Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 16 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. SO, 24. H. 192S JUEDISCHE RÜNOSCHA0 Sehe t IS Zionistische Innenpolitik in Deutschland Von Julius Levinsohn» Königsberg. Dieser (von uns aus Raumgründen gekürzte) Aufsatz, der bereits längere Zeit zur Veröffentlichung bereit liegt, verdient wohl insbesondere während der zlonisti* sehen Kulturwoche Beachtung. — Red. Da« deutsche Judentum Ist -י von der jüdischen Oesamt* nation aus gesehen — weder national genug, um eine wirkliche Volksbewegung zu tragen, noch assimiliert genug, um gewissen Faktoren einer solchen voi'ig entbehren zu müssen. National- Mittellinie zu orientieren haben. In ganz assimilierten lindern, da, wo ein elementarer Instinkt als Baris zlcnisriseher Bewegung fehlt, kann zionistische Politik mit Erfolg nur durch Propa* Eanaa, d. h. durch die Kunst des Ueberzeugens, gemacht werden. » Deutschland fehlt dieser elementare Instinkt nicht völlig; Zu* zöge vorn Osten nähren Ihn. Er ist aber in einem Maße ge* schwächt, daß er allein für eine politisch-nationale Bewegung nicht ausreicht Man hat das alles bei uns schon einmal ge* wußt; man hat es vergessen. Haben wir keine Kraft mehr zu einer umfassenden politischen Offensive großen Stils? Man wird auf die Jugend verweisen, wird sagen, von ihr sei alles Heil zu erwarten. Aber was geschieht zur wirklichen Erfassung unserer lugend? Wo ist die große zionistische stand taa kritischen Augenblick verlassen da, weil die Führer von damals ihr zwar Ideale und Fanatismus zu liefern ver* standen, ihr aber keinen Weg zu zeigen vermochten, um jene Ideale zu verwirklichen, jenen Fanatismus in Ausdauer, Zähig* keit und Entschlossenheit bei der Beherrschung gegebener Reall* täten aufzulösen. Die heutige Situation ist noch um ein Be* deutendes schlimmer als die dama'igc. Denn ich bezweifle, ob unsere Jugend heute wirklich Ideale hat, wenn nun unter ideal nicht gewisse Komplexe auf der Grundlage frei schweifender Phantasie und nicht irgendwie verschwommene Vorstellungen von etwas, das nicht Ist, versteht, sondern die klare Erkenntnis von der Notwendigkeit eines künftigen Zustandes und die Affektlon des Willens (des Indlvidualwilfens) durch diese Erkenntnis. Es ist falsch, es ist ein verhängnisvoller Irrtum vergangener Romantik, zu glauben, eine Bewegung basiere ausschließlich oder im wesentlichen auf den frisch-fröhlichen Impulsen der fugend. Diese Impulse sind notwendig. Aber sollen sie nicht ins Leere vemuffen. so müssen sie unter das eherne Joch einer überlegenen Sachlichkeit gezwungen werden. D'ese Sachliehkeit hieß bei uns bisher Erkenntnis, dann Chaiuziuth, Wie heißt sie heute? Eine erschöpfende Antwort auf diese Frage läßt sich um so weniger geben, als Erkenntnis und Chaiuziuth keineswegs ln ihrer OOracrkcft und Bedeutung aufgehoben sind. Wer aber der die dieser Situation adäquat sind. (Jod es gibt Wege dieser Art, die wir eigentlich längst hätten geben sollen, und die in der jüngsten Vergangenheit auch in Deutschland bereits mit Erfolg beschriften werden. Ich denke an unsere Sprachschul* bewejung, überhaupt an den Aufschwung, den die Wiederbelebung des Hebräischen zu verzeichnen hat Nichts frei'teh wäre hier weniger am Plätze, als ein flacher, genügsamer Optimismus. Zwei Gefahren bedrohen insbesondere unsere Sprachschuibewegung, Einmal die durch alte Vorurteile genährte Auffassung, als handle es sich im wesentlichen um eine philologische ־Angeltsenhöit M!a sieht nicht, welch un* fihturer Witt % Ä׳.p»llfeÄ:lr!A«^g!|ldl$d1er'׳Menseh«n m Deutschland mit der Aneignung einer lebendigen hebr11 sehen Sprache gegeben Ist, man erkennt nicht, daß die Sprache, wie nichts anderes, ein Volk zusrmmenschließt, um wieviel mehr also besitzen muß, das nach Europa zu vorge■ schoben« Valksatöms ״Judentum In Deutschland“ dem Volks ganzen innerlich einzuordnen. Wer aber das Hebrlischlernen lediglich philologisch faßt, sei es nun als Schüler oder a's Lehrer, der wird den Zusammenhang dieser Dinge mit lebendigem Zio* «Ismus und dessen Realisierung nie verstehen können, er wird mitmachen, aber im eigentlichen Sinne unberührt bleiben. Und damit hängt die zweite große Gefahr zusammen, die das Hebrlischlernen in Deutschland und wob! in der Qaluth überhaapt bedroht: dal Hebrifsehe als Modesache. Man sehe einmal tiefer in unsere Ortsgruppen und Sprachschulen hinein und man wird finden, daß bei einer großen Anzahl der Lernen* den die Ueberzeugung von der Notwendigkeit des Lernens nicht vorhanden ist Man sage nicht, der Lehrer ist schuld. Man jage «inen Lehrer zum Teufel, wenn er nicht« taugt Aber eben dazu fehört wahres Interesse und hohes Verantwortungsgefühl, geört, daß wir die Sache ernst nehmen. Uns fehlt aber der Ernst diesen Dingen gegenüber. Auf die Skala unserer Wertsetzungen kommt es an. unserer faktischen Wert- Setzungen- Solange hier nicht gründlich Wandel geschaffen ist, solange unser Tun mit der Mentalreservation des N’chtverofiicJitet-eeins belastet Ist, solange wir im Gründe alle Ver- Snügungen, alle ״Verrichtungen“, alle Sensationen für wich• gcr ha’ten als die Erfüllung unserer nationalen Pf’ichteu, solange Ist es völlig müßig, darüber zu streiten, welche unserer nationalen Güter in unserem Regenerationsprozeß die erste Stelle einnehmen sollen. Man wird den Rahmen allmählich weiter stecken können die Arbeit an der Sprache wird sich erweitern zu einer solchen an der Literatur, an der Kultur. So wenig die Sprache für uns in erster Reihe philologischen Wert hat, so wenig die Literatur literarischen. Aus der Literatur eines Volkes lassen sich Maßstäbe, Reaktionsweisen, läßt sich seine Welt* und Lebensansehauung erschließen. Die Literatur ist gewissermaßen das Gespräch eines Volkes mit sich selbst. Was wissen wir aber von unserem Volke? Eia falsch betriebenes Oeschlchtsstudii m hat ln uns die Meinung aufkommen lassen, das Wesen unseres Volkes sei ein nur mit den Werkzeugen zünf* figer Wissenschaft rekonstruierbares Faktum, ln Wirklichkeit sollte auch objektivste Darstellung nur dem einen Ziele dienen: uns Geschichte, unsere Geschichte, erleben zu lassen. Berdiczewsky hat einmal in wnndervoi’er Art die Tragödie des modernen Juden gezeichnet, der die Gestalten der Vergangenheit an seinem geistigen Auge vorüberziehen läßt und dann, von ״einem weiten Wege“ in die Gegenwart zurückkehrend die hange Frage aufwirft.• ״Was habe ich eigentlich mit allen diesen, die ich liebe, die Ich mir irgendwie verbunden fühle, zu tun? Ich, der ,Unmensch, ohne Rast und Ruh1? Ich, der Europäer, der Mensch von heute?“ Es ist zu bezweifeln, ob jemals auch die vo’lendetste Geschiehtsdarsiellung die Aufgabe lösen kann, die sieb aus dieser Fragestellung ergibt Aber. es ist sicher, daß die hier geforderte Erkenntnis unserer selbst aus dem jüdischen Schrifttum gewonnen werden kann, das sich jüngst — man möchte sagen, vor unseren Augen — entwickelt hat und entwickelt. Weichen Anteil hat das deutsche Judentum an diesen Schöpfungen einer neuen jüdischen Kultur? Nichts Menschliches ist diesen losgelösten, diesen aufgeklärtesten Kindern ihrer Zelt fremd. In ihren Säions atmest du den Odem einer ganzen Welt, spürst du den Hauch aller Großen, das unsere Zeit hervor bringt Sie nähren Ihren Geist mit den Gedanken aller Zonen, ihre Seele mit den Klängen allen Meister: Die Bildung dieser Menschen, das Wachstum ihres geistigen Menschen formt «ich aus iflweltifchem Stoff, Und glauben^dureh Symbole, deren Sinn und Stofflichkeit aus ganz anderer Welt zu ihnen herüberragt# dem so erschaffenen Menschen eia jüdisches Antlitz leihen zu können. Und neben ihnen, rings um sie her, ja mitten unter ihnen, findet wirkliches jüdisches Volk neuen Ausdruck für seine Gedanken, seine Leiden, seine Auferstehung. Was ist der deutsche Jude ohne Sinclair, ohne Oalsworthy, Barbusse, Hamsun, Gorki? Und was weiß er von der epischen Gestaltung*- kraft Mendelea, von dem prophetischen Genius Biallks, von der aufwühlenden Antithese der reinen Kunst Tschernichowskis, von dem Ringen um Versöhnung mit der Welt In den Werken Berdiczewskis und Feierbergs, vom NeuehasskJIsmas und der neuesten Lyrik des erwachenden Palästina? kreis zu durchbrechen, In den sich der deutsche Jude verrannt hat fst die Zelt noch nicht gekommen, um zionistische Schulen zu gründen mit dem Ziele, den Zionisten in Deutschland aus seiner faktischen Isolierung zu befreien? Ich denke nicht an Parteischulen. Ich glaube überhaupt, daß der Zionismus in Deutschland als Partei im technischen Sinne dieses Wortes nicht Genügendes leisten kann. Er sollte es sich zur Aufgabe machen, KristalUsationspunkt einer Bewegung zu sein, deren Ziel Palästina , deren Basis aber die werdende Voiksgememde ist. Kulturwoche der zionistiscnsn Jugend Berlins 3. Vortragt Die romantische üimI roaflstlaeh« Ha■- kalah-Epocbe 4 * Der Wandluagsprozeß 5. « Neuhebräische Publizistik * 6. ״ Neuhebräisehe Lyrik. Di« Vorträge finden statt29 ,&2 ״25 יי» ־. Fefer. m»d 1. Märt, abends 8 Uhr, im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meiaekestr. 10• Der letzte Vortrag ist vom 3. März ■nf Donnerstag, den 1• März, verlegt worden. KBltnrwoche der zionistischen Jagend In Berlin Das außerordentliche Interesse, das die Veranstaltung der Kulturwoche findet und das in dem imposanten Verlauf der Eröffnungskundgebung zum Ausdruck kam, zeigte sich auch an dem ersten Abend des Vortragszyklus von Dr. Max Mayer. Die Vorlesung war überfüllt, und mit großer Spannung folgte das Publikum - zum größten TeU Jugendliehe --- dem einleitenden Vortrag ״Die klassizistische Haskalah-Epoche“. Der Redner schilderte die hebräische Haskalah- Literatur der romanischen Linder und kam dann auf die Haskalah'Bewegung in Deutschland zu sprechen (Moses Mendelssohn, Measphim). . ... Da mit noch einer stärkeren Beteiligung zu rechnen ist, werden wahrscheinlich die Vorträge in einem größeren Saal fortgesetzt werden müssen. Der letzte Vortrag findet bereits am Donnerstag, den!. März (nicht am Sonnabend, den 3. März) statt. Kulturwochen im Rheinland- I״ der Zeit vom 6. März bis Z April veranstaltet der Zionistische Gruppenverband Rechtsrhejnland und Westfalen im Rheinland Kulturwochen unter Leitung von Herrn Dr. Max Mayer. Es wird je ein Kurs von vier Abenden in Dortmund, Basen, Duisburg und Dussedorf stattfinden, an denen sich die um legenden zionistischen Orts- SiTZ ft fÄ ״״?ך? % Z April. — Alles Nähere wfttf noch bekanntgegeben. ״Antisemitismus als Gruppeuerschelnung.“ Der Inhalt des Vortrages von Fritz Bernstein über ״Antisemitismus a.s Gruppenerscheimmg". den er vorigen Donnerstag m Berlin hielt, deckt sich mit dem Inhalt seines bekannten glekhnamigen Buches. Klug und doch in die Tiefen gehend, von heiterer Klarheit und v doch tiefernst umfassen die Gedanken die Gesamterscheinultg des Antisemitismus, greifen weiter aus zur Prüfung des Hasses von Gruppe zu Gruppe überhaupt» um als den Grund allen Oruppenhasses die Uebertragung vort Schmerz nach außen zu entdecken und die Gruppe ajs das Instrument der Verteilung von Liebe und Haß zu erkennen. Spannungen, die im Menschen angesammelt sind, und nicht ln direkter Weise gelöst werden können, entladen sich in Unfreundlich; keitserweisen gegen Unbeteiligte. Aehnlich ist es auch bei Gruppen; nach (innen hin gesteht man sich »Verständnis zi», tun nach außen geschlossen zu, sein und dorthin auch die angesammelten Spannungszustände in Feindschaftsakten zu entladen. Die Begründungen, die immer darauf hinauslaufen, daß die angefeindete Gruppe minderwertig sei, sind nachträgliche Selbstrechtfertigungen. Besonders die Uebertragung rfer Feim*, schaftsgefühle auf Minoritäten ist häufig und konstant, w das Risiko, welches durch die Erwiderung entsteht, so gering ist. Kein Volk ist so sehr überall nur Minorität, wie die Juden, daher der Antisemitismus durch die Zeiten und Völker hindurch so beständig ist Argumente zu widerlegen ist nutz los. Die Argumente wechseln von Konjunktur zu Konjunktur, die Feindschaft, die sie immer neu zur Selbstrechtfertigung schafft, bleibt. Es bleibt nur der eine Weg für die Juden, den Antisemitismus zu überwinden: sie müssen irgendwo Majoritätsgruppe werden. Weizmann hat dasselbe anders und in einem plastischen Bilde autgedrückt: Man ist als Gast nur gerne gesehen, wenn man es nicht notwendig hat, wenn man auch selbst Oastgeber sein könnte. Deshalb hingt alles am Gelingen des zionistischen Werkes Palästinas. - Es sei zum Schlüsse noch vermerkt, daß Bernstein auf An frage sein Verhältnis zu Arnold Zweigs im ״Caliban‘ dargestellter Theorie kurz darstellte. Einen Prforitttestreit kenne er nicht. Sein Buch sei 1920 fertig gewesen und er hätte schon in diesem Jahre in Rotterdam daraus Kapitel an Vortragsabenden vorgelesen. — Die Zahl derer, die den gelstreichen Autor nun auch als glänzenden Vortragenden kennen > gelernt haben, war leider gering. . ■_NA Letzte Nachrichten Neues Erdteilen ln Palästina Nach KadaktlaesscMtiB erhalten wir die Nachricht, daß sich am Mittwoch, den 22. d. M» ln Palästina zwei Erdbeben ereignet hat»®. Der erste Erdstoß wurde um 3 Uhr morgens verspürt, und war verhältnismäßig leicht, wih* rend das zweite Beben* das sich um 7,89 abends ereignete geringen Schaden angerichtet haben •oll? Menschen• opfer sind nicht au beklagen. Der *weite Stoß wurde Im ganzen Land gespürt, besonders aber In Jerusalem, Jericho und Tel-Awlw. Einige Häuser sind unbewohnbar. Das Gebinde der Universität zeigt einige Risse. Die Allenby-Brücke über den Jordan (bei Jericho) ist stark beschädigt, so daß der Verkehr über sie eingestellt werden mußte. Nach der anfänglichen Panik trat bald Beruh)- gung ein. ״ PaUstlM m Bobers 50. Sebortstas Der 50. Geburtstag von Martin Buber hat In Palästina lebhafte und herzliche Resonanz gefunden. Sowohl die Presse widmet Buber Aufsätze und zum Teil Spezialnummern, als auch verschiedene Vorträge und Kurse beschäftigten sich mit Buber« Wirken und Lehre. Dr. Hugo Bergmann hielt ln Jerusalem in einer von der Kulturkommission der Arbeiterschaft verafltstalteten Versammlung einen Vortrag über Bubers Bedeutung für das neue Judentum. Auf Wunsch der Siedler hielt Dr. Bergmann auch in Klrjath Anawitn einen solchen Vortrag und Veranstaltungen ähnlicher Art in En Charod und Nahaial sind vorgesehen, ״Diwi r“ widmet seine Beilage vom 10. Februar vollständig Martin Buber, mit Uebersetzungen aus seinen Schriften und herzlichen Aufsätzen von Rubasehoff, Agnon und Beil in so n. Der letztere bespricht ausführlich die Bedeutung der Zeitschrift ״Der Jude“, gibt aber der Enttäuschung Ausdruck, daß nach den großen politischen Erfolgen der ״Jude“ zu einer zurückhaltenden Beurteilung gemahnt hüte, statt die Begeisterung des Volkes anzufachen. Noch deutlicher tritt die kritische Note hervor in einem mit großer Wirme geschriebenen offenen Briefe S p r ] n z a k 8, der an der Spitze der Buber gewidmeten Sondernummer der Wochenschrift ״H a p 011 H a z a 1 r“ steht Sprinzak nimmt Bezug auf die Prager Konferenz des ״HapoSi ftazafr“ von 1920, an der Buber führend teilgenommen hatte, und sagt, es sei eine Enttäuschung für das arbeitende Palästina gewesen, daß die von den Arbeitern so hochgeschätzte Persönlichkeit Bubers sich in der schwersten Zeit nicht mehr und ausschließlicher an der Verwirklichung der zionlstIschen ideale in Palästina beteiligt, sondern Ihre Kraft andern Dingen gewidmet habe. Sogar ein solches Werk wie die Bibel- Übersetzung, dessen kulturelle Bedeutung voll gewürdigt werden 8011, sei doch im wesentlichen eine Bereicherung der deut« sehen Kultur, während Palästina noch immer auf den Lehrer und Führer der Volkserziehung zu einem neuen Judentum warten müsse. Gerade weil dieser Geburtstag kein Abschluß ist, sondern Buber im vollsten Wirken steht und gerade weil ihm gegenüber Unaufrichtigkeit verwerflich wäre, müsse er wieder an seine Aufgabe gegenüber dem aufbauenden Geschlecht I« Zion erinnert werden. Ha Man Slraas-Heli ״The New Palestine“ vom 3. Februar ist ganz dem 80. Geburtstag von Nathan Straus gewidmet Das Heft enthält eine große Zahl von Beiträgen der •führenden amerikanischen Zlonirien, die Straus» Leben und Werk feiern, sowie eine große Zahl von Bildern, itt denen das Werk von Straus in Palästina und anderwärts sich widerspiegelt Briefe an die Redaktion») Durch Thora znm Zionismus Beuthen (O.-S.), den 16. Februar 1928. Es ist in letzter Zeit in zionistischen Versammlungen, Vor- Standssitzungen von zionistischen Ortsgruppen und Gruppenverbänden, last not least in der letzten zionistischen Konferenz in Berlin viel gesprochen worden vom gänzlichen Mangel zionistischen Nachwuchses. Erst neulich hatte ich Gelegenheit, Ohrenzeuge einer lebhaften Debatte über die Verbreitung des Zionsgedankens zu sein und war etwas überrascht, oder —1 darf ich es gestehen — beschämt über die Mittel, mit denen man die hohe zionistische Idee zu einem billigen Ledcpulver für eitle Menschen zerreiben wollte. Es war da sehr viel die Rede von einer zionistischen' Propaganda in den ־"Meine!» :Oemeinden durch Abhaltung von Versammlungen, in denen ein prominenter Zionist sprechen und einen Rechtsanwalt, Arzt oder Fabrikbesitzer für die Palästinaarbeit zu gewinnen suchen sollte, dem alsdann Kaufieute, Beamte und andere ״unvollkommene Größen“ als Gründer des ״Kowed“ folgen würden. Ich weiß nicht, ob man den Examinator oder die Kandidaten für diese unwürdige Methode der Gesinnunzsprüfung verantwörtlich machen soll Ist denn der Wert zionistischer Ideen $0 gesunken, daß er nur noch auf die niederen Instinkte der Eitelkeit wirken kann? Ich schätze die Juden der kleinen Städte in bezug auf ihr jüdisches Gewissen und jüdisches Empfinden höher ein, als daß ihr Interesse und ihre Empfingliehkeit für große und schöne Ideen nur auf dem moorigen Boden der ״Kowedchapperei“ gedeihen sollte. Man har in letzter Zeit lebhaft die Erlernung der hebräischen Sprache als wirksamsten Auftrieb der zionistischen Bewegung propagiert Gewiß, dieses Mittel wird auf die jüngste Jugend seine Wirkung nicht verfehlen. Wer aber kann wohl einem älteren Menschen, der aus dem Studium der belügen Schriften in deutscher Sprache ihren tiefen Gebt verspürt, seinen jüdischen Willen und sein jüdischen Empfinden an ihnen geformt hat, wer kann wohl einem solchen Menschen zumuten, daß er sich wie ein Sextaner mit den elementarsten Regeln der hebräischen Grammatik abmühe! Der Punkt, in dem der Hebe! der hebräischen Sprachpropaganda anzusetzen hat, ist die jüngste jüdische Jugend, und zwar einzig zu dem Zweck, unsere Kinder mittels der hebräischen Sprache heranzuführen an die Quellen der heiligen Schrift Dieser Weg muß naturgemäß zum Zionismus führen, denn jüdisches Volksleben, wfe es sich in den heiligen Schriften offenbart, ist jüdisches Geistesleben, und jüdisches Geistesleben ist Zions- Sehnsucht — Aus dieser Erkennte« heraus ist in Beuthen (O.-S.) eine misrachistische Jugendgruppe gegründet worden, die Knaben und Mädchen von 6—16 Jahren unter dem Signum ״Durch Thora zum Zionisten“ sammeln soll. Die misrachistische Mädchengruppe, die junge Mädchen zu positiv jüdischer und zionistischer Arbeit anregen soll, ist auf Anregung von Breslau aus dem ״Kontinentalbund zio- «Mischer Mädchen Vereinigungen“ beigetreten. In allwöchentliehen Zusammenkünften bemühen sich die Führer diecar jüngsten Beuthener Jugendbewegung Ihre Schützlinge zu voll* jüdischen Menschen zu erziehen, zu Juden, denen jüdische Gebräuche nicht nur leerer Formenkram und für die Judesein sich nicht erschöpft in dem Begriff ״jüdisch empfinden“, sondern die aus der Synthese zwischen äußerem und innerem Judentum den ganzen Juden formen. Recha Hirsch. Die teotaüse ToDristenfflkmg Wir erhalten folgende Mitteilung: ln Nr. 8 der ״Jüdischen Rundschau“ wurde von Touristenführungen in Palästina berichtet, die nicht nur einen ausgesprochen antizionistischen, sondern auch antisemitischen Charakter haben, im Zusammenhang damit wurde die Firma Djlmal Brothers erwähnt und darauf hingewiesen, daß auch die Hapag sich in diesem Jahr der Hilfe dieser Firma bedient Es ist 1m allgemeinen Interesse, darauf aufmerksam zu machen, daß die Hapag innerhalb ihres allgemeinen Programms ein Spezialprogramm ihrer Landausflüge für diejenigen ihrer Reisenden veranstaltet, die am zionistischen Aufbauwerk ein besonderes Interesse haben. Die Durchführung gerade dieses Programms liegt ln Händen, die seine objektive Gestaltung sichern. *) Die bisherige Rubrik ״Eiuqesandt“ erhält von nun an den Besseren Ntran ״Bride an die Redaktion“.