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Jüdische Rundschau · 1928-06-01 · Heft 42-43 (1.6.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 42-43 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 306 JUEOI5CH1 RTJffOSrCWtfÜ Nr. 42/43, 1. VI1928 werden sollen. Wir sind übereinstimmend zu der Meinung gekommen, von einer best hl 11 ßmä Eigen Fest- 1 e g 1111 g der Ergebnisse über Propaganda und Erziehung ab zur eben. Wir sollen den Wert vor allem in der Auss p r a r 11 e selbst. Wir sind uns ntitli darüber einig, daß unsere Propaganda inhaltlich klar sein und erweitert werden muß. Besonders wichtig erscheint uns allen die Aussprache mit der Jugend, aus der sieh für uns die Ueberzeugung ergeben hat, daß es möglich ist, die Jugend stärker als bisher der Z. V. f. D. ein/ugüedern. Der Permanenzausschuß glaubt auch, daß kein Zweifel darüber bestehen kann, daß die große Mehrheit des Delegiertentages sich ln den Fragen der Propaganda auf den Standpunkt gestellt hat, der vom Vorsitzenden Blumenfeld eingenommen worden Ist. Der Referent bringt sodann folgende Resolutionen ein, die unter großem Beifall angenommen werden: 1. Kulturarbeit. Der Delegiertentag beauftragt den Landesvorstand, die Kulturarbeit in der Z. V. f. D. auszugestalten und zu vertiefen. Zu diesem Zweck soll ein Kulturaezemat errichtet werden, das mit ausreichenden Mitteln auszustatten ist. 2. Central-Verein. Die von dem Central-Verein in seiner letzten Hauptver- Sammlung gefaßte, gegen den Zionismus gerichtete Kesolution erweist von neuem, daß der im Central-Verein organislerte Teil der deutschen Judenheit sich noch Immer tnt- Scheidungen in jüdischen Fragen von der Furcht um die Errungenschaften der Emanzipation aufdrängen läßt. Der XXll. Delegiertentag bedauert, daß eine Gruppe deutscher Juden im Kampf um die Gleichberechtigung von anderen jüdischen Gruppen abrückt und die Anschauung vertritt, daß volle Gleichberechtigung von einer bestimmten und immer wieder angepriesenen Gesinnung abhängig gemacht werden müsse. Der Zionismus verlangt demgegenüber eindeutige, zukunitsbejahende Entscheidung zum Judentum, dessen Erhalhing und Erneuerung nur durch den Aufbau eines starken nationalen Lebens in Palästina möglich ist, in dem jüdischer Eigenwert und jüdische Leistung die Achtung der Welt erringt Gleichberechtigung bedeutet Anerkennung unserer Art. Die klare und wahrhaftige Betonung dieses Zieles entspricht allein jüdischer Würde und gibt uns Fähigkeit und Berechtigung zu einer unserem Wesen gemäßen inneren Anteilnähme an dem deutschen politischen und kulturellen Leben. 3. Alijah. Der Delegiertentag weist die Exekutive auf die schwere Lage der Chaluzorganlsationen hin und ersucht sie, alle möglichen Schritte zu unternehmen, um eine den Beschlüssen des 15. Kongresses entsprechende Alijah geistig und fachlich gut ausgebildeter Chaluzim einzuleiten. Eine solche AHjah erscheint zur Wiederherstellung des lebendigen Kontaktes der Jugendbewegung und des Chaluz mit der Arbeit im Lande notwendig. Referent erklärt, daß der Permanenzausschuß von weitereo Anträgen bezüglich der Lage in Palästina und dem Welt- Zionismus abgesehen hat. Diese Fragen sind innerhalb der Z. V.f.D., di« alle Parteien umfaßt, umstritten und eine Stellungnahme des Delegiertentags schien nicht am Platze. ffti Interesse ler Fortführung unseres Aufbauwerkes in Palästina und einer erfolgreichen Durchführung der zionistisehen Jugendarbeit In der Galuth betrachtet der Delegiertentag die Förderung der fachlichen und kulturellen Arbeit des Hechaluz als eine wesentliche Aufgabe der Z. V. t.D. 5. Privatinitiative. Der Delegiertentag lenkt die besondere Aufmerksamkeit der deutschen Zionisten au! die Möglichkeiten wirtschaftlicher Betätigung ln Palästina nach Art der Gründung Dr. B r 0 n n s, die der privatwirtschaftlichen Initiative und damit auch der Schaffung neuer Arbeitsgelegenheiten den Weg ebnet. Der Delegiertentag erklärt es als eine Pflicht der Z. V. f. D״ ähnliehe Gründungen auch in Zukunft zu fördern und ihr Zustandekonunen zu erleichtern. Dr. Landauer bringt einen Antrag ein, den der Permanenzausschuß nicht zugelassen hat, weil er der Ansicht war, daß nicht über eine einzelne Frage Beschluß gefaßt werden soll, wenn andere Einzelfragen unerwähnt bleiben. Der Antrag lautet: Zur Lage In Palästina. Indem der deutsche Delegiertentag mit Befriedigung feststellt, daß in der Lage des jüdischen Jisc.huw und insbesondere der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina nach Jahren schwersten, mit äußerster Kraftansp.annung ertrageneu wirtschaftlichen Druckes eine Erleichterung eingetreten ist, erklärt der deutsche Delegiertentag, daß alle Anstrengungen der Zionistischen Organisation darauf gerichtet werden müssen, durch erneute kolonisatorische Tätigkeit die Arbeitslosen endgültig im Lande zu verwurzeln. Die Zionistische Exekutive soll jedoch alle Vorbereitungen treffen, daß auch nach Beendigung der gegenwärtigen Arbeiten eine weitere Beschäftigung der Arbeitslosen in den öffentliehen Arbeiten der Regierung, in den mit der Konsolidierung unserer Siedlungspunktc verbundenen eigenen Arbeiten und bei anderen möglichen Arbeitsgelegenheiten gesichert wird. Nach einer längeren Debatte faßt der Vorsitzende Dr. Landsberg die Meinung des D e 1 e g i e r t e n t a gs dahin zusammen, daß der Delegiertentag sich mit dem Inhalt des Antrages identifiziert, jedoch eine Abstimmung für unzweckmäßig hält, weil sonst auch andere Resolutionen eingebracht werden können. Auf Grund dieser P_r ä s i d i a 1 - erklärung zieht Landauer seinen Antrag zurück. Die Wahlen Dr. Moses schlägt namens des Permanenzausschussc zunächst die Abschaffung der Institution des Zentralkomitees vor und stellt demgemäß folgende Anträge: 1. Das Zentralkomitee fällt fort. Die Paragraphen 13—15 des Statuts werden gestrichen. 2. Ein- bis zweimal im Jahr sollen die Mitglieder des Landesvorstandes sowie je ein Vertreter aller Ortsgruppenvorstände und Gruppenverbände zu Besprechungen eingeladen werden, die insbesondere der Vorbereitung der Ortsgruppenarbeit und der Information der Gruppen und Verbände dienen. (Angenommen.) Im Rahmen des bestehenden Statuts werden folgetide Aenderungen vorgeschlagen: Herabsetzung der Zahl der Mitglieder des Landesvorstandes, damit diese Körperschaft beweglicher wird; Verkleinerung des Geschäftsführenden Aus- Schusses; Wahl nur eines Vorsitzenden. Adler gibt namens des Misrachi folgende Erklärüng ab: Erklärung des Misrachi. Der Misrachi sieht eine Hauptursache der Stagnation in der zionistischen Bewegung und des Mißerfolges bei der Gewinnung neuer Menschen in dem unhistorischen Charakter der heutigen zionistischen Ideologie. Unter Verkennung des Wesens der nationalen Kulturarbeit ist die zionistische Tätigkeit nicht von den geschichtlichen Grundlagen der jüdischen Kultur ausgegangen und hat es verabsäumt, Verstindnis und Ehrfurcht vor jüdischer Tradition in die zionistischen Reihen zu tragen. Ohne eine solche Grundlage besteht aber keine Möglichkeit, das Leben in Erez-lsrael so aufzubauen, daß ein in sich geschlossenes jüdischnationales Gemeinschaftsleben entsteht. Der dem Delegiertentag vorgelegte Bericht und das Programm für die zukünftige Arbeit, wie auch die Zusammensetzung der neuen Leitung, lassen nach unserer Ansicht weder den Willen erkennen, noch geben sie die Möglichkeit, die mit der jüdischen Tradition verknüpften Teile unseres Volkes in starkem Maße heranzuziehen. Aus diesem Grunde hat der Misrachi erklärt, daß er die Verantwortung für die Arbeiten der Z. V.f.D. nur dann mit übernehmen kann, wenn er durch einen geeigneten Vertreter in der Leitung der Z. V. f. D. in die Lage versetzt wird, Politik und Arbeitswege der Z. V. f. D. entscheidend mit zu beeinflussen. Da dieses Verlangen vom Permanenzausschuß nicht berücksichtigt wurde, sieht der Misrachi sich außerstande, in den Geschäftsführenden Ausschuß einzutreten und lehnt die Verantwortung für die Tätigkeit der Z.V.f.D. in der kommenden Periode ab. Bei aller Anerkennung der hingebungsvollen Arbeit Blumenfelds müssen wir deshalb gegen seine Wahl als alleinigen Präsidenten der Z.V.f.D. stimmen und auch die für den Geschäftsführenden Ausschuß vorgeschlagene Liste ablehnen. Die Bereitschaft des Misrachi zur intensiven .Mitarbeit und seinen Willen zur Beeinflussung des zionistischen Lebens im Sinne seiner?*Prinzipien, beweist er durch die Beschickung des Landesvorstandes und der Kommissionen und er wird durch Verstärkung misrachistischer Tätigkeit alle Anstrengungen machen, um die zionistische Position in Deutschland zu stärken. Dr. Moses erstattet sodann die Personalvorschlage: Vorsitzender der TL. V. I. D.: Kurt Blumenfeld Geschäftsführender Ausschuh Alfred Berger, Moritz Büeski, Nachum Goldmann, Siegfried Kanowitz, Max Koüenscher, Georg Landauer, Richard Lichtbeim, Martin Rosenblflth. Landesvorstand Alexander Adler, Eli Ascher, Hans Bloch, Erich Buchholz, Isaak Feuerring, Herbert Foerder, Sigmar Ginsburg, Nathan Grünstein, Salli Hirsch, Max Jacobsohn, Max J. Kober, Alfred Landsberg, Julius Lewinsohn, Kurt Löwenstein, Franz Meyer (Breslau), Erich Michaelis, Rudolf Möller, Siegfried Moses, Fritz Naphtali, Bruno Nathan, Fritz Noack, Meinhold Nußbäum, Israel Rabln, Rudolf Samuel, Salman Schocken, Max Soloweitsclyk, Louis Tumpowsky, Georg Weißmann, Oskar Wolfsberg, Richard Wolfheim; ferner eine vom Bund zionistischer Frauen zu nominierende Vertreterin. Finanz-Ausschuß Victor Bach, Raak Fenerring, Alfred Jarislpwsky, Fritz Naphtali, Alfred Schwarz, Werner Senator. Ehren •Gericht Vorsitzender: Moritz Bileski, Stelivertr. Vorsitzender: Herbert Foerder, Mitglieder: Martin Ascher, Walther Erhard, Hans Steinitr, Paul Sulzberger. Ehrengerichtsanwalt: Erich Cohn, Stellvertreter: Hermann Hirsch. Oberste Vertrauenskommission Vorsitzender: Salli Hirsch, Mitglieder: Albert Baer, Lazarus Barth, Alfred Berger, Walter Czapski, Erich Moses. Revisoren Lazarus Barth, Hugo Wolfermann, Max Wollsfeiner. Die vorgeschlagenen Kandidaten werden gewählt, und zwar der Vorsitzende und der Geschäftsführende Ausschuß mit allen Stimmen mit Ausnahme des Misrachi, der dagegen stimmt, alle übrigen Kommissionen und der Landesvorstand einstimmig. * Blumenfeld (den Vorsitz übernehmend): Wir kommen zum Schluß des Delegiertentages. Wir sind vielleicht nicht so sehr reicher an neuen Erkenntnissen, aber doch reicher an zionistischer Energie und an Entschlossenheit weiterzuarbeiten. Dieses Gefühl ist ein allgemeines, es ist bei allen Gruppen vorhanden. Eine Gruppe ist leider nicht mit allen Ergebnissen der Tagung einverstanden, trotzdem hat auch sie erklärt, daß sie an der Arbeit mitwirken will. Wir gehen von diesem Delegiertentag mit dem Bewußtsein neuer Verant- Wörtlichkeit Unsere Arbeit wird loyal geführt werden, ohne den Versuch, Gegensätze zu verkleistern. Die Zionistische Organisation will sich nicht aufputschen gegen andere. Wir wehren nur den Versuch ab, dem Zionismus seinen Platz im deutschen Judentum streitig zu machen. Auch unsere Palästinadebatte hat uns sehr gefördert. Die Z. V. f. D. hat im Weltzionismus die Aufgabe zu zeigen, daß hier Zionisten aller Schattierungen eine einheitliche Arbeit führen im Vertrauen zu gemeinsamen zionistischen Qualitäten der zusammenarbeitenden Menschen. Der Delegiertentag hat dieses Vertrauen verstärkt Wir werden auch künftig mit allen Gruppen und auch mit einzelnen Perfonen uns auseinandersetzen, vor allem mit der Jugend Wir haben auch ein großes Reservoir von Jugend in unseren Turaorganis&tionen, über die wir diesmal gar nicht gesprochen haben, und auch in anderen Organisationen, ob sie sich mm zionistisch nennen oder nicht. Auch ihnen wird unsere Arbeit gelten. Redner dankt sodann dem Vertreter der Exekutive, Felix Rosenblüth, den Kollegen im Präsidium, der Breslauer Ortsgruppe und deren Vorsitzenden Jacobsohn, allen Ordnern und Helfern und dem Büro. Er dankt ferner nochmals der Stadt Breslau für ihre Gastfreundschaft und den Behörden. Schließlich spricht Blumenfeld seinen persönlichen Dank für das ihm durch die Wiederwahl erwiesene Vertrauen aus. Der Zionismus ist oft von seinen Gegnern totgesagt worden; der Delegiertentag hat erwiesen, daß er in voller Frische lebt Der XXII. Delegiertentag der Z.V.f.D. ist geschlossen. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen, die Versammlung singt die Hatikwah.) W. Fnraeatapmg Die Zusammenkunft der Frauenverbände in Breslau wurde von ca. 100 Frauen, Vertreterinnen aus den verschiedensten Orten und eingeladenen Gästen aus Breslau besucht. Frau Dr. Turnowsky-Pinner, die die Sitzung leitete, sprach über die Notwendigkeit des intensivsten Zusammenschlusses unter den zionistischen Frauen. Die Kraft zu dauernder besonderer Lebensanschauung und Lebensführung, den inneren Zusammenhang mit den Frauen Palästinas und die lueraus entspringenden Leistungen können nur durch die Heraushebung des Einzelnen aus seiner Isolierung gegeben werden. Die Berichte der hauptsächlichsten auf der Tagung vertretenen Gruppen des Bundes und des Kulturverbandes (Bralau, Beuthen, Duisburg, Dresden, Qldwitz, Ratibor, Berlin), ergänzt durch Spezialberichte des Breslauer Misrachi und der Frauengruppe des Kontinentalmädchenbundes sowie schriftlich vorliegende Gruppenberichte und eine Gesamtdar- Stellung der Zentrale in Berlin beweisen, daß das letzte Jahr den Anfang zu lebendigerer Frauenarbeit darstellt. ln der Diskussion wurde vor allem die Methode zur In* tensivierung späterer Propaganda (regelmäßige Zusammenarbeit, Neuwerbung durch persönliche Besuche, Werbewoehen, der Tag der jüdischen Frau für das jüdische Kind in Paiästina) und die Frage der Sammlungen für zentrale oder Einzelzwecke besprochen. Rückkehr Dr. Welzmanns Dr. Weltmann ist am 30. Mai aus Amerika in London wieder eingetroffen. Zugleich mit Weltmann kam Felix Warburg In London an, um an der Sitzung der Jewish Agency-Konunission teilzunehmen. Wie die Ziko erfährt, ist es Prof. Weizmann vor seiner Abreise aus Amerika gelungen, Herrn A. Benenson (New York) zu einer Spende von 25000 Dollars zur Deckung des laufenden Budgets des K. H. zu veranlassen. Felix Warburg erklärte nach seinen! Eintritten in London in einem interview, er sei in bezug auf die Aussichten der Erweiterung der Jewish Agency hundertprozentig optimistisch. Warburg wird Gelegenheit nehmen, Baron Rothschild in Paris aufzusuchen. NewY0rk,24. Mal (J'T. A.) Prof. Weizmann und Felix M. Warburg haben an Bord des Dampfers ״Mauretania" die Reise nach London angetreten. Unmittelbar vor seiner Abreise empfing Weizmann den Vertreter der J. T. A. und sagte ihm, daß er noch immer auf eine friedliche Lösung des innerhalb der amerikanischen Zionistischen Organisation ausgebrochenen Konfliktes hoffe; es gäbe Möglichkeiten der Verständigung, ohne daß eine der Parteien gezwungen sein würde, Ueberzeugungsopfer zu bringen. Ueber den voraus* sichtlichen Verlauf der Londoner Agency-Sitzung sagte Dr. Weizmann, er vertraue darauf, daß die Beratungen positive und dauernde Resultate ergeben. * Wie wir schon in der vorigen Nummer mitgeteilt haben, fand am 20. Mai in New York die Hauptversammlung der Leiter des United Palestine Appeal statt. Weizmann verabschiedete sich in einer großen Rede von den amerikanischen Zionisten und wandte sich gegen den Versuch der Opposition, in einer so schweren und für den Aufbau wichtigen Zeit eine Spaltung herbeizufünren und dabei tadelnswerte Kampfmethoden!«zuwenden,; Wetaabp knüpfte 8» dieKrk!|rvn|f'v0n Mii'Bärdfä an, die die bekarihte Kontroverse Über den östlichen und westlichen Einschlag in der Exekutive hervorrief. Die Amerikaner dürfen nicht vergessen, daß sich bisher amerikairische Wirtschaftsmänner in einem nur sehr geringen Maße an der privaten Initiative in Palästina beteiligt haben und daß aus Amerika kein Chaluz nach Palästina gegangen sei. Wenn der Kampf gegen die zionistische Leitung aut dieser Grundlage weitergemhrt werden soll, 30 werde er diesen Mei* nungen und Methoden auf dem Kongreß entgegenzutreten wissen. Zum Schluß sprach Dr. Weizmann über die Aufgaben des nächsten Kongresses und erklärte, er werde es nicht wieder zulassen, daß der Kongreß das Unterrichtsbudget beschneidet und dadurch die ganze Bewegung entseelt. Der Antrag auf Streichung des Budgetpostens für das Schulwerkwerk in Palästina wurde wieder zurückgezogen. (Ziko.) Emile Vandervelde Ober Palästina Paris, 25. Mai. (J. T. A.) Aus Anlaß der Anwesenheit Emile Vanderveldes in Paris veranstaltete das Komitee France-Palestine einen Propaganda-Abend, der von zahlreichen führenden französischen und jüdischen Persönlichketten besucht war. Senator Justin Godart, der die Ver- Sammlung leitete, verlas Begrüßungsschreiben von Poincar£, Barthou, Herriot, Painlevö und Leon Blum. Briand ließ sich durch Konsul Destribor, der beigische Gesandte durch Konsul Kranz vertreten. Prof. Godart berichtete über die Fortschritte der Pro Palästina-Bewegung in den verschiedenen Ländern, woraufhin Mme. Vandervelde, die ihren Gatten auf der Palästina-Reise begleitet hatte, ihre Eindrücke wiedergab. Emile Vandervelde leitete seine Rede mit den Worten ein, er wolle den Zionismus weder loben noch kritisieren; denkt man aber tiefer über die Attacken nach, die von verschiedenen Seiten geritten werden, so kann man nicht stumm bleiben. Ich habe mich mit dem Zionismus als einem Problem und einer Tatsache befaßt. Ich will nicht prophezeien, aber Zeugnis ablegen will ich. Was in Palästina geleistet worden ist, zeugt v on ei ne run ge wohn liehen Kraft und Begcisterung der Zionisten. Die moralischen Faktoren spielen bei einem Aufbauwerk eine große Rolle. Ich bin Schüler eines großen Juden, der Karl Marx geheißen hat Es gibt welche, die sich ebenfalls seine Schüler nennen und die moralischen Momente in der Oekonoraik ganz und gar leugnen; es sind dies die Bolschewisten. Ich würde Ihnen raten, eine Reise nach Palästina zu machen; dort würden Sie wahmehmen, daß der ökonomische Faktor noch nicht alles bedeutet, ohne Ideale kann man ein Land nicht bauen. Der Redner erläuterte die Prinzipien der Bodenverteilung und -Verwaltung in Pa- Iästina und die Methoden der Kooperation. Er schilderte, wie die Arbeitslosigkeit in Palästina überwunden worden ist, nicht zuletzt infolge der Einigkeit und der Opferwiiligkeit der Arbeitersehaft. Damit ist aber das Arbeitsproblem in Palästina nicht gelöst; es muß Platz geschaffen werden für die Einwanderung neuer Chaluzim. Vandervelde wandte sich zum Schluß an seine jüdischen Zuhörer und riet ihnen zu: Möget Ihr französische oder belgische Bürger sein, Juden müßt Ihr bleiben; gebet Ihr ein Beispiel, wie man ein guter Bürger seines Landes und zugleich ein Weltbürger sein kann. (Rauschender Beifall.)

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