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Jüdische Rundschau · 1928-05-16 · Heft 38-39 (16.5.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 38-39 (16.5.1928)
Date
1928-05-16
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 38/39, 16. V. 1928 JUED13CHE RUNDSCHAU Seite 275 Ein amerikanischer Geistlicher über die Araber ״Frage Vor einigen Wochen erschien zugleich in Amerika und England (in England im Verlage Student Christian Movement) ein Palästinareisebuch, das unsere Aufmerk-;;.imkeit verdient. Sein Verfasser ist Harry Emerson } osd i c k, einer der einflußreichsten amerikanischen Geistlichen, Prediger der Gemeinde, welcher Rockefeller an gehört, Führer im Kampfe gegen die Fundamentalisten, eine der stärksten Persönlichkeiten des amerikanischen Protestantismus. Fosdick hat vier Monate lang Palästina bereist, ist allen Spuren des Alten und Neuen Testamentes nachgegangen, vernachlässigte aber dabei nicht die Gegenwart. Unter den vielen Palästina-Reisebüchern, mit denen besonders der englische Büchermarkt alljährlich überschwemmt wird, ragt dieses Buch*) weit hervor. Es ist eben so warm wie kritisch geschrieben. Man lese etwa seine Schilderung der Stätte, wo David mit Goliath kämpfte oder seine Betrachtungen über Jeremias anläßlich seines Besuches in Anatot oder seine Schilderung des Lichterfestes in der Grabkirche. Das Christentum in Palästina nennt er einen Mummenschanz, warnt aber die westlichen christlichen Besucher auf den Aberglauben unter den palästinensischen Christen verächtlieh herunter zu schauen. Der christliche Militarismus des Westens sei gewiß nicht besser. Um wahres Christentum in Palästina zu finden, müsse man in die Schulen der Quäker gehen. Zu hören was ein derart vorurteilsfreier christlicher Theologe über unser Palästina sagt, ist wohl wichtig genug. Fosdick hat das Schlußkapitel seines Buches (mit dem Titel: ״Palästina von morgen“) dem Zionismus gewidmet. Mit Begeisterung schildert er hier die jüdischen landwirtschaftlichen Arbeiter, welche den Boden des Nationalfonds bearbeiten. ״Das ist Zionismus in seiner Verwirklichung. Hier besteht sein Enthusiasmus die Probe vor dem kahlen, wasserlosen Lande und armen Boden. Die Geschichte dieser Menschen ist eine Romanze der modernen Zeit und man kann nur hoffen, daß, ob sie nun in ihrem Wagnis gewinnen oder unterliegen, sie einmal den Historiker finden werden, der wert sein wird, ihre Taten aufzuzeichnen.“ In diesem Kapitel über den Zionismus findet sich ein wichtiger Abschnitt über die arabische Frage, wichtig deswegen, weil er zeigt, wie ein vorurteilsfreier, ja das zionistische Werk bewundernder christlicher Beobachter die Schwierigkeiten wertet, die sich aus dem Zusammenleben von Juden und Arabern ergeben. Es sei das Kapitel mit wenigen Kürzungen hier übersetzt: In diesen ersten Phasen seiner Entwicklung wurde der Zionismus als eine Bewegung bekannt, welche dem Volke ohne Land das Land ohne Volk wiedergeben sollte. Nichts konnte gefährlicher sein als diese falsche Vereinfachung der Situation. Palästina ist kein Land ohne Volk und niemand kann die Situation verstehen, der nicht sieht, daß über eine halbe Million moslemische Araber (73 <y» der Bevölkerung) natürlicherweise mit Verdacht, wenn nicht mit Wut die Anstrengungen sehen, welche gemacht werden, um in ihrem Lande ein nationales Heim für das jüdische Volk zu errichten. Die Zionisten selbst haben sehr viel dazu getan, um diese schlechte Lage noch schlechter zu gestalten. Einer der hervorragendsten Juden der Welt empfahl den Arabern in seiner Uebertreibung der neuen Hoffnungen des Zionismus, ״sich zu verziehen“, und das Echo dieser Phrase hört man überall, wo Araber heute leben. Vom jüdischen Standpunkte aus ist der Zionismus eine ideale Bewegung. Von den Arabern aus gesehen ist er ein Beutezug, und wer sich Eintritt in arabische Kreise verschafft, wird bittere Worte hören, die den Wunsch ausdrücken, das jüdische nationale Heim in den jüdischen nationalen Friedhof zu verwandeln. Wer weder Jude noch Araber ist, kann leicht mit beiden Seiten sympathisieren. Der Araber ist der jüdischen Konkurrenz nicht gewachsen und weiß es. Ob er nun ein Beduine ist, der in seinem Zelte letit, oder ein kleiner Bauer oder ein reicher Grundbesitzer, der in der Stadt lebt, sie alle sind nicht bereit, Palästina wieder lebendig zu machen. Der Jude ist dazu imstande. Er kommt mit allen Eigenschaften, die dem Araber fehlen — Energie, Lebenstüchtigkeit, Angriffslust, Kenntnis der Methoden moderner Wissenschaft — und der Araber hat in der Konkurrenz mit ihm nicht die geringste Hoffnung. Er weiß dies, und der Jude weiß es auch. Die Kenntnis davon macht den Araber furchtsam und ängstlich und den Juden vertrauend und angriffslustig. Langsam aber sicher wächst das Verhältnis der jüdischen Bevölkerung. 1920 kamen 66 600 Juden auf 606 (MX) Moslems und Christen, 1922 83 794 auf 673 388, 1926: 147 000 auf 721000, und nun schätzen hervorragende Zionisten das Ziel sei zweieinhalb Millionen Juden. Natürlich werden die Araber ängstlich. Die Tatsache, daß die britische Regierung offiziell auf den Zionismus verpflichtet ist, erhöht noch die Aengstlichkeit. Bei vielen Arabern verwandelt sich die Angst in Zorn, so daß kürzlich ein hervorragender Führer sagen konnte, daß, gäbe es keine amerikanischen Dollars und britischen Aeroplane es auch keine Juden in Palästina gäbe. Unterdessen nehmen die Zionisten zwei verschiedene Haitungen ein. Die eine versucht die Araber zu gewinnen, die andere sie zu verbittern. Auf der einen Seite steht die Unklugheit und Anmaßung des früheren Vorsitzenden der zionistischen Kommission in Palästina. Er sagte öffentlich vor einer Untersuchungskommission über die jüdisch-arabischen Unruhen in Jaffa nach dem Protokoll der Kommission: ״In Palästina kann nur e i n nationales Heim sein und dies ein jüdisches, und keine Gleichheit zwischen Juden und Arabern, sondern nur eine jüdische Vorherrschaft, sobald die Zahl der Juden genügend groß geworden ist.“ Diese Worte sind typisch für den Wahnsinn, mit welchem einige Zionisten ins Verderben stürzen. Sie erklären ihren Entschluß, Palästina so jüdisch zu machen wie Amerika amerikanisch und England englisch ist. Selbst in der in Jerusalem erscheinenden Palestine Weekly wurde darauf bestanden, daß ein Unterschied zu machen sei zwischen den beiden Teilen der Balfour-Deklaration, von denen der erste den Juden ein nationales Heim verspricht und der zweite die Rechte der früheren Bevölkerung zu schützen verspricht. Es heißt da: ״Der Schwerpunkt der britischen Politik in Palästina liege nicht auf dem zweiten, sondern auf dem ersten Teil.“ Die Resultate von all dem waren sehr unglücklich. Der anglikanische Bischof von Jeru- *) A Pilgrimage to Palestine. — (Ueber Fosdicks Reden in Amerika und die anschließende Kontroverse hat die ״Jüd. Rundschau“ seinerzeit berichtet. — Anm. d. R.) salem faßte sie folgendermaßen zusammen: Die Zionisten haben durch ihre Erklärungen und durch ihre Forderungen, durch ihre Intoleranz und durch ihren Mangel an Sympathie mit der Landesbevölkerung sich diese so sehr entfremdet, daß gewaltige Anstrengungen notwendig sein werden, um die Wirkung aufzuheben. Auf der andern Seite haben gemäßigte Zionisten versucht, die Situation zu retten. Sir Herbert Samuel, selbst ein glühender Zionist, war ein aufrichtiger Freund der Araber. Sein Prinzip war ethisch und gesund. ״Wenn das Wachstum des jüdischen Einflusses von arabischem Niedergange begleitet wäre oder auch nur von der Vernachlässigung des arabischen Fortschritts, so würde es in einem seiner wesentlichsten Ziele fehlschlagen.“ Trotz wiederholter Erklärungen dieser Art von britischen Beamten, zionistischen Kongressen und einzelnen Juden, ist die Rassensituation, wenn auch weniger gewaltsam als früher, dennoch gefährlich, und ich kenne keinen Punkt, in welchem die Zionisten sich so offenbar in Illusionen wiegen wie darin, daß sie sich selbst glauben machen, alles sei in Ordnung. Im weiteren Verlauf seiner Ausführungen erzählt Fosdick von einem Festmahl, an welchem der Mufti und eine Gruppe von Führern der wichtigsten Familien des Landes teilnahmen und wo die Rede auf den Zionismus kam. ״Sie waren scharf und unnachgiebig in ihrer Haltung. Sic sahen Gewalttaten voraus und sprachen dies unverblümt aus. Der Triumph des Zionismus bedeutete für sie nicht einfach eine zahlenmäßige Vermehrung der Juden. Er bedeutete Verdrängung ihrer arabischen Kultur und Zivilisation durch eine andere Kultur und Zivilisation. Sie sahen klar, daß der Zionismus ein neues ökonomisches Leben nach westlichem Muster beinhaltet, neue fortschrittliche Typen der Land- Wirtschaft, mit denen sie nicht konkurrieren können, neue Anwendungen wissenschaftlicher Methoden, welche alle dieienigen, die sie sich nicht aneignen, ohnmächtig machen. Neue westliche Arten von Beziehungen zwischen Mann und Frau, welche die Juden mitbringen, und welche den Arabern unsagbar anstößig sind, und endlich neue Angriffslust von seiten der Juden, die sich schließlich zu so wilden zionistischen Träumen, die bereits öffentlich ausgesprochen wurden, versteigen, wie den Neubau des salomonischen Tempels an der Stelle der Omar Moschee. Sie sagten offen, daß sie kämpfen würden, bevor sie diese Verdrängung ihrer Kultur zugeben, und daß der ganze Islam rings um sie, in Syrien, Arabien, Aegypten, welcher wie ein Meer die zionistische Insel im Palästina umgibt, sich erheben würde.“ Fosdick glaubt allerdings nicht, daß solche Reden die endgültige Haltung der Araber zum Ausdruck bringen, obzwar sie heute typisch sind. Die Araber sind ein Volk, das sich anzupassen weiß und wisse die Vorteile zu schätzen, welche die jüdische Einwanderung gebracht hat. ״Die Lebensskala ist gestiegen, Löhne sind höher, Möglichkeiten größer, ökonomische Bewegungen schneller.“ Die Feindschaft der oberen arabischen Klassen in der Stadt ist teilweise dadurch erklärt worden, daß sie ihre Herrschaft über die armen Fellachen in den Dörfern verlieren, welche mit dem Zionismus besser daran sind, als sie ohne ihn waren. ״Welches das Ende sein wird, könnte nur ein Prophet Voraussagen. Manche behaupten, die Beziehungen zwischen den Rassen bessern sich. Eines jedoch ist mir sicher: Die Situation ist noch mit Dynamit geladen. Wenn die edlen Ideale eines gemäßigten Zionismus die Herrschaft bekommen, dann gibt es Hoffnung. Aber wenn der chauvinistische, arrogante politische Zionismus die Oberhand bekommt, dann könnte das, was als ein schöner Traum einer besseren Zukunft für die Juden begann, leicht als eine der größten jüdischen Tragödien in der Geschichte enden.“ So weit Fosdick. Es muß an dieser Stelle, wo so oft und nachdrücklich die arabische Frage in den Mittelpunkt gerückt worden ist, nichts weiter hierzu gesagt werden. Fosdick war es zur Zeit als er sein Buch schrieb noch unbekannt, daß aus der Mitte des palästinensischen Judentums selbst Bestrebungen erwachen würden, welche auf eine Besserung der jüdisch-arabischen Be- Ziehungen und auf eine Bekämpfung chauvinistischer Strömungen gerichtet sind und die sich um die Gruppe des Brith Schalom zentrieren. Er hat aber für solche Bestrebungen von vornherein das richtige Wort gefunden, indem er Juden und Arabern empfahl, aus den gemeinsamen Aufgaben des Landes jene Gemeinsamkeit erwachsen zu lassen, welche die Gegensätze zwischen der all-jüdischen und all-arabischen Bewegung mildem werden. Aus der Luft gegriffene propagandistisch-politische Schlagworte bei uns und bei den andern werden uns immer entfernen, konkrete Aufgaben uns fast immer wieder zusammenführen. Hugo Bergmann. Liberale Weltkonferenz in Berlin Am 16. April fand in London eine Tagung des Vorstandes des ״Weltverbandes für religiös-liberales Judentum“ statt. Anwesend waren außer den englischen Liberalen, insbesondere dem Präsidenten Claude G. Montefiore und der Schriftführerin Miß Lily Montagu, die beiden deutschen und araerikanischen Vizepräsidenten Ludwig Vogelstein aus Amerika und Rechtsanwalt Heinrich Stern aus Deutschland, ferner Rabbiner Dr. Vogelstein (Breslau) und als Gast Rabbiner Dr. Sali Levi (Mainz), ferner Rabbiner Dr. Germain Levi aus Paris. Einen Hauptpunkt bildete die Vorbereitung der Konferenz des Weltverbandes für das liberale Judentum, die am 18. August und den folgenden Tagen in Be rlin stattfinden wird. Für das Programm ist vorgesehen ein Vortragszyklus ״Was bietet das liberale Judentum dem Menschen von heute?“ Ferner sollen Fragen des Gottesdienstes und des sozialen Lebens und Erziehungsfragen, eingeleitet durch Referate, 1'n einzelnen Sektionen erörtert werden. ..11111111.. Die nächste Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ erscheint als Doppel-Nummer Mittwoch, den 23.<LMonats. «Ti!n1!ii1n1HIIBfflWII!lll₪lltMIHIIISiltllll₪lltl1lll)linniIk!äB!ilöIliIllllilll11l11i1l11ii1111i111111)111111uu111/11״(r Mandatsländer und Internationale Arbeiterorganisation Von unserem Genfer Mitarbeiter. K-y. Genf, 10. Mai. Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat in seiner vor kurzem (25. bis 29. April) abgehaltenen Tagung einen für die künftige Vertretung der Mandatsländer auf den Internationalen Arbeitskonferenzen ziemlich wichtigen Beschluß gefaßt. Bevor ich auf diesen Beschluß näher eingehe, möchte ich in einigen Worten die Satzungen der Internationalen Arbeits- Organisation und die bisherige Stellung der Mandatsländer zu ihr in Erinnerung bringen. Gemäß den im Teil XIH des Versailler Vertrages enthaltenen Bestimmungen werden zu Mitgliedern der Arbeits- Organisation automatisch alle Mitglieder des Völkerbundes*), also nur — Staaten. Jeder Staat entsendet zur Allgemeinen Arbeitskonferenz, die mindestens einmal im Jahre zusammentritt, eine Delegation, bestehend aus zwei Regierungsvertretern und je einem Vertreter der Arbeitgeber und Arbeiter. Außerdem können jedem Vertreter technische Ratgeber beigegeben werden, deren Zahl höchstens zwei für jeden einzelnen der auf der Tagesordnung stehenden Gegenstände betragen kann. Die Vertreter der Arbeiter und Arbeitgeber werden von den Regierungen im Einverständnis mit den maßgebenden Berufsverbänden ernannt. Jeder Vertreter stimmt unabhängig über alle der Konferenz unterbreiteten Fragen. Die technischen Berater haben kein Stimmrecht und dürfen nur auf Antrag des Vertreters, dem sie beigeordnet sind und mit besonderer Genehmigung des Vorsitzenden der Konferenz das Wort ergreifen. Wir sehen also, daß nur souveräne Staaten Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation sein können. Artikel 421 des Versailler Vertrages, Teil XIII, verpflichtet bloß — unter gewissen Vorbehalten — die Mitglieder der Organisation, von innen ratifizierte internationale Arbeitsübereinkommen auch füg ״diejenigen ihrer Kolonien, Besitzungen oder Protektorate, die keine Selbstregierung haben“, in Kraft zu setzen. Die Mandatsländer fehlen in der Aufzählung des Art. 421, weil der Teil XIII des Versailler Vertrages einen Monat früher verfaßt wurde als der Teil I, d. i. der Völkerbundspakt, der in seinem Art. 22 die Institution der Mandate erst begründet. So kam es also, daß Millionen von Kolonial- und sögenannten ״farbigen“ Arbeitern außerhalb des Rahmens der Internationalen Arbeitsorganisation blieben, und, bisher, keinen direkten Anteil an ihren Konferenzen nehmen konnten. Paläs t i n a, als Mandatsland, teilt dasselbe Schicksal und alle bisherigen Bemühungen der Vertretung der Zionistischen Organisation beim Völkerbund und der palästinensischen Histadruth, einen Modus für die direkte Teilnahme der palästinensischen Arbeiterschaft an den Arbeitskonferenzen zu finden, mußten — trotz der großen Sympathie, mit der das Arbeitsamt einer solchen Vertretung entgegensieht — aus obengenannten formellen Gründen scheitern. Auf der vorjährigen Arbeitskonferenz erhielt jedoch diese Frage, dank einem durch Herrn G i r i, Delegierter der indisehen Arbeiter, vorgebrachten Resolutionsvorschlag, einen neuen Anstoß. Der erste Teil dieser Resolution lautet wie folgt: ,,Die Konferenz lenkt die Aufmerksamkeit derjenigen Mitglieder der Organisation, die Kolonien oder Mandatsländer verwalten, darauf, daß es von großem Interesse wäre, ihren Delegationen Arbeitervertreter aus diesen Kolonien oder Landern beizugeben, besonders in Fällen, wo auf der Tages- Ordnung der Konferenz Fragen stehen, die diese Arbeiter betreffen.“ Der zweite Teil der Resolution betrifft ״Länder, bi welchen die weiße Rasse herrscht, wo aber der größere oder ein bedeutender Teil der Bevölkerung anderen Rassen an gehört1 und legt den Regierungen ans Herz, Vertreter dieser einheimischen Arbeiter als Mitglieder ihrer Landesdelegationen an den Internationalen Arbeitskonferenzen teilnehmen zu lassen. Es handelt sich hier um Länder, wie z. B. Südafrika, wo die ״farbigen“ Arbeiter in überwiegender Majorität sind, bisher jedoch, auf den Arbeitskonferenzen in ihrer Landesorganisation, keinen eigenen Vertreter besaßen. Wir beschränken in diesem Artikel unsere Aufmerksamkeit auf den ersten Teil der Resolution, der die Mandatsländer betrifft. Die Konferenz nahm den Vorschlag Giris an und überwies die Resolution dem Verwaltungsrat des Arbeitsamtes zwecks Prüfung und Einleitung entsprechender Schritte bei den Regierungen und bei den interessierten Arbeiterorganisationen. Im Reglementausschuß des Verwaltungsrates, wo diese Resolutton zunächst diskutiert wurde, erklärte der Direktor des Arbeitsamtes, daß der in ihrem ersten Teil zum Ausdruck gebrachte Wunsch ohne weiteres Anwendung finden kann und keiner besonderen Veränderungen in den Bestimmungen über die Zusammensetzung der Konferenz erfordert. Dieser Wunsch entspreche vollkommen dem Geiste der Verfügungen des Teiles XIII des Versailler Vertrages, die die direkte Anteilnahme aller an den auf der Tagesordnung stehenden Fragen interessierten Milieus anstreben. Er wies weiter darauf hin, daß bereits in zwei Fällen, wo es sich um Fragen der Marine- und der Land- Wirtschaftsarbeiter handelte, die Regierungen aus eigener Initiative ihren Delegationen Vertreter dieser Kategorien von Arbeitern beigegeben haben und schlug vor, man möge ihn, mit Rücksicht auf diese Präzedenzfälle, bevollmächtigen, den Regierungen anläßlich der Einladung zur Arbeitskonferenz für 1929 (auf deren Tagesordnung die Frage der Zwangsarbeit steht) die im ersten Teil der Resolution enthaltenen Wünsche nahezulegen. Der britische Regierungsvertreter machte die Mitglieder des Ausschusses darauf aufmerksam, daß es den Regierungen in manchen Fällen schwer fallen wird, eine richtige Vertretung von Arbeitern in Kolonien oder Mandatsländern zu finden, sei es infolge Mangel an Arbeiterorganisationen, sei es wegen der großen regionalen Unterschiede der Arbeitsbedinf' Der Verwaltungsrat billigte nun auf seiner letzten Tagung den Vorschlag des Direktors und empfahl ihm außer den Briefen an die Regierungen auch entsprechende Schreiben an den Urheber der Resolution, Herrn Giri. sowie an die interessierten Arbeiterorganisationen**) zu richten und ihnen darin die Regeln, die von den Regierungen bei der Ernennung von Arbeiterdelegierten eingehalten werden müssen und auch die Schwierigkeiten, auf welche sie in diesem konkreten Falle stoßen können, klarzulegen. Die Dinge werden jetzt gemäß den Beschlüssen des Verwaltungsrates ihren Lauf nehmen und es ist vorauszusehen, daß die Regierungen den in der Resolution enthaltenen Wünschen entgegenkommen werden. Es handelt sich dabei natürlich — und man darf sich darüber nicht täuschen — in erster Linie um die Sicherung einer Vertretung für die ״farbigen“ und für die ״einheimischen“ Arbeiter der Kolonien und Mandatsländer, deren Lage und Bedürfnisse sich von denen der jüdischen Arbeiter in Erez-Israel grundsätzlich unterscheiden. So ist z. B. die auf die Tagesordnung der Konferenz von 1929 gestellte *) Die Frage, ob Staaten, die nicht Mitglieder des Völkerbundes sind, solche des Arbeitsamtes sein können, bleibt bisher noch formell ungelöst. Argentinien, Spanien und Brasilien sind trotz ihres Austrittes aus dem Völkerbund Mitglieder des Arbeitsamtes geblieben. **) Einen solchen Brief wird auch die Histadruth Haowdim erhalten,

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