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Jüdische Rundschau · 1928-04-24 · Heft 32 (24.4.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 32 (24.4.1928)
Date
1928-04-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 230 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 32, 24. W. 1928 seit seinem theatralischen Abgang vom Kongreß offenkundig. Seit damals ist aber sicherlich nichts geschehen, was unsere politische Position verschlechtert oder auch von dem schärfsten Kritiker Dr. Weizmanns als eine politische Niederlage hätte gedeutet werden können. Während der Reise des Kolonialministers Amery nach Canada hatten die amerikanischen Zionisten Gelegenheit, in Ottawa dem Minister persönlich ihre Ansicht über Englands Versagen bet der Durchführung des Mandates auszusprechen. Leider hat an dieser Delegation Dr. Wise nicht teilgsnommen, obwohl dies den Intentionen der Londoner Exekutive durchaus entsprochen hätte. Dr. Wise hätte vielleicht bei dieser Gelegenheit der zionistischen Sache einen wichtigen Dienst leisten können, zugleich aber hätte er auch, was nicht minder wichtig ist, aus eigener Erfahrung die Anschauungen der für die Verwaltung Palästinas verantwortlichen Stelle kennen gelernt. Die Demlssion Dr. Wise’s ist dadurch charakterisiert, daß sie nicht an ein bestimmtes zionistisches Ereignis, sondern an die Ankunft Dr. Weizmanns in Amerika anknüpft. Wise ist seit langer Zeit ein Gegner von Weizmanns Politik, die er nur sehr widerwillig mitmachte. Dies mag seinen Hauptgrund darin haben, daß zwischen ihm und Louis Marshall eine erbitterte Feindschaft besteht, die freilich keine Gründe zionistischen Charakters hat. Abgesehen von Dr. Wise’s Rücktritt ist vor allem die Demission des bisherigen Finanzreferenten des U. P. A., Rosensohn, zu verzeichnen, der offenbar mit dem Fortgang der finanziellen Transaktionen, für die er selbst seit einem Jahre verantwortlich ist, nicht zufrieden war. Das wichtigste Problem jedoch ist die Stellung der ״Had a s s a h“, die in der Erklärung von Mrs. Lindheim zum Ausdruck kommt. Mrs. Lindheim sagt ausdrücklich, daß ihre Opposition sich nur gegen die amerikanische Leitung richtet, nicht gegen die Weltexekutive. Hier wird also der lokale Charakter des Konfliktes besonders betont Diese Differenzen waren bereits bei der vorjährigen Convention in Atlantic City zum Vorschein gekommen. Interessant ist dabei der Angriff gegen die Bürokratisierung der Bewegung. Es wird hier an ein Problem gerührt, das wirklich zu den brennendsten der g a n z e n Bewegung gehört und das heute niemand leugnen kann, am wenigsten die Beamten selbst Ob die Konferenz der Brandeis-Gruppe, die von d e Haas organisiert wurde, zustande gekommen ist, ist noch nicht bekannt De Haas bemüht sich seit langem, eine schlagkräftige Opposition unter der Parole ״Zurück .zu Herz!“ zu organisieren. Vielleicht wird sich Dr. Wise jetzt mit ihm vereinigen. Auch die Hadassah wollte zu einer solchen Konferenz eine Delegation schicken, wahrscheinlich zunächst als ״Beobachter“. Es ist aber vorläufig nicht anzunehmen, daß diese Vorstöße die Masse der amerikanischen Zionisten sonderlich irritieren werden. Dennoch muß man der nächsten Convention und der web teren Entwicklung der Dinge mit großem Interesse entgegensehen, denn die innere Schwächung des gegenwärtigen Regimes der amerikanischen Zionisten, die seit einem Jahre fortschreitet, bringt alte Gegensätze, die jahrelang bloß verschleiert, nicht verschwunden waren, wieder an die Oberfläche. Stephen Wise selbst ist In seiner zionistisehen Praxis als Präsident des ״Jüdischen Kongresses“, als Mitgründer des ״Rates zum Schutz der jüdischen Minderheitsrechte“ und als engerer Kampfgenosse der osteuropäischen ״Radikalen“ zwar ganz von der Brandeis-Doktrin abgewichen; aber er hat wohl eine feine Witterang für die Kräfteverhältnisse und Stimmungen im amerikanischen Zionismus, die jetzt sich wieder zugunsten des westeuropäischen und gegen das osteuropäische Führerelement zu verschieben scheinen. Dennoch ist gerade jetzt, wo die prinzipiellen Anschauungen sich einander fast völlig angenähert haben, in dieser entscheidenden Zeit des Lieberganges zu einer zweiten Etappe der rationalisierten Aufbauwirtschaft nichts so notwendig wie eine Synthese der Kräfte, auch im amerikanischen Zionismus. * ״The Näw Palestfne“, das Zentralorgan der amerlkanlschen Zionisten, brachte am 6. April einen Leitartikel, von Maurice Samuel betitelt ״Männer und Prinzipien", worin er im Zusammenhang mit den neuesten Angriffen gegen Dr. Welzmann in Amerika das Problem des zionistischen Führertums erörtert. Technische Leistungsfähigkeit (. cF'idency‘‘) sei zwar sehr wichtig, aber in einer Bewegung von sekundärer Bedeutung, da man Menschen mit dieser Qualität für bestimmte Funktionen unbedingt haben und engagieren muß, man dürfe jedoch diese Selbstverständlichkeit nicht zum Merkmal des Führertums machen wollen. Das Führertum bestehe vielmehr in der Fähigkeit, Menschen zu gewinnen, die Liebe von Massen zu erobern, vor allem in bedingungsloser und hundertprozentiger Hingabe an die Idee. ״Man hat uns" — fährt Samuel fort — ״alle Arten Führerschaft angeboten, von ,und h‘barem‘ Führertum bis zu ,Buchhaltungs'-Führertum, aber all dies w׳ar nur ein Teil-Führertum. Es wollte nur einen Teil seiner Zeit hergeben. Was für Leistungsfähigkeit ist das? Wer hat jemals etwas gehört von Abena-Führerium, von beratendem Führertum, von verborgenem Führertum.“ Nicht schön ausgesponnene Prinzipien, sondern der Mann, der sie verkörpert,Ist die Hauptsache.... Dr. Weizmann hat in einer A. C.-Sitzung Rückendeckung gefordert. Er hat sie niemals gehabt. Die Opposition hat stets die tägliche Arbeit der Bewegung, die Sammlung von Geldern usw. sabotiert. Dies ist geradezu Verrat. Trotzdem hat Dr. Weizmann ausgeharrt. Er hat uns 1923 vor übermäßigem Optimismus gewarnt, er hat in den schwersten Tagen, die jetzt vorüberzienen, seine Festigkeit bewahrt, und heute sagt er voraus: Es wird wieder einen Aufschwung geben und dann wieder eine Krisis und so ein dauerndes Auf und Ab von Fortschritt und Stillstand. Von diesen Worten können die Schwächlinge lernen. Die schönsten Prinzipien nutzen nichts, wenn man uns nicht die Männer zeigen kann, die sie vertreten. Herr Israel Cohen, Generaliekre'är der Zionistischen Oranisation, hat die ihm von der rumänischen Grenze hör de gelegentlich seiner Reise von Rumänien nach Ungam abgenommenen Akten und Briefschaften nunmehr durch Vermittlung der englischen Gesandtschaft in Bukarest wieder 2 urückzuer halten. Zur Frage der Organisationsreform Von Dr. Fritz Millner, Frankfurt a. M. Zweifelsohne besteht die Notwendigkeit einer Organisationsreform, insbesondere einer Kongreßreform. Zweifelsohne erfüllt der Kongreß weder Zulässigkeit, die ihm von seinem Schöpfer zugedachten Aufgaben — was noch kein Fehler sein müßte —noch die, die er heute kraft seiner organisatorischen Stellung erfüllen müßte. — Aber sowohl die Vorschläge Beckers als die Landsbergs (״Jüdische Rundschau", Nr. 2 und 10 dieses Jahres) scheinen geeignet, dem Kongreß den Platz zu geben, der ihm auf Grund der bestehenden Situation gebührt. Es kommt nicht darauf an, ihn allein zur Tribüne für die das Gesamtiudentum angehenden Fragen zu machen unter Ausschaltung aller der Schwierigkeiten, aie sich aus der Behandlung eigentlicher Finanz- und kolonisationspo?bischer Probleme ergeben, so wenig wie die Erörterung von Palästinafragen ihn allein beschäftigen darf. Der Weg Beckers, Verweisung aller Budgetfragen an ein Wirtschaftsparlament — Landsberg hat schon manches gegen ihn gesagt — ist unseres Erachtens aus denselben Gründen abzulehnen, aus denen auch Landsbergs eigene Vorschläge nicht akzeptabel erscheinen. Nicht aus formalen Gründen muß der Kongreß auf se'nem Budgetrecht bestehen bleiben, sondern aus zionistischen. Aus Gründen, auf die Landsberg selbst entscheidenden Wert legt. Das Budget recht des Kongresses ist der Ausdruck für die Tatsache der Verantwortung der gesamten organisierten zionistischen Welt gegenüber Palästina (wobei der merkwürdige Zustand, daß außerhalb eines Landes Befindliche dessen Budget bestimmen, als paradox-symbolisch hier nur angemerkt, aber nicht erörtert sei). Diese äesamtverantwortlichkeit muß dein Kongreß Vorbehalten bleiben, wenn man auch das Aktionskomitee einen kleinen Kongreß forma! zu nennen berechtigt wäre. Gerade be! der Art der Beschickung des A.-C.» bei der Auswahl der für es in Betracht kommenden Mitglieder ist eine sachliche, von wirklichen Kenntnissen getragene Budgetberatung nicht ohne weiteres gewährleistet. Mit Recht bilden die po'i'Pchen Führer der Gruppen oder Landsmannschaften die Mitglieder des A.-C. und bei den vorhandenen, hier gar nicht zu erörternden Versteinerungstendenzen, denen gerade ein derartiges Gremium unterworfen ist, dürfte es ungeeignet sein für eine ständi ge Budgetbestimmung, wenn man auch auf die Zwangsläufigkeit unserer Ausgaben bei den nur geringen überhaupt zur Verfügung stehenden Mittel hinweist Aufgabe der Demokratie ist es, zum mindesten breite Auswahlmöglichkeiten zur Heranziehung der geeigneten Persän'ichkeiten zu schaffen. Diese sind immerhin stärker durch den Kongreß gegeben, der seine Budgetkommission entsprechend besetzen kann. — Dabei sind die Gründe noch nicht erwähnt, die sich aus der Zusammenarbelt der verschiedenen für die endgültige Büdgetfeststellung notwendigen anderen Kommissionen (Arbeit, Schule, Sanitätswesen u. a. m.) ergeben und die gleichfalls durch die Auswahlchancen des Kongresses ihre dynamische Bedeutung erlangen. Ueber die technischen Fragen der Budgetberatung und Be- Schließung im A.-C. und im Kongreß sei dabei noch nicht gesprochen, nur darauf hingewiesen, daß endgültige Budgetfest־ Setzungen doch nur nach einer einigermaßen durchgearbeiteten Ressortbudgetierung möglich sind (der Zu ammen'iang mit der Frage der Schaffung eines tüchtigen, sachlich-qualifizierten Beamtenapparats zeigt sich hier ohne weiteres), wenn natürlich auch bei und in unseren noch relativ kleinen Verhältnissen n:cht ohne Einschränkung die bei anderen Ländern und anderen Parlamenten geübte Budgetvorbereitungsformen anwendbar sind. Nicht starres Festhalten an rein äußerlich demokratischen Formen, an denen uns nichts liegt, läßt uns also den Landsbergschen und- Beekersclien Vorschlägen widorsprech n, ■sondern die Meinung, daß wesentliches Kennzeichen und erst* Aufgabe unseres zionistischen Kongresses ist, Mittelpunkt der Bewegung und Tragpfeiler der Gesamtverantwortung zu bleiben. Darum ist das Budgetrecht nicht ein Scheinrecht des Kongresses. Uebertragung des Rechtes auf das A.-C. ln der Meinung, daß es in diesem Gremium verantwortungsvoller gehandhabt würde, bedeutete im Gegenteil Minderung der notwendigen Verantwortung unserer Institutionen. Leitet die Budgetkommission, neu stets wählbar und in lebendiger Verbindung mit dem Kongreß und seinen anderen Kommissionen, nicht auch ihr Recht vom Kongresse ab sowie das A.-C., ein Punkt, auf den Landsberg besonderen Wert zu legen scheint? Mangelnde Zeit ist es aber doch wohl nicht, die Veranlassung geben könnte, dem A.-C. das Budgetrecht zu übertragen, weil der Kongreß von zu kurzer Dauer sei. Länger als ein Kongreß dürfte auch das A.-C, oder eine aus ihm gewählte Subkommission sich nicht mit dem Budget beschäftigen können, wenn nur die Zeit der Vorbereitung des Kongresses und auf diesem selbst richtig eingeteilt ist. Damit kommen wir zur Hauptfrage: Wie kann der Kongreß Tribüne des Gesamtjudentums, Formen der Auseinandersetzung mit ihm wieder werden, gleichzeitig aber seine Aufgabe in bezug auf die praktischen Fragen des Palästinaaufbaues lösen? Er kann Tribüne des Gesamtjudentums werden, indem er die Lage und Probleme der Juden in den Ländern der Diaspora in großzügigen, vorbereiteten Referaten behandelt und das dazu sagt, was vom zionistischen Standpunkt dazu zu Sagen Ist. Das große Vorbild hierfür wären die Reden Nordaus auf den damaligen Kongressen. Freilich mag es oft schwierig sein, ohne die Selbstständigkeit landsmannschaft'idier Poti ik in Frage zu stellen, derartige Gesamtüberb'icke und entsprechende SteThmgnahmen zu geben. Aber diese Schwierigkeiten wären wohl zu überwinden und würden auch gleichzeitig die Wirkung haben, daß die Grundprinzipien zionistischer Gahrthpolitik überhaunt neu durchdacht werden. Der Kongreß aber kann weiterhin seinen Einfluß auf das Budget in allen seinen Teilen und Abteilungen behalten, ohne in oft unsach'ichen Einzelberatungen seine Kraft zu vergeuden, wenn er den Kommissionen er• weiterte Rechte gibt, die eigenen aber einschränkt, insofern nur die von den Kommissionen zur Ent- Scheidung vorgelegte Voten, eventuell Mehrheits- und Minderheitsvoten angenommen oder abgelehnt werden dürften, nach Anhörung je eines von den Kommissionen bestimmten Sprechers. (Diese müßten dabei nicht unbedingt selbst Kommisslonsmitglleder sein!) — Die langwierigen, Zeit verbrauchenden und meist unkonzentrierten Diskussionen ira Plenum fielen so fast ganz weg, dennoch aber behielte der Kongreß selbst den bestimmenden Einfluß au! (tie letzte Entscheidung ln Budgetfragen. Er könnte äußerstenfalls ein Ressortbudget oder das Gesamt- Berliner Zionistische Vereinigung Mittwoch, den 23. April! übend■ 8>/j Uhr in den Sophiensälen, Sophienstra&e 17/18 (Hackescher Markt) Auf vielfache Anregung Wiederholung des Vortrags von Dr. Altxander Goldstellt ober: ״Die Juden des fernen Ostens“ budget auch ablehnen. Die daraus entstehenden Folgen wären nicht andere als die, die bei gleich gelagertem Falle im A.-C. eintreten würden. Eine neue Beratung müßte vorgenommen werden. Wenn aber die Kommissionen ein wirklich durchearbeitetes Material bei Beginn ihrer Arbeiten vorfinden, wenn azu die Exekutive exakte Vorschläge unterbreitete, wie dies zum Teil beim letzten Kongreß schon geschehen ist, und wenn schließlich der Fachberarbeiter der Exekutive den Kommissionsberatungen ständig beiwohnte und Rede und Antwort stände, so würde diese angedeutete Möglichkeit einer Zurückweisung von Kommissionsvorschlägen ohne entscheidende Beschlußfassung wohl gar nicht akut werden. Ein gut Stück Arbeit kann und muß in den dem Kongreß vorausgenenden von der Exekutive bzw. ihren Beamten geleistet werden, und ausgebreitet« Vorschläge dieser Exekutive hätten den weiteren Vorteil, von Anfang an klar Pläne und Richtung der künft igen Arbeit dieser Exekutive kennenzulernen für den Fall, daß sie im Amt bleibt. Spielen bei unseren Verhältnissen bei der Frage der Exekutivbildung augenblicklich auch mehr politische Fragen die Hauptrolle, so dürfte unter Umständen sich hierin doch bald eine gewisse Wandlung vollziehen. Budgetvorschlä^e für kominende Arbeitsperioden aber sagen in manchen Hinsicht auch Wesentliches aus über die politischen Absichten der künftigen Arbeit. Wir glauben, daß es auf diese Weise möglich sein dürfte, im Verlaufe von etwa fünf bis sechs Tagen in den Kommissionen die Arbeit zu bewältigen, während in den übrigen sechs bis acht Tagen, zu Beginn und gegen Ende des Kongresses, die Generaldebatte geführt, die Judenfrage in den Ländern erörtert und die Beschlußfassung über das Oesamtbudget vorgenommen werden könnte. Die Wahl der Exekutive selbst dürfte zweckmäßigerweise dann vor Beschlußfassung über das Budget erfolgen. Die ersten Siedler lür Biro-Bidschan Moskau, 20. April. (]. T. A.). Die erste Gruppe von Siedlern, die ihre Bereitschaft erklärt haben, im Rayon Biro- Bidschan, der von der Regierung der Sowjet-Union als zukünftiges jüdisches Land bestimmt worden ist, seßhaft zu werden, ist heute nach Bfro-Bidschan abgereist ln diesen Tagen begibt sich eine zweite Gruppe von hundert Siedlern auf den Weg nach dem neuen Siedlungsgebiet. Die Siedler stammen aus den Gouvernements Smolensk, Leningrad und Saratow. Der Führer der jüdischen kommunistischen Sektionen Meieschin, ferner Herr Raschkes und der Agronom- Professor Bruk begleiten die Siedler, Landeskonferenz der Zionisten Finnlands Aus Helsingfors wird, uns berichtet: Am 8. und 9. April fand in Helsingfors die Landeskonferenz finnischer Zionisten statt. Nach Empfang der Delegierten durch die Gemeindeverwaltung von Helsingfors uoa nach einer warmen Begrüßungsansprache des Rabbiners Dr. Trestaunn beann die Konferenz unter dem Vorsitz des Präses der jüischen Gemeinde ihre arbeitsreiche Tagung. Die wesentliche Aufgabe der Konferenz galt der Reorganisation und besonders der Vereinheitlichung mehrerer zionistischer Sondervereine. Im Aufträge der Exekutive nahm Dr. Werner Bloch an der Konferenz teil und war bemüht, die Erfahrungen ln der or- Kassatorischen Arbeit in anderen Ländern für die Verhältnisse ui Finnland nutzbar zu machen. Die Tagung wurde ihrer Aufgabe gerecht, beschloß eine organisatorische Zusammenfassung aller Zionisten Finnlands und wählte einen arbeitsfähigen und arbeitsfretidigen Merkas. Td-Awiw gegen Iranslordaiiscbe Greurtmppe Jerusalem, 19. April. (J.T.A;> Die Regierung hat die Wettspiele der sogenannten ״transjordanisenen Grenzwacht“, die in der jüdischen Stadt Tel-Awiw zugunsten der Erdbebengeschädigten hätten stattfinden sollen, wegen der gegnerischen Haltung der Stadtverwaltung und der Bevölkerung von Tel-Awiw abgesagt. Kongreß der j&dlsehen Studenten Frankreichs Paris, 13. April. (J.T.A.) Am 12. April wurde unter dem Vorsitz von Schalom Asch in Paris der zweite Kongreß der jüdischen Studenten Frankreichs eröffnet Vertreter der Pariser Munizipalität, der Präfektur, der Polizei und des Unterrichtsministeriums begrüßten den Kongreß. Grüße sandten auch der Rektor der Sorbonne, ferner Prof. Einstein, Prof. Justin G o d a r t, der Präsident des Komitees France-Palesttne u. v. a. Im Namen der Zionistischen Organisation sprachen Naiditsch und Zlatopo.lski, im Namen der jüdischen Bevölkerung Palästinas sprach M. Dizengoff. Der General- Sekretär des Verbandes der jüdischen Studentenvereine Frankreichs, Ing. Mangel, setzte das Programm der Konferenz auseinander, das sowohl geistig-kulturelle, als auch rechtliche und endlich wirtschaftliche Fragen der Studentenschaft umfaßt Mit großer Begeisterung wurden die Ansprachen der Dichter Schafom A sen und David Einhorn aufgenommen. Am zweiten Konferenztag wurde die Vereinigung aller jüdischen Studentenvereine Framereichs vollzogen und ein Exekutivkomitee gewählt. Unterrichtsminister Edouard H e r r i o t empfing eine Abordnung des jüdischen Studentenkongresses, die ihm den Dank namentlich der ausländischen jüdischen Studenten für das Wohlwollen, welches Regierung und Universi'lten dieser S'udenfenschaff zuwendet, aussprach. Herriot versicherte, daß Frankreich keinen Unterschied kennt zwischen Studenten verschiedener Abstammung. Die Vertre'er der jüdischen Studentenschaft mögen sich stets vertrauensvoll an ihn wenden. Auf dem Kongreß kam es zu einem Konflikt zwischen Zionisten und Kommunisten, der jedoch beigelegt wurde. AäsiiBiltialcn-BIfllc Im ״B e r I i n e r T age b l a 11“ erzählt HeinrichMaaa von Drohbriefen, die er wegen seiner mangelnden nationalen Gesinnung erhalten hat. Er beurteilt diese seine Gegner wegen ihrer offenbaren inneren Haltlosigkeit ironisch milde, erzählt jedoch noch folgende Episode: ״Dem Herrn, der neulich in Paris auf mich zukam, hatte nicht einmal der Luftwechsel helfen können. Tschechoslowakischer Jude, ansässig In Paris und dabei deutschnationalJ Er war eigens erschienen, es mir zu sagen und mir seine vollkom mene Mißbilligung auszusprechen —־ dies aber in einer Gesellschaft, die mein französischer Verleger für mich zusammengebeten hatte, und in der jener gemischte Nationalist der einzige seiner Gattung war. Er wana sich denn auch vor Verlegenheit und im Gefühl seiner verfehlten Eigenart, hielt aber durch. Solchen Feinden kann ich nur die Hand drücken.“ Ist das zum erstenmal, daß Heinrich Mann gerade bei jüdisehen Assimilanten diesen komischen furor teutonicus findet? Er brauchte dazu nicht einmal nach Paris zu fahren. Die Exekutive der Wizo (Weltorganisation zionistischer Frauen) hat beschlossen, die zweite Council-Sitzung auf den 3., 4. und 5. Juli 1928 nach Berlin einzuberufen.

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