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Jüdische Rundschau · 1928-04-04 · Heft 27-28 (4.4.1928) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 27-28 (4.4.1928)
Date
1928-04-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 106 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 27/28, 4. IV. 1928 selbst reif wäre. Die Folge wäre, daß die Zionistische Organisation, die alle Mühen und Leiden der Arbeit in der schwersten Zeit getragen hat, aus deren Kreis alle entscheidenden Impulse hervorgegangen sind, zuletzt als eine Art Schuljunge dastünde, der sich von Anderen belehren und etwa auch noch beaufsichtigen lassen soll. Darum ist die Forderung, die Zionistische Organisation soHe durch ihre verantwortlichen Organe selbst mit einer Darlegung der Situation, mit einer Art Weißbuch, vor die ©effentlichkeit treten, sehr ernst zu nehmen. Es sind in der letzten Zeit soviel Unklarheiten angesammelt worden, soviel unabsichtliche und auch absichtliche Mißverstindnissc entstanden, die praktischen Probleme sind so weit verzweigt und unübersichtlich, daß ihre kühle und nüchterne Behandlung unter Benutzung aller sachverständigen Urteile geradezu eine erlösende Tat wäre. Vielleicht wird der Bericht der Mond-Kommission uns ein derartiges Dokument liefern; es wäre uns willkommen, wenn darin klar würde, daß es durch Mitarbeit der Zionistischen Organisation und nicht etwa gegen sie zustande gekommen ist. * Gilt so unsere Hauptsorge bereits der Vorbereitung der Zukunft, so darf doch auch die Gegenwart nicht vergessen werden. Die Gegenwart ist noch trübe und schwierig. Der vom letzten Kongreß vorgesehene eingeschränkte Arbeitsplan der Zionistischen Exekutive ist in Frage gestellt, weil das Budget des Keren Hajessod aus Amerika im ersten Halbjahr nicht gedeckt wurde Es bestehen Zweifel, ob diese großen Rückstände noch werden ausgeglichen werden können. Man spricht von einer beginnenden ökonomischen Depression im amerikanischen Wirtschaftsleben. Aber noch schwerwiegender ist vielleicht die Belastung der Zionistischen Organisation Amerikas durch innere Konflikte, die ihre Arbeitsfähigkeit zu beeinträchtigen scheinen. Die internen Auseinandersetzungen im amerikanischen Zionismus haben bereits vor etwa einem Jahre deutliche Forinen angenommen, sie haben auf der Convention in Atlantic City und dann auf dem Baseler Zionistenkon* greß ihre Auswirkung gefunden und sind nach dem Kongreß vor allem in einer Reihe persönlicher Reibungen in Erscheinung getreten, die gewisse Veränderungen in leitenden Stellen zur Folge hatten. Zu Weizmanns Ankunft hat man eine besondere Zuspitzung inszeniert, indem eine Reihe von Mitgliedern der amerikanischen Exekutive ihre Demission gegeben haben. Dies dürfte damit Zusammenhängen, daß man von Weizmanns Intervention eine Stärkung der gegenwärtigen amerikanisehen Führer, d. h. der Lipsky-Oruppe, erwartet; aus diesem Grunde haben die Gegner Lipskys — als Protgst gegen <Jie Einmischung von London — sich zurückmaligen ßrsindels-Gruppe baadel^ darf nicht zu falschen Schlüssen verleiten. Zwar wird bereits seit längerer Zeit von de Haas eine rege Propaganda geführt, die sogar vor Veröffentlichung scharfer Artikel gegen den heutigen Zionismus in der allgemeinen Presse nicht zurückschreckt, zwar ist auch von einer Besprechung in Washington am 15. April die Rede; aber es besteht kein Zweifel darüber, daß der 71jährige Justice Brandeis die Führung der Gruppe nicht übernehmen wird. Die zionistische Rolle Brandeis׳, der in seiner Glanzzeit, vor allem zu Kriegsbeginn, eine wahre Führergestalt ersten Ranges gewesen Ist und sich unauslöschliche Verdienste um den Zionismus erworben hat, war in dem Moment beendet, als er zum amerikanischen Oberrichter ernannt worden ist. Dieses Amt hat ihm offenbar eine führende zionistisch-politische Tätigkeit unmöglich gemacht. Konsequenterweise mußte er die ihm angebotene Führerschaft in London 1920 ausschlagen. Ohne Brandeis aber dürfte eine aktionsfähige Gruppe aus seinen Anhängern schwerlich zu bilden sein. Auch die heutige Leitung des amerikanischen Zionismus hat sicherlich gewaltige Mängel, insbesondere ist sie durch ihren Zusammenhang mit der Bodenkaufsgesellschaft American Zion Commonwealth, die sich in spekulativen Bodenkäufen festgefahren hat, stark belastet. Auch leidet sie unter den Folgen einer übertriebenen Propaganda, die vielleicht durch die Notwendigkeit schnellen materiellen Erfolges begreiflich ist, aber doch fatale Rückwirkungen haben mußte. Man hat die Oeffentlichkeit an Rekordziffern in bezug auf Aufnahmefähigkeit Palästinas und Leistungsfähigkeit unserer Kolonisation gewöhnt, und muß nun zugeben, daß diese Dar- Stellung mehr Wunsch als Wirklichkeit war. Dennoch scheint es, soweit eine Beurteilung aus der Ferne möglieh ist, als ob die Lipsky-Gruppe mehr aktive und leistungsfähige Kräfte hinter sich hätte als irgendeine andere. Der amerikanische Zionismus steckt noch immer in den Anfängen. Er hat mit einer sehr verschiedenartig zusammengesetzten Bevölkerung und in einem riesenhaft ausgedehnten Lande zu arbeiten. Es ist ihm gelungen, eine jüdische Mittelstandsbewegung für Palästina zu schaffen, aber diese Bewegung ist noch nicht hinreichend geistig fundiert. Die Entwicklung kann sich auch hier nicht in Sprüngen vollziehen. Wir hoffen, daß es Weizmann gelingen wird, die Situation in Amerika zu klären und zu einem friedlichen Zusammenarbeiten aller wertvollen Kräfte zu gelangen. Vielleicht wird es nötig sein, manche auszuscheiden, die sich nicht cinordnen können. Aber die Aufgaben des amerikanischen Zionismus sind zu groß, als daß er in diesem Augenblick sich in inneren Kämpfen verzehren dürfte. * Der deutsche Zionismus bereitet sich zu seinem Delegiertentag vor, der auf zwei Jahre zionistische Arbeit zurückzublicken haben wird. Es waren zwei schwere Jahre, da die Lage in Palästina den zionistischen Himmel umdüsterte und die innerjüdischen Gegner den Zeitpunkt für günstig hielten, ihre Angriffe auf die jüdische Befreiungsbewegung zu erneuern, Angriffe, deren Charakteristik wir zur Genüge aus der Erzählung vom Auszug aus Aegypten kennen. Es wurde in diesen Jahren erhebliche zionistische Arbeit in Deutschland geleistet, nicht nur von der gewählten Leitung, sondern durch freudige Mitwirkung weiter Kreise der dem zionistischen Ideal leidenschaftlieh ergebenen Anhänger der Bewegung. Die Entwicklung des Zionismus zu gewaltiger Ausdehnung hat es freilich mit sich gebracht, daß die Hauptarbeit in den Händen des Beamtenstabes liegt, der die zionistische Maschinerie der Partei von der Zentrale aus dirigiert Große Propaganda- und Verwaltungsaufgaben müssen gei9Äf»wWsks1Arbeit unerläßlich machen^, Die Zionistische: QrgMfiatlp» tpf in Jfet fetten Jahren einen Stab von Beamten sich geschaffen, die — so wie überall öffentliche Beamte. — nicht immer einen ganz leichten Stand gegenüber den Parteimitgltedem hatten. Das zionistische Beamtenproblem ist ein überaus ernstes, und es ist bedauerlich, daß seine Regelung immer wieder auf sich warten läßt. Wie wichtig diese Frage ist, merkt man erst, wenn eine Veränderung in dem gewohnten Betrieb eintritt. Im Bereich der zionistischen Arbeit Deutschlands stehen wir gerade jetzt vor einem wichtigen Beamtenwechsel. Zwei führende Beamte scheiden am 1. April auf ihren eigenen Wunsch aus ihren Stellungen aus, um sich anderen Positionen im Wirtschaftsleben zuzuwenden. Daß ein solcher Vorgang eine natürliche Sache ist, liegt an dem bedauerlichen Umstand, daß die Stellung eines zionistischen Beamten kaum die Anforderungen erfüllt, die nun einmal jeder Mensch an einen Lebensberuf stellen muß. Die zionistische Oeffent- Iichkeit wird das Scheiden von Alfred Berger und Karl Glaser außerordentlich bedauern. Berger, der schon während des Krieges und nachher wichtige jüdisch-soziale Arbeit geleistet hat, hat dann fast fünf Jahre das deutsche Büro des Keren Hajessod verantwortlich geleitet. Er stellte seine großen propagandistischen und organisatorischen Fähigkeiten ganz in den Dienst dieser Sache, derer mit größter Hingabe diente, nicht nur in Erfüllung seiner Berufspflicht, sondern mit dem tiefen Gefühl und Verständnis für die großen nationalen und konstruktiven Aufgaben des Keren Hajessod. Auch Glaser ist seit zehn Jahren zionistischer Beamter, er war Leiter verschiedener Sammelstellen des Keren Kajemeth, zuletzt der deutschen. Früher war Glaser Redakteur des ״Jüdischen Echo“ in München und Bezirkssekretär der Z. V. f. D., sodann hat er mit außerordentlicher Umsicht und großem Geschick das Politische Sekretariat der Z. V. f. D. geleitet. Seine publi* zistischen Fähigkeiten und sein organisatorisches Geschick haben ihm zu einem der besten zionistischen Beamten gemacht. Beide Herren erfreuten sich im Kreise ihrer Kollegen und auch in der weiteren zionistischen Welt großer Beliebtheit. Wir können, wenn sie ihre Ressortarbeit jetzt verlassen, nur der Hoffnung Ausdruck geben, daß ihre Kraft dem Zionismus erhalten bleibt Sie werden aus dem zionistischen Leben nicht verschwinden und auch weiter, wenn auch in veränderter Form, an der zionistischen Arbeit Anteil nehmen. Der Zionismus ist freilich darauf angewiesen, daß immer wieder aus den Kreisen der Ihm ergebenen Menschen sich Persönlich* keiten finden, die bereit sind, sich der Organisation als Beamte zur Verfügung zu stellen. * In diesen Tagen feierten wir den zehnten Jahrestag der Entstehung der Chaluzbewegung. Ihrer müssen wir in diesen Pessachtagen gedenken, der Menschen, die den Auszug zur Freiheit wollen, ohne sich um Hindernisse zu kümmern. Sie sind die Erben des Geistes jener Schar, die einst zu Moses sprach: ״Aloh na’aleh“, wir werden hinaufziehen in das Land, was immer sich uns in den Weg stellen möge. Menschen dieser Art sind der unentbehrliche Vortrupp des Volkes bei jedem großen Wagnis. Ohne sie, die über alle Gesetze der Logik hinweg zur Tat schreiten, ohne diese wahren Gläubigen, kann auch unser Werk nicht gelingen. So sehr wir in der Ausführung den wirtschaftlichen und politischen Realitäten Rechnung tragen müssen, so sehr erfordert das wirkliche Leben eine Schöpfung aus ungestümem, irrationalem Willen. Dies darf der Zionismus nie vergessen; er muß wissen, daß alle Verwaltiuigsaufgaben, alle Berechnungen, nur dienende Funktion haben. Auch diese Seite der Sache zu sehen mag uns Zionisten das Pessachfest lehren. Es ist ein wahres Fest des Geistes. Aus ihm können wir Mat und Glauben schöpfen. Darum gedenken wir an dfßsem'Pe8ach';nf el# GhäJ#lM'־'Äs-MoseSj ׳soWerh auch unserer eigenen Chäluam. Etwas von ihrem Geiste milß die Bewegung erfassen, wenn sie über die hemmenden Mächte der Beharrung hinweg zum Siege gelangen soll. Bestälipng des Budgets des Waad Leumi Laut dem ״Haarctz“ hat der Waad Leumi vom Chief Se״ cretary der Palästina-Regierung ein Schreiben erhalten, worin das vom Waad Leumi unterbreitete Budget bestätigt wird. Das Budget sieht für das laufende Jahr für die normalen Ausgaben des waad Leumi und die O rga n i s i e ru n g der Kuesseth Israel, die Vorbereitung der Assefath naniw• scharitn usw. einen Betrag von £P 2600 vor. Ein Teil des Budgets soll mit Hilfe eines Darlehens und der Rest aus frei• willigen Beiträgen aufgebracht werden. Die Bestätigung des Budgets gibt dem WaSd Leumi die Möglichkeit, sofort die Ausführung seines Arbeitsprogramms in Angriff zu nehmen. Auf dem ״Hessew״Bett" Von Moses Waldmann. Wenn ich als Kind, wie es alle Kinder tun, die Mutter mit tausend Fragen quälte und wissen wollte, warum die Bauernjungen Steine auf vorübergehende Juden werfen, warum sie, wenn vollbepackte Wägelchen jüdische Krämer zum Markttag in die Stadt führten, Spottlieder sangen, pflegte sie zu antworten: ״Das alles werde ich dir auf dem ,Hessew-Bett‘ erzählen.“ Und auch sonst vertrösteten mich Großmutter, Vater, die zahlreichen ״Onkels“ (Onkel ohne Bauchweh werden die Kinder — Onkel von den Erwachsenen genannt) und auch der Lehrer Feiwel, wenn sie keine Antwort geben konnten oder zu geben wußten, auf das ״Hessew-Bett“. Worunter der stolze Sitz verstanden wurde, den am Sederabend der Hausherr einzunehmen pflegt. Das ganze liebe Jahr hat man ja seine Sorgen und seine mühselige Arbeit; wo soll man die innere Muße und die bereitwillige Geduld heraehmen, uro nutzlosen Gedanken nachzuhängen und ewig auftauchende und nie auszuschöpfende Fragen zu beantworten? Sitzt man aber auf dem ״Hessew-Bett“, so ist man des Mummenschanzes aus traurigem Alltag ledig, so träumt man von Freiheit und Erlösung und, da man schon ohnedies das Frage- und Ant- Wortspiel der Haggadah absolviert, hat man auch die Muße, auf andere Fragen Rede und Antwort zu stehen. So ist denn das ״Hessew-Bett“ ein Platz, auf dem man über alles reden und von den entlegensten Dingen erzählen darf, wenn sie auch auf Pharao, die alten Mizrairaiten, das Schilfmeer und die ägyptischen Plagen keinerlei Bezug haben. * Ob eine Sache wichtig und bedeutend ist, weiß man erst hinterher. Und zwar nicht nach einem Jahr oder einem Jahr- ,zehnt, sondern nach Jahrhunderten. Versetzen wir uns ln das Jahr 450 vor Christi Geburt! Denken wir uns einen jungen Griechen, ausgerüstet mit dem ganzen Wissen und der Problematik seiner Zeit. Dieser junge Mann lebe in Athen. Er habe die Möglichkeit, zwischen einer Betätigung in der kleinen Stadtrepublik Athen oder in dem großen Reiche der Perser als Satrap des persischen Königs der Könige zu wählen. Athen zählte damals ungefähr 100 000 Einwohner und die angebotene Satrapie Millionen Menschen. In seiner Gemeinschaft kann der Jüngling nur kleiner Marktbeamter werden, hätte aber die Möglichkeit den Reden des Perikies und des Sokrates zu lauschen. In Persien aber winkt ihm ״ein großes Betätigungsfeld“. Der junge Mann ist Individualist, Kosmopolit; ihn reizen ״große Aufgaben“, die heimatliche ״Enge“ ist ihm zuwider. Er geht also nach Persien, nimmt nur seinen athenischen Geist mit, den er ja nicht abstreifen kann, wird allmächtiger Satrap und glaubt das einzig Richtige getroffen zu haben. Denn was soll ihm, dieser Zwergstaat Athen, mit seinem Forum und den langweiligen Debatten auf den Marmorbänken vor der Akropolis! Persien aber hat hunderttausende Reiter, hunderte Provinzen, zahllose Völker — das ist ein Land, in dem es sich verlohnt, seine Kräfte zu regen. Denken wir uns, daß jener junge Grieche, der als persischer Satrap vor . 2400 Jahren mit großem Prunk begraben wurde, jetzt von den Toten auf erstehen und überlegen könnte, ob seine damalige Wahl zwischen ״heimatlicher Enge“ und ״großem Betätigungsfeld“ richtig war. Was ist wesentlicher für die ganze Welt gewesen? Der Debattierklub in Athen oder die Großmacht Persien? Was wertvoller und beglückender? Schüler des Sokrates oder Satrap des persischen Großkönigs gewesen zu sein? Was bedeutet in der Oeschichte der Menschhett die persische Großmacht verglichen mit dem kleinen Athen? So mancher junge Jude lehnt es ab, eich den ״kleinliehen“ Angelegenheiten seiner ״bedeutungslosen“ jüdischen ״Zufallsgemeinschaft“ zu widmen, weil er die Möglichkeit hat, sich auf dem ״großen Betätigungsfeld“ des Erdballs zu regen. * Bleiben ,wir bei dem Beispiel des antiken Athen! Gesetzt den Fall, irgendein persischer König hätte die Hellenen so gründlich besiegt wie Titus etwa 500 Jahre später die Juden, hätte die Stadt Athen geschleift und die Athener wären in die Diaspora gezogen, in der sie die Sprachen der Wirtsvölker angenommen hätten. Nach zweitausendjähriger Zerstreuung, während welcher besagte Athener die griechische Philosophie, Wissenschaft und Kunst als ihr kostbarstes Gut bewahrt und fortentwickelt hätten, wäre plötzlich an allen Ecken der Welt, die dieser griechischen Weisheit teilhaftig geworden war, unter den zerstreuten Hellenen eine Bewepng entstanden mit dem Ziele, Athen, und zwar hauptsächlich das geistige, wieder aufzuricJiten, die Sprache Homers in all ihrer Klangfülle wieder zu einer lebendigen in dem Munde von Kindern und Greisen zu machen und die stolze Tradition von Sokrates, Plato und Aristoteles fortzuspinnen. Denken wir uns weiter, daß die Juden ein Volk in normalen Verhältnissen wären wie etwa Franzosen oder Engländer. Nun käme zu den Juden die Kunde vom Beginnen der zerstreuten Griechen, von ihren Bestrebungen und ihren Hoffnungen. Ich wette, die Führer der Juden würden Sympathieerklärungen abgeben, die Schriftsteiler Bücher über diese Bewegung schreiben und die großen Publizisten in schwungvollen Tiraden von dem Wunder berichten, daß ein edles Volk mit großer Vergangenheit nach zweitausendjähriger Leidenszeit in der ganzen Welt soviel Sehnsucht, Add und Schaffenskraft bewahrt habe, um der heroischen Vergangenheit eine große Gegenwart und eine lichtvolle Zukunft zu gesellen. Ich nehme sogar an, daß die Millionäre der Juden, ihre Gelehrten und Künstler ausnahmslos einem Pro-Hellas-Kcruitee beitreten würden. Nun hegt ja der Fall anders. Wir Juden sind die Zerstreuten, unsere großen Ahnen heißen nicht Sokrates und Plato, sondern Josua und Jeremia, unsere Bibel hat nicht minderen Einfluß auf die Welt geübt als die Ilias oder die Antigone, und ein Teil unserer Gemeinschaft hegt den Traum der Wiedergeburt der alten Schöpferkraft des jüdischen Genius. Unsere Reichsten aber stehen beiseite und wenn sich gerade denkende Deutsche zu einem Pro Palästina-Komitee zusammenschließen, sind cs Juden, die darüber ungehalten sind; Juden, die wahrscheinlich sich die Füße ablaufen würden, um in einem Pro Hellas-Komitee mitzuwirken, wenn nicht aus edlen Motiven,

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