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Jüdische Rundschau · 1928-03-09 · Heft 20 (9.3.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 20 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 142 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 20, 9. Hl 1928 Probleme des Budgets Von Dr. Fritz Loe wensteln, Jerusalem. Die erzwungene Unterbrechung unseres Kolonisation®- uerkes sollte von uns nicht allein dazu benutzt werden, durch Ordnung unserer Finanz ve r hä 11nisse die künftige Wiederaufnahme der konstruktiven Arbeit vorzubereiten, sondern zugleich zu einer grundsitzlichen Klärung prinzipieller Fragen, von deren Lösung das zukünftige Gelingen unseres Werkes in hohem Maße abhängt. Wir denken dabei nicht an abstrakte Fragen, wie sie gelegentlieb in zionistischen Diskussionen außerhalb Palästinas behandelt wurden, sondern an Probleme, die aufs engste mit der praktischen Aufbauarbeit in Verbindung stehen. Schwierigkeiten der Finanzierung waren es, die den gegenwärtigen Stillstand veranlaßt haben; Vermeidung derartiger Schwierigkeiten in Zukunft ist das wichtigste Problem, das im Augenblick der Lösung harrt Wenn wir von der Voraussetzung ausgehen, daß wir auch in Zukunft mit keinem wesentlich höherem Betrag aus den Sammlungen unserer beiden Fonds zu rechnen haben werden als dem augenblicklich aufgebrachten (zirka £ 500000 Keren Hajessod und zirka £ 250 000 Keren Kajemeth), so ist es klar, daß die Aufgabe darin besteht, einen Weg zu finden, bei dem wir ein Maximum unserer Einnahmen für diejenigen Aufgabengebiete bestimmen, die das eigentliche Wesen unserer Palästinaarbdt ausmachen und uns gleichzeitig bemühen, durch andere Faktoren uns Erleichterungen auf denjenigen Oebieten zu beschaffen, die nicht zentrale Bedeutung bi unserem Aufbauwerk haben. Wir haben hierbei nicht über den Keren Kajerneth zu sprechen, der erfreulicherweise fast seine gesamten Einnahmen für Bodenkaufszwecke verwendet, um so mehr über den Keren Hajessod, der heute das große Reservoir ist, aus dem wir alles bezahlen, was nicht Bodenkauf (plus Aufforstung and erste Sanierung) ist. Wir sind der Meinung, daß der Komplex von Aufgaben, der heute von der Palästina-Exekutive mit den Mitteln des Keren Hajessod bestritten wird, in drei Teile zu zerlegen ist und demgemäß von drei Faktoren zu bezahlen ist. Wir sehen einmal spezifisch koionisatorische Ausgaben. Darunter verstehen wir alle diejenigen Ausgaben, die Juden nach Palästina bringen und ihnen dort solange behilflich sind, bis sie eine wirtschaftliche Existenz gefunden haben. Es sind das diejenigen Aufgabengebiete, die in unserem Budget unter ״Einwanderung“, ״landwirtschaftliche Kolonisation“ und vielleicht in einem gewissen Sinne unter ״städtische Kolonisation" und ״Arbeit“ zu finden sind. (Wir sprechen stets vom Normalbudget, nicht vom Budget des augenblicklichen Jahres, das unter Ausnahmebedingungen zustande kam). Ein zweites Aufgabengebiet umfaßt allgemeine Ausgaben, die in jedem Lande zu machen sind, also nichts Spezifisches mit der zionistischen Kolonisation zu tun haben. Diese Aufgabengebiete finden sich in unserem Budget vor allem unter ״Erziehung, ״Gesundheitswesen“ u1!d ״Arbeit“; in Wahrheit aber auch in zahlreichen anderen Gebieten, etwa die Assanierung der Böden und Aehniiches könnte Werber gerechnet werden. Dann endlich gibt es ein drittes Aufgabengebiet, das sich auf die Bedürfnisse desjenigen Teiles, des Jischuw bezieht, der b#*eits eine wirt- 1 fTWSin( ׳an•;ÄÄpö«», Ufr;Scnpiff oder -Krinkenbiuier י®*1• יוו längst selbsterhaltenden Siedlungen. Jese drei Aufgabengebiete fallen heute im wesentlichen!•״fcfich auf die Schultern der Palästina-Exekutive, d. h. des Keren Hajessod. Unsere Aufgabe ist, diejenigen Faktoren heranzuziehen, die berufen sind, hier die Zionistische Organisation zu entlasten. Wir sprechen von der Regierung einerseits, vom Waad Leumi andererseits. Beginnen wir mit dem letzteren. Es ist bekannt, daß die Zionistische Organisation nicht das gesamte Schulbudget trägt, sondern der jischuw sich daran beteiligt und es ist auch bekannt, daß die Hadassah ebenfalls Einnahmen aus dem Jischuw hat. Aber die Höhe der Beteiligung des Jischuw am Schulwerk muß von Jahr zu Jahr neu festgeiegt werden, die Erfüllung der am Anfang des Schuljahrs übernommenen Verpflichtungen pflegt sehr unbefriedigend zu verlaufen und bei der Hadassah ist sicherlich die Beteiligung des Jischuws eine sehr geringe. Jetzt besteht die Möglichkeit, hier Remedur zu schaffen. Die gesetzliche Organisation des Jischuw in Form der ״K n e s s e t h J i s r a e 1“ gibt Besteuerungsrecht, die Kornpetenzen des Jischuw sind sehr weit gezogen und umfassen und Mörder“. Die Frau ist zu jedem Opfer bereit, das Mißtrauen Blaus, das ihr gegenüber Eifersucht heißt, zu entkräften. Er merkt es nicht. Er merkt nicht, daß die Schüler vor ihm zittern. Prachtvoll geraten Ungar besonders Blaus Gegen- Spieler, die rohen Typen, bei denen sich die heidnische Fleischlichkeit in kleinbürgerlich kläglicher Erotik und Völlerei austobt. Onkel Bobek und die Schwiegermutter, die Hebamme Novak. Meisterhaft geschildert die Hochzeitsfreß- und Sauforgie auf dem tschechischen Dorf mit der hilflos entsetzten, Unglückliehen Braut, deren ausbrechende Tränen der ahnungslose Bräutigam begeistert als Anzeichen selbst bei ihr schon kommender Trunkenheit begrüßt. Nichts von sentimentaler Weichlichkeit, selbst nicht in der erlösenden Liebesszene des Schlusses, da das Leben des Lehrers gewissermaßen schon abgelegt ist und dadurch frei, plötzlich auch ein anderes Leben sieht und dieses Hinausleben über die eigene Existenz ist es, das den Bösen besiegt, das ihm schon verfallene Opfer erlöst Unecht wirkt nut inmitten der überzeugenden jüdischen Seelensituation die überrasch ende Oebetsformel des katholischen Credo. Die Lektüre des Buches ist ein kräftiges und sehr wirksames Heilverfahren für jedermann. Denn wer hätte — bei den immer noch herrschenden Erinnerungsprinzipien — nicht in irgendeinem gar nicht so versteckten Seelenwinkel sein Minderwertigkeitskompiexchen? Daher kommt wohl auch die Erregung, die den Leser vom ersten Wort an ergreift, das Mitleben in der Spannung des Kampfes, die ihn nicht mehr aus den Krallen läßt Das Martin Buber gewidmete Sonderheft der Zeitschrift ״Der Jude“, dessen Ausgabe sich aus technischen Gründen verzögert hat, erscheint dieser Tage. Das Heft hat eine besondere Bereicherung dadurch erfahren, daß eine Zuschrift Martin Bubers darin enthalten ist, die sich zu der Diskussion über Assimilation als Lebensfrömmigkeit äußert, die im Anschluß an das Buch ״Zionistische Politik“ von Hans Kohn und Robert Weltsch ln der Zeitschrift ״Der Morgen“ geführt wurde. Das Heft, das etwa dreißig Beiträge enthält, wird elf Bogen stark sein. ohne Zweifel Erziehung•- und Gesundheitswesen. Im Laufe dieses Jahres wird die Assefath Haniwcharim neu gewählt werden und sie wird das Budget des Waad Leumi zu beraten und zu beschließen haben. Es ist klar, daß wir uns davor hüten müssen, sofort die Steuerschraube sehr energisch anzuziehen; denn das Besteuerungsrecht findet seine Grenzen im Austrittsrecht und es läßt sich nicht vorher beurteilen, ob es nicht Kreise gibt, die sich nicht scheuen würden, die nationale Organisation zu verlassen, wenn sie finanziell stark in Anspruch genommen würden. Erst systematischer Erziehungsarbeit kann es hier gelingen, Widerstände zu überwinden, die unbewußt wahrscheinlich noch auf Anschauungen zurückgehen, an deren Entstehung die Chalukkah die Schuld trägt. Man darf nicht vergessen, daß es noch heute in Palästina in den meisten jüdischphilanthropischen und nichtjüdischen Krankenhäusern üblich ist, kostenlos zu behandeln und daß die zionistischen Schulen sicherlich wesentlich mehr Schüler hätten, wenn sie kein Schulgeld verlangen würden. Aber es Ist für die hier behandelte Frage nicht so entscheidend, ob bereits im nächsten Budgetjahr die Entlastung des zionistischen Budgets durch den Waad Leumi praktisch so sehr fühlbar ist; wenn nur die Richtung klar ist und in dieser Richtung systematisch gearbeitet wird. Es ist nicht der mindeste Grund einzusehen, weshalb Kindergärten und Schulen in den Pflanzungskolo• nien Zuschüsse brauchen; Aehniiches gilt von einem erhebliehen Teil der städtischen Schulen, wie es entsprechend von Krankenhäusern und Einzelärzten gilt Es kann nicht Aufgabe der Zionistischen Organisation, als des Trägers der jüdischen Kolonisation Palästinas, sein, für derartige Institutionen Oeld auszugeben, das ihr bei ihren eigensten Aufgaben fehlt Die Zionistische Organisation hat für n e u e Siedlungen zu sorgen; sie gewährt den Siedlungen, die sie gründet, Kredite. Wie sie für lebendes und totes Inventar sorgt, wie sie den Siedlern die Existenz ln den ersten Jahren, bis ausreichende Ernten vorhanden sind, ermöglicht, so hat sie in diesen Siedlungen für die allgemeinen Ausgaben, wie Schule und Arzt, aufzukommen. Insoweit ist dies ein Teil ihrer kolonisatorischen Aufgabe. Alles Weitergehende ist Sache der Siedler, resp. des Jischuw in seiner Gesamtheit Es wird keiner langwierigen prinzipiellen Diskussion bedürfen, um die Richtigkeit der vorstehend dargelegten An- Behauungen zu erweisen; die Schwierigkeit liegt, soweit es den Jischuw anbetrifft vollkommen auf praktischem Gebiet, auf der Unmöglichkeit, mit einem Schlage die neu geschaffene Olganisation des Jischuw mit Aufgaben zu überlasten, in die sie nur langsam hineinwachsen kann. Ganz anders liegt das Problem gegenüber der Regierung. Es ist der Oeffentlichkeit niemals etwas darüber bekannt geworden, ob seinerzeit, nach Bestätigung des Mandates, zwischen Zionistischer Organisation und Regierung jemals grundsätzliche Klarheit über die beiderseitigen Kompetenzen geschaffen worden ist Wenn jetzt die Kommission der Jewish Agency einen Arbeitsplan für die nächsten zehn Jahre ausarbeiten soll, so wäre es eine überaus wesentliche Aufgabe, wenn die Jewish Agency diesen Arbeitsplan mit der Londoner und Jerusalemer Regierung durchberaten würde, wenn dabei eine eindeutige Abgrenzung der;b eid/t *•«.eilig,« ט.'ICpmpe'f'f■«'z/eja :־ "totgenommen werden könnte und auf diese eiäe Uhteftawng gutgemacht werden würde, die, weshalb auch immer begangen, heute jedenfalls die ernsteste Schwierigkeit überhaupt ist, auf die wir bei unserer Arbeit bisher gestoßen sind. Die Palästinaregierung hat im Lande zwei verschiedene Aufgaben zu erfüllen: einmal, diejenigen Aufgaben, die jeder Regierung in jedem Lande obliegen, ferner aber diejenigen, die mit dem Aufbau der jüdischen Heimstätte Zusammenhängen und mit der Verpflichtung der Regierung, dabei aktiv zu helfen. Die Kritik, die in den letzten Jahren gegenüber dem Verhalten der Paiästinaregierung laut wird, gründet sich fast ausschließlieh auf die nicht genügende Unterstützung unseres Aufbau- Werks. Wir wollen diesen Punkt im heutigen Zusammenhang außer acht lassen. Wesentlich ist hier aber vor allem die Feststellung, daß das bisherige Verhalten der Regierung in allgemeinen Landesproblemen (Straßenbau, Hygiene, Erziehungswesen, Zoll- und Steuerwesen, Landesvermessung usw.) zu einem sehr wesentlichen Teile von uns mit verursacht wurde — um mich neutral auszudrücken, und nicht zu sagen ״verschuldet“ wurde —. Unsere gesamte Tätigkeit Das jüdische Lehrhaus in Stuttgart Aus der Erkenntnis heraus, daß die heutige Situation der Juden und des Judentums einen jeden, dem es mit seinem Judesein ernst ist, verpflichtet, das Judentum auch wirklieh zu kennen , ist in Stuttgart ein jüdisches Lehrhaus entstanden. Es wollte und konnte nicht unmittelbar an die uralte Ueberlieferung des Beth Hamidrasch anknüpfen. Die Ent- Wicklung von 100 Jahren wegstreichen zu wollen, wäre ein törichtes und fruchtloses Unterfangen gewesen. Nicht den Talmud galt es zu retten, sondern weit mehr: das Judentum, das jeder tiefer über sein Dasein Nachdenkende sich mehr und mehr unter den Füßen wegschwinden sah. Es galt, ein Becken zu schaffen, aus dem der Hunger nach Lehre, die Sehnsucht nach Vertiefung des jüdischen Menschen gestillt werden konnte, dem Gesetzestreuen wie dem Liberalen, dem im Hafen des Zionismus Gelandeten wie dem auf der stürmischen See der religiösen Not Irrfahrenden. Was anderes konnte diesen Brunnen speisen als die Quellen des Judentums, Bibel und hebräische Spr ache? Ihrer Kenntnis und Verbreitung also mußte in erster Linie das Lehrhaus dienen. Die HaupTtätigkeit des Lehrhauses, das sich In den zwei fahren seines Bestehens einen ansehnlichen und zuverlässigen Hörerkreis erworben hat, erstreckt־ sich auf fortlaufende Unterrichtskurse, die von ortsansässigen Lehrkräften geleistet werden. Ein stets stark besuchter deutscher Vortragskurs (Rabbiner Dr. P. Rieger) behandelt im wesent'ichen re'igfonsgescnichtüche Gegenstände. Die übrigen sechs Kurse dienen teils ausschließ־ lieh der Erlernung der hebräischen Sprache, teils setzen sie diese voraus und beschäftigen sich mit Bibel oder Talmud. Sehr ut scheinen sich die neu eingeführten drei Kurse für 1 e b e n - iges Hebrii sch zu entwickeln, die von einem aus Erez- Israel Zurückgekehrten (Dipl.-Ing. Plawner) geleitet werden. Auf Wunsch der zionistischen Jugend eingerichtet, werden diese Kurse auch von Angehörigen der anderen Richtungen gern besucht. Neben den laufenden Lehrgängen werden in rege'mäßigen Zeitabschnitten einzelne Vortrage führender Persönlichkeiten veranstaltet, so im laufenden Winter eine Vortragsreihe über die wichtigsten Richtungen im Judentum, in der Baeck, Nathan Birnbaum, Buber und über den Zionismus Ernst Simon sprachen. Um der Bedeutung dieser vier Vorträge ge• nach dem Kriege in Palästina wurde von einer Grundauffassung beherrscht, die nur ganz selten einmal formuliert wurde, die aber ohne klare Formulierung und ohne Beschlüsse in dieser Richtung instinktiv allen unseren Taten zugrunde lag. ich möchte diese Tendenz die der ״inneren Autonomie“ nennen. Beispiele: Unser Schulwerk bestand bereits, als die neue Regierung kam. Wir behielten es für uns, forderten von der Regierung Subvention, ohne aber etwa dem zuzustimmen, daß dieses Schulwerk das Schulwerk der Palästinaregierung für die jüdische Nationalität wurde. Die Regierung schuf ein eigenes Schulsystem, naturgemäß eingestellt auf die arabische Bevölkerung, da ja die Juden ihr eigenes Schulwerk hatten. Dasselbe gilt vom Hospitalwesen: Für die Juden war gesorgt, sie hatten ihr eigenes autonomes Krankenhauswesen. Die von der Regierung geschaffenen Schulen und Krankenhäuser sind infolgedessen praktisch nur für den arabischen Teil der Bevölkerung da. Ich will noch ein besonders charakteristisches Beispiel nennen, obwohl es sich dabei nicht direkt um die Regierung handelt Unsere städtische Politik geht dahin, nicht in den bestehenden Städten zur Majorität zu werden, sondern neue rein jüdische Städte zu schaffen. Tel-Awlw ist das Vorbild: man bedauert, daß in Haifa und Jerusalem die neuen jüdischen Viertel so weit auseinander liegen, aber hofft, daß trotzdem von Beth Hakerem über Rechawiah nach Talpioth einmal das rein jüdische neue Jerusalem sich erstrecken wird. Aehnllch in Haifa. Ihren konsequentesten Ausdruck fand diese Idee der ״inneren Autonomie“ in dem Gedanken, schon jetzt gewisse Bezirke zusammenzufassen, die eine jüdische Majorität haben und somit jüdisch-nationale Verwaltungseinheiten werden könnten. Alle diese Tatsachen scheinen von einem Grundgedanken beherrscht: wir stehen zur Palästinaregierung, wie wir in den Lindem der Diaspora, besonders in Osteuropa, zu den Regierungen zu stehen gewohnt waren: Eifersüchtig wachen wir über unsere Rechte, je weniger der Staat in jüdischen Dingen mitspricht, um so besser ist es. Dem Oedanken der ״inneren Autonomie“ sollte man in Palästina den neuen Gedanken entgegensetzen, daß die Regierung ״unsere Regierung“ werden muß. Nicht etwa, daß sie es ist; denn man muß mit aller Deutlichkeit sagen, daß die Palästinaregierung nichts dazu getan hat, um einen derartigen Gedanken in uns groß werden zu lassen. Die Tatsache, daß heute in großen Teilen der Palästinaverwaltung (charakteristlschste Beispiele: Eisenbahnwesen und Sanitätswesen) eine klar antijüdische Personalpolitik getrieben wird, läßt es gewiß als unmöglich erscheinen, heute bereits diese Regierung als die ״unsere“ zu betrachten. Solange die Verhältnisse so sind, wie heute, wird es uns niemand im Emst zumuten dürfen, unser Schulwerk oder das Hadassahwerk der Regierung ״auszuliefera“, wie die charakteristische Bezeichnung lautet. la dieser Lage haben wir zwei Möglichkeiten. Glauben wir, daß der Gedanke der inneren Autonomie richtig ist, so werden wir auf den bisherigen Wegen weitergehen. Das heißt dann, daß auch weiterhin die Zionistische Organisation jährlieh einen sehr beträchtlichen Teil ihres Budgets für Ausgaben auszugeben hat, die streng genommen von der Regierung zu machen sind, und die uns hindern, in dem Tempo zu kolonisieren, wie wir wollen. Man mag den Standpunkt vertreten, daß das unvermeidlich ist, daß wir nicht daran denken können, auf solche wesentliche Teile unseres nationalen Lebens zu verzichten. Dane haben wir uns damit abzufinden, daß wir auch weiterhin im Schneckentempo kolonisieren müssen und daß vielleicht Perioden erzwungenen Stillstands wie die gegenwärtige wiederkehren werden. Wollen wir das nicht, so haben wir den anderen Weg zu gehen. Wir müssen in grundsätzlicher Erörterung mit der Mandatsregierung die Kompetenzverteilung neu aufrollen mit dem Ziel, alle nicht rein kolonisatorischen Aufgaben von der Zionistischen Organisation fernzuhalten und für sie eine verantwortliche Körperschaft zu finden, in der die Regierung einer der beiden entscheidenden Faktoren sein wird, der andere vielleicht der Waad Leumi. Das erfordert ein Umdenken auf beiden Seiten: Bei uns muß verstanden werden, daß diese Regierung, deren Aufgabe die Mitwirkung bei der Errichtung unseres Heimatlandes ist, anders anzusehen ist, als alle anderen Regierungen. Die Regierung aber muß dafür sorgen, daß die Wirklichkeit diesem Vorbild etwas mehr entspricht und daß wir mit gutem Gewissen auf einen Teil unseres Werkes verzichten dürfen, weil wir wissen, daß die Regierung das Wesen unserer Bewegung versteht. recht zu werden und sie einem weiteren Kreise zugäng'ich zu machen, ist ihre Drucklegung und Verteilung a's Mitglied^gabe beabsichtigt. Martin Buber, auf dessen Anregung die Gründüng des Lehrhauses zurückzuführen ist, hielt auch in den vergangenen Jahren verschiedene Vorträge, die den geistigen Höhepunkt der bisherigen Tätigkeit des Lehrhauses oiWe'en. Auch das vor kurzem veranstaltete erste Oastspiel der H a b i - mah wurde mit vom Lehrhaus veran’aßt und unterstützt. Als Träger des Lehrhauses besteht ein V e r e i n, der durch Mitgliedsbeiträge, Kursgebühren und Sonderspenden die Kosten des Lehrhauses bestreitet Das Lehrhaus, anfangs belächelt und schon vor seiner Oründüng totgesagt, ist heute eine feste und nicht mehr zu entbehrende Einrichtung und darf sich weitgehender Förderung erfreuen. Oberrat, Gemeinde, Loge und Vereine stellen ihm teils unentgeltlich ihre Räume, teils größere Jahreszuschüsse, teils beides zur Verfügung. Und was wichtiger ist — das Lehrhaus hat es fertig ge* bracht, etwas wie den Anfang einer Bewegung hervor* zubringen in einer Umgebung, der die Fähigkeit und den Wißen sich bewegen zu lassen eigentlich ka׳ m jemand zugetraut hät e. Sei es durch Berührung mit der Bibel, sei es durch die Urgewalt der Begegnung mit der Muttersprache, sei es durch ein aufwühlendes Wort Bubers — vielen gewann hier ihr Judeseh eine ganz neue, vorher nie gekannte Bedeutung. Was aber in Stuttgart gelang, weil es ein längst vorhandenes, ungestilltes Bedürf* nis war, das wird auch in jeder anderen größeren Jud ngeme'nde Bedürfnis und mög'ich sein. Nicht die Svmgoge, das Le' rhaus hielt das Judentum lebendig. Wo es fehlt, ist eine Lüc';e. die nichts, auch der Zionismus als solcher, nicht zu esetzen ve־mag. Auch zionistische Lehrkurse nicht da sie nur Zhn'sten, n'cht al e Juden zu erfassen vermögen und weder geistig noch raste ie'I mit den Mitteln ausgestattet werden können, die zur rieh igen Erfüllung der Aufgaben unerläßlich sind. Darum sollte die Errichtung eines Lehrhauses allerorten gefordert und gefördert werden, denn sie schafft Bewegung und damit Zukunft für das Judentum. L. M. Julius Kaufmann, Kantor in Nürnberg, bat vorige Woehe in der Nürnberger Sendestunde des Rundfunks mehrere Kompositionen jüdischer Lyrik vorgetragen, die von der Kritik «ehr beifällig auf genommen wurden.

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