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Jüdische Rundschau · 1928-05-11 · Heft 37 (11.5.1928) · page 4

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Seite 268 JUEÖJSCHE RUN DSC HA U Nr. 17, ll.V. 1928 Das Buberhefi des ״Juden" (״Der Jude“, Sonderheft zu Martin Bubers 50. Geburtstag. Jüdischer Verlag, Berlin. Marz 1928.) Bubers 50. Geburtstag zeigte, in wie mannigfaltigen und weiten Kreisen sich dieser eigenwillige, doch aus seiner selbstgewählten Einsamkeit in die Welt hinaus intensiv wirksame Mann Freunde und Anhänger erworben hat. Viele Zeitschriftcn widmeten ihm Sondernummern oder doch wenigstens Aufsitze, und mehr als 50 seiner Freunde schrieben gemeinsam das ihm zum Festgruß bestimmte schöne Buch ״Aus unbekannten Schriften“. Nun ist auch vom ״Juden“, der ihm die Gründung verdankt, als schöne Festgabe ein Sonderlieft erschienen. Dem Anlaß organisch entwachsen ist dieses Heft ein wichtiges Dokument geworden. Ein Dokument Ist dieses, mit seinen mehr als 170 Seiten 7u einem Buch angeschwollene Sonderheft, weil es von der unveränderten zionistischen Wirksamkeit Bubers Zeugnis ablegt und davon, daß es um ihn gesammelt nach wie vor im Zionismus und im Judentum eine Gruppe gibt, die ihr eigenes Wort zu sagen hat und es zu sagen weiß, wenn die Zeit seiner bedarf. Schon einmal, vor nunmehr 15 Jahren, als nach dem Zusammenbruch der Herzischen, formal-politischen Richtung im Zionismus eine kritische Zeit entstanden war, trat ein Kreis von jungen Menschen, der in Buber seinen Mittelpunkt suchte, mit dem Sammelbuch ״Vom Judentum“ an die Oeffentlichkeit — und gewann, allen anfänglichen Anfeindungen zum Trotz, schließlich mit Gleichgesinnten in der zionistischen Bewegung entscheidenden Einfluß. Unsere Zelt hat mit jener vieles gemeinsam. Wieder ist nach einer Periode übergroßen Vertrauens in äußere Faktoren, In Zahlen und weithin sichtbare Geschehnisse (welche die zionistische Bewegung In eine bloße Hilfs- Stellung brachte) die Ernüchterung gekommen, der Punkt, an dem sichtbar wird, daß es so nicht weiter geht. Eine nähere Charakterisierung dieser von Klarsichtigen ganz allgemein empfundenen, aber fast nie zugegebenen Sachlage kann im Rahmen dieser Anzeige nicht versucht werden. Nur andeutungsweise sei auf das gegenwärtige Auseinanderreden Im Zionismus, auf die Erstarrung der lebendigen Bewegung und die ihr gegenüber zur Schau getragene Ratlosigkeit als auf Symptome jener Krisis hingewiesen, die ernster ist als die in Palästina. Und nicht weniger als vor 15 Jahren bewährt sich auch heute die Gesinnung und Haltung, welche Bubers Einfluß erzeugt. Dieses Sonderheft bezeugt es, daß sich wieder ein neues Wort vorbereitet und daß es, für den Westen wenigstens, aus Bubers Nähe kommen wird. Die dieses Heft geschrieben haben, sind zum Teil wiederum die Mitarbeiter des erwähnten Sammelbuches ״Vom Judentum“, vermehrt um einige, die inzwischen dazugekommen sind. Die Beiträge umfassen, von der um den Mittelpunkt sich rundenden Peripherie aus, die verschiedensten Gebiete. Von Buber selbst handeln nur wenige und bis auf den einen von Arnold Zweig, der — das Heft einleitend — den ״Mann von 50 Jahren“ in kluger und ernster Weise würdigt, reden auch diese, Indem sie von Buber sprechen, in Wahrheit darüber hinaus von der Sache, wie es diese eigentümliche Verbindung von Mann und Sache bei Buber möglich macfit und fordert. (Aber auch die erwähnte Ausnahme stimmt nicht; wer könnte denn Buber würdigen, ohne Stellung zu nehmen?) Da sind ferner Aufsätze zur aktuellen zionistischen Problematik: Hans Kohns Aufsatz ״Der junge Buber und der Herzische Zionismus“ gehört dazu. Was darin historisch gesagt wird, ist auch für die Gegenwart aktuell und manches kann und soll daraus gelernt werden. Adolf Böhm schreibt über das tragische Verhältnis von Idee und Organisation, deren Eines ohne das Andere nichts sei und die doch die Tendenz hätten, sich mit der Zeit gegeneinander zu entwickeln. Markus Reiner schreibt von Beth Alpha unter dem Titel ״Die Biologie des Zionismus“ und an Bubers Wort von der jüdischen ״Substanz“ anknüpfend, einen schönen und wichtigen Aufsatz, in dem die gegenwärtige Praxis der Zionistischen Organisation kritisiert, der Zukunft aber offener Glaube und frohe Hoffnung entgegengebracht wird. Es folgt ein grundsätzlicher Aufsatz von Robert Weltsch: ״Zionismus als unendliche Aufgabe“. Er gibt eine umfassende Motivierung der zionistischen Auffassung und eine andeutende Dar- Stellung der echten Aufgaben, ein Unternehmen, das um so tüchtiger ist, als es in stetiger Konfrontierung mit den zionistischen Realitäten des Tages geschieht. Nach einer vom Historischen aus doch ins Aktuelle übergreifenden Arbeit von Ernst Simon: ״Zum Problem der jüdischen öffentlichen Meinung“ und einem Bekenntnis des Kanzlers der Jerusalemer Universität, I. L. Magnes, folgen Aufsätze, die sich mit kulturphilosophischen und ähnlichen Themen beschäftigen. Jean Richard Bloch (wonl zum erstenmal in einem jüdischen Sammelbuch dieser Art vertreten) schreibt über den Juden als den konkreten Mittler zwischen Orient und Okzident, Siegfried Lehmann aus seinen Erfahrungen im Kinderheim in Kowno und neuerdings im Jugenddorf ״Ben Schemen“ heraus über die Bedeutung, welche das Eingebettetsein des zu Erziehenden in die Totalitat des Volkes und seine Verwurzelung im Boden für die Erziehung hat; Erich Hirschberg (ein Nichtzionist, neuerdings weiteren Kreisen durch die von ihm in der letzten Hauptversammlung des C.-V. vertretene oppositionelle Resolutlon der C.-V.-Jugend bekannt) bespricht ״Die Aufgaben des jüdischen Lehrertums in unserer Zeit“ und Viktor Kellner urÄrsucht das Verhältnis von Volk und Individuum. Die folgenden vornehmen und schönen von Franz Rosenzweig beigesteuerten ״Briefe eines Nichtzionisfen an einen Antizionisten“ sind zum Teil bereite bekannt geworden. Sie sind ein Dokument von hohem, menschlichen und sachlichen Wert Eine Reihe von philosophischen, religionswissenschaftlichen und religionshistorischen Aufsätzen schließt sich dann an, die Felix Weltsch, Hugo Bergmann, Ludwig Strauß, Max Brod, Friedrich Thieberger, Ernst Müller, Gerhard Scholem, Margarete Susmann, Leo Baeck und Nathan Birnbäum zu Verfassern haben. Den Beschluß der Reihe größerer Aufsätze bildet ein Brief von Martin Buber an den Herausgeber des Heftes. In diesem Briefe wird zur Kontroverse Stellung genommen, welche sich in der Zweimonatsschrift des C.-V. ״Der Morgen“ an das Erscheinen des Buches von Hans Kohn und Robert Weltsch ״Zionistische Politik“ anschloß. Der Vollständigkeit halber sei auch noch auf die als ״Bemerkungen und Dokumente“ rubrizierten kleineren, aber fast durchweg sehr bemerkenswerten Beiträge von Leo Herr- Die Frauen-Werbewochen Erfreuliches bisheriges Ergebnis Die Frauenwerbewochcn für Palästina haben am 15. März eingesetzt. In 18 Zirkelversammlungen wurde der Sinn und Zweck des Zusammenschlusses von Bund zionistischer Frauen, Kulturverband und Keren Kajemeth zur Frauenarbeitsgemeinschaft erörtert und die Dringlichkeit erhöhten Mitgliederbestandes der beiden für Palästina organisierten Frauenverbände und intensivierter Keren Kajemeth- Arbeit dargestellt. Etwas über 100 Frauen wurden durch diese kleinen privaten Zusammenkünfte erreicht und sie stellten sich fast hundertprozentig der Werbearbeit zur Verfügung. Jede von den Helferinnen übernahm es, fünf Frauen aus ihrem Bekanntenkreis oder Adressen, die ihr aus dem Bureau zugewiesen wurden, aufzusuchen, sie über die Werbeaktion aufzuklären und zur Mitgliedschaft und zur Mitarbeit aufzurufen. Ein Appell, der 1000 Frauen ins Haus geschickt wurde, bereitete sie auf den Besuch vor, genaue Arbeitsinstruktionen wurden den Mitarbeiterinnen an die Hand gegeben und von ihnen gewissenhaft benutzt Das Ergebnis der hingebungsvollen und wegen der Pessachfeiertage auf vier Wochen zusammengedrängten Werbearbeit war die Versaramlung von 400 Frauen am Teenachmittag Im Kaiserhof, von denen viele zum erstenmal auf diese Welse mit dem Aufbauwerk In Palästina und dem Anteil, den die Frauen daran nehmen, vertraut gemacht wurden. Es wurden 109 neue Mitglieder gewonnen, von denen 17 in voller Erkenntnis der beiden für Palästina arbeitenden Frauenverblnde sich gleichzeitig als Mitglieder im Bund zionistischer Frauen und im Kulturverband aufnehmen ließen. Die gezeichneten Gesamtjahreabeiträge belaufen sich auf 777 Mark. An Spenden für den Keren Hanaschim gingen außerdem 103 Mark ein und 110 Mark wurden in den blauen Büchsen des Keren Kajemeth am Teenachmittag gesammelt. Dieser schöne Erfolg ist eine freudige Genugtuung für alle, die an ihm mitgearbeitet haben und spornt dazu an, die restliehen Werbewochen womöglich mit noch größerer Energie auszunutzen. Das Mai-Programm der Frauen-Werbewoche. Die bisher inaugurierte Werbearbeit muß im Mai noch ausgewertet und vervollständigt werden. Eine ganze Reihe von neuen Interessentinnen sind gewonnen worden, die aber an der Nachmittagsveranstaltung nicht teilnehmen konnten. Darum war im Rahmen der Werbewochen von vornherein eine Abend- Veranstaltung geplant, die nun für Montag, den 14. Mai, abends 8y* Uhr, Meinekestraßc 10, im Sitzungssaal, festgesetzt ist. Agronom Dyk, Dr. Nadja Stein und Dr. Meehner, der Leiter des Berliner Keren Kajemeth-Bureaus, werden die Redner des Abends sein. Der neue Film ״Die Frauen in der palästinensischen Landwirtschaft“ wird vorgeführt werden. Im Anschluß an diese Veranstaltung findet an einem der nächstfolgenden Sonntage eine Exkursion in eine landwirtschaftliehe Lehranstalt in der Nähe Berlins statt Besonderer Nachdruck muß aber auf die Unterstützung des Keren Kajemeth gelegt werden, des dritten Partners der Arbeitsgemeinschaft, der für Mal auf eine große Kampagne ausgeht mit der Devise: Aufstellung von 1000 neuen Büchsen. Die Parole: Jede Frau stellt eine neue Büchse auf muß sich durchsetzen. Um dieser Parole Schlagkraft zu verleihen und den Ausbau der Frauenorganisation zu besprechen, sind die Mitarbeiterinnen der Werbewochen für zwei Zu- Sammenkünfteeingeladen worden, von denen die eine am Dienstag, den 15. Mai, nachmittags, die andere am Montag, d,en 21. Mai; 8ya Uhr abends, stattfinden werden. Es Ist zu hoffen, daß aus diesen Beratungen das Gerüst einer Organisation hervorgehoben wird und sich für die Durchführung von Werbeaktionen und Werbeveranstaltungen größeren Stils ira kommenden Jahr tragfähig erweisen wird. IMIIIlilllllllltlllllllllllllllltnilllllllllllltllllliillliHllllllllllllllimillliillilliilllillllllllllllHilltlSlillliiillllliiBiliHft mann, E. E. Rappeport, Siegmund Kazneison, Hermann Hesse, Alfons Paquet sowie auf die beigegebenen Briefe von Weizmann und Herzl hingewiesen. Es könnte scheinen, daß diese Fülle des Mannigfaltigen (so groß, daß wir hier über eine summarische Erwähnung nicht hinausgehen konnten) die Einheit des Hefte zerstöre und es zu einer mehr zufälligen Sammlung literarischer Geburtstagsgeschenke für Buber mache. Dem Ist aber ln Wahrheit nicht so. Denn gerade das Ist das Bemerkenswerte an dieser Sammlung und jedem ihrer Beiträge, daß sie, einen ».weiten,.Bfzir-k umretiend, und Je־' vqa einem׳ aftderi»! Punkt der Peripherie kommend, dfieh auch offenbar zu einem Mittelpunkt vorstoßen, eine fast vollständig geschlossene Einheit ergeben, die aber im Stofflichen, im jeweils behandelten Gegenstand nicht gelegen ist. So ־wird die Einheit dieser 30 Beiträge zum Problem und es lohnt nach ihr zu fragen. Es scheint, daß man die Antwort an vielen Stellen des Heftes finden kann. An keiner aber so prägnant wie in dem Beitrag, der von Buber, dem Meister der Wortprägung, selbst stammt. Er spricht von der ״Lebensfrömmigkeit“, die Wilhelm Michel, ein ihm in der Beurteilung anderer Dinge sehr nahestehender Deutscher für die Assimilation in Anspruch nimmt, da er sie gegen die zionistische Kritik im erwähnten Buch von Kohn und Weltsch verteidigt, und sagt: ״Frömmigkeit zum Hier ist nicht die rechte ohne Frömmigkeit zum Dort, die zu dem, was ist, nicht ohne die zu dem, was werden soll, die zu dem, was einem gegeben ist, nicht ohne die zu dem, was einem aufgegeben ist. Schicksalsfrötnmigkeit nicht ohne Zukunftsfrömmigkeit. Wenn man die eine von der anderen trennt und als in sich genügend betrachtet, oder auch nur, wenn man alles Licht auf die eine sammelt und die andere im Dunkel läßt, verkennt man den Platz und die Bestimmung des Menschen, und die Gefahr liegt dann nah, daß man ihn falsch führt — daß man betäubt, wo man anstacheln, das scheingute Gewissen bestärkt, wo man es erschüttern sollte.“ Das ist hier gegen die Assimilation gesagt; Indessen es gilt auch vom Zionismus. Die doppelte Verbundenheit: mit dem was gegeben und mit dem, was aufgegeben ist, diese unerläßliche Bedingung der Lebensechtheit einer Bewegung, um sie ist es auch im Zionismus heute schlecht bestellt. Ausgehend von einer falsch verstandenen, niemals begriffenen negativen Haltung zur Galuth finden sehr viele Zionisten und ganze Gruppen spielend den Weg, das, worin sie wirklich leben und wie sie es tun und das, was das Leben des Volkes in allen seinen Aeußerungen bedeutet, nicht zur Kenntnis zu nehmen. Schon das falsch begriffene: ״Es soll nicht sein!“ macht es in ihren Augen inexistent. Und das Aufgegebene, das, was sein soll; gibt es einen Weg dazu für den, der nichjr den realen Ausgangspunkt hat? und muß nicht ein Luftbau werden, was von solchen — und geschehe es auch mit dem Pathos der das Rechte Tuenden — gebaut wird? Wir haben viel in die Luft gebaut: hier und drüben. Nachher stellen wir uns hin und klagen heftig gestikulierend an: es ist schlecht gemacht — doch meinen wir nicht uns, sondern die anderen. Wir ״können“ doch nicht mehr tun als . . . Die persönliche Verantwortung im Zionismus muß wiederhergestellt werden. Es gibt dazu einen Weg: Die ernste und liebevolle Zuwendung zu allem was an Jüdischem und im Umkreise der eigenen Person zuerst da ist, seine demütige Hinnähme und dann: Durchdringung mit dem, was sein soll. Der Zionismus, der nicht in solcher Welse lebensecht ist, der wie ein Seiltänzer im luftigen Netz von Formulierungen, Programmen, Attraktionen, ״Plichten“ usw, die Balance suchen muß, ist unproduktiv, er verzehrt sich selbst. Keine noch so geistreiche und temperamentvolle Verteidigung wird ihn bewahreju Es ist ein ruhigerer Zionismus, der aus diesem ,Juden“- Hefte spricht (an dem übrigens auch einzelne Nichtzionisten mitgearbeitet haben — hier geht es eben). Nichts Jüdisches ist ihm fremd und zugleich nichts Menschliches. Er schreitet die Fülle des Lebens ab und stellt sie hinein in den großen Zusammenhang des Menschlichen, dessen, was sein soll. Nichts ist da isoliert oder kann isoliert werden, alles was zum Menschen gehört, hat in diesem ״ ־größeren Zionismus“ Platz und konstituiert ihn. Man möchte wünschen, daß viele dieses Heft lesen und von ü>» an!*$pf®ehe» .,f «den,... Am ihm is| neben iMffj anderen die Demut zu lernen, ohne die nichts Rechtes wird. Es wird helfen, den gegenstandslosen Hochmut zu brechen, der heute dominiert und von dem Gerhard Scholem zum Be- Schluß seines (eine Spitform des Sabbatlanismus darstellenden) Aufsatzes sagen kann: ״Die messlanische Phraseologie des Zionismus ... ist nicht die geringste jener sabbatlanisehen Verführungen, die die Erneuerung des Judentums . . . zum Scheitern bringen können. Denn so vergänglich in der Zeit, wie alle theologischen Konstruktionen, auch die Cardozos oder Jakob Franks gewesen sein mögen — der tiefste und zerstörendste Antrieb des Sabbatianismus: die Hybris des Juden ist geblieben.“ Dr. M. Spitzer. Von der Zeitschrift des Deutschen PalSstlna-Verelns ist soeben das erste Heft des 51. Jahrgangs erschienen (Verlag J. C. Hinrichs in Leipzig). — Die Zeitschrift bringt stets wertvolle historische und naturwissenschaftliche Arbeiten, vorwiegend von deutschen Oelehrten, zur Landes- und Volkskunde Palästinas. Prof. Dr. Steuernagel (Breslau) referiert regelmäßig über die politische und wirtschaftliche Entwicklung des Landes, diesmal für den Zeitabschnitt vom August bis zum Dezember 1927. Denn die Berichte zeichnen sich durch Sachkunde und Objektivität aus. In konzentriertester Form bringt er alle wesentliehen Tatsachen; aus den Vorgängen in der Zionistischen Organisation greift er das heraus, was von unmittelbarer Wichtigkeit für Palästina ist. In dem halben Jahre vom Erscheinen eines Berichtes bis zum Erscheinen des nächsten ist an uns Zionisten, die wir alle Einzelheiten verfolgen, meist ein Strom von Ereignissen, erfreulichen wie beunruhigenden, vorüberf״ ' ~ '~־' ’ ‘ ' _ Gliederung. — Prof. Dal man (Greifswald) bespricht das Wienersche Palästina-Buch. In der Besprechung heißt es: ״Es ist hocherfreulich, daß nun auch von jüdischer Seite auf Schäden in dem zionistischen Palästina-Werk aufmerksam gemacht wird, nicht, um es zu stören, sondern um dazu beizutragen, daß es auf solidere Grundlagen gestellt werde. Der Nichtjude würde oft noch ganz anders geredet und z. B. es als unbegreiflich bezeichnet haben, daß in dem wasserlosen Jahre 1925, dessen Sommer ich in Palästina erlebte, 33 800 Juden ins Land geworfen wurden. Macht der Verfasser sich auf diese Weise verdient um die jüdische Sache, so fördert er damit gleichzeitig das Wohl Palästinas, indem er die Forderung aufstellt, daß das Wesen, der Besitz und die Belange der arabischen Landesbewohner Gegenstand sorgsamer Beachtung werden. Möchte Wieners ,kritisch« Reise* eine neue Aera eröffnen.“ Hierzu darf bemerkt werden, daß Wiener wohl keinerlei Mängel der zionistischen Palästina-Arbeit aufdeckt, die nicht in der ״Jüdischen Rundschau“ früher, gründlicher und mit einem ehrlicheren Willen zur Besserung erörtert worden wären. Würde Dalman die ״Jüdische Rundschau“ lesen, so würde er sich also mit dem Wienerschen Vorwurf, die zionistische Propaganda verschweige im Interesse der Geldsammlungen alles Ungünstige, nicht identifizieren können. Die Krise in Palästina ist nicht entstanden, weil die große jüdische Einwanderung in einem regenarmen Jahre erfolgte; sie hat tieferliegende Wirtschaftliehe Gründe. .Den Hauptteil des Heftes nimmt eine wissenschaftliche Arbeit unseres Gesinnungsgenossen Dr. Leo Picard in Jerusalem ״Zur Geologie der Kischon-Ebene“ ein, der zwei geologische Karten und eine Anzahl guter Bilder beigegeben sind. E. £

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