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Jüdische Rundschau · 1928-04-27 · Heft 33 (27.4.1928) · page 1

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 33 (27.4.1928)
Date
1928-04-27
Page
– (sequence 1)
Language
German
Belongs to
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Einzelnummer 0£3 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekestraße 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Au8׳»n<iSBboan«1B«nts werde«! 10 der Währung der einzelnen Linder berechnet Anzeigen -Verwaltung Jüdische RundschauG.m.b.H..Berlin W15, Meinekcstr. 10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon: Bismarck 7165-70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 £5r Österreich: Postzpark»t**n*mt Wien, Konto Nr. 156030 o 1h*choslow&k״ci: r0*t*p11׳ka*ee1umi Prag, Konto Nr. 5941a rflr Polen 5 Postsplrkaasenamt Warschau, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 33 | Berlin, 27. IV. 1928 Anzeigenpreis 8 gespaJtNonpareülezeile 0,50 G-M.Ste!leafe«1eh®0,25 G־״M. Anzeigenschluß: Dienstag and Freitag nachmittags 4 Uhr. ז׳ אייר חרס״ח | xxxm. jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer öffentlich rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.** Die ionische not in Rußland Moskau, 22. April. (J. T. A.) In der Sitzung des Zentralexekutivkomitees der Regierung der Sowjet-Union brachte das jüdische Mitglied de« Zenfralexekutivkomitees, B e i I i n, er- «hütternde Tatsachen über die fortschreitende wirtschaftliche Verelendung der jüdischen Massen in Rußland vor und forderte die Flüssigmachung weiterer Summen zur Verbesserung der Lage der Juden in den Städten und Städtchen. Nach einem eingehenden Bericht über die Judenfrage in Rußland zog Beiiin die folgenden Schlußfolgerungen: ״Es ist anzyerkennen, daß die Regierung ehrlich bestrebt ist, die Lage der ihrer Wirtschaft'ichen Existenz beraubten Juden dadurch zu verbessern, daß sie ihnen Siedlungsland unentgeltlich überläßt und ihnen durch Barzuschüsse dazu verhilft, sich auf dem ihnen gegebenen Boden als Bauern seßhaft zu machen. Allein verglichen mit der wirklichen Lage der jüdischen Bevölkerung, besonders in der Ukraine und in Weißrußland, sind die zur Verfügung gestellten Summen allzu gering. Es sind keinerlei Mittel vorhanden, um den in den Städten zurückbleibenden kompakten jüdischen Massen der erwähnten Länder zu hellen. Das jüdische Problem in Rußland ist trotz der begonnenen Kolonisationsarbeit noch lange nicht gelöst. Was das Siedlungswerk selbst betrifft, so ist zu sagen, daß Beilin ging zur Behandlung der Frage des Rayons Biro- B i d s c h a n über. Bellin drückte seine Unzufriedenheit darüber aus, daß für die Arbeit in Biro-Bidscban nur eine Million Rubel zur Verfügung gestellt worden ist. Was kann man, sagte Beilin, mit einer Million Rubel anfangen, wenn es gilt, eine größere Masse im neuen Lande anzusiedeln? Weit, weit rößere Summen sind erforderlich. Leider besteht keine i of f n u n g, daß die ausländischen jüdischen Organisationen das Werk von Biro-Bidschan unterstützen. Jene ausländischen Organisationen, schloß Beilin, Agro-Joint nicht ausgenommen, machen viel mehr Lärm als sie arbeiten. Sie sammeln Gelder für die Kolonisation in Rußland und geben sie für andere Zwecke aus. Die Regierung allein muß hefen! * Moskau, 23. April. (J. T. A.) Angesichts der zunehmenden Verschlechterung der wirtschaftlichen Lage der jüdischen Bevölkerung in den Städten beschloß das Präsidium des ukrainischen Zentralexekutivkomitees, Kommissionen zu entsenden, die die Wirtschaftslage der Juden in den Städten studieren und Vorschläge zur Verbesserung dieser Lage aus* arbeiten sollen. der für eine Landansiedlung von Juden in Betracht kommende Boden bereits erschöpft ist; die Urbarmachung noch nicht anbaufertigen Landes erfordert aber sehr große Summen. Demgegenüber hat KOMZET für das Jahr 1928 im ganzen U/a Millionen Rubel zur Verfügung gestellt, wovon eine Million Rubel für das Werk in Biro-Bidschan bestimmt ist. Die für Weißrußland bestimmte Summe von 20 030 Rubel ist lächerlich gering. Die Lage der Juden in den kleinen Städten wird infolge des Wachstums der kooperativen Bewegung, die den jüdischen Zwischenhandel ausschaltet, immer aussichtsloser. Die jüdische Bevölkerung verliert immer mehr die Grundlage ihrer Existenz. Die Regierung muß unbedingt etwas tun, um diesen Menschen zu helfen, sich eine neue Grundlage für ihre Existenz zu schaffen. Sie muß ihnen dazu verhelfen, ein Handwerk zu erlernen oder in der Industrie Anschluß zu finden. Die Sümpfe in Weißruß־ ui*׳ für die Juden zu gewinnen.« * Pogromgeneral Wränget gestorben ln Brüssel starb vor einigen Tagen der weißgardistische General W r a n g e 1, an dessen Namen sich eine der traurigsten Leidenszeiten der Juden in der Ukraine und in der Krim knüpft. Neben Petljura, Denikin Machno, Semjonow wird auch der Name Wrangels in der jüdischen Geschichte ״unvergessen“ bleiben. Trotzdem Wränge! und seine Armee mit den scheußlichsten Ausschreitungen in Verbindung standen und Zehntausende von unschuldigen Juden hingemordet haben, fand er der Reihe nach in Bulgarien, Serbien und schließlich in Belgien Zufluchtsstätten und Unterstützung- Wrangel hatte Herrschaft stürzen könne. Diese Beziehungen nützte er bis zu seinem Tode aus. Für die Verbrechen an unschuldigen Juden äß' er• ebensowenig zur.'• :j|§<fpni#jt|t gern Die Hadassah gegen Lipsky New York, 24. ApriL (J. T. A.) Der Nationale Ausschuß der Frauen- und Mädchen-Organisation Hadassah in den Vereinigten Staaten hat in seiner heutigen Sitzung die Stellung 7.u der Leitung der Zionistischen Organisation in Amerika geklärt. Der Ausschuß faßte einen Beschluß, ln dem erklärt wird, daß die Hadassah der Leitung der amerikanischen Organlsation durch Louis Lipsky kein Vertrauen entgegenbringt. In einer zweiten Resolution wurde der Präsidentin der Hadassah, Frau Irma Lindheim, das Vertrauen ausgesprochen. In einer besonderen Entschließung wurde ausdrücklich festgestellt, daß bei aller Kritik, die die Hadassah an der Verwaltung der Zionistischen Organisation Amerikas üben muß, sich die Hadassah nach wie vor als ein integrierender Bestandteil der amerikanischen Organ!- sationbetrachtet. Wie die J.T. A. Inoffiziell erfährt, sind die Delegierten der Hadassah für die Konvention der amerikanischen Zlonisten angewiesen worden, den folgenden bestehenden Plan zu unterstützen: Die Konvention wählt ein aus sieben Personen bestehendes Komitee, welches aus seiner Mitte den Führer wählt. Frau Lina Straus, die Gattin von Nathan Straus, verlas in der Sitzung des Hadassah-Natlonalkomitees eine Erkiärung im Namen ihres Gatten und in Ihrem eigenen Namen, die sich mit der Haltung der Hadassah gegenüber Louis Lipsky einverstanden erklärt und fest'teilt, daß die jetzige zionistische Leitung In Amerika in ihren Methoden den Interessen des Zionismus nicht dienlich ist.!¥.- F.- Anleihe - Pläne der amerikanischen Zionisten New York, 22. April. (J, T. A.) Louis Lipsky be- «tätigte heute Pressevertretern gegenüber die schon seit langer Zeit umgehenden Gerüchte, daß die amerikanische Zionistische Organisation mit einer Gruppe von Wallstreet-Bankiers Verhandlungen über eine Anleihe für Palästina- Zwecke in Höhe von 2J4 bis 32/י Millionen Dollar pflegt. Samuel Unterraver, der juristische Berater der amerikanisehen Zionistischen Organisation, teilte der J. T. A. mit, daß die Rückzahlung der Anleihe durch die normalen Eingänge beim amerikanischen Komitee des Jüdischen Nationalfonds?i -bergestellt ist. ■ Moslem-Protest gegen die Mission Jerusalem, 24. April (J. T. A.). Die Führer der Mohammedaner in Palästina haben eine Protestresolution gegen die Ereignisse in Gaza, sowie gegen die christliche M issi ons tät igkei t im Orient an Lord Plumer, das Londoner Kolonialamt, den König von England, die Regierungen Italiens und Frankreichs und an alle molammedanischen Herrscher telegraphisch gesandt — 111 Gaza .vurde bekanntlich auf Moslemiten, die gegen die Abhaltung ies Missionskongresses in Jerusalem protestierten, geschossen. Des Falles Haas letztes Kapitel Die im Magdeburger Falle Haas am stärksten kompromilderten richterlichen Beamten Kö 11 ing und Hoffmann hatten sich in zweiter Instanz vor einem Disziplinargericht in Berlin wegen ihres Verhaltens in der Voruntersuchung der Mordaffäre Schröder zu verantworten. Was wir schon seinerzeit betont haben, kam auch während der öffentlichen Disziplinär- Verhandlung in Berlin zum Ausdruck: Kölling und Hoffmann sind subjektiv bestens Glaubens gewesen, als sie im jüdisehen Fabrikanten Haas den Mordanstifter erblickten. Nur daß dieser ״beste Glaube“ auf Grundlage eines eingefleischten Mißtrauens gegen die Juden erwachsen war. Noch heute sind beide Herren überzeugt, daß eine jüdische Verschwörergesellschaft am Werke war, um den verdächtigen Fabrikanten Haas zu befreien, einerlei ob dieser schuldig oder unschuldig gewesen ist. Denn wie anders soll man die vorsichtig formulierten Worte Hoffmanns deuten, der noch immer behauptet, er glaube an die Möglichkeit von der Schuld des Rudolf Haas. Aus der zurückhaltenden Stilisierung vor Gericht ins Gemeinverständliehe übersetzt, heißt das nichts anderes, als daß Kölling und Hoffmann noch heute des Glaubens sind, daß seinerzeit durch jüdischen Einfluß Minister S e v e r i n g und Oberpräsident H ö r s i n g bestimmt wurden, für Haas einzutreten und in ein schwebendes Verfahren einzugreifen, einzig und allein darum, weil die jüdische Verschwörergesellschaft es so haben wollte. Man geht nicht fehl, wenn man annimmt, daß es in Deutschland außer Kölling und Hoffmann noch viele Leute gibt, die der gleichen Ansicht sind, obwohl die durchgefükrte Schwurgerichtsverbandlung unzweideutig die Alleinschuld Schröders dargetan hat. Mit Logik und Tatsachen kann man tief im Blute sitzende Vorurteile nicht widerlegen. Das ist die traurige Lehre, die man als Jude aus dieser ganzen Geschichte ziehen kann. (Jrtmsbaw im Waad Leomi Die Mitglieder der Labour Party H. A. Grimshaw und Professor Ä. W. Tawney von der Londoner Universität statteten vor ihrer Abreise aus Pa’ästina dem Büro des Waad Leumi einen Besuch ab und äußerten *sich sehr befriedigt über das, was sie in Palästina gesehen haben. Grimshaw betonte, daß er den Zionismus bereits durch Dr. Weizmann und Dr. Jacobson kenne und sich auch der Delegierten in Genf erinnere. Jeder könne für diese Bewegung nur Sympathie und Bewunderung haben. Grimshaw, der bekanntlich der Permanenten Mandatskommission des Völkerbundes angehört, sagte, die von den Juden geleistete Arbeit sei, wenn man sie persönlich sehe, viel bedeutender, als es in den Berichten der Mandatskommission den Anschein habe.! ■ Emile Vandervelde ist in Anerkennung seiner Verdienste um die Arbeiterbewegung in Palästina in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds eingetragen worden. Die Anwesenheit Vanderveldes in Palästina rief besonders bei der Arbeiterschaft Enthusiasmus hervor. Erklärungen der Palästina - Exekutive (Spezialbericht der ״Jüdischen Rundschau“.) F. L. Jerusalem, den 18. April 192S. Die Wiederaufnahme der Pressekonferenzen im Hauptbüro des Keren Hajessod gab der neuen Palästina- Exekutive, vertreten durch Miss Szold und Herrn Van Vriesland, zum ersten Male Gelegenheit, vor einer großeren palästinensischen Oeffentlichkeit grundsätzlich über das Arbeitsprogramm der Palästina-Exekutive, ihre bisherige Leistung und ihre Pläne für die Zukunft zu sprechen. Der Wert der Pressekonferenzen liegt gerade darin, daß in ihnen ein unmittelbarer Kontakt der Palästina-Exekutive zur palästinensischen Oeffentlichkeit ermöglicht wird. Ein solcher Kontakt ist stets notwendig; bei der gegenwärtigen Exekutive aber weit mehr als bei der früheren, denn in der gegenwärtigen Exekutive sind keine Vertreter palästinensischer Gruppen wie es früher der Fall war. Da? Forum, vor dem die Mitglieder der Exekutive sprachen, ist im Grunde mehr als ein Forum von Redakteuren und Zeitungskorrespondenten; denn viele dieser Journalisten sind zugleich Führer der einen oder anderen Gruppe des Jischuw. Das hat die Kon- Sequenz, daß die Fragestellung, die zugelassen ist, sehr schneJJ den Charakter einer Generaldebatte annimmt, und daß die äußerlich bewahrte Frageform in Wahrheit nur parlamentarische Interpellationen verdeckt, die mit dem charakteristischen ״Ist es der Exekutive bekannt?“ beginnen. Aber das ist unvermeidlich und kein Unglück: man kann schwer zwischen dem journalistischen und dem zionistischen Teil der Persönlichkeit unterscheiden und sagt, was man auf dem Herzen hat. Es soll hier nicht unternommen werden, ein Bild der Referate (Leib J a f f e über Keren Hajessod, ffea- ■sflÄe Van Vriesland über die Finanzpolitik der Exekutive), der Diskussion und der Schlußworte zu ' geben, auch nicht des temperamentvollen und eindrucksvollen Schlußworts von Henriette Szold. Der Leserkreis der ״Jüdisehen Rundschau“ ist über den Umkreis der Probleme und über die gegenwärtige Lage des jüdischen Palästina, der Palästina-Exekutive und der zionistischen Bewegung im allgemeinen informiert. Man weiß, daß eine merkliche Besserung der Lage in Palästina zu verzeichnen ist, daß dagegen die finanzielle Lage des Keren Hajessod und der Palästina-Exekutive noch sehr ernst sind, man weiß, daß die Zukunft zu einem erhebliehen Teil davon abhängt, ob und in welchem Umfange Amerika imstande sein wird, trotz der inneren Zwistigkeiten, seine Verpflichtungen gegenüber dem laufenden Budget zu erfüllen. Das große Fragezeichen, das heute durch die Lage in Amerika hinter alle Pläne und Vorausberechnungen gesetzt werden muß, war in jedem Satz zu spüren, den die Mitglieder der Exekutive aussprechen. Die gegenwärtige finanzielle Lage ist keineswegs an sich ungünstig, denn die Palästina-Exekutive hat von der Leitung des Keren Hajessod alles erhalten, was sie budgetmäßig zu erhalten hatte und hat infolgedessen mit der Zahlung alter Verpflichtungen beginnen können. Aber das war nur dadurch möglich, daß der Keren Hajessod für die aus Amerika rückständige Summe von £ 35.000 (dies ist die richtige Ziffer) kurzfristige Anleihen aufgenommen hat, für deren Rückzahlung man damit rechnen muß, daß Amerika die Rückstände nachholt. So war es überaus schwer, konkret auf die drängenden Fragen zu antworten, die in der Diskussion gestellt wurden. Die Forderung nach Wiederaufnahme der Alijah, der Gedanke an die Organisationen des Hechaluz und das ihr zur Verfügung stehende Menschenmaterial; die Forderung nach neuer Kolonisation, für die auch im Lande selbst ausgebildete Kräfte zur Verfügung stehen und ungeduldig warten; das Problem des jüdischen Arbeiters in der Pflanzungskolonie, dessen Ansiedlung und Verwurzelung zu den drängendsten Aufgaben des Tages gehören; allgemein die Frage, ob die drei von Van Vriesland unterschiedenen Epochen: Balanzierung des Budgets, Konsolidierung des Bestehenden, Neuaufbau, — wirklich drei voneinander verschiedene Epochen sein müssen oder ob schon das nächste Jahr den Wiederbeginn neuer Einwanderung und Kolonisation bringen kann: auf alle diese Fragen gaben die Mitglieder der Exekutive keine befriedigende Antwort und konnten sie nicht geben, weil das große Fragezeichen, die voraussichtliche Höhe der Einnahmen, eine klare Antwort verhindert. Wird das Budget voll aufgebracht, so sind die verantwortlichen Personen der Palästina-Exekutive durchaus optimistisch: dann kann im laufenden Jahre die Hälfte des Defizits abgetragen und zugleich die Konsolidierung unserer Wirtschaften weit gefördert werden und es liegt dann jedenfalls im Bereiche des Möglichen,

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