Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 40-41 (23.5.1928)
- Date
- 1928-05-23
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 290 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 40/41, 23. V.!928 I Die Jüdische Sonderschau der Pressa (Spezialbericht der ״Jüd. Rundschau“,) An der breiten Allee des Ausstellungsgeländes, an der sich die großen Sondergebäude in interessanten modernen Ausstellungsbauten hinziehen, erhebt sich an prominenter Stelle der jüdische Pavillon, ein Werk des Kölner Architekten Robert Stern. Es ist ein schlichter Zentralbau, dessen zweigeschossigen sechseckigen Kern geräumige Säle umschließen und dessen Front ein schlanker Turm ziert, bekrönt von einem großen goldenen ״Magen David״, durch die beiden Eingangsportale flankiert. Es darf mit besonderm Stolz hervorgehoben werden, daß diese jüdische Ausstellung die größte und umfangreichste ist, in der das gesamte jüdische Schrifttum bisher gezeigt worden Ist, und es wird auf jeden Besucher der ״Pressa“ einen unvergänglichen Eindruck machen, wie gewaltig sich trotz der Fülle des aus allen Lindern und Kulturen in Köln zusammengetragenen Materials jüdischer Geist und jüdisches Wesen zu allen Zeiten, und nicht zuletzt in' der über die ganze Erde verbreiteten heutigen Presse, dokumentiert. Der Blick des Eintretenden fällt zunächst auf die in der Mitte des sechseckigen Ehrensaales in einer Olasvitrine auf• gestellte Thorarolle, ein besonders monumentales, mehrere Jahrhunderte altes Prachtexemplar aus dem Besitz der Wormser Gemeinde, die — als Auftakt zu der Ausstellung des jüdischen Schrifttums — den Abschnitt des Dekaloges zeigt. In den darunter befindlichen Vitrinen liegen verschiedene schöne silberne Thoraschilde und Megllloth, sowie die berühmte Mischna-Handsehrlft der ehemaligen Sammlung Kaufmann aus dem 12. Jahrhundert und das Manuskript eines Kommentars zu den Propheten vom Jahre 1482. In sechs Rundbogen sind Embleme nach altpalästinensischen Münzen (nach Entwürfen von Fräulein Flora Jöh- 1! n g e r) angebracht, darunter die Porträts prominenter Persönlichkeiten der jüdischen Geschichte und Literatur, wie Menasse ben Israel, Moses Mendelssohn, Crdmieux, Gabriel Rießer, Thedor Herzl u. a. Die den Ehrensaal umgebenden Vitrinen enthalten Beispiele bedeutender Bibel- und Talmudausgaben, worunter die Inkunabeln des jüdisch-theologischen Seminars in Breslau besondere Beachtung verdienen. Von alten Gebetbüchern ist ein Prager Machsor von 1553 und ein Seüchotbuch aus Augsburg von 1536 erwähnenswert Eine Vitrine zeigt die Entwicklung der hebräischen Schrift- Zeichen, als deren ältestes Beispiel die berühmte Siioah- Inschrift an einer Wand angebracht ist. Altpalästinensische Münzen und ein spaniolisches Bibelmanuskript, das aus dem 13. Jahrhundert stammen dürfte, vervollständigen diese Abteilang, die auch wertvolle samaritanische Originalschriften, darunter einen Brief des jetzigen samaritanischen Oberpriesters, enthält An der Rückwand des Ehrensaales prangt Lesser Urys neuestes Gemälde: Moses sieht das gelobte Land vor seinem Tode, Es ist das letzte Monumentalbild, das der Künstler erst vor einigen Monaten geschaffen, und das vor kurzem in der Sonderausstellung bei Wasservogel in Berlin zu sehen war; sicherlich das bedeutendste und reifste Werk biblischen inhalte«, das der Meister geschaffen hat Ueber den drei Torbogen, die zu dem hinter dem Ehrensaat gelegenen* Lesesaale!ihren, prangt in goldenen Lettern In hebräischer Schrift der Spruch: ״Nicht durch Macht und nicht durch Gewalt, sondern durch meinen Geist!“ Der ♦Blick fällt auf die Rückwand des Lesesaals, den ein riesiger ״Magen David“, in dessen Mitte ein Löwe, umgeben von einigen schönen alten Thoramänteln, ziert Die beiden seitlichen Glasfenster zeigen den siebenarmigen Leuchter und die Palme. Seitlich hängen an den Wänden einige alte Thoravorhänge, zur rechten zwei Exemplare aus dem rheinischen Museum, die der Mitte des 18. Jahrhunderts entstammen, links ein alter Vorhang aus Worms und ein sehr reichgesticktes Exemplar der ältesten jüdischen Gemeinde Bayerns, Krumbach in Bayr.-Schwaben. In dem Lesesaal liegen sämtliche heute erscheinenden jüdischen Zeitungen zur Benutzung aus: eine Musterbibliothek zeigt die bedeutendsten Werke des jüdischen Schrifttums unserer Tage. Um den Ehrensaal gruppieren sich die Säle mit den verschledenen Sonderabteilungen, zur Rechten zunächst die Koje der Zionistischen Organisation, die die gesamte bisherige zionistische Presse aufweist Am Eingang das Origlnalmodell der Büste Theodor Herzls von Friedrich Beer, deren Sockel von einem Lorbeerkranz mit blauweißer Schleife umgeben die Inschrift trägt: ״Theodor Herzl, der Begründer und erste Präsident der Zionistischen Organisation“. Herzls Bild erscheint nochmals an der gegenüberliegenden Wand, umgeben von den führenden Persönlichkeiten des Zionismus. In großen Tableaus die Köpfe der zionistischen Zeitungen und Zeitschriften, in den Vitrinen die Protokolle der Zionistenkongresse, die Kongreßberichte und Kongreß- Zeitungen, Originalbriefe zionistischer Führer und die Propagandaschrlften des Keren Kajemeth und Keren Hajessod, über deren Tätigkeit verschiedene Diagramme und Bilder unterrichten. In dem gleichen Saale befindet sich die Schau der fremdsprachlichen jüdischen Presse, beginnend mit der deutsch-jüdischen Presse, als deren ältestes Exemplar die berühmte Dvlirenfurthcr Zeitung von 1772 ausliegt. Hieran schließt sich die hebräische Presse aller Länder. Der zweite Saal zur Rechten enthält die Presse in■ jiddischer Sprache. Es ist eine gewaltige Schau, die dieser Raun! birgt, in dessen Mitte ein Obelisk angibt, daß heute in 17 Ländern 297 Zeitschriften, darunter 44 Tages- Zeitungen, erscheinen, von denen allein in Amerika 11 Tages- Zeitungen die Auflage von zirka 700 000 täglich aufweisen. Diesen Raum schmücken farbige Friese, einen mittelalterlichen Hochzeitszug und die Opferung von Früchten im alten Palästina darstellend. Sie sind, ebenso wie die Olasfenster des Lesesaals, von der Hand der Kölner Künstlerin Fräulein Flora Jöhlingcr nach alten Vorbildern und Kupfern entwarfen. Die sich an der linken Seite des Ehrensaales hinziehenden Säle enthalten zunächst die kulturgeschichtliche Abteilung, in der sich bemerkenswerte Judenedikte und Gesetze, wie z. B, die kurfürstlich Trierische Verordnung wegen der Juden, die Ausweisung der Juden durch Kaiser Rudolf, die Münsterische Judenordnung von 1662 und das preußische judenedikt von 1812 befinden, sodann die Schriften zur Emanzipation der Juden in Deutschland, in deren Mittelpunkt Moses Mendelssohn und Oabriel Rießer stehen. An Sonderabteilungen sind, noch za nennen: die der Sondno-QeseU- Schaft, des Reichsbundes jüdischer Frontsoldaten, des Philo- Verlages, der Großloge für Deutschland, des Komitees für den Osten und die Spezial-Ausstellung des Hamburger Israelitischen Familienblattes und des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Auch die Geschichte der Juden Hollands, Belgiens und Amerikas, die Tätigkeit der jüdischen Telegraphenagentur werden durch besondere Abteilungen veranschaulicht Ueberaus reichhaltig ist die ״Sectlon Isradlite fran?aise“ vertreten, um deren Zusammen- Stellung sich der Rabbiner Professor Back aus Paris besonders bemüht hat Eine kleine mittelalterliche Klaus veransehaulicht das Studierzimmer eines jüdischen Gelehrten. Hier sieht man wertvolle Folianten und die Originaleinrichtung eines bescheidenen Gelehrtenstübchens. Schließlich sei noch die graphische Ausstellung moderner Künstler erwähnt, die in dem Obergeschoß an gewählten Beispielen einen Ueberblick über das Schaffen unserer lebenden jüdischen Künstler aller Länder gibt, und neben den Sonderausstellungen der Verlage Kaufmann, Frankfurt a. M., und Harz, Berlin, in den Vitrinen das schöne jüdische Buch, wie es heute wieder durch die Kunst unserer jüdischen Graphiker geschaffen wird, zeigt 7. Zt. Köln. Dr. K a r i Schwarz. * Die ztonlsttscbe Koje Die Sonderschau der Zionistischen Organisation, die in einer besonderen Koje im Raunte der hebräischen und der in europäischen Sprachen erscheinenden jüdischen Presse gezeigt wird, repräsentiert sich als eine eindrucksvolle und übersichtlich geordnete Darstellung der Oröße und Ausbreitung der Zionistischen Organisation, sowie der beiden genannten Palästinafonds. Den Hauptinhalt der Sonderschau der Zionistischen Organisation bildet die Darstellung der gegenwärtig erscheinenden zionistischen Zeitungen und Zeit- Schriften, sowie der Buch- und Broschürenliteratur, die von der Zionistischen Organisation und den beiden Palästinafonds in der Zeit ihres mehr als dreißigjährigen Bestehens herausgegeben worden sind. Die zionistische Presse wird in der Koje in den Köpfen von 130 Zeitungen und Zeitschriften gezeigt, die «ach den Ländern des Erscheinungsortes geordnet, die Rückwand und die rechte Seitenwand der Koje bedecken. Zwischen den Tafeln der rechten Seitenwand sind die gerahmten Porträtbilder zionistischer Führer (Theodor Herzl, Max Nardau, David Wolffsohn, Chajim Weizmann, Nahum Sokolow) zu sehen. Für die Ausstellung der übrigen^Publikationen der Zionistischen Organisation und der beiden Palästlnafonds sind Schaukästen verwendet, die an der Rückwand und rechten Seitenwand entlanglaufen. In diesen Schaukästen werden in historischer Anordnung gezeigt: Die erste Auflage von Herzls ״Judenstaat“, Herzls Roman ״Altneuland", seine und Max Nordaus in Buchform gesammelten ״Zionistischen Schriften“. Es folgt die R^ihe der fünfzehn Protokolle der Zionistenkongresse, sowie die Reihe der Berichte des engeren Aktions- Comites bzw. der Exekutive der Zionistischen Organisation an die Kongresse. Darin schließen sich Originalschreiben , zionistischer Führer (Herzl, Nordau, Wolff sohn, .Tschlenow, Warburg, Weizmann, Sokolow), die־ vervielfältigten :und f#- druckten Bulletins und Zeitungen, die die Berichterstattung von den Zionistenkongressen (V. bis XV.) enthalten. Endlich reihen sich die ersten Jahrgänge der zionistischen Zentralorgane: ״Die Welt“, aufgeschlagen mit dem von Herzl verfaßten Programm des Blattes in seiner ersten Nummer, ״Haolam“, ״Welt“ (jiddisch) und ״The New Judaea“ sowie Exemplare der Presse-Bulletins der Zionistischen Organisation, ״Neue Jüdische Korrespondenz“, ״Zionist Bulletin“, das ״Bulletin des Kopenhagener Büros der Zionistischen Organisation“, die ״Palästina-Korrespondenz“ die ״Presse-Revue“ des Londoner Zionistischen Zentralbüros und die ״Zionistische Korrespondenz“ an. Die beiden letzten Schaukästen enthalten die Broschürenliteratur der beiden Palästinafonds, die Tätigkeitsberichte und die Propagandaschriften des Keren Haiessod und des Keren Kajemeth in all den Sprachen (deutsch, Ttebräisch, englisch, französisch, jiddisch, spaniolisch, italienisch, dänisch usw.), in denen diese Literatur erschienen ist. Die übrigen Wände der Koje sind mit einer Palästina-Landkarte, die farbig die jüdischen Kolonien zeigt, mit den Golden- Buch- und Baumspendendiplomen des Keren Kajemeth, mit einem Tableau der Marken des Jüdischen Nationalfonds, mit Bildern vom Aufbau des neuen jüdischen Palästina, die die Leistung des Keren Hajessod in Erez-Israel darstellen, und endlich mit diagrammatischen Darstellungen der Ausbreitung der Zionistischen Organisation und der Zionistischen Presse sowie der Eingänge des Keren Hajessod und des Keren Kajemeth und der Verwendung dieser Gelder geschmückt. Asqollh, Herbert Saranei and der Zionismus Die Londoner Zeitung ״Daily Telegraph“ veröffentlicht Auszüge aus dem Tagebuch des verstorbenen Lord Oxford (Asqulth) aus der Kriegszeit. Darin finden sich einige interessante Bemerkungen über die Balfour-Deklaration. Am 28. Januar 1915 schreibt Lord Oxford, er habe gerade von Herbert Samue 1 ein Memorandum mit dem Titel ״Die Zukunft Palästinas" erhalten. ״Er verbreitet sich darin in etwas weitschweifiger Form und mit großer Leidenschaft zugunsten einer britischen Annektion Palästinas, eines Landes von der Größe von Wales, davon ein großer Teil unfruchtbares Gebirge und ein Teil ohne Wasser. Er glaubt, wir köpnten in diesem nicht gerade viel versprechenden Territorium etwa drei bis vier Mil- Honen europäischer Juden ansiedeln und dies wäre von guter Wirkung auf die Zurückbleibenden... 1 Ich gestehe — fährt Asqulth fort — ich bin nicht sehr von dieser vorgeschagenen Vermehrung unserer Verpflichtungen begeistert, aber es ist eitle merkwürdige Illustration zu Dizzys Motto ,Rasse ist alles‘, wenn man diesen geradezu lyrischen Ausbruch aus dem wohlgeordneten, methodisch denkenden Gehirn von H. S. kommen sieht.“ Eine zweite Eintragung vom 13. März 1915 bezieht sich wieder auf dieses ״dithyrambische Memorandum“ und fährt fort: ״Seltsam genug, der einzige Parteigänger dieses Vor- Schlages ist Lloyd George, welcher, wie ich kaum zu sagen brauche, sich den Teufel um die Juden, ihre Vergangenhat oder ihre Zukunft schert, aber es für ein Verbrechen hält, die heiligen Stätten in den Besitz oder Unter das Protektorat des ungläubigen, atheistischen Frankreich geraten zu lassen.“ Die QueUen von Uberias Von Sanitätsrat Dr. Lachmann, Bad Landeck I. Schic , Es wird wohl ewig ein ,ungelöstes Rätsel bleiben, warum auf manchen Gebieten die absurdesten Fabeln ein so zähes Leben haben, die einfachsten Wahrheiten dagegen sich nicht durchsetzen können. Zu diesen unausrottbaren Märchen gehört auch die Behauptung, die Heilquellen von Tiberias hätten große Aehnlichkeit mit den Quellen Karlsbads und'bewährten sich bei den gleichen Leiden. Man könnte darüber ruhig zur Tagesordnung übergehen, wenn nicht immer wieder Schlüsse daraus gezogen und sogar Unternehmungen darauf gegründet würden. So las man erst in Nr. 37 dieses Blattes, daß neuerdings ein Export des Wassers von Tiberias nach Amerika in die Wege geleitet wäre, und daß dieses Wasser, offenbar bei der Anwendung als Trinkbrunnen, sich ״bekanntlich vorzüglich zur Behandlung von Krankheiten des Darmes, ddr Nieren, Gallenstein- und Blasenleiden“ eigne, Das kann aber wirklich nur unter absolut naiven Laien bekannt sein. In Wirklichkeit liegen die Dinge so vollkommen anders, daß es sich verlohnt, einmal einem größeren Kreise davon Rechenschaft abzulegen. , Zu diesem Zwecke seien hier die wichtigsten Bestandteile der Hauptqueilen von Karlsbad, des Sprudels und des Mühlbrunnens, mit denen der Quellen von T1~ berias verglichen. Es enthalten Karl« Sprudel bnder MSUbraunen m« alte Quelle »riet neue Quelle Kaiiumchlorid. 0,21 0,18 Natriumchlorid. 1,04 1,01 16,83 17,06 Calciumchlorid.. . — — 8,53 8,90 Magnesiumchlorid. — __ 1,40 2,50 Kaliumsulfat und Natriumsulfat. . 2,41 2,55 — . ־' - Magnesiumsulfat. 0,18 0,43 Natriumcarbonat. 130 1.26 — Calciumcarbonat.. . 032 0,33 0,16 0,19 Summe der festen Bestandteile . . 5,42 5,41 28,09 30,13 Freie Kohlensäure. 0,19 0,68 — -. Schwefelwasserstoff .. — — 0,01 0,01 Diese Gegenüberstellung, bei der zwecks leichteren Verständnisses die wissenschaftlich nicht mehr allgemein übliche sogenannte Salztabellenform angewandt ist, zeigt auch jedem Laien klar die ungeheuren Unterschiede zwischen den Quellen von Karlsbad einerseits und denen von Tiberias andererseits: die Hauptbestandteile der einen Gruppe fehlen fast immer in der anderen, und die ihnen gemeinsamen Bestandteile sind ifi quantitativ durchaus verschiedenen Mengen vorhanden. Das lehrt schon die oberflächlichste Betrachtung, wenn man sieht, daß die Gesamtmenge der festen Bestandteile in Karlsbad etwa 5(4 Gramm, in Tiberias rund 30 Gramm im Liter beträgt. Was also bleibt an Aehnlichkeit übrig? Allenfalls die Temperatur, die beim Sprudel etwa 73°, beim Mühlen- 50°, in Tiberias etwa 60® C beträgt. Aber das ist eine etwas magere Üebereinstimmung! Die Quellen von Karlsbad sind hauptsächlich durch; ihren י Gtieilligil ■*^n neben ‘ Iiaeh-itilfVflseien jQÜjdftft".a»Quellftn י»«' TiWnlr. sind schwefelhaltige heiße Solcjuellen mit be-, sonders bemerkenswertem Gehalt an Magnesiumverbindüngen und Calciumchlorid. Das medizinische Anwendungsgebiet beider ist durchaus verschieden und wird sich in Tiberias, wenn erst einmal die Modernisierung des Bades und die sachgemäße Fassung der Quellen erfolgt sein wird, noch über die bisher traditionell dort behandelten Krankheiten nach verschiedenen Richtungen weit ausdehnen lassen. Aber ob jemals ״Krankheiten des Darmes, der Nieren, Gallenstein- und Blasenleiden“ dazu gehören werden, bleibt abzuwarten. Einstweilen stellt der Versuch, das Wasser von Tiberias zu versenden, und, wie man wohl annehmen darf, trinken zu lassen, ein sonderbares Unternehmen dar. Es mag dahingestellt bleiben, ob bei dem heutigen Zustande der Quellen überhaupt ein hygienisch einwandfreies Wasser entnommen werden kann. Aber ob sich viele Menschen finden werden, die diese dreiprozentige Salzlösung kurgemäß auf die Dauer trinken können, muß stark in Zweifel gezogen werden. Schließlieb sind solche, von wohlmeinenden Laien in guter Absicht unternommenen Experimente immerhin geeignet, nach den unvermeidlich damit verbundenen Rückschlägen die gesunde Entwicklung des Unternehmens in der Hand Sachverständiger zu schädigen. Die Zukunft von Tiberias liegt durchaus in der Richtung der Entwicklung eines Badebetriebes, und man kann schon heute sagen, daß bei richtigem Vorgehen diese Zukunft sehr optimistisch zu beurteilen ist. Aber ein Brunnenversand wird sich dort kaum entwickeln; wohl aber einmal ein Versand von Mutterlauge und anderen Quell- Produkten. Nur müssen dafür erst die nötigen Einrichtungen geschaffen werden. Ein Brunnenversand von Palästina aus, wenn auch nicht gerade von Tiberias, liegt aber sehr wohl im Bereich des Möglichen. Sehr wahrscheinlich finden sich unter den zahlreichen Quellen des Landes solche von größter Eignung für die Gewinnung von Tafelwässern und auch von Heilbruniten. Würde sich ein ernstes Unternehmertum diesen Aufgaben züwenden, so könnten auch auf diesem Gebiete neue Produktionsmöglichkeiten für das Land und neue Arbeitsmöglichkeiten erschlossen werden. Nur darf nicht hier, wie leider schon auf anderen Gebieten, ein leichtfertiger Dilettantismus Platz greifen, der in seiner Kritiklosigkeit zuerst die Schwierigkeiten unterschätzt, dann aber bei Fehlsehligen auch sofort entmutigt und ratlos ist. Es wäre sehr erfreulich, wenn das ganze Kapitel der Erschließung der natürlichen Heilschätze Palästinas von Anfang an von kundiger Hand geschrieben würde! Vor kurzem fand in Prag die Gründungsversammlung einer ״Gesellschaft für Geschichte der Juden in der Tscheche- Slowakei" statt. Zum Vorsitzenden der Gesellschaft wurde der bekannte Gelehrte Dr. S. Steinherz gewählt. Ein Redaktionskomitee wurde eingesetzt, das in der nächsten Zeit eine Reihe wissenschaftlicher Publikationen herausgeben wird. (Prof. Steinherz mußte bekanntlich vor einigen Jahren wegen der Hetze der antisemitischen Studenten das Rektorat niederlegen.)