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Jüdische Rundschau · 1928-02-24 · Heft 16 (24.2.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 16 (24.2.1928)
Date
1928-02-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 113 Nr. 16, 24 IL 1628 Sokolow-Tage in Wien Von unserem Korrespondenten. L th. Wien, 22. Februar. Nach der mehr äußeren Arbeit der ersten Tage des Wiener Aufenthaltes des Präsidenten Sokolow waren die letzten der inneren Aufklärungs- und der Keren Hajessod-Arbeit gewidmet Am Samstag, den 18. d. M., mittags, fand zu Ehren Sokolows ein Empfang bei Rothschild statt, zu dem einige bedeutende Mitglieder des neugegründeten österreichischen Pro Palästina-Komitees geladen waren. Am Abend nahm Sokolow an einer intim-zionistischen Veranstaltung teil. Sonntag abends fand im Großen Konzerthaussaal, der bis auf das letzte Plätzchen gefüllt war, ein hebräisches Konzert statt, dem Sokolow beiwohnte. Dieses Konzert, dessen Veranstaltung ein Verdienst des Jugendvereins ״Erez-lsrael“ ist, war ein jüdisches gesellschaftliches Ereignis von bemerkenswerter Bedeutung. Es wurden ausschließ ich hebräische Lieder zum Vortrag gebracht, und zwar nur Kompositionen des jüdisehen Komponisten Arthur Wolf, der auch seinen Schülercbor selbst dirigierte. Besonders gefielen die Vertonungen der Lieder Rosenfelds und die Volkslieder. Von den ausführenden Solisten, von denen einige Nichtjuden waren, fielen in erster Reihe Rena Pfif fer-Lax und der Oberkantor Margu 1 ies auf, die mit großem Verständnis die Lieder vortrugen. Aber auch Grete Koller *Geyer und Hans Schwestka haben mit Erfolg ihre angenehmen Stimmen in den Dienst des hebräischen Liedes gestellt » Montag abends sprach Präsident Sokolow in einem Massenmeeting im Großen Konzerthaussaal, dem auch zahlreiche diplomatische Vertreter beigewohnt haben. Sokolow sagte, daß die verschiedenen bereits vorhandenen Pro Palästina- Komitees und jene, die im Entstehen begriffen sind, die S t e 1 - lungnahme der Welt zum Zionismus zum Ausdruck bringen; Der Zionismus sei kein Projekt mehr, führte der Redner aus, sondern eine bereits vollzogene Tatsache, mit der sich die Völker beschäftigen müssen. Die Palästinaeinwande-, rung, die unter den Auspizien des Völkerbundes steht, hat Universalcharakter und ist ein Weitproblem. Wir sind glücklich, sagte Sokolow, daß auch unbeteiligte Völker wie Oesterreich ihre Meinung über den Zionismus äußern. Wir scheuen aüch keinerlei ehrliche Kritik, wir wünschen sie sogar, denn wir sind ja Autodidakten der Kolonisation und wollen noch vieles von erfahrenen Völkern lernen. Zum Aale iheproblem bemerkte Sokolow kurz, daß es der Stolz der zionistischen Bewegung immer gewesen sej, keine Subventionen nehmen zu müssen, sondern a'Ies aus eigener Kraft aufziil»ringen. Wenn wir nun vielleicht e ne An'eilte aufnehmen werden, so wird es nur ein Schritt vorwärts sein, der aber in erster Linie die Stärkung des Keren Hajessod voraussetzt, denn wir wollen und werden die Anleihe auch pünktlich zurückzahlen. Zur Frage der Stellungnahme der Völker zum Zionismus zurückkehrend, führte Sokolow aus, daß wir zweimal emanzipiert wurden, das eine Mal als Individuen (durch Aufhebung der Ausnahmegesetze — dieser Prozeß ist zum Teil noch nicht abgeschlossen) und zum zweiten Mal als jüdisches Volk. Es ist nun Pflicht der Völker, Volk und Land wieder zu vereinigen. Dies haben die Vereinigten Staaten z. B. seinerzeit voll e kannt und sich mit dem Palastina-Aufbau als einzigem europäischen Völkerbundproblem befaßt. Im Kongreß und Senat kam dann einstimmig eine Resolution zur Annahme, die sogar weiter geht als unsere Magna Charta, die Balfoor-Deklaration. Wir überzeugen die Völker durch die Sprache der Tat und nicht nur durch Worte. Es war früher schwierig, den Völkern zu erklären, was z. B. ein Chassid Ist, jetzt ist es leicht, ihnen len Typus aj-e.s C h a I jiz verständlich zu machen. , . •4 ■ Io«» Wesen handle es' Ä;1un'die TrtffSdie’dÄ'Wl'iigieK. eines Mittelpunktes. Die' ,.Schechina״ ist verbannt und hat kein Heim. Auf seinen Reisen konnte Sokolow erst feststellen, sagte er, \vc che Bedeutung der Zionismus rein menschlich für die Juden habe, sie sind durch 1ha besser und edler geworden. Das Palastinawerk ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Friedenswerk der Menschheit, die Realisierung des dort so oft gebrauchten Wortes ״Schalem“. Eine Jugendversammlung, in der Sokolow über Kulturfragen sprechen wird, beschließt die Reihe eindrucksvoller Veranstaltungen anläft’ich des Wiener Aufenthaltes des Präsidenten der Zionistischen Weltexekutive. He neuen öranpnplanlagen in Palästina Laut dem ״Haaretz“ werden jetzt in Palästina 14000 Dunam neue Orangepplantagen angelegt. Mit einem Teil der Pflanzungsarbeit wurde bereits begonnen, während der Rest demnächst in Angriff genommen werden wird. Von diesen 14 030 Dunaip neuer Orangenpflanzungen entfallen schätzungsweise auf die Juden 8—10 000 Dunam. An unsere Abonnenten! Die Fosi verlangt von uns die Anmeldung der vom 1. April 1928 ab zu liefernden Exemplare bis zum 15. Mürz. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebühren von denjenigen Abonnenten, die die Jüdische Rundschau" direkt bei uns abonnieren, in den ersten Mfirztagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zweck Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, im eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, dab diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst Unregelmäßigkeiten in der Zustellung der ״Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im Februar 1928. Verlas ,Jüdische Rundschau“ Berlin W15. MelnekeUraBe 10 Die Danziger Gemeindewahlen < Dr. Klee in Danzig Aus Danzig wird uns berichtet: Zum ersten Male standen die Danziger Gemeindewahlen in diesem Jahre unter dem Zeichen eines Wahlkampfes. Von den 15 Repräsentanten der jüdischen Gemeinde waren acht neu zu wählen. Die Danziger Jüdische Volkspartei berief den Vorsitzenden der Jüdischen Volkspartei in Deutschland, Rechtsanwalt Dr. Klee, nach Danzig. Er wurde im Deutschen Haus durch ein Bankett begrüßt, bei dem Dr. Landau eine herzliche Ansprache hielt. In der überfüllten Gewerbehalle sprach vor €03 Personen Dr. Klee, immer wieder von Beifallsstürmen unterbrochen. Er führte aus, daß in den jüdisehen Gemeinden Deutschlands die bisherige religiös-liberale Verwaltung in den vielen Jahrzehnten ihrer Wirksamkeit zur Auflösung der Gemeinde-Idee geführt habe, da sie ein wesent- Iiches Moment der Bindung aller Juden, die jüdische Volksidee, aus dem Gemeindeleben verbannt habe. Nur in einer Synthese der religiösen und nationalen Elemente des Judentums, wie es die Propheten gelehrt hätten, liege die Rettung, nur eine solche Weltanschauung kann auch die Jugend, die Träger der Zukunft, begeistern. Dies sei das Ziel der Jüdischen Volkspartei, die die Juden nirgends gehindert habe, sich als treue Staatsbürger zu betätigen. Die am Sonntag, den 19. d. M., bei einer Beteiligung von zum Teil bis zu 80 ״/o der Wählerschaft jibgehaltenen Wahlen ergaben die Wahl eines orthodoxen Repräsentanten, dreier Repräsentanten der Jüdischen Volksarte! und vier Liberaler. Außerdem erhielt sowohl die iberale Partei wie ■ die Jüdische Volkspartei je zwei Stell- Vertreter. Diese Wahl bedeutet u. a. einen Sieg des Frauen- Stimmrechts, da Volkspartei und Liberale für das Frauensiimmrecht eintreten werden. Von volksparteilicher Seite sind gewählt die Herren Rechtsanwalt Levy, Dr. Segall und Dr. Landau, der Vorsitzende der Zionistischen Organisation des Freistaaten. Listenführer der'Liberalen war Herr Becker, der «dr kurzen an der Immigrationskonferenz in Berlin teilgenommen hat und sich um die Immigrantenfürsorge in Danzig Verdienste erworben hat. Zionistische Arbeit in Estland Aus Estland wird der ״Ziko" berichtet: Am 17. Januar fand in Reval eine Landeskonferenz aller zionistischen Ortsgruppen statt, an der als Vertreter der Zionistischen Exekutive Dr. Werner Bloch teilnahm. Es waren alle Fraktionen vertreten. Die Konferenz nahm drei Referate entgegen: über die Lage in Palästina, über Organisationsfragen In Estland und über Kulturarbeit in Estland. Nach angeregter Aussprache Wurde die zionistische Arbeitsgemeinschaft für Estland konstituiert und eine Leitung gewählt, deren Mitglieder in Reval und Dorpat wohnen. — Die Anwesenheit von Dr. Werner Bloch wurde für zwei öffentliche Vorträge benutzt, die gut besucht waren. Man kann sagen, daß die bestandene pessimistische zionistische Stimnumg überwunden ist. Auch in Dorpat sprach Dr. Bloch mit größer Wirkung und gutem Erfolge. Nach da* Hauptversammlung des G-V. Von Gerhard Holdheim. Die Hauptversammlung des ״Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens“ hat mit der Annähme einer provozierenden antizionistischen Resolution geendet Was in diesem Zusammenhang interessieren soll, ist weniger die Kräfteverteilung im C.-V. und die politische Auswirkung des Beschlusses als das psychologische Wunder, das sich da vor unseren Augen offenbart Wie aus einer verklungenen Zeit lesen sich die Forderungen nach ״unbeirrter Pflege deutscher Gesinnung“, die Aengsie um die Möglichkeit eines Verlustes ״der Errungenschaften eines mehr als 100jährigen Emanzipationskampfes“ und die Ableugnung des jüdischen Volksbegriffs. Haben diese Herrschaften denn die letzten 10 Jahre verschlafen? Ist ihnen unbekannt geblieben, daß das ״jüdische Volk“ internationale Anerkennung gefunden, der Aufbau Palästinas zu einem national home von einer Einheitsfront von Politikern und Intellektuellen aller Kulturstaaten begrüßt und dabei oft genug (nicht nur in der Präambel des Palästinamandats) versichert worden ist, daß die politische Stellung der Juden in keinem Lande dadurch eine Beeinträchtigung erfahren könnte? Glauben die Redner etwa — um nur von Deutschland zu sprechen —, daß die Mitglieder des Pro Palästina-Komitees ein Verschwörerspiel gegen die jüdischen Staatsbürgerinteressen treiben oder gar daß sie kritiklos genug sind, um sich von den zionistischen Lockungen einfangen zu lassen? Fern jeder Polemik gilt die Frage, wie es überhaupt erklärbar ist, daß Juden von anerkanntem Bildungsniveau solche ungewollten Burlesken aufführen. * Will man sich mit einem Andersdenkenden auseinandersetzen, so muß man ihn zuerst zu verstehen suchen. Daß nicht jeder Jude für die Palästinabewegung Begeisterung empfindet, ist gewiß nicht verwunderlich. Die ״kompakte Majorität“ der Menschen, also auch der Juden, lebt stumpf dahin. Sie ist mit ihrem Beruf und ihrem persönlichen Wohlergehen so sehr beschäftigt, daß für die Rezeption größerer Zusammenhänge weder Zeit noch Neigung bleibt. Aber auch unter denen, die über den Tag hinausleben, wird ein großer Teil am Zionismus keinen Gefallen finden., Wir verstehen, daß es apolitische Naturen gibt die in künstlerischen und wissenschaftlichen Interessen aufgehen. Es ist uns nicht rätselhaft wenn Sozialisten den ihnen unbekannten Zionismus als ״bourgeoise“ Bewegung ablehnen. Und wir begreifen ganz gewiß den den Geist unserer Bewegung völlig verkennenden Ingrimm der geschworenen Antinationalisten. Haben wir eine Gegnerschaft, deren Motive wir verstehen und bei aller Divergenz sogar mitempfinden können, so bestehen Diskussions- und Aufklärungsmöglichkeiten. Man wird auch dann oft aneinander vorbeireden und nur bei bestimmten Partnerkategorien Erfolg haben. Aber man kennt wenigstens die Stelle, wo man anpacken muß. Man hat die Chance der geistigen Kommunikation. Ich traue mir zu, Kommunisten und Pazifisten (letzteren besonders gut, weil ich selbst einer bin) klar machen zu können, daß der Zionismus der Realisierung ihrer spezifischen Zielsetzungen nicht nur nicht entgegensteht, sondern durch die Einreihung in die eigene jüdische Volksgemeinschaft und den Willen zur Schaffung gesunder Lebensvoraussetzungen für das Judentum der einzelne Jude überhaupt erst die innere Freiheit erlangt, an der Verwirklichung seines Weltbildes erfolgreich zu arbeiten. Denn Zionismus ist keine Weltanschauung, sondern die Regenerationsbewegung eines atomisierten Volkes, in deren Mitte sich die geistig heterogensten Elemente sammeln, um erst einmal solche politischen, ökonomischen und psychologischen Voraussetzungen zu schaffen, daß der wahre geistige Kampf um die Ausgestaltung des Lebens überhaupt geführt werden kann. Eine solche Chance der befriedigenden Auseinander- Setzung ist nicht erkennbar, wo der Gegner mit Argumenten arbeitet, an die er offenkundig nicht glaubt oder ״Qneg Schabbath“ Bialik Ober Hebräisch und Jiddisch. Wir haben schon vor einiger Zeit kurz berichtet, daß sich in Tel-Awiw unter dem Namen ״S a b ba tb f re u d e“ (״Oneg Schabbath“) auf Initiative Bialiks eine Vereinigung gebildet hat, um den Sabbath in würdiger Form durch Beschäftigung mit geistigen Gegenständen zu feiern. Bialik war seinerzeit gegen Entweihung des Sabbath aufgetreten, er begnügte sich aber nicht mit dieser negativen Ermahnung, sondern er verstand, daß in dem modernen Palästina neue Formen des Feiems gefunden werden müssen. So entstand Oneg Schabbath, das immer weitere Kreise zog, und schließlich von Tel-Awiw auch nach Jerusalem und andere Städte Übergriff. In einer der letzten Nummern von ״Haarez'f •finden wir über die Veranstaltungen der Vereinigung einen Bericht, dem wir folgendes entnehmen: Die Veranstaltungen von Oneg Schabbath gestalten sich von Woche zu Woche zugkräftiger für viele Hunderte von Menschen, Mitglieder, die einen kleinen Mitgliedsbeitrag zahlen, und Gäste. Der Saal der Musikschule Sulamith, wo die Zusammenkünfte stattfinden, ist stets überfüllt von einer aus allen Bevölkerungsschichten und Altersstufen zusammengesetzten Menge. Die Referenten und die Gegenstände wechseln von Mal zu Mal, manchmal jedoch wird auch das Thema des vorigen Sabbath fortgesetzt Der Clou jeder Veranstaltung ist stets die Rede von Bialik, entweder atu Anfang oder am Schluß der Aussprache; Bialik versteht es, auch schwierige Gegenstände mit leichtem Humor und klarer Durchleuchtung zu einer wirklich genußreichen Unterhaltung zu machen. Die neue Einrichtung hat sich bereits zu einem lebendigen Zentrum der jüdischen Intelligenz und insbesondere der Jugend entwickelt An den letzten zwei Sabbathen beschäftigte man sich mit einer aktuellen Frage, nämlich mit der Frage des Lehr- Stuhls für Jiddisch an der Hebräischen Universität Bialik sagte, nach seiner Meinung sei eine» wissenschaftliche Erforschung der verschiedenen jüdischen Mischsprachen, die von den Juden im Galuth gesprochen werden, eine wissenschaftliche Notwendigkeit zum Verständnis der jüdischen Ent- Wicklung. Fanatismus in einer solchen Sache könne keinen kulturellen Nutzen bringen. Mit scharfen Ausdrücken wandte er sich gegen eine Einmischung der Politik in Fragen der Wissenschaft Ara darauffolgenden Sabbath verbreitete sich Blalik über das Verhältnis von Hebräisch zu den verschiedenen Galuthsprachen überhaupt Seitdem das jüdische Volk aus seinem Lande entwurzelt wurde, fand die hebräische Sprache auf ihrem Wege durch das Galuth stets eine andere Sprache, mit der sie sich vermählte, und durch die auch die Lebenskraft der hebräischen Sprache bewahrt wurde. Das jüdische Kind habe im Galuth die Bibel in der Uebersetzung der Volksspräche und dann tauch in der Originalsprache gelernt, und auf diese Weise wurde in seinem Munde die hebräische Sprache so lebendig wie die Umgangssprache. Dies habe er gemeint, als er vor einiger Zeit das Wort prägte, das Hebräische und das Jiddische seien ein ״vom Himmel gestifteter Ehebund“, ein Wort das von ejnigen falsch ausgelegt worden ist. Einfn ähnlichen Bund hatte die hebräische Sprache auch mit dem Aramäischen, mit dem Arabischen usw., und das jiddische werde zweifeil« dasselbe Ende nehmen wie die andern Hilfssprachen, die ihm vorhergegangep sind. In Erez-Israel bedarf das Hebräische keiner Hilfssprache mehr, und alle, die von einer Zweisprachigkeit auch in Palästina träumen, werden sich irren.. — Im Anschluß an Bialiks mit stürmischem Beifall aufgenommene Rede sprach der greise A. S. Rablnowitz, nach dessen Meinung das jüdische Galuth dadurch zu erklären ist, daß die Juden ihr Land und ihre Sprache vernachlässigt und bei den geringsten Schwierigkeiten andere als Ersatz genommen haben. Von nun an wird, wie Bialik mitteilt die Institution des Oneg Schabbath dahin erweitert werden, daß an jedem Sabbath- Vormittag Bibel nebst Midrasch und Agadah vorgetragen und besprochen wird. Jede Veranstaltung des Oneg Schabbath wird beendet mit Gesängen und mit feierlicher Hawdalah. % Das große Interesse, das sich für diese Veranstaltungen zeigt ist gewiß auf die zentrale Persönlichkeit Bialiks zurückzuführen. Aber die Uebertragung dieser Sitte in andere Städte beweist auch, daß hier ein wirkliches Bedürfnis erfaßt worden ist und diese Institution, die noch in ihren Anfängen steht zu einer neuen jüdischen Volkssitte zu werden geeignet ist. Väter und Sohne Josua Jeboudas Romane, besprochen von Dr. Nadja Stein. Josua Jehoudas neues Buch ״Von Vater zu Sohn1‘׳) ist zwar noch entfernt von Meisterschaft, wie sie Jean Richard Bloch erreicht hat, noch widerstrebt der Stoff stellenweise spröde der Gestaltung, aber doch hat es die Elemente eines Kunstwerks achtunggebietend vereinigt. Die Handlung, die mit der Ankunft der pogromverängstigten kindcrrc'chcn Familie des russischen Schneiders Moische Semski am Zürcher Balmhof einsetzt, fesselt vom eriten Augenblick an durch die Wahl ihres Vorwurfs und die glücklich festgehaltenen Detai's und entwickelt sich einheitlieh und ungezwungen ihrem Leitgedanken entlang: der_ Loslösung der jüdischen Söhne von ihren Vätern. Auch verrät die Zeichnung vieler Szenen und der Hauptcharaktere unverkennbar den Künstler und fügt eine |cue Serie klassisch geschauter Typen zu der reichen Sammlung, die die jüdische Literatur davon aufzuweisen hat. Doch nicht vom kühlen literaturkritisehen Gesichtspunkt wird der jüdische Leser das Buch in erster Linie werten. Zu nahe rühren dessen Fragestellung an die Grundfragen nationalen und mcnschheitlichen Seins und Werdens. ״Weil cs keine geistige Autorität mehr gibt, verheert das Chaos die Welt. Das Gewissen ist abgeschafft, die Selbstsucht allein leitet die Menschen. Daher ist auch das Geld Herr und Meister über alles. Auch zwischen Vätern und Söhnen hat es die Kontinuität zerrissen. Durch sein lebendiges Beispiel muß Israel die Autorität in der Welt wieder aufrichten: die Autorität des Vaters über den Sohn, die Autorität des Geistes über die Materie, die Autorität des wahren Führers über die Menge.“!) Josue Jehouda: De pere en fils Paris. Bernard Grasset, 61 Rue des Saint Peres. 1927.

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