Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 42-43 (1.6.1928)
- Date
- 1928-06-01
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 42/43, 1. VI. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 305 Zweckorganisation, heute nicht mehr bestimmt durch menschliche Verbundenheit und Gemeinschaft, sondern vielmehr rin polnischer Apparat, die Summe aller zionistischen Lebensäußerungen. Hier kann auch dieser ״bürgerliche“ Zionismus eine reale Verknüpfung mit Palästina schaffen durch eine wohlverstandene unermüdliche Propaganda des Keren Kajemeth; Kulturwochen sind möglich, und nun beginnen ja auch schon aus Palästina Parolen zu kommen, wie z. B. jetzt die des Oneg Schabbath. Dieser Delegiertentag kann einen großen Sinn haben, wenn es gelingt, unsere Einheit wieder darzutun, nicht durch Kon- Zessionen aneinander, sondern dadurch, daß wir aufweisen, daß der deutsche Zionismus eine gemeinsame geistige Angelegenheit ist, und nur wenn er diese bleibt, wird weiter von ihm die Kraft ausgehen, auf die Palästina sehnsüchtig wartet. (Lebhafter Beifall.) Fortsetzung der Debatte Dr. Franz Meyer (Breslau) spricht gegen die ausschließliehe Einstellung auf Palästina. Wir müssen, wenn wir erfolgreichc Propaganda treiben wollen, den jüdischen Menschen klarmachen, daß wir für die Tatsachen ihres Lebens Verständnis haben und ihnen helfen wollen. In diesem Sinne fordert Redner stärkere Berücksichtigung der Gegenwartsarbeit und vor allem aller Gebiete der sozialen Fürsorgetätigkeit, die gerade von zionistischem Geist der Demokratie und Volkstümlichkeit erfüllt werden müsse. Insbesondere gilt dies für die Gemeindearbeit. Lazarus Barth (Misrachi) bemängelt, daß das einleitende Referat nicht einen Querschnitt durch die zionistische Arbeit in Deutschland gelegt, sondern nur einzelne Theorien der Propaganda behandelt hat. An Wolfsbergs Ausführungen anknüpfend und die mehrfach erfolgte Gleichsetzung jüdische Kulturarbeit hebräisches Sprachstudium kritisierend, begrüßt er es, daß Goldmann und andere nunmehr die alte misrachistische Forderung sich zu eigen gemacht haben, die altjüdischen Quellen einschließlich der talmudischen und der nachtalmudischen Schriften zur Grundlage unserer Kulturarbeit zu machen. Daß das noch nicht Rückkehr zur Tradition ist, geben wir zu, aber daß nationale Erziehung unmöglich %hne liebevolle Versenkung in die eigene Kultur ist, braucht nicht bewiesen zu werden. Weil wir unsere Jugendarbeit in diesem Sinne führen, haben wir bei uns eine aufsteigende Jugendbewegung. Wenn wir aber beim einzelnen Zionisten nicht verlangen, daß 4hs Lernen לשמה erfolgt, daß das öffentliche Leben im Land sich auf dem Boden jüdischer Tradition vollzieht, werden wir nicht müde zu fordern. Redner erwähnt den Fall des Krankenhauses in Afule, wo die Wirt- Schaft trefa geführt, am Peßach Chomez gegeben wurde. Warum hat der deutsche Zionismus nicht Protest erhoben gegen diese eklatante Verletzung zumindest von Kongreßbeschlössen? Warum hat die ״Jüdische Rundschau“, die elf Artikel über das Moskauer Theater gebracht hat — ihre Kulturarbeit — über dies Erez-Israel ungeheuer erregende Ereignis nichts gebracht?-Nun hat aer Zionismus statt unserer Erziehungsarbeit, die die Menschen in das historische Judentum eingliedert, für ihre Galuth-Arbeit das Areal der Chaluziuth geprägt. Theoretisch unangreifbar ein Erziehungsideal. Aber wie versagt diese Methode, wenn, wie jetzt seit zwei Jahren die Tore geschlossen bleiben und der Chaluz tatenlos dastehen muß. (Sehr richtig!) Was wollen Sie dann der Jugend geben? — — Für die Gemeindearbeit hat man sehr harte Worte gefunden, vielleicht weil auch sie Erfolge großen Stils aufzuweisen hat. Ich werde dieser Kritik nicht antworten, da die Herren der Volkspartei dem Delegiertentag nicht die Achtung erwiesen haben, herzukommen und ihre Safihe zu vertreten. Aber man bagatellisiere Jhre Arbeit nicht, dt|*'doch jetzt zum ersteh Male einen starken Vertreter des *zionistischen Gedankens in das Komitee der Icä gebracht hat Dr. Julius Lewinsohn (Königsberg, Hitachduth): Wer vom Standpunkt des zionistischen Weltverbandes der Hitachduth an zionistischer Arbeit in Deutschland Kritik iiben will, darf nicht in den Fehler verfallen, an die Vorgänge in Deutschland absolute Maßstäbe zu legen, die von einer höheren Warte aus gerechtfertigt sein mögen. Gerade die Hitachduth, die in der Galuth und ihren Einzelbezirken lebendige nationale Kräfte wirken sieht, behält für die spezifische Gestaltung der Verhältnisse in den einzelnen Ländern einen offenen Blick. Von diesem Standpunkt aus verstehen wir die Notwendigkeit gedanklicher Erfassung zionistischer Ideologie, sowohl für die Propaganda als auch für die Erziehung der Zionisten selbst. Wir sind auch nicht der Meinung, daß die Forderung gedanklichen Erfassens des zionistischen Gesamt- Phänomens für irgendeine Schicht der zu Gewinnenden und der zu Erziehenden als nicht adäquat angesehen werden kann. Wir stehen aber auf dem Standpunkt, daß die Arbeit des deutschen Zionismus auf diesem Gebiet nicht in der Analyse stecken bleiben darf. Der jüdische Mensch in Deutschland leidet an einem krankhaften Individualismus, der als Reaktionserschcinung auf die der Emanzipation vorangegangene Epoche der Unterdrückung historisch verständlich ist. Demgegenüber bedeutet für uns Chaluziuth, abgesehen von der technischen Seite dieses Phänomens, die Ueberwindüng dieses Individualismus und die Unterordnung des ganzen Menschen unter die Imperative der sich erneuernden Volksgemeinschaft. Es kann Situationen geben, in denen die Verwirklichung solcher Chaluziuth, die berüfsmäßige Umstellung, dem Einzelnen aus von ihm unabhängigen Gründen versagt ist. Es bleibt aber dann die Forderung immerwährender Bereitschaft, die sich nur auf jener chaluzgcmäßen Geistes- und Lebenshaltung basieren läßt. Zu ihr führt aber der Weg nicht allein durch das Denken, und es ist ein Fehler der Leitung des deutschen Zionismus, daß sie die vorhandenen Tatsächlichkeiten nationalen Daseins in der Galuth wie in Palästina nicht mindestens im gleichen Maße für die Gewinnung und Erziehung neuer Menschen heranzieht, ln diesem Zusammenhang erscheint uns Palästina nicht deduktiv, sondern durchaus empirisch erfahrbar und erlebbar, es erscheint uns nicht als ein Sonderkomplex, so wesentlich und entscheidend seine Funktion für das Volksganze ist, sondern als letztes Ergebnis in der Kette des realen Volkslebens, als organisch verbunden mit der Nation in der Galuth, und die Ausschöpfung aller in der Galuth vorhandenen nationalen Energien erscheint uns als Voraussetzung für eine wirklich nationale Besitzergreifung Palästinas. Auch in der Kulturarbeit halten wir — im Gegensatz zum Misrachi — nicht das Erlernen jüdischer Kulturwerte an sich für wesentlich, sondern glauben, daß es darauf ankommt, die Dynamik des Volksgeistes, auch soweit er sich in den Schöpfungen der profanen Gegenwart und Vergangenheit dokumentiert, in unseren Menschen zu einer sie vorwärtstreibenden Energie umzuformen. Alles das gilt mit besonderer Dringlichkeit für die Arbeit an der Jugend. Für sie kommt die Erziehung zu einem kollektivistischen Zionismus in erster Reihe in Betracht. Entscheidend für die Erziehung dieser Jugend ist die Frage, in welchem Maße die Leitung des deutschen Zionismus es verstehen wird, die palästinensische Arbeiterschaft als Vorbild und moralisches Kraftzentrum dieser Jugend vor Augen zu führen. Benzion Fett (Berlin, Radikale Zionisten) beschäftigt sich mit zwei Fragen: Propaganda und Gemeindepolitik. Im Kampf gegen den Central-Verein haben wir nicht genügend Schwungkraft aufgebracht. Wir sind eine Notabeinbewegung geworden, die den Gegner mit sanften Worten zu überzeugen versucht. % Am Anfang des Zionismus hätte eine derartige Resolution wie sie der C.-V. gefaßt hat, eine ganz andere Reaktion hervorgerufen. Außer Z. V.f. D. und C.-V. gibt es das große Heer der Indifferenten, die man hätte aufklären müssen. Dr. Salti Hirsch sagte, man werde den jüdischen Kleinbürger nicht gewinnen. Vor 30 Jahren haben wir derartige Zweifel nicht gehabt. Wir sollen uns nicht nur auf Jugend bcschränken, wir brauchen auch die Erwachsenen. Wir sind in der letzten Zeit eine Geldsammelmaschine geworden, aber die Voraussetzung der üeldaufbringung ist das Vorhandensein einer Bewegung, denn nur diese kann Mittel schaffen. Zionismus muß wieder Massenbewegung des Judentums sein. In der Gemeindepolitik hat man sich ganz unter die Führung der Volkspartei gestellt, so wird diese Arbeit von Außenseitern gemacht, denn die Volkspartei hat außer Zionisten Ostjuden und ein Konglomerat von Unzufriedenen. Beschlüsse der Z. V. f. D. wurden von der Volkspartei ignoriert, in Berlin berief man sich auf einen kaum existierenden Gemeindeverein. Bei Tagungen kam es vor, daß die Zionisten Strauß und Klee gegeneinander auftraten. Beschämend ist es, daß die Vertreter aer Gemeindepolitik hier nicht erschienen sind, um sich zu verantworten. Es ist unerträglich, daß man in Berlin von dem Wohlwollen eines einzigen Konservativen abhängig ist. Einheitlichkeit ist notwendig, auf dem Gebiete der Propaganda und, auch auf dem Gebiete der Gemeindepolitik. Richard Lichtheim (Berlin, Zionisten-Revisionisten) bcmangelt die Unsicherheit, die in den Referaten zum Ausdruck gekommen ist und sich auch in der Leitung der Z. V.f. D. ausgewirkt hat. Ein Beispiel hierfür sei die Bündnispolitik, die in der Praxis zu einer Schwächung des Zionismus geführt hat. Verhältnismäßig harmlos sei sie in der K. H.-Arbeit, aber in der Frage der Erweiterung der Jewish Agency da habe sie sich als verderblich erwiesen und davor müsse man warnen. Blumenfeld verteidigt seine Bündnispolitik, er ist jedoch hierbei zu persönlich, denn er glaubt, daß bei dieser Arbeit der Zionismus anderer auch intakt bleiben müsse, weil der seimge intakt geblieben sei. Man kann nicht mit der linken Hand Bündnispolitik machen und mit der rechten zionistische werbearbeit treiben. Es sind weder in der K. H.-Arbeit noch in der Frage der Jewish Agency mit der Bündnispolitik große Erfolge erzielt worden. Die Resultate sind kläglich, verglichen mit dem, was man sich davon versprochen hat. Was ist von der ganzen Argumentation übriggeblieben? Heute haben wir als Rudimente der Jewish Agency drei reiche Juden, die bereit sind, ohne Geld in einer Kommission mitzumachen. Die Zionistische Organisation steht heute genau dort, wo sie vor 20 Jahren stand, nur daß wir einen politischen Erfolg hatten und nicht mehr vor einer eisernen Wand uns befinden. Der Revisionismus baut auf dieser Tatsache und betrachtet diesen politischen Erfolg als Voraussetzung für seine Arbeit. Die junge Generation ist falsch erzogen worden. Zu Kanowitz׳ Referat könne Redner nur sagen, daß es auch darauf ankommt, was man sprechen soll. Genau so wichtig wie die Klarlegung dessen, was ist, muß auch für jeden Zionisten die Ziel- Setzung sein. Man muß dem deutschen Zionismus Vorwürfe wegen seiner geistigen Ge;amthaltung machen, denn er hat Tendenzen grolfgezogen, die Unsicherheit in den Zionismus getragen, haben. Wir haben früher Mut gehabt, gegen eine ganze Welt anzurennen, heute sind Stimmungen hervorgerufen, die vor jeder Schwierigkeit zurückschrecken und sich^ durch Schaffung neuer Theorien helfen. Ein Beispiel sei die Schwicrigkeit der arabischen Frage. Sie ist vorhanden und man muß sie überwinden, man kann ihr nicht mit einem Pazifismus Prager Schule begegnen. Dieser sei nur eine Impotenz, Schwierigkeiten zu überwinden. Es ist ein falscher Achad Haamismus aufgekommen. Die jüdische Mehrheit in Palästina war eine Grundforderung Achad Haams. Wir müssen die Propaganda erneuern Und uns fernhalten von falscher Bündnispolitik. Wenn Wir uns nicht besinnen, dann wird der westliche Zionismus zu einem philantropischen Zionismus entarten. R.-A. Max Jacobsohn (Breslau) wendet sich gegen die Ausführungen Dr. Franz Meyers, der statt der Ideeneine Tat- Sachenpropaganda verlangt hat, d. h. Beschäftigung mit den Tat- Sachen des Galuth-Lebens. Demgegenüber steht Redner auf dem Standpunkt, daß alles, was wir im Galuth machen, nur ein Mittel für Unseren Zweck ist. Zum Teil sind ja die Wünsche Dr. Meyers erfüllt worden, zum anderen Teil sind sie unerfüllbar. In Breslau werde die Gemeindearbeit z. B. nicht von Außenseitern gemacht, sondern von Personen, die auch in der zionistisehen Arbeit in vorderster Stelle stehen, trotzdem müsse man feststellen, daß die'Gemeindcarbeit als solche nur sehr wenig zu den zionistischen Erfolgen beigetragen hat. Wir haben die Initiative zur Gründung der Arbeiterfürsorgeämter gegeben. Wir hüten uns, Verdienste für uns in Anspruch zu nehmen, die wir nicht haben. Der C.-V. jedoch hat in Berlin in einer Versammlung viel über die Fragen der jüdischen Arbeitslosigkeit gesprochen und bat in dieser Hinsicht nichts geleistet. An der Abwehrarbeit können und sollen wir uns beteiligen, aber der C.-V. treibt auch sogenannte ״Aufklärung“ und diese Aufklärung, die sich in Beteuerungen erschöpft, müssen wir entschieden ablehnen. Wir wollen auf Leistungen himveisen und besonders auf unsere Leistungen in Palästina. Wenn wir uns mit dem C.-V. zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenschlössen, so müßten diese prinzipiellen Gegensätze bei der erstbesten Gelegenheit uns wieder auseinanderreißen. Man hüte sich vor falschen Rezepten, denn sie sind eine Gefahr für gute Rezepte. Wir können nur auf dem Wege vorwärtskommen, der in den Referaten von Blumenfeld und Kanowitz gezeigt wurde. (Schluß der Sitzung.) 4. Sitzung (Montag Nachmittag.) Schluff der Generaldebatte (Redezeit 5 Minuten.) Kurt Löwenstein (Hitachduth): Für die zionistisch-sozialistische Jugend bietet dieser Delegiertentag ein unbefriedigendes Bild. Die Jugend glaubt die Bewegung entscheidend beeinflussen zu müssen. Redner fordert an Stelle der jetzigen mechanistischen Auffassung eine organische. Die alten Wahrheiten des sozialen umformenden Zionismus seien das Wesentliehe, Menschen, die wir gewinnen, müssen schon hier in neue Lebensbeziehungen eingestellt werden. Zur Mitarbeit sei die Jugend bereit. Dr. Lux (Breslau): Wir müssen für Beschaffung von gceignetem Material sorgen, das wir Menschen, die wir gewinnen wollen, oder eben gewonnen haben, in die Hand geben können. Hinsichtlich unserer Auseinandersetzung mit den Antizionisten befürwortet Redner Dr. Schachteis Kurs. Die Führung des C.-V. hat sich in den letzten Jahren geändert und ist uns nähergekominen. Vom Arbeitsgebiet des C- V. sollen wir nichts auf uns nehmen, aber wir sollen Tat- Sachen schaffen und den Juden vor Augen führen, an denen sie sehen, daß wir nicht nur für Palästina, und nicht nur für den Ostjuden, sondern auch für die Juden hier entsprechend einzutreten wissen. Ilberg: Der Begriff von Chaluziuth, welchen Dr. Kanowitz gekennzeichnet hat, ist nicht identisch mit dem 1.1. W. B., und zwar durch die verschiedene Art. der Erziehung. Die individualistische Erziehung läuft darauf hinaus, daß einer sein individuelles Glück in Palästina suchen soll, die kollektive aber erzieht dazu, daß Menschen nach , Palästina gehen, um dort unter Verzicht auf persönliches Wohlergehen dem Ganzen zu dienen. Von unserem Bund, dem es gelungen ist, Menschen mit diesen Parolen heranzuziehen, soll nicht die Uebernahme anderer Arbeiten verlangt werden. Wir leisten Erziehung»- arbeit zur Chaluziuth und damit nehmen wir der Z. V. f. D. eine wichtige Arbeit ab. Schlußwort Blamenfelds Die Debatte war ein guter Anfang zu einer Aussprache. Sie hat freilich gezeigt, daß die gebräuchlichsten Begriffe fremd oder mißverständlich geworden sind. ״Bündnispolitik“ z. B. ist keine Frage der zionistischen Propaganda, sondern bedeutet eine Form der Kooperation mit anderen für bestimmte Zwecke, wie z. B. den Keren Hajessod. Viele von den aufgestellten Antithesen waren falsch oder bloß dialektisch, die Frage bleibt, wie sind wir dem Aufbau gewachsen, was tun wir, um die Mittel zu beschaffen. Da muß betont werden: verstärkte zionistische Propaganda bedeutet nicht weniger Keren Hajessod, sondern verstärkte Keren Hajessod- Arbeit. Das Problem der gleichzeitigen Stärkung der zionistischen Bewegung und der Beschaffung der Mittel hängt nicht von der Führung ab, sondern von der Gesamtarbeit der Zionisten. Redner wendet sich gegen die Nomenklatur ״bürgerlichzionistisch“. Es gibt einen ״bürgerlichen“ Zionismus, aber der ist in Wahrheit nicht mehr Zionismus, sondern ehemaliger Zionismus. Die ganze Bezeichnung ist aus der Terminologie der allgemeinen politischen Welt übernommen; bei uns aber ist entscheidend die menschliche Einstellung und es kann sich hcrausstelien, daß es Sozialistenführer im Zionismus gibt, die höchst bürgerliche Zionisten sind und bürgerliche Zionisten, die höchst unbürgerlich sind. Wir schütteln innerlich eine Welt ab und wollen eine neue erbauen. Jeder von uns tut an seinem Platze, was seinen Fähigkeiten entspricht Die Beschaffung der Mittel ist nicht ein mechanischer Prozeß, er ist ein Versuch, Herzen zu erwecken, und das kann man nur bei ungebrochener Frische und Leidenschaft. Man könnte geradezu sagen, je weiter von Erez-Israel einer in seiner Arbeit ist, um so stärker und gefestigter muß er in seinem Zionismus sein. Es genügt nicht nur, Erkenntnis und volles Judesein, notwendig ist Bewältigung der modernen Welt durch unseren Zionismus. Es spricht für den ״allgemeinen“ Zionismus, daß jeder glaubt, gegen ihn auftreten zu können, unter der Voraus- Setzung offenbar, daß er trotzdem das Seinige tun wird. Der allgemeine Zionismus will das Ganze, das Einströmen von Menschen und Mitteln, und die Arbeiterschaft von Palästina will es auch, denn sic will das nationale Leben, von dem sie hofft, daß sie cs einmal beherrschen wird. Ein offenes Wort zur Gemeindepolitik: Alles, was wir hier tun, steht im Zeichen des Kompromisses, und es kann nicht anders sein. Will man es ohne Kompromiß machen, ist es unmöglich, in Palästina, wo wir autonom unser Leben gestalten, können wir es ganz nach unserem Wunsch einrichten, hier nicht. Der Redner befaßt sich darauf mit dem Gemeindeprogramm und der Stellungnahme zu verschiedenen Fragen in der Gemeinde und bemerkt schließlich, daß wir niemals unsere Stimmen dazu geben werden, daß innerjüdische Kampforganisationen aus Gemeindemittein subventioniert würden. Das Ziel unserer Gemeindearbeit ist, die Jüdische Gemeinde von einer Lokalgemeinde zu erheben zu einer Gliedgemeinde des gesamten Jüdischen Volkes, überall durchzusetzen, daß jede Gemeinde die Verantwortung fühlt, für alles, was in der jüdischen Welt geschieht. Die Durchführung dieser wie aller Aufgaben hängt aber wesentlich von der beauftragten Person ab. Es war nicht möglich, eine Reihe von Zionisten dazu zu bewegen, die Leitung jüdischer Gemeindegeschäfte zu übernehmen, man mußte das oft anderen überlassen und beklagt sich jetzt über diese. Immerhin wird aber heute die von uns eingesetzte Gemeindekommission grundsätzlich als oberste Instanz angesehen, eine neue Kommission wird künftig Direktiven über zionistische Haltung in entscheidenden Fragen geben. Wir sind am stärksten, wenn wir uns auf unsere Grundaufgaben konzentrieren. Wir werden in dem neuen Arbeitsjahr verstärkte Propaganda durchzuführen haben; wir erwarten, daß auch diejenigen, die heute Antithesen aufstellen, mitarbeiten werden, um sie auszuprobieren. Wir haben ein großes Kulturprogramm vor uns und wollen unsere Presse ausbauen, wenn Sie uns die Mittel dazu geben. Unsere Arbeit soll im Zeichen gemeinsamen Lebens und gemeinsamen Lernens geschehen und darum geben wir unter den Antithesen besonders die eine von offiziellem und nichtoffiziellem Zionismus auf. Die offiziellen Zionisten bleiben isoliert und werden dabei verantwortlich gemacht Betrachten wir uns alle als gleich ״offiziell“, gehen wir aus dieser Debatte erfrischt und ermutigt an unsere Arbeit für Palästina, für die diese Aussprache die Voraussetzung war. Denn, was wir tun und überlegen, dient der wahren Verwirklichung des Zionismus, dem Aufbau unseres Landes durch die Kräfte der zionistischen Bewegung. (Lebhafter Beifall.) Die Sitzung wird unterbrochen. * In der 5. Sitzung (Montag Abend) erstattet Felix Rosenblüth sein Referat über die Lage in Palästina und im Zionismus. In der Debatte sprechen Dr. Soskin und Dr. B i 1 e s k i. ln der 6. Sitzung (Dienstag Vormittag) wird diese Debatte weitergeführt. Es sprechen Alfred Berger, Dr. Rabin, Dr. Landauer, Goldmann, Lichtheim, Feuerring, Weltsch, sodann hält Rosenblüth das Schlußwort. Den Bericht Uber diese Sitzungen werden wir nachtragen. Es folgt Die Schluß-Sitzung Dr. Landsberg übernimmt den Vorsitz und erteilt das Wort dem Referenten der Budgetkommission Feuerring, der ein Monatsbudget von 13 419 M. für die Z. V. f. D. vorschlägt, jedoch betont, daß dieses Budget nicht ausreicht für erweiterte Propaganda und daher folgenden Antrag einbringt: Der Delegiertentag nimmt Kenntnis von den Vorschlägen, die Beitragspflicht zur Zionistensteuer fester zu verankern, insbesondere durch Fixierung eines bestimmten Abgabensatzes, etwa In ähnlicher Weise wie beim Keren Hajessod, und beauftragt eine Kommission von fünf Mitgliedern, diese Frage bis zum Herbst dieses Jahres zu klären und dem Landesvorstand spätestens im Oktober zwecks Beschlußfassung zu berichten. Der Referent betont, daß zum ersten Male ein Betrag für Kulturarbeit in das allgemeine Budget aufgenommen wurde. Ferner erklärt er, daß die erforderliche Ausgestaltung der ״Jüdischen Rundschau“ nur dann möglich' ist, wenn die Ortsgruppen das Abonnement des zionisti* sehen Zentralorgans als eine Pflicht ihrer Mitglieder betrachten. Die Anträge der Finanzkommission werden e i n s t i m - mig angenommen. Der Präsident des Permanenzausschusses Dr. Siegfried Moses erstattet sodann den Bericht des Permanenzaus- Schusses: Der Permanenzausschuß stand vor der Frage, ob über den Gegenstand der Generaldebatte Beschlüsse gefaßt