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Jüdische Rundschau · 1928-04-17 · Heft 29-30 (17.4.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 29-30 (17.4.1928)
Date
1928-04-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
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UNTERHALTUNGS-BEILAGE 17. April 1928 DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Nr. 29/30 |&esd1id1te11 von meinem Großvater | Von Ludwig Strauß. Ludwig Strauß!!• -t am kamnioriftea rKtnocixlag iu Berlin üIk'1־ ,,Di'ulscher Gci>t und JudcDl.iinx". Meiner Mutter Vater war damit gesegnet, daß seine Gutinten ihm auf Erden, ira Leben und im Tode, vergolten wurden. An einem Sabbat, als er lesend am Tische saß, störten ihn von der Türe her, wo sie feiernd und schwatzend gestanden hatten, die erschrockenen Töchter auf, ins Zimmer zu nick-!laufend mit verhaltenem Schreien, zwischen Angst vor denen draußen auf der Stiege und Ehrfurcht vor dem drinnen herm Buche bedrängt Ihnen folgte« drei Handwerksburschen, die lang überm Wandern das Ziel vergessen haben mochten, mit verrissenen Kleidern und verdoppelten Go »ichtcrn, mager und stark, mit frechem Aug׳ dieser, mit irrem jener, mit schrecklich gleichgültigem der dritte. Wie der erste eben den Mund aus zurückgeworfenem Kopf auftat, wies der Großvater kurz im Aufstehen die Mädchen zur Fassung und gewohntem Tun, hieß die Burschen sich auf die Ofenbank setzen, und ehe sie etwas erwidern konnten, saß er auch selber wieder, das Gesicht so unbeirrt ins Bach gerichtet, daß die Wanderer ihn nicht anzusprechen wußten, auch gegen die Mädchen, als die nun ins Nebenzimmer gingen, kein Wort wagten, weil der Alte doch in seiner Versunkenheit so wach gegenwärtig erschien. Die Aelteste kam zurück und brachte den ungebetenen Gästen von dem goldig geflochtenen, mit schwarzem Mohn bestreuten Sahbatbrot und einen Krug frischen Wassers; reichlichere Kost oder gar Geld war im Haus des Großvaters, der wenig geschickt einen kleinen Handel führte, nicht zu vergeben. Mit welcher Absicht sie auch in das abgelegene Haus gekommen sein mochten, die Burschen saßen steif und brav auf der Bank und waren bald zufrieden, das weiße, knusprige Brot an den hungrigen Gaumen zu schmecken. Worauf sie nach einer verlegenen Weile sich mit gemurmeltem Gruß aus der Türe drückten. ln der Nacht zum Montag machte sich der Großvater auf den Weg, am frühmorgens beim Beginn des Markte in einem entfernten Dorfe zu sein. Die Nacht lag dick schwarz auf dem Waldpfad und ringshln; nur das silberne Glimmern faulen Holzes bin und wieder vom Boden auf, sonst war nichts zu sehen. Der Großvater ging den wohlbekannten Weg mühsam and gebeugt, als schleppe er eine Last, obwohl er nur einen leichten Beutel geliehenen Geldes zum Einkauf bei sich trug. Mitten im Wald sprangen von beiden Seiten Männer ihn an, packten ihn bei Hals und Armen und schrien nach seinem Geld. Einer kam noch aus dem Busch, machte den Schein seiner Laterne bloß, und nun stand, geblendeten Angs und stumm vor Furcht und Sorge, abgetan die Würde, die ihm daheim Gewalt gegeben, der Großvater zwischen den drei Keffen, die litt atn Sabbat heimgesucM hatte«. Der mit der tJttfnh leticKtetfe;ihm Ä"Gesicht,'erkäihfe. ihn «ha sägte? .,Laßt ihn gehn; daß ist der Mann, der uns satt gemacht hat“ Sie lösten sich voneinander, und das Licht fiel zwischen sie. Da ging der, welcher geredet hatte — es war der gleiche, der am Sabbat das erste Wort hatte reden wollen und nicht dazu gekommen war —, die Laterne umkehrend voran, und der Großvater schritt ruhig ins Helle, die beiden Gesellen hinter sich, bis zum Waldrand. Dort gab er den Dreien die Hijnd, und sie wandten sich zurück, er vorwärts in die vom nahen Tag ergrauende Ebene. In der kurzen Spanne zwischen dem Tag der Entsühnungen und dem Laubhüttenfest war der Großvater einmal in Geschäften unterwegs und begegnete zwei landfremden,jüdischen Bettlern. Sie gingen ein Stück Weges mit ihm, horchten ihn aus nach den Gemeinden umher und fragten endlich, ob in seinem Heimatsdorf ein gastliches jüdisches Haus sei, wo sie die ersten Feiertage wohl verbringen könnten. Der Großvater bot ihnen das eigene Haus, wofern sie mit dem Lager auf der Öfenbank und schlichtem Essen wollten vorlieb nehmen. Sie dankten und sagten sich zum abendlichen Eingang des Festes an. Dann nahmen sie Abschied vom Großvater, der schnelleren Schrittes, auf hellere Feier zu, weiterging. Am Vortag des Festes schmückte der Großvater selber die Laubhüfte hinterm Haus mit grünem und buntem Laub, hing Astern und Aepfel hinein und Ketten aus Hagebutten, bis kein Fleckchen an Decke und Wänden mehr kahl war, musterte dir bescheidene Pracht und hob über sie weg einen trinkenden Blick gegen die Ocffnang im Dach und die blasse Frische des Herbsthlinmels. Dann ging er ins Haus, mit wanken Knien, in den Augen schwimmend Emtcsdimuek und Himmel, blind gcgen den nur noch ertasteten Weg, fiel schwindlig auf sein Bett hin und starb unter den Händen der Großmutter, die ratlos seine Stirne .strich. Die Söhne waren fern und kein Mann im Haus, eine der Töchter sollte ins Dorf hinüber, Freundesbe!stand m holen. Da kamen die beiden armen Gäste. Die Hausfrau sagte ihnen, wie die Trauer über das Haus gekommen sei statt der Freude, die mitzufeieru sie geladen waren, und riet ihnen, sich ein festlicheres Haus zu suchen. Sie aber, aus lässiger Haltung aufgerichtet gegen die Würde des Todes und groß in den langen schwarzen Mänteln, wehrten mit weit gestreckten Armen solches Tun von sich ab. Wenn der Lebende sie zu Gast gebeten, sagten sie, so wolitcu sie dem Toten nicht ungastlich sein, und sie blieben. Sie entkleideten und wuschen die Leiche und kleideten sie neu in das weiße Totengewand, in dem vor wenig Tagen der Großvater mit der Gemeinde alle Mcnschenschuld als die seine bekannt und Gott um Ent- Sühnung angerufen batte. Indessen richtete die Großmutter mit den Töchtern unter Tränen den Tisch in der Laubhütte, zündete die festlichen Lichter au und stellte in zinnerner Fußschale die große, gelbglänzende Esrogfrucht auf, zum Gedächtnis an die Ernte des Heiligem Landes. Der Aeltere der Gäste versah das Amt des Hausherrn und führte die Feier, und schweigsame Tröstung dämmerte um die Trauernden. Die Nacht über hielten die Geladenen die vorgeschriebene Wacht bei der Leiche; sie saßen vor dem Lager hin und gedachten des Toten, miteinander schweigend, miteinander redend, bis an den Morgen. Jean Richard Bhch, der bekannte jüdisch-französische Schriftsteller, sprach als Gast der ״Europäischen Tribüne“ im Preußischen Herrenhaus über ״Die Zukunft der europäischen Kultur“. Bloch analysierte zuerst in sehr geistreicher Weise die geistigen .Grundlagen des heutigen europäischen Menschen. In Napoleon siebt er den Bahnbrecher, der die alten Bindungen gründlich zerstört und den modernen Individualismus geschaffen 11<jt Von hier ausgehend schilderte Bloch die Entstehung des bürgerlichen Liberalismus und des rücksichtslosen kapitalistisehen Unternehmertums, das in seiner Art napoleönisch ist so־ "wie die Antwort, die der Sozialismus zu geben versuchte und die nicht befriedigt Eine Art Lösung scheint Bloch, wenn wir richtig verstanden haben, in einer Synthese abendländischer Wissenschaft und orienta'ischer gemeinscha t bildender Re'igio־ sität zu sehen. Er zitierte aus Bubers erster Rede die jüdische Legende vom MessiaSj der vor den Toren Rotes sitzt und wartet. Blochs Anschauung über die Bedeuten j der jüdischen Kornponentc in Europa sind aus seinen Romanen ״Sinder“ und ״Kurdische Nacht“, sowie aus seinem letzten Aufsatz im Buber- Heft der Zeitschrift ״Der Jude“ bekannt. Das Publikum folgte dem infolge der undeutlichen Sprechweise des Vortragenden etwas ermüdenden Darlegungen mit großer Aufmerksamkeit und bekundete ihm dankbares Interesse. — Vor dem Vortrage gab es, abgesehen von dem schönen Vortrag dreier französischer Gedichte Blochs durch Marie Schneider-Braillard, noch eine kleine deutsch-französische Verbrüderungsszenc zwischen dem sympathischen jüdischen Papa-Tvpus Karl Federn und dem nicht minder jüdischen jüngeren Bloch. Auch die größten Freunde europäischer Versündigung — und vielleicht gerade diese — müßte es etwas nachdenklich stimmen, wenn man die Auseinandersetzung der zwei bedeutendsten und — fast könnte man sagen ~ hlutmäßig geschiedenen kontinentalen Nationen auf die Harmlosigkeit einer jüdischen Familienangelegenheit reduzieren will. sch. Richter und Narr Von Altalcna. (WL Jabotinsky) Zehntes Kapitel.*) Elinoar bei der Arbeit _ So kam e.s, daß Simson noch am gleichen Abend den phili- Stäbchen Jünglingen das berühmte Rätsel aufgab, mit dem eine neue und blutige Wendung in den Beziehungen der beiden Erobcrervölfccr Kanaans eintrat. Die Trauung war beendet. Simson saß beim Schmaus wohlanständig da, aß wenig und trank nichts. Semadar, die den Wein einschenkfe, reichte ihm kein einziges Mal den Becher — hafte doch der vorsorgliche Mochboni ben-Schuni, der ganz unauffällig das Amt des Hauptfestordners auf sich genommen halte, sowohl sie als auch Bcrgaro und die wichtigsten Gäste darauf auf merksam gemacht, es sei in Zora Sitte, daß der Sohn in Gegenwart der Eitern nicht zechen dürfe. Aber gegen Ende des Mahles begannen die berauschten Freunde, den Bräutigam hcrauszu־ fordern. ״Es mag in Zora allerhand Bräuche geben!“ rief der eine. ״In Zora ist es offenbar auch Brauch, sich die Kleider zu bekleckern!“ brüllte rülpsend ein anderer, der schon ganz bo trunken war, und wies mit dem Finger auf den bespritzten Kittei eines der Schakale. Aber Achter, der neben ihm saß, preßte seinen Ellbogen zusammen und sagte: ״Schweig!“ ״Bei uns aber gibt cs auch einen Brauch,“ erklärte ein dritter, ״der Bräutigam muß wissen, daß es s e i n Fest ist und nicht das unsere. Ein Lied, Ta... verzeih: ein Lied, Simson!“ — ״Vorher darfst du nicht die Tafel verlassen!“ — Sieh doch, es wird bereite dunkel — wir werden dich nicht zu deiner Braut lassen!“ Lachend umringten sie ihn und forderten im Chor: ״Sing uns ein Lied!“ Achter beugte sich über den Tisch und flüsterte Simson zu: ״Sag ihnen doch irgend etwas, sonst wirst du sie nicht los.“ 111 diesem Augenblick fühlte Simson, daß jemand ihn ansah. Er erhob die Augen und begegnete Eliuoars Blick. Sie nickte unauffällig, auf eine Schale mit Honigresten deutend, die vor ihr stand. Simson zuckte die Achseln, lachte und sagte: ״Singen werde ich nicht. Wollt ihr aber wetten, so könnt ihr das tun.“ Sie klatschten in die Hände, fuchtelten mit den Armen und schwenkten die Mützen. ,Jch gebe euch ein Rätsel auf,“ verkündete Simson, ״und räume euch die sieben Tage des Hochzeitsfestes ein, am es zu erraten.“ ״Und das Pfand?“ fragte irgend jemand rülpsend. Simson sah ihn an: es war Jener selbe Gast, dem es nicht gefallen hafte, wie die Zoriten die Suppe essen. Er brach in ein Gelächter aus und rief: ״Dreißig Mäntel aus bester gestickter Seide: so werde Ich doch meine unordentlichen Schakale nach diesem Fest neu einkleiden können!“ Der Lärm verstummte halb, und jetzt gab Simson ein Rätsel auf: ״Speise kam aus dem Fresser und Süßigkeit aus dem Starken,“ ....... . ... .! Darauf drängte er spielend die betrunkene, begeistert schreiende Menge auseinander, hob Semadar auf die Arme und trug sie in die sieh schnell verdichtende Dämmerung hinaus. Die ganze Nacht hindurch ging es in Timnata laut und vergnügt zu. Niemand — weder die Betrunkenen, noch die Nüchternen — wußten eigent'teh genau, was mit ihnen .vorging. Nur F.linoar wußte mit Bestimmtheit, was sic tat. Sie trat zu dem Leviten Machbonai, der nach dem Gelage allein an der leer gewordenen Tafel saß und das schwere Silber der Schüsseln Bergams mechanisch in der Hand wog. ״Hausverwalter,“ flüsterte ihm Elinoar zu, ״ich nabe ein Anliegen an dich.“ Er fuhr zusammen, schob den Becher möglichst weit von sich fort, als wollte er einen etwaigen Verdacht beseitigen, und brachte, wenn auch mit unsicherer Zunge, so doch mit der ihm gewohnten Beredsamkeit die Bereitschaft zum Ausdruck, seine besten Kräfte de' Erfüllung der Wunsche der hoehwohlgeborenen Jungfrau zu widmen. ״Ich komme nicht in eigener Sache,“ sagte sie, ״sondern im Namen Simsons. Er fühlt sich behindert und bat mich, dir vorsichtig anzudeuten, ob du nicht die Abreise seiner Eltern be~ schleunigen könntest? Du siehst ja, er ist durch ihre Anwesen- •) Siehe vorige Unterhaltungsbeilage. Hotel Savoy Roman von Joseph Roth. (11. Fortsetzung.) Er ist ein Mann mit Geschäftssinn und guten Manieren. Fr stellt sich jedem vor: Christonh Kolumbus, Friseur des Mister Bloomfidd. Er spricht ein gutes Deutsch mit rheinländischem Akzent. Christooh Kolumbus ist schlank und groß und hat gekräuseltes Haar, Woncles, und gutmütige Augen, wie aus blauem Glas. Er ist der einzige bessere Friseur in dieser Stadt Und ira Hotel Savov und weil er kein Geld verschmäht und es ihm sonst langweilig würde, beschließt er, sich im Hotel einen Laden zu eröffnen und er bewirbt steh um die Erlaubnis bei Bloomfield. Es gab gerade einen freien kleinen Raum neben der Loge des Portiers. Dort lagerten immer Geoärkstürke der Gäste, die irn Begriff waren, abzureisen, oder sich _ für ein paar Tage entfernt hatten, um wiederzukommen. Ignatz erzählte mir, daß Christoph Kolumbus sich in diesem Raum festsetzen wollte. Es gelang ihm, Kolumbus war ein gescheiter Kerl. Dünn und schlank, wie er war, schien er injeden Winkel zu passen. Es war überhaupt sein Schicksal, Lücken im Leben zu erspähen und sie auszufüllen. Wahrscheinlich war er so Bloornfields Friseur geworden. Die Leute wußten hier kaum, daß der Friseur einen berühmten Namen lächerlich machfe. Nür Ignatz wußte es und der Militärarzt und Älexanderl. Zwonimir fragte mich: ״Gabriel, Du bist ein gebildeter Mann, hat Kolumbus Amerika entdeckt oder nicht?“ Jg“ ׳Und wer war Alexander?“ fragte Zwolir weiter. Alexander war ein mazedonischer König und ein großer Welteroberer.“ JSo, so,“ sagte Zwonimir. Am Abend kamen wir mit Älexanderl im Fünf-Uhr-Saal zusammen. ״Was sagen Sie zu diesem Friseur Kolumbus?“ lachte Alexander. ״Ausgerechnet Kolumbus heißt er!“ Zwonimir schickt mir einen schnellen Blick zu und sagt: Wenn ein Friseur Christoph Kolumbus heißt, ist es noch lange nicht so schlimm. Aber Sie heißen Alexander! . . Das war ein gutes Wort und Alexander schwieg. Manchmal sage ich: ״Zwonimir, laß uns abreisen.“ Aber jetzt will Zwonimir erst recht nicht. Bloomfield ist da und das Leben wird von Tag zu Tag interessanter. Es kommen mit jedem Zug Fremde aus Berlin. KauP.cute und Agenten und Nichtstuer. Alle Menschen zieht Bloomfield herbei. Der Friseur Kolumbus rasiert heftig. Der Gepäcksraum sieht freundlich aus, mit zwei großen Wandspiegeln und einer Marmorpiatte. Kolumbus ist der geschickteste Barhier, den ich in meinem Leben je gesehn habe, ln fünf Minuten ist man fertig. Das Haarschneiden besorgt er nach neuester Methode mit dem Rasiermesser. Nie hört man in seinem Laden eine Schere klappern. Weiß der Teufel, woher Zwonimir das Geld für uns Beide nahm. Unsere Zimmerrechnung war schon sehr hoch. Zwonimir dachte nicht daran, sie zu bezahlen. Sein Geld legte er jeden Abend vor dem Schlafengehen unters Kopfkissen. Er hatte Angst, daß ich es ihm stehlen könnte. Wir lebten fast so gut wie Bloomfield und gingen in die Armenküche, wenn cs uns gefiel. Und wenn es uns nicht gefiel, aßen wir ira Hotel. Und nie ging uns das Geld aus. Einmal sage ich zu Zwonimier: ״Ich packe und gehe zu Fuß weiter! Wenn Du nicht willst, bleib hier!“ Da weinte Zwonimir. Es waren ehrliche T ränen. ״Zwonimir,“ sage ich, ״dies ist mein letztes Wort: sieh im Kalender nach, heute ist Dienstag, heute in zwei Wochen reisen wir.“ ״Ganz bestimmt,“ sagt Zwonimir und schwört es laut und feierlich, obwohl ich es gar nicht verlange. XXL Am Nachmittag desselben Tages bat mich der Sekretär Bondy auf einen Augenblick an den Tisch Bloornfields. Bloomfield brauchte noch einen Sekretär für die Zeit, in der er hier war. Man mußte die Besucher scheiden können in lästige und nützliehe und mit beiden Arten verhandeln. Ob ich nicht jemanden wüßte, fragt Bondy. Nein, ich wüßte keinen, außer Glanz. Aber da macht Bloomfield eine abwehrende Handbewegung. Glanz war nichts für ihn, das bedeutete diese Bewegung. ״Wollen Sie nicht diese Steilung annehmen?“ sagt Bloomfield. Es war keine Frage. Bloomfield sprach überhaupt nicht in Fragendem Ton, er sagte alles nur vor sich hin, als wiederholte er oft erörterte Dinge. ״Wir wollen sehn!“ sage ich. ״Dann — können Sie morgen in Ihrem Zimmer — Sie wohnen?“ “.703״ ״Bitte morgen anzufangen. Sie bekommen eine Schreibkraft.“' Ich verabschiede mich und fühle, wie Bloomfield mir nachsieht. ״Zwonimir,“ sage ich, ״jetzt bin ich Bloom- Felds Sekretär.“ ״Amerika,“ sagt Zwonimir. Es war meine Aufgabe, die Leute anzuhören, sie und ihre Projekte zu beurteilen und Bloomfield über die Gäste jedes Tags schriftliche« Bericht zu erstatten. Ich notierte mir Aussehen. Stellung. Oeschäft, Vorschlag jedes Besuchers und beschrieb alles. Ich diktierte einem Mädchen in die Maschine und gab mir sehr viel Mühe. Bloomfield schien nach den ersten zwei Tagen mit meiner Arbeit zufrieden, denn er nickte mir am Nachmittag, wenn wir uns trafen, sehr wohlwollend zu. So lange hatte ich nichts mehr gearbeitet — ich freute mich. Es war eine Beschäftigung, die mir behagte, denn ich war auf mich angewiesen und trug die Verantwortung für alles, was ich berichtete. Ich hütete mich, mehr zu berichten, als nötig war. Dennoch lieferte ich manchmal einen Roman. Ich arbeitete von zehn bis vier. Jeden Tag kamen fünf oder schs oder mehr Besucher. Ich wußte wohl, was Bloomfield von mir wollte. Er wollte eine Kontrolle seiner selbst. Er verließ sich nicht in allem auf sein eigenes Urteil — er hatte auch keine Zeit, über jeden nachzudenken — and er wollte auch eine Bestätigung seiner eigenen Beobachtungen. Henry Bloomfield war ein vernünftiger Mensch. Die Juxdrillinge hießen: Nachmann, Zobel und Wolff und standen alle drei innig auf einer Visitkarte. Nachmann, Zobel und Wolff hatten herausgefunden, daß man in dieser Gegend Europas noch keine Jux-gegenstände kannte. Sie kamen mit Geld, sie bewiesen es und sprachen sehr vernünftig. Seit Jahren stand in diesem Ort die Spinnerei des verstorbenen Maiblum leer. Man konnte sic mit wenig ״Unkosten“, sagte Wolff, reparieren. Herr Nacntnann würde hier bleiben — sie brauchten eigentlich nicht 80 sehr das Geld Bloornfields, wie seinen Namen.

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