wohnungsmarkte nochmals abgeschätzt wurden. Diese Prüfung ergab das erfreuliche Ergebnis, daß bei sämtlichen Darlehen eine durchaus zufriedenstellende Marge konstatiert werden konnte. Die WohnungsVerhältnisse in Tel-Awiw sind nach einer statistischen Aufstellung im Sommer 1927 durchaus nicht schlecht. Bei einer Gesamtzimmerzahl von zirka 20 000 Zimmern ergab sich ein Leerstand von 516 Zimmern oder ungefähr 2,5 ס/יי, was als durchaus befriedigend anzusehen ist. Gegen Ende des Berichtsjahres, und besonders in den ersten Monaten des neuen Jahres zeigte sich im gesamten Wirtschaftsleben eine erfreulich aufsteigende Tendenz. Dementsprechend zeigten auch die Mieten in Tel-Awiw eine klar erkennbare Tendenz zur Aufwärtsbewegung. Auch der Leerstand ist gegenüber der oben angeführten Zahl bedeutend gesunken. Die Einnahmen der Hypothekenbank betrugen aus Kornmissionen, Zinsen usw. im Berichtsjahre & 14193. Diesen Einnahmen standen gegenüber Betriebsunkosten im Betrage von £ 2733 und Zinszahlungen im Betrage von £ 8422, so daß sich für das Geschäftsjahr 1927 ein Reingewinn von £ 3037 ergibt. Deatscldands Exporthandel nach Palästina Unter der Ueberschrift ״Ausbau des Palästina-Exportes“ richtet die täglich erscheinende ״Handels- und ln dustrie-Zeitung“ die folgende Mahnung an die deutschen Exporteure: ״Man hört nicht selten von deutschen Kaufleuten, die bei Exportgeschäften in Palästina Verluste erlitten haben, sie hätten alle Lust verloren, in Palästina noch weiter zu arbeiten. Zurückhaltung in den Bestrebungen, Palästina als Exportgebiet für deutsche Waren weiter auszubauen, scheint aber trotzdem durchaus nicht am Platze zu sein. Die letzte Einfuhrstatistik zeigt, daß Deutschland mit der Einfuhr seiner Waren gleich nach den Nachbarländern Syrien und Aegypten und dem Mandatarland England rangiert Schon erscheinen neue Konkurrenten auf dem Markt und bemühen sich, die Grundlagen für den Handel mit Palästina zu schaffen. So hat Polen jetzt einen besonderen Handelsattache nach Palästina gesandt Er hat sich bereits in der sogenannten ״Erpol“ ein Organ geschaffen, das als Informations- und Treuhand׳-: stelle für den polnischen Exporteur dienen soll. Gegenüber diesem planmäßigen Vorgehen geht der Import deutscher Waren nach Palästina fast in völliger Anarchie vor sich... Warum keine deutsche Zentralstelle für den Exporthandel? Da keine gewerbsmäßigen Auskunfteien in Palästina bestehen, so wäre es nicht abwegig, wenn der deutsche Exporthandel eine der polnischen ״Erpol“ ähnliche Stelle einrichten würde, die die Vertreter deutscher Firmen zusammenschließen würde, den Markt überwachen und die erforderlichen Informationen an den Exporteur weitergeben würde... Eine Weitere Aufgäbe dieser Stelle wäre, den jeweiligen Bedarf an importfähigen deutschen Waren festzustellen und die öffentlichen AusSchreibungen an den Exporthandel weiterzugeben. Kommunistische Anhänger des Numerus clausus Moskau, 28. Mai. (J. T. A.) Die in Charkow erscheinende jüdische kommunistische Tageszeitung ״Der Stern“ führt eine Reihe Beispiele an, die beweisen sollen, wie stark der Antisemitismus auch unter der Studentenschaft verbreitet ist. Der kommunistische Studentenverband an dem Charkower Technologischen Institut, der mehr als 400 Mitglieder zählt, ist stark von Antisemitismus verseucht, innerhalb dieses Verbandes wird für die Einführung einer Prozentnorm für Juden an den Hochschulen Propaganda gemacht. Das im Sowjetstaat verpönte Wort ״Zschid“ (herabsetzender Ausdruck für ״Jude“) wird von diesen kommunistischen Studenten oft gebraucht. Das Parteibüro des Instituts, schließt die jüdische Zeitung, unternimmt nichts, um diesen chauvinistischen Stimmungen entgegenzuwirken. Antijfltiische Exzesse in Litauen K o w n o, 28. Mai. (J. T. A.) Am 2. Pfingsttage veranstalteten litauische Studenten in dem 30 km von Kowno entfernt liegenden Städtchen Pren einen Pogrom gegen die jüdische Bevölkerung. Mehrere Juden, auch Frauen und Kinder, wurden von den Exzendenten schwer mißhandelt und verletzt. Erst sehr spät trat die Polizei in Aktion. Delegiertentag der Jugendvereine Dresden, 29. Mai. (J. T. A.) Am 27. und 28. Mai fand in Dresden die aus allen Teilen des Reiches außerordentlieh stark besuchte 7. ordentliche Delegiertentagung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine Deutschlands statt. In der Eröffnungsfeier, in der Rabbiner Dr. Wolf (Dresden) Worte der Weihe sprach, begrüßten u. a. Rechtsanwalt Salinger (Dresden) und Rabb. Dr. Leo Baeck (Berlin) in herzlicher Form die etwa 700 Delegierten und Gäste. Die Referate von Rabb. Dr. Wiener (Berlin), Herbert Feisenthal (Düsseldorf) und Dr. Julius Herzfeld (Essen) standen unter dem Motto ״Unser Weg in die Wirklichkeit“. Den außerordentlich anregenden Referaten folgte eine vielstündige Generaldebatte, in der neben der Bundesarbeit und der Junggruppenarbeit die Stellung zu Judengesetz und Gemeindefragen im Vordergrund standen. Zu den letzteren Fragen nahm die Tagung eine dem Preußischen Landesverband zuzuleitende ausführliche Resolution an. In der geschlossenen Delegiertentagung gab sich der Verband eine neue Satzung und bewilligte den vorgelegten Etat. An Stelle des aus beruflichen Gründen zurücktretenden ersten Vorsitzenden Dr. Siegried Klein (Düsseldorf) wurde Dr. Hugo Hahn (Essen) durch Zuruf der Versammlung gewählt. (Wir werden auf diese Tagung noch zurückkommen. Red.)