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Jüdische Rundschau · 1928-04-04 · Heft 27-28 (4.4.1928) · page 12

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 27-28 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Säte 206 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27/28, 4. IV. 1928 Außer den lokalen und den Landessitztingen gibt es noch regionale Zusammenkünfte geographisch bcnachharter Hadassahgruppen zur «unverständlicheren Organisierung der Arbeit, eine Unentbehrlichkeit hei der riesigen Ausdehnung der Vereinigten Staaten. Die gesamte Arbeit innerhalb der Hadassahgruppen wird ehrenamtlich geleistet. Viele der größeren haben sich ein bezahltes Sekretariat zur Erledigung des technischen Teiles der Arbeit geschaffen, das sie aber aus eigenen Mitteln bestreiten. Die zentrale Arbeit leitet eine einzige Exekutiv• Sekretärin, die junge, tüchtige, seit Jahren tätige Miß R u 111 Cohen mit einem Stab von technischen Kräften aus den verhältnismäßig winzigen Räumen des Hadassahbüros in der I iftli Avenue von New York. Sie teilt ihr kleines Zimmerchen, das stets vom Klingeln des Telephons und von Besuchern erfüllt ist, mit der Exekutivsekretärin des Jugend verband es der 11 a d a s s a h, Miß Kaufmann. Die monatlichen Rundschreiben der Hadassah. Peinliche Sorgfalt wird vom Zcntralbüro auf die Aus• arbeitung der monatlichen Rundschreiben verwendet. In Miß Anna Moskowitz-Kroß besitzt die Hadassah eine ausgezeichnete Leiterin für die innere Organisation. Mrs. Kroß ist eine der angesehensten Rechtsanwältinnen New Yorks und war während vieler Jahre die Organisatorin der demokratisehen Frauenpartei. Doch säe fand schließlich über Umwegen die Verbindung mit ihrem Volke. Der schwierigste Posten — die Geldaufbringungsaktion zu dirigieren und ihn organisieren, wurde ihr Teil. Sie ist Chairman of the National Fund Raising Committee, Aber das Organisationsdepartement untersteht ihr noch im besonderen. Auf blauem Papier sind die Arbeitskapitel übersichtlich aufgezählt, zu denen die näheren sehr detaillierten Instruktionen im weiteren folgen. Eigene Anweisungen werden jetzt ausgearbeitet, nach denen diese Instruktionen von den Gruppenpräsidentinnen handlicii zu registrieren sind, so daß sic während des ganzen Jahres nachgeblättert werden können. Gleichzeitig mit der Gruppenpräsidentin bekommen noch die Ressortleiterinnen die auf ihre bestimmte Arbeit bezüglichen Schriftstücke, so daß sie schon orientiert über ihr Vcrantwortungsgebiet ־zur Ausschußsitzung kommen können. Eine Mitgliederkampagne der Hadassah. Die ,»Zeit vom 10. bis 18. September ist als diesjährige Werbewoche der Hadassah festgesetzt worden. Werbekomitees sind in den einzelnen Gruppen gegründet worden, denen nach Straßen geordnete Listen von säumigen oder neu zu werbenden Interessentinnen übergeben werden. Diese Komitees arbeiten das ganze Jahr. Mit verstärkter Energie arbeiten sie in der Werbewoche, um die in dieser Zeit entfaltete Propaganda auszunützen. Sie setzen sich mit den Rabbinerrt ihrer Gemeinden in Verbindung, damit diese am F.r* ofinungstag der Werbewoche, der wohlweislich auf einen Samstag angesefzt wurde, von der Kanzel über die Hadassah sprechen oder einer Hadassahfrau die Möglichkeit geben, selber von der Kanzel für ihre Sache zu werben. Diese Institution des alljährlichen Hadassah sabbats beginnt sich nun, da sie schon zum dritten Male organisiert wird, einzubürgern. Den Instruktionen für die Werbewoche liegt eine interessante Statistik bei, die das Zcntralbüro ausgearbeitet hat. Sie zeigt den Hadassahgruppen, wieviel Mitglieder sie in Städten bis zu tausend Einwohnern im Verhältnis zu den dort ansässigen jüdischen Frauen haben, um wieviel jede von ihnen im verflossenen Jahr gewachsen ist und was ihnen noch zu tun übrig bleibt. Bei einer jüdischen Gesamtbevölkerung Amerikas von vier Millionen rechnet man ein Fünftel, also 800 000 Individuen auf die Frauen. Demnach ist jede sechzehnte Frau in der Hadassah organisiert oder die deutsche zionistische Frauenorganisation müßte 6000 Mitglieder besitzen, um den Prozentsatz der Hadassah zu erreichen. Das Pressekomiteeder Hadassah hat eine Reihe van Artikeln vorbereitet, damit die Gruppen ihre lokalen Zelhingen in den Werbetagen mit Material versehen können. Auch nichtjüdische Zeitungen beschäftigen sich mit den größeren Aktionen der Hadassah. Natürlich unterstützt auch ein Hadassahfilm, der in dieser Zeit rollt, die Werbe- Propaganda und Hadassahbroschüren stehen zur Verteilung bereit. Die schlagkräftigen 1' a r o 1 e n , die die Hadassah jeder ihrer Aktionen beizugeben weiß, das deutlich umschriebene, immer weiter gesteckte, aber durchaus erreichbare Ziel, das sie vor das jeweilige Rennen aufrichtet, der vielköpfige, leitende Arbeitsapparat, das alles ist auch niitentsc.heidend dafür, daß die Hadassah sich eine Arbeitsarmee zu sichern und deren Arbeitseifer anzufeuern vermag. Die Werbewoche schloß am 18. Dezember mit der Aktion für den Makkabäertag des Natioiialfonds, für die die Vorsitzende des Keren Kajemeth-Komitees die Verantwortung trägt. Hadassab-Arbeit für den Keren Kajenieth. November- und Dezember-Rundschreiben der Landcsvorsitzenden für K. K.-Arbeit habeii sich schon mit Anregungen und Anweisungen für den Makkabäertag beschäftigt. Von nicht weniger gründlicher und durchdachter Arbeit zeugen diese Instruktionen als jene für die Werbewöche. Mrs. Silbert Ullian, die mehrjährige Leiterin der Juniors, die nun zu den Seniors aufgerückt ist, hat sie gemeinsam mit der Vorsitzenden des Kulturkomitees, der Schriftstellerin Mrs. Nina Adlerblum, zusammengestellt. Bcstellkartcn für Sammelmaterial am Makkabäerfag, für Mau-weiße Abzeichen, die auf den Straßen und in Lokalen oder bei Versammlungen abgesetzt werden, für Schärpen, Armbinden, Büchsen, Broschüren usw. sind ausgesandt worden, bereits bestellte Mengen registriert und expediert, säumige Gruppen zur Bestellung gemahnt worden, Berichtsformulare über die Teilnahme und Resultate des Makkabäertags sind zugegangen, die rechtzeitige Bildung von Sammelkomitees empfohlen worden, eine Dezemberversammlung zur Vorbereitung der Stimmung angeregt und ein Musterprogran!tn dafür ausgearbeitet worden, das auf einer New Yorker Versammlung erfolgreich ausprobiert wurde und dessen Text erhältlich ist. Es wurden dabei palästinensische Lieder im Chor gesungen, in kurzen Ansprachen erörterten einige Rednerinnen den Sinn des Keren Kajenieth und die kulturelle Basis jeder nennenswerten K. K.-Arbeit, ein Film Jüdische Frauen in der Land• Wirtschaft“ wurde gezeigt, Nationalfondslitcratur und Material, das ausgelegt war, besprochen und ein lustiger Dialog von Mrs. ullian verfaßt und vorgetragen über die rechte und verkehrte Arbeit, bei jemand eine blaue Büchse zu instal- Heren. Ein Einfall, der sehr gefiel und zur Nachahmung empfohlen wurde, war die Zurschaustellung einiger au Igeput zte r Büchsen. Mit Spitzen und Seide waren sie von Kunstfertigen Fingern so umkleidet worden, daß sie nun auch auf dem Boudoirtisch der anspruchsvollsten Modedame sich hübsch ausnehmen, auch waren Samtkästchen bestickt worden, in die man die blaue Büchse stellen kann, um die Ausrede aus der Welt zu schaffen, daß die blauen Büchsen sich nicht gut genug repräsentieren. Unterlagen zur Besprechung von N. F.-Fragen bei Ver• Sammlungen oder in Studienzirkeln werden empfohlen und die Broschüren angekündigt, die zu diesem Zweck vom Kulturkomitee der Hadassah ausgearbeitet worden sind. Kritik an der Hadassah? Man hört heute sehr viele Anwürfe gegen die Hadassah. Es werden ihr separatistische Tendenzen, Mangel an Disziplin und Verständnis für die Gesamtprobleme des Paiästinaaufbaus vor• geworfen, weil sie bei der nun vorgenommenen Kürzung des Palästinabudgets keinen Dollar von ihrem Sonderbudget abziehen und allgemeinen Palästinazwecken zuführen wollen. Bei einem Gesamtbudget von 430000 Pfund figurieren die 118000 Pfund für das Gesundheitswesen, die der Hadassahposten hierin sind, in aufreizendem Mißverhältnis. Die Hadassah soll des weiteren sieh mit der Schuld beladen haben, ein Angebot der palästinensischen Regierung auf Uebcrnahme eines Teiles ihres Budgets abgelehnt zu haben und eine übermäßige Verschwendüng in ihren palästinensischen Institutionen zuzulassen. Es bedeutet meines Erachtens eine schwere Versündigung an einen so festgefügten, lauteren und arbeitstüchtigen Teil der zionistischen Gesamtorganisation, den die Hadassah darstellt, solche Kritik zu üben. In der schwierigsten Stunde zionistischer Verantwortung, im Frühjahr 1018, als die durch den Krieg geschaffene Not aufs höchste gestiegen war, war die Hadassah helfend zur Stelle und in den verflossenen 15 Jahren hat sic das jüdische Gesundheitswesen in Ercz-Isracl ausgebaut, cs ohne Rückschläge in fortwährendem Streben und Verbesserung auf die heutige Höhe gebracht und sich nun bereit erklärt, es ohne alle Subventionen aus anderen zionistischen Quellen weiter• zuführen. Das Hadassah-Werk stellt ein einheitliches, geschlossenes Ganzes dar, mit dessen Sein und Werden die Hadassah-Organisation sich völlig identifiziert hat. Sie verlöre ihren Sinn und ihre Daseinsberechtigung in den Augen tausender ihrer Anhänger, insbesondere der großen Masse ihrer noch nichtzlonlslerten Anhänger, wenn ihr Werk sich zerstückelte oder von ihr abgespaltct werden müßte. In all den Jahren sog sie ihre Hauptkraft aus dem Bewußtsein, für ein selbständiges Stück Palästina-Arbeit verantwortlich zu sein und für ein Gebiet, das für Frauen von besonderer Anziehung sein mußte. Die Zionistischc Organisation war froh, sich eine solche Helferin zur Seite gestellt zu sehen. In einem Zeitpunkt, wo angesichts der Not alle Hadassah-Instifutiouen unzulänglich geworden sind und nach Erweiterung verlangen, ihr Budget zu drosse’n, das würde Entrüstung und Verwirrung in die Reihen der Hadassah-Organisation tragen. Man vergesse auch nicht, daß die Hadassah durch die Verpflichtung, die sie dem Vereinigten Palästina- Appell im besonderen, dem Nationalfonds und ihren eigenen Sonderaktionen gegenüber eingegangen ist, zwei Fünftel ihrer Gelder allgemeinen Palästinazwecken zuführt. Auf diese Weise löst sie sozusagen noch das Vorrecht ab, ihre medizinische Institution unter eigener Flagge und nach eigenen Plänen zu führen, ein Vorrecht, das doch nur eine einzige Last und Mühe bedeutet Solange nicht der gesamte Gesundheitsdienst in Palästina sicher gestellt und die weitere Budgetierung von außen nicht mehr erforderlich sein wird, u׳ird die Hadassah nicht eine Schöpfung aus der Hand geben, die sie mit ihrem Herzblut ge» kittet hat. Daß im einzelnen Mißverständnisse, Konflikte, Unstimmigkeiten Vorkommen, auf welchem Teilgebiet des so heiß umstrittenen Palästinaaufbaus ist solches zu vermeiden gewesen? Daß jedoch innerhalb des Hadassah-Werkes in Palästina Ersparnisse möglich wären, wird eine Vorhaltung sein, die die Hadassah nicht lange auf sich sitzen lassen wird. Bei der rainutiösen Genauigkeit mit der sie ibte Ausgaben prüft, bei dem Ehrgeiz ökonomischster Verwaltung, der sie beherrscht, der uneheuren Anstrengung, die sie zur Herbeischaffung ihrer inanzen machen muß, bei der Gewissenhaftigkeit schließlich, die sie stets an den Tag gelegt hat und die in der Person von Miß Szold verkörpert ist, und bei dem zionistischen Gewissen, das In ihren Führerinnen lebendig ist, wird sie sicherlich keine unnötigen Ausgaben verantworten. Allerdings gibt es einen Grundsatz, für den sie unbedingt eintritt und wenn er noch so große Opfer von ihr fordert: daß nämlich die Institutionen, die ihren Namen tragen, soweit irgend erschwinglich, den letzten Erkenntnissen medizinischer wissen- Schaft gemäß aufgebaut sind. Das Ist freilich eia Grundsatz der Verschwendung, der sich aber letzten Endes als der einer weisen Spars*mkc« erweist- 4!,..״,* Lernt von der Hadassah! Die spanische Kezilatorin Ich lese in der ״Vossischen Zeitung“: ״BertaSiugerman. Aus Madrid wird uns geschrieben: Die in der ganzen spanischen Welt bekannte Rczitatorin Berta Singerman wird demnächst in Berlin und in anderen deutschen Städten Vortragsabende geben. Berta Singerman, die beste, ja einzig wirklich überragende Rezitatorin spanischer Zunge, ist Russin von Geburt, kam aber noch im frühen Kinderalter nach Buenos Aires, das ihr ständiger Wohnsitz wurde Schon ihr erstes Auftreten in Madrid vor zwei Jahren erregte Aufsehen weit über die literarischen Kreise hinaus. Das so wenig zu Ernst neigende spanische Publikum, das immer nur lachen will, sitzt jetzt und lauscht unbeweglich halbe Stunden den Qediehtvorträgen der Künstlerin. Früher wäre so etwas als unangebrachte Zumutung erschienen; Berta Singerman aber vollbrachte das nicht geringe Wunder. Ihre Kunst ist vor allem: Musik des Worts. Sie ist in erster Linie eine ausgezeichnete Koraponistin. Es ereignete sich mehrmals, daß Poeten, deren Gedichte sie vortrug, aufs höchste erstaunt waren über die ihnen selbst ganz neue, nicht geahnte Interpretationsmöglichkeit. Auch wer der spanischen Sprache — die Berta Singerman mit argentinischer Färbung spricht — nicht mächtig ist, wird trotzdem mit kaum vermindertem Genuß ihr Hörer sein, — Berta Singerman hat revolutionären Geist in sich; mitreißend wirkt sie oei einigen ihrer Rezitationen. Sie ist wie eine sanfte, weise Priesterin des Alten Testaments und wie eine hassende, hetzende Vorkämpferin einer sozialen Revolution,“ Berta? Singerman? Russin? Nach Argentinien eingewandert? Spanische Rezitatorin? Wie sagte Wilhelm II.?.,. Ich kenne keine Nationen mehr! Ich kenne nur noch Juden. m. w. Von Rudolf Borchardt, dem Dichter des Buches Joram, erschien im Verlag der Bremer Presse (München) ein wundervoll gedrucktes Buch ״Der Deutsche in der Landschaft", eine Auswahl aus Werken deutscher Naturforscher, Gcographen, Gelehrter und Dichter — Meisterstücke der Naturbesehreibung und Landschaftsschilderung. Es ist ein Buch mit wirklichem Bildungswert. Fraoen>ürbeUsWmein§(Si&fl fOr Palästina Tee-NadunUtag HOTEL BAISERHOF fWffHiuimmmfifnuiHifniimnumfmmninmmu׳ ׳ Am Donnerstag, den 26. April 1928, um 41/3 Uhr, sprechen im Hotel tCaiserhof (Eingang Maaerstraße) Frau Dr. rer. eam. Nadja Stein über ״Frauenarbeit in Palästina", Architekt Erich Mendelsohn über ״Palästina »13 künstlerisches Erlebnis. / Die Vorträge sind von Lichtbildern begleitet. HUummmumuuiaaim.riimumiuummiHiiUuwi.t Teegedeck Mark Der Bern! der Krankenschwester Eine Zu&chrift. Haifa P. O. B. 5, 2p. Februar 1p28. In der letzten ״Frauenbeilage" war unter der Ueberschrifi: ״Der Beruf der Krankenschwester״ über einen Vortrag Fr. Olitzkis in der Franengruppc Breslau berichtet. Ich kann tbro Ausführungen nicht ohne Erwiderung lassou, da sie geeignet sind, ein falsches Bild der hiesigen Verhältnisse zu geben. Zunächst entricht es *ich wohl der Kenntnis, daß die gesamte Bottenzahl der Uadassah-IIospitäler im ganzen Lande nicht mehr als 230, im Höchstfall 250 beträgt, d. i. etwa die Bcttcnzabl des ,,.lüdischen Krankenhauses Berlin". Ich kann dio Zuständo der ,,Hadassah" hier ganz sachlich bourtcüon und kann nicht in den Verdacht kommen pro domo zu g , , , •'■־ ' ' ’ " ' י ’ '*״ ’ .. Verhältnis stehe. I. Die Schwestern Werden nicht höher als in Deutschland bezahlt, d. h, als etwa dio Schwestern der Stadt Berlin. Ich kann die ausführlichnn Berechnungen gern Interessenten zur Verfügung stellen. a. Für Anstellung oder Arbeitsvermittlung der ,Jlilfsschwcslern" gibt es von seiten der Hadassah-Orgamsation keinerlei Garantie. 3. Im Auslando ausgebildoto Schwestern stellt Hadassah nur ein, wenn sie zum mindesten den seehswöchentliehen Kursus in einer ihrer Schulen absolviert haben, um eine Gleichförmigkeit des Systems der Krankenpflege zu garantieren. Solche Behauptung kann doch nur von völlig uneingeweihten Leuten auf gestellt werden. Wir hier im Lande alle und irk glaub« auch Frau Olitzki wissen, daß dio Einheitlichkeit der Krankenpflege auf den einzelnen Stationen, dio unter verschiedenen Verhältnissen und verschiedenen leitenden Acrzten stohou, hier ebenso wenig — oder vielleicht noch weniger — vorhanden ist ab anderswo und daß es einem Wissenden doch sehr wenig ernsthaft erscheinen muß, daß eine — sagen wir beispielsweise — in einem großen Institut Deutschlands ausgebildoto Krankenschwester in einem sechswöchentliehen Kursus mit ungelernten zur Krankenpflege anzulemendeu Mädchen etwas lernen könnte, was sie nicht einfach bei der liebernahmo der Arbeit auf der Station besser und angebrachter erfahren könnte. Uns hier ist dieses Verfahren der ,,Hadassah" bekannt, das den Eindruck erwecken soll, daß nur Hadassah-Schwestern hier arbeiten. Uns Ist aber ebenso bekannt, daß dio Klausel der Einslellungsboscbränkung im Bedarfsfälle nicht oingobalten wird. Es steht aber jedenfalls, wie so vieles bei der Hadassah auf dem Papier. 4. Frau Olitzki bedauert, daß keinerlei Wostjüdinneu unter den ״Hadassah-Schwcstorn" seien. Sie hält das für eine Folge ihrer durchgehend zu geringen hebräischen Kenntnisso. Ich habo oft Gelegenheit, Wcstjiidinnou, die sich der Krankenpflege . widmen wollen, über ihre« Ausbildungsgang zu beraten und — rate nie nir Hadassah. Die Wostjüdin, die dio Möglichkeit hat dazu, erfährt immer noch die bessere Ausbildung in Europa oder Amerika. Wir haben hier im Lande gar keine Möglichkeit, eine in ourmaäischem Sinne gute Ausbildung zu geben. Ich selbst bin 16 Jahre im Dienste der Krankenpflege und habe wohl auf alle den von der ״Hadassah" geübten Gebieten bereits in Europa gearbeitet. Es fehlt uns doch hier an vielen Instituten, dio für eine wirklich nach meinem Dafürhalten und meiner eigenen Vorbildung nötigen Berufsausbildung notwendig sind. Daß dio ״Hadassah-Medreal-Organisation" den bisher größten Teil des Gesundheitsdienstes im Lande. unterhält, ist. nicht ein Beweis ihrer idoeUen oder medizinisch-wissenschaftlichen Ueberlegenheit, sondern nur und nur auf ihr materielles Ucborgewicht zurückzuführen. 5. Wenn ich mich beeile, den betreffenden Artikel, der mir verspätet in dio Hand kam, za beantworten, so geschieht es hauntsächlich. wafl ich gegen die Ansicht Frau Olitzkis auf treten muß, die unbedingt raten zu müssen glaubt, daß von Deutschland kommende Schwestern in die Hadassah einzutreten versuchen sollen. Sie. hätte hinzufügen jztüssen, daß dio Ausrichten für Aufnahme und Arbeit m,.der״.,JHa^Msah,V'4?lI/ fr* «offen# •..Oehelpurijffir. ״Nichtrussen" sehr schlechte sind. Für die Einzelne, die hafünefkommen will und hier arbeiten will, empfehlo ich daher dring e n d s t, sich vorher genaueste Informationen, besser noch exaktesten Vertrag vorher zu sichern. Schwester Hadassah Goldberger, Hebamme, Haifa. Frauenarbeit Chemnitz. Am 28. Februar sprach im hiesigen jüdischen Frauenbund Frau Lenka v. Körbcr über Frauenarbeit, in Palästina. Die Rednerin schildert« in äußerst temperamentvoller Weise die nachhaltigen Eindrücke, dio sie in Palästina empfing. Es ist zu bewundern wie sie, die völlig unvoreingenommen nach Palästina kam, sich in das orientalische Leben cinfühlcn konnte, und wieviel Verständnis und Liebe sie für jüdische Art und die Aufbauarbeit in Palästina zeigte. Sohr schöne Lichtbilder erläuterten den Vortrag. Die Besucher dieses Abends waren fast nur Zionisten, da die übrigen Mitglieder des jüdischen Frauenbundes wie auch der anderen neutralen Vereine jeder Orientierung üljer palästinensische Verhältnisse aus dem Woge gehen. Nürnberg. Am Montag, den 19. März, abends 8י/; Uhr, sprach Frau Gerda Arlosoroff in einer von der Zionistischen Ortsgruppe Nürnberg-Fürth und von dem Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina einberufenen Versammlung über Frauenfragen in Palästina. Die Rednerin betonte die weitgehende Aebnlichkeit der Frauenfrage in Palästina mit der der europäischen Well. Es werde zwar in Palästina kein Kampf um die Gleichberechtigung der Frau geführt, da mit Beginn der zionistischen Arbeit Frauen an maßgebender Stelle mitberieten und mitarheiteten und voraufwörtliche Stellen besetzten, aber die Frauonfragcn in Palästina sind doch wie überall Fragen der arbeitenden Frau. Frau Arlosoroff gab einen klaren Ueberblick über dio Entwicklung der landwirtschaftlieben Mädchenschulen und Lehrfarmen, über die handwerkliche Ausbildung der Chaweroth in den Städten und über dio Tätigkeit der orientalischen Jüdinnen. Die ganze Frauonfrage muß unter dem Gesichtspunkt der Qualifizierung der Frau betrachtet werden. In Palästina herrscht oine Atmosphäre der Arbeit, und nur die Frau, die imstande ist, sich »1 qualifizieren, wird sich im Lande eingliedern und durchsetzen können. Dagegen wird durch die Nichtrionistinnen, die lediglich als Gattinen der Zionisten ins Land kommen, und nicht mit dem Aufbau verwachsen sind, dio Tätigkeit ihrer Männer gehemmt und damit der ganze Aufbau aufs schwerste gefährdet. Eine ideale Lösung hat die Frage der Kindererziehung in den Kwuzoth gefunden. An den Vortrag schloß sich eino kurze Diskussion an. Der Kontinentalbund zionistischer Mädchenvereinlgungen hat. es sich zur Aufgabe gemacht, die jüdische Mädchen- «׳alt <u erfassen und sie m bewußten Ziönistinnea zu machen, die an der Judairierung im Galuth und am Aufbau Palästinas mitarnetten. Zn diesem Zweck hat er Mädchen gruppen gegründet, die kulturell und sozial im Galuth arbeiten und praktische Arbeit für Palästina leisten. Neben der praktischen Arbeit erfolgt eine theoretische und geistige Ausbildung der Mitglieder. Es werde״ Vorträge über Palästinafragen, aktuelle jüdische Probleme, allgemeine Gegenwartsfragen in Beziehung zum jüdischen Leben usw. abgehalten. Zurzeit bestehen in folgenden Orten Gruppen des Kontinentalverbandes: Breslau, Brünn, Wien, Gleiwitz, Dresden, Jaroslaw, Znaim, Lundenburg, Iglau, Koblenz, Czernowitz, Prag, Prossnitz, Bialitz. In Beuthen, Kattowitz, Königshütte und Görlitz ist mit der Arbeit begonnen worden.

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