Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 23 (20.3.1928)
- Date
- 1928-03-20
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 168 JUFDISCHE RUNDSCHAU Nr 23, 20. ITT. 1928 Nf. 23, aus Frankreich bekommen hatte und fragte mich um meine Meinung darüber, ob es denn möglich sei, in Berlin durch Unterricht in der englischen und französischen Sprache genug Geld zu verdienen, um ein bescheidenes Leben führen zu können. Viel brauche er ja nicht, und er möchte sehr gern nach Europa gehen. Am frühen Morgen des folgenden Tages befand Ich mich dann auf dem Montrealer Bahnhof, begleitet von dem lieben Mr. Stone und noch zwei Herren aus der jüdischen Gesell- Schaft Ich bestieg den Zug, der mich nach Quebeck bringen sollte, wo der Dampfer ״Empress of Scottland" bereits auf seine Passagiere wartete. Die zehntägige Reise bis Hamburg vermochte auch dieses Mal nicht, aus mir einen Bewunderer der Seeherrlichkeiten zu machen, Ich war glücklich und herzlich froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Erst auf europäischem Boden übrigens fiel mir ein, daß jene Verlegenheit, die doch der Anlaß zu meiner Canada-Reise gewesen war, nicht behoben, und daß von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet, die ganze Reise umsonst gewesen war. Bagpdah and Bilderbibel Zur rechten Zeit, da eben Groß und Klein sich zum Peßachfeste rüstet — die Kleinen zur Mah nischtanneh, die Großen zum Peßach-Reinemachen — bringt die Buchhandlung Jalkut (Rubin Maß, Berlin) zwei hübsch und farbenfreudig ausgestattete Büchlein heraus, die wohl geeignet sind, eine Zierde des Sedertisches wie überhaupt des jüdischen Büchertisches zu bilden. Die Peßach-Haggadah ist von Sonia Gronemann kenntnisreich und sorgfältig neu übersetzt, von Otto Geismar in einer originellen und aus dem kindlichen Malversuch mit Glück entwickelten Stricbmanier neu illustriert worden. Noch gelungener erscheint mir desselben Künstlers zur gleichen Zeit erscheinende Bilderbi bei, die ganz auf den Text verzichtet und packende Kapitel aus den fünf Büchern Mosis in derselben ebenso wortkargen wie eindringlichen Weise darstellt. ״Die Kinder, sie sehen es gerne!“ das kann ein jeder erproben, der eins von diesen Büchlein dem Publikum, für das sie bestimmt sind, darbietet. — ״Der Onkel Geismar, der kann gewiß noch nicht so gut malen wie die andern Großen!“ sagte ein Sechsjähriger freilich, der mit mir die Bilder anguckte und sich nicht von ihnen trennen wollte. ״Aber weißt du, die Bilder, die versteh ich doch viel besser wie die Bilder in der alten Haggadah; die möcht ich mir immerzu ansehn. Er soll auch mal die Geschichte von Simson zeichnen!“ — Besseres als den Da-Capo-Ruf dieces stimmberechtigten Kritikers in kurzen Höschen braucht sich weder der Künstler noch der Verleger der hübschen Büchlein zu wünschen. Bertha Badt-Strauß. Misrachi-Purim. (Nachts im Theater am Kurfürstendämm.) Der Geist des Misrachi bedeutet gelehrtes Judentum, d. h. in diesem Falle: fröhliches Frönen der Dialektik erzeugt begeisterte Anhängerschaft für Shaw. Und so bekommt der Misrachigeist auf dem Wege über mystologische dialektische Ausdeutung schließlich do:h noch seinen Zipfel Purimanlaß zu fassen. Das Purimspiel von Lazarus Bartb ist angekündigtermaßen ״das Shawspiel von Wallensteins Ableben“ auf der Analogiebasis: Johanna-Schiller-Jungfrau nebst solider Shaweinleitungstechnik, Motto ״wie er sich -*ri * Schwejk,׳ B»lUMng«1: und• ■an ׳ganz toten Stellen arme Schillerritter. Aber Purim? Das steht man mit der Zeit: Meier Leib Sen! — warum auch durchaus Baptist, das ist keine schlechte Idee — Arm in Arm mit Friedländer alias Wallenstein, gesehen durch die optisch fschärften Gläser: glorreicher Krieg und jüdische Antifeierchkeit gegenüber jeglicher Kriegsbemalung. Wo ein Friedländer ist, da ist Purim zumindestens nicht unbekannt, das war das im zweiten Akt bekanntgegebene Motto für den jüdischen Inhalt! Die Entfernung ist richtig, saqt in solchem Falle der Berliner. Deshalb war die Idee mit Pat und Patachon als deutsch-irisches Söldnervolk, die gegen Honorar den armen Friedländer totstechen sollen, sowohl stilgerecht wie Kurfiirstendamm-gerecht, ebenso wie am Scttlnß die große Elisabeth, die dem lächelnden Shawspieldicliterkonferender, weil er am Lesepult als Shawspieler Bing sein Stück kommentierte, den schönen grünen Lorbeerkranz aufs Haupt setzt. Die Schauspieler, vor allem der Seni-Hu״o üöblin, der als Regisseur vermutlich einen Teil der guten Einfälle hatte, und der unwiderstehliche K. u. K. Leutnant Max Piccolomini, so wie Pat und Patachon und die übrigen hier ungenannten taten ihr möglichstes. Die Misrachischule hat vermutlich auch eine hübsche Summe für ihren Fond bekommen. R. M. Ueber die Aufgaben eines Hebräischen Nationaltheaters Von M. Y. Ben-Gavriel (Jerusalem). Unter der Führung des Regisseur* Daniel — früher am Hojlhealer in Bukarest und in Sofia — tritt das von den besten Schauspielern Palästinas neugegründete ״thealron Vumi", Nalionalthealer also. Endo dieses Monats mm ersten Mal an die Oeffentlichkeil. Und zwar mit einer von Ja'aqow Uorowilz weidlich umgearbeüelen ,Judi'h”, von Hebbel, in der Miriam Ben-Gavriel die Titelrolle und Daniäl den 11010• ferne* spielen wird. Das Programmheft enthält den folgen• den Aufsatz, der am seiner prinzipiellen Einstellung willen auch für ein außer palästinensisches Publikum von Interesse sein dürfte, Arnn. d. Red. Ich leugne es nachdrücklich, daß ein hebräisches Nationaltheater in Palästina, in diesem gegenwärtigen Augenblick und in bezug au! Stellung und Aufgabe, mit den nationalen Schau- Bühnen irgendeines andern Volkes mehr Aehnlichke't haben dürfe, als die Gesellschaft und die Generation Palästinas mit der Gesellschaft und der Generation eines anderen Volkes dieser Zeit Aehnlichkeit hat. Das heißt: ein hebräisches Nationaltheater muß solange eine exzeptionel'e Stellung einnehmen, solange die Stellung des jüdischen Volkes exzeptionell ist. Die Aufgabe eines Nationaltheaters in irgendeiner nationalen Gemeinschaft Europas ist längst festgestel'.t: es ist die Aufgabe einer Schau-Bühne, die den prägnantesten Ausdruck künstlerischen Willens der Nation darstellt, die gleicherweise Instrument zur Förderung heimischer Dichtung und darstellender Kunst wie Vermittlungsinstitut für fremde Dichtung und Kultur (in beschränktem Maße) ist, künstlerische Ergehnisse also und Niederschlag einer ln ihrer sozialen und nationalen Struktur mehr oder weniger gesicherten Gesellschaft, die in einem ihr spezifischen Milieu, Territorium und Sprache organisch erwachsen ist Ein hebräisches Nationaltheater aber hat — ich betone nochmals: in diesem historisch merkwürdigen Augenblick des Aufbaus, der Einschichtung und Verankerung in ein ungewohntes Milieu, Territorium und Sprache — eine dementsprechend andere Aufgabe. Sieht man von primitiver und systemloser Lust am Theaterspielen, vom Spielen um des Spielens willen, ab, dann Ist seine Aufgabe, wie mir scheint, eine noch engbegrenzte, aber eben um dieser engen Begrenzung willen eine essentiell wichtige, die wichtigste vielleicht aller Institutionen, die der Wille zur hebräischen Kultur hervorbringen kann. Als moralische Anstalt kommt dieses Theater (wie irgendein anderes in der We't) nur im negativen Sinn in Betracht, indem es sich versagt, minderwertige Literatur zur Darstellung zu bringen. Ebensowenig kann und darf es politisches Instrument zur Extatisierung der Ma־se sein, denn es Ist vorausgesetzt, daß es K u n s t Institut ist. Auf künstlerlschem Gebiet wieder ist die hebräische Schauspielkunst zu jung und von fremden Kulturen und ihren Theatermethoden zu tief beeinflußt, als daß in den nächsten Jahren dieselben von hier aus etwas wesentlich Neues, Originelles erfahren könnten. Das gleiche gilt, in etwas begrenzierem Maße auch für die hebräische Theaterliteratur. Es bleibt also nur eine Richtung offen, nach der hin das hebräische Theater zu wirken befähigt ist, wenn es mehr sein will als Unterhaltungsinstitut ohne nationalen Wert: die Sprache. Es Ist, wir können, ohpe «! zu schmeicheln, e$ be* haupten, die Wiederbelebung ^'׳,HTebrlischjek Geschichte einzigartiges Faktum, das al’er Anstrengungen, die um die Renaissance des Judentums gemacht wurden, wert ist. Darüber brauchen wir hier nicht zu sprechen. Nun ist diese Sprache aber, wenn sie auch eine der im täglichen Leben Palästinas gebrauchten Landessprachen ist, vorderhand noch in Gefahr, Kunstsprache zu sein oder zu bleiben — trotz der umfangreichen Literatur — wenn der Sprachschatz der Gasse ein beschränkter bleibt und wenn gewisse fremdsprachige Einflüsse, die im Hebräischen natürlich schwere Vergehen gegen den Geist der Sprache sind, mitgeschleppt werden. Dieses Hebräisch des Volkes muß Kunsteprache sein oder bleiben, solange es sich nicht dem natürlichen Milieu wieder angepaßt hat, das heißt, solange es nicht die ganze Vielfältigkeit, Klang, Farbe und Nuancierungsmglichkeit, die ganze wunderbare Buntheit des Milieus, aus dem es seinen Ursprung nahm, wiederzuspiegeln vermag. Dies aber kann es nur dann, wenn es wieder zur, semitischen Sprache wird, die — die Verbreitung und Reinigung des Sprachschatzes des einfachen Mannes vorausgesetzt — nicht nur auf orientalischen, d. h. semitischen Wurzelstämmen aufgebaut ist, sondern auch das ihr natürliche Gewand tragt Wie es von Haus aus unnatürlich ist, in einem orientalischen Lande, in einem Lande mit anderem Klima und anderen Gesten und anderen traditionsbestimmten Voraussetzungen europäische Kleidung zu tragen, so ist es ein Verbrechen gegen den Oeist der Sprache, sie nach fremden, europäischen Phonetikgesetzen, die für sie absolut unanwendbar sind, auszusprechen, ihr ein fremdes, nüchternes Gewand zu geben, das ihrem feierlichen und doch wunderbar bunten orientalischen Rhythmus nicht entspricht Die merkwürdige Tatsache, daß gerade die eifrigsten Ver- {echter der hebräischen Sprache der richtigen Aussprache der einzelnen Laute, ihrer Klangfarbe und ihrem Klangwert die ja der Sprache erst den ihr spezifischen Charakter geben, vollkommen gleichgültig gegenüberstehen. Sie bedenken nicht, daß alle die Unterschiede in der Phonetik der einzelnen Sprachgruppen durchaus nichts Willkürliches sind. Es mögen hier nicht die Ursachen dieser bedauerlichen Unterlassung untersucht werden. Sei es Lässigkeit, sei es Unvermögen, sich mit allen Konsequenzen zu hebräisieren, sei es eine der Ausdrucksformen des oberflächlichen Journalismus unserer Zelt — wie immer es sei; es muß festgestellt werden, daß die Phonetik die integrierende Grundlage Jeder Sprache ist, weil sie, wie besonders in den semitischen Sprachen, grundlegende Begriffsunte/schiede ähnlich geschriebener Worte fixiert und weil sie es ist, die der Sprache den ihr originellen Charakter gibt und die beinahe ins Metaphysische hinübergreifenden Verankerungen der Sprache des Volkes in seinem Mutterboden, von wo aus das erste ergriffene Stammeln des Menschen, da die Welt noch jung war, anhob. Der rauhe, scharfe Charakter des semitischen Sprachtypus, der männlich-harte Rhythmus, der von männlichem Charakter des Volkes zeugt, mag in seiner gutturalen Andersartigkeit den ästhetischen Anschauungen des Abendlandes nicht entsprechen. Vergessen wir aber nicht, daß wir Orientalen sind und es mit allen Konsequenzen wieder sein wollen und daß wir aus dem spezifischen Geist, der dem natürlichen Milieu dieses Landes entspricht, und daher der Phonetik unserer Sprache adäquat ist, ja von den gleichen Müttern kommt wie sie, uns eine neue, ihm entsprechende Aestheiik schaffen wollen und schaffen müssen. Erkennen wir dies, dann müssen wir auch erkennen, daß eine hebräische Sprache ohne die ihrem Geist und ihrem Ursprung und ihrer Natur entsprechende Phonetik eine halbe Sprache, ein desperates Esperanto bleiben muß. Und erkennen wir dies, dann ist uns die gegenwärtige, vornehmste Aufgabe der hebräischen Nationalbühne kein Problem mehr. Dann wissen wir, daß sie in erster Linie das große Sprachinstrument ist, und daß alles, was sonst zum Wesen eines Theaters gehört, erst in zweiter Linie kommt, (womit natürlich nicht gesagt sein soll, daß es ihr erlaubt ist, schlechtes Theater zu spielen). Wohl hat sie mit Repertoirewahl und Schauspielermaterial sich verständig und systematisch in den Dienst des Aufbaus zu stellen und das soziale Moment in ihm zu betonen, aber ihr fundamentalster Unterschied von allen hebräischen Bühnen ist und bleibt doch der, daß sie sprachreinigetid und sprachfördernd im oben angedeuteten Sinn zu sein hat Darauf beruht Sinn und Schicksal einer hebräischen Nationalbühne. Eiserne Konsequenz und tiefste Verwurzelung ftf Jügijie. uad in seine» Milieu sind die Voraussetzungen. Aus meiern Grunde kann das Hebräische Nationaltheater nur in Palästina and nie im Auslande seiner Aufgabe gerecht werden. Wie notwendig aber ein solches Ist, mögen die Worte Sir Alfred Monds zu einem arabischen Journalisten am besten illustrieren: ״Ich wundere mich, daß die Orientalen sich anstrengen, die Westler zu kopieren. Es wäre richtiger, daß sie ihren Orientalismus hüten. Sie müssen Orientalen im vollen Sinn sein, um ihre Nationalität bewahren zu können. So möchte ich es auch bei den Juden Palästinas sehen. Alle Juden, die hierhe־kommen, sollen sich reorientalisieren, nicht nur nach einer Seite hin, sondern sogar im Inneren ihres Hauses.“ Philosophisches Lexikon. In Ergänzung unserer Mitteilung Ober das Philosophische Lexikon von Jakob Klatzkin wird uns mitgeteilt, daß der erste Bind O'iO Seitenl dieses vierbändigen WeAes soeben in gediegener Ausstattung ersehionen ist. Im Mai erscheint der zweite Band, die weiteren Bände folgen demnächst. sitzen, sonst zerreißt der Sack und Zwonimir flucht. Einmal kamen wir um zwölf in die Küche, es war ein heißer Tag, wir waren müde und auf unserer Bank saßen schwätzende Schaffner. Sie redeten von Politik und vom Minister und von Gehaltszulagen. Zwonimir bat sie, Platz zu machen, die Beamten fühlten sich wichtig und standen nicht auf. Zwonimir wirft den langen, hölzernen Tisch um, an dem sie sitzen. Die Schaffner schreien und wollen Zwonimir schlagen, aber er fegt ihre Kappen zur offenen Tür hinaus. Es sieht aus, als hätte er sie geköpft. Mit einer Bewegung seiner langen Arme hatte er ein halbes Dutzend Mützen hinausgefegt. Die Schaffner folgten ihren Mützen, nun standen sie da, ohne Adler kamen sie sich jämmerlich vor, sie drohten und zogen ab. Wir arbeiten schwer und schwitzten. Wir riechen unsern Schweiß, stoßen mit unseren Körpern zusammen, haben schwielige Hände, and fühlen unsere Kräfte und Schmerzen gleich. Vierzehn Männer sind wir, kämnfen gegen schwere Hopfenballen, die nach Deutschland gehen sollen, Absender und Empfänger verdienen an diesen Hopfenbailen mehr, als wir vierzehn zusammen. Das sagt uns Zwonimir jeden Abend, wenn wir nach Hause gehn. Wir kennen den Absender nicht, ich lese nur seinen Namen auf den Waggons: Ch. Lustig heißt er, ein reizender Name. Ch. Lustig wohnt in einem schönen Hause, wie Phöbus Böhlaug, sein Sohn studiert in Paris und trägt geschliffene Schuhe. Lustig, reg Dich nicht auf! sagt seine Frau. Wie der Empfänger heißt, weiß ich nicht, er hat Grund genug, Fröhlich zu heißen. Wir waren alle Vierzehn wie eia einziger Mafia. Alle waren wir gleichzeitig da, alle gingen wir gleichzeitig essen, alle hatten wir dieselben Bewegungen und die Hopfenbailen waren unser gemeinsamer Feind. Ch. Lustig hat uns zusammengeschweißt, Lustig und Fröh'ich, wir sehen mit Angst, wie die Hopfenbailen aufhören, bald ist unsere Arbeit zu Ende und unsere Trennung scheint uns schmerzvoll, als würde man uns auseinander schneiden müssen. Und ich bin kein Egoist mehr. Nach drei Tagen waren wir mit der Arbeit fertig. Wir waren schon um vier Uhr nach* mittag frei, aber wir blieben auf dem Güterbahnhof und sahen zu, wie unsere Hopfenballen langsam nach Deutschland hinausrollten . . . XV1L Es ist ■wieder die Zeit der Heimkehrer. ,Sie kommen in Gruppen, viele kommen auf einmal. Sie werden herangespült, wie bestimmte Fischarten zu bestimmten Jahreszeiten- Vom Schicksal westwärts gespült werden die Heimkehrer. Zwei Monate lang war keiner zu sehen. Dann, wochenlang, fluten sie herbe! aus Rußland und Sibirien und aus den Randländern. Der Staub zerwanderter Jahre liegt auf ihren Stiefeln, auf ihren Gesichtern. Ihre Kleider sind zerfetzt, ihre Stöcke plump und abgegriffen. Sie kommen immer denselben Weg. sie fahren nicht mit der Eisenbahn, sie wandem. Jahrelang mögen sie so gewandert sein, ehe sie hier ankamen. Sie wissen von fremden Ländern und fremdem Leben und haben, wie ich, viele Leben abgestreift. Sie sind Landstreicher. Ob sie mit Freuden nach Hause wandern? Wären sie nicht lieber in der großen Heimat geblieben, statt in die kleine heimzukehren, zu Weib und Kind und Ofenwärme? Es ist vielleicht nicht ihr Wille, nach Hause zu gehn. Sie werden nach dem Westen gespült, wie Fische zu gewissen Jahreszeiten. Wir standen, Zwönimir und ich, am Rande der Stadt, wo die Baracken sind, stundenlang, Viele gingen an uns vorbei und wir erkannten sie nicht, obwohl wir gewiß mit ihnen zusammen geschossen und gehungert haben. Wenn man so viele Gesichter sicht, kennt man keines mehr. Sie sehen einander gleich, wie Fische. Traurig ist es, daß da einer vorbei geht, den ich nicht erkenne und wir haben doch eine Todesstunde miteinander geteilt Wir waren Im grausamsten Augenblick unseres Lebens eine einzige Angst — und jetzt erkennen wir einander nicht. Ich entsinne mich, daß ich dieselbe Trauer fühlte, als ich einmal ein Mädchen sah, in einem Zug trafen wir uns, und ich wußte nicht, ob ich mit ihr ges־häkert oder nur meine Wäsche von ihr hatte flicken lassen. Manche Heimkehrer wollten, wie wir, in dieser Stadt bleiben. Das Hotel Savoy bekam neuen Zuzug. Auch Santschins Zimmer war schon bewohnt. Alexander! mußte sein Absteigenuartier COö für drei Tage hergeben, der Direktor behauptete, das wäre sein gutes Recht, ein unbenutztes Zimmer zu vermieten. Ich hörte, während ich meine Schlüssel abgab, wie Ignatz mit Alexander! diskutierte. Viele, die kein Geld für Hotel Savoy hatten, richteten sich in den Baracken ein. Es sah aus, als wollte ein neuer Krieg ausbrechen. So wiederholt sich alles: der Rauch steigt wieder aus den Schornsteinen der Baracken. Kartoffelschalen liegen vor den Türen, Fruchtkerne und faule Kirschen — und Wäsche flattert auf ausgespannfen Schnüren. Es wurde unheimlich in der Stadt. Man sah bettelnde Heimkehrer, sie schämten sich nicht Ausgezogen waren sie als kräftige und stolze Minner und jetzt konnten sie sich nicht mehr das Betteln abgewöhnen. Nur wenige suchten Arbeit. Bei den Bauern stahlen sie, gruben Kartoffeln aus dem Boden, schlugen Hühner tot und erwürgten Gänse und plünderten Heuschober aus. Alles schleppten sie in die Baracken, sie kochten dort, aber gruben keine Latrinen aus, man konnte sie an den Wegrändern hocken und ihre Notdurft vcrrichten sehn. Die Stadt, die keine Kanäle hatte, stank ja ohnehin. An grauen Tagen sah man am Rand des hölzernen Bürgersteigs, in den schmalen, unebenen Rinnen schwarze, gelbe lehmdicke Flüssigkeit, Schlamm aus den Fabriken, der noch warm war und Dampf aushauebte. Es war eine gottverdammte Stadt Es roch, als wäre hier der Pech- und Schwefelregen niedergegangen, nicht über Sodom und Gomorra. Gott strafte diese Stadt mit Industrie. Man war hier an die Heimkehrernerioden gewohnt, keine Behörde störte sie. Vielleicht ängstigte sieh die Polizei vor den vielen verwegenen Menschen und man wollte kein-n Aufrühr. Die Arbeiter Neuners streikten ohnehin schon vier Wochen lang — wenn es hier einmal zu Kämpfen kam, waren die Heimkehrer dabei. Sie kamen aus Rußland, sie brachten den Atem der großen Revolution mit, es war, als hätte sie die Revolution nach Westen gespuckt, wie ein brennender Krater seine Lava. Lange waren die Baracken leer gewesen. Jetzt wurden sie plötzlich so lebendig, daß man glaubte, heut oder morgen würden sie anfangen, sich in Bewegung zu setzen. Des Nachts brannten dürftige Talgkerzen, aber eine wilde Fröhlichkeit erfüllte sie. Die Mädchen kamen zu den Heimkehrern und forschten unter ihnen nach einem bekannten Gesicht _ (Fortsetzung folgt) Zt AU Fr heim kam, nicht mehr Mit sechzi jugendlich! Helferin fü ihrem acht Ortsgruppi wnhrnirnm immer wa jüdisch w« Eine i jährige, ai Erez-israel im Sinne t mit eigene Sehnsucht, Das I schwerste! der Hing( ein Vorbil ersten Ko die Erihni löschiichei PfHchtiret Achtzigjäl Ida Jo Au die An sal Ida < antwortlic] Dieses G1 Psycholog Uerzls fi haben. S deutschlaj sie lebte der niern! herangebi sieht hei Ihr Erz« (. , ohne W< gesinnten beinahe enthielt, innerer Buch, j« dort ein, HausOi die rein Tätigkeit mit der immer ו setzte *i sie spät! freier lf geweiht an Sper Ihrem I konnten TJnermü Arbeit gründer orgamsi gung ir Krieg v Geiste : Einei p! d.e» f Bekäm Person Leben! Tagen im Sa 6000 1 Di Leca Prof. ben L Ehren׳ preihe feilt < einer tung der 1 Lecac! Studei darr Profe! eine I der A P eine! Foum Philip Herre ausfül Foum Kredi diese! 100 0( die T i N=a׳t d 1 s c Versi Zad