Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 26 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite!00 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20» aa nt 1028 Die Jüdische Sondersdiau in Köln Man kann, ohne sich eines Verstoßes gegen Objektivität schuldig zu machen, behaupten, daß der jüdische Geist Eigenarten aufweist, die für den jüdischen Typus kennzeichnend sind. Fs bleibe dahingestellt, ob diese Eigenarten qualitativer Art sind, oder ob die Quantität gewisser Züge durch die Häufig־ Feit ihres Vorkommens bei jüdischen Menschen Qualitlts- Charakter erlangt. Es gibt Forscher, die eine besondere Dis- Position des jüdischen Geistes für das Entstehen und die Entwicklung bestimmter Wirtschaftsformen behaupten. Es ist kein Zweifel, daß Juden für Schachspiel und Börsengeschäfte eine besondere Eignung besitzen. Es ist ferner Slgemein bekannt, daß Juden in unverhältnismäßig großer Zahl vor• zügiiehe Stenographen sind. Das vorausgeschickt, sei hiermit festgestellt, daß die Juden eine besondere Veranlagung für die Journalistik besitzen. Man kann, ohne zu übertreiben, sagen, daß die Journalistik in gewissem Sinne ein jüdisches Geschäft ist. Handelt es sich doch dabei um rasche Auf* fassung, um sofortige Einordnung einer Nachricht oder eines Geschehens in den Strom der allgemeinen Entwicklung und um sofort zu ziehende Folgerungen aus soeben erfahrenen Neuigkeifen. In gewissem Sinne ist der Journalist, allerdings der geborene — die gelernten sind nicht viel wert —, ein Diagnostiker und hat mit dem guten Mediziner viel Wesens* verwandtes. Nun sind die Juden seit jeher als Heilkfinstler bekannt und geschätzt Eine Umformung dieser Gabe äußert sich in der Eignung so vieler Juden für die Journalistik. Zum Schluß noch eins: Die Juden sind das Volk des Ohres und nicht des Auges. Man sagt nicht mit Unrecht, daß die Juden mit den Ohren sehen. Das bedeutet nichts anderes als: Die Juden sind hellhörig, achtsam, vorsichtig, rasch entschlußfähig und vermögen sich schleunigst umzustellen und ihre Oedanken umzuschalten. Alles zusammengenommen: Die Juden sind geborene Journalisten, Mit viel mehr Recht als Sombart vom Kapitalismus kann man somit von der Journalistik sagen, daß sie dem jüdischen Geist gemäß Ist wir wollen nicht so weit gehen, zu be* haupten, daß sie ausschließlich eine jüdische Kunst sei, sofern man sich nicht scheut, ihr die Bezeichnung: Kunst beizulegen. Immerhin kann man an ungezählten Beispielen nach• weisen, welch hervorragenden Anteil Juden am Werden des Pressewesens in der ganzen Welt gehabt haben. Heine ist der Schöpfer des Feuilletons, Reuter, ein Mann jüdischer Abstammung, hat als Erster das Weltnachrichtenwesen organisiert, Pufitzer ist der erste Zeitungskönig Amerikas gewesen, Adolf Ochs steht ihm nicht nach. Blowltz war der bedeutendste politische Reporter; Moritz Benedikt, Maximilian Heine, Moritz Szeps, Meyer in Paris, Theodor Wolf! in Berlin und, obwohl christiert, auch Maxi* milian Harden, sie alle zeugen dafür, welch ungeheuren Anteil die Juden am Pressewesen der Welt haben. In Köln findet vom Mai bis Oktober eine Internation ale Presseausstellung statt. Wie soll man den Anteil der Juden am Pressewesen und ihre Bedeutung für die Journalistik zureichend demonstrieren? Aufrichtig gesagt: Eia richtiges Bild von der Rolle des jüdischen Geistes und jüdischer Menschen ln dem modernen Pressewesen kann man beim besten Willen nicht umreißen. Viel zu sehr greifen jüdische Menschen in der ganzen Welt in das Getriebe des Weltpressewesens ein, ohne daß man sagen könnte, daß ihr Tun bewußt oder auch nur unbewußt von jüdischen Motiven gelenkt wäre. Wenn auf der Kölner ״Pressa“ eine Jüdische Sonderschau veranstaltet wird, so muß diese also von vornherein darauf verzichten, tatsächlich das Abbild oder der Querschnitt des Begriffskomplexes ״Juden und Presse“ zu sein. Die jüdische Sonderschau muß sich bescheiden und nur das einbeziehen, was von Juden hauptsäddich fürjuden über Juden und jüdische Dinge auf dem Wege der Presse zum Ausdruck gebracht wird. Allerdings ist dieses Bild unvollkommen; es wiederspiegelt aber die Situation der jüdischen Gesamtheit in der Welt. Man bedenke: Ein Volk wie das belgische vermag in seinem Pressewesen alle Bezirke seiner Betätigung zur Schau zu stellen. Die Politik in politischen und Naenrlchtenblättem; Technik, Wirtschaft, Handel, Wissenschaft, Kunst, Sport, Landwirtschaft und was der Tätigkeitsgebiete eines Volkes noch mehr sind, in entsprechenden Publikationen. Wir Juden werden, um nur ein Beispiel anzuführen, unter den tausenden jüdischer Zeitungen in der Jüdischen Sonderschau keine einzige Schachzeitung haben, keine einzige Musikzeitschrift, keine bedeutende allgemeine Kunstzeitschrift. Wer kann aber behaupten, daß die Juden gerade an den genannten Interessengebieten nicht hervorragenden Anteil haben? Trotzdem wird die Jüdische Sonderschau doch für die Judenheit der Gegenwart außerordentlich charakterisfisch sein. Zeitungen aus 35 Ländern in 26 Sprachen werden dartun, daß trotz aller Zerstreuung die Juden in der ganzen Welt eine Einheit bilden. Die ungefähr 30 jüdischen Tageszeitungen (hauptsächlich in jiddischer Sprache, einige sind hebräisch und polnisch, eine englisch und eine französisch) werden zeigen, daß es geschlossene Jüdische Sied- Jungen gibt, die in stärkerem Maße ein Eigenleben führen als z. 6. die jüdischen Volkssplitter in Frankreich oder in der Schweiz. Nur ein Land wird durch sein jüdisches Zeftungswesen darzutun vermögen, daß sich in ihm eine Normalisierung jüdischen Volkslebens durchzusetzen beginnt: Palästina, Medizinische, pharmakologische, tierärztliche und Musikzeitschritten von Juden für Juden erscheinen nur dort. Aus diesen Gründen wird die Jüdische Sonderschau in Köln nicht nur charakteristisch, sondern auch lehrreich sein. Sie verdient darum die Unterstützung aller Juden, wie es übrigens auch der Fall ist. M. W. Arbeitsausschuß des Unken Zentrums Montag, den 2. April, abends 8נ/נ Uhr, im Caf6 Leon, Noliendorfplatz: ״Was erwarten wir vom deutschen Delegiertentag I“ Referenten: Dr. Salli Hirsch, Dr. Siegfr. Kanowitz. Freunde unserer Gruppe sind willkommen. Leib Jaffe in Palästina Spezialbericht der ״Jüdischen Rundschau“. j. f. Jerusalem, den 20. März 1028. Vor kurzem ist Leib Jaffe, Direktor des Keren Hajessod, nach einer langen und schweren Krankheit, die ihn viele Monate seiner Arbeit entzogen hat, nach Palästina zurücktekehrt. Die große Beliebtheit, deren sich Jaffe In allen 'reisen des palästinensischen Judentums erfreut, konnte bei dem Bankett festgestellt werden, das ihm zu Ehren eine Gruppe von Freunden, an deren Spitze Ussischkin, Dr. Hantke und Dr. Ruppin standen, gestern abend veranstaltet haben. Fünfundsechzig Personen füllten dicht gedrängt den Saal und man konnte feststellen, daß die nächsten Freunde Jaffes allen Schichten der palästinensischen jüdischen Gesellschaft ohne Unterschied der Parteiangehörigkeit oder Herkunft des Einzelnen angehören. Infolge seiner gewinnenden Persönlichkeit, seiner jedem spürbaren Herzenswärme und seiner Hingabe an die Arbeit hat Jaffe in dem von Parteiungen und oft auch von persönlichen Gegensätzen zerrissenen jischuw verstanden, Brücke zu sein, die alle miteinander verbindet, und zugleich die Sprache zu finden, die za den Herzen aller dringt. Das war auch stets das Geheimnis des Erfolges, den Jaffe als Delegierter des Keren Hajessod davongetragen hat. Ussischkin wies in seiner Eröffnungsrede auf diese Tatsache hin und darauf, daß Jaffe überall, wo er ist, eine Atmosphäre der gegenseitigen Sympathie und Wärme verbreitet, in der auch alle zionistische Arbeit reibungsloser verläuft. Er hob aber von Jaffe, den er seit drei Jahrzehnten in der zionistischen Arbeit kennt und mit dem er persönlich viele Jahre Schulter an Schulter zusammengearbeitet hat, hervor, daß Jaffe eine der wenigen Persönlichkeiten ist, die drei zionistische Generationen miteinander verbindet, die sich sonst oft in Unverständnis und Gegnerschaft gegenübersteben: Die Generation der Chibath-Zion, in der Jaffe in seiner frühesten Jugend za arbeiten begann und mit der er durch seinen ßroßyater, dem berühmten Rabbi Mordechai Gimpel Jaffe, dem Begründer der Kolonie Ekron, zusammenhing; den Herzischen Zionismus, an dem Jaffe als Delegierter zum 1. Zionistenkongreß, dann als Vorbereiter der Freiburger Konferenz der Zione-Zion und schließlich als leitende Persönlichkeit im Merkas der russisehen Zionisten teilnahm und den Nachkriegszionismus, in dem er zuerst in Palästina als Redakteur des ״Haarez“, später als Delegierter des Keren Hajessod in allen Erdteilen die zionistische Öffentlichkeit beeinflußt und gebildet hat Nach Ussischkin sprach Prof. Klausner, der an Jaffe die glückliche Verbindung einer hellen praktischen Vernunft mit aer Tiefe eines dichterischen Gemütes hervorhob. Er vergleicht ihn mit dem bekannten Chassid, den man ״Baal- Maschke“ nannte und von dem man sagte: als der Chassidismus am Vertrocknen war, hat er ihm die Tropfen seiner Poesie eingeflößt, daß wieder Saft in ihn gekommen ist. Jaffe ist einer der Wenigen, die die Poesie am Zionismus nie verloren haben. Nach weiteren kurzen Ansprachen von Suchowitzky. dem ehemaligen Direktor des Keren Hajessod in Polen una jetzigen Begründer der Mittelstandssiedlung Magdiel, und von Dr. H e I f m a n n sprach Jaffe. In der für ihn charakteristisehen gesammelten und aus der Tiefe seines Wesens strömenden Art sprach er davon, wie Ihn auf seinem Krankenlager und während der Zeit der Genesung die Nachrichten berührt haben, die aus Palästina gekommen sind. Es waren schmerzliche Nachrichten über Krise und Niedergang. Er sprach davon, wie schwer es ihm war, in einer solchen Zeit fern von Palästina zu sein, an den Leiden im Lande nicht tcilnehraen zu können. Er hatte Sehnsucht nach diesem Leiden. Es liegt ein mystischer Zauber ln ihnen. Vielleicht weil diese Leiden die einzigen jüdischen Leiden sind, die einen Wert und einen Sinn haben. Es scheint manchmal, als wäre diese Generation dazu verurteilt zu suchen, sich zu sehnen — und nicht das Ziel zu erreichen. Unser Land ist ein Land der Steine und Felsen, die die Kräfte des Heizens und der Jugend aufsaugen. . . . Wir sind Kinder von Führern, die in ihrem Leben nicht das Glück batten, das Gelobte Land zu sehen, sondern die das Land ihrer Hoffnung und Sehnsucht nur von Bergeshöhe erblicken konnten. . . . Wir müssen steigen und steigen. Wir steigen and fallen und steigen wieder — geblendet von dem Strahl unserer Sonne. Die nach uns kommen, werden vielleicht nicht wissen, wer ihnen den Weg geebnet hat, wessen Blut den trockenen Boden unseres Landes getränkt hat. Zum Schluß sprach Jaffe in diesem Kreis seiner engsten Freunde von der Not und der Qual des Dichters, der in fremder Sprache geschaffen hat, dessen Lieder im Galuth von Tausenden gekannt und gesungen werden und der nun in Palästina stumm sein muß. ״Man steht an der Schwelle des Tempels der Dichtung und der Vorhang wird nicht gehoben.“ Aber Jaffe tröstet sich: ״Wir ebnen den Weg für die Schaffenden, die nach uns kommen, die in das Ailerheiligste der Dichtung eindringen werden. Vielleicht werden sie sich dann auch jener erinnern, die traurig an der Schwelle standen.“ So ist das Lied, das Jaffe gesungen hat, für die palästinensische Jugend verloren, wenn auch, was Jaffe nicht erwähnt hat, aus seinem ganzen Wirken an der palästinensischen Jugend und an der palästinensischen Wirk- Iichkeit, ein zumindest ebenso reiches Lied, das gar nicht der Vermittlung der Sprache bedarf, allen entgegensteht Die Freunde Jaffes schieden, nach einem kurzen bebräischen Schlußwort von Dr. Hantke, mit dem Empfinden, einer Veranstaltung beigewohnt zu haben, die in Inhalt und Führung sehr gelungen war. Rabb. Dr. Max Joseph 60 Jahre all Am 30. d. M. begeht Rabbiner Dr. Max Joseph in Stolp seinen 60. Geburtstag. Die ״Jüdische Rundschau“ hat bereits im vorigen Jahre (״J. R.“ 1927, Nr. 50, S. 358) anläßlich des 25 jährigen Amtsjubiläums Dr. Josephs in einem besonderen Artikel aus der Feder eines seiner nächsten Freunde die Verdienste gewürdigt, die sich Dr. Joseph, einer der ältesten deutschen Zionisten, um die ideologische Fundierung des zionistischen Gedankensystems erworben hat. Wenn wir heute Dr. Joseph zur Vollendung seines 60. Lebensjahres erneut die Glückwünsche der deutschen Zionisten entgegenbringen, so begnügen wir uns nicht mit dem Aussprechen dieser Wünsche, sondern wollen erneut auf das bedeutsame Buch hinvveisen, das uns Dr. Joseph vor 20 Jahren geschenkt hat Sein Werk ^D a s Judentum am Scheidewege. Ein Wort zur Schicksalsfrage an die Starken und Edlen des jüdischen Volkes“ (Berlin 1908, Verlag M. Poppelauer), in dem er sich auf der Grundlage einer umfassenden Kenntnis des geschichtlichen Judentums, und getragen von religiös-liberaler Weltanschauung, mit dem unhistorischen, blutleeren jüdischen Liberalismus unserer Zelt auseinandersetzte, hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. Ja, vielleicht ist die Lektüre dieses Buches für uns deutsche Zionisten niemals notwendiger gewesen als in diesem Zeitpunkte, wo wir am Anfang einer neuen geistigen Auseinandersetzung mit dem reii* giösen Liberalismus zu stehen scheinen. Aber dieses Buches und seines Verfassers soll noch aus einem anderen Grunde immer wieder gedacht werden, und besonders die junge Zionistengeneration soll cs immer wieder erfahren: hier nat ein Mann, dem Zionismus Letztes und Bestes seines Jude-Seins ist, mit seinem zionistischen Bekenntnis sich sein Lebensschicksal geschrieben. In einer Zeit, wo es für einen Rabbiner in Deutschland eine mutige Tat war, sich frei und offen zum Zionismus zu bekennen, hat Dr. Joseph tapfer die letzte Konsequenz aus seinem zionistischen Bekenntnis gezogen und diese Kampfschrift gegen den zionismusfeindlichen jüdischen Liberalismus geschrieben — und hat sich damit Karriere und beruflichen Aufstieg verriegelt. Für diesen Mann, diesen wahrhaften Rabbiner, fand sich außerhalb seines ersten Amtssitzes ln Deutschland keine Gemeinde. Das offene zionistische Bekenntnis hatte ihm die Tore zu den Amtssitzen versperrt Dr. Joseph hat dieses Schicksal tapfer getragen, niemals viel Aufhebens davon gemacht. Um so mehr aber kommt es uns Zionisten zu, ihm an diesem seinem 60. Geburtstage zu bekennen, daß wir stolz auf ihn sind. Wir danken Dr. Joseph und wünschen ihm עד מאה ועשרים שנה —tz. Orienl-Bücher Julius Meier-Graefe, der bekannte Kunstkritiker, hat die ״Notizen“ über seine Reise nach Aegypten, Palästina, Griechenland und Stambulj die früher zum Teil in der ״Frankfurter Zeitung“ veröffentlicht waren, in einem Buch ״Pyramide und!Tempel“ zusammengefaßt (Ernst Rowohlt Verlag, Berlin 1927). Dem Kunstforscher bietet Palästina weniger als Aegypten und Griechenland; dennoch ist ihm in Palästina?״mute, als sei Kairo ein hübscher Traum, ״der Besuch einer Kunstausstellung“. Denn in Palästina ist das Leben, das Religiosität und Kultur schafft, noch im glühenden Flusse, noch nicht zu Kunstschöpfungen erstarrt, und Meier-Graefe, der sehr wohl weiß, daß aus solcher Inbrunst alles Große entsteht, fühlt sich auch hier zutiefst gepackt. Die Sache selbst ist ihm controvers; wir haben schon gelegentlich seiner Feuilletons in der ״Frankfurter Zeitung“ uns mit manchen seiner Einwendungen auseinandersetzen müssen, vor allem mit der Grundeinstellung, die aus der Sicherheit des ״Augenmenschen“ die jüdischen ״Brillengesichter“ ablehnt. Aber sein Buch ist lesenswert und anregend gerade auch in diesen polemischen Teilen, die die entscheidenden zionistischen Probleme — freilich nur impressionistisch — anrühren. Gegen die erste Fassung sind ein paar Verbesserungen festzustellen. Und sogar prophetischen Blick beweist der Verfasser, indem er die ״Habimah“, die jetzt zum erstenmal Palästinas Boden betritt, schon 1927 nach Palästina versetzt, offenbar um ein Kapitel über den Dybuk in diesen geistigen Zusammenhang zu bringen. Eine Mittelmeerreise hat auch Rudolf Lothar gemacht: ״ZwischendreiWelten. PilgerfahrteinesGIäub 1 g e n.“ (Mit 60 Bildern nach Aufnahmen des Verfassers. Drei Masken-Verlag, München.) Lothar ist tief erschüttert von dem, was er in Palästina gesehen hat, er erzählt von dem Erwachen der hebräischen Sprache und den ersten Ansätzen einer Kultur, er bewundert das Werden Tel-Awiws und den Eifer der Kolonisten. Ein lehrreiches Vade-Mecum für Mittelmeer-Reisende — Lothar machte die Tour des ״Peer Gynt“. — Emil Ludw 1 g widmet in seinem schönen Buch ״Im Mi 11 e 1 me c r“ (Friist Rowohlt Verlag, 1927) zwei Kapitel Palästina. Das eine heißt: ״Das Pathos“, aas andere: ״Jüdische Pioniere“, ln wenigen Smten erfaßt er das Wesentliche, den Geist des Pioniertunis, das hier ״ohne Prätention von Welterlösung“ seine idealistische Kraft entfaltet. Hans Much, dessen schönes Buch über Jerusalem hier seinerzeit besprochen war, hat in einem neuen Buch ״Das! ewige Aegypten“ erschlossen (mit 16 Bildtafeln, Carl Reissner Verlag, Dresden 1927). Er gibt Geschichte und Deutung Aegyptens, und dazu seine eigene Philosophie und Deutung seines Ichs. Aegypten ist für ihn Ursprung und Gipfel aller Kultur. Die Juden sind demgegenüber ein ״junges Volk“, das aus Aegypten seine wichtigsten Lehren mitbrachte. Hellas und Rom sind feindliche Mächte, von denen sich Europa, Deutschlard, befreien muß, dabei kann das ewige Aegypten helfen, dies Muchs Ergebnis. Ganz anderer Art, weniger nachdenklich und mehr politischaktuell ist ein Buch, .das uns Zionisten wegen des Autors und wegen des Gegenstandes interessiert: ״Zwischen dein Teufel und dem Roten Meer“, Fahrten und Abenteuer in Westarabien, von Wolfgang von Weis! (mit 66 Abbildungen, F. A. Brockhaus, Leipzig 1928). Schon der Titel des Buches erinnert an Karl May, und in der Tat hat der Verfasser den Stil des Abenieurerbuches gut getroffen, gemisdit mit etwas journalistischer Ironie. Das Buch ist unterhaltend; ja fesselnd, und auf angenehmste Art erfährt man allerlei Wichtiges über Land und Leute der Arabischen Länder, Charakter, Eigenart und Lebensgewohnheiten von Arabern, Beduinen, Wahabiten, Yemeniten usw. Dabei ist es wenig belangvoll, ob die politischen Urteile und Konstruktionen des Autors stets annehmbar sind; es geht ja hier nicht um Politik, sondern höchstens um Material für Politik, und auch in diesem Bereiche kommt viel auf Wertungen an, in denen andere Autoren von Weisl abweichen. Aber eines versteht Weisl: zu unterrichten, ohne za ermüden oder zu langweilen, und er hat Phantasie und Darstellungskraft. So bietet dies Buch eine Fülle von Anregung. Auf die andere Seite von Nord-Afrika führt Ferdinand Ossendowski's ״Flammendes Afrika“, eine flott geschriebene Reisebeschreibung durch Marokko, wobei die orientalische Welt lebendig und wundersam vor uns ersteht und auch der marokkanischen Juden gelegentlich gedacht wird. Bemerkenswert sind die politischen Exkurse des Schriftstellers, der meint, daß die politische Freiheit, um die die farbigen Völker ringen, ihnen zur Vernichtung werden würde; wahrend die arische Menschenrasse, nachdem sie eine materielle Organisation der Welt geschaffen hat, auch die Kraft haben dürfte, eine moralische Organisation der Menschheit za entwickeln.C. Oskar Baum las dieser Tage In der B. Z. V. vor einem kleinen, aber interessierten Auditorium in seiner zarten, gc- Winnenden Art aus seinen Werken vor. Der Dichter wählte zuerst die Anfangskapitel seines neuen Buches ״Drei Frauen und ich“ (das gerade bei J. Engelhorn, Verlag, Stuttgart, herauskam); es ist die Erzählung aus dem Leben eines Blinden, der — wie Baum selbst — mit ganzem Wesen Musiker ist und sich in der ihm fremden Welt durchs Leben tasten muß. Durch drei Sphären gleitet er, in der Begegnung dreier Frauen: der Sängerin-Weltdame, der Kleinbürgertocliter und des Mädchens aus dem Volke; in der Fülle der Erlebnisse weiß er sich selbst zu behaupten und zu finden. Baum erzählt das mit der ihm eigenen verhaltenen Glut und naiven Freude, die doch um alle Klippen und Abgründe der Seele weiß. Ein liebenswertes Buch. — ״Die Geopferten“ — die zweite Programmnumtner des Abends — ist eine balladeske Schilderung der Qualen einer jüdischen Mutter, deren Kind getauft wird, und des Kindes, das die geliebte Mutter ohne Kirchentrost sterben sieht und nun den Sprung vom Fenster in die schwarze kalte Nacht des Todes tut, um vor Gott für die ungläubige Mutter zeugen zu können. In heiterere Oefilde führte die Skizze -David Braun“, eine köstliche Schilderung böhmischen Landjudentums, die von Baum auch am besten zur Geltung gebracht wurde. Die letzte Gabe war ein Kapitel aus dem neuesten, noch unveröffentlichten Roman des Dichters, das den Wunsch weckte, bald mit dem ganzen Werk bekannt zu werden. Es war ein angenehmer, sympathischer, intimer Abend, und die Zuhörer gaben ihre Dankbarkeit für den Dichter deutlich zu erkennen. sch. Das polnische Ministerium für Religion und Volksbildung hat sich an die Jüdische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem mit dem Ersuchen gewandt, eine Methode der Transkription des hebräischen Alphabets ins Polnische vorzuschlagen. Die Bibliothek hat einen Vorschlag ausgearbeitet, der vom Ministerium angenommen wurde. —- Die Bibliothek erhielt von der neologen Gemeinde in Budapest eine Sendung von Büchern und Zeitschriften zur Geschichte der Juden in Ungarn, ferner hebräische Druck» (rabbinische Bücher und schöne Literatur), welche in Ungarn er schienen sind.