Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 27-28 (4.4.1928)
- Date
- 1928-04-04
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Nr. 27/28, 4. IV. 1828 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 205 / Bläffer des ״Bundes Zionisflscher Frauen € Wcrbewochen der Jüdischen Frau tür Palästina Von den. 50000 In Berlin lebenden jüdischen Frauen hat bisher nur ein sehr geringer Prozentsatz Ihrer Ver• bundenhelt mit der PalSstinaarbeit sichtbaren Ausdruck gegeben. Diese Erkenntnis hat die aktiven Elemente, unter den für Palästinaarbeit organisierten Frauen heftig auf gerüttelt. Steht es doch ganz außer Zweifel, daß die Zahl derjenigen, die einen starken, inneren Anteil an dem Werk echter Größe nehmen, das sich im neuen Palästina heute vollzieht, in die Tausende geht Und auch die Zahl der Frauen ist sehr beträchtlich, die, zur tätigen Hilfe überall dort bereit, wo jüdische Menschen u!n ihre Behauptung ringen und jüdische Kinder heranwachsen, mit einem innigeren Herzenston reagieren, wenn solche Hilfe für Palästina not tut. Bei all diesen Frauen bedarf es vielfach nur der Aufforderung, Gewissensmahnung oder Aufklärung, damit sie ihre Pflicht erkennen, sich zu organisieren und die Reihen der Mitarbeiterinnen zu verstärken.; Die bestehend»! Frauen gruppen haben bisher die Werbearbelt in größerem Stil gegenüber der Arbeit an sich selbst, gegenüber der Vermehrung und Vertiefung Ihres jüdischen Wissens zurückgestellt. Es war dies ein Zeichen der ernsten Gewissenhaftigkeit, mit der die Frauen ihre Aufgabe auffaßten, an dem Werden des neuen Palästina mitzudenken und mitzuarbeiten. Das Aufbauwerk in Palästina verlangt jedoch zu gebieterisch nach praktischer Unterstützung ah daß sie sich länger erlauben dürften, in dem intimen Rahmen zu verbleiben, den sie sich zunächst gesteckt haben. Die Frauen haben begriffen, daß es unabweislich ist, Ihre Organisation auszubauen, an Menschen und Mitteln reicher zu gestalten, soll ihrem Ziel — Frauen und Kindern in Palästina zu helfen — tatkräftig gedient werden. Darum haben sich nun drei Organisationen, deren Arbeit fm wesentlichen gleichen Zielen zustrebt; der Verband jäd. Frauen für Kulturarbeit In Palästina, der Bund Zionistischer Frauen und die Frauengruppe des KerenKajemeth (Jüd. Nationalfonds) zu einer Arbeitsgemeinschaft und zur Durchführung gemeinsamer Werbewochen zusammen geschlossen. In den Aufgabenbereich dieser Arbeitsgemeinschaft gehört zunächst alle Förderung von Bodenerwerb in Palästina durch Frauen nach den Grundsitzen d?8 Keren Kajemeth und insbesondere durch das Mittel der blauen Büchse. Boden in Händen des Nationalfonds bedeutet die Grundlage jedes neuen jüdischen Lebens in Palästina, bedeutet die Ansiedlung jü- Bischer Massen, bedeutet ihre wirtschaftliche Verselbständigqqg, ־die Möglichkeit 5Uritap-Pal’iiHiwgHbidiMg׳ *•*and*' 8>w» physische untf soziale Regdheratibn. ' Es gehören weiter hierher alle Aktionen zugunsten des Frauenfonds, des ,Keren H an a sch im“, das ist desjenigen Fonds, in den alle Gelder fließen,, die von Frauen in aller Welt für Frauenarbeit und Kinderhilfe ln Palästina aufgebracht werden. Aus diesem Fonds wird alles finanziert, was der Produktivierung der Frau in Palästina dient: Lehranst&iten zur Ausbildung in haus- und landwirtschaftlichen und gewerblichen Berufen, Frauenfarmen (Meschkej Poaloth) Werkstätten zur handwerklichen Schulung, Unterstützung gewerblicher Frauengenossenschaften (Chavuroth), Anlegung von Hausgärten In Städten, soziale Hilfsarbeit für Frauen und Kinder fn Palästina, insbesondere Wöchnerinnen- und Säuglingsfürsorge und Einschulung in Kindergärten. In Deutschland arbeiten der neutrale Kulturverband und der Bund Zionistischer Frauen gemeinsam an der Auffüllung dieses Fonds, zu dem jüdische Frauen aus der ganzen Welt beisteuern. Innerhalb der nächsten Wochen sollen durch persönliehe Besuche möglichst viele Frauen iiir die Mitarbeit geworben und für den Gedanken des Palästina-Frauenfonds und des Nationalfonds gewonnen werden. In zwei größer»! Veranstaltungen, die für den 26, und( 30. April anberaumt sind, sollen einem größeren Kreise die bisherigen Leistungen jüdischer Frauen Sn Palästina in Wort und Bild vorgeführt werden. Jede Frau, der ein Verständnis dafür aufgegangen Ist, welch neue und wunderbare Haggadah das jüdische Volk in unseren Tagen schafft, und auch jede Frau, die jüdischen Menschen im Lande jüdisch» Sehnsucht ein friedliches und arbeitsfrohes Leben aufbauen helfen, insbesondere Frauen und Kindarn bei der Einordnung in dieses Leben an die Hand geh»1 will, wird hiermit aufgerufen, sich der Werbeaktion einzugliedem, als Helferin oder als Spenderin, so daß doppelt und dreifach gestärkt in Zukunft auch die jüdischen Frauen Berlins die Arbeit für Palästina mit größerer Stoßkraft und größeren Erfolgsaussichten als bisher leisten können. Verband jüdischer Frauen iür Kulturarbeit in Palästina Geschäftsstelle: Bayreuther Straße 36 Bund zionistischer Frauen Deutschlands Geschäftsstelle: MelnekestraSe 10 Keren Kajemeth Lejisxael Geschäftsstelle: Meinekestraße 10. Lernt von der Hadusah! Von Pr. Nadja Stein. Vor mir liegt ein ansehnliches Bündel von Papieren — weiße, Waue, rosa, gelbe Blätter mit Maschinenschrift bedruckt: das Instruktionsmaterial, das die New Yorker Zentrale der amerikanischen Zionistin ne n während der letzten zwei Monate an die Offiziere ihrer 300 Freiwiiligenkorps ausgesandt hat. Ich gehe es diirch. Vereinsmitteilungen, die wohl nur lokales Interesse zu beanspruchen vermögen. Aber eine Ueberschritt da, ein herausgenobener Salz dort, eine interessante Statistik, eine wirkungsvolle Zitierung ziehen meine Aufmerksamkeit auf sich. Und plötzlich bin ich helle Begeisterung. In diesen Schriftstücken eines Frauenvercins steckt eine solche Methodik, eine Summe so kluger Ueberlegungen, eine solche Unmenge zielbewußten Denkens und ernster Arbeit, daß sie jedem Amt zur Ehre gereichen würden. Im Namen von Glauben und Wissenschaft. Den Beginn der Berichte der Hadassahzentrale bildet regeimäßig ein Brief ihrer Präsidentin. Seit vorigem Jahr bekleidet Frau Irma L. Lindheim diesen Ehrenposten, eine Persönlichkeit von einzigartigem Gepräge. Eine rrau von großer Begabung, von tiefer Zionsfiebc und stärkster Energie, die sich vom Augenblick ihres Eintretens in die Bewegung durchgesetzt und die der Hadassahorganisation nun ebenso stark den Stempel aufdrückt, wie es die bisherige Leiterin, die Schöpferin der Hadassahorganisation Henrietta Szold, getan. In ungezählten Versammlungen überall In den vereinigten Staaten, vor jugendlichen Menschen und Antizionisten, vor Arbeiterfrauen und sogenanntem Elitepublikum, hat sich ihre Wir- IlillllllllllilllillllllllMl^ Nocturno in Basel Von Klara Blnm. Durch, die gleitende Nacht meiner Fahrt Rauscht herüber vom Rhein, Rauscht noch dein Schweigen — Niemals wieder hüllt es mich ein, dein tröstliches, samtenes Schweigen, Niemals mehr ... Warum nur so toll übereilt Trank ich dein Schweigen, Trank diesen seltenen kostbaren Wein? Dunkle Schönheit, dunkler Mantel and tiefdunkler Kuß, Schlanker Schatten auf knisternden Uferwegen., Warst in der Nacht ein Akkord, warst das Lied ohne Worte, stamme Erfüllung Alter 'Wunschtraum, vom Kavalier, vom seidenen Mann, der sich lautlos schonend entfernt. Seidenschwarzer Hidalgo, du dunkel wissender Jude Sag wo hast du so herrlich schweigen gelernt? Sieh, auch ich schwieg bei dir — doch ich bin vom Geschleckte der Prahler, Worte sind mein Bern/, ich leb und erleb nttr fürs Wort, Reißt *3er. wirbelnm nßfthmm* 4er 0jtf*en mich fori* Zaubermantel hüllte sie ein, die Wilde, und gab ihr sekundenlang Stille Machte ihr lärmendes Leben sekundenlang leise Und weich. Sei bedankt Mantel, Mund sei bedankt, bedankt du lautloser Wille Urfremd bleibe ich dir — doch du machtest mich reich. September 1027. kuug bewährt. Es war zunächst das Evangelium von der Erlösung des Bodens, der Nationalfondsgedanke mit seinem hohen sozialen Ideal, den sie predigte. Bald stellte die Hadassah, die bis dahin hauptsächlich das Gesundheitsvvcrk in Palästina in den Vordergrund ihrer Arbeit gerückt hatte, ihre mächtige Organfsation in den Dienst einer intensiveren Nationalfondspropagaflda und damit stärkerer Zionisierung ihrer Mitglieder. Mrs, Lindheim wurde die Vorsitzende des newreschaffcnen Nationalfondskomitees der Hadassah und nun kamen ihre hervorragenden organisatorischen H ■־ensrhaften zur vollen Geltung, Als es dann galt, eine Nachfolgerin für Miß Szold zu wählen, gab es nur eine Stimme für ihre Nachfolge. Nach zwei Jahren anstrepgendsler Arbeit hatte Frau Lindheim das Bedürfnis, mit den Hadassahinstitutionen in Erez-Israel in persönliche Fühlung zu treten. Sie konnte nach dem Baseler Kongreß nicht mehr als zehn Tage für einen Besuch in Palästina verwenden. So flog sie in zweieinhalb Stunden im Aeroplan von Alexandria nach Gaza. Das Millionenbudget der Hadassah. Heute, nach dem 15. Jahr ihres Bestandes, erfüllt von dem Bewußtsein ihrer bisherigen Leistungen, des ständigen Wachstums ihrer Rieseno״ •׳pmnntion und ihrer Leitung durch außerordentliche Führerinnen besitzt die Hadassah eine Zuversicht in sich selbst, die sie zur ßew.U. ,־ . •'m ner gewaltiger vor ihr sich türmenden Aufgaben briäliigt und anspornt. Weit über eine Million Dollar müssen von den Hadassahfrauen in diesem Jahr zusammengetragen werden. Die Erhaltung ihrer medizinischeninstitutionenin Erez* Israel erfordert allein schon ein Jahresbudget von 600 000 Dollar. Die Hadassah hat sich erbötig gemacht, von nun an ganz selbständig für diese Kosten aufzukommen und den Keren Hajessod von seiner bisherigen fahressubvention, die ein Drittel betrug, zu entlasten. Diese Summe wird von der Hadassah durch ihre Mitarbeit am Drive der Vereinigten Palästinafonds aufgebracht, sie hat sich aber verpflichtet, für allgemeine Aufhauzwecke im Rahmen dieses Drives noch weitere 250 000 Dollar zu sammeln. 30000 Dollar verlangt der Kinderwohlfahrtsfonds der Hadassah, der von ihren Frauen in den Milkbags gesammelt . wird, den Säckchen, in, die jede Hadassahfrau täglich soviel Penny einlegt, als. sie Flaschen Milch für ihre Familie verbraucht. 12000 Dollar muß für den Penny Luncheon Fund Zusammenkommen, aus dem 250 Schulkinder Palästinas täglich ein warmes Mittagessen bekommen, das sie übrigens selbst herzusteilen lernen. Dieser Fonds wird durch eine Chanukkahaktion unter den Kindern der jüdischen Schulen durch die Hadassahfrauen propagiert Zu 50 000 Dollar jährMi haben sich die Hadassahfrauen an den N a t i o n a I f o n a s verpflichtet und sie müssen durch Freiwilligenarbeit für die blae» Büchse, durch Verkauf von blauweißen Fähnchen am Makkablertak und Blumen am iähriiehen Blumentag des Keren Kajemeth auf den Straßen und in öffentliehen Lokalen gesammelt werden. Weitere Spenden von gleicher Höhe verlangt der Pale* stine Supp ly Fund, für den 750 Hadassahzirkel nähen und für den es "Naturalspenden bd bestimmten, diesem Zweck gewidmeten Tees, sogenannten ״Schauem“, regnet Endlich gilt es noch 20 000 Dollar für den besonderen Ad - mlnistrationsfonds aufzubrin gen, natürlich jenseits der Mitgliedsbeiträge, die im Laufe eines Jahres allein 200000 Dollar ausmacnen. Und 2000 Dollar beansprucht noch die Subvention der H a-1 scha, des palästinensischen Frauenblattes und des Gehalts der Sekretärin der palästinensisehen Frauenorganisation der Histadruth hanaschim haivrioth. Zu alldem beteiligt sich die Hadassah noch an der Sammlung für den Million-Dollar -Fonds des Univcrsitätsspitals, den das Jüdische Aerztekomitee Amerikas ausgeschrieben hat. Das Geheimnis des Hadassaherfolges. Das Geheimnis des Hadassaherfolges ist zunächst die Verteilung der Lasten auf eine sehr große Anzahl von Individuen. 45 000 Mitglieder, 35 000 Seniors nnd 10000 Juniors schieben hier mit an. Bei nur 30 Dollar Jahresspende pro Person wäre die Riesensumme von eineinhalb Millionen Dollar spielend aufgebracht. Aber so einfach ist natürlich die Rechnung nicht zu machen. Wieviel Seniors und Juniore begnügen sich aus Gleichgültigkeit oder Unvermögen — denn die Hadassahfrauen rekrutieren sich durchaus nicht aus den reichen Kreisen mit nur wenig mehr als dem Jahresbeitrag von vier bzw. nur zwei Dollar. Welcher fortwährenden Propaganda, An« feuerung und Aufklärung bedarf es, um die Energien der großen Arbeitsarmee auf dem qui vive zu erhalten? Immerhin, die Menge ist unentbehrliche Voraussetzung bei einer Organisation von dem Umfang des Hadassahwerkes und neben der Sorge für die Bewahrung des alten Mitgliederstocks ist der _ Haaassah nichts so wichtig als weitere Vennehrung ihrer Reihen. Ihre Zahl auf 50 000 aufzufüllen bis zur nächsten Landeskonferenz im Juni 1928, hat sich die Hadassah augenblicklich als Ziel gesetzt. Da sie Innerhalb der letzten drei Jahre ihre Zahl verdoppelt hat! d. h. jährlich um etwa 6000 Mitglieder gewachsen ist, so ist anzunehmen, daß sie dieses Ziel nicht nur erreichen, sondern noch darüber hinauswachsen wird. Wie macht die Hadassah solches möglich? Wie wirbt, wie arbeitet sie? Wodurch hält sie ihre Mitglieder zusammen? Wie erhält sie sie aktiv? Der Aufbau der Organisation. Mustergültig ist die Struktur der Hadassahorganisation. 15 Frauen, die sich zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammenschließen, haben das Recht, sich als Hadassah-Chapter, als Sektion zu bezeichnen. In feierlicher Form wird unter Assistenz einer schon bewährten Hadassaharbeiterin die Konstituierung vorgenommen, der Arbeitsausschuß in aller Form bestellt und über seine Pflichten aufgeklärt. Außer den üblichen Aemtern einer Vorsitzenden, einer Schatzmeisterin und einer Schriftführerin und ihrer Vertreterinnen werden aber noch Funk t ionärinnen für die verschiedenen Arbeitszweige der Hadassah bestimmt und mit der Verantwortung für die gewissenhafte Durchführung ihrer Mission betraut. So gibt es eine Leiterin für Mitgliedschaftwerbung, für das Kinderwohlfahrtswerk, für die Penny Luncheon-Aktion, für Kulturarbeit und für Pressepropaganda, seit kurzem auch eine für Organisationstechnik. Jede dieser Funktionärinnen hat sich ein Arbeitskomitee zusammenzusteilcn und mit diesem ihre Arbeit selbständig zu organisieren und du:c'1zufü1:rcn._ Bei den monatlichen Vorstar.dssitzungen berichten sie dann über ihre Tätigkeit, empfangen gegenseitige Beratung, Anregung und Kritik. , Alle diese Ressortleiterinne» aber sind nicht siejj selbst und; Ütffer Ratfosigfctt üfcfertassetff sondern stehen 1ritt ]öiihitteHlarer Verbindung mit der zentralen Leiterin der respektiven Arbeit in New York. Sobald die Vorsitzende einer neugegründeten Gruppe diese beim Hauptbüro angemeldet und die Namen aller Funiaionärinnen mitgeteilt hat, beginnt ihre Einbeziehung in den Organismus der Hadassah und läßt sich bald völlig mit diesem zu einer festen Einheit verwachsen. Herz und Kopf der Hadassahorganisation ist ihre New Yorker Exekutive. Sie ist der Arbeit«- ausschuß der Landesexekutive, einer Körperschaft, die jetzt aus 38 der bestbewährten Hadassahfrauen aus dem ganzen Lande zusammengesetzt ist — dem National Board. Er tritt je nach Bedarf bei wichtigen Anlässen zusammen. Die ständige Arbeit obliegt der Exekutive, in der jedes Ressort vertreten ist. Mit Henrietta Szold als Ehrenpräsidentin, Frau Irma Lindheim als Präsidentin, Mrs. Edward Jacobs als erster, Mrs. Pearl Franklin aus Chicago als zweiter und der ausgezeichneten Propagandistin Mrs. A r c h i b a 1 d S i 1 v e r in a n als dritter Vizepräsidentin, mit Mrs. Dorothy Lefkowätz als Schatzmeisterin und Mrs. Robert Szold als Schriftführerin stellt die Exekutive eine Elitekörperschaft dar. Auch die einzelnen Ressorts sind ganz, vorzüglich besetzt, zum Teil durch Frauen, die besondere Eignung dazu mitbringen, zum Teil durch solche, die durch das Beispiel der andern, durch Erfahrung und unschätzbare Belehrung, die sie auf Schritt und Tritt in der Hadassah bekommen, zu Führerinnen geschult worden sind. Die Tatsache aber, daß jede Arbeitsleiterin im übertragenen Wirkungskreis völlig auf die eigene S e 1 b s t ä n d i glc e i t estellt wird, ist ein weiteres Geheimnis der Erfolge der Haassah. Wohl werden die Grundlinien der Arbeit für die einzelnen Departements gemeinsam von den Mitgliedern der Hadassah-Exekutive festgelegt oder nach den Vorschlägen der Ressortleiterin genehmigt. Aber in den Intervallen zwischen den Sitzungen arbeiten die Frauen ganz unter eigener Verantwortung. Sie verfassen und unterzeichnen die Arbeitsinstruktionen, die sie an die lokalen, ihnen unterstehenden Funktionärinnen ihrer Abteilung vom Hauptbüro aussenden lassen, sie diktieren die Briefe, die über die auftauchenden Fragen mit den lokalen Vertreterinnen ausgetauscht werden müssen, sie empfangen deren Berichte, bearbeiten sie, berichten über sie bet den Sitzungen der Exekutive und neben sie für die Presse im Auszug weiter. Auf diese Weise sind sie über alles genau unterrichtet, was auf ihrem Arbeitsgebiet in ganz Amerika vor sich geht. Die Hadassahfrau, die Vorsitzende einer Gruppe oder Ressortleiterin ist, muß alle anderen Interessen zurückslcllen und Opferfreudigkeit genug besitzen, um völlig in ihrer Arbeit aufzugehen. Die verantwortlichen Leiterinnen der einzelnen Departements an der Exekutive müssen mit fast dreihundert lokalen Arbeit«• leiterinnen in Kontakt sein, diese wieder ihrerseits mit allen er• faßbaren Individuen. Aber die Liebe zu der einmal begonnenen ' und im steten Wachsen begriffenen Sache wird so stark bei den Hadassahfrauen, daß zahlreiche unter ihnen Jahr für Jahr bereit sind, ihr verantwortungsreiches Amt wieder zu übernehmen und ihre angesammelte Erfahrung, größere Umsicht und Routine komtnen dann natürlich der Arbeit zugute. Einmal im Jahr, und zwar: Ende Juni, kommen die Ver־ tret.erinnen der Gruppen der Landesexekutive zu einer Landes konferenz zusammen. Die Feststellung bei dieser Gelegen• heit, welche Gruppe relativ und absolut am meisten Geld odei Mitglieder gesammelt, welche die regste Veranstaltungsodet Kulturtätigkei♦ entfaltet, welche die meisten Büchsen aufgestelb oder geleert hat usw., Feststellungen, welche manchmal prä• miiert werden — stiftete doch z. B. im Vorjahre eine Hadassahfrau ein sechssitziges Auto als einen der Preise —, ist eine Genugtuung für die auf gewandte rastlose Mühe. Außerdem treffen sich die Vertreterinnen der Gruppen einmal ita Winter.