Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 27-28 (4.4.1928)
- Date
- 1928-04-04
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652971-2652998--19876-2677798- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 202 J UEDISCH E RUNDSCHAU Nr. 27/28, 4. IV. 1928 7m Heimat. Und voll von schönen Erinnerungen: betäubende Erinnerungen de*; kurzen eigenen Lebens und abgeklärte der großen Volksvcrgangcnheit. Urmutter Rahels, der Hirtin, Blut, ihr hoher, sicherer Gang lebt in jeder stolzen Jüdin fort. Aber die Verlassenheit ist zu groll, um sie auch nur für einen Augenblick zu vergessen. Die Blüte verwelkt, noch ehe sie der Sommer ausreifen kann. Aber — oh Wunder -* die vorzeitig verdorrende Blüte trägt starke Fruchtknoten, und wer weiß, ob sie nicht wertvoller«! Samen hervorbringt, als jene stolzen, langlebigen, gesunden, farbenreichen, saftigen Blumen, die allenthalben auf Märkten in Töpfen feilgeboten werden. — Das Büchlein liegt noch immer auf meinem Schreibtisch. Ein unbestimmtes Gefühl hält davon ab, es in den Bücherschrank zu den übrigen zu stellen. Täglich fliegt ein Stoßgebet zum Himmel; ״Herr, schneide den Faden nicht ab, gib Leben!“ Und das Büchlein liegt auf dem Schreibtisch und es ist gut, daß es liegt. Denn solange es liegt, ist Hoffnung. Auf dem Titelblatt des Büchleins steht: Rahe!, ״Safiach“, Schirim (Verlag ״Dawar“, Tel-Awhv 1027). Dr. Ernst Malier, Wien Was auf mich in den letzten Jahren einen bedeutenden Eindruck machte, waren zwei Uebersetzungswerke: ״Der Dibbuk“ in Uebersetzung Bialiks und das Gilgamesch- Epos in der Uebertragung Tschernkhowskis. In beiden erscheinen Sprache und Form mit dem Inhalt wirklich in voller Harmonie verbunden. Dr. Abraham Schlesinger Von den wenigen mir näher bekannt gewordenen belletristisehen hebräischen Neuerscheinungen der letzten fünf Jahre halte ich die zweibändige Ausgabe der Gedichte SchnBurs bei aller persönlichen Ablehnung seiner ästhetizfstisch-relativlstischen Weltanschauung für das bedeutendste Werk. Besonders schätze ich die Dichtung ״Beharim“, für meinen Geschmack zum Herrlichsten gehörend, was über die Welt der Berge überhaupt geschrieben wurde, und die. ins Gebiet der ״nationalen“ Dichtung fallende Schöpfung ״Im Z’lile hamandolinah“ mit ihrer tiefen, wilden Sehnsucht nach der orientalischen Heimatsonne und mit ihrem jüdischen Adelsstolz. — Zum zweiten nenne ich ein einzelnes Gedicht: ״Jenasser 10 khilbhabho . . .“ von Bialik (״Haschiloach“ Bd. 46 Heft 2), künstlerisch, soweit ich es verstehe, von hoher Vollendung, und inhaltlich mit prophetischer Kraft und Wucht Ausdruck verleihend der Erkenntnis vom Fluch der Großstadt und von der Reinheit und ewigen Herrlichkeit der Natur. Man denkt an Spengler und zugleich an die Chaluzim, an Gordon und Birnbaum. Der Dichter der ״Habrekha“ ist sich treu geblieben: Natur gegen Ueberkultur, Gott gegen die Mechanik. Dieses Gedicht, das anscheinend noch viel zu wenig Beachtung gefunden, vermag beinahe das allzu lange Schweigen unseres Bialik zu sühnen. Gerhard Scholem, Jerusalem Die schönsten hebräischen Veröffentlichungen der letzten Jahre scheinen mir die Erzählungen S. J- Agnons und die Kinderbücher Biallks. In dieser Generation, in der eine radikale, ebenso fruchtbare wie freilich auch lebensgefährliche Sprachverwandlung sich vollzieht, ist die hebräische stärker noch als andere Literaturen von der scheinbaren Fülle des Geschwätzes bedroht, in dem Liebesgeschickten und Gesellschaftsschilderun gen gleicherweise zu ertrinken drohen: die Versuchung zur Phrase ist ln einer Sprache übermächtig, die eben erst in den Bezirk einer neuen untheologischen Aktualität getreten ist. In solcher Zeit ist die Dichtung in der bedenklichsten Lage: droht doch ihr Mittel ihren Gegenstand zu verfälschen. Einer Sprache, die im Begriff steht, aus dem Buch ins Leben zu wandern, verschwinden mit Notwendi^keit bestimmte Gegenstände dieses Lebens und damit der Dichtung selbst, und auch die sichtbar bleibenden erscheinen in oft grotesk verkürzter Perspektive wie in den Schriften Brenners. Den Abgrund dieses Uebergangs zu durchmessen und zu schließen ist die Aufgabe der Sprechenden, die nur im Opfer zu erfüllen ist. Die Welt unserer Väter und die Welt unserer Kinder, das sind die beiden großen Visionen derer, die im Uebergang stehen, und ihre Koinzidenz im Oeist der großen Dichter ist die einzige echte Bürgschaft der Erneuerung unserer Sprache, die von vielen Sprechern geschunden und von vielen Schreibern zcrschwatzt, doch ihre heilende Macht an unseren Kindern bewähren muß. Und daß sie es tun wird, ist die Verheißung, die aus dem Werke des großen Dichters Agnon spricht, dessen tiefste Dichtungen alle das Unglück betreffen, den wahren und trostreichsten Gegenstand des jüdisehen Chronisten. Und Agnon ist ein echter jüdischer Chronist in jenem Sinne, wie ihn Bialik ein talmudischcs Wort tiefsinnig umkehrend gefordert hat: .״ ראה הלכה מזכי מעשיer sieht die Halacha und erinnert sich der Geschichte“. Ich sage trostreich, denn die ergreifende Gewalt, mit der der Geist der Trauer in unzähligen Geschichten Agnons beschworen ist - am wunderbarsten ln!בדמי ימיו das in der Hatekupha Band 17 erschien verschiebt das wirkliche Geschehen, das sie schildern, zu einem apokalyptischen, und unversehens treten viele seiner Helden, aus einem Dunkel von Gewalt, Verschuldung und Vermessenheit heraus, ins Licht der Erlösung. Und Trost ist ein apokalyptischer Begriff. Daß gerade heute und hier in Palästina der religiöse Sinn unserer Sprache im Medium einer wunderbaren Einheit von Popularität und Vollkommenheit wieder sichtbar, ja sichtbarer als je seit der Zeit der Haskala geworden ist, darf mehr noch denn als Wunder, das uns geschah, als Siegel der Rechtmäßigkeit dessen, was hier vorgeht, betrachtet werden. Und wo könnte die religiöse Macht der großen Kunstprosa nachdrücklicher wirken als in einer Dichtung, die immer entschlossener von der Idee des Volksbuchs angezogen, die Welt des Judentums noch im kleinsten Raum einer Geschichte vollständig auszustrahlen scheint. Dieser Aspekt der Agnonschen Welt, in der, wenn man so sagen dürfte, die Revision des Kafkaschen ,Prozesses' verhandelt wird, ist es, der zugleich ihre so erstaunliche unendliche Affinität zu einer aus kindlichem Geist errichteten Ordnung ausmacht. Immer wieder ist es wunderbar, wie sehr gerade die schönsten Agnonschen Geschichten so ganz für uns und unsere Kinder zugleich geschrieben zu sein scheinen. An solchem Zugleich aber wird die Legende erkannt, und als Legenden sind mit Recht die Geschichten des Bandes פולין (Tel-Awiw 1925) auf dem Titel bezeichnet. Es ist ein gutes Zeichen für unser Volk, daß seine größten Dichter der Welt des Kindes wieder nahe gekommen sind: Bialik, der in den letzten Jahren seinen Genius mit Bewußtsein in den Dienst des Kinderbuchs gestellt hat, und Agnon, dessen tiefste, in seiner Sprache zu so beispiellos vollendetem Ausdruck gelangte Intention: das Größte im Kleinsten aufzuschließen, ihn zum Hellseher auch in der Welt des jüdischen Kindes gemacht hat. Geschichten wie ״Rabbi Gadiel das Kind“ (1925), ״Die guten Jahre“ (1927), ״Die große Synagoge“ und di« drei letzten-Stücke aus ,,Polen“, vor allem aber die im Haschlloach 1926 erschienene Geschichte von seinen verbrannten Tephillin שני זוגות enthalten die hinreißendsten und tiefsten Seiten der neuhebräischen Literatur der letzten Jahre. Die Stadt Coswig (Anheilt), die Geburtsstadt Hermann Cohens, ehrt sein Andenken, indem sie zum 4. April 1928, dem 10. Todestag, eine Gedenkinschrift an seinem Geburtshause anbringen läßt. Hebräischer Fernunterricht Die Erfahrung lehrt, daß noch weite zionistische Kreise in Deutschland der hebräischen Sprachbewegung ferne stehen. Neben anderen verschiedenartigen Gründen für diese beklagenswerte Erscheinung spielt der Umstand keine geringe Rolle, daß es an vielen, besonders kleineren, Orten keine Gelegenheit zur Teilnahme an einem modernen hebräischen Sprachunterricht gibt. Es handelt sich dabei häufig um Personen, die durchaus von der Notwendigkeit des Hebräischlernens überzeugt sind, aber, lediglich auf den Weg des Selbststudiums angewiesen, mangels einer regelmäßigen Kontrolle ihres Studiums durch einen Lehrer, sich sehr bald vereinsamt und unsicher fühlen. Um derartigen Lernbeflissenen nunmehr die Möglichkeit zu geben, bei ihrem hebräischen Studium die nötige Anleitung und Unterweisung zu erhalten, hat die Zionistische Vereinigung für Deutschland beschlossen, einen hebräischen Fernunterricht cinzurichten. Er soll sich zunächst nur auf Anfänger beschränken. Dieser Fernunterricht ist zunächst so gedacht, daß jeder Teilnehmer für sein Selbststudium ein bestimmtes hebräisches Lehrbuch zugrunde legt und bei diesem Studium weitgehende Unterstützung durch einen Lehrer findet, der mit ihm in regelmäßiger schriftlicher Korrespondenz stehen wird. Der Lehrer kontrolliert durch geeignete schriftliche Uebungen die Selbstarbeit des Schülers, gibt ihm durch Uebersetzungsaufgaben ins Hebräische und andere Arbeiten Gelegenheit, das Verstandnis für das Erlernte zu vertiefen. Die vom Schüler verfertigten Arbeiten werden in kürzestem Zeitraum korrigiert und, mit ausreichenden Anmerkungen und Erlluterangen versehen, zurückgesandt Auf diese Weise kann jeder Teilnehmer je nach Vorbildung und Begabung auf fügbaren Zeit, des Eifers unä der Fähigkeiten abhängig. Für die Durchführung dieses Planes hat sich uns Herr Dr. Max Mayer zur Verfügung gestellt, der nun schon seit geraumer Zeit die speziellen Verhältnisse des neuhebräischen Unterrichts in Deutschland studiert hat Der Unterricht erfolgt unentgeltlich, nur für Portospesen ist vom Lernenden Ersatz zu leisten. Es ist klar, daß dieser Unterricht seiner ganzen Art nach den direkten Sprachunterricht durch einen hebräischcn Kurs- oder Privatlehrer niemals ersetzen kann. Wir denken aber an die große Zahl jener Freunde, denen keine Möglichkeit eines direkten Unterrichts gegeben ist. Der Unterricht soll bereits Mitte Mai beginnen. Wir sind der Meinung, daß für diese Art des Lernens die Sommerzeit kein Hindernis bildet. Im Gegenteil läßt sich vermuten, daß mancher während seiner Urlaubszeit im Sommer sich dem hebräischen Studium intensiver zu widmen wünscht, als er es sonst kann. Wir bitten um einen vorläufigen Ueberblick über den Umfang des Unternehmens zu bekommen, Interessenten, sich schon jetzt unter Angabe der Adresse, des Alters, der allgemeinen Vorbildung und eventuell des bisherigen hebräischen Studienganges zu melden. Erwünscht sind zunächst Anfänger oder solche, die zwar schon gewisse Anfangs gründe erworben haben, aber den Wunsch hegen, noch einmal gründlich zu beginnen. Ob wir die Möglichkeit haben, auch Fortgeschrittenere in unseren Fernunterricht aufzunehmen, kann erst nach einer gewissen Erfahrung mit dieser neuen Methode entschieden werden. Wir hoffen, bald auch diesen bei ihrem Studium behilflich sein zu können. Zionistische Vereinigung für Deutschland, Berlin W 15. Einführung in das Hebräisch der Gegenwart von David Josef Bornstein Herausgegeben von der Zionistischen Vereinigung für Deutschland. Auf Grund außerordentlich anerkennender Gutachten von Chaim N. Bialik, S- Ben-Zion, E. M. Lipschitz-Jerusalem, N. Berggrün-Berlin an den meisten hebräischen Sprachschulen als Lehrbuch der hebräischen Sprache bereits eingeführt. Broschiert Mk. 7.50, in Ganzleinen gebunden Mk. 9.— (zuzügl. Mk. 0.50 für Porto und Verpackung, Ausland Mk. 0.70) Nur gegen Voreinsendung des Betrages oder per Nachnahme. Alleinvertrieb: JÜDISCHE RUNDSCHAU G.M.B.H. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17392 BERLIN W15 MelnekestraBe 10 ■ ■ י I ■ ■ ■ ■ ■ fll s ■ ■ 1 ■ ■ sbeift (\) beginnt soeben! | IM, 1. MYRIAM HARRY-. DAS KLEINE MÄDCHEN VON JERUSALEM (Näheres im Inserat des Welt-Verlages1. — Erschienen! Bd 2: OPA 7 OSCHU: EIN WALDJUNGE. Roman, aus dem Jiddischen von Sjegfrted Sckmitg. — Erscheint Ende Mai. Bd. g: MARCUS EHRENPREIS: DAS LAND ZWISCHEN OST UND WEST. Spantscke Reise eines modernen Juden. Reich illustriert. •— Erscheint Ende August. Bd. 4. JUDEN IN DER DEUTSCHEN POLITIK. Von einem bekannten Fachmann. — Erscheint im Oktober. ״BLA7 7ER DES HB“. Nr. z soeben erschienen, Zusendung auf Wunsch! Änderungen Vorbehalten. Mitgliedsbeitrag; al Vierteljährlich RM. 3.75 /Ausland RM. 4• to); b) bei jährlicher Vorauszahlung RM■ 14-— (Ausland RM. 15.40). Alks mit Porto und Verpackung, tugügl. etwaiger Nachnahmespesen. Berlin W57, Pallasstraße tojit. m m ■ 3 ■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■ו■•■■■■■■■■■■■■ Zu Hermann Cohens 10.TodestafleI Soeben erschienen: Hermann Cohens Schliffen zur Philosophie und zcllflesditdifc Herausgegeben von Albert Görland und Ernst Caaslrer« Mit 2 Cohen-Bildnissen von Karl Doerbecker, 2 Bde.,1100 Seiten, in echt Buckramieinen RM. 28.—. In Halbleder RM-35.—. Nummerierte Luxusausgabe, 50 Exemplare in Ganzleder auf Bütten RM. 70.—. Hermann Cohens Jhdisdte Schrillen Mit Einleitung von Franz Rosenzweig, herausgegeben von Bruno Stransa* Mit Conen-BUdms nad> einer Radierung von Max Liebermann. 3 Binde, 1200 Seiten, in Halbleinen RM. 20.—. Hermann cohen-Blldnls Zu beziehen durch alle Buchhandlungen oder durch den Akademie-Verlag, Berlin W35, LtltzowstraBe 1©