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Jüdische Rundschau · 1928-06-01 · Heft 42-43 (1.6.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 42-43 (1.6.1928)
Date
1928-06-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 30# JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 42/43, I. VI1028 Nr. 42 Machtpolitik treibt. Ich wünsche eine Auseinandersetzung der Gruppen, eine Verlebendigung des deutschen Zionismus, aber nicht diese Form der Auseinandersetzungen. Wir hoffen, daß wir wieder mehr als in der letzten Zeit zu einer gemeinsamen Arbeit kommen werden, was wir sagen, entspringt aus dem Wunsch, alles zu tun, um den deutschen Zionismus zu stärken. Dr. Nahum Goldmann erklärt, er beabsichtige nicht, eine ״oppositionelle“ Rede zu halten. Ich bin in der merkwürdigen Situation, daß ich gegenüber einem politischen Kurs, wie er von Blumenfeld repräsentiert wird, in gesamtzionistischer Hinsicht auf seiten der Opposition stehe, dagegen in Fragen der Arbeit der Z. V. f. D. ihm in den meisten Gesichtspunkten zustimme. Ich stehe nicht auf dem Standpunkt, daß die Z. V. f. D. zu einem reinen Dachverband umgestaltet werden kann oder soll. Obwohl die Einstellung des offiziellen deutschen Zionismus vor und nach dem letzten Kongreß die Schaffung eines Territorialverbandes für alle fraktionierten Zionisten notwendig zu machen schien, ist es gelungen, diese Gefahr zu beseitigen. Solange die Kooperation, wie sie heute vor sich gehen kann, möglich ist, haben wir einen Territorialverband nicht nötig, und ich wünsche, daß es möglich wäre, die Poale Zion, deren Mitarbeit von allen Fraktionen gewünscht wird, heranzuziehen. Die Gedankengänge Schachteis lehne ich ab. Ihrem Wesen nach muß die zionistische Bewegung eine intolerante Bewegung sein, solange wir noch eine Minorität sind, und Zionismus ist geradezu gleichbedeutend mit Minorität. Im Moment wo wir die wirkliche Majorität sein werden, wird wiederum eine Minorität da sein, die dann den Zionismus repräsentieren wird. Wir sind eine politische Bewegung und kein Seminar für Psychologie. Man wird nicht Zionist durch ein langsames Hincingleiten in den Zionismus, man wird es durch einen gewissen Umschwung, den selbst der Wprozentige ״Sympathiker“ nie erreichen kann. Was Schachtel hier gesprechen hat ist zum Teil die Ernte dessen, was Blumenfeld mit seiner ״Bündnispolitik“ gesät hat und was wir immer als etwas Gefährliches betrachtet haben. These ״Bündnispolitik“ ist für Blumenfeld persönlich durchführbar, aber wenn Zionismus picht ״Ueberredungspolitik“ sein soll, was keine Methode für eine Gesamtbewegung sein kann, sondern eine Massen- Propaganda^ d. h. politische Kampfpropaganda ist, hören diese politischen Bündnisse auf. Wenn wir heute hier eine Bilanz ziehen der Entwicklung des deutschen Zionismus in den letzten Jahren und einig sind, daß die Lage nicht ausgezeichnet ist, neue Menschen nur minimal gewonnen wurden, die Jugend- Bewegung in einer schwierigen Situation ist, so ist eine der entscheidenden Ursachen die, daß der deutsche Zionismus durch diese Bündnispolitik einen Teil seiner charakteristischen Physiognomie in den letzten Jahren verloren hat. Wir sind in den letzten Jahren zu sehr eingereiht in die allgemeinen Jüdischen Dinge, wir sind zu sehr überall dabei und doch_nicht so dabei, wie es sein müßte (Beispiel ORT- Arbeit), nämlich mit einer deutlichen zionistischen Physiognomie. Gegenüber dem C.-V. haben wir in den letzten Jahren in der Defensive gestanden, während wir Jahre hindurch in der Offensive waren. Das gilt nicht nur für Deutschland, die Assimilation der ganzen Welt ist in einer Offensive begriffen. Deutschland ist aber das Land der ideologischen Assimilation kaf exochen. Sie haben vieles von uns abgesehen, Hebräisch, Geschichte usw. Ihr jüdisches Gewissen «st etwas besser geworden. Ist das aber ein Grund, mit ihnen zu paktieren? Das macht, sie nur gefährlicher und schwieriger, und ergibt die gebieterische Notwendigkeit, uns von ihnen abzutrennen. In diesem Zusammenhang möchte ich doch ein Wort über unsere Gemeind epol iti k sagen. Es ist außerordentlich bedauerlich, daß die Herren wieder einmal nicht in der Lage gewesen sind, hier zu erscheinen. Ich bin gegen eine ״Volkspartei“. Wir haben schlechte Erfahrungen mit dieser. Politik gemacht. Es ist < falsch, tnU Wir müssen nicht unbedingt die Majorität haben. Werden wir Majorität, so nehmen wir es an; aber keineswegs künstlich durch solche Kompromisse, die uns binden nach links und rechts, nur um Majorität zu sein, denn das nützt uns nicht in dem Maße, wie es uns schadet. — Schachtel sagt, die ״Jüdische Rundschau“ kann man einem Nichtzionisten nicht in die Hand geben und sie solle so sein, daß man dies tun könne. Vielleicht könnte man sie dann einem Nichtzionisten, aber keinem Zionisten in die Hand geben: Ich verstehe, daß man andere Organe schaffen könnte, aber unsere ״Jüdische Rundschau“ muß docli zionistisch erziehen, und der große Wert dieses Blattes für uns liegt darin. — Ein kurzes Wort zur Kulturpolitik. Hebräisch ist der Schlüssel und das Tor alles dessen, was wir hier machen können. Hebräisch ist nicht nur Sprache, sondern die Welt der hebräische#Kultur. Freilich nicht im Sinne des Misrachi. Man kann den Schulchan aruch verstehen als Dokument jüdischer Kultur, man kann jüdische Kultur zum Objekt des Studiums machen, auch ohne die Tradition als bindend anzuerkennen. — Es ist ein Irrtum, wenn Blumenfeld für unsere jugendpolitik nur den ״reinen“ Zionismus will. Jugend will neues Leben in seiner Gesamtheit. Daher muß man Verständnis haben für ihre sozialistischen Neigungen. Wir stehen am Anfang einer neuen, besseren Epoche in Palästina. Es besteht auch eine viel bessere Stimmung für den Zionismus in der Weit, auch in bestimmten Kreisen des deutschen Judentums. Es liegt an uns, dies auszunutzen, und zwar durch einen kämpferischen Zionismus, als eine kämpferische Minorität 1m Judentum, die sich differenziert von allen Sympathikern. Dr. Sali! Hirsch (Block der zionistischen Mitte): Wir stimmen den Ausführungen von Herrn Dr. Goldmann im großen und ganzen zu. Die Gruppe, für die ich hier spreche, umfaßt neben den Allgemeinen Zionisten auch den Kreis, der sich um den Arbeitsausschuß des ״Linken Zentrums“ gruppiert. Wir sind der Meinung, daß jede Gruppe das Recht hat, die Verantwortung für die zionistische Arbeit mitzutragen, und ich begrüße in diesem Sinne die Erklärung von Dr. Wolfsberg, daß seine Gruppe die Verantwortung mit tragen will, ich würde es besonders begrüßen, wenn z. B. Dr. Wolfsberg bereit sein würde, sich für die Kulturarbeit verantwörtlich zur Verfügung zu stellen. Sie können überzeugt davon sein, daß wir sehr gern bereit sein werden, die Verantwortung ahnsgeben, allerdings unter der Voraussetzung, daß nicht die Gruppenzugehörigkeit allein eritscheidend ist, sondern daß geeignete Persönlichkeiten für die Arbeit gestellt werden. Nur nach diesen Gesichtspunkten können unsere Körperschäften zusammengesetzt werden. Es ist unserer Gruppe von Samuel gesagt worden — und ich fasse dies als ein Kompliment auf —, daß wir vor dem Delegiertentag die rülirigrte Wahlgruppe waren. Ich glaube, daß unsere Tätigkeit nur deshalb so stark beachtet wurde, weil es das erste Mal war, daß auch die Allgemeinen Zionisten an die Ortsgruppen herantraten, um ihre Rechte anzumelden. Es ist hier so dargestellt worden, als ob der ganze Nachrichtenapparat, insbesondere nach dem Kongreß, in unseren Händen lag. Tatsächlich hatte das Linke Zentrum alle Ursache, mit der Haltung und der Berichterstattung der ״Jüdischen Rundschau“ nach dem Kongreß unzufrieden zu sein. Herr Samuel hat das Programm unserer Gruppe als farblos und wertlos bezeichnet. Wenn Herr Samuel, der ja hier bewiesen hat, daß er zwischen den Zeilen lesen kann, unser Programm wirklich rt'iciiert hätte, so würde er gefunden haben, daß cs sich hei unseren Forderungen nicht um Selbstverständlichkeiten handelt. Insbesondere hätte ihm dies mein programmatischer Artikel in der ״Jüdischen Rundschau“ bewiesen. Wir glauben, daß die Forderungen, die wir für die zionistische Arbeit aufstellen, von allen unterschrieben wenden können. Worauf es ankommt, ist, eine Rangordnung aufzustellen. Unserer Meinung nach sollen die Propaganda und die Kultur• arbeit im kommenden Jahre im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen. Alle anderen Aufgaben müssen hinter diesen Arbeiten zurückstehen. Selbst die Arbeit für den Keren Hajessod. Um hierbei jedes Mißverständnis zu vermeiden, will ich erklären, daß wir selbstverständlich nicht daran denken, der Steuerdrückebergerei einen Vorschub zu leisten. Wir sind im Gegenteil der Meinung, daß die Zahlung des Keren Hajessod für jeden Zionisten so selbstverständlich werden muß, daß es nicht mehr notwendig ist, auf die Abholung dieser Keren Hajessod-Beträgc Arbeit hinein zustecken. Eine großzügige zionistische Propaganda ist in den letzten Jahren nicht durchgeführt worden. Ich sage dies nicht als Kritiker der Leitung, und vor allem nicht gegen Blumenfeld, es kommt überhaupt nicht darauf an, festzustellen, ob es notwendig war, die ganze Arbeit in den ersten Jahren nach der Balfour- Deklaration auf die praktische Arbeit abzustelien. Wichtig scheint mir, unsere Arbeit für die Zukunft festzulegen. Und da sind wir der Meinung, daß in erster Linie Jugend״ Propaganda stehen muß. Ich glaube nicht, daß es möglich ist, den jüdischen Baibös durch Massenpropaganda zu gewinnen. Und ich glaube ferner, daß es im wesentlichen nur Bhimenfeld gelingen wird, einzelne Intellektuelle zu gewinnen, die aber auch nur Peripherie bleiben und nicht Träger der zionistischen Arbeit werden. Trotzdem sollte diese Arbeit fortgesetzt werden, aber wir sollen auch Maäsenpropaganda durch Veranstaltung von großen politischen Versammlungen treiben, die besonders zu Auseinandersetzungen mit aem Central-Verein benutzt werden sollten. Feh glaube hierbei, daß derartige Kundgebungen und Veranstaltungen auch unserer Jugendpropaganda indirekt dienen werden. Als zweite Hauptforderung verlangen wir die Erziehungsarbeit, die sich in Kulturarbeit und hier wiederum im wesentlichen In der Hebraislerung ausdrücken wird. Ich kann diese Forderung vielleicht mit größerem Nachdruck als Goldmann stellen, weil ich auf diesem Gebiete noch ein Neuling bin. Blumenfeld sprach von Galuthbejahung und -Verneinung. Selbstverständlich verneinen wir alle das Galuth in dem Sinne, daß wir wissen, daß alles was hier geschieht, Sinn und Bedeutung nur im Zusammenhang mit unserem Werk in Palästina gewinnt. Wir dürfen uns hiermit aber nicht begnügen, sondern wissen, daß Zionismus auch Verwirklichung fordert, d. h. für mich: Rückkehr zur jüdischen Kultur und zur hebräischen Sprache. In ihren Reden kam zum Ausdruck, daß sie sich der kritischen Situation des jüdischen Volkes bewußt sind. Aber den wenigsten ist klar, in welcher kritischen Situation sich das hebräische Schrifttum befindet. Das hebräische Schrifttum in Palästina kann nur leben, wenn auch hier ein Publikum vorhanden ist. Ich spreche über diese Dinge, weil ich nicht glaube, daß es sich hier um etwas handelt, das neben dem Zionismus herläuft, sondern weil ich glaube, daß nationale und hebräische Arbeit die Fundamente unseres Zionismus sein müssen. 3. Sitzung (Montag, vormittags 10 Uhr.) Fortsetzung der Generaldebatte Arnold Wiener (Beuthen, O.-Schl.) wendet sich gegen jenen Geist des Kompromißlertums, wie er. in der Ansprache von Dr. Schachtel zum Ausdruck gekommen ist. Redner ist gegen eine Aenderung der Struktur der Z. V. f. D. Ein Dachverband würde die Schlagkraft des Zionismus vermindern. Die zionistischen ,Führer müssen jedoch von, jüdischem Lebensziel «Hilft' Verhalten der Agwjas Jisroel. Die hervorragendsten,• Vertreter dieser Orthodoxie finden kein Wort der Ablehnung für die Resolution Mecklenburg, die der C.-V. beschlossen hat. Diese Kreise gehen offenbar von einem Grundsätze aus: ״Die Feinde unserer Gegner sind unsere Freunde“. Und trotz seiner Freundschaft mjt der Separatorthodoxie hat sich der C.-V. auch in der Billigung der ominösen liberalen Gründung in Ost-Oberschlssien mit dem Liberalen Weltverband zusammengefunden. Traditionslosigkeit der Assimilation stört Agudas Jisroel nicht, wo es gilt, dem Zionismus eins zu versetzen. Wenn man zu einem Ausgleich mit der Agudah kommen will, so wird dieser Ausgleich eher im Wege der Oesamtorganisation als über den Misrachi möglich sein. Zur öemeindefrage übergehend bedauert Wiener, daß die Spezialsitzung über Gemeindetragen infolge der Abwesenheit der Hamburger Vertreter nicht stattfindet. Unsere Reprisentanten in den jüdischen Gemeinden müssen sieh davor hüten, Noiabeln zu werden. Es darf nicht Vorkommen, daß zionistische Repräsentanten nach Budapest reisen, um den dortigen Assinti* tatlonsjuden Glückwünsche zu überbringen. Wie ist es denkbar, daß Dr. EH Straus in München bayerische Belange wahrt. Es darf nicht unser Ehrgeiz sein, aus dem Judentum eine billige Ware zu machen und sich dessen zu rühmen, daß man die Beiträge für die jüdische Oemeinde um ein Prozent herabgesetzt hat. Nicht schwache Forderung, sondern starke Leistung übt Anziehungskraft. Zum Schlüsse verweist der Redner auf die im Herbst stattfindenden Wahlen zum Landesverband lind fordert Aufstellung von Kandidaten, ״die nicht Israeliten mit einer geringen religiösen Praxis sind“. Dr. Georg Landauer (Hitachduth): Zum Thema Propaganda gehören auch verschiedene Fragen der zionistischen Ideoiogie, die hier zu kurz gekommen sind. Das wichtigste ist die zentrale Bedeutung des Paiästina-pedankens. Die Sorge um den schnellen Palästina-Aufbau hat zu der Biindnispolitlk geführt, die übrigens Ooldmann mißverstanden hat, wenn er sie durch das Argument widerlegen wollte, daß sie keine neuen Zionisten erzeugt hat, denn ihr Sinn liegt gerade darin, d i e Kräfte für Palästina zu organisieren, die außerhalb des Zionismus stehen. Unsere Propaganda hat das Volk zu erobern, aber wir dürfen uns nicht darüber täuschen, daß wir zumindest der Westjudenheit keine materiellen Vorteile versprechen können. Daraus folgt, daß nicht materielle Motive, sondern nur nationales Pionlertum diese Menschen zu Palästina führt. Dieser Tatsache muß die Propaganda Rechnung tragen. Unsere Ideologie wird auch gesfaltet durch die realen konstanten Faktoren, denen wjr beim Aufbau im Lande begegnen. Zum Beispiel unsere Behandlung der Araberfrage Ist nkht eine Sache der Taktik, sondern ,eine Konsequenz unserer eigentümlichen Auffassung des jüdischen Nationalismus, der anderer Art ist als bei anderen Völkern. Ein zweites Beispiel der Beeinflussung unserer Ideologie durch die Praxis Palästinas besteht darin, daß wir die Grenzen der paläsfinensischen Möglichkeiten in wirtschaftlicher, kultureller uhd sozialer Beziehung; kcnnengelernt haben; hier gilt es, eine Uebcreinstimmung der zionistischen Ideologie mit den Realitäten herzustellen. Ein drittes Beispiel: Unsere Kolonisation vollzieht sich nicht wie normale Wirtschaftsgründungen, sondern sie ist ein wirtschaftliches Vordringen, ist Umschaffung eines Volkes von Grund auf. Das erglbtKorisequenzen in menschlicher, besonders auch in sozialer Hinsieht für unsere Propaganda, für die Ideologie. — Eine neue Jugendbewegung in Deutschland ist notwendig, aber das Ideal dieser zionistischen Jugend darf nicht das des Richters und Narren und seiner Schakale sein. Bei der jüdischen Jugend begegnen wir der Alternative Moskau oder Jerusalem. Gerade der Jugend gegenüber hat die viel besprochene kollektive Propaganda einen Sinn, denn sie muß sich als Gesamtheit, als Bewegung empfinden, um wirkliche innere Kraft zu erzeugen. Es folgt das Referat Dr. Kanowits Grundsätzliche Bemerkungen zum Aufbau und zur Arbeit der Z. Vs f. D. Unsere Tagung hat zwei wesentliche Aufgaben: dem Zionisten erneute Sicherheit und Arbeitsfreudigkeit zu geben und zweitens in der Aussprache nachzuweisen, daß die E i n h e i t der Z. V. f. D. nicht beruht auf Abmachungen und Kompromissen, sondern auf gemeinsamen geistigen Voraussetzungen und einer gemeinsamen Front. Unsere Bewegung wächst vielleicht gegenwärtig nicht sichtbar wie in früheren Epochen, die sich durch ein plötzliches Masseneinströmen auszeichneten, aber sie hat einen kontinuierliehen Zufluß. Und wir haben wie jede Organisation in den 30 Jahren unseres Bestandes bestimmte Traditionen und Gewohnheiten herausgebildet, die es dem ״Novizen“ nicht leicht machen, sofort sichtbar an der Arbeit teikunehmen. Es ist nicht leicht, auf einen fahrenden Zug aufzuspringen und es dauert immer eine Weile, bis die neuen Menschen, die zu uns kommen, auch die Arbeit übernehmen und im Vordergründe erscheinen können. Die bisherige Diskussion über unsere Propaganda hat einige wesentliche Punkte noch nicht berücksichtigt, nicht die Argumentation oder die Auffindung einer neuen Formel ist das Entscheidende. Unsere Fragestellung muß lauten: Wer spricht, zu wem sprechen wir, und welches ist die Technik der Propaganda. Wir haben nicht eine Krise des geistigen Be- Standes unserer Propaganda, sondern wir stehen vor einer Menge von Fragen über diese drei Hilfsmomente. Redner lehnt Zuspitzungen der Antithese: ״Individuelle“ oder ״kollektive" Propaganda ab, unsere Propaganda ging immer davon aus, daß der einzelne Jude wieder in die Kontinuität des Volksgeschehens eingebettet, aber daß Anhänger auch bewahrt werden müssen; wir treiben diese sogenannte individuelle Propaganda, um den Individualismus zu überwinden zugunsten des E'inmündcns in Ueberpersönliches. Der Redner legt weiter dar, wie breit die gemeinsame Basis der Propaganda der einzelnen Gruppen sei, die alle von der Ablage an das Galuth, dem Begriff der Mitverantwortung und der Ueberzeugung ausgehen, daß nur durch Rückkehr zum Boden und zur Selbstarbeit in Palistina neues jüdisches Leben geschaffen werden kann. Was uns aber weiter gemeinsam ist, das ist die Unzulänglichkcit der Mittel, mit denen wir Menschen zu gewinnen versuchen. Wir haben die Methode der ״Analyse“ gewählt, weil wir die einzigen Juden des Galuth sind, die den M u t zu r Ana- 1 y s e haben, und diesen Mut haben wir, weil hinter uns die Hoffnung auf Palästina steht. Was auch immer ira Galuth an scheinbarer Mehrung der Substanz geschieht, ist nicht wirklich, nur Palsätina ist die Lebens- und Schicksalsnotwendigkeit des Judentums, das kann nur fortwährende Analyse aufzeigen. Aber Propaganda ist Präzisionsarbeit und hier gibt es bei uns manche Fehler und Probleme. Unsere Publizistik muß den Erfordernissen besser angepaßt werden, es ist eine Erweiterung unserer Veröffentlichungen im Rahmen der ״Jüdischen Rundschau“ oder außerhalb derselben notwendig. Wir haben die Methoden der wirkungsvollen Auswertung unserer Appelle, unsere Veranstaltungen zu verbessern. Diese Aus- Wertung kann nur erfolgen durch den Versuch, die neuge* wonnenen Menschen in differenzierte Kreise einzugliedern; häufig ist die Ortsgruppe nicht mehr schlechthin die geistige Heimat des Zionisten. Die Entwicklung hat es nut sieh gebracht, daß nur ganz bestimmte Kreise imstande sind, Menschen zu bearbeiten und zu halten. Mit der >tik.־iwß,,|ler Ausbau״ .. _ _ satz. daß jede Methode und Ausbau nur soviel wert Ist, SIS sie an Dynamik in den Menschen investiert, an Wirkung mach außen. Wir haben nichts von großartigen Konzeptionen und Reden ifn engen eigenen Kreise. Wir brauchen Wirkung nach außen und eine durch systematische Schulung planmäßig vorbereitete Wirkung, wie sie jede politische Bewegung heute vorbereitet. Und schließlich zur Frage: Wer hört uns zu? Die Schicht der Akademiker in unseren Versammlungen wird immer mehr durchsetzt vom Mittelstand. Zionismus wird im Westen immer eine geistig-individuelle Bewegung bleiben. Wir können und sollen nicht versuchen, auf die realen Nöte besonderen Einfluß zu nehmen — wo es uns möglich war, haben wir politisch für den jüdischen Mittelstand eingegriffen, wir waren es, die in den Gemeinden die Not abein Wirtschaft ab geschafft, die den Ostjuden zu ihrem Recht verholten haben u. a. m. — Unsere Aufgabe ist nicht der Versuch, das aktuelle Judenleid zu mildern, sondern ihm einen neuen Sinn zu gebön, indem wir darstellen, daß es nicht ein Leid der Agonie, sondern eines der Neuwerdung des Judentums ist. Zur Frage der Jugend: Wir haben auf frühere(» Zusammenkünften den Standpunkt vertreten, daß wir eine allgemein zionistische Jugend haben müssen. Was aus Jugendorganisationen geworden ist, das ist nicht nur unser Problem, sondern auch das Problem der Jugend selbst deren Situation nicht leichter ist als die der Erwachsenen- Organisation. Jedenfalls aber muß in dieser Generation der Primat der politischen Aktion durchgesetz! werden, die sogenannte ״öde Politik“ ist das unentbehrliche Instrument dieser zionistischen Epoche, von deren Erfördernissen aus gesehen bloße Kulturarbeit abwegig ist. Einer anderen Oruppe muß die Oefahr vor Augen gestellt werden, die in der Festlegung auf einmal gewonnene Formulierungen liegt insbesondere auf die Trennung von ״bürgerlichem“ Zionismus und ״revolutionärem“ Zionismus. Säturiertsein und Nichtaufgeschlossensein, diese zwei Kennzeichen des bürgerliehen Menschen, sind ja auch Gefahren für den heranwachsen• den Jugendlichen. Die Jugend hat nicht das Prae des Besitzes der besseren Idee, sondern des geringeren Alters. Wenn sie den Anschluß an Palästina gefunden hat, welchen sie der bürgerlichen Welt abspricht — einer Welt die in der merkwüraigen Lage ist Ihre Jugend sozusagen zu bitten, daß sie sie überwinde —s dann darf sie sich von der bürgerlichen Welt nicht abkehren, sondern muß durch eine Phase der Kooperation hindurch, um dann die Führung zu übernehmen. Auch der ״bürgerliche“ Zionismus war einmal revolutionär, und was ihm heute noch als Leistung zugestanden wird, Geldgeben und Geldsammeln, entspringt doch auch einem zionistischen Impetus, und es ist noch nicht bewiesen, daß dieser revolutionäre chaluzische Zionismus vor den gleichen Verfallserscheinungen bewahrt bleiben wird. Mitarbeit ohne Mentalreservationen, nicht warten auf die ״Offiziellen“, daß sie zu ihnen kommen. Wir stehen schließlich vor der Frage, wie der Zionist leben soll, der nicht nach Palästina gegangen Ist Ich sehe oft ein Mißtrauen gegen den Druck des Apparates, weil dieser immer fordernd auftritt. Verstehen wir, daß es unsere Tragik ist, nicht das Glück der Erfüllung, sondern nur Sehnsucht geben zu können. Man kann dem zionlstischen Alltag und der Arbeit in der Ortsgruppe neuen Sinn und neue Impulse geben. Die Ortsgruppe ist keine Erzkbungsgemednschart, kein Bind, sondern vor allem eine Z w e c k o menschlich ein poinis äußerunge eine reale wohlversts meth; Kul schon aus des Oneg Diesei es gelingt Zessionen daß der gelegenhe von ihm wartet. ( Dr. f liehe Ein: folgreichc klarmache Vcrständn fordert Ri und vor tätigke kratie unc gilt dies Lazai Referat 11 in Deuts Propagan knüpfend Kulturarh grüßt er misrachisi altjüdisch nachtalmi arbeit zu dition isj möglich ' braucht 1 arbeit in steigende Zionisten das öffer Tradition erwähnt schaft tr Warum gegen d Beschluss Artikel ü arbeit — nichts g< Erziehun tum ein! ziuth ge Aber wi Jahren d dastehen Jugend! härte W! Stils auf: da die 1 nicht di! Saihe zu ,dtlf'jdöch zionistisc Dr. Standpu! an zioni nicht in land a b Warte a die in d nale K'rä der Ver Blick. י wendigk sowohl Zionistei Forderui phänomi der zu f Wir ste deutsche stecken leidet a aktionse Epoche gegenüb der tect düng nung d< erneuert! denen d rdfsmäß; hängige'i derung chaluzg« Zu ihr und es daß sie seins in gleichen Mensch« uns Pal erfahrba komple* für das Kette d der Nati Galuth Vorauss lästinas. satz zui werte ai ankomm sich in gangenh vorwärts besonde Für sie Zionisra Erziehui Leitung palästin« Kraftzer Ben mit zwe gegen d kraft au die den '4

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