Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 33 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 33, 27. IV. 1928 JUIDISCHE RUNDSGHXÜ Sdte 239 Zionistische Ideologie und Realität Von Lazarus Friedmann, Mainz. Nachstehend geben wir einen weiteren Beitrag zur Diskussion der Frage der zionistischen Propaganda. Die Aufsätze von Holdheim und Siegfried Weitzmann (״Jfid. Rundschau“ vom 10. und 22. Marz) über die Frage, welchem Gegenstand der Propaganda man den Vorzug geben soll, ob der Ideologie des Zionismus oder der Realität des Palästina־ Aufbaues, sind für denjenigen, der von der Idee durchdrungen ist und gleichzeitig für das Aufbauwerk seine geistigen und materiellen Kräfte einsetzt, unverständlich. Eine Frage, ob man das Primat der geistigen zionistischen Arbeit geben soll oder der Palästina-Arbeit existiert bei ihm nicht. Beide sind ihm gleichwertig. Allein über die Methode, wie die Propaganda bei den Nichtzionisten stattfinden soll, ob durch eine größere Agitation für die Ideologie, oder ob durch eine intensivere praktische Arbeit in Palästina mehr zu erreichen ist, wird es wohl verschiedene Meinungen geben. M. E. werden, wie in Deutschland di# Verhältnisse nun einmal liegen, die Zionisten einen größeren Erfolg erzielen, wenn sie — ohne die geistige Arbeit besonders unter der Jugend zu vernachlässigen — mit mehr Umsicht und Energie für den Aufbaupalästinas arbeiten. Es ist sicher, daß eine fortschreitende Entwicklung in Palästina eine gute Wirkung ausübt auch bei denen, die bisher gleichgültig waren. Dadurch wird nicht nur eine ma- ♦erielle Unterstützung, sondern auch eine allmähliche Annäherung an den geistigen Gehalt des Zionismus erzielt werden. Denn es ist ein Irrtum zu glauben, daß bei assimilierten Juden das Andenken an Zion gänzlich aus der Seele entschwunden ist Ein kleiner Funke, wenn auch unbewußt, ist doch immer geblieben. Dieser Funke wird sich zu innerer Wärme entfalten, sobald ansehnliche, reale Tatsachen in Palästina zu bemerken sind. Heute, wo der Aufbau bloß im Stadium des Anfangs ist, sind die Gegner geneigt, alles zu verkleinern und zu bemängeln. Anders aber wird der Fall, wenn etwas Sichtbares, Positives ersteht. Man bedenke z, B., welch gewaltigen Eindruck bei der jüdischen Welt es machen wird, wenn große Forschungen und Entdeckungen von jüdischen Professoren und Gelehrten Palästinas in der ganzen Welt verbreitet und aus dem Hebfäiseben in alle Kultursprachen übertragen werden. Ebenso groß wird die Wirkung sein, wenn eine hebräische Theatergesellschaft aus Erez-Israel kommt und ihre Kunst auf den Bühnen Europas und Amerikas zeigt Wenn die Leistungen der ״Habima“ solche Bewunderung zutage brachten, um wieviel größer würde sie sein, wenn die Künstler noch weiter ihre Kunst ausdehnen, um auch weltliche Stücke wie Faust, Cäsar, Nathan tisw. in der hebräischen Sprache aufzuführen. Noch mehr aber als das Kulturelle wird ein Wirtschaftlieber Aufschwung in Palästina die deutschen Juden zu einer tatkräftigen Unterstützung anspomen. Der Mangel an Vertrauen in einen nennenswerten wirtschaftlichen Erfolg hat viele abgehalten, sich an dem Aufbau Palästinas zu beteiligen. Eine Aenderung ist sicher zu erwarten, wenn Palästina größere Fortschritte aufzuweisen hat. Darin besteht ein Unterschied zwischen Zionisten und den anderen. Während dem Zionisten die Macht der Idee genügt, um seine geistigen und ma* terMIen Kräfte für den Aufbau einzusetzen, wird sich der Nichtzlonist erst dann btwogen finden, sein Scberflein heizuiragen, wenn er vorher grdfbartr Erfolge sieht. Durch seine ■ 111־ i ge Teilnahme am Aufbau des Landes, die dann erfolgen wird, wird er naturgemäß Interesse gewinnen für alles, was Palästina betrifft. Der jüdische und zionistische Geist wird dadurch einen breiteren Raum, in seinem Leben einnehraen. Es soll deshalb bei der Propaganda mehr Gewicht auf die reale Arbeit gelegt werden, die bei weitem fruchtbringender für unsere gesamten Bestrebungen sein wird als die fortwährenden Diskussionen über die Nationalidee, die den erbitterten Antizionisten reizt und ihn veranlaßt, mit der Nationalidee des Deutschtums aufzuwarten, wodurch der Zwiespalt nur verschärft wird. Der Zionismus darf sich deshalb nicht einkapseln. Vielmehr müssen die Träger der Idee danach trachten, das ganze Volk zu gewinnen. Manche Zionisten gehen in ihrer Begeisterung so weit, daß sie füf Praktisches wenig Sinn haben. Sie sind allzu stürmisch in ihren Forderungen und verlangen ein schnelleres Tempo. Sie werden pessimistisch, wenn es nicht schnell genug vorwärtsgeht, auch In bezug auf die Ideologie des Zionismus. Sie rechnen wenig mit der Entwicklung der Dinge in Palästina, die zwar langsam, aber sicher kommen wird. Denn so wie die Welt, besonders die politische Welt im großen ganzen mit vollzogenen Tatsachen rechnet (Völkerbund und Wilna!), so würden auch die heutigen Nichtzionisten mit der Tatsache des Aufblühens Palästinas rechnen, sich damit befreunden und ihr l eben danach einstellen. Der einzige Weg, um die Ideologie des Zionismus zum Gemeingut des jüdischen Volkes zu machen, sind nur Aufbauerjolge in Palästina. Grundfalsch ist die fortwährencSc Behauptung von dem Rückgang des Zionismus. Es ist zwar richtig, daß momentan die Begeisterung in der Masse nicht so groß ist wie in den ersten Herzl’schen Jahren. Allein solche Erscheinungen sind bei allen neuen Bewegungen zu sehen. Man vergleiche nur die temperamentvolle Begeisterung der Sozialdemokraten der Bebel- und Liebknecht'sehen Zeit mit dem gedämpften und gemäßigten Ton der heutigen Genossen. Dennoch kann man nicht von einem Rückgang der Partei sprechen. Im Gegenteil, ihre freiheitlichen Ideen haben auch alle anderen Parteien befruchtet. Wie viele Beamte und andere Schichten des deutschen Volkes sind von der Idee des Sozialismus durchdrungen und nur manche Rücksichten hindern sie, sich öffentlich der Organisation anzuschließen! Ebenso ist es mit der zionistischen Bewegung. Es gibt Gründe, die viele — nicht nur Rabbiner, Lehrer usw. — abhalten, öffentlich mit uns zu gehen, in Ihrem Innern aber gehören sie zu uns. Unsere Ideen driggen allmählich durch. Der Zionismus hat einen lebendigen jüdischen Geist In weite Kreise unseres Volkes getragen. In vielen jüdischen Vereinigungen, besondere aber in den hebriischen Lehrkursen merkt man die fruchtbringende Idee des Zionismus. Wir haben durchaus keinen Orund, pessimistisch zu sein, geschweige von einem Rückgang des Zionismus zu sprechen. Diese Pessimisten schaden unserer Sache sowohl nach innen als nach außen. Sie hemmen die Arbeit für Palästina, wodurch auch die Ideologie des Zionismus nicht gefördert wird. Mehr Mut und ein allseitiges freudiges Arbeiten wäre viel nützlicher als fortwährende Schwarzseherei. Zentral-Komitee-Sitzung des deutschen Mtsrachl Das Zentralbüro des Misrachi schickt uns nachstehenden Bericht: Am 22. April hielt das Zentral-Komitee des deutschen Misrachi in Berlin eine Sitzung ab, zu der 33 Komitee-Mitglieder aus Berlin, Hamburg, Breslau, Frankfurt, Köln, Leipzig, Chemnitz, Essen, Kiel, sowie die Vertreter der Zentrale der Zeire- Misrachi für Deutschland erschienen waren. — Der Tätigkeitsbericht des Zentral-Büros befaßte sich hauptsächlich mit der Darstellung der Arbeitsleistung des vergangenen Jahres auf dem Gebiete der äußeren Propaganda. Das gute Ergebnis der Kongreßwahl wurde nicht als Zufallsergebnis angesehen, sondern als ein Ausdruck dafür, daß große Telle der traditionellen Judenheit gewillt sind, ihren Anteil am zionistischen Leben, wie der Misrachi es propagiert, zu nehmen. Die Notwendigkeit des Merkas Olaml scnel Hamisrachi durch tatkräftige Mitarbeit am misrachistischen Keren Erez-Israel zu unterstützen, wurde anerkannt und allen Ortsgruppen zur Pflicht gemacht, den durch das Zentral-Büro veranlaßten RaDblneraufruT zu verbreiten und Gelder für den Keren aufzubringen. — Auf Initiative verschiedener Gruppen wurde sehr eingehend über das Verhältnis des Misrachi zur Jüdischen Volkspartei verhandelt. Es scheint schwierig zu sein, von einer Zentralstelle aus diese Frage absolut einheitlich für den ganzen deutschen Arbeitskreis zu regeln. Lokale Zustände machen es in manchen Orten dem Misrachi außerordentlich schwer, sich uneingeschränkt an die Seite der Volkspartei zu stellen. Die Versammlung ist sich darin einig, daß das starke Betonen der national-religiösen Interessen Pflicht der misrachistischen Gemeindevertreter sei, die die Initiative in Fragen religiöser Natur ergreifen müssen. Die Zusammenfassung der Misrachi-Jugendarbeit durch die Zentrale der Zeire-Misrachi in Hamburg und deren Beteiligung an den Arbeiten des Zentral-Komitees und des Zentral-Büros wird lebhaft begrüßt. Die Anerkennung der Zelre-Mlsrachi-Arbelt findet Ausdruck in der Bewilligung eines Postens im Budget für die Zentrale der Zeirlm. Die Wahl eines Vorsitzenden für den vom Vorsitz zurückgetretenen Dr. Wolfsberg nahm durch die damit in Ver- Bindung stehenden organisatorischen und finanziellen Fragen breiten Raum in den Verhandlungen ein. Das Zentral-Komitee war sich darin einig, daß die Fülle der zu erledigenden Arbeiten und die wachsende Bedeutung des Misrachi m Deutschiand die Führung der Geschäfte durch eine hauptberuflich tätige Persönlichkeit verlange. Zum Vorsitzenden wurde Herr Alexander Adler gewählt, der auch schon während der Amtsperiode von Dr. Wolfsberg die Geschäfte des Misrachi in Deutschland in engster Fühlungnahme mit diesem geführt hatte. Herrn Dr. Wolfsberg wurde aas uneingeschränkte Vertrauen und der Dank des Zentral-Komitees für die geleistete Arbeit ausgesprochen. Dr. Wolfsberg sprach seine Bereitwilligkeit aus, auch in Zukunft aaktiven Anteil an den Arbeiten des Misrachi zu nehmen. (In unserem kurzen Vorbericht in der vorigen Nummer war irrtümlieh angegeben, daß Herr Adler zum ״geschäftsführenden“ Vorsitzenden gewählt wurde. - A. d. R.) ln den Nachmittagsstunden beschäftigte sich das Zentral- Komitee mit den Fragen des kommenden Delegiertentages der Z. V. f. D. und mit seiner Stellungnahme zur Politik und zur Kulturarbeit der Z. V. f. D. Es wurde beschlossen, zu diesen Fragen auf dem Delegiertentage Stellung zu nehmen. Das vom Zentral-Büro vorgelegte Budget für das kommende Jahr wurde mit geringen Abänderungen einstimmig angenommen. Die Tagung entsprach vollkommen den auf sie ge* setzten Hoffnungen. Die von hohem Ernst und starkem Verantwortlichkeitsgefühl getragenen Verhandlungen zeigten den einmütigen Willen, den deutschen Misrachi<len ihm gebührenden Platz im Zionismus einzunehmen und auszufüllen. Uröfie Kundgebung des Berliner Iflsrtehl Im Anschluß an die Tagung des Zentral-Komitees des deutschen Misrachi, die am 22. d. Mts. in Berlin stattfand, hat die Berliner Misrachi-Gruppe ein großes öffentliches Meeting in den Sophien-Sälen veranstaltet, auf dem Rabbiner Dr. Hoff mann, Frankfurt a. M. und Ministerialrat H. Goslar, Berlin, großangelegte Referate hielten. Rabbiner Dr. Hoffmann sprach über ״Erez-Israel und die jüdische Lebensgestaltung“ und Herr Ministerialrat Goslar über ״Jugend, Thora, Erez-Israel“. Die jüdische Welt Berlins erlebte einen der wenigen, im Parteileben Immer seltener werdenden Geist und Herz erfrischenden Abend. Eine mehr als tausendköpfige Menge füllte den großen Saal und seine Gallerten und lauschten den Ausführungen der Redner. Klar und deutlich disponiert, mit Worten unserer Weisen geschmückt, war die mehr auf das Gefühl eingestellte Rede Rabbiner Dr. Hoffmanns. Er zeigte ein erschütterndes Bild von der trostlosen Lage des Judentums überall in der Diaspora, von der erschreckenden Abkehr der Jugend von allem, was jüdisch Ist, von den Gefahren der uns überall umgebenden und umfangenden fremden Kulturen, von den wirtschaftlichen Nöten und ihren Auswirkungen auf Juden und Judentum, von den Verlusten, die das jüdische Volk im Kampfe um sein religiös-nationales Dasein täglich aufweist und wie verzweifelter die Lage immer wird. — Andererseits wies er hin auf das Werdende im Lande der Väter, das Ringen unserer Pioniere um die Renaissance aller jüdischen Güter, vor allem der hebräischen Sprache und der nationalen Tradition. Der Stern der jüdischen Hoffnung geht jetzt im heiligen Lande wieder auf. Mit tiefem Schmerz müssen wir zwar leider sehen, wie ein sehr großer Teil unserer opferfreudigsten, idealistisch unvergleichlich gesinnten Pioniere noch ganz auf falschem Boden wandelt, die fremden und falscl#n Götter der Ideenwelt des Galuth anbetend. Aber wer unvoreingenommen sehen und urteilen will, muß zugeben, daß die Verwurzelung in dem Boden der Väter und die Luft der Heimat zu einer Gesundung der Geister führt. In Galuth erleben wir Zuckungen des Sterbens und im heiligen Lande Geburtswehen. Die Erbauer des jüdischen Heims befinden sich in einem unsagbaren schweren Kampf um die Formung der jüdischen Weltanschauung, in einem heroischen Ringen der Seelen zum Zwecke des Sich-wieder-Findens. Und der jüdische Genius, die Thora, die jüdische LebensgestaJtung, werden in Erez-Israel den Sieg davontragen. Erez-Irael wird dann berufen sein — und dies hoffentlich in absehbarer Zeit — wärmende und belebende Strahlen in die ganze Diaspora auszusenden und zur Stärkung und Erhaltung von Juden und Judentum in der ganzen Welt beizutragen. Wer die hohe Bedeutung Erez-Israels und des dort entstehenden jüdischen Zentrums für die Gesaratjudenheit und seiner Zukunft zu würdigen vermag, wer die Zeichen der Zeit zu «•kennen versteht, insbesondere wem die Erhaltung der Tradition unserer Väter Herzenssache ist und wem die Art, wie das neue Leben in Erez-Israel sich gestalten wird, nicht gleichgültig ist. der müsse an diesem hochheiligen Werke mittun, dem Misrachi bei seinem erfolgreichen pädagogischen und kolonisatorischen Arbeiten hilfeleistend beistehen und seiner Organisation sich anschließen. Ministerialrat Goslar, dem die Versammlung zujubelte, sprach von and zu der Jugend. Von ihrem Stürmen und Drängen, von ihrem Streben nach Freiheit, individualistischem Ausleben, von ihren Rechten und Zielen, zeigte aber in überzeugender und gewinnender Darstellung die Wege, Aufgaben, Ziel und Wesen wahrer menschlicher und besonders jüdischer Freiheit, die am besten in der Unterordnung unter das jüdische Gesetz, in dem jüdischen Erleben der Mizwotb, iS der EfMtag der jüdischen Tradition und die Pflege der jüdischen Lehre zu erlangen ist. Noch ist die Menschheit fern von der Verwirklichung der unvergleichlichen sozial-ethischen Ideale unserer Thora. Wir haben noch sehr viel der Menschheit vorzuleben und zu sagen. Dort im heiligen Lande wird einem neuen Geschlecht gegeben sein, den Typus des Voll- Juden zu bilden. Durch' die Schaffung einer freien jüdischen Gemeinschaft, durch die Ermöglichung sich jüdisch, nationalkulturell und wirtschaftlich auszuleben. Dies aber nur, wenn die Jugend es zu begreifen lernen wird, daß es keine Zukunft ohne Vergangenheit gibt, und daß die Einordnung des jüdischen Lebens im Geiste der Thora, in praktischer Uebung der Gebote, der Befolgung der jüdischen Ethik ihr die wahre Freiheit, die ersehnte Seelenbefriedigung bringen werden, im Lande der Väter erwächst der Jugend die schönste und zugleich heiligste Aufgabe. In Treue zur Tradition, zum jüdischen Volkstum, zum geschichtlichen Gewordenen, zu unseren Heiligtümern wird die jüdische Jugend in Erez-Israel zur schönsten Blüte ideellsten Menschentum sich entfalten, sich selbst, dem jiidisehen Volke und der gesamten Menschheit zum Segen. Nicht enden wollender Beifall zeugte von dem ungeheueren Eindruck beider Reden. Nachdem Herr Adler, der neue Vorsitzende des deutsehen Misrachi, den Rednern, sowie dem zahlreichen Publikum den Dank des Misrachi ausgesprochen hatte, verließ die ergriffene und äußerst begeisterte Menge gegen Mitternacht den Saal. Freund und Gegner sparen nicht an Anerkennung dieser Veranstaltung des ״Misrachi“ und des Geistes, der sie beseelte. Dr. G. Tagnng des Verbandes jüdischer Stndentenvereine Am 21. und 22. April fand die 6. Jahrestagung des Verbandes jüdischer Studenten-Vereine in Deutschland e. V. unter Teilnahme von 20 Delegierten aus allen Teilen des Deutschen Reiches statt. Die Konferenz wurde am Sonnabend•, den 21. d. M., in Anwesenheit sämtlicher Delegierten, einer großen Anzahl von Olsten und einer Reihe von Vertretern jüdischer Organisationen eröffnet. Die Konferenz wählte ein neues Exekutiv-Komitee, bestehend aus Dr. L. Bermann, Berlin, cand. phil. F. Rabln o w i t s eh , Berlin, cand. phil. B. M a i sl e r, Berlin, und einen Zentralrat, bestehend aus J. Kajdan, Leipzig, Mirlln, Jena, Dr, Rubin, Berlin, Niederland, Würzburg, Fischer, Mittwelda. Die Verhandlungen fanden ihren Niederschlag in folgenden Resolutionen: f. Die Konferenz protestiert schärfstens gegen den offenen und verschleierten Numerus clausus, der in vielen europäischen Ländern gehandhabt wird, ganz speziell aber gegen die schändlichen studentischen Ausschreitungen in Rumänien.‘ 2. Die Konferenz drückt ihren Protest aus gegen die Verfolgungen der Zionisten und Zionisten-Soztalisten «»Sowjet- Rußland, die zur Verschickung und Einkerkerung der verantwortlichsten zionistischen Führer geführt haben. 3. Die Konferenz stellt fest, daß sich die jüdische Studentenschaft ln einer schweren Krise befindet. Diese Krise ist in erster Linie auf die Zersplitterung der studentischen Kräfte zurückzuführen. Um diese drohende Gefahr zu überwinden, ist durch eine Konsolidierung der jüdischen Studentenschaft, hauptsächlich in den westeuropäischen Ländern herbeizuführen. 4. Die Konferenz beauftragt das Exekutiv-Komitee in Verhandlungen mit den anderen in Deutschland bestehenden a k a - deraischen Verbänden einzutreten, um eine genteinsame Arbeitsbasis, hauptsächlich auf kulturellem und gesellschaftliehen» Gebiete, zu schaffen. 5. Un» die Finaazi^ing.:.jw1se1er;;,U.nte,rstü.tiung1r fonds auch weiterhin zu ermöglichen, wird das Exekutiv- Komitee beauftragt, die bestehende Studentenhtlfe auf neuer Basis aufzubauen. Da wir auf die ausländischen Geldquellen aus verschiedenen Gründen nicht mehr rechnen können, muß eine größere Beteiligung der jüdisch-deutschen Organisationen erwirkt werden. Klebte Nachrichten Wie das Reuterbüro aus Capetown berichtet, wurde dort die Keren Hajessod Kampagne durch Colonel Kisch bei ungeheurer Begeisterung eröffnet. Der Ministerprä• sident von Südafrika gab seinen Sympathien für die Aktion Ausdruck. Der Präsident des Aktionskomitees, Leo Motzkin, begibt sich als Delegierter des Keren Hajes90d Direktoriums nach Finnland, Estland und Lettland, um dort die diesjährige Hajessod Kampagne zu leiten. Der Keren Hajessod-Delegierte für Südamerika, Agronom Et t in ge r, wurde in Buenos Aires vom Präsidenten der argentinischen Republik und vom britischen Botschafter Robertson empfangen, die sich für die Mission Ettingers sehr interessierten. Die Palästina-Regierung hat, wie offiziell mit- - ״ ־־'־'־’ ' ’ -’ * ־ יי־ .. — . geführt werden soll. In der ״Frankfurter Zeitung“ Erstes Morgenblatt vom 22. April, veröffentlicht deren Jerusalemer Korrespondent einen sehr instruktiven Bericht über die Missionskonferenz unter dem Titel: ״Die Auseinandersetzung zwischen Orient und Okzident“. Der Aufsatz zeigt die prinzipieile Wichtigkeit dieser Veranstaltung, die auch eine Grundentscheidung aufgedeckt bat, vor der das heutige Christentum steht. In Palästina lut sich ein Komitee gebildet, das anläßlich des 50. Jubiläums der ״Hatikwah“ sämtliche Werke ihres Dichters NaftaliHerz Imber herauszugeben beabsichtigt. Professor Ludwig Franke! von der Universität Breslau hat an derjerusalemer Universität eine Gastvorlesung über die neuesten Fortschritte der gynäkologischen Wissenschaft gehalten. Die Zionistische Palästina-Exekutive veröffentlicht in den Zeitungen eine Kundgebung, wonach sie Verpflichtungen nur dann anerkennt, wenn die betreffenden Papiere von dem Treasurer Dr. van Vriesland oder seinem Stellvertreter, Herrn die Exekutive'nicht berechtigt. Das Direktorium der Misrachi-Bank in Palästina beschloß, der demnächst stattfindenden Generalversammlung der Aktionäre vorzuschlagen, für das vergangene Jahr eine Dividende von 4 Prozent auszuschütten und die Darlehenszinsen zu ermäßigen. Die palästinensische Arbeiter-Föderation (Histadruth) hat der britischen Arbeiterpartei und der Oewerkschaftsinternationaie in Amsterdam ein Memorandum übermittelt, in welchem die Frage der Unterdrückung der H e chaluz-Or gan i - satlon in Sowjet-Rußland behandelt wird. Die Föderation der Londoner Synagogen .wählte das Ratsmitglied M. H. Davis zum Präsidenten der Föderation als Nachfolger des verstorbenen Lord Swaythling.