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Jüdische Rundschau · 1928-04-27 · Heft 33 (27.4.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 33 (27.4.1928)
Date
1928-04-27
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 230 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 33, 27. IV. 1928 daß das nächste Jahr schon Raum für ein konstruktives Programm gewährt. Ob aber dieses ״Wenn“ elntritt, ist ni״ht vorauszusagen. Die Palästina-Exekutive hat ja auf eines ihrer drei Mitglieder, auf Colonel Kisch, Verzicht geleistet, um an der Aufbringung der Mittel Anteil zu nehmen.• Es ist gewiß unbefriedigend — und Miss Szold sprach dies ehrlich aus, — auf Wünsche, über deren Dringlichkeit und Berechtigung es keine zwei Meinungen geben kann, immer wieder mit dem Hinweis auf die finanzielle Lage zu antworten. Wenn man aber, wie die gegenwärtige Palästina-Exekutive, grundsätzlich das System kurzfristiger Anleihen und die Methode der Bevorschussung zukünftiger Einnahmen verwirft, wird man sich nicht anders stellen können, als es hier geschah. Natürlich richteten sich viele Fragen auf die Lage in Amerika, von der soviel abhängt, aber auch Miss Szold konnte, so sehr sie im übrigen interessante Einzelheiten zur Schilderung der dortigen Gegensätze mittcilen konnte, nichts über die Grundfrage sagen, wieweit die Sammlungen für die nationalen Fonds durch die Gegensiitze beeinträchtigt werden können. Läßt sich so über die zu erwartenden Einnahmen nichts Definitives sagen, so war um so wichtiger die Mitteilung Miss Szolds, daß die Exekutive in ständiger Verhandlung mit der R e - g i e r u n g wegen stärkerer Beteiligung an den Aus* gaben für Erziehungs* und Sanitätswesen steht. Die Tendenz, der sie Ausdruck gab, unsere verfügbaren Mittel bis zum Maximum des Erreichbaren der Kolonisation zur Verfügung zu stellen, entspricht ja einem an dieser Stelle schon wiederholt vertretenen Standpunkt. Daß dies Prinzip in der Vergangenheit keineswegs befolgt wurde, zeigt eine von Van Vriesland vorgelegte Aufstellung. Diese gibt einen Ueberblick über die Ausgaben der Zionistischen Palästina-Exekutive 1918—1927. In dieser Zeit wurden ziemlich genau vier Millionen Pfund in Palästina ausgegeben, von denen je eine Million auf Kolonisation und Erziehungswesen verwandt wurden, rund £ 400.000 je für Sanitätswesen, Ein- Wanderung, Arbeit, während der Rest, zirka £ 500.000, für Handel und Industrie, Administration und allgemeine Ausgaben verwandt wurden. Also nur ein Viertel der Ausgaben für landwirtschaftliche Kolonisation, ebenso viel für Erziehungswesen! Ueberflüssig zu beweisen, daß das eine unmögliche Budgetverteilung ist, jedenfalls bei einer Organisation, deren Aufgabe Kolonisation ist und deren Mittel beschränkt sind. Viele Einzelheiten müssen übergangen werden. Der Eindruck, den diese Konferenz hinterließ, war ohne Zweifel bei allen Anwesenden der, daß diese Exekutive ernst bemüht ist, das Uebergangsstadium der Sanierung so kurz wie möglich pi machen. Darüber freilich, ob die hierfür erforderliche Zfdt. Jc&rger. oder, lfoger ■au b^. messen Ist, wird die Einigung schwer zu erzielen sein. Eins ist gewiß, die Dauer der schmerzlichen Passivität der Zionistischen Exekutive hängt vom Ergebnis der Keren Hajessod-Arbeit ab. Wann die Tore des Landes unserer Jugend offenstehen werden, wann neue Siedlungstätigkeit wieder im Mittelpunkt unserer Arbeit stehen wird, das hängt im Grunde nicht von der Pa* lästina-Exekutive ab und nicht von Erez-lsrael, sondern von der Galuth. Das ist nicht neu, aber so richtig und wichtig wie nur je. Bas Testament ProL Doljaiskys Jerusalem, 22. April. (J.T.A.) Der in diesen Tagen in Jerusalem verstorbene berühmte Chirurg Prof. D olj a n sk y hat seinen Leich nam.dem medizinischen Institut der hebräischen Universität zu Forschungszwecken vermacht. In seinem Testament hat er ferner bestimmt, daß, wenn eines seiner Kinder, sei es Sohn oder Tochter, aus Palästina fortzieht, es seines Teiles am väterlichen Erbe verlustig geht. David und Baih Sdiewa *an neuer historischer Roman in hebrfifscher Sprache Jedes Volk, das sich in kultureller Renaissance befindet, sucht für seinen künstlerischen Ausdruck Themen aus seiner Vergangenheit, gleichsam um vor sich selber die innere Berechtigung zur Wiederbelebung aus der Geschichte abzuleiten. Damit dieser Blick nach rückwärts sich fruchtbar auswirkt und nicht trockene historische Erzählung bleibt, muß eine innige Verbundenheit mit der Landschaft, der Sitte und dem Zeitgeist der Vergangenheit bestehen. Groß ist die Zahl der Versuche, die jüdische Vergangenheit literarisch wieder aufleben zu lassen. Das verwundert nicht, denn es gibt wohl kaum eine Ueberlieferung, die so malerisch, so bedeutsam und so lebendig ist wie die Bibel. Aber erst in Palästina fühlt man, wie unauflöslich jede Gestalt und jedes Ereignis der Bibel mit dieser eigenartigen Landschaft verbunden ist, diesem Lande, wo jeder Stein, jeder Sonnenstrahl, jeder Gedanke eine andere Welt zu sein scheint als Europa, diesem Lande, das nur in sich selbst zu ruhen scheint, das cui generis ist und ein Volk cui generis hervorgebracht hat. Erst das völlige Verwachsen mit diesem Land kann eine wahrhafte Erweckung unserer Geschichte bringen; hier nur kann der historische Roman, das historische Drama entstehen, deren Personen uns so lebendig sind, daß wir die Kontinuität unserer Geschichte erleben. An dieser Stelle wurde vor kurzem auf ein Bändchen Gedichte: ״in Dir, Jerusalem“ des hebräischen Schriftstellers Ari Ihn Sahaw hingewiesen, das als typisch für Verwachsung mit dem Land und seiner Geschichte bezeichnet wurde. Ihn Sahaw hat nunmehr, nach sechsjähriger Arbeit, einen Roman beendet, dessen Mittelpunkt David ist״). Daß gerade rin sU :her Roman nur aus tiefster Einfühlung in die Landschaft aller Stätten der Ereignisse heraus geschrieben werden konnte, leuchtet rin. Die ungeheure Größe von David und seiner Zeit, die dramatische *) Der Roman erscheint in Jerusalem iro Verlag ״Hamadpis“. Ein Buch über das Palästina-Mandat Der Inhalt der zionistischen Idee kann heute nicht nur durch ihre theoretische Darstellung, sondern auch durch die Art ihrer Wirkung auf wichtige Gebiete des realen politischen Lebens gezeigt werden. Das Buch von Dr. Manka Spiegel ״Das Völkerrechtliche Mandat und seine Anwendung auf Palästina" (Verlag der Universität■;- Buchhandlung Leuschner & Lubensky, Graz, Wien, Leipzig 1928, 7,50 M.) ist dafür ein Beispiel Dieses Buch, in dem eine Fülle juristisch und politisch interessanten Stoffes behandelt wird, gibt in einer Darstellung des Mandatssystems zunächst eine knappe und wertvolle Einführung für jeden, der sich mit diesem, uns besonders interessierenden Gebiete des modernen Völkerrechts beschäftigen will. Der besondere Teil des Buches ist dem Palästina-Mandat gewidmet. Er bringt viele Hinweise auf die Entwicklung und Bedeutung des zionistischen Gedankens. Die Schilderung der Vorgeschichte des Palästina-Mandats gibt in knappen Linien die Geschichte des zionistischen Gedankens, und damit, wird eine kurze Begründung des Zionismus verbunden. Das Palästina-Mandat hat durch die Balfour-Deklaration gegenüber den anderen Mandaten einen besonderen Charakter erhalten: Diese Besonderheit wird in dem Buche in einer ausführlichen Auseinandersetzung mit den antizionistischen Tendenzen der Araber hervorgehoben. Moderne Erkenntnisse der Völkerrechtswissenschaft und eine gut begründete Auslegung der Bestimmungen des Völkerbundes werden hier mit Erfolg verwendet. Im Anschluß an diese wissenschaftliche Polemik wird die Entwicklung der politischen Forderungen des Zionismus unter der Einwirkung des arabischen Problems geschildert. Die Verfasserin lehnt den reinen Judenstaat ab. Sie stellt fest, was nicht ohne Interesse ist, daß außenstehende Beobachter des palästinensischen Problems, wie die Amerikaner King und Crane, schon frühzeitig der Meinung waren, daß radikal politische Forderungen der Zionisten wegen der Existenz der Araber abgeschwächt werden müßten. Die Verfasserin bekennt sich zum binationalen Staat, bei dem es gleichgültig sei, ob das numerische Verhältnis der Araber zu da! Juden 5 :1 oder I : 5 sei — wenn nur jede Nation im Rahmen des gemein- Samen Staates einen gleichen Anspruch auf ungehinderte nationale Entwicklung habe. Die singuläre Bedeutung Palästinas für die Juden zeige sich darin, daß die Juden hier Staatsnation seien, anderswo höchstens nationale Minderheit. Die Bedeutung des Mandates liege gerade darin, daß es den Juden diese Stellung als Staatsnation garantiere, auch solange sie noch zahlenmäßig eine Minorität seien. Das ist in der Tat eine wichtige Bedeutung des Mandates, die oft nicht genügend gewürdigt wird. Die machtpolitische Garantie für die Sicherung der Heimstatte, die in einer jüdischen Majorität Hegen würde, wird vorweggenommen durch die rechtliche Verpflichtung des Mandatars. Das Buch behandelt dann in Kommentarform die einzelnen Bestimmungen des Palästina-Mandats; diese Erörterung wird zu einem Ueberblick über die öffentlich-rechtliebe Entwicklung Palästinas in den letzten Jahren ausgedehnt, mit Einschluß der Gesetzgebung auf dem Gebiete der Eiawan- StetsangeiiriptM, ',der■ Jusfizpflege. An das Gemeftidegesetz, so wie es jetzt vorliegt, werden vielleicht zu große Erwartungen geknüpft (S. 99). In Ergänzung dieser Darstellung der Entwicklung des öffentliehen Rechts werden die konstruktiven Leistungen der Zionistischen Organisation in Palästina geschildert Vielleicht ist in dem Bestreben, die jüdische Leistung gebührend hervorzuheben, die Haltung der Regierung nicht in einer Art beschrieben, die allen Angriffen standhalten kann. Die bekannte und gerechtfertigte Forderung einer tatkräftigen Unterstützung des Palästinawerkes durch aktive Beteiligung der Regierung hätte gerade ln einer wissenschaftlichen Schrift erginzt werden müssen, nicht nur durch eine verständnisvolle Darstellung der Schwierigkeiten, denen die Regierung durch Ihre Haltung begegnen wollte, sondern auch durch die doch recht wertvollen Hilfen, die, bei aller zu kritisierenden Zurückhaltung auf vielen Gebieten, die Regierung dem jüdischen Aufbauwerk gewährt hat. Diese Hilfen bestanden nicht nur in gewissen wirtschaftlichen Maßnahmen (die bei der Erörterung des Art. 11 mir nicht voll gewürdigt zu sein scheinen), sondern sie zeigten sich vor allem auf rein politischem Oebiet in der Verteidigung des Gedankens der Balfour-Deklaration gegen ihre zahlreichen Angreifer in der internationalen Politik. Das wäre vielleicht klarer geworden, wenn 1, B, in der Erörterung der Einleitung des Palästina-Mandats die Haltung der Permanenten Mandatkommission — die von dieser aufgebauten Lehre, von dem im Palästina-Mandat enthaltenen Widerspruch (״ciash") — näher geschildert und besprochen worden: wäre. Ueberhaupt sind die Verhandlungen der Mandatkomtnission bei der Behandlung des zweiten Teiles etwas kurz weggekommen. So wäre bei der Besprechung des Art 6 ein Hinweis auf die Beschlüsse der Mandatkommission, welche die zionlstischen Forderungen voll rechtfertigen, nicht ohne Interesse gewesen, und andererseits wäre es auch wieder ein Ma&stab für die Beurteilung der Regierung gewesen, wenn die sorgenvollen Beschlüsse der Mandatkommission über die Einwanderung näher dargestellt worden wären. Von besonderem Interesse ist noch die Erörterung der Rechtsstellung der Jewish Agency, mit einer ausgezeichneten Verwendung der Rechtssprechung des Interaationalen Gerichtshofes, die als Beispiel dafür dienen kann, wie die Ergebnisse völkerrechtlicher Verhandlungen für unsere Aufgaben verwertet werden müssen. Das Buch füllt eine Lücke in unserer Literatur aus. Es gibt an Hand der authentischen politischen Dokumente eine klare und vollständige Orientierung über unsere politische Situatlon. Es beweist überzeugend die Verbindung des Zionismus mit dem Geiste einer freiheitlichen Entwicklung der interaationalen Rechtsbeziehungen und überhaupt der politischen Verhältnisse. Es ist eine ausgezeichnete Quelle der Information für alle Rechtsfragen, die mit dem Palästina-Mandat zusammen• hängen. Es gab schon ernsthafte Gelegenheiten, wo man das Fehlen einer solchen Informationsquelle bedauern könnte. Wer mit den Rezensenten der Meinung ist, daß heute zionistische Arbeit nicht gut gemacht werden kann ohne Beherrschung einer Fülle tatsächlichen Materials, wird der Verfasserin dafür danken, daß sie für ihr Gebiet eine so wertvolle und nützliche Arbeit geleistet hat. Dr. Moritz Bileski. Aspirationen Italiens in Palästina? Der ״Kölnischen Zeitung״, dem führenden Rheinlandorgan, wind aus Kairo geschrieben: ״Der Besuch des italienischen Kronprinzen Umberto in Palästina wird einmal in der Geschichte des italienischen Vordringens im Orient eine gewisse Rolle spielen.Die Faschisten benutzten die Gelegenheit, um große politische Kundgebangen zu veranstalten. Der Bevölkerung wurde erklärt, nur Italien sei imstande, die gegenwärtige Krise zu beseitigen und dem Lande neue Entwicklungsmöglichkeiten zu schaffen. Sollte Italien das Mandat über Palästina erhalten, so würde es sofort die Steuerlast der Landbevölkerung bedeutend mildern und der Landwirt* Schaft große Kredite gewähren. Die Taktik der Faschisten brachte den Prinzen oft in peinliche Verlegenheit, besonders in Haifa, wo die Begrüßung einen ausgesprochenen englischfeindlichen Charakter trug. In Regierungskreisen in Jerusalem hat diese Angelegenheit große Unzufriedenheit hervorgerufen. Nattonalverband der Bukowinaer Jodeo Cxeraöwltz, 18. Aprii (J.T.A») Am 15; Apc&-4m&i> der von der jüdischen Einheitspartei in Czemawitz elnberufene fudentag zur Qründung eines jüdischen Nationalverbandes für die Bukowinaer Juden statt. Der Judentag protestierte gegen die fortdauernde aniisemitische Hetze, ln einer Resolution wird die Ergänzung der in der Kammer eingebrachten Gesetzesnovelle betreffend das Staatsbürgerrecht in dem Sinne gefordert, daß das Gesetz über Erwerb und Verlust des Staatsbürgerrechtes mit den Friedensverträgen in Uebereinstimmung gebracht werde. Ferner wurden Resolutionen für die Lehr- und Lernfreiheit an den Universitäten, für die Autonomie der jüdischen Gemeinden sowie für die Schaffung eines jüdischen Reichsverbandes beschlossen. Dr. Mayer Ebner wurde zum Präsidenten des Jüdischen Nationalverbandes und Direktor Bernhard F1 e - mInger, Karl Klüger und Dr. Markus Krämer zu Vizepräsidenten gewählt. Gewählt wurde auch eine 21gliedrige Exekutive und ein aus 150 Personen bestehender jüdischer Volksrat. Das Schiff ״Mount Syrmonty“ brachte am 16. April 1200 Touristen nach Haifa. Die Refseleitung liegt in den Händen des Palestine Lloyd. Wucht seiner Handlungen reizen zur Darstellung geradezu auf, wenn man selbst erst fühlt, daß ״die Sonne Davids auch uns leuchtet“. Der Zufall will es, daß in diesem Jahre ein nichtjüdischer englischer Schriftsteller, Parker, sich für kurze Zeit in Palästina aufhielt, um Material für einen historischen Roman aus der gleichen Zeit zu sammeln. Es interessierte mich daher besonders, näheres über die Anlage des Buches von Ibn Sahaw zu erfahren. Auf meine Bitte teilte er mir folgendes mit: ״David ist für uns ein Gewirr von Gefühlen; viele Forscher haben «ich bemüht, ihnen eine klare Gestalt zu verleihen. Die Widersprüche, die man in dieser Sache findet, und erst recht, wenn man ihm manche Abschnitte der Psalmen zuschreibt, sind 80 stark, daß es schwer fällt, sie in einer einzigen Seite zu vereinen. Bosouden verwirrend wirkte der Flocken, der auf Davids Bild dadurch fiel, daß er sich Bath-Schewa zur Frau nahm, indem er Uriah in den Tod schickte. Das ganze Buch Samuel ist zweifelsohne ein herrlicher Vorwurf für einen Roman, aber auch ein schwerer. Denn der Stoff ist überreich und auf den ersten Blick hin voller Wider- Sprüche. Wir finden Ifavid nirgends vorher so leidenschaftlich, wie er plötzlich in der Begegnung mit Bath-Schewa erscheint, bei der er ohne Zweifel bereits mehr als vierzig Jahre alt war. Es sollte erstaunlich anmuten, daß David dieser Frau zuschwor, daß ihr Sohn nach ihm herrschen würde, obgleich er nicht der älteste war, und daß der Prophet diesen Sohn ״Jedidjah“, den Liebling Gottes, nannte. Man pflegt dies als Intrigen von Seiten der Balh- Schewa und der Propheten zu bezeichnen. Kann das wirklich denkbar sein? Widerspricht das nicht ganz allgemein dem Geist eines Propheten jener Zeit? Hätte aas Buch Samuel, das alles berichtete, gerade das verschwiegen? Aus diesem Knäuel kann ein Dichter wohl nicht weniger als ein rein wissenschaftlicher Forscher einen Ausweg finden. Die Bath- Schewa-Geschichte gewinnt einen ganz anderen Charakter, wenn wir sie nicht als unvermittelt plötzlich aufgetaucht ansehen, sondern annehmen, daß David Bath-Schewa kannte, ehe er noch König war und ehe sie einem anderen Mann angehörtt, vielleicht gar, ab David noch Hirt im Hause sein« Vaters war. Für diese Annahme habe ich in der Bibel selbst Stützpunkte gefunden. Nicht nur die Tatsache, daß Bethlehem, Davids Geburtsort, und Gilo, die Heimat Balb-Schewas, nahe benachbart sind, sondern •ach die Art, in der die Begegnung mit Bath-Schewa im Teneh berichtet wird, deuten darauf hin. Auf diese Weise ist Bath-Schewa keine häßliche ״Episode“ im Leben Davids, sondern eine tiefe Sehnsucht, die in seinem Herzen schon in früher Jugend erwacht und ihn nicht verläßt, bis Bath-Schewa zu ihm kommt. Bath-Schewa ist der Pol, um den Davids Gefühle kreisen; sie bringt ihn indirekt zu den wichtigsten und größten Taten seines Lebens. Er glaubt aus tiefstem Herzen, daß Gott, der ihn in seiner Jugend der Bath-Schewa nahe bringt, ihn auch mit ihr nach langer Zeit vereinen würde. Eine Andeutung für diese Auffassung findet sich im Buch Sohar, der sagt, daß dem Menschen sein Gemahl schon vor der Geburt vorbestimmt wird und daß er *u ihm gelangt, auch spät und auch durch Sünde, ״wie David zu Bath-Schewa“. Daher rührt das Verständnis des Propheten für Davids Herz, daher nennt er den Salomo im Namen Gottes ,Jedidjah“. Daher hält David auch auf dem Sterbebett an seiner Zuversicht fest, daß dies Geschehen von Gott kam, und er verfügt, Salomo, den Sohn der ״ersten“ Frau, rum König zu krönen, als ob er sein Erstgeborener wäre. Diese Auffassung paßt zum Bilde Davids, wie man es aus seinen Taten gewinnt, und zu dem Andenken, daß er den späteren Geschlechtern!unterließ. Zweifellos ist es leichter, diesen Stoff ab Drama zu verarbeiten, denn in einem Roman kann man nicht einzelne Szenen geben, sondern muß alle Einzelzüge, die mit der ganzen Periode zusammenhängen, darstellen. Ich habe indessen den schwereren Weg gewählt, f' eigen gemacht hatte, auch selbst über diese Periode Studien »macht hatte, kam ich zu der Erkenntnis, daß alle diese unklaren Episoden zu einem Ganzen zusammengefügt werden können, daß in •einen Hauptzügen historisch ist oder doch der Geschichte sehr nahe steht. Ich habe mit Davids Jugendzeit angefangan und mit seinem Tedestage aufgehört. So habe ich nicht nur David in allen seinen Zügen dargestellt, sonderjj auch die Zeit Sauls und das ganze Volk während jener interessantesten Periode der jüdischen Geschichte. Die Größe und Reichhaltigkeit der Zeit und des Materials werden dm Umfang des Roman« rechtfertigen, der zwei Bände umfassen wird.“ Heinhold Cohn. Zu Ehren des hebräischen Schriftstellers I. D. Berkovici aus New York wurde in Tel-Awiw ein Bemrüßtaigsbanketi unter dem Vorsitz von Bialik gegeben, an welchem etwa 100 Personen, meist Schriftsteller und Lehrer, teQnahmen.

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