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Jüdische Rundschau · 1928-04-27 · Heft 33 (27.4.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 33 (27.4.1928)
Date
1928-04-27
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 238 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33, 27. IV.1028 Die Konferenz für das arbeitende Erez Israel in Warschau (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 24, April. Die vor einigen Tagen in Warschau abgehaltene Konferenz für das arbeitende Erez-Israel, einberufen zwecks Manifestieruag des arbeitszionistischen Gedankens und Organisierung einer großen Sammeltätigkeit für die Fonds der jüdischen Arbeiter• schaft Palästinas, verwandelte sich in eine Propaganda für den kämpfenden Jiddischismus und endete ergebnislos, da die höchst unparlamentarische Verhandlungsart jede sachliche Beratung unmöglich machte. Die zionistischen Arbeitsparteien: Poale Zion und Hitachduth sowie die Organisationen Hechaluz und Haschomer grün• deten in Polen gemeinsam vor etwa drei Jahren sogenannte ״Ligen für das arbeitende Erez-Israel“ mit dem Zweck, im Wege dieses Organs gemeinschaftliche Ideen* und Finanzpropaganda für die Arbeiterschaft Palästinas zu betreiben. Die Erfahrungen der letzten Jahre bewiesen, daß diese Organe ihren Zweck nicht erreicht haben. Es wurde zwar ein Apparat geschaffen, aber dieser erwies sich in den meisten Fällen lebensunfähig. Die für die Finanzinstitute der ״Histadruth“ gesammelten Summen waren verhältnismäßig gering, der Einfluß auf die öffentliche Meinung gleich Null und was das schlimmste war, statt Konsolidierung des arbeitszionistischen Lagers auf diesem einen Gebiete verwandelte man die Ligen in das Werkzeug einseitiger Parteipolitik. Nach den Seimwahlen wurde nach Warschau eine Konferenz einberufen, welche formell von freigewählten Delegierten aller Anhänger des arbeitenden Erez-Israel beschickt werden sollte, tatsächlich aber beteiligten sich an diesen Wahlen fast nur Mitglieder oben aufgezäruter Parteien. Die Konferenz hatte die Aufgabe, einen ״Drive“ für die Finanzinstitutionen der palästinen* sischen Arbeiterschaft zu proklamieren. Um diesen zu leiten, ist unmittelbar vor der Konferenz eine Delegation der ״Histadruth“ aus Palästina (Feinstein, Reiß und Scnurer) eingetroffen. Die Poale Zion hatten bei der Konferenz eine Mehrheit erzielt und nutzten diese auf eine Weise aus, welche von der gesamten zionistischen Oeffentlichkeit und von der ganzen jüdisehen Presse Polens aufs schärfste verurteilt wurde. Die Hauptaufgabe der Konferenz hintansetzend, veranstalteten die Poale Zion-Delegierten eine Demonstration gegen Hebrälsch. Die Urmenden Kundgebungen, welche von anderen Delegierten nicht unbeantwortet blieben, zogen sich stundenweise hin, raubten der Konferenz fast die gesamte Zeit und machten jede sachliche Beratung unmöglich- Die Poale Zion forderten und setzten teilweise durch, daß die Konferenz in jiddischer Sprache eingeleitet und geführt wurde, Sämtliehe hebräische Ansprachen und Referate fanden ihrerseits größten Widerstand. 50 kam es zu lärmenden Szenen ira überfüllten Theatersaal bei der Eröffnungssitzung, als die Vertreter der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas Feinstein (Achduth Awodah) und Schürer (Hapoll Hazair) die Konferenz hebräisch im Namen der Histadrutb begrüßten. Dieselben Szenen wiederholten sich bei den hebriiscRen Ansprachen der Vertreter der ״Hitachduth“ und ״Oordonia“ und erreichten ihren Höhepunkt, als im Namen der ״Tarbuth“ Oordon das Wort ergreifen sollte. EinigeStunden dauerte es, bis er doch zu Worte kommen konnte. Die von einem Teile der Delegierten intonierte ״Haiikwah“ wurde mit Lärm seitens der Poale Zion beantwortet.... Man fragt sich allenthalben, was eigentlich diese Sprachkundgebungen mit dem Programm dieser Konferenz gemeinsames haben; sie sollte eine Kundgebung sein für die Schönfungen des jüdischen Arbeiters in Palästina und verwandelte sich in eine wilde Demonstration gegen das Heiligste dieser Arbeiter, gegen die Spache ihres Alltags. Als Feinste!« dies seinen Parteßenossen klar machen wollte, dauerte es sehr lange, bis er sich Gehör verschaffen konnte. Kein Wunder, daß die Konferenz arbeitsunfähig wurde. Wenig Zeit und Rune büch für die sachlichen Beratungen. Die Referate über die zukünftigen Arbeitsmethoden (Ritow, Poale Zion, und Lew», Hitachdutn) zeigten eine grundlegende Verschiedenheit in den Auffassungen bei den Parteien. Die ״Hitachduth“ trat mit der Forderung auf, die ״Ligen“ aufzulösen und eine freie Arbeitsgemeinschaft derjenigen zionistischen Gruppen zu schaffen, welche die Finanzinstitutionen der Histadruth stützen wollen. Eine zentrale Körperschaft soll diese Tätigkeit koordinieren und kontrollieren. Die Poale Zion sprachen sich für die Beibehaltung des bisherigen Systems aus. Eine Aussprache über diese Vorschläge konnte die Konferenz infolge der sich wiederholenden Sprachkonflikte nicht durchführen und die Beschlußfassung wurde einem aus den Delegierten gewählten Rate überwiesen. Weser hatte in mehreren Sitzungen nach der Konferenz den Standpunkt der Poale Zion akzeptiert, was zur Folge hatte, daß die Hitachduth sich zurückzog und beschloß, seihständig die Tätigkeit für das arbeitende Erez-Israel zu führen Die Kluft im arbeiterzionistischen Lager ist nach dieser Konferenz noch erheblich gewachsen. Das Kulturproblem und die Art seiner Behandlung, aber auch verschiedene Auffassungen zionistischer und sozialer Probleme trennen jetzt scharf beide Parteien in Polen. Im ״D a w a r" (l’el-Awiw) nimmt in einem Leitartikel der Redakteur Berl Kazenelson, bekanntlich •eibat der Poale Zion■ Partei (Achduth Awoda) angehörig, Stellung. Er erklärt, die Arbeiterorganisation für frei von einem militanten Hebraümu«, sic erkenne auch die Gegenwartakultur der jüdischen Massen und ihre Rechte an, aber wenn eine Gruppe bei einer Veranstaltung für das arbeitende Palästina, also im eigenen Lager und Werk der Arbeiterorganisation, die hebräische Sprache schmähe wie sonst nur dio Leute der Jewsckria tun, dann müsse die palästinen sischa Arbeiterschaft sagen: ihr gehört nicht zu uns, sondern 7 u iinicrn Feinden. Der Satbalnüie• Prozeß Cer Oberste Gerichtshof Palästinas befaßte sich mit der Beruiun; des Kaufmanns Altschuler in Tel-Awiw, der vom Stadtrat wegen Offen ha Itungdes Ladensatn Sabbat bestraft worden war und dessen Anfechtung dieser Strafe das Jaffaer Gericht stattgegeben hatte, weil eine Zwangssabbatruhe für Juden im Widerspruch mit der im Mandat gewährleisteten Gleichberechtigung aller Bekenntnisse sei. Vor dem Obersten Gericht vertrat der Oberstaatsanwalt Bentwlch selbst die Anschauung, daß die Sabbatruhe In rein jüdischen Ortschaften als gesetzlich bindend angesehen werden müsse. Das Urteil des Gerichts, das aus den Herren Oberricliter Corrle und Richter Frumkin zusammengesetzt war steht noch aus. Knriosa Die ״Jüdisch-liberale Zeitung“ veröffentlicht über das Moskauer Jüdisch-akademische Theater, das bei der gesamten Berliner Presse ernsteste Aufnahme, zum Teil überschwengliches Lob geerntet hat, eine kurze Kritik von Walter Löwenstein, worin es heißt: ,Alles in allem: ein unerfreulicher Abend. Nicht nur, weil für uns das Jiddisch keine Sprache der Kunst ist, sondern auch, weil uns der Inhalt des Stückes und die Darstellung nicht selten anwidert. In einer Pause hörte ich von einem der zum Glück nicht eben zahlreichen nichtjüdischen Theaterbesucher einen Ausdruck der Bewunderung darüber, wie diese jüdische Truppe die jüdischen Schwächen darzusteilen vermag. Nur gut, daß diese Schwächen nur in der Phantasie der Ghetfojuden und der Nichtjuden bestehen.“ Die jüdisch-liberalen Juden, frei von allen ,.jüdischen Schwächen“, können also beruhigt schlafen. Fritz Engel schreibt in seiner Kritik der ״Reise Benjamins III“ im ״Berliner Tageblatt": ״Der osteuropäische Jude bangt nach dem Lande der Väter, von dem ihm die Lieder singen. Auf nach Erez Jisroel! Wer menschliches Gefühl und Kenntnis von den Jahrhundertnöten dieser einst hoffnungsvoll nach Osten gewanderten hat, wer wird das nicht verstehen? Mit dem allgemein europäischen Zionismus und den verschiedenen Zionismen, die sich daraus entwickelt haben, ist das etwas andres. Mitleidsaktion — ja. Politische Aktion — nein.“ Der C. V.-Dichter Engel scheint zu glauben, daß er seiner sehr positiven Kritik des Spiels vorsichtsweise eine Art antizionistisches Alibi voranschicken muß ... Ein Freund unseres Blattes sendet uns ein Exemplar der Illustrierten Beilage des ״SprottauerWochenblatte s״, worin wir ein Bild zerstörter Häuser finden, darunter steht als Text: ״Vom Erdbeben in Palästina: Smyrna, die sowohl als Hafen wie als Handelsort bedeutendste Stadt Palästinas, ist kürzlich durch wiederholte Erdbeben schwer beschädigt worden. — vollkommen zerstörte Häuser im Stadtinnem. S. B. D.“ S. B. D. ist offenbar die Chiffre eines Preßbttros, das dieses Bild wahrscheinlich auch an andere Blätter dieser Art weitergegeben hat. Ein interessanter Beitrag zu der Frage, wie Berichte über Zustände in Palästina Zustandekommen. * Wlzo-Konferenz In Polen (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 20. April. Die bisher in mehreren Städten Polens zerstreuten jüdisehen Frauenvereine folgten am 15. April einer Einladung der Warschauer ״Wizo" und hielten die erste Landestagung der polnischen Wizo ab. Die Beratung war hauptsächlich organisatorischen Fragen gewidmet. Die Ausspräche und die gefaßten Beschlüsse zeigen, daß in Polen großeArbeitsmöglichk eiten für die Wizo vorhanden sind. Die neugewählte Leitung des Landesverbandes ist sich dessen bewußt und hofft, baldigst d#s Netz der Wlzo-Verelne in Polen bedeutend auszubreiten. Es wurde beschlossen, jede philantropische Tätigkeit zu eliminieren, den apolitische{ Charakter der Vereinigung zu wahren und das Hauptaugenmerk auf die Kulturtätigkeit zu lenken. Es scheint uns aber, daß es notwendig wäre, auch zionistische Ideenpropaganda in e r z i e h erischem Sinne in breitem Ausmaße zu pflegen. Ferner glauben wir, daß der neugegründete Landesverband der ״Wizo“ in Polen am besten seinen Zielen dient und die beste Arbeitsmethode wählt, wenn er konkrete Palästinaarbeit leisten wird, indem er für bestimmte palästinensische Institutionen Interesse weckt und die teilweise Budgetierung derselben auf sich nimmt. Hier den Weg mancher westlichen Wizoverbände nachzuahmen, scheint uns am ratsamsten zu sein. Eine zionistische Frauenbewegung in Polen zu schaffen — dies ist die Aufgabe der Wizo in Polen, zu der jetzt ein wichtiger Schritt getan wurde. Arehiiektenwettbewerb für dB zionistisches Bflrohans Die Zionistische Palästina-Exekutive und die Hauptbüros des Keren Kajemeth und Keren Hajessod haben für die palästlnensischen Architekten einen Wettbewerb ausgeschrieben für den Plan eines Bürohauses, das in Jerusalem auf dein Boden des Nationalfonds für die erwähnten Institutionen errichtet werden soll. Die Vorschläge sind bis zum 1. Juli einzureichen. Mit dem Bau des Keren Kajemeth-Hauses soll im Oktober begonnen werden. (Zlko.) Das Sdndwerk in Palästina Der Ziko wird aus Jerusalem berichtet: Obwohl der Beitrag des Keren Hajessod für die dem Erziehungs-Department der Zionistischen Palästina-Exekutive unterstehenden Schulen gegenüber dem vorigen Jahr Um £ 21 000 auf £ 53000 reduziert worden ist, weist sowohl die Zahl der Schulen wie die der Schüler eine Zunahme auf. Die Zahl der Schulen stieg von 194 auf 220 — 87 0/0 aller jüdischen Schulen Palästinas unterstehen der Aufsicht der Zionistischen Palästina- Exekutive — und die der Schüler von 18159 auf 18 611. Stark gestiegen ist die Zahl der Kindergärten, nämlich von 85 auf 111 und der sie besuchenden Kinder von 3442 auf 4030. Die Zahl der Lehrer ist um ein geringes zurückgegangen, von 741 auf 727. Von den Schülern besuchen 30 0/0 die Misrachischulen, 7 0/0 die Schulen der Arbeitsorganisation und 63 die gewöhnlichen Schulen vom normalen Typ. Berliner Zionistische Vereinigung Kein Visum von Palästina nach Spien Jerusalem. 23. April. (J. T. A.) Wie hier mitgeteilt wird, werden in kurzem die Visumsformalitäten im Verkehr zwischen Palästina und Syrien, sowie Libanon-Provinz abgeschafft werden. Der Grenzverkehr wird sich ungehemmter als bisher vollziehen; die Bewohner der genannten Länder werden bei Ueberschreiten der Grenze nur die Pässe vorzüzeigen haben. Am Mittwoch• den 2. Mai, abends 9% Uhr, spricht in den Räumen der Aga das Ae hin, Jostyetraße 4, Herr Richard Llchtheim und am Donnerstag• den 3, Mai, abend■ 8'/j Uhr, im Saal der Zionist. Vereinigung für Deutschland, Meinekestraße 10, Herr Dr. M. Bileski uber: ,«Die Aufgaben das Delegiertentages der I. V• f. D-“ Rai für füdbehe Minorilätsrechte Wie wir schon kurz berichtet haben, fand am 22. und 23. April in Berlin eine Beratung der Mitglieder der in Zürich gewählten Exekutive zum Schutz der jüdischen Minderheitsrechte statt. Es waren anwesend: L, Motzkin, Prof. Dubnow, J. Grünbaura (vom Präsidium), sowie die Herren H. Farbstein, Warschau; Dr. E. Margulies, Leitmentz; Dr. L. Reich, Lemberg als Exekutiv-Mitglieder, ferner der Beauftragte der Amerikaner Dr. N. Go Id mann, Berlin; der Vertreter in Genf Z. Aberson, Genf sowie Dr. N Feinberg, Genf. Der Präsident N. Sokolow, der an der Teilnahme verhindert war, sandt ein Begrüßungstelegraratn. Prof. Dubnow eröffnete als Mitglied des Präsidiums die Beratung und gedachte mit herzlichen Ausdrücken der beiden bedeutenden Männer, welche der Tod in der Zwischenzeit der Exekutive und dem in Zürich gewählten Council entrissen hat, des Prof. Chajes und W. Tiomkin. Dte Tagung ehrte das Andenken dieser Männer durch Erheben von den Sitzen. Er übergab sodann den Vorsitz dem Präsidialraitglied J. Grünbaum. Der Tätigkeitsbericht Auf Antrag von L. Motzkin erklärte sich die Beratung in Anbetracht der Abwesenheit des Präsidenten N. Sokofow und der amerikanischen Mitglieder Dr. Wise und G. B. Richards, sowie zweier anderer Mitglieder, der Herren J. Efroykin, Paris und Dr. J. Robinson, Kowno als eines provisorischen, deren Beschlüsse nur bis zur nächsten Vollsitzung im Sommer Gültigkeit haben. Er erstattete einen ausführlichen Bericht über die allgemeine organisatorische und politische Arbeit der in Zürich gewählten Organisation, über die verschiedenen Aktionen des Pariser Büros insbesondere in Bezug auf Rumänien, mit Bezug auf die Vorbereitung der Arbeiten in den jüdischen Völkerbundligen (Beteiligung an der Konferenz in Brüssel), über die Mitarbeit an der Internationalen Minderheiten-Exekutive (Ausarbeitung der Grundsätze für die Arbeitsgemeinschaft der Minderheiten, Fragen der Prozedur beim Völkerbund und dergl.), über die Beziehungen zu den anderen internationalen Organisationen und sonstigen Gesellschäften, wie der französischen Ligue des Droits de l’Homme, die sich stete für den Kampf gegen Entrechtungen und Verfolgungen einsetzt. In seinem Berichte berührte er auch die Rolle, welche das Komitee der Jüdischen Delegationen in der Sache Schwarzbart gespielt hat, dessen Büro gleichzeitig die Arbeiten des Verteidigungskomitees durchgeführt und im Herbst ein großes Buch über die Pogrome in der Ukraine in französischer und englischer Sprache veröffentlicht und das gesamte Material in umgearbeiteter Form der Verteidigung sowie auch der Ligue des Droits de l’Homme zur Publizierung eines besonderen Heftes zur Verfügung gestellt hat. Mit Bezug auf Rumänien hat das Panier Büro wichtiges Material zusammengebracht und durch einen spezieilen Abgesandten an Ort und Stelle eine EnquSte vornehmem lassen, welche eine große Zahl wichtiger Dokumente zusammengebracht hat. Auf Grund der gesammelten Materialien sei vorläufig ein großes Memorandum ausgearbeitet worden, welches der letzten allgemeinen Minderheiten-Tagung der Völkerbundligen Union übergeben wurde. Uebergehend auf die Organisationsfrage des Komitees betonte Redner die Notwendigkeit, daß ein Ausschuß die Leitung der laufenden Geschäfte in der Zwischenzeit zwischen den Sitzungen besorge. Er halte es für dringend erforderlich, daß die in Zürich gewählte Exekutive oder deren Vertretung eine Koordinierung der gesamten jüdisch-politischen Aktionen auf internationalen, Gebiete möglichst bald realisiere, und daß in Paris ein beratendes Komitee atte bekannten jüdischen Persönlichkeiten zur Durchführung der Züricher Beschlüsse geschaffen werde. Die Tätigkeit in Genf Einen ergänzenden Bericht erstattete sodann Herr Z. Aberson, Genf, der frühere Vertreter des Komitees der Jüdischen Delegationen, über das inzwischen geschaffene Büro In Genf, über den von ihm entwickelten Informationsdienst, über die Beziehungen zur Inforraationssektion des Völkerbundes und über einige politische Schritte, namentlich mit Bezug auf die Frage der Freizügigkeit der Juden in der Türkei. — Das Büro in Genf erfülle jetzt eine Reihe wichtiger Funktionen, es leide aber darunter, daß die Exekutive selbst sich noch nicht konstituiert habe. Das beziehe sich auch auf die Direktiven für die Arbeiten. Die Frage der wetteren organisatorischen Arbeit erweckte sodann eine sehr lebhafte Diskussion, an der sich die Herren Dubnow, Grünbaum, Margulies, Dr. Goldmann und Dr. Reich beteiligten. Allgemein war die Auffassung vorherrschend, daß es notwendig sei, an einem Punkte außer der bestehenden Exekutive einen Ausschuß zur permanenten Durchführung der Züricher Beschlüsse zu schaffen. Die Berafing einigte sich jedoch dahin, daß dieses Problem bis zur Vollsitzung aufgeschoben werde. Auf Antrag des Herrn Dr. Margulies wurde ein einmütiger Beschluß gefaßt, bis zur nächsten Plenarsitzung den Vizevorsitzenden Motzkin als Leiter der gesamten Arbeiten der Exekutive zu bestimmen. Auf weiteren Vorschlag von L. Motzkin wurde Herr Z. Aberson als Leiter des Genfer Büros bestätigt, und ebenso in seiner früheren Funktion als Vertreter in Genf. Es wurde auch die Mitarbeit von Dr. Feinberg bestätigt. Desgleichen wurde die Mitteilung mit Bezug auf die Mitarbeit einer spezieh in Paris geschaffenen Kommission zur Kenntnis genommen. Sodann wurde die Frage der Schaffung von einzelnen Komitees in mehreren Ländern zur Gewinnung von Freunden der jüdischen Minderheitsrechte erörtert, mit welcher Mission die einzelnen Mitglieder der Exekutive betraut wurden. Gemaß dem Beschluß der Züricher Konferenz wurde sodann der Council durch eine Reihe von Mitgliedern aus Rumänien und Deutschland, sowie eventuellen Mitgliedern aus Palästina ergänzt Die Vollsitzung wird gemäß dem Beschluß der Tagung im Sommer in Paris stattfinden. Das deutsche Beispiel P r a g, 22. April. (1. T. A.) Auf dem orthodoxen jüdischen Friedhof m Nitra in aer Tschechoslowakei wurden 13 Gräber zerstört und die Grabsteine zertrümmert. Die Behörde hat eine strenge Untersuchung zur Ermittlung der bi i״vt unbekannt gebliebenen Titer eingeleitet. Genf, 22. April. 0• T. A.) Am 19. Ad 1׳ י ־•■'»tutete der bekannte Führer der Esperantisten, Privatdozent Edmond Pri» vat an der Oenfer Universität einen Zyklus von Vorlesungen über Esperanto. Eine Gruppe Studenten, Angehörige des reaktionlren Vereins ״Res Helvetia“ störte die Vorlesung durch Absingen verschiedener Lieder und durch Rufe: ״Zamenhof Saales auf und ließ sie, als sie der Aufforderung• nicht Folge leisteten, mit Gewalt hinausführen.

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