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Jüdische Rundschau · 1928-03-23 · Heft 24 (23.3.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 24 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Kr 24. 23. TO. 102S JUEI5I5CHE RÜNDSCH'Ar Seite 175 Pie polnischen Senahwahlen Ein /weiter zionistischer Sieg. - Die jüdische Wirklich* Keit und der ״Bund“. — Stimmungsumschwung in der Orthodoxie. — Für Einheitlichkeit zionistischer Politik. (Von unserem Korrespondenten) ״. Warschau, 13. März. Auch die Wahlen zum Senat endeten mit einem zionistiseben Sieg. Die Agudah lenkte nicht ein und ungeachtet ihrer furchtbaren Niederlage bei den Sejinwahleu. entfaltete sie eine sehr lebhafte Agitation mit dem unumwunden erklär* icn Ziel, die Erlangung jüdischer Mandate, insbesondere in Warschau, zu verhindern. Denn von einer Erlangung eigener ,igudistischer Senatsmandatc konnte keine Rede mehr sein, während der ,.Bund“ siel: ntrückzog, trieb die Agudah ihr frevelhaftes Spiel weiter. Sie erlitt eine zweite. ..0:11 größere Schlappe. Denn viele orthodoxe Juden, welche zum Sejm die Liste der Agudah unterstützten, kehrten schon bei den Senatswahlen der Agudah den Rücken. So wurden in Kongrcßpolcu fünf, m Galizien ein jüdischer Senator gewählt. Von diesen e jüdischen Senatoren sind: 2 Allgemeine Zionisten (Ing- Körner• Warschau und Dr. Schreiber-Lemberg), 1 M i srar. hist (Rabb. Rubinftein), 1 ,.Volkist• Demokrat“ (Dt. I. Schabad aus Wilna), 1 Unpart. Orthodoxer (S. Budziner aus Lodz) und Dr. J. Davidsolin (Bruder des unlängst versforbenen Dr. Noah Davidsohn). Der Verlust von 6 jiidi• sehen Senatsmandaten ist auf dieselbe Ursache zuriiekzuuihren: starke Beteiligung der Ukrainer in Ostgalizien, ihr Versagen in den östlichen Randgebieten. Hier' war auch ha den Senats wählen der Druck der Behörden stark fühlbar. Aus Wolhynien wurde ebenfalls ein Jude von der Regie• rungsliste zum Senat gewählt. Die .,Wahl“ dieses ״Vertreters“ wird von der dortigen Judenschaft als fiele!■di- 11״ ng empfunden. Die neugewählte jüdische Sejmrcpriiscntan? wird sicher* lieb ha der ersten sich darbietenden Gelegenheit einen star• ken Protest gegen die von den Behörden geübten Wahl• methoden erheben und Durchführung neuer Wahlen in manchen Wahlkreisen verlangen. Ob diese Forderung Berüeksichtigung finden wird, ist allerdings stark zu bezweifeln. Es verlohnt sich noch, auf manche charakteristische rafsachen des Wahlkampfes hinzuweisen. Da ist zunächst der ״B u n d“. Er war seines Erfolges sicher. Da natürgemäß seine Anhängerschar kaum in irgendeinem Wahlkreis zur Erlangung eines Mandats ausrcicbcn kann (es gibt aber in Polen keine erhebliche Zahl jüdischer Proletarier im richtigen Sinne des Wortes), mußte der Bund von seiner strengsoziaüstischcn Auffassung abweichc.n und verbreitete :-eine Propagandabasis: jüdische Handwerker und Klein־ käuflcute, beruflosc und einfache ״arme“ Juden wurden iiifgefordert, für den ״Bund“ zu stimmen, da c r ,.einzig und allein“ die Interessen dieser Schichten wird zu wahren wissen. Diese Taktik des Bund, welcher bisher von der Eigenartigkeit־ der jüdischen Oekonomik nichts wissen wollte, weicher :.chärfstens die zionistische Arbeitsbewegung bekämpft, weil sic diese- Einzigartigkeit des jüdischen wirf׳ •chaftlirhen Lehens zum Ausgangspunkt ihres Programm? nimmt, diese Taktik ist ein deutlicher Beweis des Bankero-tts der hündischen Ideen■ Der pauperisierte jüdische Mittelstand stimmte aber nicht für den Bund, was dieser jetzt mit Wehmut beklagt. Auch das zweite Experiment des ״Bund“ endete klag* lieh. Wir berichteten schon, daß die polnischen Sozialisten mit- -denjüdische»'־sozialistischen -־.׳Partdeti• keine -!»em einsame WaMfront schaffen. wollten und es dem ״Bund“ gelang, nur in einem Wahlkreis, in Bialystok, dank der Unterstützung der dortigen deutschen und weißrussischen Sozialisten, eine gemeinsame Wahlliste mit dem Führer des ״Bund" in Polen, Ehrlich, au der Spitze,, auf/ustelkn. Schon diese gemeinsame Liste wurde vom ״Bund“ als Sieg aus• pokaunf, und der zweite Sic״, die Wahl des Listcnführcrs, ״alt als sicher. Der Sieg verwandelte sich aber in eine doppelte Niederlage. Nicht nur erzielte diese Liste eine kleine Stimmenzahl; im Presseorgan des Bund ist zu lesen, daß die polnischen Arbeiter in Bialystok aus A n t i s e m i ־ Gstnus die sozialistische Liste verrieten und ihre Stimmen für die polnischen bürgerlichen Parteien abgaben. Wird nun der Bund auch weiter ans dieser jüdischen Ooluswirklichkcit falsche Schlüsse ziehen wollen '> Der Doktrinarismus des Bund ist aber unheilbar! Von einen! Umschwung infolge das Wahlausganges in den Reihen der Agudah-P a r t e 1 ist bisnun noch nichts zu bemerken. Dagegen läßt sich schon eine Ernüchterung und ein Stimmungswechsel in den breiten orthodoxen Massen, welche die Agudah in den letzten Jahren mit sich riß, feststellen. Viele Rabbiner bereuen ihre Parteinahme wälirend des Wahlkampfes, sie bekommen von ihren Anhängern bittere und manchmal recht handgreifliche Vorwürfe. Es stellt sieh jetzt heraus, daß die jüdische Orthodoxie ganz and gar nicht von der Agudah allein vertreten wird, und daß die Kampfmethoden dieser Partei auch jetzt eine Abkehr_ vieler ihrer Anhänger verursacht. Es ist für den Zionismus, insbesondere für den Misrachi jetzt der Augenblick gekommen, Versäumtes nachzuholen, die neugeschaffenen Stimmungen auszunutzen und eine kraftvolle Gesinnungs- und Organisationspropaganda zu unternehmen. Der polnische Misracht hat jetzt ein dankbares Arbeitsfeld in Polen. Dies gilt aber auch in! allgemeinen für die gesamte zionistische Bewegung in Polen. Kleinmut und Resignation müssen jetzt einem großen Elan und erneuter zionistischer Arbeit auf allen Gebieten Platz machen. Es gilt jetzt Einheitlichkeit, Disziplin und Opferbereitst!!::♦{ wieder in den zionistischen Reihen zu erwecken. Die neue jüdische, d. h. zionistische Sejmvertretung muß hier beispielgebend sein. Die Zwistigkeiten und die Desorganisation, wie wir sie ha den Zionisten im vorigen Sejm sahen, müssen nunmehr aufhören. ״Der Sieg verpflichtet“ -• bemerkt mit Recht Abgeordneter Thon, welcher schon jetzt die Forderung nach Vereinheitlichung und Konsolidierung des pol* מ Ischen Zionismus auf dem Gebiet der Landespolitik erhebt. Abgeordneter Thon schlägt zu diesem Behüte die Schaffung eines Oberrates, zusa mm engestellt von samt* liehen zionistischen Föderationen, vor. Es wäre jährlich kein größeres Unglück für den Zionismus jetzt, rtchfe könnte ihm in den Augen der Welt mehr schaden, als Uncinhcitlkhkeit in den Reihen der Führer. Aber dies gilt nicht nur auf dem Gebiete der Golus- Arbeit Daß die Palästinaarbeit in Polen während der Wahl- Periode (in den besten Wintermooaten!) brach lag, ist leicht verständlich, wenn auch tief zu bedauern. Jetzt muß sie von neuem mit der größten Energie aulgenommen werden. Die erste Pflicht gilt dem Keren rlajessod! Eine Zersplitte- 'ting der Kräfte muß aber vermieden werden. Die gemein- •amen zionistischen Arbeiten sollen von einer S.eüe ״cleitet und durchgeführt werden. Gemäß dem Bes Hu•:, de. XV. Kongresses in allen Ländern T c r r; t o r i a i v <. r b ä 111; «.־ fu schaffen, ergriff das Zentralkomitee der ,,Hitachduth“ ® Kongreß-Polen noch vor einigen Wochen die Initiative ßnd wandte sich an sämtliche zionistische Föderationen mit einem Vorschlag, an die Konstituierung des Tcrritorialverband es in Polen heranzutreten. Es ist zu hoffen, daß recht bald eine neue Acra intensivster zionistischer Tätigkeit in Polen einsetzt. Oie jüdischen Regiernngsabgeordneten ln Polen Außer den auf" jüdisches Programm gewählten jüdischuatiooalen Abgeordneten Polens sind, wio bereits gemeldet, noch drei Juden auf dm* Re״ioru!1gsliste dos Pilsudski-Blockos gewählt worden, und zwar sind in den Sejm der Vertreter der Kauflento W -,6?lick i und der Agudist Kirsel: braun und in der! Senat der Präsident d> s jüdischen Knufraannsverbaudos in LucL, Dal, gewählt worden. Wie die polnische Telegraphen* Agentur mitte:11, bat eine vor: mchrertm hundert jüdischen Kauf- Iftute.r: in Luck ahgeJwltene Versammlung au die Abgeordneten Wysr* lieki und Kirscbhraun und an d• 11 Senator Dal flon Appell gerichtet, sieb dem zu bildenden jüdischen Parlareentsfcluh 9 n m - 5 c, b 1 i 0 ß c!ו . Za Otto flakes ״Kassdragen“ In Nr.!6 der ,J. R." bat- Dr, Kro:ankor sieh aut. Otto Flakes Aufsatz ,,Ra.wfragcn" (im L ebruarhaft. der ..Neuem Rund-־•־'• •» ' ■ ausführlich ausemandorgcsetrt. Im Märzbeft der ,JVei’■ : ■nid,chau" (Verlag S. Fischer, Berlin!, wendet sich nun der K .(,:1;,1.׳ur der Zeitschrift, Rudolf Kay 3 er, in einer Bomerkung gegen Flake. Kavscr schreibt unter Bczucnihm•: auf ein Gespräch mit Flake-: ״. . . Ich glaube, daß ich Sie in vielem vou der Richtigkeit meiner Meinung überzeugte‘; vor allem darin, daß jede Formel, di•׳ über jüdisches "Wesen ausgesprochen wird, notwendig falsch ist und damit auch jede ,,Lösung" der ״Judenfragr:‘". Ich sprach Ihnen von der uneeli'-urcn Individualimi der Judcnhcit, die nicht nur Ost und West, Mystik und Rationalismus, Bai Sehern und Spinoza »1 den Polen einer großen, m re gen Je 11־ Spannung macht, sondern innerhalb dieser Sparmune noch jeden sein jüdisch׳« Problem besonders sehen läßt und dieses Jüdische selbst (soweit ׳c leine religiöse Bindung ist) seiner eigenen (historischen) IdentitJit beraubt. Ich erinnerte .Sie an Goethes Ausspruch: ..Deutsche gehen nicht zugrunde, sowenig wie Juden, weil cs Individuen sind.“ Sio aber übersehen diese! immer größer werdende Individuation und andererseits auch das Gegenteil: den allgemeinen Vorgarn,׳ der Kristallisation der Völker und Go״ moinschafftn auch im üerirk des Jüdischen. Aber die inneren Spannungen des Problems •ind^o groß, daß auch diese Kristallisation sieb vielseitig und entgegengesetzt vollzieht: iro ׳ strengen Anklsn״ an das Geschick der Vaterländer wie in d״r konstruktiven Romantik einer eigenen jüdischen Nationalität. Sei ungeheuerlich sind diese Spannungen tn der Judonhmt, seinom Schicksal, seinem Problem! Mio aber diese« lösen? Nun gar nicht, sondern 0* erleben, erleiden: in־ einem gegebener! Sinne, der immer perspektivisch zur Mitte weisen wird. Sio sagen, daß d׳*r Jude vor allen anderen auf eine Form der Gesellschaft, dränge, in der die! nationale Bindung hinter internationaler Universalität׳ zurücktrete. Aber das Ist im Grunde ein von antisemitischer Zeit schon völlig abgegriffenes Argument, das zutreffend für jüdische und nicht jüdische Individuen sein kann, nie aber eine Verallgemeinerung auf die ganze jüdische Menschheit verträgt, di״ in all ihrer scharfe!) Individualisierung weil eher ken- *erv'aliv ist, gebunden an Zellen der Ueber'ial'erungen und des Erleben«, verharrend in inneren und äußeren Spannungen und in ihrer einzigen wirklichen Gemeinschaft: den: Schicksal, und aus ihm heraus humanitär gesonnou. Fehlt, so auf joden Fall eine Iwstimmte jüdische Idee, so ist es aur.li sinnlos, den Antisemitismus als Kampf zwischen Ideen zu verstehen. Nein, er ist. einfach das Schicksal einer Minderheit, die um so umkämpfter, wunderlicher, )überraschender ist, ׳da sie keine Uinfir.it darstellt, keinen bewußten Willen verkörpert, sondern mir du! Spannung ihrer Gegensätze und die Gewalt ihres Schicksals. Sio, lieber Flake, sprechen von den vielen Provinzen im jüdischen Geist, und doch greifen Sio nur ein« einzelne heraus und machen sio zur jüdische» Provinz der Welt: die jüdische! Rationalität, im Gegensatz zur vital-komplexen Goc'hes, das Gewordene gegen da- Fließende. Denken Sie an Barucfi Spinoza, nicht nür als einen (in Leben und Werk) größten Juden, sondern auch, in der tiefen Gegensätzlichkeit, von Bewußtheit und Glauben, Erkenntnis und All-Liebe, triumphierender Logik und franziskanischer Demut, als ein Symbol der ganzen großen jüdischen Polarität. Sic nennen jüdische Eigenschaften, die es sicher gibt: als radikale Gefahren jedes Menschen dieser Zeit. Aber sio nennen nicht die entgegengesetzten Eigenschaften und vergessen die ganze Farbeoskal« des menschlichen Charakters zwischen beiden Polen. Es gibt keinen jüdischen Geist, e« gibt nicht den Juden, soliden! d i 0 Juden: geeinigt durch ihre Gegensätze, verbunden durch das Schicksal der Minderheit in allen Ländern, getrennt durch dio Vaterländer und da.« Gesetz jedes einzelnen Ich'.'‘ Der GemeindekonfUkt Id Gotha Der Verbaodstag des Preufiischen Landesverbandes Am 25. März tritt in Berlin (ehemaliges Herrenhaus) der Vcrbanrlstag des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden zu seiner vierten Session zusammen. Wir haben über die Tagesordnung und die Stellungnahme der Jüdischen Volksparier zu den wichtigsten Verhandlungspunkten bereits ausfßhrlich geschrieben. Die Mitglieder der Fraktion der Jüdisehen Volksparkt versammeln sich vormittags, vor der Er- Öffnung des Verbandstages, zu einer Besprechung. Die Sc&icMIrage in Preußen Der landwirtschaftliche Ausschuß de« Preußischen Landtags hat am 1b. März nach erneuter Beratung des Antrages betreffend das bdäubungslosc Schlachten folgendes beschlossen: Das Staatsmimsterium wird ersucht, geeignete Maßnahmen bi treffen, daß 1. das Schlachten von Tieren durch das rituelle Schächten nicht über den Bedarf der jüdischen Bevölkerung an geschachtetem Fleisch hinaus erfolgt und das Verbot des wilden Schächtens streng durchgeführt wird; 2. das Schächten ordnungsgemäß ahsgeführt, ferner bei der Vorbereitung des Schächten׳:, insbesondere bei der Niederlegung des Tieres, Vorkehrungen getroffen werden, die geeignet sind, die SeMachttierc vor unnötigen Aengstigungen und Schmerzen zu schützen; 3. beim Schlachten überhaupt die vorhandenen technisdiert Verbesserungen in humanitärer Hinsicht angewandt und alle Roheiten verhindert werden; 4. das Schächten zukünftig erst nach genügender Betäubung mittels Elektrizität voreuomracn werden darf, wenn die Staatsregierung auf Grund es Urteils maßgeblicher Sachverständiger die zurzeit schwehenden Versuche als auch in: Sinne des israelitischen Ritual* zweckentsprechend betrachtet. Das Plenum schloß sich den ersten drei Absätzen der Ausschußresolution an. Habimali au! der Reise nach Palästina Rom, 21. März. (J. T. A.) Das hebräische Theater ,,Habimah“, das dien ein erfolgreiches Gastspiel in Italien absolviert hat, hat heute die Reise nach Palästina augetreten. Die Habimah wird am 31. März die erste Vor* Stellung in T e 1 - A w i w ״eben. Am 2. April wird das Ensemble in Jerusalem spielen. Kleine Nachrichten Lord Balfour ist gemäß Blättermeldungen ernstlich erkrankt und muß sich in der nächsten Zeit absolute Schonung auferkgen. Am b. :März wurde in Jerusalem im David türm eine Aus- Stellung für Handwerk und Kunstgewerbe eröffnet. Lord Plutner, der an der Eröffnung teilnahm, erkürte in seiner Rede 11. a., daß die Grundlage Palästinas die Landwirt* Schaft sei. Kleinindustrie und Handwerk können viel zur Ent- Wicklung des Landes beitragen. (Ziko.) Frau Henry Fawcett, die 81 Jahre alte greise Führerin der englischen Frauenbewegung, weilt jetzt wieder in Jerusalem. Es ist dies ihr vierter Besuch in Palästina, über das sie eine Serie von Aufsätzen veröffentlicht hat, die von ihrer Wertschätzung des zionistischen Aufbauwerks Zeugnis abgeben. Laut ״Hassadeh“ hat die PICA dieses Jahr auf ungefähr 100 Dunam Boden bei Jawncel und Beth-dan versuchsweise Zuckerrüben angepflanzt, um festzustellen, ob sich gute Erträge erzielen lassen, die es ermöglichen würden, in Palästina eine Zuckerindustrie zu schaffen. (Ziko.) Der Oberkommfssar hat zwei palästinensischen Einwoh* nerti, Saul Beklinski und Max Aronowicz, die ihnen verliehene palästinensische Bürgerschaft aberkannt, weil sie in ihren Gesuchen falsche Angaben gemacht haben. Die Schuldiener in den hebräischen Schulen Palästinas haben beschlossen, in den Streik zu treten, weil die Zionistische Exekutive ihre Forderungen zurückgewiesen hat Sie hatten Wiedereinstelhmg der gekündigten Kollegen und Erhöhung ihrer Gehälter gefordert. Im Preußischen Landtag wurde am 20. d. M. b$i der Abstimmung über den Kultusetat in zweiter Lesung sowohl die Position von 100000 M. zugunsten der leistungsschwachen jüdischen Gemeinden, als auch die ursprünglich tm Hauptaussclinß abgelehntc Position von 200000 M. als Zuschüsse an Synagogen zur Besoldung und Versorgung der Rabbiner angenommen. Demnach beträgt der Zuschuß des Preußischen Staates an die lüdischen Gemeinden insgesamt 600000 M. Im Preußischen Landtag wurde der gegen den Intendanten Je ßner gemünzte Antrag des Deutschnationalen Koch, der Gefährdung von Kunst una Sittlichkeit in den Berliner Staats* theateni entgegenzutreten, abgelehnt. (Von unserem Berichterstatter.) In der jüdischen Bevölkerung Gothas ist ein schwerer Konflikt ausgebroeheu, der die Gemeinde zu sprengen droht Die ״Israelitische Kultusgcmeindc“, die bisher nur Vereins* Charakter hat und nicht alle Gothaer Juden umfaßt, hat, wie wir seinerzeit gemeldet haben, bei der Regierung den Antrag auf Anerkennung als Religionsgemeinde des öffentlichen Rechtes gestellt und dabei eine Satzung vorgelegt, die Juden, welche die deutsche Staatsangehörigkeit nicht besitzen, von der Gemeinde ausschließt. Gegen diese Satzungen ist bei der Regierung Protest eingelegt worden. Der Jüdische Ge* meindeverein Gotha hat au Zusammenhang damit am 14. März eine Versammlung einberufen, auf welcher Dr. Charig, Generalsekretär des Preußischen Landesverbandes Jüdischer Gemeinden, referierte. Dr. Charig unterzog die Satzungen einer vernichtenden Kritik. Er ’zeigte, daß nach diesen Satzungen der Vorstand eine unkontrollierbare Diktatur ausüben könne. Der Ausschluß von ausländischen Juden sei ein unerhörter Rechtsbruch, wie er itt Deutschland einzig dastehe. Mit zirka 80 gegen 3 Stimmen wurde eine Resofution angenommen, die die Errichtung einer Gemeinde auf der Basis der Zugehörigkeit aller Juden und mit demokratischer Verfassung verlangt. Der Vorstand der Kultusgemeinde, der sidi der Auseinandersetzung durch Fernbleiben von der Ver* Sammlung entzog, hat sich durch ihr Ergebnis leider nicht beeinflussen lassen, so daß bedauerlicherweise die Thürin* gische Regierung das entscheidende Wort in dieser peinlichen innerjiidisclien Auseinandersetzung hat. Dine Mioderbettenkonunissioii beim Völkerbund? Brüssel, 16. Märze (J. T. A.) Die Minderheiten* kommission der Völkerbundsligen hat den für die europäische Minderheitenpolitik wichtigen Beschluß gefaßt, bei dem VöU<e.r- Bund zu beantragen, dieser möge eine permanente Minder 11 eiten kotnmission entsprechend der Mandatskommission einsetzen. Der Antrag stammte von dem deutsche!: Delegierten Junghanns. Er fand eine große Majorität. In Oppo* sition befanden sich anscheinend nur die Italiener, Polen und Rumänen. Ferner hescl!!• '1 die Kommission, zu beantragen, daß durch den Haager Cieri; ,:hot ein allgemeines Minoritätenrecht ausgearbeitet werden solle. Briefe an die Redaktion Sensations-Berichterstattung aus Palästina. Als Berichterstatter der Jüdischen Rundschau habe ich e* für überflüssig gehalten, über Jas am 2a. Februar erfolgte Erdbabe» m berichten. Ich wußte, daß darüber nach Europa telegraphiert wurdo und konnte nur annebint::!. daß dio Telegrammo dio Wahrheit enthielten, die uns allen hier bekannt ist 11»d in der gesamten palästinensischen Presse gestanden hat. Die Wahrheit ist. daß das Erdbeben au fast allen Stellen Palästinas und Trausjordanions ziemlich heftig gespürt wurde, daß erfreulicherweise keine einzige Person getötet oder verletzt wurde und daß nirgends ne n non 8worter Materialschaden verursacht wurde, wenn man von der Beschädigung einzelner Mauer» oder Wiinde absiebt. Zu meinem größten Erstaunen finde ich in der ,,Jüdischen Rundschau'" von! 28. Februar eine Meldung der Jta, in de.!־ von der Verursachung ״großen Schadens" an zahlreichen Stellen des Landes die Rede ist. wo behauptet wird, daß ,,überall mehrere Wohnhäuser, sowie Regierungsuad Magistratsgubäude mehr oder weniger schwer hoschädigt und unbewohnbar gemacht" wurdo. Das ist eine bewußt seasationnll aufgemachte Entstellung dos Sachverhalt•., dio geeignet ist, völlig grundlos Beunruhigung zu verbreiten. Dieselbe! Ita, die diese.« Telegramm in dio Welt gesandt, hat, gibt in ihrer hiesigen Ausgabe ״The Palestine Bulletin", am f'ebruar die durchaus richtigen Nachrichten. Durch einen Zufall las ich dio ״Neue Freie Presse“ vom 36. Februar. Sio bringt an leitender Stelle ein Telegramm mit folgender lloberschrüt: ״Katastrophale Folgen des Erdbebens in Palästina. Zahlreiche Tot« und Verletzte." Das Telegramm selbst beginnt mit den Worten: ״Krakau, 35. Februar. Wio dem Zio* nistiseben Zentralkomitee mitgetoilt wird." Ira Telegramm selbst heißt es, daß dio Zahl der Toten und Vorletzten in dio vielen Hundorte gebt. Es wäre interessant, feslms'elleu, woher das Zionistische Zentralkomitee in Krakau diese Information erhallen hat- Niemals gab cs hier im Lande auch nur ein Gerücht über irgendwelche Verletzungen, geschweige denn Todesfälle, so daß diese Nachrieht glatt aus den Fingern gesogen ist. Soviel zur Feststellung der Wahrheit. Die zionistischen Körperschäften aber sollten ernsthaft die Frage erörtern, in welcher Wein: für eine zuvor lässige Berichterstattung an Stelle einer auf lügnerisehe Sensationen gegründete!: gesorgt werden kann. Jerusalem, den 13. Mürz 1938. Dr. Fritz Loewenstein.

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