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Jüdische Rundschau · 1928-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1928) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1928)
Date
1928-05-23
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 290 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 40/41, 23. V. 1928 jedoch, daß zionistische Fortschritte vor allem in Deutschland nur dann erzielt werden können, wenn die Arbeit in weitem Ausmaß einheitlich geführt wird. Propaganda Was grundsätzlich über den Inhalt und die Methode der zionistischen Propagandaarbeit in Deutschland zu sagen ist, wird in den Referaten am Delegiertentag ausführlich behandelt werden und, wie wir annchraen, Hauptthema der Generaldebatte sein. Wir begnügen uns daher an dieser Stelle mit der Wiedergabe eines die tatsächliche Arbeit kurz zusammenfassenden Berichtes unserer Propagandaabteilung, die von Frl. F r a n k e 11 s t e i n geleitet wurde: Es war in der Berichtszeit unser Bestreben, an allen Orten, an denen wir zionistische Gruppen besitzen, öffentliehe Vorträge zu veranstalten, und wir können erfreulicherweise berichten, daß diese Veranstaltungen im Gegensatz zu früheren Jahren im großen Umfange auch von Nichtzionisten besucht wurden, und daß es vielfach zu einer fruehtbaren Auseinandersetzung über unsere Probleme kam. Daneben haben wir es uns angelegen sein lassen, Propaganda- Veranstaltungen auch an Orten abzuhalten, an denen unsere Bewegung bisher nur vereinzelte Anhänger besaß. Durch die Abhaltung von Gruppen verbandstagen, die in einer Reihe von Bezirken mehrfach im Jahre stattfanden und auf denen die Z. V. f. D. immer durch einen Ihrer Vorsitzenden oder ein Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses vertreten war, ist der Kontakt zwischen den Gruppen und der Zentrale enger gestaltet worden. Besondere Aufmerksamkeit haben wir in letzter Zeit der Jugendpropaganda gewidmet und eine größere Anzahl von Jugend Versammlungen, über die an anderer Stelle eingehender berichtet wird, veranstaltet. Ein Aufsatz von Dr. Kanowitz über die Zionistische Jugendbewegung־, der in ״Die neue Jugend“ Band IV erschien, wurde als Sonderdruck in 4500 Exemplaren verbreitet. Der Propagandaabteilung oblag auch die Organisierung der von Herrn Dr. Max Mayer in den letzten Monaten abgehaltenen ״Kulturwoche n“, die im Laufe des Jahres noch in einigen weiteren Orten stattfinden werden. Für unsere Propagandaarbeit stand uns in erster Linie der Vorsitzende der Z. V. f. D., Herr Blumenfeld, zur Verfügung, der zahlreiche Orte besuchte und an den meisten Gruppenverbandstagen teilnahm. Fast alle Städte wurden auch von Herrn WaId m a n 11 bereist, der — meist im Anschluß an aktuelle Vorgänge des jüdischen Lebens — Vorträge hielt, die überall gut besucht wurden. Eine außerordentlich wirksame Unterstützung unserer Propagandaarbeit stellte die Gewinnung von Frau Gerda A rlosoroff (Jerusalem) dar, die uns in den letzten Monaten zur Verfügung stand. Es gelang Frau Arlosoroff, vor allem auch in r rauenkreisen, die uns bisher femstanden, Interesse für unsere Palästinaarbeit zu erwecken. Neben den vielen Gesinnungsgenossen, die sich uns in Einzelfällen zur Unterstützung unserer rednerischen Propafanda zur Verfügung stellten, sind wir besonders dankbar en Herren F. Bernstein (Rotterdam), Dr. Landsberg, Dr. Prinz, Dr. Bileski, Dr. Gold mann, Dr, Landauer und Dr. Soloweitschi k., die sich in größerem Umfange für Vortragstourneen und Einzelvorträge frei machten. Bei allen Vortragsreisen wurde Wert darauf gelegt, neben den öffentlichen Veranstaltungen interne Informations- und Arbeitsbesprechungen abzuhalten und einzelnen Nichtzionisten auch in persönlichen Aussprachen unsere Ideen näherzubringen. In .vielen Fällen haben im Anschluß an die öffentlichen zionisten dienten. Das gesteigerte Interesse der nichtzionistischen Kreise trat in eklatanter Weise bei den Besuchen der Herren Dr. Weizmann und SokoIow in Erscheinung, deren An- Wesenheit in allen größeren Orten zu machtvollen Dem anstrationen ausgenutzt wurde. Die an vielen Orten in der Berichtszeit vorgenommenen Wahlen in die jüdischen Gemeindevertretungen boten zu Anlaß und gaben uns auch mit den ostjüdischen Kreisen zu gewinnen. Der Bearbeitung ostjüdischer Zentren, insbesondere im Rheinland und in Schlesien, wurde erhöhte Aufmerksamkeit durch wiederholte Entsendung von geeigneten Propagandisten gewidmet. Nach der Hauptversammlung des C.-V., in der diese Organisation erneut ihre antizionistische Einstellung in einem Beschluß formulierte, veranstalteten wir eine Reihe von Ver- Sammlungen, in denen das Thema ״Zionismus und Central- Verein“ meist von dem Vorsitzenden der Z. V. f. D. behandelt wurde. Eine ausführliche Wiedergabe des Vortrags, den Herr Blumenfeld über dieses Thema in einer offiziellen Veranstaltung der Z. V. f. D. in Berlin gehalten hat, ist in der ״Jüdischen Rundschau“ vom 23. März d. J. erschienen. Als Antwort auf das Buch Dr. Wieners ״Kritische Reise durch Palästina“ versandten wir eine Broschüre von Richard Lichtheim an 30 000 ausgewählte Adressen. Die vom Bund Zionistischer Frauen geleitete Frauenarbeit, über die an anderer Stelle berichtet wird, wurde auch von der Propagandaabteilung gefördert, die immer wieder versuchte, Frauen zur Mitarbeit auf allen zionistischen Arbcitsgebieten heranzuziehen. Jugendarbeit Die Situation der zionistischen Jugendverbände machte es notwendig, daß die Z. V. f, D. fn dem letzten Abschnitt der Berichtsperiode in weit stärkerem Maße als bisher an der Entwicklung der zionistischen Jugendarbeit Anteil nahm. Der Geschäftsführende Ausschuß setzte eine Jugendkommission ein, die den Auftrag erhielt, auf dem Gebiet der Jugendarbeit von sich aus Maßnahmen zu treffen, die in gleicher Weise allen zionistischen Jugendbünden zugute kommen sollten. Als wesentliche Aufgabe wurde die Durchführung und Organisierung einer Jugendpropaganda in Angriff genommen. In Berlin und im Reich fanden eine Reihe großer Jugendver- Sammlungen statt, in denen Dr. Kanowitz sich mit den Strömungen innerhalb der jüdischen Jugendbewegung auseinandersetzte. In vielen Versammlungen ist es geglückt, mit nichtzionistischer Jugend zu Aussprachen zu kommen, die, wie wir hoffen, für die weitere Entwicklung unserer Jugendarbeit von Bedeutung sein werden. Der Erweiterung und Verstärkung der zionistischen Jugendarbeit dienen in erster Linie die ,,jungzionistischen Blätter*', die unter Mithilfe der Z. V. f. D. seit einigen Monaten als Jugendheilage der ״Jüdischen Rundschau“ und auch als gesonderte Zeitschrift erscheinen. In der ersten Nummer dieser Blätter ist ein genauer Bericht über die Lage in den einzelnen Jugendbünden durch die Vertreter der Jugend selbst erstattet worden, so daß wir hier darauf verweisen können. Bemerkenswert ist, daß diese Zeitschrift sowohl in zionistischen wie in nichtzionistisehen Jugendkreisen viel Freunde gefunden hat, so daß sich in diesen Blättern ein erneuter Gedankenaustausch innerhalb der jüdischen Jugend vollziehen wird, für den es bisher keinerlei Stätte gab. Eine wesentliche Unterstützung erfuhr unsere Jugendpropaganda durch Herausgabe der Broschüre ״Zionistische Jugendbewegung“ von Dr, Kanowitz. Es wurde versucht, durch Schaffung von Jugendausschössen Führer und Vertreter aller zionistischen Jugendbünde zu gemeinsamer Aktion zusammenzuführen. Die Durchführung der Kulturwoche in Berlin war das Werk der vereinigten zionistischen Jugend und der Verlauf dieser Kulturwoche war einer der stärksten Aktivposten innerhalb der zionistischen Jugendarbeit des letzten Jahres. Die jetzt durch die Z. V. f. D. unter Leitung von Dr. Max Mayer in ganz Deutschland durchgeführten Kulturwochen werden wohl in erster Linie der Jugendarbeit zugute kommen. Von den einzelnen Jugendverbänden nahm der Makk a b i eine besonders aufstrebende Entwicklung. Er umfaßt heute 6000 Mitglieder. Dem Makk’abi kommt mit Rücksicht auf die heutige Zeitströmung eine immer wachsende Bedeutung innerhalb der zionistischen Jugend zu. Durch seine großen sportlichen Erfolge hat er sich einen führenden Platz innerhalb der Sportbewegung erkämpft. Unsere Aufgabe wird es sein, ihm bei der zionistischen Erziehung und Durchbildung seiner Mitglieder in weitestem Umfange zur Seite zu stehen. Die Arbeit im J. J. W. B. wurde dort mit aller Intensität fortgeführt und hat auch zu einem weiteren Wachsen des Bundes geführt. Die Alijah-Sperre hat naturgemäß diesen Bund, für den Chaluziuth im Mittelpunkt seiner Erziehungsarbeit steht, am schwersten betroffen. Für seine Erziehungsarbeit hat der Bund u. a. die sehr glückliche Form von Führerlagern gefunden, in denen er seine Führer und älteren Mitglieder für einen längeren Zeitraum zusammenführt und sie hier zu einer Erfassung und Durchdringung ihrer Lebensfragen bringt. An dem letzten Führerlager in Zossen nahm Herr Blumenfeld teil, und es fand hier eine sehr fruchtbare Aussprache statt, die, wie wir hoffen, zu einer verstärkten Zusammenarbeit zwischen J. J. W. B. und Z. V. f, D. führen wird. Als eine besondere Leistung dieses Bundes muß die Herausgabe der Zweimonatsschrift ״Der junge Jude“ gewertet werden. Innerhalb der Zeire Misrachi ist es in diesem Jahre zu einem Zusammenschluß sämtlicher Gruppen zu einem Reichsverband gekommen, der sich, wie wir glauben, auf die weitere Gestaltung der Misrachi-Jugend sehr fruchtbar auswirken wird. Das K. J. V. führt heute mit größerem Erfolg denn je die Gewinnung und Erziehung des Nachwuchses, besonders innerhalb der akademischen Jugend durch. Im letzten Jahre hatte das K. J. V. einen Zugang von zirka 200 neuen Mitgliedern. Als ein neuer zionistischer Jugendbund ist der Pfadfinderbund ״Zof im“ entstanden, der im wesentlichen in Berlin seine Gruppen hat. Er hat für die Erziehung seiner Mitglieder ein betont zionistisches Programm aufgestellt und bemüht sich, seine Arbeit im engsten Einvernehmen mit der Zionistischen Organisation durchzuführen. Ferner wurde in Berlin der zionistische Jugendbund ״Nordau“ gegründet. Kulturarbeit Der vom Erfurter Delegiertentag gewählte ״Ausschuß für Kultur- und Erziehungsarbeit“, dem Herr S, Schocken 91s Vorsitzender und die Herren Dr. Martin Buber, Studienrat Kurt H amm erstein, Dr. Max Mayer, Dr. M. Soloweitschik und Dr. Oskar Wolfsberg als Mitglieder angehörten, hielt November 1926 und Januar 1927 Plenar- Sitzungen ab, in denen die allgemeinen Richtlinien für die Kulturarbeit aufgestellt und ein praktisches Arbeitsprogramin für die nächste Zeit beschlossen wurde. Zur Durchführung der Arbeiten wurde eia Sekretariat mit dem Sitz in Zwickau begründet und vom 15. November 1926 an Dr. Max Mayer mit seiner Leitung betraut Es stellte sich jedoch bereits in den ersten Monaten der Arbeit heraus, daß die Form eines Ausschusses zur Führung von Kulturarbeit ungeeignet ist und daß der Arbeitsplan sich in entscheidenden Punkten nicht durchführen ließ. Im Januar 1928 legte daher Herr S. Schocken seinen Vorsitz nieder und kurz darauf erklärte Herr Dr. Martin Buber aus ähnlichen Gründen seinen Austritt. Der Ausschuß als solcher war bereits seit Januar 1927 nicht mehr zusammengetreten. Das Sekretariat erledigte die laufenden Arbeiten und Informierte, besonders im ersten Halbjahr seiner Tätigkeit, die Ausschußmitglieder regelmäßig über den Stand der Arbeit. Seit Februar 1928 ist das Sekretariat nach Berlin verlegt. Die Kultur- und Erziehungsarbeit erstreckte sich auf folgende Gebiete: 1. Hebräischer Sprachunterricht. Eine eingehende Enquete über den Stand des hebräischen Unterrichts 1m Wintersemester 1926/1927 verschaffte einen tleberblick über das hebräische Unterrichtswesen, Programm und Methode, über die vorhandenen Lehrkräfte und die finanzielie Lage der Sprachschulen. Durch diese Enquete wurde auch zum erstenmal ein genauerer Einblick in die Teilnahme nichtzionistischer Institutionen (Gemeinden, Logen usw.) an der Finanzierung hebräischer Sprachschulen gewährt. Die Förderung des hebräischen Unterriehtswesens bezog sich auch auf zahlreiche Lehrervermittlungen, Beratung der Ortsgruppen und einzelner Interessenten in hebräisch-pädagogischen Fragen. In letzter Zeit wurde der Versuch der Einrichtung eines unentweltlichen hebräischen Fernunterrichts unternommen für solche Gesinnungsgenossen, an deren Ort es keine Möglichkeit der Teilnahme an einem direkten mündlichen Kurs- oder Privatunterricht gibt. Ein abschließendes Urteil über den Erfolg dieses Versuches läßt sich erst in einigen Monaten fällen. 2. Unterstützung der Kultur- und Erziehungsarbeit der Jugendorganisationen. Wir unterstützten in weitgehendem Maße die Kulturbestrebungen der zionistischen Jugendverbände und anderer zionistischer Gruppen (Hechaluz, J. j.W. B., K.J.V., Führer- Kurse usw.), sei es durch Stellung von Referenten über kulturelle und nationale Vortragsthemen oder durch Beratung in Kultur- und Erziehungsfragen. Auch die in den Ortsgruppen abgehaltenen Kulturwochen kamen in erster Linie den Mitgliedern zionistischer Jugendverbände zugute. 3. Vortragstätigkeit, Kulturwochcn. Außer zahlreichen Einzelvorträgen über kulturelle Themen wurden von der Z. V. f. D. in letzter Zeit Kulturwochen veranstaltet, die besonders wirkungsvoll waren. Die in Hamburg, Berlin, Dortmund, Essen, Duisburg und Düsseldorf abgehaltenen Kursaf über neuhebräische Literatur fanden überall günstige Aufnahme und trugen zur Belebung des Ortsgruppenlebens bei. In Berlin hat eine feierliche Eröffnungsveranstaltung der Kulturwoche (Referenten Dr. Ernst Simon uud Dr. M. Soloweitschik) ein großes Publikum angezogen. Die Abhaltung derartiger Kurse wurde von vielen weiteren Ortsgruppen gewünscht, kann jedoch erst im Herbst zur Durchführung gelangen. 4. Publikationstätigkeit. a) Das auf dem Erfurter Delegiertentag bereits in Probedruck vorgelegte Werk Bornsteins ״Einführung in das Hebräische der Gegenwart“ ist von der Z. V. t. D. herausgegeben worden. Dies von Fachkreisen und der jüdisehen Presse günstig aufgenommene Werk hat zur Verbreitung und Intensivierung des hebräischen Studiums in deutschsprachigen Ländern erheblich beigetragen. b) Ein jüdisches Lesebuch in deutscher Sprache (in der Art des bekannten Werkes von Wolters ״Der Deutsche“), das der Kulturausschuß herausnigeben beabsichtigte und dessen Abfassung er Ludwig Strauß übertrug, wird voraussichtlich im Herbst dieses Jahres erscheinen. Keren Hajessod Die Keren Hajessod-Arbeit, die während der Berichts- Periode von Herrn Alfred Berger geleitet wurde, zeigt seit Oktober l® in ihren Ergebnissen einä auf steige ndc Kurve, obwohl die ungünstige Situation in Palästina und die Kampagne anti/ionistiseher Organisationen gegen den Zionismus und gegen das jüdische Palästinawerk die Werbearbeit erheblich erschwert haben. Es gelang, den Kreis der Keren Hajessod-Zahler zu vergrößern und die Durchschnitts- Zahlung auf gleicher Höhe zu halten, obwohl ein starkes prozentuelles Anwachsen der kleinen Jahreszcichnungen zu verzeichnen ist. Der Landesvorstand beschloß die schärfere Durchf ii h r u n g des M a a s s e r p r i n z i p s und reorganisierte die Oberste Vertrauenskommission, die unter Leitung von Herrn Dr. Salli Hirsch in den letzten Monaten eine energische Tätigkeit entfaltet hat. Die Gesamtergebnisse des deutschen Keren Hajessod (Palästina-Grundfonds und Jüdisches Palästinawerk) betrugen im Jahre 5686 592216 M., im Jahre 5687 780 035 M., im'ersten Halbjahr 5688 485 167 M. Die Gesamtnettoübcrweisungen des Keren Hajessod betragen per 31. März 1928 141 063 Pfund. Mit diesem Betrage steht Deutschland an der Spitze aller europäischen Länder und an dritter Stelle in der Gesamttabelle, übertroffen nur von den Vereinigten Staaten von Amerika und Südafrika. Im übrigen wird auf den Sonderbericht des Keren Hajessod (Palästina-Grundfonds) verwiesen. Deutsche Zionisten in Palästina In der letzten Zeit beschäftigte uns in hohem Grade die Frage der Ansiedlung deutscher Chaluzim in Palästina. Wir betrachten es als dringend erwünscht, daß zunächst eine beschränkte Anzahl dieser Gesinnungsgenossen, für deren Uebcrsiedlung nach Palästina die Z. V. f. D. eine moralische Verantwortung trägt und deren äußere und innere Situation ganz besonders schwierig ist, nach jahrelanger Arbeit im Lande zur Ansiedlung gelangt. Das ist auch im Interesse der zionistischen Arbeit in Deutschland erforderlich. Der Landesvorstand hat sieh daher mit der Frage der Ansiedlung von 10 bis 20 deutschen Chaluzim in Palästina in seiner letzten Sitzung eingehend beschäftigt, und der GeSChäftsfiihrende Ausschuß hat in Ausführung der Beschlüsse des Landesvorstandes eine Kommission in Palästina eingesetzt, deren Vorsitz Herr Dr. Arthur Ruppin übernehmen soll. Die Kommission soll die vorliegenden Ansiedlungspläne prüfen, die Auswahl der An- Siedlungskandidaten vorbereiten und die notwendigen Verhand- Jungen mit den Kolonisationsinstanzen der Palästina-Exekutive und mit der Histadruth führen. Der Bericht des Keren Kajemeth Die Zentrale des Keren Kajemeth für Deutschland hat zum Delegiertentag einen ausführlichen Bericht herausgegeben, dem wir in einem kurzen Auszug die wichtigsten Mitteilungen und Daten entnehmen. Auch der Keren Kajemeth ist von den Rückschlägen, die Palästina und den Zionismus in den beiden letzten Jahren betroffen haben, nicht verschont . gesammelt wurden, sanken die Einnahmen im Jahre 5686 auf 270 579 M. und für < 5687 auf 264 034 M. Es ist aber zu hoffen, daß die in letzter Zeit einsetzende Besserung der palästinensischen und zionistischen Situation nicht ohne günstigen Einfluß auch auf den Keren Kajemeth bleiben wird. Interessant sind die im Bericht eothaltenen Tabellen über die Leistungen der einzelnen Orte j»| iDer die Entwicklung der verschiedenen Spendenzweige. Wer Ziffern richtig zu lesen versteht, gewinnt einen lehrreichen Einblick in die Tätigkeit des K. K. L. sowie die Anteilnahme der zionistischen Gruppen bei der Aufbringung der Mittel für den BodenkaUf. So sehr die Resultate der Keren Kajelneth-Sammeltätigkeit überall von der Stärke und Aktionsfähigkeit des Zionismus abhängen, ist der Keren Kajemeth andererseits wiederum ein Gradmesser für die Aktivität der Zionisten. Von allen Zweigen der zionistischen Tätigkeit in Deutschland hat der Keren Kajemeth den größten Aktionsr a d i u s. Aus 264 resp. 279 Orten hat er ira Jahre 5687 und 5688 Spenden erhalten. Dabei sind wir noch weit von einer restlosen Erfassung jener Orte entfernt, in denen eine mehr oder minder reguläre Sammeltätigkeit für den Keren Kajemeth noch lohnend ist. Die Juden in Deutschland verteilen sich auf 3500 Orte, in 425 Orten wohnen mehr als 100, in 850 Orten mehr als 50 Juden, ln der Hauptsache konzentriert sich natürlich die intensive Arbeit des Keren Kajemeth auf die größeren Orte. Eine Tabelle zeigt, daß zirka 100 größere Orte, deren jüdische Bevölkerung®zahl zwischen 400 bis zirka 170 000 Seelen beträgt, also den Großteil der Juden Deutschlands umfaßt, über 90 «0 der Gesamteinnahmen des Keren Kajemeth gebracht haben. Die Erfolgstabelle der einzelnen Sanimelzweige des Keren Kajemeth wiederum zeigt, daß Büchsen und Aktionen über zwei Drittel der Einnahmen erbringen. Während die Aktionen in den letzten zwei Jahren absolut stark zurückgegangen sind, gewinnt die Büchsenarbeit immer mehr an Bedeutung. Die Büchse ist das wichtigste und aussichtsreichste Sammelmittel des Keren Kajemeth. Die Zahl der aufgestellten Büchsen von rund 20000 ist im Verhältnis zur jüdischen Bevölkerungszahl klein. Eine der nächsten und wichtigsten Aufgaben des Keren Kajemeth in Deutschland wird die Neuaufstellung von Büchsen im ganzen Lande sein. Der Bericht erwähnt den Ausbau des Sammelapparates durch die Bezirkssekretariate, Stärkung des persönlichen und schriftlichen Kontaktes mit den Vertrauensleuten, die Beeinflussung der zionistischen Jugend als des Hauptträgers der Keren Kajemcth-Arbeit und eine stärkere Heranziehung der Frauen. Trotz Einschränkung der schriftlichen Propaganda (Broschüren, Zeitschriften, Flugblätter usw.) wurden in der Eerichtszeit eine Reihe von Lichtbildervorträgen und sonstigen Materialien herausgegeben, die besonders einer Intensivierung des Keren Kajemeth-Gedankens und zur Instruierung der Mitarbeiter dienten. Eine Reorganisation der Arbeit in Berlin, wo das Großstadtproblem besondere Schwierigkeiten bietet, ist in letzter Zeit in die Wege geleitet worden. Trotz vorhandener Schwierigkeiten hofft die Keren Kaiemeth-Zentrale, die großen Möglichkeiten, die speziell in Berlin noch wenig ausgenutzt sind, allmählich erfassen zu können. lieber die bisherigen Ergebnisse des seit 1. Januar 1927 auch in Deutschland in Kraft getretenen Vergünstigungsverträges mit der Versicherungsgesellschaft ״Phönix“ enthält der Bericht einige interessante und sehr erfreuliche Daten. Die Versicherungsabteilung des Keren Kajemeth entfaltet eine ständig wachsende Tätigkeit, deren finanzielle Resultate auch für den Keren Kajemeth bereits zutage getreten sind. Aus diesem kurzen Auszug geht hervor, welche Fülle interessanten Materials der Keren Kajemeth-Bericht enthält. Es ist zu wünschen, daß alle Freunde der populärsten lnstitution des Zionismus den Bericht nicht nur lesen, sondern auch die nötigen Schlußfolgerungen daraus ziehen. #

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