Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 42-43 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42/43, 1. VI. 1928 1ÜEDISÜH1 RUNDSCHÄU Sehe 307 Das muß von Grand aus anders werden Von unserem Korrespondenten. B. O. Tel-Awiw, den 24. Mai 1928. Die Verhandlungen mit der Regierung über das Gemeinde• gesetz wollte kein Ende nehmen. Immer wieder hatte man Aenderungsvorschläge. Schließlich ist vor einer Reihe von Monaten das Gesetz in Kraft getreten. Die Juden bekamen damit in Palästina eine öffentlich-anerkannte Vertretung, den ״W a a d Leum i“, und konnten sich eine anerkannte gesetzgebende Ver- Sammlung schaffen, die ״Asscfath Haniwcharim“. Alles in allem genortmen ein wichtiger Schritt auf dem Wege zur ״Autonomen Verwaltung“. Im Gesetz steckte eine Gefahr. Es erlaubte Gruppen — die aus irgendwelchen religiösen oder weltlichen Gründen nicht mit der Allgemeinheit Zusammengehen wollten ■— Sondergemeinden einzurichten. Eine Gefahr — die durch guten Willen und Verständnis der Juden für ihre gemeinsamen Interessen zu paralysieren war. In diesem Sinne ist das Gesetz geradezu ein Prüfstein für die politische Reife und die Fähigkeit zum Zusammenschluß. Man ging an die Vorbereitung der Einberufung der ״Knesseth jisrael“, die die Juden Palästinas zusammenschließen sollte. Daß die ״Agudah“ mit einer scharfen Austrittspropaanda begann, war selbstverständlich. Aber darüber hinaus erebt sich das Gespenst des Austrittes, der Sondergemeinden, auch an anderen Stellen. Die sephardischc Gemeinde in Jaffa und Tel-Awiw hat gegen allgemeine Wahlen Stellung genomraen und verlangt, daß man jeder ״Gemeinde“ eine Bestimmte Anzahl von Kandidaten vorher bestimme, und zwar im Verhältnis zu der Zahl ihrer eingeschriebenen Wähler. Der Waad Leumi, der hilflos der Austrittsdrohung gegenübersteht, hat, um der Einheit der ״Knesseth Jisrael“ willen, ein Kompromiß gemacht und beschlossen den Sephardim eine bestimmte Anzahl von Mandaten von vornherein zuzusichern. Aber die Sephardim haben sich damit nicht zufrieden gegeben und neuerlich eine Erklärung veröffentlicht, daß sie das gleiche auch für alle anderen Gruppen verlangen. Wenn nicht, Austritt! Das sind die nackten Tatsachen. Was ihnen zugrunde liegt, muß schwere Zweifel an der Fähigkeit der palästinensischen Juden erwecken, sich zu sammeln und zu organisieren. Es ist nicht schwer, die Gründe für diese Zustände zu erkennen. Es gibt hier Kreise der verschiedensten Herkunft, Färbung, reli- S'öser und politischer Einstellung. Kreise, denen parlatnenrische Formen vollkommen fremd sind und denen sie mißtraulsch gegenüberstehen. Es wird lange dauern, bis man sich aneinander gewöhnt hat, bis man versteht, daß auch so eine Sache, wie die Selbstverwaltung gelernt werden muß, kurz, bis man sich an etwas so schwer Erträgliches und so schwer Lastendes wie die ״Freiheit“ gewöhnt hat. Aber diese Erscheinung, die darauf hindeutet, daß jeder Einzelne, dessen Forderungen nicht bewffligt werden, sich ״selbständig“ macht, läßt eine solche Zerrissenheit erkennen und ein solches Unverständnis für politische und organisatorische Kategorien, daß die kommende Arbeit Herkuleskräfte erfordern wird. So stehen auf der einen Seite die zentrifugalen Tendenzen der verschiedenen Bevölkerungsteile, und sie wirken dahin, daß Einheitsgebilde der palästinensischen Juden gar nicht erst entstehen können. Ebenso beängstigend ist auf der anderen Seite die Machtlosigkeit der jüdischen Vertretung, des Waad Leumi. Es war bisher ein öffentliches Geheimnis in Palästina, daß er keine Autorität oder keine genügende Autorität besaß. Aber man wendete auf ihn den alten Spruch der französischen Revolutionen: ,,Was ist der Waad Leumi? Nichts! Was kann er sein? Alles!“ Und auf dieses Alles muß man nicht nur hoffen, sondern hinarbeiten. Aber heute ist es nach der Bestätigung des Gemeindegesetzes vielleicht noch schwerer als früher. Denn diese juwerantwortttehen Tendenzen der Spaltung um aller möglichen Grunde willen, diese, fröhliche Unbekümmertheit: ״Sonst mache Ich mich selbständig“, treibt den Waad Leumi in eine hoffnungs* lose Verteidigungsstellung. Er kann schließlich nicht mit dem Austritt drohen und muß also ängstlich und bis zur Verzagtheit behutsam jeden Teil, der sich absondern könnte, wieder heranzuziehen suchen. Durch Versprechungen, mit Ueberredungskunst, mit Kompromissen, ln der Tat eine politische Aufgabe, die eines geübten Engländers würdig wäre. Nun hat heute die ״Knesseth Jisrael“ besonders in ihren parlamentarischen Funktionen als ״Assefath Haniwcharim“ vor allem eine Bedeutung als eine politische Fechterschule. Die Juden müssen lernen, wie man parlamentarische Theorien und Methoden in die Praxis umsetzt. Denn bisher haben sie nur als Einzelne in den Parlamenten anderer Völker mitgefochten und selbst haben sie noch keine Erfahrung, keine Schulung, keine Tradition. Es ist auch klar, daß solche Entwicklungen auch Zeit brauchen, nicht Jahre, sondern Jahrzehnte und es gibt noch einen Trost, daß es sich bei der Knesseth Jisrael um recht heterogene Elemente handelt, die sich kennenlernen und ausgleichen müssen, so daß der Prozeß vorerst besonders erschwert wird. Nachdem die Kinder des Sepharden, der persischen, kurdisehen, jemenitischen, fscherkessischen, kaukasischen, europäisehen, amerikanischen Juden zwei Generationen gemeinsam in die Schule gegangen sind, was bekanntlich heute durchaus noch nicht der Fall Ist, wird der Boden für eine geeinigte Aktion vorbereitet sein. Soweit also die Gesamtvertretung der palästinensischen Juden. Viel böser sehen die Zwischenfälle aus, die wir in den letzten Wochen in der best entwickelten parlamentarischen Institution Palästinas zu verzeichnen haben. Tel-Awiw mit seiner autonomen, auf allgemeinem Wahlrecht beruhenden Stadt- Verwaltung ist heute berühmt überall auf der Welt, wo man sich für die Jüdische Renaissance interessiert. Und mit Recht bcrühmt. Denn diese ״erste, jüdische Stadt“ mit ihrer autonomen Verwaltung Ist ein äußerst wichtiges Experiment, ein weittragender Präzedenzfall für das ״National Home“. Aber es kommt nicht nur darauf an, daß es diese Munizipalität gibt, daß sie gewählt ist und daß sie Autonomie besitzt. Sondern die Kernfrage ist: Wie sieht diese Munizipalität aus? Wie wirkt auf sie die freie Wahl und was macht sic aus der neu gcwährten Autonomie? Die Antwort auf diese Fragen sieht recht trübselig aus. Wer sich die Mühe genommen hat, die letzten Sitzungen des Stadtrats genau zu verfolgen, der sieht ein sehr verzerrtes Bild der Autonomie. Die Gründe für den Konflikt der Munizipalität sind unwichtig. Und gerade deswegen ist der Konflikt wichtig. Um wieder den Tatbestand kurz zu skizzieren: Die Stadt hat im vorigen Jahre eine bedeutende Anzahl von Beamten entlassen und sich zugleich verpflichtet, bei Neueinstellungen in erster Reihe die früheren Beamten zu berücksichtigen. Vor kurzem waren ein paar neue Arbeitskräfte notwendig und die Stadt stellte neue Leute ein, ohne auf die früheren zurückzukommen. (Mit der Begründung übrigens, die früheren Beamten entsprächen nicht den Anforderungen. Ob das stimmt, 9011 jetzt eine Kommission untersuchen.) Daraufhin Einspruch des Beamtenrafs und eine scharfe Spaltung zwischen rechts und links in der Stadtverwaltung, da die Beamten von Angehörigen des rechten Blocks eingestellt worden sind und die Linke den Beamtenrat verteidigt. Drei stürmische Sitzungen, die zusammen ungefähr 20 Stunden dauern, Uebertragung des Konfliktes auf das prinzipielle Gebiet der Organisation der Beamten und ihrer Kompetenz. In der dritten Sitzung war zufällig die Rechte, die sonst in der Majorität ist, an Zahl geringer als die Linke und verließ vor den Beschlüssen die Sitzung der Munizipalität. Worauf die Linke Beschlüsse auf Entlassung der neuen Beamten und Prüfung der Sachlage durch eine Kommission annahm. Die Ereignisse erinnern lebhaft an die parlamentarischen Verhältnisse in politisch nicht konsolidierten Lindern. Es kommt dabei gar nicht darauf an, wer recht hat. (Nebenbei gesagt, in dem konkreten Falle allem Anschein nach die Linke.) Aber es kommt auf die Methoden an, auf die Unfähigkeit, Wesentlichcs vom Unwesentlichen zu unterscheiden, auf die Streitlust, die sich an Kleinigkeiten heftet und die Unfähigkeit zu einer vernünftigen und fruchtbaren Koalition. Und es ist schwer bedauerlieh, daß bei einer solchen Gelegenheit in der Stadtverwaltung selbst von Delegierten und Beamten ein Bild der Geschiftsrührung entworfen wird, das weder von politischer noch von organisatorischer Begabung zeugt. ln Tel-Awiw haben wir nicht die Entschuldigung und den Trost wie bei der ״Knesseth Jisrael“. Hier handelt es sich um einen Kreis von Juden, der relativ homogen ist. Es bestehen Unterschiede in den sozialen Auffassungen, also so etwas wie ein Kiassenkampf im Wasserglase. Aber es sind Menschen aus ziemlich gleichen Kulturkreisen, ״Zionisten“ im hergebrachten Sinne, die ein gemeinsames Ziel haben, nämlich den Aufbau eines wirtschaftlich und organisatorisch konsolidierten Gebäudes. Und trotzdem! Dabei hilft es uns nichts, wenn man Die Parole des Delegiertentages: ״Mehr werben und besser werben I" Wir brauchen zur Vorbereitung unseres neuen Propaganda - Materials die Mitwirkung eines Werbegraphikers und bitten zionistische Künstler um Adressenangabe bis 8. Juni. Anregungen aus dem Kreise der Freunde des KKL zur Ausgestaltung der Propaganda werden gern enfgegengenommen. KEREN KAJBMETH LEIISRAEL Berlin W 15 / Melnekestraßa 10 erklärt, es handele sich um ״Klassengegensätze“. Es gibt ein Rechts und es gibt ein Links, das ist richtig. Aber diese Unterschiede können durchaus bestehen, ohne daß die Geschäfte davon völlig beherrscht werden. Und das Entscheidende ist nicht das Bestehen dieser Gegensätze, sondern die Unfähigkeit überhaupt, eine nationale Organisation durchzuführen. Tel-Awiw sollte das Laboratorium sein für die Methoden und Formen nationaler Verwaltung. Es ist in der Tat auch sö etwas wie eine Versuchsstation, nur daß sie bisher in den meisten Fällen bewiesen hat, wie man es nicht machen soll. Und das kann sehr böse Folgen haben, nach außen und nach innen. Nach außen: Wir sind immer von dem Bewußtsein ge* tragen gewesen, daß wir absolut fähig sind, unsere Geschärte selbst zu führen: Und daß wir die Regierung in der Richtung auf unsere volle Selbstverwaltung hindrangen können und müssen. Und zum Teil mit Recht. Denn wir haben an verschiedenen Stellen die Fähigkeit bewiesen, zu organisieren und zu verwalten. Aber die Regierung wird all diesen Anträgen nur entgegenkommen, wenn wir aas volle Recht darauf haben und dieses Recht wird durch solche Zustände, wie sie gegenwärtig in Tel-Awiw herrschen, erschüttert. Man muß an einem solchen Objekt, wie es eine Stadt von einigen Zehntausenden ist, gewissermaßen die Prüfung ablegen für größere Aufgaben. Und nach innen: Organisation, politische Fähigkeiten und Verwaltung sind der Gradmesser für unseren Fortschritt auf dem Wege zur Freiheit. Es ist das Kriterium für das soziale Vermögen jedes Volkes, ob es seine eigenen Angelegenheiten in Ordnung halten kann. Daß wir es heute nur schlecht können, läßt sich aus unserer Geschichte tausendfach erklären. Aber eine Erklärung ist noch keine Entschuldigung. Wir haben in letzter Zeit bedrohliche Anzeichen von unserem Rückstand in diesem Sinne gehabt: Angefangen von den Kämpfen um die Beteiligung des Jischuw an den Schulen bis zum Waad Leumi und Tel-Awiw, von dem Zustand der Zionistischen Organisation ganz zu schweigen. Wir kennen auch die Mittel zur Ueber- Windung der Uebelstände: Erziehung, Annäherung der verschfedenen Kreise, Lernen bei anderen Völkern und vieles andere. Aber das Wissen ist der erste Schritt, dem die Verwirk- Heilung folgen muß. Die schwere Situation soll nicht zu einer Panik und nicht zu überstürzten Schritten führen. Wir haben Zeit und wir glauben, daß der Zionismus stark und vernünftig genug ist, sie zu nützen. Aber die Kritik hat die Aufgabe, offen zu sagen, wo etwas schlecht ist. Denn so kann es nicht weiter gehen. Wenn es bei uns in politischer oder organisatorischer Beziehung nicht von Grund auf anders wird, so kann von einer geregelten Arbeit im Lande nicht die Rede sein. Legioalre und Sicdlunpland Jerusalem, 27. Mal. (J. T. A) Eine Abordnung früherer jüdischer Legionäre, die im Weltkriege in Palästina gekämpft haben, besuchte Lord Plumer, und unterbreitete ihm die Bitte der Legionäre, ihnen Staatsboden zuzuweisen. Führer der Ab- Ordnung war der Arbeiterführer Ben Z w i. Lord Plumer erwiderte der Abordnung daß in Anbetracht der Ergebnisse ähnlieber Experimente in anderen Ländern er kein besonderes Vertrauen zu einer Sondersiedlung früherer Soldaten habe. Er wolle aber jeden konkreten Vorschlag, den ihm die Legionäre unterbreiten, einer Erwägung unterziehen. Die Aprileingänge des Keren Kajemeflt Die Aprileingänge des Keren Kajenjeth betrugen £ 19440, was einen Rückgang gegenüber März mit £ 23005 bedeutet, aber eine Steigerung gegenüber April 1927 mit £ 15 089. An diesen Eingängen waren in erster Reihe beteiligt: Die Vereinigten Staaten mit £ 8797 (ein Teil davon stellt eine Voraus- Zahlung dar), Deutschland mit £ 1149, Großbritannien und Irland mit £ 861, Transsylvanien mit £ 756 und Kongreß- Polen (Warschau) mit £ 726. Bis auf Transsylvanien sind in all den erwähnten Ländern gegenüber März Rückgänge zu verzeichnen. Die Gesamteingänge des Keren Kajeraeth während der ersten 7 Monate des Jahres 5688 (per 30. April) betrugen £ 117684 gegen £E 144746 in der gleichen Periode des Vorjahres. Aus der Berliner Gemeinde Aas• and Aufbau In der Repräsentantenversammlung vom 23. Mal fand <$e Einführung des neugewählten stellvertretenden Vorstandsmitgliedes, Dr. Arthur Lilienthal, statt. Bei dieser Gelegenheit hielt der Vorsitzende der Repräsentantenversammlung, Geheimrat Stern, eine Ansprache, die gleichsam eine Zwischenbilanz der bisherigen Tätigkeit der neuen Gemeinde- Verwaltung war. Geheimrat Stern konnte feste teilen, daß sich die Berliner Jüdische Gemeinde in einem Zustande des Aushaus und des Aufbaus befindet Der Umkreis der von der Jüdischen Gemeinde wahrgenommenen Interessen weitet sich. Neben den Aufgaben der Kultus- und der Wohlfahrtspflege sind es vor allem sozial-aufbauende Arbeiten, die immer stärker berücksichtigt werden. Die Feststellungen des Geheimrat Stern widerlegen schlagend das von dem militanten Flügel der Liberalen durch Monate hindurch erhobene Geschrei von einer Krise in der Berliner Jüdischen Gemeinde, von der Lahmlegung jeder Arbeit usw. Von den zur Behandlung in der Sitzung gelangten Punkten seien hervorgehoben: der Beschluß zur Errichtung einer konservativen Synagoge im Hansaviertel, und die Schaffung eines Fonds zur Erleichterung von Eheschließungen im Jugendliehen Alter. Die Anregung der Volkspartei, bei den von der Gemeinde zu vergebenden Arbeiten bei den Neubauten vornehmlleh jüdische Arbeiter und Unternehmer zu beschäftigen, fand einstimmige Billigung. Die Frage der Vereinheitlichung des Gottesdienstes in den konservativen Synagogen wurde vertagt״ Die Satzung der Jüdischen Gemeinde verpflichtet Vorstand und Repräsentantenversammlung, in diesen Fragen zu entscheiden. Dieser Zustand erscheint in Anbetracht des Grundsatzes der inneren Autonomie der einzelnen religiösen Schattierungen auf die Dauer unerträglich. Wenn es nicht anders geht, sollte eine Satzungsänderung in dieser Richtung vorgenomtnen werden. Der Beschluß, eine konservative Synagoge zu errichten, mußte gefaßt werden, weil man in der vorangegangenen Sitzung der Versammlung den Bau der liberalen Synagoge in der Prinzregentenstraße bewilligt hatte. Die Bedenken einzelner Mitglieder der Versammlung, den Synagogenbauten Vorrang vor der Errichtung von Altersheimen, vor der Schaffung von Sportplätzen in genügender Menge zu geben, sind nicht von der Hand zu weisen. Hoffentlich wird die Gemeinde in nächster Zeit bei der Ausgestaltung der genannten Institutionen ebenso großzügig sein wie bei der Frage der Synagogenbauten. Erfreulich ist der Beschluß der Repräsentantenversammlung, dem Antrag der Volkspartei beizutreten, der Jugend* gemeinde Philipopel, die durch Erdbeben gelitten hat, als Zeichen brüderlichen Mitgefühls einen Betrag von 3000 M. zur Verfügung zu stellen. s. n. *. Kommerzienrat Gerson Simon, der Vorsitzende des Vorstandes der Berliner Jüdischen Gemeinde, wurde am 31. Mai 70 Jahre alt. Vorstand und Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin haben dem Jubilar an seinem Geburtstage eine Glückwunschadresse una Blumen überreicht. . Die Tote Meer-Konzession vor dem Oberhaase London, 28. Mai. (J.T.A.) Nachdem sich das englische Unterhaus in der letzten Zeit infolge wiederholter Vorstöße seifens des Colonel Howard Bury sehr oft mit der Angelegenheit der Vergebung der Konzession zur Ausbeutung der Salze des Toten Meeres zu beschäftigen hatte, kam nun diese Frage auch zur Verhandlung vor dem Oberhaus. Lord I s 1 i n g - 10 n , der sich oft antizionistisch betätigt hat, fragte die Regierung, welche Personen und Gruppen sich hinter No wom e y s k y und T u 11 o c h, die die Konzession erhalten sollen, verbergen. Die Bevölkerung. Palästinas, sagte Islington, würde gern sehen, wenn die Konzession der starken britischen Gruppe gegeben würde, die im Februar d. J. ein Angebot gemacht hat. Die Hälfte des Konzessionsgebietes liegt in Transjordanien, wo Juden gar nicht wohnen. In Palästina selbst seien nur etwa 12"/# der Bevölkerung Juden. (?) Er erinnerte an das von Winston Churchill im Juni 1922 herausgegebene White Paper, welches besagt, daß nicht ganz Palästina ein jüdisches Heim werden solle, sondern nur, daß in Palästina ein jüdisches Heim erstehe. Die edlen Lords werden einsehen, daß hier ein Unterschied gemacht worden ist. England hat die Möglichkeit, bei Vergebung der Konzession sich von dem deutschen Kali-Monopol unabhängig zu machen. Es scheint aber, daß Dr. Weizmann mehr über die Konzession unterrichtet ist als das britische Parlament; die Tote Meer-Konzession zählte er in seiner Ansprache auf einer Versammlung am 22. April zu den Erfolgen der Zionistischen Organisation. Nowomeysky soll der Zionistischen Organisation nahestehen, man wolle also den wichtigen Bester des Toten Meeres für die zionistische Bewegung erhalten. Im Namen der Regierung erklärte Lord L o v a t, daß von der Regierung alle Angebote der verschiedenen Gruppen aufmerksam geprüft und im April 1927 die Herren Tulloch und Nowomeysky verständigt habe, daß man sie als die passendsten Bewerber befunden habe und mit ihnen nähere Verhandlungen über die Konzession pflegen wolle. Man habe darüber die Regierungen von Palästina und Transjordanien verständigt und warte auf deren Antwort. Es entwickelt sich eine lebhafte Debatte, an der Lord Danesfort, Lord Oainford, Lord Haldane, Lord Birkenhead u. a. m. teilnahmen. Lord Islington forderte zum Schluß, daß die Regierung dem Parlament alle die Konzession betreffenden Dokumente vorlegen solle. Der Antrag wurde mit 38 gegen 25 Stimmen abgelehnt. Jerusalem, 28. Mai. (J.T.A.) Ben Gurion und Berl Katzenelson erlitten bei einem Autounfall schwere Verletzungen und mußten in das Hospital gebracht werden. Sie befanden sich auf dem Wege nach der jüdischen Kinder- Kolonie Ben Schemen, wo sie einer Beratung der sozialisftsehen Jugend Palästinas beiwohnen wollten, als in Ludd ihr Auto umkippte und die Insassen hinausschleuderte. Berl Katzenelson erlitt einen Arm- und einen Beinbruch, Ben Gurion zog sich Verletzungen am Kopf und am Arm zu. Ihr Zustand gibt zu Besorgnissen keinen Anlaß. Frau Ben Gurion und die Frau des Chauffeurs erlitten leichtere Verletzungen. Der Chauffeur wurde wegen Fahrlässigkeit verhaftet. Paris, 25. Mai. (J.T.A.) Die J.T.A. hat einen schweren Verlust erlitten; der Leiter ihres Pariser Büros, Rechtsanwalt Jacques G o 1 d b e r g , wurde von einem jungen Manne, den er etwa vor zwei Wochen im J. T. A.-Büro angestellt hatte, durch Revolvcrschüsse niedergestreckt und erlag den erlittenen tödlichen Verletzungen. Goldberg war 40 Jahre alt.