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Jüdische Rundschau · 1928-02-28 · Heft 17 (28.2.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 17 (28.2.1928)
Date
1928-02-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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UNTERHALTUNGS-BEILAGE *Febern־. DER JÜDISCHEN RUNDSCHAU Midi«-Josef Lebensohn Zum 100. Qeburtstage (7. Adar 5588 *28 *״. Februar 1828). Von Leon Scheiohaua, Memel Er war der berühmte Sohn ®Ines bedeutenden Vater*, des ersten hebiiischea Poeten in Rußland, er war der Jugend‘• freund des später zu Ruhm gelangten Dichten J. L. Görden, und ln gewissem Sinne war er das Vorbild de» viel spätem!, ebenso vorzeitig verstorbenen Dichters- und KÜnstlerjünglings M. Mane. In den wenigen Jahren seines Daseins, die auch sein« Leidensjahre waren, errang sich Micha Josef einen Ehrenplatz in der Ruhmeshalte der hebräischen Dichtkunst, Sein Leben und Dichten Ist auch ein ungemein toter* essantes Kapitel der jüdischen Zeit- und Qetttosgeschiehte de« 10. Jahrhunderte, Sind manche seiner Dichtungsformen heute etwas veraltet, so sehen wir doch gerade in ihm deutlich die schöpferische Verbindung von Altem und Neuem an der Wende zweier Qeneratioaea. Während alle hebräischen Schriftsteller der Hatkala-Epoehe sich durch äußere und seelische Kämpfe, durch mancherlei Widerwärtigkeiten de» Alltag» zu Ihrer Stellung durchringen mußten, wahrend selbst dar alte Lebensohn in seiner ersten Lebenshälfte tagsüber einer profanen Beschäftigung nachau* Echan hatte, und nur die Mußestunden und Nichte der lichtung, der Bibelforschung und der Grammatik weihen konnte, waren dem Sohn alle äußeren Hindernisse erspart geblieben. Aber die zehrende Krankheit raffte den zarten und schönen Jüngling dahin. Za •einer angeborenen poetischen Begabung gesellte sich die von seinem geistreichen Vater geleitete sorgfältige Er* Ziehung. Schon in früher Jugend erlernte der Knabe deutsch, russisch, polnisch und französisch, sogar Italienisch, und studierte aie besten Erzeugnisse der Weltliteratur, am meisten die deutschen Klassiker. Vor allem aber machte er sich die ahe Sprache der Bibel zu eigen, ״die schönste Sprache in Gesängen und in Klagen, die einzig uns geblieben aus den alten Tagen" 1 Schon in seinem Erstlirtglgedicht ״H'achawo“ (Die Brüderschaft), das er, 16 Jahre alt, vir• faßte, offenbart sich der vollendete Meister der Lyrik und der hebräischen Sprache, Aber auch eine böse unheilbare Krankheit, die Schwindsucht, war dem jungen Dichter angeboren. Aus Seinen vielen Zuschriften an filtern und Freunde ist ein tief rührender Brief an seinen Jugendfreund Kaiman Schulman, erhalten geblieben, ln einer schlaflosen Nacht Im Frühling 1847 ln Mustergültigem Hebräisch geschrieben. Unter Vorausschlckung der Verse von Heine: Ist doch süß die Lebensgabe, Aber unten Ist es grausig, .I״ dunklen, ketten Grebe! üÄrihft der Jugendliche Märtyrer: ': - ״Meine Krankheit läßt mich nicht Atem holen und nachts führt sie mich in raschen Schritten dem Schattenreich entgegen; vergeblich ist die Kunst der Aerzte, machtlos ihre Oe.etesatnkäf — eie verlängern bloß unnütz meine Qualen..., Die Turmuhr schlägt Mitternacht und ich bin noch wach, wach in mir ist auch mein Leid«!; es nagt an mir. löscht den Libensfunke«, wie das Fkmmthen des Lichts auf meinem Tische.... Ich sehe mich schon auf dem Totenlager, hfre ringsum die klagend« Gedächtnisfeier und das Gestöhne der Verwandten und freunde, ich »ehe, wie man mich ins Grab Hinuntersenkt, höre über mich dl« Schritte der Totengräber, «8 dringt Von Oben her an ntti« Ohr das Schluchzen und da» Weinen-,1* greife den letzten Ab* schiedsblirk meiner filtern auf, dl« mich den Armen der furchtbaren Ewigkeit überlassen. Ich fühle, wl> die Würmer die Hand benagen, die diesen Brief schreibt... Vie entsetzlich der Tod und wie schön ist das Leben! Ich dacht immer, ich wäre zum Sterben bereit -* aber sterbe« in der Mrgenröte der Jugend, tot Pracht des Weltgebäudes zu genießen, ichdürste nach Leben." Das Vorgefühl de» Tode« trog difimal den Jüngling; noch fünf Jahre Lebensqual waren ihm Geschieden, und in dieser kurzen Zeitspanne schuf er *da Lebenswerk — seine Dichtungen, als wäre die«» Lustnim gerade zu diesem höheren Zweck bestimmt gewesen. Sein größeres Erstlingswerk war «Be meisterhafte hebrl* Ische Nachbildung nach Schiller» freier Uebersetzung de« dritten und vierten Buches von Vergib Aeneto: ״Die 2er- Störung von Troja“ (I. Auflage, Wilna 1849), Schon damals konnten die Kenner der klassischen hebräischen Sprache in dem Knaben ein hohes Dichtertalent bewundern und auch die jüdischen Gelehrten lenkten ihre Blicke auf ihn. Ab er der Krankheit wegen in Berlin weilte, folgte er dem Rate Zun*\ des Altmeister» der Wissenschaft des Judentum», ״statt der Gedichte fremdsprachlichen Inhalte lieber die Zionsharfe zur Hand zu nehmen, die noch immer des Meisters harrt". Und während der jugendliche Dichter in Berlin und in seiner Vaterstadt Wilna dahinsiechte, entstanden seine Lieder, wahrhafte Zlonageslnge, die vom Babamhauch Palästinas durchweht waren. Es war vor etwa 00 Jahren, in der ersten Am der Renaissance der neuhebriiachen Sprache und Poesie, ab Abraham Mapu, ein Meister der biblischen Belletristik, in seinem Roman ״Ahawath Zion“ ela vorzügliches Bild des altjüdbchen Lebens aus der Zeit seiner höchsten Blüte entrollte. Vom Geist der neuerstandenen Sprache beseelt, fühlte sich auch Micha-Josef Lebensohn In die ferne heroische Zeit der Könige und Propheten tm Geiste versetzt. Selbst heute, unter dem Eindrücke des modernen Ziönbmue, tat Zion nicht inniger besungen worden, nicht 80 unmittelbar und herrlich, wie beispielsweise in den folgenden Versen sus Lebensohns ״Salomo“! Wo einst die Musen sich den Sitz erwählten, im Balsamduft erscholl der Lieder Klang, Wo Blum* und Lied sich feierlich vermählten, Wo jede Blüt »und Zeder - ein Gesang-, Im Land, wo •ich Musik und Schönheit gatten, lm Land — der Kronenperle der Natur, Wo Flur und Fels nur Bilder größter Taten, Wo rings geprägt der größten Männer Spur. Micha-Josefs Gedichtsammlung ״Gesinge Zions“, di« uns sechs Originaldichtungen echt jüdischen Stoffes bietet, ist in erster Auflage 1851 erschienen. Der damalige Zensor Und Ehrenbürger von Wilna, W, Tugendhold, hat diese erste Auf* läge des Werkchen* mit folgenden Worten eingeleitet! ״Der Salomo des Hohenliedes^ mit öfto fafädles der ersten Liebe tm Herzen, den Spuren seiner Schäferin folgend, und der Salomo im Prediger, der ein Laaken, von der Schlange einer falschen Weisheit utnschnürt, stets krampfhaft das skeptische ,Wer weiß?‘ ausstößt, M:den die Vorbei « Miner Lieder; dann erscheinen Sfmiott, Jifl und Sisra, und Mose, wie er im Vollgenuß der Ansdbauung Landes hlnstirbt, und da» Ganze lat Öl all afe vT, der aüT «emer ^aiiSnKlia^ 'jinjsaiem von einem Sarazenen ermordet sein soll.“ In seinem größten Heldengedicht ״Salomo und Kohelet «3er Vernunft und Glaube“ entwickelt der zart denkende Dichter in schönen Verse» das reüftons-philoiophbehe Problem des königlichen Weltweben. Die Dichtung vtrgegenwärtigt den Kontrast zwischen dem ״Hohenlied“, dieser ״Hymne der Liebe und Schönheit“, die die höchst« Stufe der Leidenschaft und Wonne in dem Ausruf ״Wie lieblich“ ersteigt, und zwischen ״Kohelet“, voll hoffnungsloser Ver* zwölften! und fruchtloser Skeptik, die ihren Höhepunkt in dem Ausruf ״Alle• ist eitel“ erreicht, und in dem ewig wiederkehrenden trüben Fragezeichen ,,Wer weiß?“ Dieser Gegensatz, der Zwiespalt der Natur, fesselte ungemein den jugendlichen Dichter. Oer Weisheit letzten Schluß löst das Ratseibuch der Menschheit: Noch einrna*;U kten sehe Augen!’er: ״O hört“ — das war sein ietites Sterballed ״Den Herrn stets fürchtet, Ihm nur traut, IM Brüden Dies tot der Menschheit Würde!“ — und verschied..«< Wie keiner vor ihm schilderte unser sterbend«■ Jugendlieher Dichter das schaurig poetische Phantaaiegebtlde und den Tod des Dichterfürsten und größten Zlonsrtngens ״Rabbt Jehuda Halevi“ im Lande seiner Sehnsucht, Die sechs ״Gesinge Zions“ sind 1859 ins Deutsche übertragen worden. (Michael Lebensohns Israelitische Gesänge.) Die vorzügliche deutsche Uebersetzung ist eint Jugendarbeit des letzten großen Veteranen aus der ״Wllnaer Schule“, des bekannten Sprachgebieten und hebräischen Schriftstellers josua Steinberg, Jugendfreund und Schwager des früh verblichenen Dichters. 1902 erschien eine neue Auflage, das hebräische Original mit der deutschen Uebertragung parallel enthaltend. Der Zensor W. Tugendhold, der 1851 die Origtoalauflage etoführte, hat auch die erste Auflage der deutschen Uebersetzung (1859) gebührend gewürdigt Er schreibt unter anderem dem Uebersetzer, seinem nachmaligen Amtsnachfolger (später Zensor und Lehrinspektor) J. Steinberg, bemerkenswerte Worte, weiche verdienen, als charakteristisch für den Geist der Zeit wiedergegeben zu werden: ״Da ich als Ihr früherer Lehrer weiß, mit welchem Ernste Sie sich dem schweren Studium der jüdischen Theologie g♦* widmet, mit welchem lobenswerten Fleiße Sie selbst dem Prosaismus des uralten Dogma obliegen, und da ich obendrein denke, daß Sie nie über die deutsche Grenze gekommen, urtd alles deutschen Umgangs in Ihrer völlig jüdischen Umgebung entbehrten, so kann ich mein Staunen über ihre Arbeit nicht stillschweigend unterdrücken und muß vor aller Welt mein Lob deshalb aussprechen. Mit derselben Ehrfurcht Wie unser« Vorfahren einst der hellenischen Sprache, haben auch wir Israeliten neuerer Zeit der Sprache der Deutschen zu begegnen. In dir seit Mendelssohns Auftreten so viele Arbeiten jüdLefier Geister auf» gespeichert liegen, in der so bittere schwere Kämpfe durchgekämpft wurden, in der unsere Brüder jenseits der Grenz* zeigten, daß wir keine seelenlosen Mumien bilden, an denen kalt die Neugierde ihre Blicke weidet, sondern daß wir noch ganz das alte Leben ln uns verspüren, wie in jenen Urzeiten.“ In den Jahren 1849/50, während der Besuche der Heilquellen Salzbrunn und Reiner«, weilte der Dichter auf den Hin- und Rückfahrten länger« Zelt in Berlin, wo er seine ästhetische und philosophische Ausbildung Vervollständigte. Der Umgang mit den namhaften jüdischen Gelehrten Berlins, die Vorlesungen von Schelllng an der Universität über Natttr- Philosophie und überhaupt der Aufenthalt in der deutschen Metropole für Kunst und Wissenschaft, hatten großen Binfluß auf den Jüngling ausgeübt Nicht nur seine bereit! tr» wähnten historischen Gedichte, auch seine nachgelassenen Lieder und Gedichte sind zumeist Wahrend seines Krank*»!- aufenthalts in Berlin entstanden. Gleich Heine ertönt! »ein! Stimme aus dir ״Matratzengruft“, Er starb, 24 Jahr« alt. am 18. Februar 1852 zu Wilna. Den Nachlaß •einer t!־«!er und Gedieht! konnte «ein greiser Vater erst 1870 erscheinen lassen. Die Sammlung trägt den Namen ״Harfe Zions“ und enthält 39 Gedicht«, ihr Grundton ist Schwermut, das Bewußtsein des nahenden Todes; es kommt noch der allgemein« Welteehmeri Mattet ״Nicht dort io d« Unterwelt tot die Hölle, »nderi hier auf Erden!“ Micha-Josef ist kein düsterer Pessimist; er will nicht sterben, er Hebt das Leben, dürstet nach Leben, nur Ist es für ihn vergiftet: ״Verflucht sei der Tod, verflucht auch das Leben 1“ wie sehr er den Genuß liebte, wie sehr sein« Gefühle unmittelbar waren und voll unbändiger Leidenschaft, können wir aus seinen Liebesliedern ersehen. Lcbensöhns Dichtungen sind Wahre Perlen der hebräischen Poesie. Die Einfachheit und Innigkeit, die den meisten Lyrikörn hebräischer Zunge jener Zeit fehlte, Waren ihm gegeben. Josef Klausner schreibt über Micha-jesef» Liebeslieder: ״unwillkürlich bewundern wir, wie m blaß In einer aow* nannten ,toten1 Sprache mäfüoh ist, so mlehtig und so achöti, , _8<"cker 1״tensität und Spannkraft des Ausdrucks, und In SOWier Farbenwirkung des Stils, die alleriittestln Ufld reinmoderten Schattierungen dir Uebeshifföäbimi Urtd der Leiden» siheft ausiudrücken, Mlcha-josef Lebensohn überragt nicht nur seme Zeitgenossen sondern auch die Nachfolgenden,“ Hotel Savoy Roman von Joseph Roth. (6. Förtzetzuflg., mmdet bestellte einen Sohnapi um e» mdern. Aber je mehr Ich trank, desto w» ndtiger wurde Ich und der Gedanke an Welt, *tot und Freiheit schwand In Nichts. ״Sil wollen nicht, lieber Vetter?“ sa U&mnder — und, um zu beweisen, daß es ih Gewiß — Ich will ei mir überlegen. Jetzt habe ich Schnaps getrunken und das plötzliche Angebot hat mich noch mehr betäubt,!eh will es mir überlegen. KU. Wir schieden um 11 Uhr vormittags und Ich hatte Zeit genug — einen ganzen Sommemachmittag, einen Abend, eine Nacht. Dennoch hätte ich gerne noch länger Zeit ge* habt, eine Woche, zwei Wochen, oder einen Monat, ja, ich hatte gerne so eine Stadt wie diese, zu einem längeren Ferienaufenthalt ge* Berlin zu erzamen, me m »»־£־ »«ו; wählt - «s war eine recht amüsante Stadt, mit ״wtesen sie, diese Banditen *lehen׳ *we Tag allerlei wunderbaren Mensche« — min traf *rum, man Ist nicht sicher, daß man mit de«erlej ״!cht ״ן a]lef weit eben herauskommt Ich setze den l fis war dieses Hotel Savoy — ein prachtvolles n Hotel, unten bereiten sie für ahe Falle die!«Hotel, mit einem livrierten Portier, mit goldenen aauerten Keiler vor, ein P*ar fremde p1pio*5c}j|!der11j m versprach Lift, reinliche Stubenaaten wohnen auch dort Ich denke in* ״■Rädchen jn weiß gestärkten Nonnenhauben. Da de Schönes Leben dem Krieg bin ich Ignatz, der fite Liftknabe mit höhnischen ׳angen nun »oll mich die Revolution treuen. ־er״e־jj,(:n Augen, aber was tat er mir, wenn Ich tin Gldek, daß ich damals die.Vtlly ha e, wir lh!fe u״d gefne Koffer verpfändetet Da war Viren ein paar befreundete. iunge L«ute und »1efruropu|os> gewiß der uebelsten einer — Iinnten sie Vally, die Tl‘0®terin, denn sie war L kannt€ |ch noch Hjchtj den kan״fe niemand, tnier* Trösterin ln der Not, wie es in der Bibel bieses einzigen Kftlegurapulo» wegen hätte es >«%״ Lh gelohnt, hier zu >lei ben —• Geheimnisse *Da» Steht nicht in der Bibel pen mich immer gelockt und es ergab sich ״Nun einerlei - die»«,Knöchel «Sen «ölten, mein lieber Vetter — und das aufreiöste Haar, es reichte bis zum Popo *■* -־ 1t waren sehr aufgeregte Zelten. Und wozu? Sagen Sie mir? wozu hat man diese Revolution 8 Alexander saß mit gespreizten Beinen; um die Bügelfalte nicht tu beschädigen. •treckte er sie ®!! von sich und trommelt! mit den Absätzen aut dem Boden Ich werde mich also um «in ander« Zimmer י «sehn müssen“ — sagt Alexander — ״wenn # nicht wollen.“ oder: ״ich will nicht dringen Ueberlegen Sie sich da». Heber Ga* K W» fflttgu1 vielleicht?...“ •** uuv41 11umv,l uciUbr längerem Aufenthalt leguropnlös, dem UnslCht ,kommen, tewlß, es war besser zu bleiben, hi lebt« Abel Glanz, «in sonderbarer ffieur. da konnte man bei Kannir Geld ver• 16», lm judenviertei lag Geld im Straßen- — es wäre eicht übel, als reicher Mann en Westen Europas einzuziehen. Mit einem id konnte man tm Hotel Savoy anlangen — es verlas#«« •1» der Gebieter von zwanzig ern, pd Immer noch der Gabriel Dan sein. ׳er will ich nicht nach dem Weiten? Habe licht lange Jahre in der Gefangcnachaft gelebt? Noch »ehe ich die gelben Baracken wie schmutziger Aussatz eine weiße Fläche bedecken, schmecke Ich den süßen letzten Zug au» irgendwo aufgeklaubtem Zigarettenstummel, Jahre der Wanderung, Bitterkeit der Landstraße, — grausam gefroren« Ackerschollen, die mein# Fußsohlen schmerzen. Was geht mich Stasia an? E» gibt viele Mid* chen in der Weit, braunhaarige mit großen, grauen, klugen Augen und schwarten Wim* pem, kleinen Fußsohlen In grauen Strümpfe« man kann Einsamkeiten Zusammenlegen, Schmerzen gemeinsam auskosten. Maggtarialm Varlfl bleiben, dem Pariser Alexander anheim* fallen, Fahr zu, Gabriel! Es fügt »ich. daß ich zum Abschied noch einmal durch die Stadt streiche, die groteske Aren!* tektur der windschiefen Giebel, der fragmentarisehen Kamine besehe, *erbrochene und mit Zeitungspapier verklebte Fensterscheiben, arme Gehöfte, da« Schlachtham am Rande der Stadt, die FabrikMhlöte am Horizont, Arbeiter* baracken, braune, mit weißen Dächern, Oerantentöpfe in Fenstern. Das Land ringsum ilt eine traurige Schönheit, eine verblühende Frau, der Herbst meldet »ich allerorten, obwohl dl! Kastanien noch tiefgrün sind. Man muß *um Herbst wo anders sein, ln Wien, die Kingafraße »eh«, von goldenem Laub übersat, Häuser, wie PalUte, Straßen gerade auSgerichtet und geputzt, wie zum Empfang vornehmer Oiste. Der wind kommt aus der Gegend der Fabrlken, OS rilCht nach Steinkohle,grauer DunSt lagert über den Häusern — das Ganze ist wie «in Bahnhof, man muß weiterfahren. Der Pfiff eines Zuges kommt gellend herüber, Menschen fahren in die Welt. Bloomfleld fällt mir ein — wo steckt er eigentlieh? Längst müßte er kommen, die Fabrikanten sind aufgeregt, lm Savoy nt alles vorbereitet, wo bleibt BtoomfieM? Hfrseh Fisch erwartet ihn sehnsüchtig. Vielleicht bietet »Ich Fisch jetzt Gelegenheit, au# dem ewigen Elend herauizukommen, er hat doch mit Bioömfieids Vater gesprochen, der Blumen* feld hieß, JcCliiel Blumenfeld. ich entsinne mich des Loses, das ich V@H Hirsch Fisch bekam, dl# Zahlen 58 ־ Ufld } «Irtd «her, ein Terno scheint mir gewiß. Wie, wenn das Los gewänne? Dan« kannte ich in dieser intereasanten Itadt bleiben, noch ein wichen äusruhen. Ich habe keine Eile. Kein« Mütter, Kein Weib, kein Kind. Niemand erwartet mich. Niemand sehnt sich nach mit. Aber ich sehne mich wohl, nach Stasi« «4m Beispiel, ich lebte ferne mit iiir ein Jahr oder zwei oder fünf, ich reiste gerne mit ihr nach Paris״ wenn ich ein Terno bekäme, knapp, ehe die Regierung die Lotterie abseliafft ich brauchte Alexander nicht mein Zimmer zu ver* kaufen und nicht bei meinem Onkel Phöbü« iü bettete, Die Ziphung ist nächsten Freitag, es muß eine Woche dauern -־-* so lange kann ich Alexander nicht warten lassen. Bis morgen muß e» «nt* schieden sein. Ich muß von Stasia Abschied nehme«, Ile war angeklefdet, als Ich kam und wollte 1« die Vorstellung gehn. Sie trug eine gelbe Rose in der Haftd Und ließ mich riechen. ״Ich habe viele Rosen bekommen *״* von Alexander Böhlaug.“ Vielleicht erwartet «(«, daß Ich sage: ״Schicken Sie die Blumen zurück,“ Vielleicht würde Ich e» auch sagen, wen« ich nicht gekommen wäre, um Abschied für immer zu nehmen. So sagte ich nur: ״Alexander Böhiaug wird mein Zimmer B«hmen. Ich verreise.“ f5ta«ia blieb stehn auf der zweiten Iturt — wir hatten gerade die Treppe htountergehen wollen.

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