Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1928-03-09 · Heft 20 (9.3.1928) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 20 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2651273-2652971-2652991--19806-2677721
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

6 entity mentions

Nr. 20, 9. IE 1928 JÜEDTSCHE RUNDSCHAU Seit» 143 Die Sendung Franz Kafkas Von Manfred Starmann. I. Vier Jahre fast ist Franz Kafka tot — er starb Im Juni 1924 — und während dieser vier Jahre hat Max Brod aus dem Nachlaß des Verstorbenen wahre Schätze gehoben. Wohl gab es Einzelne, die gleich nach Erscheinen der ersten Werke des Qiehters auf ihn als eine außerordentliche Erscheinung hin wiesen. Da schrieb ein junger Dichter Prosa, die schlechthin vollkommen war, mit einer Prägnanz und Eindringlichkeit, wie sie gerade damals besonders selten war. Das waren keine hymnischen Preis* oder Haßgesänge, wie sie als billige Marktware täglich unter die Leute geworfen wurden — son* dern strenge makellose Sätze, die sich nicht trennten von der wahrhaftigen Welt, und die doch zuinnerst das ganze Oe* beinuus und die Variabilität der menschlichen Seele bargen. Nicht hirnlich waren diese Sätze, sondern geistig, im Geiste tönend wie eine appollinische Musik. Es waren zunächst nur Wenige, die sich dieser Musik hinzugeben vermochten, aber diese lauschten auf und hörten aus ihr eine Verheißung. Jene Wenigen haben eine beglückende Bestätigung erfahren dürfen und nicht zuletzt die Gewißheit, daß Franz Kafka die Anerkennung und darüber hinaus den Ruhm finden wird, der ihm gebührt Noch ist es nicht so weit. Wohl ist der Name Kafka im Kreise der literarisch Interessierten längst kein unbekannter mehr, wohl wachsen von Tag zu Tag die Stimmen, die den Vorstoß durch die Indifferenz weiterer Kreise Intensivieren helfen — noch aber hat leider dieser Vorstoß nicht jene Kraft erreicht, die allein letzte Verbreitung und damit die Unvergänglichkeit des Werkes gewährleistet. Franz Kafka ist ein jüdischer Dichter, nicht nur seiner Abstammung nach, sondern vor allem gemäß seiner geistigen Struktur und nach jener tragischen Besessenheit, mit welcher er versucht, sich dem Gefüge der Weit einzuordnen. Franz Kafka ist der Jude schlechthin. Es ist vielleicht gut zu sagen: Der Ewige Jude. Kafka, der das Maß beherrscht, wie kein zweiter Dichter dieses Jahrhunderts, steht selber ungemessen der Ordnung, dem Kosmos gegenüber. Nirgends gibt es einen verborgenen Winkel, in den er sich betten darf; was bei jedem Kuli eine Selbstverständlichkeit ist, wird bei ihm zur Utopie. Er müht sich, erniedrigt sich, zwingt sich mit heroischer Oeduld zu immer erneutem Versuch. Aber es liegt doch gleichzeitig eine Hoffnungslosigkeit, eine Verzweiflung in dieser Bemühung, und indessen entblättert sich das Leben wie ein herbstlicher Baum. Das ist Kafkas Melodie, die seiner selbst und die seiner Dichtung; denn nirgends anders finden wir eine solche Einheit von Leben und Werk wie bei ihm. Diese Melodie klingt aus der noch zu Lebzeiten erschienenen Novelle ״Die Verwandlung", aus den Romanen ״Der Prozeß“ und ״Das Schloß" und schließlich aus dem dritten Nachlaßband, der im folgenden noch näher betrachtet werden wird*). Bedarf es noch eines Beweises, daß diese seine Melodie eine jüdische ist? Ist Kafkas Thema nicht das jüdische Schicksal in letzter Prägnanz? Jenes der Ordnung Gegenüber, stehen, jene Sehnsucht, seine Art zur Norm zu machen, jene ..|Jf«»ubjMjg, ln GJie.., Reihe zu lreteur mir um aafzuhöfes» ein Sonderfall zu sein? Wenn Josef K. im ״Prozeß“ sein Leben hingibt im Kampf mit einer geheimnisvollen Gerichtsbehörde, nur um den Grund zu erforschen, weshalb er verfolgt und verurteilt ist; wenn K. im ״Schloß“ seine letzten Energien verschwendet, nur um in einer fremdartigen Umgebung Durchschnittsmensch zu werden; wenn schließlich der sechzehnjährige Karl Roßmann im dritten Nachlaßband ״Amerika“ trotz allem Fleiße und aller Entbehrung in seinem Bestreben, sieb der Ordnung des fremden Kontinents einzureihen, Immer wieder versagt — wer spürte nicht über den Leiden dieser Einsamen den Schlagschatten des jüdischen Geschicks: Ein zweitausend jäh riges Sehnen nach der Norm, nach einer natürlichen Daseinsform? UeberaU in Kafkas Werk stehen die Menschen gleich Zuschauern um den Elnzelfall, staunend zuweilen, doch oft auch mit Geflehter. ״Es ist doch so einfach, dazusein!" denken sie. Kann die Parallele noch deutlicher sein: Wie der Held in Kafkas Werk den Zuschauern, so steht der Jude seiner Umgebung, so das Judentum den Völkern gegenüber, ais Einzelfall, als beirachtens- und vielleicht bemitleidenswerte Extra» vaganz. Im ״Prozeß“ erzählt Kafka eine Legende, in der ein Mensch zum Türhüter des Gesetzes wandert und Einlaß begehrt ״Es ist möglich, sagt der Türhüter, jetzt aber nicht" Und aer Arme wartet vor der Tür Monde und Jahre. Er gibt den Versuch auf, hineinzudringen in das Gesetz und wartet, bis man ihm die Türen öffnet Indessen wird er alt, krank und kindisch. Ehe er stirbt, rafft er sich noch einmal zu einer Frage auf. ״Alle streben doch dich dem Gesetz, sagt der Mann, wieso kommt es, daß in den vielen Jahren niemand außer mir Einlaß begehrt hat?“ Und der Türhüter antwortet: ״Hier konnte niemand sonst Einlaß erhalten, denn dieser Eingang war nur für dich bestimmt Ich gehe jetzt und schließe ihn." In diesen Tagen ist der dritte Nachlaßband ״Amerika“ erschienen. Mit diesem Werk ~ und den beiden anderen genannten Romanen ״Der Prozeß“ und ״Das Schloß“ — schließt sich Kafkas geniale Trilogie des Einsamen, des faustischen Wanderers, des um die letzte Weisheit Irrenden. Kein zweiter Dichter unter den Jüngeren vermochte mit so einfachen Mitteln Epen solcher Größe zu schaffen; keiner so über die Zeit hinauszuwachsen wie Kafka; keiner mit einer aus Einfachheit emporgesteigerten Prosa Sätze zu formen, die in ihrer geordneten Klangfülle wie eine Wortsymphonic wirken. Wer vermag das Geheimnis zu deuten: Kafkas Sprache ist streng; jemand, der sie zum ersten Male liest, wäre versucht, sie ais Kälte zu deuten. Dem aber ist nicht 60. Diese Prosa ist zwar ausnahmslos frei von Lyrismen; sic ist herauskristallisiert aus der Idee, aus Kafkas tragischer Besessenheit eben. Aber wie der Kristall hart ist, und doch der Weichheit des Lichtes sich nicht versagt, so Ist die Sprache Kafkas nach außen hart abgegrenzt, doch von allen Seiten her durchsichtig, spiegelt sie innerste Bewegtheit wieder, Liebe und Mitleid, und so verbindet sich zu seltener Einheit das zwiefache Maß: Form und Gehalt. *) Kafkas Werke sind mit Ausnahme der Novellensammlung ״Der Hungerkünstler“ und des Romans ״Der Prozeß" (beide Int Verlag Die Schmiede, Berlin), bei Kurt Wollt in München erschienen. II. ״Amerika" ist das weWkhrte Buch Kafkaa im wort• wörtlichen Sinne. Das Buch airalich, das der Welt am niebstea kommt Während Im ״Prozeß“ und Im ״Schloß“ der Einsame der Welt gegenübersteht, mit jener Sehnsucht, von der wir oben sprachen — ist Karl Roßmann Im dritten Roman ein Knabe, der noch nicht um diese Stille weiß, der sich des Tragischen also noch nicht bewußt wurde. Er will nichts als ein in geordneten Verhältnissen lebender Mensch werden. Der Junge hat Pech gehabt Er wurde von einem Dienstmädchen verführt und ist mit sechzehn Jahren Vater geworden. Die kleinbürgerlichen, durch das Mißgeschick kopflos gewordenen Eltern schicken ihn nach Amerika. Das ist in solchen Fällen am bequemsten. Das Dienstmädchen aber weiß, daß Karl einen Onkel in Amerika hat, sie schreibt an ihn, und so kommt es, daß der junge Auswanderer, noch ehe er das Schiff verläßt, im Hafen von New York von seinem Onkel gefunden wird. Es scheint nun alles gut zu enden. Karl hat Zeit, sich in einem reichen Hause auf die neue Welt vorrubereiten. Er wird verwöhnt, bekommt ein Klavier, einen Hauslehrer und Reitunterricht Der Onkel Ist ihm mit väterlicher Liebe zugetan, aber 80 sehr Prinzipienmensch, daß er aus einem geringfügigen Anlaß, den Neffen verstößt und der Hölle des fremden Landes preisgibt Karls Schicksal wendet sich jäh. Er weilt eben noch in einem prunkvollen Landhause bei New York — da verstrickt sich die Situation: Plötzlich sind jene Menschen, die ihn eben noch gastlich bewirteten, seine Feinde, die Villa wird zum Labyrinth, die so sanft scheinende Tochter des Harnes zum Ungeheuer, mit dem er sich buchstäblich zu prügeln hat, und zu allem Ueberfluß wird ihm mitten in seiner Verwirrung ein Brief des Onkels übergeben, nach welchem er verstoßen ist und nie Mehr in das Haus des Onkels zurückkehren darf, j Kar! sitzt auf der Straß*. In einer Herberge lernt er zwei Strolche kernen, Delamarche und Robinson, — sie erinnern in allen! au die beiden GefulfC‘” im ״Schloß" — die ihn unter dem Vorwand, für ihn Arbeit Hl suchen, raltschleppen und ihn doch nur ausnutzen, bis es zum offenen Streit kommt Karl verläßt die Weggenossen und findet In! Hotel Occidental ein Unterkommen als Llftjunge. Sein Dienst ist maßlos schwer. Mit äußerster Anspannung nur kann er auf seinem Posten ausharren. Er beißt die Zähne zusammen, er muß 'Ich durchkämpfen, um langsam aus der kleinen Anstellung aufnt"teigen. Er gewöhnt sich recht und schlecht an die neue Umgebung und an das Zusammenleben mit den anderen Liftjungen des Hotels. Schon hat er von seinen Trinkgeldern ein hübsches Sümmchen erspart, in der einflußreichen Oberköchin eine Gönnerin und in der kleinen Sekretärin Therese eine reizende Freundin gefunden. Wieder hat es den Anschein, als stünden seine Sterne gut Da aber taucht plötzlich Robinson auf; er ist hoffnungslos betrunken. Karls Situation Ist unerträglieh. Er bringt es nicht fertig, den Burschen hinauszuwerfen und läßt sich von seiner Gutherzigkeit verleiten, seinen Posten ohne Erlaubnis, für ein paar Minuten nur, zu verlassen, um den betrunkenen Robinson im Schlafsaal der Lfftjungen in Sicherheit zu bringen. Das Versäumnis wird von seinem Vorgesetzten entdeckt, eine grundlose Diebstahlsverdichtlgung kommt hinzu —־ Karl ist fristlos entlassen. Wieder hat er nur Feinde um sich. Sein einziger Wunsch In seiner namen* losen Enttäuschung ist fortzukommen, er flieht, ohne die der Oberkichih zur Aafbewaf1ri|i1| äBifertratiteB EfspaÄlss# an sich zu nehmen. Karl ist wieder frei, aber ärmer und ver* lassener als ein Hund. Es bleibt nichts anderes übrig, er schließt sich Robinson wieder an, der ihm Hilfe verspricht, aber Karl fä’lt dem zu einem gewissen Wohlstand gelangten Delamarche in die Hände, und die alte Feindschaft lodert wieder auf. Karls Lage ist unbeschreiblich: Es gibt blutige Schlägereien, er wird zum Knecht, zum Küchenjungen degradiert Hier bricht der fragmentarische Roman ab. Wir erfahren nichts mehr von den Leiden des mutigen Jungen. Dann aber, im letzten Kapitel, das Kafka ״Das Naturtheater von OkJahoma" überschreibt, stoßen wir wieder auf Karls Fährte. Wir erfahren, daß er in diesem phantastischen Riesentheater eine Anstellung erhält. Das Schlußkapitel ist irgendwie heiterer gehalten, wir glauben annehmen zu dürfen, daß Karls Weg endlich aufwärts führt und wirklich, Max Brod deutet in seinem Nachwort darauf hin, daß es Kafkas Plan ge* wesen sei. dieses Buch mit einer Verklärung abzuschlleßen: Karl Roßmann sollte sein Ziel erreichen, auf beiden Füßen stehen bleiben und hier, In diesem ihn anfangs so feindlich anmutenden Lande endlich geruhige Aufnahme und Einordnung finden. ״Amerika“ übertrifft die früheren Werke Kafkas durch seine gesteigerte Bewegtheit Es Ist der Optimismus der Jugend, der hier hellere Farben spendet Wefl Karl Roßmann noch unbewußt vorwärtsdringt und jener Hoffnungslosigkeit fern ist, in der sonst die Spannkraft des Kafkaschen Helden erlischt ״Amerika“ ist wohl auch das phantasierelrhste Buch des Dichters. Zuweilen gibt die Strenge nach unter der Glut des inneren Gesichtes: Kafka vermag die Vision Amerikas festzuhalten, als wäre er lange drüben gewesen. Seine Bilder wachsen Ins Gigantische: Riesenhotel und Chat» der Straße, New Yorker Proletarferelend — und dann wieder die gewaltige Schilderung des Naturtheaters. Das Ist das letzte erzählende Werk aus Kafkas Nachlaß. Leider ist es ein Torso geblieben, aber doch so aufschluß* reich und in dem fragmentarisch Gebotenen bereits so gehalt* voll, daß es nahezu belanglos ist, ob das Werk abgeschlossen vorliegt oder nicht Wenn es erlaubt ist, von der Oestalt einer Schöpfung auf die Gestalt des Schöpfers zu schließen, so müssen wir annehmen, daß wie In dem jungen Karl Roßmann auch in Kafka selber eine Verklärung stattgefunden hätte, wenn nicht der Tod den Einundvierzigjährigen vorzeitig geflüt hätte. Wir haben jedoch immer nach der Lektüre eines Buches von Kafka das Gefühl, als brauchten wir weiteres nicht Schlagt irgendeines seiner Bücher auf, lest ein paar Zeilen darin und ihr wißt, wer Kafka gewesen ist! Jede Zelle zeugt von solcher Größe, daß die Spuren dieses Oestalters unverlöschbar sind. Es wird eine Zeit kommen, da man Kafka unter die größten Epiker aller Zeiten zählen wird. Dann werden die Menschen, und vor allem wir Juden — wie er Einlaß begehrte in die Welt — Einlaß begehren in sein Werk. Und wir werden Einlaß finden, denn Kafkas Werk ruht auf einem sicher tragenden und breiten Pfeiler: auf seiner Güte. Vortrag Über Ifldisdw! Musik Im Verein Neue Synagoge hielt Herr Ehrenreich einen Vortrag über syuagogfle Musik. Wollte man über die wichtige Materie diskutieren, so müßte man bei jedem Punkt stehen bleiben, da selten auf einem Gebiete so viel Unklarheit und Vermutung herrscht wie auf diesem. So muß zur Klärung bei dem verdienstvollen Namen Ide'sohn festgestellt werden, daß die Idel• sobnschen Bände vor ai.'em Anschauungsmaterial für die syn* agogale Musik des Orients enthal en. Und daß, wollte man die Hauptfrage an der Hand dieses Materials zu lösen versuchen, man zunächst auf die Verwandtschaft jener Weisen mit denen des gesamten Orients stieße, so daß — ״wieder die alte Kasche bliebe". — Anregend war Ehrenreichs Darstellung der Berliner syuagogalen Musikverhlltnisse im vorigen Jahrhundert Da ragte aie Persönlichkeit Lewandowskis, wie bekannt, hervor. Daß gegen ihn, wie gegen jeden bedeutenden neuen schöpferisehen Menschen gehetzt und gekämpft wurde, bewies der Brief eines Oemeindermtgliedcs namens Rubo, der ja nichts von ״Genie“ wissen wollte und die Berliner Gemeinde mit Schau• dern und Dilettantenzorn vor dem neuen Manne warnte. Welch ein Glück, daß die damalige Gemeinde auf diese und ahn ich« Anwürfe nicht hörte und Lewandowski gewähren ließ. Hätte Lewandowski nur das eine Stück ״Ki k’scniro eho“ komponiert, das zwanzig ״deutsche K’duschahs“ aufwiegt, sein Name würde zu den ersten und glanzvollsten zählen, wie sang dieses Stück unser unvergleichlicher Goüaniu 1 Wie tief mit jedem Lau e, mit jeder jüdischen Nuance mitempfindend, und wie endgütig gesanglich-künstlerisch! In der Kemooritlon se bst zeigte sich der Unterschied zwischen dem gleichfalls aufgeführten, in enger polnischer Manier traditionell komponierenden Schorr und dem kultivierten Künst'er Lewandowski, der eben in diesem eiurige» Stück ein Stück Judentum verewigt hat. Der Chor der Aßen Svnagoge unter seinem Dirigenten Spott und der Chor der Neuen Synagoge unter Goilanin gaben ihr Bestes her, um den interessanten Abend künstlerisch zu beleben. ,* Arno Nadel. Berta Swertlin, die bakumt• jüdische Sängerin, hat *in• *ehr erfolgreiche Tournee durch Finnland beendet, und wurde besonders in Helsingfon sehr gefeiert, wo sie mehrere Konzert« hintereinander gehen mußte Jüdische Musik. Das Schubert-Quartett (Tbereie Petsite-Schubert, Gertrud Walter-Kurau, Jaga Stein, Lore Winkler), bringt in ־seinem zweiten Kammermusik abend am 12. Min 19*8, abends 8 Uhr, im ßechsteinsaal, daa II. Streichquartett von Erich- Waller Sternberg zur Aufführung, daa in seinem zweiten Satz ein jüdisches Volkslied verwendet. Da» Programm enthält außerdem Quartette von Verdi und Beethoven opua 5g No, 3. Das Sternbergsche Quartett gelangt außerdem auf dem diesjährigen TonkünsUerfest des Allgemeinen Deutschen Musikvereins in Schwerin gar Aufführung, ״Zeitschrift für Musik“ berichtet Fritz Jerusalem, über das musikalische Leben in Pabegann vor etwa acht Jahren mit der Grünvon Konservatorien in den Städten Jerusalem, Haifa und Tef-Awiw und' schritt später zur Bildung von ״Musikalischen Gesellschaften“, deren Protektorat der Oberkommissar übernommen hat. In letzter Zeit wurde in Jerusalem ein ״Inütihrt für neue Musik“ eröffnet, das י sich die Pflege moderner Musik zum Ziel gesetzt hat Ueber die Hebräische Oper schreibt Simon u. a.: ״Za den wichtigsten Errungenschaften auf dem musikalischen Gebiet gehört aber die Hebräische Oper. Heute Im fünften Jahre Ihres Bestehens unter der aufopfernden Leitung von Herrn Golenkin, ist -sie von J ÖperrilnsÄut des' nihen Osten*. Dfe 5׳~«r׳־ fjpv׳ ihrer Gründung Im Wege standen, waren uneau^i. Ganz abgesehen von äußere» Gründen wie Geldmangel und dem Fehlen einer richtigen Bühne, mußten Solisten, Chor, Orehester und Ballett in anstrengender Kleinarbeit für diesen Zweck erzogen werden.“ Neben der Oper sind noch das Palästinensische Sinfonieorchester und die Kammer musik Vereinigung zu nennen, die wichtige Aufgaben im musikalischen Leben des Landes erfüllen. ״Kirjath Sepher". Soeben erschien als Doppelheft Nr. 3 und 4 da» vierten Jahrgangs der von der Jüdischen National- und Uni versilltabibliothek herausgegebenen bibliographischen Viert eljabrsachrift ״Kirjalb Sepher“. Das Heft hat folgenden Inhalt; Nachrichten der Bibliothek; Bibliographie der PalSstiuadrucke; Bibliographie der Erscheinungen auf aera Gebiete der Judaistik. Ferner enthält das Hoft folgende Aufsätze: M. Wilenski: Ueber die Manuskripte von Mosea Ibn Esra's Tarschiscb. J. Sonne: Einige Bemerkungen über den hebräischen Druck in Sabblonetta. J. Rivkind: Ueber frühe hebräische Drucke. A. Tauber: Ueber die Drucke von KoreU. G. S c h o 16 m: Abschnitte aus der Geschichte der Literatur der Kabbala. B. Dinaburg: veröffentlicht aus den Handschriften der Bibliothek drei Briefe von Senior Sach* und Raphaei Kirchheim. Das Heft umfaßt 164 Setten. Die Zeitschrift ist durch die ladiscbe National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem zum Pretao vpn 10,-— M. zu beziehen, Der Zeichner als Reporter. Bet Amsler und Rutbardt in der Behrenslraße *teilt der Künstlerbund sich mit der Devise: ״Der bildende Künstler als Reporter" diesmal auf den Boden der Wirklichkeit. Es handelt sich also um Einordnung des Zeichners in den Zeitungsdienst, d, b. et kommt nicht so *ehr auf d»eEwigkeit*Wstung an als auf das schnelle Erfassen des Aueenbliekswiehtigen. Die gute Zeichnung ist hier Mittel, niemals Selbstzweck. Tatsachen sind das Wichtige,!sonstein beschwürt eineu Dybukjudea und zeichnet u. a, vortrefflich oingefühit Schimek-Pallenberg. Das regktrierto große Theatererkbnis, Kortner gleich dreimal von Dolbin, Amslam und 0 p p I e r , der auch eine famoso Zeichnung der V a 1«11 i bringt, bis zur Roportago a 1 e Zoilge* schichte, Tod und Oberfläche, Spannung *ich bekämpfender wirtsehaftsbe»timmendar Mächte, populäre Persönlichkeiten der Politik und des Kunstleben* nebst dem Zerrspiegel der Bühnen! Auch die Tripolisschau hinterließ ihre Spuren im Zeichenblatt. Daneben blüht die still• Reportage des sachlichen Auftrags, die oben benötigte Landschaft de* im Eiltempo der Großstadtcntwickiung verschwindenden Stadtbildes, da* der Erinnerung festgehalten wird und Gelegenheit gibt für zeichnerisch saubere Leistungen, zeitweilig sogar wie für den im Stil der großen Zeichnung ziselierten feinen Strich Hella Aroniohns. Grete Bernsteio-Landsharg bringt gut beobachtet Witz und Reportereile in der Borlioertype des Jungen mit den Extrablättern in ihrem Zyklus Verkehrastreut. R. M. Szöke Srakail, der jetzt tra Tauen tzienpalast ein eigenes Theater hat, ist einer der hinreißendsten jüdischen Komiker. Er wirkt durch die Trockenheit der paradoxen Kontrastwirkung in Texten, deren vollendeter Blödsinn mit dem Verstand gar nicht empfangen werden darf. Harmlos und frei von jeder ״Pikanterie“, Ist diese Komik (z. B. eines jüdischen Schwindlers, der ungeladen zu Hochzeiten essen geht und sich dort als Ver!• wandter ausgibt) so packend, daß man von Lachen geschüttelt wird. — Aus dem übrigen Programm ist höchstens noch Sieg• fried Arnos gleichfalls jüdische Komik bemerkenswert. c.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.