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Jüdische Rundschau · 1928-05-23 · Heft 40-41 (23.5.1928) · page 10

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 40-41 (23.5.1928)
Date
1928-05-23
Page
– (sequence 10)
Language
German
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Seite 264 J U EDI SC H E RUNDSCHAU Nr. 40/41, 2a. V. 1028 Briefe an die Redaktion Für vertrauensvolle Zusammenarbeit In seinem Aufsatz ״Für vertrauensvolle Zusammenarbeit" wendet sich Alexander Adler gegen ein Rundschreiben, riss von Dr. Bileski und mir an eine Reihe von Freunden gerichtet und das irrtümlich auch an Herrn Dr. Rothschild, Lübeck, gesandt wurde. Zwei Sätze dieses Rundschreibens haben offen- Bar bei Herrn Adler solch Aergernis erregt, daß er ״Zustände im deutschen zionistischen Leben“ sicht, ״die man bekämpfen muß“'. Diese beiden Sätze, die im*R11nd$chrciben nicht unmittelhar aufeinander folgen, lauten: 1. Unsere Freunde, die mehr die Arbeit und Verantwortung für die gesamtzionistischen Interessen auf sich zu nehmen pflegen, haben immer die gruppentaktischen Erwägungen zurückgestellt. 2. Es ist erforderlich, daß die Flügelgruppcn auf dem Dclegiertentag nicht stärker vertreten sind, als ihrer inneren Stärke und Leistung entspricht. Beide Sätze halte ich aufrecht und icli kann nicht einsehen, daß der Inhalt die Angehörigen der Flügelgruppen zu verletzen geeignet ist. Zu 1. Daß die Sztamzionisten häufig die Interessen ihrer Gruppe hinter der gesamtzionistischen Arbeit zurücktreten lassen, sollte auch von den Angehörigen der Flügclgruppen anerkannt werden. Diese Vernachlässigung der Gruppeninteressen geht bet vielen unserer Freunde so weit, daß sie die Gründung eines Arbeitsausschusses ״Linkes Zentrum“ nur deshalb ablehnen, weil ־sie fürchten, daß durch solch eine Organisation der allgemein zionistischen Arbeit Kräfte entzogen werden könnten. Zu 2. Es soll vorgekommen sein, daß Ortsgruppen, die fast ausschließlich aus Sztamzionisten bestehen und in denen Sztamzionisten die Hauptarbeit leisten, auf einen Delegiertentag durch einen Angehörigen der Flügelgruppen repräsentiert werden, weil dieser gerade bereit war, zum Delegiertentag zu fahren. Die Vernachlässigung der Gruppeninteressen bei manchen Sztamzionisten geht so weit, daß sie der Frage, wer ihre Ortsgruppe auf dem Dclegiertentag vertritt, keine Bedeutung beimessen. Es ist unser gutes Recht, in einem Rundschreiben an unsere Freunde so weitgehender Vernachlässigung der Gruppeninteressen entgegenzutreten. Wir haben nie behauptet, daß nur das Zentrum Arbeit und Verantwortung für die gesamtzionistischen Interessen auf sich zu nehmen pflegt. Vorstehende Erklärung abzugeben halte ich mich für verpflichtet, nicht, um mich zu rechtfertigen, sondern weil auch wir für ״vertrauensvolle Zusammenarbeit im deutschen Zionisrnus sind. Wir sind aber der Meinung, daß solche Vertrauensvolle Zusammenarbeit häufig zwar ein Zurückstellen, nicht aber eine völlige Aufgabe der Gruppeninteressen fordert. S a 11 i Hirsch. * Frans Oppenheimer* Vafers Frankfurt a. M.-Süd,. 16. Mal 1928. Hühnerweg 1. Sehr geehrte Redaktion! Gestatten Sie, daß ich zu Ihrem Artikel auf Seite 265 der letzten Nummer folgendes bemerke: Mein Vater, Dr. Julius Oppenheimer, war allerdings Prediger der jüdischen Reform- Sattelnde ftr Berlin. Aber es ist unrichtig, daß er die ^tüfchung es Wortes ״Zion“ aus den jüdischen Gebeten verfügt hat. Ich weiß nicht, ob in den von der Gemeinde eingeführten Gebetbüchern das Wort fehlte, obgleich ich mich sehr deutlich zu entsinnen glaube, das Lied: ״Tochter Zions freue Dich“ oft gehört zu haben. Wenn es aber der Fall war, so ist mein Vater jedenfalls daran unbeteiligt gewesen. Als er von der Gemeinde angestellt wurde, war die Liturgie völlig fertiggestellt. Mit freundlichen Grüßen Ihr sehr ergebener Prof. Dr. Franz Oppenheimer Werbewochen der jüdischen Frau Im Rahmen der Werbewochen fand am 14. Mai in den Räumen der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, Meinekestraße 10, die zweite Veranstaltung unter der Parole ״Jüdische Frauen als Pioniere“ statt. Der gut besuchte Abend wurde durch Frau Dr. Nadja Stein eingeleitet, die noch einmal Sinn und Bedeutung der Werbewochen auseinandersetzte und darauf hinwies, daß diese Veranstaltung insbesondere der Keren Kajemeth-Arbeit gewidmet sei. Sie forderte die Frauen auf, sich an der Maiaktion des Keren Kajemeth, die die Aufstellung von 1000 neuen Büchsen zum Ziel habe (durch Gewinnung von wenigstens einer Familie für die Aufstellung einer Büchse), zu beteiligen. Der Hauptredner des Abends, Herr Agronom Dyk sprach über die Frauen in der Landwirtschaft. Er führte zunächst grundsätzlich aus, daß der Zionismus nur verwirklicht werden könne, wenn beim wirtschaftlichen Aufbau eines jüdischen Palästina der Kolonisation die Priorität und das notwendige Ausmaß eingeräumt werden. Zur richtigen Siedlung gehöre der richtige Grund und Boden, zum richtigen Grund und Boden der richtige Siedler und die beruflich gut vorgebildete qualifizierte Bäuerin. Redner gab einen interessanten 1'eberblick über die Entwicklung der Kolonisation unter Berücksichtigung der objektiven Verhältnisse Palästinas und schilderte insbesondere die Arbeit der Frauen in den Mädchenkwuzoth, die sehr viel Energie und Leistungsfähigkeit erkennen lassen. Dieser Bericht wurde durch Frau Dr. Nadja Stein an Hand sehr gut gelungener Lichtbilderaufnahmen aus dem I eben in den Madchensiedlungen, insbesondere aus der von der Wizo (Weltorganisation Zionistischer Frauen) geschaffenen Mädchenfarm in Nahalal, ergänzt. Herr Dr. M e c h n e r wies auf die Bedeutung des Keren Kajemeth hin und richtete an die Frauen den dringenden Appell, sich der Keren Kajemeth-Arbeit zur Verfügung zu stellen. Es meldeten sich mehrere Frauen zur Mitgliedschaft und zur K. K.-Arbeit an. Zum Schluß lud Frau j>. Stein die Anwesenden ein zur Teilnahme an der Besichtigung des Gutes Winkel-Spreenhagen bei Erkner unter Führung des Herrn Agronom Dyk am Sonntag, den 3. Juni. Treffpunkt: Ecke Kurfürstendamm — Meinekestraße. Abfahrt in städt. Autobussen: 9 Uhr morgens, Ankunft am Gut Winkel: 11 Uhr morgens. Besichtigung und Picknick. Rückfahrt: 5 Uhr. Eintreffen in Berlin: 7 Uhr abends. Fahrt- Spesen inkl. Autobus 5 M. Anmeldungen beim Sekretariat bis zum 31. Mai bet gleichzeitiger Erlegung der Fahrtspesen. Jugendmeeting des K. K. L. Fast .!oo Jugendliche >ersammelten eich im Zeichen de» Keren Kajemeth am 16. Mai im Saale der Berufsschule, Georgenstr., au einer eindrucksvollen Kundgtbung. Unvermittelt erhebt sich au» dom Stimmengewirr der Ver- Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. Mittwoch, den 23. Mai abends 8 Uhr Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina, bei Fr!. Bert 11a Cohn, Lietzenseeufer 10. Jugend Versammlung. Interesscritinnen willkommen. Abends 8 י/י Uhr Zionist.-revisionist. Jugendbund Brith Trumpeldor, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4, Zimmer 2. Allgemeine Versammlung der Brith. Abends SG Uhr בית מדרש לעברית של קהילת היהודים בברליו» גרוסה המבורגרשטרסה ב״ז• הרצאה רביעית לספר ש מ ו א ל א׳ על פי תטונוח אור: בחירת שאול למיל על ישראל <פרק ח׳-י״א)■ Donnerstag, den 24. Mai abends 9 Uhr Zionist. Gruppe des Jüd. Studentenvereins, Artilleriestr. 6. Herr J. Klinoff: Zwei Kolonisationen: Bira-Bidjan — Palästina. Diskussion. Eintritt frei. ההסתדרות העברית בברלין קבוצת ״עבריה״ עורכת ביום השני.28.6 בשעה 8 וחצי בערב בבית ההחלה רוונשטר. 2-4 נשק חברים לכבוד שבועות• __כל חברינו מוזמנים לבוא._ ההסתדרות העברית בברליו יכית ועד עברי - עיריהז. עורכת שעורי ערב לעברית יכל יום שגי ובבל יום רביעי בשבוע משעה 8—10 בערב בברת הקהלה רוזנשטר. 2-4 המנהל טר נחום לווין טא״י. תלמידים חדשים נרשמים בימי הלמוד. Dienstag, den 29. Mai abends 8 Uhr Zeire Mlsrachi, Gruppe Zentrum, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4. Filmvortrag des Herrn Braslawski (Wanderlehrer in Palästina): ״Die Wüste Juda und das Tote Meer“. — Gäste willkommen. Sonntag, den 3. Juni Frauenarbeitsgemeinschaft für Palästina, Besichtigung des Gutes Winkel-Spreenhagen bei Erkner unter Führung des Herrn Agr. Dyk. Treffpunkt: Ecke Kurfürstendamm-Meinckestraße. Abfahrt 9 Uhr morgens, zurück 6 Uhr abends. Fahrspesen hin und zurück M. 5,—, für Jugendliche Ermäßigung. Auskunft und Anmeldungen beim Sekretariat, Meinekestr. 10. Bei schlechtem Wetter findet die Besichtigung am 10. Juni statt. •i 1 '״״ ׳ '■׳ G ':37ל/' י LJ״ äii’ .\ ~ An unsere AbonnentenI Die Post verlangt von uns die Anmeldung der vom 1. Juli 1928 ab zu liefernden Exemplare bis zum 15. Juni. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebfihren von denjenigen Abonnenten, die die ״Jfldische Rundschau‘* direkt bei uns abonnieren, in den ersten Junitagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zweck Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, im eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, dal» diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst Unregelmäßigkeiten in der Zustellung der ״Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im Mai 1928. Verlas ,Jüdische Rundschau“ Berlin W15, MeinekeitraOe 10 sammelten ein hebräischer Chorgesang des Jungjüdischen Manderblindes, dem nach einer kurzen Begrüßung durch Dr. Emst Mechner, dem Leiter des Berliner National i'ondsbüros, eine packende Ansprache Bert Lockers folgt. Boden und Arbeit sind die Themata, die Locker populär, aber eindringlich behandelt, indem er das jüdische Grundproblem des mangelnden Bodenbesitzes und die Aufgaben des K.K. L. in Palästina erörtert. Von neuerlichem Gesang umrahmt erscheint nun eine Lichlbildserie des Nalionalfonds ,,Vom Alltag in Erez Jsrael", au welcher Werner Fraenkel die Erklärungen gibt. Das Schlußwort hat Dr. Mechner, der den K. K. L. als den ,,Fonds der Jugend“ charakterisiert, im Galuth und in Palästina durch Arbeit von Jugendliehen erfolgreich. Die neue Jugendkommission werde es sich angelegen sein lassen, auch in Berlin das Bewußtsein der persönlichen Mit- Verantwortung des einzelnen Jugendlichen an der Alltagsarbeit des K.K. L. zu stärken und nutzbar zu machen. Mit der Tikwab schloß Sie schöne Veranstaltung, deren voller Erfolg sich hoffentlich in der 1000״ neue Büchsen im Monat Mai“ auswirken und die Jugendkommission za *Weiterer Arbeit auf dem so glücklich hegonnenen Wege emiutigcn wird. T. R. DER MONAT APRIL hat eine erfreuliche Steigerung der K.K. L.-Spendencinnahmen gebracht. Vertrauensleute de» K. K. L.l In einer Reilio von Orten sind noch einige tausend Büchsen nicht geleert worden! Leeret sie in den nächsten Tagen, dann wird DER MONAT MAI d.j» günstige Resultat noch verbessern. Henriette May Am 13. Mai 1928 ist ׳im 66. Lebensjahr Frau Henriette Mav, geb. Lövinsohn, verschieden. Mit ihr ist eine Frau dahinge, gangen, die im jüdischen Leben wurzelte. Als Mitbegründerin des jüdischen Frauenbundes hat sie die besonderen Aufgaben der Evolution der Frauenkräfte im Judentum erkannt und in sozialer und pädagogischer Hinsicht versucht, diese Kräfte nutzbar zu machen. So sind ihr Anregungen und schaffende Mitarbeit bei zahlreichen Einzelorganisationen, vor allem zum Wohlc der jüdischen Jugend, zu verdanken. Sic hat führend in der Bekämpfung der Mädehengefährdung mitgewirkt und die jüdische Bahnhofshilfe in Berlin organisiert. Ihrer Vermittlung gelang es, den Asylverein für Obdachlose, dessen Vorstand sic angehörte, in den Krisenjahren 1919 bis 1922 für die fluchtenden Ostjuden zur Verfügung zu stellen. Während der deutsehen Besatzung wurde sie vom Hilfsverein, dessen Vorstand sie angehörte, nach Polen entsandt, um die Unterlagen für die notwendigen Hilfsmaßnahmen an Ort und Stelle zu erkennen und ihr wurde vom Hilfsverein die persönliche Fürsorge für eine ganze Reihe von Pogromwaisen übertragen, die durch den Hilfsverein nach Deutschland überführt wurden. Ihr immer auf Versöhnung gerichteter Wille, der bewußt an einer inneren Verbindung aller Strömungen im Judentum arbeitete, hat sie mit stets wachsendem Interesse und ehrfurchtsvoller Achtung auch die Renaissance der jüdischen Volksbewegung erkennen und verstehen lassen; und bei allen Maßnahmen, die der Hilfe und der Gesundung des Volkskörpers dienten, hat sie tätige־Anteilnähme geleistet. So war sie neben ihrer umfassenden Arbeit im Jüdischen Frauenbund und im Hilfsverein der deutschen Juden auch seit Begründung der Zentraiwohlfahrtsstelle dort führend tätig und gehörte seit Jahren dem Vorstand der Jüdisehen Kinderhilfe, der Gesellschaft ״Ort“ und der Gesellschaft für jüdische Familienforschung an. Als erstes weibliches Vor- Standsmitglied des Zentralvereins Deutscher Staatsbürger jüdisehen Glaubens hat sie auch hier stets auf eine innere Verbindüng mit anders gerichteten jüdischen Kreisen hingewirkt und durch ihre Kampfart, die stets der positiven Förderung aller jüdischen Interessen diente, auch hier den versöhnenden Ideen Boden bereitet. Ihr Haus war eine Stätte echter jüdischer Gast• freundschaft und Asylbereitschaft. Mit vielen Zionisten hat sie jahrelange persönliche Freundschaft verbunden. Ihr seit langem gehegter Wunsch, im nächsten Jahr Erez-Israel sehen zu dürfen, ist ihr nicht mehr erfüllt worden. Wir alle* die wir in ihr ein feines Verständnis für unsere Bestrebungen und eine stets bereite Gefährtenschaft gefunden haben, grüßen sie zum Abschied im Sinne tiefsten gemeinsamen Verstehens und engster Verbundenheit. SiddyWronskv. * Am 22. Mai 1928 hat der Jüdische Frauenbund in der Oe• selischaft der Freunde eine besondere Gedenkfeier für Frau May veranstaltet, bei der Frau S. W ro n sky. die der Verstorbenen in jahrelanger Freundschaft nahestand, die Gedenkrede hielt. Freiherr v. Schönaich Ober die Joden 10 Tunesien Unter der Ueberschrift ״Jahve uhd Allah*'; setzt ,Generalmajor a. D. Dr. h. c. Freiherr v. Schoen aich die Schilderung seiner Erlebnisse in Tunesien in der ״Vossischen Zeitung“ (s. ״Jüdische Rundschau“ Nr. 26) fort. Er schreibt u. a.: ״Wer die Torheit des Rassenwahns am lebendigen Objekt studieren will, betrachte die weder rassennoch berufsmäßig einh1(fiijid|ew Ji^eftjdene1^*icli diesgatjze wikLhe-, wegte Geschichte Nordafrikas seit zweitausend Jahren spiegelt. Während, wie ich in der ,Vossischen Zeitung' vom 27. März schilderte schon zu punischer Zeit viele berberische Ureinwohner zum monotheistischen Judentum übergetfeten sind, so daß bei den heutigen Juden gar nicht mehr festzustellcn ist, ob sie ״semitisches“ oder ״berberisches“ Blut in den Adern haben, lr»t im äußersten Südosten des Landes die Entwicklung einen anderen Lauf genommen. In den an der tripolitanischen Grenze gelegenen Troglodytendörfern Matmata, Medenine und Foum- Tataouine wird auch der geschulte Blick im Typus der Bewohner, ihrer Kleidung und Lebensweise keinen Unterschied finden. ... Dabei sind Juden und Mohammedaner in diesen Höhlendörfern auch örtlich ganz durcheinander gelagert, und niemand nimmt Anstoß daran, daß der Nachbar zu Jahve statt zu Allah betet... Darum schien mir Tunis ein hochinteressantes Schulbeispiel zu sein für die Psychologie des Antisemitismus. Ich habe immer wieder an christliche, mohammedanische und jüdische Landeskenner die Frage gerichtet: Gibt es hier so etwas wie Antisemitismus? Dabei ist zu bedenken, daß in der Stadt Tunis die Juden 13 v. H., in Sousse 18 v. H. und auf der Insel Dseherba, Homers Insel der Lotaphagen, sogar mehr als 50 v. H. der Bewohner zählen. Im allgemeinen ist mir die Frage verneint worden.“ Dr. v. Schoenaich schließt: ״Aufrichtigen Dank sage ich meinem Mentor während des Aufenthaltes in der Stadt Tunis, dem jüdischen Advokaten Victor Cattan (Präsidenten der Zionistischen Federation — A. d. R), an den ich von deutschen und palästinensischen Freunden empfohlen worden war. In Tunis aus einer lovornesisehen Grani-Familie geboren, ist er heute wohl der beste Kenner des arabischen Rechtes. Als die österreichische Regierung nach der Annexion den Bosniern eine Verfassung geben wollte, zog sie Cattan zu Rate und ehrte ihn nachher durch einen hohen Orden. Als dieser tiefe Kenner der mohammedanischen Seele uns freundlicherweise durch die geheimsten Winkel der Medina führte, begrüßten viele Araber den berühmten Advokaten, der weit mehr ihr Vertrauen besitzt als die eigenen Juristen. Auch auf landwirtschaftlichem Gebiet wirkt der tüchtige Cattan vorbildlich. 12000 Morgen einst schlechtes Weideland hat er allmählich nach modernsten amerikanischen Methoden in Kultur genommen.... Klima und Boden im nördlichen Tunis haben große Aehnlichkeit mit dem des Erez-Jesreel. Ich möchte empfehlen, daß neue jüdische Siedler Palästinas zuvor einige Studien in Tunis machen. Sie würden dort auch sehen, daß völkische Gegensätze — die Kernfrage im Aufbau Palästinas — nicht unüberbrückbar sind, wenn der gute Wille dazu vorhanden ist.“ Die Mai-Nummer des Gemeindeblattes der Berliner Jüdischen Gemeinde repräsentiert sieh in neuem Gewände. Es ist auf besserem Papier gedruckt und enthält eine ganze Reihe von interessanten, darunter literarischen, Beiträgen, wenn es in dieser Richtung weiter ausgestaltet wird, so kann es den Zweck, ein Werbemittel unter den indifferenten jüdischen Gemeindemitgliedern zu werden, erfüllen. Das palästinensische Steuerwesen, insbesondere di« Boden- Wteuerung mit ihren für die jüdische Siedlung so großen Wirklingen, behandelt der bekannte palästinensische Kolonisations-Sachverständige Dr. Abraham Granovskv in seiner soeben im I ii - dischenVcrlag, Berlin W57, erschienenen Schrift .,B o d e n- Besteuerung in Palästina". Granovsky schildert die einzelneu Arten der städtischen und ländlichen Grundstücks- und der anderen landwirtschaftlichen Steuerarten, vergleicht diese palästinensischen Steuersysteme mit den in anderen Mittclmcrrfändarii gebräuchlichen und macht Vorschläge zur Umgestaltung des längst veralteten, die Neuansiedlung erschwerenden Steuersystems. Das neue Buch ist eines ausgezeichnete Information über gerade jetzt aktuelle Probleme der Palästina-Politik.

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