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Jüdische Rundschau · 1928-02-17 · Heft 14 (17.2.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 14 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
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. 1928 Nr. 14, 17. IL 1928 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 99 m C.-V. tum ihre!gestrebte 181er und! Ike angeier Juden | tegt. opagancaj sung von eltung zu hes Vor■ .udwi g ddenburg| :ung der Abwehr 1 ist bis• nur den Vir deutdeutschen ituras ist1 Prüfung eds wäre ä s t i n aährte u!tdergrund, it allen mso Geist über• eine Tatier Welt,!npolitisere m zugeben, erk ünhe ist, llusionlert if Grund a-Auf- 1 unserem Brodi (Mainz), endorf me einer md Tolc- 1, Rabb. (Königsransigent Ursch- Sonntag 0 s i t i v e r Aufgefordert, : Fest- 1er C.-V. esinnung. anz. Mit nstein Resolution •4׳'Vi ■!Hrt 1 in Pro neu Dr. >rt. Di־. Gelegenistinarhobenen Gerüchte, gsver» und Dr. hwund linder ie falsche lern Miß-!der fort, 1 wiederhe Pad, allein u för* beiträgt, jüdischen f in vorwerden, über die t. 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Der zweite Beitrag, mit dem wir beginnen wollen, ist eine Anzeige von Alfred Wieners ״KritischerRcise durch Palästina“, die an dieser Stelle in Lichtheim einen so überlegenen Kritiker der Kritik gefunden hat Jacob mißt seiner Glosse grundsätzliche Bedeutung zu, denn er ermächtigt den Herausgeber der Zeitschrift, Prof. Dr. Goldstein, auf sie als auf seine Antwort hinzuweisen gegenüber den im gleichen Hefte abgedruckten Briefen von Hans Kohn und Robert Weltsch*). Diese Wiener-Kritik hat in der Tat grundsätzliche Bedeutung, wenn auch in einem anderen Sinne, als der Verfasser meint. — Zunächst einige Proben des vornehmen, einer Zweimonatsschrift angemessenen Stils: ״Gegenüber gewaltsamer Aufblähung einer Sache und Verdeckung ihrer Mängel durch künstliche Rauchentwicklung . . .“ So fängt es an. Der Herr Rabbiner will dadurch mit jener Wahrheitsliebe, die ihm sein hohes Amt gebietet, darauf hinweisen, daß Wieners kritische Bemerkungen sich so gut wie ausschließlich auf Innerzionistische Selbstkritik stützen. Er sagt es freilich in einer etwas eigentümlichen, für manche vielleicht mißverständlichen Weise. Gar nicht mißverstandlieh ist aber der Grad der Achtung, den man in Dortmund Welzmann entgegenbringt: ״Die Agenten, an der Spitze der Großmeister Chaim Weizmann, durchziehen Jahr für Jahr die Linder . . .״ — Ein Beispiel für den ״Größenwahn“ des Zionismus ist ״die mit gewaltigen Paukenschlag erfolgte Gründüng der ,Jüdischen Universität* In Jerusalem — ein Messer ohne Griff, dem die Klinge fehlt.“ Gleich dahinter steht, vollends unerträglich, ein warmes Lob für die Chaluzim, die sich sicherlich — wenn es sein müßte: ״mit ungewohnten Händen“ — dafür bedanken würden. In dieser Tonart wäre man beinahe versucht, Jacob zu antworten, in dieser, seiner eigenen, rüden und ungebildeten Tonart, wenn man nicht — Zionist wäre. Wenn man nicht als Zionist wüßte, daß dieser Mann nicht nur der alles Maß vergessende böse Hetzer gegen die zionistische Palästina- Arbeit ist, sondern auch, sondern vor allem ein großer jüdischer Gelehrter. Wenn nicht dasselbe Heft des ״Morgen“, das diese — wohl absichtlich — verletzenden Schmähungen enthält, wiederum eine kostbare Probe aus der echten Gedankenarbeit Dr. Jacobs brächte, wenn man nicht durch sie wiederum daran erinnert würde, daß in seinem werdenden Kommentar zur Bibel vielleicht ein Werk erwächst, das in seiner Art neben Buber-Rosenzweigs Uebersetzung gestellt werden könnte und das jedenfalls in den gleichen geistesgeschichtlichen Zusammenhang gehört. Und wenn man nicht durch dies alles, als Zionist, vor ein wesentliches jüdisches Problem gestellt würde: vor die Psychologie des jüdischen Gelehrten, der ein Assimilant ist Dieser Typ Ist ja nicht neu, sondern hat in gewisser Weise die Entwicklung der eigentlichen ״Wissenschaft des Judentums" beherrscht Leopold Zuns schreibt seine ״Namen der Juden“ im Jahre JS37, weit die preußisch i Regierung die Annahme der deutsch-christlichen Namen verbieten wollte. Demgegenüber wies er u. a. nach, daß es immer eine Namensassimilation in Israel gegeben habe Ist dies nur ein Beispiel für viele, so darf man andererseits sagen, daß die heutige jüdische Wissenschaft von diesem Wege umgekehrt ist: Es sei z. B. an das begrüßende Vorwort erinnert, das Ismar Elbogen Bialiks hebräischer Zeitschrift ״Dwir“ vorangeschickt Hat Aber man könnte auch an ein jüngstes Zeugnis dieser Art denken: Prof. Michael Guttmanns, Breslau, soeben erschienenes großes Werk ״Das Judentum und seine Umweh** enthält im Vorwort den Satz: ״Ein größerer Ausschnitt des Gesamtwerkes bildete den Gegenstand des ersten Kollegs, das der Verfasser an der Hebräischen Universität zu Jerusalem im Wintersemester 1924/25 gehalten hat. Der regen und allseitigen Teilnahme, die den Vorlesungen auf geweihter Stätte neuen Schaffens und Wirkens zuteil wurde, sei auch hier mit aufrichtiger Anerkennung und inniger Rührung gedacht.“ (Nebenbei: es Ist möglich, daß Herr Dr. Jacob die eben ף S. ״Jüdische Rundschau“ Nr. 13. Vorlesnng Hans J. ReMisch (Hochschule für die Wissenschaft des Judentums.) Vor einer zahlreichen Zuhöresschar las am Montagabend im großen Saale der Hochschul e.fürdie Wissenschaft des Judentums der bekannte Dramatiker Hans J. Rehfisch aus ungedruckten Werken. Es war ein Novum, daß man den Männern der Wissenschaft, die sonst von dieser Stätte aus zu den Lernenden sprechen, hier den schaffenden Künstler zugesellte. Rehfisch wählte für die Vorlesung den zweiten Akt seines ungedruckten Dramas ״Pietro Aretino‘*, das im nächsten Herbst im Berliner Staatlichen Schauspielhause aufgeführt werden wird. Aretino, der ein Spötter war und dennoch von Tizian gemalt wurde, ist ihm Lügner und dennoch Wahrheitsfreund, Vorläufer Shaws und Voltaires, unerschrockener Kämpfer für Milde und Menschlichkeit (der z. B. als erster die Abschaffung der Folter verlangte), aber auch der erste Journalist, der mit seinen fürstlich bezahlten Lob- oder Schmähgedichten die neue Macht des Erpressers oder der Presse (das böse Wortspiel gehört Rehfisch, nicht mir) darstellt. Ein merkwürdiger und kühner Versuch einer historischen Rettung, der offenbar mit sichern dramatischen Instinkt angefaßt ist. Rehfisch las den zweiten Akt seines Schauspiels, dem er leider nicht, wie zuerst beabsichtigt, den Schlußakt noch hinzufügte. Dadurch wirkte das Bruchstück vielleicht allzu sehr nur wie eine Zustandsschilderang des zügellosen Lebens in Pietro Aretinös Palast in Venedig, wo frühere, jetzige und zukünftige Geliebte des Hausherrn ihr Wesen treiben; seelisches Gegenbild soll offenbar die schöne Fremde, die junge Calvinistin Perina dei Ricci bilden, die er in schwerer Krankheit pflegte, um deren Liebe er wirbt (in ein wenig zu wortreichen Reden), die sich ihm entzieht, um bei dem jungen Francesco Sansovino zu erkennen, daß nach dem Worte ihres Meisters Calvin ״jeder Kuß — Schicksalschluß!“, wie es C. F. Meyer einmal ausdrückte. — Man konnte und kann als unbeteiligter Hörer dieser Vorlesung in der Hochschule!für jüdische Wissenschaft einen ernsten, ja bitteren i Zweifel nicht unterdrücken. Diese Dichtung, der wir uns im j Theater wahrscheinlich mit Spannung hingeben werden, war I an dieser ehrwürdigen Stätte völlig fehl am Ort. Dem sehr gepflegt und kultiviert ausschauenden jungen Dichter hätte man | diese — gelinde gesagt: Stillosigkeit am liebsten nicht zugetraut ״wisse, vor wem du sprichst 1“ hätte wohl Reb Simche I Rehfiscb seinem Enkel zugerufea. — Dem Dichter zu Häupteo, zitierten Worte zu Gesicht bekommt denn Guttmanns Buch ist im Philo-Verlag erschienen, also zionistischen, ״Größenwahns“ unverdächtig. Vielleicht wundert er sich dann doch, daß dies ״Messer ohne Griff, dem die Klinge fehlt“, Prof. Guttmann, der doch die Rabbinerseminare von Wien, Budapest und Breslau genau kennt, so tief — ins Herz gedrangen ist. Allerdings — war Guttmann in Jerusalem, Jacob stets nur in — Dortmund. Und dies ist das Eigenartige am Falle Jacob; er hat, beinahe als Einziger und sicher als Letzter, diese Umkehr nicht mitgemacht, und wir können an ihm, wie an einer Versteinerung im Museum, die Züge einer abgelaufenen Epoche studieren. Es sind merkwürdige, höchst widerspruchsvolle Züge, ln dem ersten der beiden erwähnten Aufsätze setzt Jacob seine wunderschönen ״Einführungen in das I. Buch Mose“ mit einem neunten Beitrag über Isaak fort, der ״Des Vaters Segen“ betitelt ist. Hier ist er ganz Jude — sowohl in der Abwehr der quellenscheidenden Bibelkritik, wie auch in der temperamentvollen Hervorhebung Jakob-Israels gegen Esau-Edom. Nicht nur das Bibelwort lebt in ihm, sondern die ganze, höchst nationale mündliche Tradition, die in den beiden feindlichen Brüdern das jüdische Volk und seine nichtjüdischen Gegner verkörpert sah. Es ist uns, als Zionisten, die wir uns über unser Nationaljudentum und seine Grenzen klar sind, ein sogar allzu naiver Nationalisraus, den wir zurückweisen müssen, wenn Dr. Jacob von seinem Feinde Edom schreibt: ״Und doch Ist dieser Wilde kein schlechter Sohn und ein gefühlvoller Mensch. Er will den Bruder totschlagen — aber die Trauer um den Vater will er doch erst abwarten. Wahrscheinlich hat es im Edomitischen auch ein Wort für ,Gemüt* gegeben.“ Trotz dieses unseren leisen Protestes im Namen der Humanität — als deutsche Staatsbürger wollen wir nicht annehmen, daß in dem Hinweis auf das ״Gemüt" eine Verhöhnung gerade der Deutschen liegen soll, die sich bekanntlich dieser Eigenschaft besonders rühmen; trotz solcher Einwände also dürfen wir uns freuen, mit welcher Unbefangenheit im übrigen vom ״jüdischen Volk“ oder von spezifisch jüdischen Eigenschäften gesprochen wird und wie etwa das besondere jüdische Geschichtsschicksal in dem Satze aufkiingt: ״Der heimatslose, rechtlose, schutzlose Jude hat nur Eines, was ihn retten konnte, sein Geld. Nur mit ihm konnte er sich das Recht zu leben von seinen Drängern erkaufen und sich fluchtbereit halten.“ Ist es zu glauben, daß dieser selbe Mann im gleichen Heft den folgenden Satz druckt: ״Die zionistische Propaganda macht für dieses Land (Von mir gesperrt E. S.) einen Lärm, als wenn es sich mindestens um die Entdeckung, Eroberung oder Besiedelung eines Erdteiles handelt . . .“? ״Um dieses Land!“ So spricht ein Rabbiner, mehr: ein Thoragelehrter, von Erez-lsrael, das er übrigens niemals mit diesem Namen nennt, sondern immer ״Palästina“ und nur einmal, bei der schlimmen Chahizimstelle, in ironisierenden Anführungszeichen das ״Land der Väter**. Was sollen die Anführungszeichen, Herr Rabbiner? Was soll die Ironie, Herr Thoragelehrter? Ist Erez-lsrael das Land Ihrer Väter nicht? Sagen Sie wirklich das ״Euch, und nicht mir*' — wie jener Sohn in der Haggada, und bezeugt nicht Ihre eigene Darstellung der Väter Abraham, Isaak und Jakob, daß ״dieses Laad“. ׳ihr ׳Land, war; da«'La!#'der* VäterF'' Des Rätsels Lösung ist klar: Spaltung des Bewußtseins, Verdrängung, Auslösung eingeklemmter Affekte oder ähnlich würde es die Psychologie nennen: beobachtet an einem Gelehrten, dem Wissenschaft und Leben auseinandergefallen sind. Wir aber billigen in Zukunft Herrn Dr. Jacob mildernde Umstände jeder Art zu, wenn er wieder einmal wegen Beleidigung Erez-Israels und des jüdischen Volkes auf unserer Anklagebank sitzen sollte. Denn wir wissen: er Ist seines hohen Geistes nicht mächtig, wenn er auf den Zionismus zu sprechen kommt Wir, als die ersten einer neuen Zeit, bezeugen ihm, als dem letzten einer alten, im übrigen die schuldige Ehrfurcht, lernen, gerade wir, von Ihm, wo er unser Lehrer sein kann, und wollen ihn in Zukunft mögliehst meiden, da, wo er unser Hasser ist. Im ganzen glauben wir, ihm auf diese Art am besten jene kritische Gerechtigkeit erweisen zu können, die er selbst und sein Wiener unserem Palästina — denn s i e wollen es ja nicht, — so ganz und gar schuldig geblieben sind, jene Gerechtigkeit, die Friedrich Schlegel in den Worten gefordert hat: den Autor besser zu verstehen, als er sich selber versteht von der Vortragslampe etwas ungewiß beschienen, hing ein Bild: das scharfgeschnittene Profil Abraham Geigers sah auf den Vorleser herab; mir scheint, der alte Herr hatte ein stark ironisches Zucken um die Mundwinkel.... Bath Hillel. Abend der palästinensischen Btthne Am Chamischa Assar b’schwat (6. Febr.) feierte der B e t h Waad Iwri im Logenhaus, Kleiststraße 10, einen Abend der palästinensischen Bünne, an dem sich die Künstler aus Palästina, Frau Mirjam Bernstein-Kohan, Jehudit P e r k a (, Meir Teomi, Raffael Klatzkin beteiligten. Es wurden aufgeführt: 1. Samum von Strindberg, hebräisch Mirjam Bernstein-Kohan. 2. Miß Puderina, von Awigdor Hameiri (aus dem Repertoire des satirischen Theaters Hakumkum in Tel-Awiw). 3. Habur (bearbeitet nach dem ״Bären“ von Tschechow). Mirjam Bernstein-Kohan war die Hauptgestalt in Samum. Es gelang ihr, trotz der primitiven Bühneneinrichtung und den Schwierigkeiten, die mit der Aufführung eines so problematischen Stückes wie Samum von Strindberg verbunden sind, einen außergewöhnlichen Eindruck zu hinterlassen. Man sah in dieser Schauspielerin von großem Maßstab Temperament und weitgehende Theaterkultur; sie war eine wüstenechte, orientalische ״Biskra“. Miß Puderina, satirischer Sketch über vereinzelte negative Galuthtypen in Erez-lsrael, die im Ableben sind: Miß Puderina (ausgeführt von Jehudit Perkal), Tochter eines Juden vom alten Jischuw, möchte gern ihre jiddische Herkunft, die sie verachtet, verbergen und liebt den Engländer John Cohn, weil er Nichtjude ist. Er heiratet sie. Wie cs sich aber später herausstellt, ist Mr. John Cohn (Meir Teomi) ein Jude des Namens Joschke Cohn. Das Publikum lachte herzlich über die entzückende Puderina. — Raffael Klatzkin, der den Vater spielte, erwies sich als Charakterdarsteller von großen Fähigkeiten. im >tHabur“ hatte Meir Teomi Gelegenheit, seine Begabung, sein Können und seine Technik zu zeigen. Der Abend war eine durchaus angenehme Abwechslung für den hebräischen Zuhörer, besonders nachdem er bisher bloß historische, problematische und mystische Dramen auf der hebräischen Bühne (Habimah, wie auch die Truppe von Gnessin, die in Berlin gastierte) sah. Hier war modernes Leben und lebendige Sprache. A. G. Dunam oder Aktie Selbst Ungenauigkeiten im Munde geistreicher Menschen wirken anziehend. So ist auch der Ausspruch von Professor Julius Hirsch in seinem großen Vortrag bei der Haupt- Versammlung des Central-Vereins über die Gefahr, daß die jungen Juden in Deutschland bald besser wissen werden, was rin Dunam ist, als was eine Aktie bedeutet, trotz seiner sachliehen Unrichtigkeit faszinierend. Es ist leider noch lange nicht so, daß sich das Interesse der jüdischen Jugend in Deutschland einem natürlichen mit der Muttererde verknüpften Leben zuwenden würde. Tatsächlich spielen in den Träumen des jüdischen Nachwuchses Aktien eine größere Rolle als die Sehnsucht, zu einem natürlichen Leben zurückzukehren. Den Satz von Julius Hirsch möchten wir aber als Devise akzeptieren; Oh, daß doch bald die Zeit käme, in der unsere jungen Menschen besser Bescheid wissen in Bodenflächen als in Kapitalsanteilen! Und wenn sie sich schon für den Boden interessieren werden, so ist es unser Wunsch, daß sie nicht an Morgen und Joch, sondern an Dunam denken. Denn i!> diesem Begriffe Dunam steckt nicht nur Boden schlechthin, sondern jüdischer Boden. Immerhin ist es erfreulich, daß in der letzten Zeit von Gegnern unserer Bewegung auf ״Gefahren“ hingewiesen wird, die nach unserer Ansicht ein Erfolg der jüdischen Renaissancebewegung sind. Vor einigen Wochen konnten wir feststellen, daß man einen Warnungsruf gegen die ״Verjudung der Juden“ ausgestoßen hat, weil diese sich wieder mit jüdischer Wissenschaft und jüdischen Angelegenheiten beschäftigen. Nun warnt Julius Hirsch vor der Gefahr, daß unsere jungen Menschen den Willen bekunden, innerlich die Zerrissenheit unseres Diaspora-Daseins zu überwinden. Hoffentlich haben beide Warner mit ihren Prophezeiungen recht! * Bei den Verhandlungen des Central-Vereins wurde immer als besonderer Trumpf gegen den Zionismus ausgespielt, daß Palästina klein ist und auch im besten Falle nur einen geringen Teil der Weltjudenbeit aufzunehmen in der Lage sein wird. Diese ״Enthüllungen“ sind nicht neu. Palästina ist schon vor 3000 Jahren klein gewesen und vor 20(» Jahren, als das jüdisclp Gemeinwesen in Erez-lsrael noch bestand, lebten in der damaligen Diaspora fast ebensoviele Juden wie in Palästina. Was aber ist mit diesen Hinweisen auf die Kleinheit Palästinas dargetan? Sind dadurch die seelischen und moralischen Nöte der Judenheit in der ganzen Welt zerstört? Hört, da Palästina klein ist, das Leben eines Durchschnittsjuden in der ganzen Welt auf, problematisch zu sein? Ist es darum weniger notwendig, Selbstbewußtsein zu erwerben und neue Würde ins jüdische Dasein zu tragen? Und wenn auch nur wenige Juden in Palästina leben werden, wird denn damit entschuldigt sein, daß das jüdische Gemeindeleben z. B. in Deutschland so inhaltslos geworden ist? Diese ganze Argumentierung des C.-V. durch Banalisierung des Zionismus ist nicht nur unlogisch, sondern geht am Kernproblem der jüdischen Gegenwart vollkommen vorbei. Zionismus ist nämlich ein ewiges Ideal. Gott sei Dank ist durch unablässige Aufklärung das Gefühl, und darauf kommt es an, für die Imponderabilien des Zionismus auch in der deutsch-jüdischen Gemeinschaft s«'״stark gewn*־fcB, Hiß' derartige Spiegelfechtereien nfcKt mehr verfangen. Beweis: das Fehlen von Jugend im C-V. und der Mitgliederschwund, von dem die Delegierten aus der Provinz so viel zu erzählen wissen und der, auf Grund eigener Erfahrung können wir das behaupten, den Tatsachen entspricht, obwohl das Zentralbüro des C.-V. mit der offiziellen Dementierspritze rasch bei der Hand war. * Wir haben schon darauf hingewiesen, daß leidenschaftliches Interesse auf der Tagung des C.-V. sich nur in den Fällen einstellte, wo der Streit um inner jüdische Angelegenheiten ging. Selbstverständlich: es kann ja auch nicht anders sein. Ob der Central-Verein es wahr haben will oder nicht, gegen seinen Willen ist es doch nur ein jüdischer Verein, trotzdem er bei jeder Gelegenheit betont, für deutsche Gesinnung zu kämpfen. Sicherlich sind die meisten Juden in Deutschland in vielfacher Beziehung deutsch, aber das Deutschtum dieser Juden wie überhaupt das Deutschtum im allgemeinen ist in keiner Weise gefährdet Für dieses Deutschtum sorgen außerhalb des C.-V. stehende Faktoren, wie z. B. der Reichspräsident und die Reichsregierung viel besser und nachdrücklicher, als Büchsen -Wirbel Purim naht — und da mehren sich in meinem Einlauf die Anfragen derer, die aus irgendeinem Grunde mich in solcher Frage für kompetent halten, welches Stück ich ihnen zur Aufführung beim Purimfeste empfehlen könnte. Um meinen Anfragern und mir Porto und Mühe zu sparen, sei hier auf ein wirklich nettes neues Stück hingewiesen. Leider Gottes mußte ich im vorigen Jahr noch fast beschämt den Mangel solcher Purimstücke eingestehen. Also da hat der Dr. M e c h n e r aus Mährisch-Ostrau — allen Besuchern des letzten Kongresses als Leiter der Kongreß* Organisation bestens bekannt — ein Stück geschrieben: ״Büchsenwirbe 1“. Die Büchse, um die sich der Wirbel dreht, ist unsere blaue N. F.-Büchse. Das scheint weiter kein dramatischer Gegenstand, aber er hat’s verstanden, um diese Büchse herum eine kleine amüsante Handlung entstehen zu lassen und im Namen des Dreiakters entrollt sich, was man sich nur träumen und wünschen kann — als N. F.-Mensch und als Purimdramaturg. Vor allem: er hat prächtige Rollen geschrieben, in denen sich unsere Purim-Amateure ausleben können und es ist Gelegenheit und Platz genug, um das Stückchen mit aktuellen und lokalen Pointen zu besetzen. — Bewußt verzichtet der Autor auf literarische oder dichterische Allüren und hat in der witzigen, anspruchslosen Art gerade das erzielt, was wir brauchen — ein leicht aufführbares, amüsantes Theaterstück, das ohne großen Aufwand inszeniert werden kann und das nebenbei in unaufdringlicher, liebenswürdiger Form eine originelle, neuartige Agitationswirkung ausübt. Das Stück, erhältlich durch die N. F.-Organisation Mährisch- Ostrau, sei allen Purimregisseuren und Festveranstaltern — es muß nicht gerade am Purim sein — aufs wärmste empfohlen. Sammv Grone mann. Das Institut für intellektuelle Zusammenarbeit des Völkerbundes hatandieJerusalemerNationalbibliothek die Einladung ergehen lassen, an dem von dem Institut verbreiteten Bande für Historische Bibliographie des Jahres 1027 mitzuarbeiten. Gleichzeitig wurde die Jüdische Nationalbibliothek eingeladen, im Verein mit den Nationalbibliotheken Deutschlands und der Oesterreichs die Abteilung für Religionsgeschichte des erwähnten Bandes zu redigieren.

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