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Jüdische Rundschau · 1928-03-13 · Heft 21 (13.3.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 21 (13.3.1928)
Date
1928-03-13
Page
– (sequence 3)
Language
German
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UNTERHALTUNGS-BEILAGE 13. März 1928 DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Nr. 11 Ein jüdischer Skhriftsteller reist nach Canada Von Sch. Gorelik. 9. Kapitel. Einiges über 'die New Yorker Eindrücke.. — Das entsäuberte, traumlose Leben der ehemaligen Kasrilowker. — Judentum auf der Grammophonplattc. — Das Abendkoazert in Bronx. — Lieber die zweite Generation. — Abschied von New York. — Tränen eines alten Vaters. Die drei Wochen, die für den Aufenthalt in New York rar Verfügung standen, vergingen ziemlich schnell. Obwohl der Zweck der Reise nicht das Studium des Lebens in dieser gewaltigen Stadt war, bin ich ira allgemeinen doch überall herumgeführt worden und sah ungefähr alles, was als seheas» würdig bezeichnet wird. Die verschiedensten Verkehrsgelegen, beiten New Yorks benutzte ich abwechselnd, um überall dorthin zu gelangen, wo es hieß, den unerhörten technischen Fortschritt, die Kraft- und Energieentfaltung eines sorgenloseren Teils der Menschheit zu bewunden!. Ich gab mir natürlich nur aus Höflichkeit den Anschein, als ob ich bewunderte, im Innern wünschte ich dieser vorwärtsdrängenden Welt einen genialen, schwermütigen Dichter und eine melanchollsehe Wolke, die den Himmel eines flachen Optimismus überzöge. Amerikas Antlitz braucht einige pessimistische Falten und mindestens eine halbe Million Schopenhauer-Leser, dachte ich beim Anblick der steinernen HandeLskathedralen. Zu einem Enthusiasmus für diese Babel-Türme, die die Reisenden in Entzücken versetzten, wollte sieb jedenfalls meine Seele nicht aufschwingen, vielmehr sehnte sie sich nach einem romantischen Hügel irgendwo auf einem rückständigen Flecken der Erde. Es Ist darin gewiß eine Verirrung des Geschmacks zu sehen, und die Schuld an der Unfähigkeit zur Begeisterung für Symbole vielleicht noch nie dagewesener Lebensbejahung liegt wahrscheinlich bei mir. Die Psychoanalyse, die abcs zu erklären imstande ist, würde gewiß mit Leichtigkeit feststellen, in welche Rubrik ein Mensch einzuordnen Ist, den der Anblick der Brücke, die Brooklyn mit New York verbindet (eh? Meisterwerk der Technik), nicht zum Dichten von Hymnen begeistert, dem dagegen einige stille Straßen in demselben Brooklyn, die an Poltawa erinnern, das Herz warm und höher schlagen machten. Durch diese stillen Straßen wandelnd und die Abendkühle genießend, konnte ich über die Eindrücke des Tages naebdenken und konnte vor allem immer wieder fentstellen, daß alles, was ich sah und hörte, im allgemeinen mir die Bestätigung von längst Geahntem war. Während der drei Wochen meines New Yorker Aufenthaltes bin ich nirgends auf etwas gestoßen, das mich hätte besonders überraschen können, insbesondere mit Bezug auf die Eindrücke, die ich aus der Beobachtung des jüdischen. Lebens in New York gfptmäea, bähe.'״Oh ts. das bwpte Treiben :ha dem bevölkerten W "»«ו Bronx-war, ob es sich um einen besuch in der: Redaktion einer Zeitung auf dem Broadway oder um das Verweilen im Harne einer Arbeiterfamilie handelte, gleichviel, es waren überall genau diejenigen Bilder, die ich zu sehen erwartet hatte. Eigentlich war es nur das Bild der Metamorphose, der großen, entschiedenen Wandlung, die die Juden von Kasrllowke Hier, in der Neuen Welt, in Amerika, durchgemacht haben. Mit dem Begriff ״Kasrilowke“ verbinden wir nicht nur jene Unzulänglichkeiten der Zivilisation, jene Armseligkeiten des äußeren Lebens, die unsere Satiriker und Humoristen einst schilderten, sondern noch etwas ganz anderes. Kasrilowke führte ein Doppelleben. Uebcr der elend«» Wirklichkeit schwebte immer ein Traum. Alle waren ״Träumer des Ghetto“. Die Entzauberung, die Ernüchterung, däp traumlose Leben, das Leben in der Wirklichkeit fängt erst in Amerika an. Darin besieht, um es kurz zu sagen, die grpßc Wandlung, ln Kasrilowke war auch am Wochentag etwas vom Schabbes-Odem zu spüren; in New York ist niemals Schabbes, niemals ein Fest der Seele. Entzaubertes, traumloses Leben, das ist alles, was ich festzustellen vermochte, wenn ich über dir gesammelten Eindrücke, die, wie schon bemerkt, nur Bestätigungen waren, nachdenkea wollte. Sich ausführlich über dieses Thema zu verbreiten, lohnt nicht, erwähnen möchte ich nur, daß die einzige Zuflucht, um sich von soviel Nüchternheit zu erholen, das . . . Grammophon war. Das Grammophon, dieser Vermittler verschwundener Romantik, das Grammophon, das alte Zeiten heraufbesdnvören konnte, war etwas Unentbehrliches. Es gibt kein einziges jüdisches Haus in ganz Amerika, in dem man nicat in einer ehrenvollen Ecke ein Grammophon stehen sieht. Und welches Haus ich auch betrat, immer bat ich, die Schallplatten der ... Er sprach mit solche? Loid«a»ehafUichlc6H vom BoxVimofft»־׳, daß ich immer war, 1Kn 11m UoterbrnJiinis׳ tq bitten und eine Platte e!n711!e^«3 ״ , , berühmtesten Chasonim, Baale-Tefiloth und jüdischer Vo'kssanger ertönen zu lassen. Dabei vergaß man vieles, was einen im Lauf des Tages verstimmen konnte. Einmal, es war an einem schwülen Juli-Abend, erlebte ich sogar einen Wettkampf zwischen dem Grammophon mit Schallplatten jüdischer Gesänge und dem Lautsprecher und freute mich, als das Grammophon deu Sieg davontrug. Ich lag nämlich ln Bronx am offenen Fenster und wartete auf einen Luftzug, auf ein bißchen Kühlung, denn es war unerfraglich heiß, aber nichts kam außer der dröhnenden Stimme des Funksprechers, der über die Zahl der für die zwei rivalisierenden Präsidentschaftskandidaten der demokratischen und der republikanischen Partei abgegebenen Stimmen berichtete. E$ hat sich was getan in New York mit diesen Wählen, die ipmer ,unentschieden blieben uhd.Atofl, :neuem aafingen. in Madispn Square standen dichte Massen" und warteten auf neue Berichte, Wetten wurden eingegangen, und auch in dieser Nachtstunde folgten gewiß neugierige Menschenansammlungen den Verkündungen der überall aufgestellten Lautsprecher. Mir fielen aber die Zahlen und Namen der Staaten auf die Nerven, und wenn auf Wind, Regen oder Sturm nicht zu hoffen war, wollte ich wenigstens andere Stimmen, Musik hören und war glücklich, als sich plötzlich ein Grammophonsurren vernehmen ließ und bald darauf der himmlische Tenor josele Rosenblatts, des größten Cbason der Gegenwart, durch das offene Fenster zu mir drang. Ob es ein ״Owinu Malkenu“ oder ein ״Wechol Maaminim“ war, kann ich mich nicht mehr entsinnen, aber ich weiß noch, daß ich die Augen schloß und glückselig den Melodien lauschte. Aus einem anderen jüdischen Hause erfönte nun eine Kwartin-Schallplatte, worauf andere Nachbarn mit dem ״Kaddisch“' von Reb Lew! Bardiczewer antworteten. Man gab Meisterstücke von Sirota mm besten und traurige Weisen und ״Freilachs“ und dann hörte mau ein Lied von dem jüdischen Kabarettisten Ludwig Satz mit dem wehmutigen Refrain: ״Ich will ahextn“. Mit einem Wort, Bronx. das jüdische Bronx, gab an diesem heißen Juliabend ata Konzert. Ans den offenen Fernstem ergoß sich die Musik alter Zeiten, ferner Heimaten, eine Musik, die ein jüdisches Herz hoch schlagen läßt. Die dröhnende Stimme des Funk- Sprechers hörte kein Mensch mehr, die Chasonim von Kasrilowke haben deu Berichterstatter der Wahlen vertrieben, Aus dem Leben allerdings war der Kasrilowker Geist verdrängt Das Leben hat erstaunlich ueue Formen an• genommen. So ereignete sich während meines Aufenthalte in New York in' einer verwandten Familie ein Fall, der mir ganz besonders merkwürdig vorkam, von dem mau aber nicht viel Aufhebens machte: Ein neunzehnjähriger, Boy verließ das Elternhaus und ging zu einem Militär-Werbungsbüro. In dem Abschiedabrkf an seine Eltern bat er, man möge sich gar keine Mühe geben, ihn zu suchen, da er fest entschlossen sei, Soldat zu werden. Dem jungen Mann, der in einer guten jüdischen Familie aufgewachsen war, widerstrebte ein weiteres bürgerliches Leben und er wollte die Abenteuerluft der Soldaten atmen. Sehr merkwürdig! Und wie weit das alles vom Kasrilowker Milieu war! ln dem Park von Bronx machten sich jüdische Boys über meinen Bart lustig. Sie zupften nicht an ihm, wie man es vor einigen Jahren mit jüdischen Bärten in Polen tat, aber sie verhöhnten mich gutmütig. Sie haben, diese kräftigen Jungens, gegen den Bart eines Großvaters nichts einzuwenden, der ״Seide“ soll ihn ruhig tragen, aber nur er; bei andern kann man nicht umhin, großen Spaß daran zu finden und bei guter Stimmung mit einem ״Ho ho“ diesen Spaß zu kommentieren. Ich habe auch die Bekanntschaft mit einem lieben Neffen gemacht, der mit einer solchen Leidenschaftlichkeit von Boxkämpfen sprach, vom Zirkus, vom Sport überhaupt, daß ich immer gezwungen war, ■ ihn um Unterbrechung zu bitten und zur Erholung eine ״Unesano Tekef“ oder eine ״Umipne Chatoenu“ Schallplatte auf setzte. Der gute Junge verstand nicht, wie man es über sich bringen könne, einen Chasou zu hören, obwohl er doch die Erzählung über den gewaltigen Sieg des Boxers nicht beendet. hatte. Und meine überaus reizende Nichte findet, daß die Einwandenmgsbeschrä 11kurigen zu Recht bestehen, weil die neues Immigranten die Löhne herunterdrücken. Sie hat es in der Schule gehört und ist ohnehin nicht verpflichtet, mehr Weisheit z!1 besitzen, als seinerzeit ein Gompersfeser. — Liebe, reizende Neffen und Nichten, in Amerika geboren, in jüdischen Häusern erzogen, wo man das Geistige immer gepflegt hat, aber sie haben an diasem Erbe von Generationen keinen Anteil mehr. Wenn mein alter Vater, ihr Großvater, ins Zimmer tritt, erheben sie sich alle von ihren Plätzen, der laidenschaftliehe Freund des Boxkampfes wie die Verfechterin der Ein- Wanderungsbeschränkungen, aber sie verstehen nichts, nichts an ihm, wissen nichts, nichts von seiner Welt Die zwei jüdischen Zeitungen, die jeden Morgen ins Haus gebracht werden, lesen sie nicht, sie sprechen ein sehr schlechtes Jiddisch nur mit .der Mutter. Sie sind die zweite Generation. Man; behauptet, daß die dritte vielleicht schon eine rädert sein wird. Optimisten meinen dies, an einige Beispiele dür westeuropäischen Judenheit denkend. * Die drei Wochen vergingen ziemlich schnell und eines frühen Morgens hieß es Abschied nehmen, von den Brüdern und Schwestern mit der Hoffnung, sich vielleicht noch einmal im Leben zu treffen. Von dem alten Vater aber war es ein Abschied für immer, für immer. Er segnete mich und fing zu weinen an. Worüber weinte mein Vater? Ist es denn möglieh, daß ihm vor dem Ende bange wurde? Aber was hat er bange zu sein, er, der ein frommes, gerechtes Leben führte und sich immer Verdienste für das Jenseits — für‘ihn die sicherste Realität — erworben hatte? Oder galten viel• leicht die Tranen seinem Sohne, der sich durch die kalte, unfreundliche Welt ohne den süßen Glauben an ein Jenseits schleppte? Oder waren es dieselben Tränen, die Zaddikim vergießen, wenn sie an das große Leid, an die gequälte® Kreaturen, an die Ohnmacht des Menschen, an die Unvoll- Hotel Savoy Roman von (oseph Roth. (7. Fortsetzung.) Und wir sprachen davon, daß dieser Krieg in aüe Ewigkeit fortgehen würde und daß wir nie mehr nach Hause kämen. Zwonimir hatte noch einen Vater und zwei kleine Brüder. Auch sie werden einrücken, sagte Zwonimir. in zehn Jahren wächst keine Frucht mehr in allen Ländern der Welt, nur noch in Amerika. Er liebte Amerika. Wenn eine Menage gut war, $agte er: Amerika! Wenn eine Stellung schön ausgebaut war, sagte er: Amerika!. Von einem feinen Oberleutnant sagte er: Amerika. Und weil ich gut schoß, nannte er meine Treffer: Amerika. Und alles Dauernde, Unaufhörliche, na nute er: liebt! ״liebt“ war ein Kommando, bei den Geteaksübuagen sagte man ״übt“. ״Kopfnicken übt!״ ,״Kopfbeuge übt!“ — Das ging dann in alle Ewigkeit Wenn wir jeden Tag Dörrgemüse hatten '— so sagte Zwonimir: ״Drahtverhau übt“ Weil das Trommelfeuer wochenlang dauerte, sagte er: ״Trommelfeuer übt!“ und weil er mich für einen allzeit guten Kerl hielt, sagte er: .,Gabriel ubt!“ Wir saßen im Wartesa.il dritter Klasse, umtobt vom Lärm der Betrunkenen und sprachen leise und verstanden dennoch jedes Wort, denn wir hörten mit den Herzen mehr zu, als mit den Ohren. ln diesem Wartesaal hat mich schon jemand mit lauter Stimme angesprochen und ich habe dennoch nicht verstanden. So stark war das Gebeul der Betrunkenen. Es waren die streikenden Arbeiter Nefiners, die' hier ihre Streikgdder vertranken. In der Stadt war Schnansvefbot, am Bahnhof erhielt man den Alkohol in Kaffeekannen. Ar« belteriimen saßen da, junge Mädchen, sie waren schwer berauscht, aber nichts konnte ihre Frische ganz verderben, vergeblich kämpfte der Schnaps gegen ihre Gesundheit Die jungen Burschen gerieten in Streit wegen eines Miidchens und griffen zum Messer. Aber sie schlugen einander nicht tot. Das Volk war nur lebnaft, nicht böse, jemand warf einen Witz zwischen die Kämpfer und alle söhnten sich aus. Denuoch , war es gefährlich, hier lange zu sitzen, man konnte plötzlich einen Schlag auf den, Schädel erhalten, oder einen Stoß vör die Brust, oder es kam einer, und nahm dir deinen Hut weg, oder schmiß dich auf den Boden, weil er keinen freien StuhJ mehr gefunden hatte. Zwonimir und ich saßen am Ende des Saals, lehnten uns gegen die Wand, so, daß wir die ganze Menge übersehen und jeden erblicken konnten, der ach uns näherte. Aber niemand belästigte uns, in unserer Nähe wurden alle freundlich. Manchmal bat uns einer um Feuer, einmal fiel mir eine Streichholzschachtel auf den Boden — und ein junger Bursche hob sic auf. ״Willst Du weiter gehn, Zwonimir.“ fragte ich — und erzählte ihm, wie es mir ging. Zwonimir wollte nicht weitergehn. Er wollte hier bleiben; ihm gefiel der Streik. ,Jeb will hier eine Revolution machen,“ sagte Zwonimir. so einfach, als sagte er: ich will hier einen Brief schreiben. Ich erfahre, daß Zwonimir Agitator ist, aus Liebe zur Unruhe. Er ist ein Wirrkopf, aber ehrlich, und er glaubt an seine Revolution. ״Du kannst mir dabei helfen,“ sagt er. ״Ich kann nicht,“ sage ich. Und erkläre Zwonimir. daß ich ein Einzelner bin und kein Gefühl für die Gemeinschaft habe. , Ich bin ein Egoist, sage ich, ein wirklicher Egoist“ ״Ein gebildetes Wort,“ tadelt Zwonimir. ״Alle gebildeten Worte sind schändlich, ln der einfachen Sprache könntest Du so häßliches gar nicht sagen.“ Darauf kann ich nicht antworten. Zwonimir hat recht. Ich stehe allein. Mein Herz schlägt nur für mich. Mich gehen die streikenden Arbeiter nichts an. Ich habe keine Gemeinschaft mit einer Menge und nicht mit Einzelnen. Ich bin ein kalter Mensch. Im Krieg fühlte ich mich nicht eins mit der Kompagnie. Wir lagen a'le im gleichen Dreck und warteten a'lc auf den gleichen Tod. Aber ich konnte nur an mein eigenes Leben denken uni au meinen eigenen Tod. Ich ging kalt und ohne Herz über Leichen, und manchmal lat emir weh, daß ich keinen Schmerz empfand. Jetzt läßt mir der Tadel Zwonimirs keine Ruhe — ich muß über meine Kälte nachdenken und über meine Einsamkeit. ״Jeder Mensch lebt doch in irgend einer Gemeinschaft,“ sagt Zwonimir. fu vve'cher Gemeinschaft lebe ich? — Ich lebe in Gemeinschaft mit den Bewohnern des Hotels Savoy. Alexander Böhlaug fäl’t mir ein, auch er lebt nun ״in enger Nachbarschaft“ mit mir. Was hafte ich mit Alexander Bählaug Gemeinsames? Nicht mit B5hku׳j, aber mit dem toten Santschin, der im Wäsdjedunst erstickt ist uni mit Stasia, mit den Vielen vom fünften, sechsten und siebenten Stock, die sich vor Kalcguropulos’ Inspektionsbcsuchen fürchteten, ihre Koffer verpfändet haben, und euges־־e:rt sinl in diesem Ho'el Savoy lebens äng ich. Und keine Spur vou Gemtinrchaft habe ich mit Kanner und Neuner und Anselm Sc.hwcdron, mit Frau K-per ind mit meinem Onkel Phöbus Böhlaug und seinem Sohn Alexander!. Gewiß, ich lebe in einer Gemeinschaft, ihr Leid ist mein Leid, ihre A־mut 14־ me'n: Armut. Jetzt stehe ich da am Bahnhof uni wart: auf Geld und finde keine Arbeit Und habe noch das Zimmer ucht bezahlt und nicht einmal einen Koffer für Ignatz. Es ist ein großes Glück, das Zusamm-areffen mit Zwonimir, ein g'ücklirher Zufall, wie er nur in Büchern vorkommt Zwonimir hat n-ch Geld und Mut. F.r will in mein Zimmer zichn. XV. Wir wohnen zusammen, in meinem Zimmer. Zwonimir schläft auf dem Sofa. Ich biete ihm nicht mein B:tt an, ich bin befuem und habe lange Zeit ein Bett entbehrt In meine■!! Elternhaus in der Leopold־tadt gab :3 manchmal wenig Essern, aber immer ein wc.'chcs Bett. Zwonimir aber hat sein Leben lang auf hartem Bänken gen'chtigt, ״auf echtem Eichenholz'׳' scherzt er, er verträgt keine Bett* wärme und I!;:, ״•!!!echte Träume auf weichen Lagern. Er hat eine gesunde Konstitution, geht spät schlafen und erwacht mit dem Morgenwind. Bauernblut roüt in seinem Körper, er besitzt keine Uhr und weiß immer die Stunie genau, fühlt Regen und Sonne voraus, riecht entfernte Brände und hat Ahnungen und Träume. Einmal träumt er, sein Vater wäre begraben worden, er steht auf und weint und ich weiß mir keinen Rat mit dem großen weinen ־'en Mann. Ein anderes Mal siebt er seine Kuh verenden, er erzählt mir davon und scheint gleichgültig. Wir gehen den ganzen Tag um* her, Zwonimir erkundigt sich bei den Arbeitern Neuners nach den Verhältnissen, nach den Streikführern, er gibt den Kindern Geld und schreit mit den Frauen und befiehlt ihnen, ihre Männer aus dem Wartesaal zu ho'en. Ich be• wundere Zwonimirs FäH-kitten. Er fce' err cht die Sprache des Landes nicht, spricht mit Mimen und Armen mehr, als mit dem Mund, aber alle verstehen ihn vortrefflich, denn er redet easfach,

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