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Jüdische Rundschau · 1928-04-04 · Heft 27-28 (4.4.1928) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 27-28 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr. 27/28, 4. IV. 1928 JUFDISCHE RUNDSCHAU Seite 201 Das hebräische Buch Eine Rundfrage ln dem Wunsch!tLesern ein lebendige* Spiegelbild der modernen hebrSisdtcn Literatur m geben, haben wir uns an eine Reihe von Persönlichkeiten mit der Bitte gewandt, um ein« Antwort auf folgende Frage .u gehen: Welches hebräische Buch der letzten 5 Jahre ist Ihnen das liebste und wichtigste? Der Zweck der Frage war nicht ein akademischer oder wissenschaftüchcr, der nur bei größter Gewissenhaftigkeit und Kenntnis den gesamten Materials zu erfüllen wäre.. Vielmehr wünschten wir von Menschen, die die, hebräische Literatur der Gegenwart ver- ־folgen, ein subjektives, vielleicht impressionistisches Urteil, aus dem unsere Leser Anregung schöpfen könnten; so wie jemand ein Buch, dm er gelesen und das auf ihn Eindruck gemarkt hat, einem Freunde empfiehlt. Es ist daher irrelevant, oh der Befragte in den leiden fünf Jahren sämtliche Neuerscheinungen gelesen hat oder ob er nur mit zwei oder drei Büchern in nähere Berührung kam; er soll sagen, was ihm auf gef allen ist. Gedacht war vor allem an Werke der schönen Literatur, dock , haben wir nur Werke rabbinischen oder theologischen Inhalts prinzipieJl ausgeschlossen. Dagegen stellten wir anheim, auch einzelne m Zeitschriften erschienene literarische Produkte zu nennen. Wir sind nicht, nur an Menschen, die selbst schaffend oder kritisch in der hebräischem Literatur tätig sind, herangetreten, sondern auch an Leser der hebräischen Literatur, deren Urteil gerade für Deutschland interessant ist. Zu unserem Bedauern, haben gerade die schaffenden Literaten in ihrer großen Mehrzahl sieh nicht geäußert, auch sonst sind am viele, der Befragten die, Aniwort, schuldig geblieben. Es sind auch Bedenke, n über den Wert einer soltJirn Rundfrage tont geworden; mir verweisen z. B. auf die Zuschrift des Dichters Sehneur. Wir glauben nicht, daß seine Einwendung hcrechligi ist. Wir selbst stellen ans nicht vor. daß durch diese Rundfrage etwas Entscheidendes für die, hebräische Literatur getan wird; dies liegt überhaupt nicht in der Macht einer deutsch geschriebe.nc.n Zeitung, und wenn die hebräischen Schriftsteller, gewiß mit Recht, darüber ungehalten sind, daß trotz dreißig Jahren ziernislischcr Besorgung noch so wenig hebräische Loser besonders in westeuropäischen Ländern da sind, so ist ein Versuch, in anregender Form Interesse für das hebräische Bach za wecken, kaum, die richtige Gelegenheit, dieses Ressentiment Uundzugcben. Aber wir wollen natürlich an dieser Stelle nicht polemisieren. Nachstehend veröffentlichen wir, alphabetisch geordnet, die erste Reihe der ans zngekommenen Antworten. Mögen recht viele unserer Leser atu den Hinweisen, die hier gewissermaßen gesprächsweise gegeben werden, Ansporn und Ermutigung schöpfen, selbst zum hebräischen Buch za greifen, um sich die Welt zu erschließen, m der im eigentlichen Sinne, unsere nationale Auferstehung sich vollzieht! ... ''v■1 ׳' , ' . Chaim Nadunan Bialik Auf die Frage, welches hebräische Buch der letzten fünf Jahre mir das liebste und wichtigste ist, antworte ich ohne Bedenken: Die Gedichte von Sehneur. Martin Baber Das eine wichtigste hebräische Buch dieser Jahre weiß ich nicht zu nennen, wohl aber die zwei wichtigsten. Es sind die Briefe Achad-Haams und die Schriften A. D. Gordons. Zusammen geben sie die menschliche Spannweite der jüdischen Bewegung. Jedes der beiden Bücher ist die große Urkunde eines ganz aus dieser Bewegung und für sie gelebten echten, starken, unabhängigen, restlos getreuen Menschenlebens. Geist — Volk — Land, so geht die Linie bei Achad-Haam; Land — Volk — Geist, so bei Gordon; es ist die doppelte Dynamik der wirklichen Bewegung: nur durch das Zusammenwirken seines Geistes und seines Landes kann das Volk regeneriert werden. Sie mögen sich im Leben nicht viel zu sagen gehabt haben, der Mann, der vom einsamen Gedanken aus alle Kreise der volksbewußten Judenheit bewegte, und der Mann, der von der. gemeinschaftlichen Arbeit am Heimatsboden aus seine Werkgemeinschaft befeuerte, der Wägende, der den Sinn der Geschichte am Heute zu bewähren verlangte, und der Wagende, der in der kräftigen Gewißheit seines Hier sich in die kosmische Weite schwang; aber wie jetzt rechts und links vor mir die Lebensurkunden der Toten liegen, höre ich ein langes brüderliches Gespräch. Moses Calvary, Ben Schemen Ihre Anfrage setzt mich in Verlegenheit Erstens: Ein Buch Ist zu nennen. Aber es gibt Menschen, die nicht jene beglückende Einseitigkeit aufbringen, um e i n Ding aus der Fülle der Erscheinungen sich besonders anzueignen. Zweitens: ״Das Liebste und Wichtigste.“ Und wie, wenn diese Eigenschaften nicht Zusammentreffen? Und drittens: Es ist schwer, ein solches Urteil abzugeben, solange man sich bewußt ist, längst nicht alles Wichtige gelesen zu haben. So verzeihen Sie mir, wenn ich eine Reihe von wertvollen Büchern nenne. .ביסטריצקו• ימים ולילות a Auf die Mängel dieses Buches ist schon in der ״Jüd. Rundschau“*) hingewiesen worden, vor allem, was für den europäisch geschulten Leser stark in die Wage fällt, auf das Fehlen plastischer Gestaltung. Und doch ist das Buch ein großer Wurf. Unvergeßllch die Gestalt der ״Heldin“, auch wo sie nur im Hintergründe geahnt wird, die Darstellung der Jaffaer Unruhen, und die Zerquältheit der Kwuzah. 2) ע גב ו ן• בדמי הייה• התקופה• Ausgezeichnet durch das, was Agnon vor allen jüdischen Autoren eignet, vor hebräischen und fremdsprachigen: jene eigene Mischung von epischer Erzählung, Kunst und lyrischer Stimmung: Eine Novelle im edelsten Sinne des Wortes. Aber es ist wohl kein Zufall, daß unsere neuhebräische Dichtung in der Lyrik gipfelt; das ist bedingt sowohl durch *) Siehe die Besprechung von Escha Scholem In Nr. 85 des Jahres 1926. — A. a. R. unsere augenblickliche geistige Situation wie durch den jüdischen Ödst überhaupt. Es wäre da vieles zu nennen. Ich stelle vor allem unser Dreigestirn heraus: 8) אורי צבי גרינברג: אימה גדולה וירח. הגברות העולה 4) יצחק למדן: מסדה 5) אברהם שלונסקי: בגלגל• לאבא־אמא Alle diese Dichtungen sind künstlerische Formungen unserer inneren und äußeren Lage. An formalem Talent überragt Schlonsky seine Gefährten, darum ist es nicht leicht, seinen Kern zu fassen: Eindrueksam der Erscheinung hingegeben, und ihr erwidernd in farbigem Reichtum, mit weicher Seele, — G rln her g ganz Aufruhr, Protest, qualvoller Wille, — und Lamdan in seinem Poem das innere Schicksal des aufbauenden jüdischen Menschen unserer Tage in großem Bilde zusammenfassend, Symbol des arbeitenden Erez-lsrael. Ich könnte noch vieles aus diesen Jahren nennen, aus Werken von Burla, Hasas, Rahel, Schoham und anderen, — aber ich darf ja im Rahmen dieser Anfrage keine Literaturgeschichte schreiben. S. Chnloar (Schfi&ir), Paris Wenn Sie meinen, mit Ihrer Rundfrage etwas Wichtiges für die hebräische Literatur zu schaffen — da sind Sie, nach meiner Meinung, in großem Irrtum. Das sind ganz sonderbare Mittel Schaffen kann man etwas, mit so einem Wochenblatt wie die ״Jüdische Rundschau“ ist, mit Artikeln, Uebersetzungen, kritischen Behandlungen der hebräischen Literatur, kurz und gut: Schaffen Sie eine spezielle Rubrik, redigiert von einem gewissenhaften Fachmann, die alle Erscheinungen in der hebräischcn Literatur abspiegeln soll. Ihre Rundfrage interessiert mich deshalb nicht und ich finde sie, offen gesagt, für höchst ״demode“. Zwl Diesen druck, Wien Von der hebräischen Literatur der letzten fünf Jahre machte auf mich den stärksten Eindruck die Briefesammlung Achad Haams. Objektiv, für den Historiker, sind die Briefe ungemein aufschlußreich über die Innenseite einer Reihe von bedeutenden Ereignissen und Plänen, in Literatur und Politik, der letzten vier Jahrzehnte, die wohl wie wenige in unserer Geschichte reich sind an aufstrebendem Wollen, an Taten und auch an Enttäuschungen. Doch noch wesentlicher für mich war es, die Persönlichkeit Achad Haams in ihrer Größe ■och klarer offenbart za sehen. Und dies insbesondere ln zwei Punkten! Die Rigorosität, die wir in seinen publizierten Arbeiten kannten, erscheint unvermindert wieder auch hier, im kleinsten Briefe, also auch ira Privaten, von Mensch zu Mensch. Diese wirkliche Einheitvon Mensch und Schriftstel ler, an die wir bei Achad Haam Immer glaubten, es ist gut, sie in solch einem Maße bestätigt zu finden. Nicht mehr aber eine Bestätigung, sondern eine Kor re kt u r unserer Vorstellung bedeutet der zweite Punkt. Wir sehen in Achad Haam einen Alleinstehenden. Oft und oft war man versucht, ihn ln einen Kreis von nahen, ihn gehorsam ergebenen Freunden eingebettet zu sehen — und glaubte mit dieser von der Atmosphäre gebotenen Sicherheit so manches an Stärke des Auftretens und Selbstvertrauens erklären zu können. Das Gegenteil erweist sich. Unter den jüngeren, und also schwächeren, Freunden gab es wohl einige, die folgten; doch gerade die nächsten Mitarbeiter, im russischen Zionismus sowohl als auch ln der ersten Haschfloah-Zeit der Literatur, haben ihn öfter, als man glauben möchte, allein gelassen. Wir erfahren es jetzt: seine Stärke war die des Einsamen. Achad Haam ist uns Heber geworden. Wladimir Jabottnsky Ich kann Ihre Frage leider nicht zulänglich beantworten, da ich jetzt sehr wenig Zeit habe zu lesen und daher auch nicht weiß, ob nicht in diesen fünf Jahren etwas Wichtiges gedruckt wurde, das mir entgangen ist Von den Büchern, die ich habe, sind mir am liebsten Schneurs ״Gescharim“ und Lamdans ״Atassada“, aber es wäre leichtsinnig, dies subjektive Urteil als maßgebend hinzustellen, wenn vielleicht etwas noch Glänzenderes erschienen ist. Wollen Sie übrigens noch eine halb-ernste Antwort (sogar neun Zehntel ernst)? — Mein eigener hebräischer Atlas! Aber das läßt sich ja nicht drucken. . . . Prof. Dr. Joseph Klausner, Jerusalem Das liebste und wichtigste Buch der letzten fünf Jahre ist für mich: שאול טשרניחובסקי• שירים חדשים• הוצאת אברהם יוסף שטיבל• ליססיה תרפ״ד. Es sind darin enthalten die wunderbarsten Schöpfungen der hebräischen Dichtung: מנגינה׳ ויהי בישורון מלד• לשמש וכליל סוניטות)• תכונתה שי אלקה• על הדם(כליל סוניטות׳•• אלי• הפעמונים• ועוד welche meines Erachtens unsterblich sind wie die hebräische Sprache selbst und tiefer, abgrundtiefer als die ganze hebräische Poesie mit Ausnahme Ihn QabiroLs. Das ist meine subjektive, unmaßgebliche Meinung. Dr. Jakob Hatzkin, Berlin Ich bedauere Ihre Rundfrage vom 14. d. M. nicht beant- Worten zu können, da meines Wissens in den letzten fünf Jahren auf dem Gebiete der belletristischen Literatur in hebräischer Sprache kein einziges Originalwerk von Format und Bedeutung erschienen ist. Jaakow KoMn, Warschau Es war meines Erachtens kein besonders glücklicher Gedanke, eine Rundfrage gerade über die so mageren letzten fünf Jahre der hebräischen Literatur anzusteUen. Das beste, glaube ich, ist wohl mangels der Publikationsmöglichkeit ln den Schubladen der Dichter oder gar — ungesch!!eben gebh’eben, und erst die nächsten fünf Jahre werden, wie ich hoffe, Bedeutenderes aufweisen. Barnch Krapnlk, Berlin Auf Ihre Frage, welches hebräische Buch der letzten fünf Jahre mir das liebste und wichtigste ist, möchte ich zwei Aut- Worten geben: 1. Das wichtigste ist nach meinem Dafürhalten "׳*ישו הנוצרי von Klausner (Stybel-Verlag) — eine einzigartige umfassende Monographie, die einen Fragenkomplex für das hebräische Publikum lebendig-wissenschaftlich erschließt, der bisher Tabu war oder apologetisch abgetan wurde. ״Rabbinisch“ oder ״theologisch“ Ist das Werk keinesfalls und fällt folglich unter die bei Ihrer Umfrage ins Auge gefaßten Literaturgebiete. 2. Als Lieblingsbücher, zu denen ich oft zurückkelire und deren Wahl ich nicht zu begründen brauche, weil es ja eminente Geschmackssache ist, nenne ich — von den in den letzten fünf Jahren erschienenen: מחברות עמנואל des Immanuel Romi in neuer Edition (Eschkol-Verlag), die erst dies weltlichste aller hebräischen Bücher genießbar macht, und ספר המעשיות von Mordechai Ben Jecheskel (Dwir-Verlag), zwar ״rabbinischen und theologischen“ Ursprungs, aber — köstliche Bellestristik, somit in den Rahmen der Umfrage gehörig. Jose! Lin. Berlin Ihre Frage, welches neuere hebräische Buch ich besonders liebgewonnen habe, ist mir nicht ganz leicht zu beantworten. Unser Verhältnis zum Hebräischen ist ein subjektives. Wohl ist das Bezeichnende des neuhebräischen Schrifttums, daß es sich auch mit profanen Dingen befaßt — eine ״profane“ Sprache ist die hebräische für uns dadurch doch nicht geworden. Man pflegte zuweilen jene Haskala-Schriftstdler zu ironisieren, welche ihre romantische Verherrlichung der hebräischen Sprache in schwunghaften Ergüssen zum Ausdruck brachten, — nun, dem Himmel sei Dank dafür: jene Romantik ist auch heute noch nicht ganz verschwunden. Die Erkenntnis, daß der Genius des jüdischen Volkes sich in der hebräischen Sprache am reinsten, am erhabensten offenbart hat, macht sie für uns — wenn auch In anderer Art als für unsere Vorfahren — zu einer ״heiligen“, zu einem Schatz, mit dem unsere nationalen Ideale und Hoffnungen unlösbar verknüpft sind. Die Tatsache, daß ein Buch hebräisch abgefaßt ist, beeinflußt von vornherein unsere Beziehung zu ihm. Es ist uns sozusagen schon um seines Daseins willen teuer. Mit innerer Bewegung erleben wir es, wie unser nationaler Kulturbau Stein um Stein gefördert wird. Nicht wenige sind es, deren Inhalt auch unsere ״a priorl-Liebe“ reichlich belohnt. Von diesen Büchern möchte ich besonders eins hervorheben, in dem ein großes Lebenswerk gezeichnet ist: Die sechsbändige Sammlung von Achad Haams Briefen »״אגרות. Nach zwei Richtungen hin sind diese ״Igrot“ von hohem Wert: sie widerspiegeln die neue R e n a i s - sance-Epoche unseres Volkes, und sie zeigen deren bedeutendsten Repräsentanten in seinen seltenen menschliehen Qualitäten. Nicht immer entsprechen die Schaffenden als Menschen ihren Werken. Man scheut deshalb mitunter, mit Großen persönlich in Berührung zu kommen — aus Furcht vor einer Enttäuschung. Bei Achad Haam dagegen wurde das Idealbild, das wir von ihm auf Grund seiner Schriften gewonnen hatten, durch persönliche Erfahrungen vollauf bestätigt, womöglich noch übertroffen. Diese lautere Menschlichkeit, diese unantastbare Reinheit des Charakters, diese Verschmelzung von Praxis und Ideal, Prinzip und Handlung zu einer Lebensbarmonie! Achad Haams Briefe sind ein ״document humain“, das berufen ist, unseren Glauben an wahres Menschentum zu stärken. Dr. Max Mayer Ihre Rundfrage verstehe ich iu dem Sinne, daß der Befragte ein in den letzten Jahren erschienenes hebräisches Werk namhaft machen soll, das ihm persönlich besonders ans Herz gewachsen ist, und das er auf diesem besonderen Wege der Aufmerksamkeit anderer empfehlen will. Wenn Sie mir diese Auslegung Ihrer Frage gestatten, so ergreife ich mit Freude die schöne Gelegenheit, das Interesse hebräischer Leser auf ein Gedichte- Bändchen zu lenken, das seinem Umfange nach höchst unschcinbar erscheint, von dem man sich aber, selbst wenn man es mehrfach gelesen und Zeile tim Zeile eingesogen hat, nicht trennen kann. Ein unklares Gefühl scheut sich, es zu den übrigen Büchern in den Schrank zu stellen. Es sind die Gedichte einer, die sich als Todgeweihte fühlt Fast in jedem dieser kurzen Lieder stirbt die Dichterin einen neuen Tod. Eine Jugendliche, die auf ihrer Schulter die schwere Hand des hinter ihr schleichenden Sensenmannes ,’füllt. Schauriges Todesahnen, nicht auf den Hintergrund europäischer Lebensmüdigkeit gezeichnet, sondern ln den Teppich der werdenden glutvollen Welt Neupalästinas gewirkt Balsa in-Düfte orientalischer Landschaft, abgestoßen durch Carbolgeruch dumpfer Krankenhäuser. Aber wüßte man, wann das Verhängnis hereinhricht, so gäbe es ein drittletztes, ein vorletztes und ein letztes Lied. So aber ist jedes das letzte. Und es folgt immer noch ein letztes. Und jedes letzte ist erschütternder, weil innerlich beherrschter. Micha Joseph Lebensohns laut schreiende Auflehnung gegen das sich vollziehende Geschick sind Schmerzensrufe eines Unerzogenen, Empörten, dem Leben und Tod zu gleicher Angstquäl geworden sind. In diesen Gedichten gibt es nur stille Ergebenheit, gedämpfte Klänge, ohne störendes Pathos und leere Schönrederei. Und wir begreifen: Verhaltenheit erschüttert mehr als Aufschrei. Die furchtbare Einsamkeit der Leidenden macht jeden Appell an das Mitleiden der Welt zur Lächerlichkeit Selbst in Krankensälen liegen Schicksalsgenossen jeder für sich, jeder mit der i h m angetanen Kränkung beschäftigt Und doch ist das Herz voll unbegrenzter Liebe und Liebebedürftigkeit, voll Liebe zum Leben, zum tiefblauen Himmel, zur Mutter Erde, ■ i I' / •I \ 3 I I

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