Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 17 (28.2.1928)
- Date
- 1928-02-28
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 122 JUEmSCHE RUNDSCHAD Nr. 17, 28. tt 1928 'Tfr^T In der nachgelassenen Sammlung stad auch einzelne lieber- -ct/ungcn, wie Goethes ״Erlkönig“ und ähnliches. Das frühe Ableben des Dichters hat eine Elegienliteratur ausgelöst. Zunächst der Vater selbst veröffentlichte eine um- Fangreiche Elegiendichtung ״Tränenquelle“ (Quelle Ist die Uebcrsct/ung des Wortes Michl, das die hebräischen Initialen des Micha-Josef Cohen Lebensohn bedeutet). Der Forscher auf dem Gebiete der jüdischen Wissenschaft, S. D. Lu?.zato in Padua (Italien), verfaßte am Tage, als ihn die Trauerkunde vom Ableben Micha-Josefs erreichte, eine Trauerkundgebung, einem Bibelabschnitt nach f orm und Inhalt ähnlich, wo in weihe- und wundervollen Worten die Klage um den jungen Freund ausklingt. J, L. Gordon verfaßte ein größeres allegorisches Gedieht, das er aber erst zur 25. Wiederkehr des Todestages. 1877, in der Monatsschrift ״Haschachar“ veröffentlichte. Von seinen Zeitgenossen wird Micha-Josef als das Ideal der Herzensgüte gepriesen. Senior Sachs (Berlin) schreibt über Micha-Josef an S. J. Reggio (Görz): ״Mein Merz vergeht vor Leid um ihn, denn er besitzt ein hervorragendes poetisches Talent und seltene moralische Eigenschäften. Seit jener Zeit, wo er hier war, haben wir einander liebgewonnen. Und er siecht dahin in der Blüte der Jahre.“ Solange die hebräische Sprache fortlebt, — und ihr Fortbestehen ist ewig, —, wird das Andenken an den edlen, jugendlichen Meister der Dichtung fortleben. Eine Geschichte des Synagotfenbaues Von Dr. Karl Schwarz. Die Werke Micha Josef Lebensohns (Gedichte, Ueber- Setzungen, Briefe) erschienen in einer neuen sorgfältigen und sehr senön gedruckten Ausgabe, mit Vorwort von Jakob Fichman, 1024, im Verlag Ajanoth, Berlin. Bücher jüdischer Autoren Josef Roth, Die Flucht ohne Ende. Ein Bericht. München, Kurt Wolff Verlag. Das neue Buch des Autors von ״Hotel Savoy“ ist ebenso wie dieser Roman die Geschichte eines Heimkehrers aus der Kriegsgefangenschaft, aus einer Art Naturmenschentum Sibiriens zur Zivilisation, nach Europa. Der Held Franz Tiinda ist der Sohn eines polnischen Majors und einer Jüdin; also eine echt österreichische Gestalt. Seine Augen stad geschärft für die Sündhaftigkeit und Sinnlosigkeit des Getriebes,!11 das er sich als Entwurzelter nicht wieder einreihen kann, so daß er zum Schluß dasteht als ein Mensch, der ״so überflüssig ist wie keiner auf der Welt“. Muß man noch, sagen, daß dieses Buch der Heimatlosigkeit, der Wanderung, ein jüdisches Buch ist? Aus der Reihe der deutschen Spießer, deren Leben eine korrekte Maschine ist, hebt sich ein jüdischer Fabrikant ab, der an diesem Geschick, vom Betrieb mechanisiert zu werden, eine Rolle, im Lügengewebe spielen zu müssen und nicht mehr Herr seiner Beschlüsse zu sein, wirklich leidet. Die andern Gestatten, die den Helden umgeben und in seine Einsamkeit zurückstoßen, sind frei von diesem Paradox der Selbstanklage. Dieses Buch eines Weltkenners, voll von ganz realistischen und scharfen Beobachtungen, ist von tiefer Humanität getragen, und seine unpathetische, leicht ironische Sprache hat wirkliche Gestaltungskraft. Eine köstliche Neben bemerkung über Juden sei noch angeführt. Von einem Klub in einer rheinischen Stadt heißt es: ״Allmählich war der Andrang in den Klub ... so groß j«0 4?* Universität einen Numerus clausus für Stifter aus Industriellen- Kreisen einführen mußte, nachdem schon ein anderer Numerus clausus. für ausländische Juden einige Jahre lang bestanden hatte. Den Numerus clausus gegen ausländische luden hatten die einheimischen Juden durehgesetzt, die behaupteten, ihre Vorfahren wären schon vor der Zeit der Völkerwanderung absichtlich mit den Römern an den Rhein gekommen. Es sah beinahe so aus, als wollten die Juden sagen, ihre Vorfahren hätten den Germanen erlaubt, sich am Rhein anzusiedeln, weshalb es die dankbare Pflicht der Es ist das unvergängliche Verdienst des Düsseldorfer Museumsdirektors Frauberger, durch Gründung der Gesell- Schaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler den ersten Anstoß zur Sammlung des weit verstreuten und unbeachtet gebliebenen Materials gegeben zu haben, ln ihrer 30jährigen Tätigkeit hat die Gesellschaft durch ihre ״Mitteilungen“, von denen bisher ö stattliche Hefte erschienen sind, wichtige Pionierarbeit geleistet und durch ihre Vorlagensammlung die Möglichkeit zu wissenschaftlichen Studien gegeben. Neuerdings haben neben einigen lokalen Museen jüdischer Kunst der bayerische Landesverband und die Berliner Gemeinde Forschungsinstitute gegründet, die in gleichem Sinne tätig sind, und cs ist nur zu wünschen und zu hoffen, daß ein einheitliches Zusammenarbeiten aller Stellen das Studium jüdischer Kunst weiterhin belebt und bald auch auf den Gebieten Aufklärung bringt, in denen bisher noch nichts geschehen ist. Die Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenk• mäier hat nun als 6. Band ihrer ,,Mitteilungen“ zum ersten Male eine Art jüdischer Kunstgeschichte publiziert, die den Versuch macht, ein besonderes Thema — den Synagogenbau — systematisch zu behandeln. Wir begrüßen diese Arbeit als eine ganz besondere Leistung, die u. E. nur den Fehler hat, daß der Titel*) etwas zu ungenau gefaßt ist. Denn Krautheimers Buch geht über das Mittelalter weit hinaus und gibt in den beiden großen einleitenden Kapiteln so viel Interessantes über das Problem des Synagogenbaues im Allgemeinen und die antiken Synagogen, daß dies in der Aufschrift deutlicher zum Ausdruck hatte kommen sollen. Die Zerstreuung des jüdischen Volkes in der Diaspora hat die Entwicklung einer eigenen künstlerischen Formensprache verhindert. Der Synagogenbau in seiner formalen Gestaltung entsteht nicht aus der Kultur des Judentums, sondern wird durch die Umgebung bedingt. Es kann folglich keine Geschichte des Synagogenbaus als fortlaufende kunstgeschichtliehe Entwicklung gegeben werden, und man wird dem Kultus und den religiösen Fragen besondere Beachtung bei der Beurteilung der Bauten zuwenden müssen. Denn die Form der jüdischen Kultstätten lehnt sich an fremde Kultur an, ist völlig unselbständig und läßt die Frage nach der Kunstcinstellung des Judentums überhaupt zunächst auftauchen. Man hat bisher viel von der Kunstfeindlichkeit des Judentums, bedingt durch das Bilderverbot der Bibel, gesprochen. Der Verfasser gibt eine eingehende Analyse der Begriffe Bilder- und Kunstfeinalichkeit. Das Bibelwort bezog sich nur auf das Erste. Der Islam, durchaus bilderfeindlich, ist gleichzeitig in der Ornamentik und Architektur eine kunstfreundüche Kultur. Aehnlich verhält es sich bei dem Ostjudentum des!7. Jahrhundert«. Religion und Religiosität müssen, da Religiosität und Kunstfeindlichkeit in Wechselwirkung stehe, voneinander geschieden werden. Jede Kunst setzt eine Wirkung voraus, d. h. sie will auf eine Vielheit von Menschen wirken. Die kirchliche Architektur, nach der religiösen Fundierung, ist eine soziale Erscheinung; das frühe Christentum lehnt Kunst ab. Das Judentum des Mittelalters ist keine konsolidierte Oemein- Schaft, sondern setzt sich aus religiösen Individuen zusammen, denen Erfüllung religiöser Verpflichtungen höchstes Gebot ist. Daher ist das mittelalterliche Judentum zwar nicht kunstfeindlich, aber der Kunst gegenüber gleichgültig: sie wird als unnötig empfunden, und man begegnet daher einer gedankenlosen Aufnahme fremder Formen. Das antike Judentum hatte, «״■i® di*. Beschreibung des Tempels beweist, künstlerische In teressen. Erst im 6. Jahrhundert tritt mit dem Kampfe feget den HpIIm׳־• — — ״■ *• '■ ,*״»»״• - * * r- ׳*•*- Bft npluttiiaimtf, K4m84l^** **24t ' ־ ׳ : - •י«-* - — י -*-«״*. ■״ז־ ** alilälschen und amkatulcnen Synagogen des 3. und 4. Jahr• heutigen Deutschen wäre, die rheinisch-römischen Juden vor den polnischen zu bewahren.“ Auch ein Stück!.eben! R. Im Verlag von A. T. Kleerekoper in Amsterdam ist in holländischer Sprache aus der Feder des bekannten Zionisten und Delegierten des Hauptbüros des Keren Hajessod Dr. Adolf Friedemann eine Sammlung von Reiseberichten aus Palästina erschienen. Soeben erschien im Verlag der Universitätsbuchhandluug Leuschner & Lubinsky ein Buch von Dr. Manka Spiegel: ״Das völkerrechtliche Mandat und seine Anwendung auf Palästina“. hunderts, daß immer wieder andere Strömungen zur Geltung kommen. Die für das Mittelalter charakteristische Gleichgüttigkeit währt bis um 1600, wo eine allmähliche Assimtlierung eintritt. Nur Spanien und das Ostjudentum, wo durch die freiere Lebenshaltung andere Bedingungen geschaffen stad, kann die Kunst bejahen und eigene Typen entwickeln. Der erste jüdische Kultbau, von dem wir eine einigermaßen klare Vorstellung haben, ist der um die Mitte des 10. Jahrhunderts entstandene, mehrmals erneuerte Salomonische Tempel. Neben ihm aber entstand, seit Esra, ein neuer Typus, der eine völlige Umentwicklung des Kultus bedeutet: die Synagoge. Sie hat als Bauwerk nichts mit dem Tempel zu tun, ist nicht mehr Opferstätte, sondern — wie der Name bereits sagt — Versammlungsraum. Als solcher dient sie ganz neuen Zwecken, ist also nicht ausgesprochene Kultstatte, sondern ein Profanban, der zu Verwaltungszwecken, Versamm- Die Anlage ist langen, als Gerichtsraum usw. benutzt wird, derart, daß es meist einfache Räume sind, die keinerlei Eta richtungen für den Kultus enthalten. Das älteste erhaltene Beispiel ist die Synagoge in Delos aus dem 2. Jahrhundert, ein großer rechteckiger Saal mit niedrigen Bankreilien und einem erhöhten Marmorsitz für den Archisynagogen, den Vorsteher Die bedeutendsten Synagogen der Spätantike stellen die 13 bis 15 Bauten in Galiläa dar, die alle an drei Seiten umlaufende Säulenreihen aufweisen, und bei denen die Orientierung nach Jerusalem streng durchgeführt ist. Die größte Anlage (st die von Tell-Hum mit 3 Portalen und einem viereckigen Hof im Osten. Als Vorbild liegt diesen Bauten offensichtlich die antike Basilika zugrunde, die — und darin liegt die hohe Bedeutung der galiläischen Synagogen — hierdurch für religiöse Zwecke verwendet, als Typus erhalten wird. Mit dem Untergang des römischen Reiches löset! sich auch die Bedingungen, die noch zwischen den jüdischen Gemeinden bestanden haben. Die in die römischen Nord- Provinzen vorgedrungenen Juden konsolidieren sich als selbständige Gemeinden. Deutschland gewinnt an Bedeutung, unter Karl dem Großen entsteht auf den Trümmern der römischen Provinzen das germanische Stammreich. Die Kirche beginnt ihren Kampf gegen das Judentum und schafft durch Verbote und Einschränkungen die immer drückender werdende Sonder- Stellung der Juden. Der erste Kreuzzug bringt die ersten Judenverfolgungen. Der Jude, anfangs nur wegen seiner Religion verfolgt, wird allmählich immer mehr in seiner wirtschaftlichen Existenz bedrängt und bleibt mit der Entfernung aus den Kulturzentren vom 15. Jahrhundert an auf dem mittelalterlichen Niveau stehen. Die soziale Entwicklung des Judentums kann mit dem übrige■ Europa nicht mehr Schritt halten, es bleibt in Sprache und Formausdruck in immer stärkerer Isoliertheit gebunden und behält auch den mittelalterlichen Raumtyp ein halbes Jahrtausend bei. Der Kultus, der in der späten Antike noch profan ungebunden war, entwickelt eine immer stärker« sakrale Form. Der Gottesdienst wird in festgelegten Gebeten ausgebildet und bestimmt demnach auch den Synagogenbau. In Anlehnung an die Kapitelsäle der Bettelorden und in jeweiligem Zusammenhang mit den herrschenden Baugewohnheiten wird die zweischilfige Halle mit mittlerer Stützenreihe die vom 12. bis frühen 16. Jahrhundert bevorzugte Raumform. Die Hauptbeispiele hierfür sind Worms, Regensburg, Prag, Erfurt und Kra kau. Daneben wird die einfache Form des einschiffigen Saales in Speyer, Frankfurt, Rufach, Miltenberg u. a. ö. angewandt. Krautheimer gibt in diesem Hauptteil zunächst eine allgemeine entwickUingsgeschidvtliche uebersicht, wobei auch interessante Einzeluntersuchungen über Anlage und Kopstruktion des Aron, der Bima und des Gestühls ängestellt werden, und beschreibt sodann die Bauten einzeln, indem er ihre Baugeschiehte monographisch behandelt. Er kommt zu dem Resultat, daß von irgendeiner jüdischen Note, irgendeiner Sonderart im Mittelalter nicht die Rede sein kann. Erst im 17. Jahrhundert sondert sich die synagogale Architektur von der Baukunst der Wirtsvölker ab. Das Judentum, aus der kulturellen Entwicklung Europas hinausgedrängt, hält an der Tradition des Mittelalters fest und bleibt bei den Formen der Zeit stehen, in der es in lebendiger Beziehung zur Kultur Europas gestanden. Und insofern kann man nicht von einer jüdischen Kunst im Mittelalter reden. Die Synagogenarchitektur schafft Bauten für den jüdischen Kultus, keine jüdischen Bauten. — Ohne einzelnen Fragen kritisch gegenüberzutreten, sollte hier nur der Gedankengang des interessanten Buches, das mit vielen Abbildungen und Grundrissen sowie einem wichtigen Literaturverzeichnis versehen ist, skizziert werden. Weit über den Rahmen des Architektonischen sind kultur- und religionsgeschichtliche ,Gesichts״״-»**-:J»- ״ . . ‘*ידf «J«־ Posthume Werke von Mai Nordaa •) Richard Krautheimer, Mittelalterliche Synagogen. Mitteilungen der Gesellschaft zur Erforschung jüdischer Kunstdenkmäler IX/X. ־— Frankfurter Verlagsanstatt, Berlin 1927. Bet der Ordnung des literarischen Nachlasses von t a x־ Nord au sind u. a. zwei größere Werke, eine in ' rsen abgefaßte Tragödie ״Rahab“ und ein fast vollendet 1 — nur der fetzte Abschnitt fehlt moral- und sozialnhilosonhisches Werk, betitelt ״Der Weg der Gesittung“ (etwa 380 Seiten), vorgtfunden worden. Das vieraktige Trauerspiel hat die Belageruig und Einnahme Jerichos und einen Liebeskonflikt zum Vorwurf, der mit dem Selbstmord der Rahab endet Das Dräns wird noch in diesem Jahre in Buchform erscheinen und, .vir es heißt, vom hebräischen Theater in Jerusalem zur Uratfführung gebracht werden. Die Fortsetzun, von ״Ein jüdischer Schriftsteiler reist na:.h Canada“ von Sch. Gorelik muß zurückgestellt werden. >״ *■' *•' — ** « ״ * ■י ‘ « •1•*«‘׳ * Vf wegen Raummangel׳für nächste Woche Vielleicht hätte sie mich gebeten, zu bleiben — aber ich sah sie nicht an, blieb auch nicht stehen, sondern ging hartnäckig die Stufen hinunter, als wäre ich ungeduldig. ״Sie reisen also bestimmt?“ sagt Stasia. ״Wohin?“ ״Ich weiß es nicht genau!“ ״Es ist schade, daß Sie nicht bleiben wollet! -~“ ״Nicht bleiben können — Nun sagte sie nichts mehr und wir gingen schweigsam bis zum Varitee. ״Kommen Sie heute nach der Vorstellung zu einem Abschiedstee?“ fragte sie. Wenn Stasia mich nicht gefragt, sondern kurzwegs eingeladen hätte — ich hätte ja gesagt. י jslein!“!,Nun, dann gute Reise!“ Das war ein kühler Abschied — aber es war ja auch gar nichts zwischen uns gewesen! Nicht einmal Blumen hatte ich geschenkt Es gab Chrysanthemen bei der Blumenhändlerin 1m Hotel Savoy — ich kaufte sic und schickte die Blumen mit Ignatz in Stasias Zimmer. ״Der Herr verreist?“ fragt Ignatz. »Ja!“ ”Weil nämlich für Herrn Alexander Böhlaug noch ein Zimmer frei wäre — wenn der Herr deswegen verreist.“ ״Nein, ich verreise ohnehin! Bringen Sie morgen die Rechnung!“ ״Die Blumen für Stasia?“ fragte Ignatz, ehe ich aus dem Fahrstuhl stieg. ״Für Fräulein Stasia!“ Ich schlief die ganze Nacht traumlos —. Morgen oder übermorgen reiste ich — der Pfiff eines Zuges kam langgedehnt und schrill herüber — Menschen fuhren in die Welt —• ade, Hotel Savoy! XIII. Alexander! war ein Weltmann. Er wußte, wie man eine Sache einfädelt. Er war ein Hohlkopf. Aber der Sohn Phöbu* Böhlaug*» Er kam pünktlich, in einem andern eleganten Anzug. Er sprach eine Stunde von allen Dingen und nichts von unserem Geschäft. Er ließ mich warten. Alexanderl hatte Zeit. ״In Paris wohne ich bei Madame Bierbaum, das ist eine Deutsche. Die deutschen sind in Paris die besten Hausfrauen. Madame Bierbaum hat zwei Töchter, die ältere ist über vierzehn, aber sogar wenn sie dreizehn wäre — man nimmt es nicht so genau. Nun — und eines Tages kam ein Cousin der Madame Bierbaum — und ich hatte einen Ausflug gemacht mit ieanne — aber sie ließ mich warten. Kurz, ich omme nach zwei Tagen zurück — den Schlüssel habe ich bei mir — ich komme in der Nacht, gehe leise, um niemanden zu wecken, auf den Zehenspitzen wie man sagt, mache kein Licht, ziehe nur die Stiefel und den Rock aus und trete zum Bett und greife — nun, was glauben Sie — gerade nach den Brüsten der kleinen Helene. ■* Sie schlief bei mir, weil der Cousin da waf, oder Madame Bierbaum hatte es absichtlich so eingerichtet — kurz, was dann war, können Sie sich denken.“ Ich kann es mir denken. Alexanderl beginnt eine neue Geschichte. Der Mann hatte unzählige Geschichten erlebt In seinen lausigen zweiundzwanzig Jahren. Eine Geschichte gebärt die andere, ich höre nicht mehr zu. Plötzlich kam Stasia in den Fünfuhrsaal — sie suchte jemanden — wir waren die einzigen im Saal. Alexander sprang auf, lief ihr entgegen, küßte ihre Hände, zog sie an unsern Tisch. ״Wir sind jetzt Nachbarn!“ begann Alexander. ״Ach, das wußte ich nicht,“ log Stasia. ״Ja, mein lieber Vetter ist so freundlich, mir seine Wohnung zu überlassen.“ ״Das ist noch gar nicht ausgemacht!" sagte ich plötzlich — ich wußte sejbst nicht warum• ״Wir haben ja noch gar nicht darüber gesprachen.“ ״Handelt es sich um Geld?“ höhnte Alexander. ״Nein,“ sagte ich mit Festigkeit, ״ich reise überhaupt nicht. Sie können trotzdem ein Zimmer haben, Alexander — Ignatz hat es gesagt/‘ ״So — na, dann ist ja alles gut — und wir sind alle drei sehr enge Nachbarn,“ sagt Alexander mit Bedeutung. Wir sprachen noch allerlei —! Ignatz kam herein, drei Zimmer standen frei — zwei würden Bahnhof kann man Geld verdienen. Michmal komm! ein Ausländer. Er sucht einen zfcrtässigcn Menschen mit Sprachkennt- «sen , um nicht übers Ohr gehauen zu werden י" der schlauen Bevölkerung. Auch Gepäck- ♦ger sind sehr gesucht — hier gibt es nicht ־le Ich weiß auch nicht, was ich sonst achen konnte. Vom Bahnhof ist es nicht mehr » weit in die Welt. Hier darf man Schienenränge hinauslaufen sehn. Menschen kommen 1 und fahren weiter. Vielleicht kam ein Freund »der ein Kriegskamerad? morgen besetzt werden, aber eines bliebe gewiß , Es kam wirklich einer, nämlich Zwonimir Panfrei, Zimmer 606 im vierten Stock allerdings,«n, ein Kroate, von meiner Kompagnie Auch aber geräumig. — Niemand wollte es wegen deier kommt aus Rußland und nicht einmal zu anzüglichen Nummer — für Damen wäre «Fuß, sondern mit der Bahn — also weiß ich schon gar nicht — aber, als Absteigquartierdaß es Zwonimir gut geht und daß er mir helfen weshalb nicht? wird. Ich ließ Stasia und Alexander! sitzen un Wir begrüßen uns sehr herzlich, Zwonimir ging. Am Abend erzählte mir Ignatz im Fahrstu daß Alexander 606 gemietet habe. Ich ging in mein Zimmer, wie in eine wie« gefundene Heimat. Zweites Buch. XIV. Nun stehe ich schon den dritten Tag am Bj hof and warte auf Arbeit Ich könnte in eine Fabrik gehen, wenn die beiter nicht gerade streikten. Philipp Ne* würde sich wundem, einen Mann aus der ־ gesellschaft unter den Arbeitern zu finden.1 mache mir aus derlei Dingen nichts, viele J: harter Arbeit liegen hinter mir. Man braucht keine Arbeiter, es sei denr lernte, und gelernt habe ich nichts. Ich!> ״Kaleguropulos“ deklinieren und noch mas andere. Auch schießen kann ich — ich btt guter Schütze. Für Feldarbeit bekommth Essen und Wohnung, aber kein Geld — uih muß Geld haben. und ich, zwei alte Kriegskameraden. Zwonimir war ein Revolutionär von Geburt ln seinen Militärpapieren stand ein p. v., das heißt: politisch verdächtig - deshalb hat er es nicht einmal zum Korporal gebracht, obwohl er eine große Tapferkeitsauszeichnung trag. Er war einer der ersten in unserer Kompagnie, die eine Dekoration bekamen, - Zwonimir wollte sie ablehnen — er sagte dem Hauptraann ins uesicht: fürs Totschlägen wolle er nicht ausgezeichnet werden — und es täte ihm leid, daß es. dazu gekommen sei. Nun, der Hauptmann war sehr stoz auf seine Kompagnie — ein guter und hohler Kerl war der Hauptmann — und er wollte es nicht zugeben, daß der Regimeiitskommandat etwas von Aufruhr erfahre. Deshalb ordnete sieh alles und Zwonimir nahm die Medaille-an. Ich entsinne mich der Tage — das Regiment 'Yar 1n,.£ast ־־־ da lagen Zwonimir und ich auf einer w 1ese_ am Nachmittag und sahen zur Kantine hinüber, vor der Soldaten kamen und gingen und in (truppen herumstanden. I*t de | lattd“ b Tagung 1 Abstimmi Debatte Frag*« י dar'ste! über; die OV. un< ״Der Geschäfts lunge« , mit stren daß alle : über hun mtemati( hat von Nichtjud! Zeitung schieden! sind, täg herantre׳ möchte, sachlich« bezweifc klären gs solcher nicht — von Str sehr zu! Nuten darauf 1 Nichtju« der Kat sei usw nur di« Landge Zeuge liehen Juden! so läng klärte, auch al völkisd jenigen vorsich haupt durch Die vc länger ausgeh Werdet Kampf hauptu samuil .:«iw* .1 hehefl tenen keit Ei und d! unbeq ihrer Dr. V Zeitall der R Ist Dr Von d Antls« gespri klirur sehen jede Jude zu de diese! ,mit zugl tigun: verdfi der 5 hundi den I Gleic rinn tigun Folg! einsti i Mec frage zw«di (Fortsetzung folgt)