Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 13 (14.2.1928)
- Date
- 1928-02-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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928 Nr. 13, 14. IL 1928 JUEDI5CHE RUNDSCHAU Seite 98 3.) vorher s so- ״Die euch.) lästina icheint ו und ilaube,? des 5 proonder-!rsten. Form, 1 verdieses zuzuingste diese t den» enheit eine seiner isches d des i des mpels!r der folgfran- Liebe, nach nach einer igung auch Seich- , har• st es ieden- 1 den lerten sehe seines i, die reifen udenmmer inheit hnen, und fl s der ung“. ® Int ichteif dem Irasch Jahrdie »gen, t der »ehe« t be* Doch Ströauch t, das curojüdigend. ichen!habt, ntüch tierte Die Hauphrersammlung des Central-Vcretns Die Hauptversammlung des Ccntral-Vereins befaßte sich 311 ihren ersten zwei Tagen größtenteils mit internen An- Gelegenheiten des Vereins, wie Satzungsänderungen, Wahlen, fiesehäftsdebatte usw. Gemäß ausdrücküchen Weisungen des Präsidiums wurde über innerjüdische Fragen nicht gesprochen, da dies dem dritten Verhandlungstag vorbehalten bleibt. Dem Beobachter mußte es jedoch auffallen, daß die Versammlung den Berichten über Bekämpfung des Antisemitismus sowie den Versicherungen der Redner über die Verbundenheit mit der deutschen Heimat ziemlich teilnahmslos lauschte, und nur dann lebendig wurde, wenn das Wort Zionismus oder Palästina fiel. Besouders eine temperamentvolle Gruppe in einer Ecke des Saales sorgte dafür, daß jede antipalästinensische Bemerkung eines Redners mit entsprechendem Beifall unterstrichen wurde. Dies war auch der Fall bei dem im übrigen recht intercssanten Referat des früheren Staatssekretärs Prof. Julius Hirsch über die Stellung der Juden im deutschen Wirtschaftsleben. Hirsch sagte verschiedenes, was wohl auch im C.-V. kontrovers ist; er wendete sich gegen die Tendenzen einer Berufsumschichtung und Normalisierung, aber auch gegen, die Tendenzen einer unbedingten Assimilation und betonte, daß gerade die jüdische Eigenart, die die Juden zu bestimmten wirtschaftlichen Funktionen innerhalb der deutschen Wirtsehaft prädestiniert, bewahrt und erhalten werden müsse. Er vertrat also eine Art Galuth-Nationaüsmus, wenn er auch natürlich das Wort Nationalismus nicht gebrauchte und nur von dem jüdischen ״Stamm“ redete (daß der Zusatnmenhang der Juden in erster Linie ein religiöser ist, wie die C.-V.-Idcologie behauptet, könnte natürlich dieser Redner nicht unterschreiben). Herr Hirsch sagte dem C.-V. auch einige deutliche Wahrheiten über die naive und wirkungslose Art seiner Abwehrmethode. Man sollte cs unterlassen, den Einfluß der Juden in der Wirt- Schaft in öffentlichen Erklärungen abzulcugnen, da man mit dieser Methode keinen Menschen überzeugt, am wenigstens die, an die man sich zu wenden scheint, dagegen das jüdische Selbstgefühl beeinträchtigt. Prof. Hirsch polemisierte aber auch, obwohl das im Rahmen des C.-V. wohl ziemlich überflüssig war, gegen das übermäßige Interesse an Palästina, das z. B. die jüdische Jugend von der Beschäftigung mit den Problemen der deutschen Wirtschaft abhalte. Hier fand er ebenso rückhaltlose Zustimmung des C.-V. wie bei seinen Hinweisen auf die Kleinheit des in Palästina heute wohnenden Bruchteiles der Wcltjudenheit. Hirsch erklärte, er wolle keine Meinung über das Gelingen des zionistischen Experiments aussprechen, deutete aber seine ablehnende Meinung immerhin deutlich genug an, um des Beifalls der Versammlung gewiß zu sein. In anderem Zusammenhänge, als er über die Bildungsnot der jüdischen Jugend sprach, machte Herr Hirsch ganz überflüssigerweise einige geringschätzige Bemerkungen über die Universität ״in Asien“, die nicht einmal in einer Weltsprache geführt werde, und strich demgegenüber den Plan einer ״Völkerbund-Universität“ heraus, der wahrscheinlich viel weniger Realität besitzt, aber von den kritischen Zuhörern schon darum Bejubelt wurde, well man darin ein Gegenargument gegen die Universität Psychologie. Mäuschenstille herrschte im Saal, als Prof. Hirsch die Bedeutung der Minderheitenprobleme unterstrich upd darauf hinwies, daß die größten Minderheiten in Europa nicht die jüdischen, sondern die deutschen sind. Das ist bekanntlich ein sehr heikler Punkt, denn der C.-V. würde wahrscheinlich sehr gern für die deutschen Minderheitsrechte cintreten, wenn dies nicht eine Anerkennung des Prinzips der Minoritätenrechte überhaupt beinhaltete und diese Rechte dann auch den jüdischen Minoritäten zugute kämen. So bot das Referat Hirschs und das Verhalten seiner Hörer ein interessantes Musterbeispiel der widerspruchsvollen und inkonsequenten Haltung des Assimilationsjaden in allen Juden und Judentum betreffenden Fragen. Die von Hirsch aufgeworfenen Probleme sind gewiß sehr ernst und bei der Kompliziertheit des jüdischen Schicksals gibt es wohl auch keine primitiv gradlinige Lösung. Aber sobald innerhalb eines bestimmten Zusammenhanges über eine zionistische Frage gesprochen wird, geht sofort jede Objektivität verloren und die Affekte haben das Wort, auch wenn sie noch so gebändigt erscheinen. inter- und 1 der hielt reizte 1 und!!, als weil Wir 1 beüben, Brot bisse iguat Am dritten Verhandlungstage, Montag Vormittag, erstattete Dr. Ludwig Holländer sein Referat über ״Abwehrverein oder Gesinnungsverein“. In diesem Referat setzte sich der Redner fast ausschließlich mit dem Verhältnis des C.-V. zum Zionismus und zur Palästinafrage auseinander. Er wandte sich gegen die Tendenz, Nationaljuden als mindere Staatsbürger zu betrachten und erklärte, der Hauptunterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten bestehe weniger in Gegenwartsfragen als vielmehr in der Auffassung der jüdischen Zukunft. Was Palästina betrifft, so müsse der C.-V. als solcher jedem Mitglied die Stellung freigeben, obwohl Referent selbst persönlich gegen eine Beteiligung am Palästinawerke sei. An das Referat schloß sich die weitere Aussprache, die bet Redaktionsschluß noch andauert. Es liegt auch eine Resolution des Herrn Meckfenbürg (Chemnitz) vor, der eine aktive antizionistische Aufklärungsarbeit des C.-V. verlangt. sechs :inen vor 5 ich , als 1 — igert gemit wir eich-! der imer!ahm inde. Die C.-V.-Kundgebung im Capitol Das Arrangement der großen C. V.-Kundgebung im Capitol iag in den Händen von Leopold Jessner, und die Durchführung Jes musikalischen Programms bei einem Trio, bestehend aus Georg Kniestädt, Michael Raucheisen und Eva Helnitz. Kunstlerisch stand also diese Demonstration auf großer Höhe. Die Versammelten gehörten fast durchwegs dem bürgerlichen Mittel- Rande an. Auffallend das Fehlen von jungen Menschen. Das kam auch in der Aussprache von Dr. Paul Lazarus zum Ausdruck. Tiefbetrübt stellte er fest, daß in Deutschland der Antisemitismus stärker sei denn je, daß der in den Hoch-;chulen sich heranbildende Nachwuchs der Gebildeten im Geiste des Judenhasses aufwachse. Dazu kommt der Zerfall des deutsehen Judentums: Mischehen und Austritte dezimieren die Judenheit in Deutschland. Im Grunde waren die Ausführungen auch der anderen Redner, mit Ausnahme Georg Bernhards, auf den gleichen elegischen Ton gestimmt. Doch keinem dieser durchaus von ihrer Sache überzeugten und ehrenhaften Mahner Fiel es ein, tiefer nach dem Grunde dieser beklagenswerten Erscheinungen zu schürfen. Es ist unmöglich, eine Bewegung wachzuhalten und sie für die heranwachscnde Jugend anziehend zu machen, wenn diese Bewegung nicht konkrete Ziele weist, um derentwillen es sich nötigenfalls auch verlohnt, sich ganz dazasetzen. Es fehlt dem C.V. der. Chaluz und wird Ihm tarnet: fehlen. Das liegt aber nicht an dem Mangel der Begeisterurtgs- und OpferfähigKelt der jüdischen Jugend, sondern offenbar an der Ideologie des C. V. Aus dem Rahmen der Ansprachen fiel die kurze Rede Georg Bernhards, die auf einen ganz anderen Ton gestimmt war als die Beteucrungs- und Entschuldigungsworte der andern Redner. Georg Bernhard stellte fest, daß die Bindung des jüdischen Volkes (ausdrücklich jüdischen Volkes) nicht!111 r im Religiösen bestehe, sondern sich außerdem auf zahlreiche andere Elemente stütze. Er sprach von der Tapferkeit des Bekennertums, er predigte Toleranz gegenüber jüdisehen und nichtiüdischen Richtungen, insofern diese sich mit der Ehre des jüdischen Volkes vereinbaren lassen. Als Ziel der Juden in Deutschland stellte er die ״Selbstverständlichkeit des Lebens“ hin; formale Gleichberechtigung genüge nicht. Die unterschiedliche Behandlung der jüdischen Minorität müsse steh letzten Endes an der Majorität rächen. Mit den Worten Juda Makkabis ״Chasak, chasak, wenischasak“ schloß er seine Anspräche. Auffallend war in den Reden die Verwendung von Wendüngen und Begriffen, die der zionistischen Ideologie entnommen sind. Wenn von stärkerer Betonung des Judentums die Rede war, quittierten die Zuhörer derartige Wendungen mit Beifall, während sie bei den solennen Beteuerungen, man sei durchaus loyal und zuverlässig, stumm blieben. Nicht etwa darum, weil die Juden nicht loyal und staatstreu sind, sondern weil derartige Selbstverständlichkeiten doch nicht den Inhalt eines Programmes ausmachen können. Knndgebnngen gegen Sir Allred Mond London, 11. Februar. (J.T. A.) Die Ankunft Sir Alfred Monds in Bagdad hat — wie die Londoner Zeitungen berichten — zu turbulenten Kundgebungen von Arabern gegen ihn geführt. Es kam zu Kämpfen zwischen Polizei und Demonstranten, wobei viele Defflonstranten und Schutzleute verwundet wurden. Die Polizei mußte eingreifen, um Sir Alfred Mond und seine Reisegesellschaft aus den Händen der Menge zu befreien. 40 Araber wurden verhaftet. Der KoIonlsaOonsplan In Sibirien Moskau, 10. Februar, (j.T. A.) Der Leiter des Agro- Joint, des Instrumentes des American Joint Distribution Committee für jüdische Kolonisation in Rußland, Herr Dr. Joseph Rosen, erklärt in einem Schreiben an die J. T. A., daß Agro-Joint dem Plan der Schaffung eines großen jüdisehen Siedlungsrayons im Distrikt Biro Bildschan (Bureya) im Fernen Osten fernsteht. Während der ganzen Dauer unserer Siedlungsarbeit in Rußland, erklärt Dr. Rosen weiter, waren wir nur in Gebieten tätig, die von unseren eigenen Agronomen gründlich geprüft und gewählt worden sind. An der Auswahl des Gebietes im Fernen Osten hat Joint nicht teilgenommen und hat auch darum mit diesem Projekt nichts zu tun. Nach meiner Meinung, schließt Dr. Rosen, stehen dem neuen Plan noch große Schwierigkeiten entgegen; die Angelegenheit ist noch nicht genügend untersucht, um für eine Aktion reif zu sein. Die Sabbatnihe in Tel-Awiw Wie die Londoner ״Times“ aus Jerusalem meldet, hat dort das Jaffa-Krdsgerfcht als Beruftagslnstanz ein Urteil des Gerichtes von Tel-Awiw aufgehoben, daß einen jüdischen Kaffeehausbesitzer wegen Offenhaltung seines Lo« kals am Sabbat verurteilt hatte. Das Urteil des Tel-Awiwcr Gerichtes stützte sich auf ein im Rahmen der städtischen Autonomie von Tel-Awiw erlassenes und vom High Commissloner bestätigtes Gesetz, welches die Offenhaltung von Geschäften durch Juden am Sabbat verbietet, auf Nichtjuden in Tel-Awiw aber nicht anwendbar ist. Das Berufungsgericht in Jaffa stützt seine Entscheidung darauf, daß die erwähnte Verordnung der Stadtverwaltung Tel-Awiw im Widersprach steht mit Artikel 15 des Palästina- Mandates, welcher eine ungleiche Behandlung von Angehörigen verschiedenen Volkstums oder verschiedener Religion verbietet. Eia Geschenk Iflr den König voa Italien Rom, 8. Februar. (J. T. A.) König Victor Emanuel einpfing heute in einstündiger Audienz eine Abordnung italienischer Juden, bestehend aus dem Präsidenten der Zionistischen Föderation Italiens C i r o G1 a ß, dem Oberrabbiner von Rom Prof. Sacerdoti und dem Präsidenten der jüdischen Gemeinde von Rom S e r e n i, die ihm ein von der Bezalel-Kunstschule ln Jerusalem kunstvoll gearbeitetes silbernes Kästchen, enthaltend alle Münzen der neuen palästinensischen Währung, überreichten. Der König, der ein eifriger Münzensammler ist, dankte für das Geschenk und drückte seine Bewunderung für die Leistung der Kunstschule Bezalel aus und wiederholte seine schon bei verschiedenen Gelegenheiten bekundete Sympathie für den Zlonismus und das jüdische Aufbauwerk. Kulturwoche der zionisasGhBn Jugend dariins vom 19. Februar bis 3. März 1928 Programm: I. Sonntag, den 19. Februar, nachm. 4 Uhr im Gartensaal des Logenhauses, Kleiststr. 10: Eröffnungskundgebung Herr Dr. Ernst Simon, Frankfurt a. M.: »Jüdische Kultur als Aufgabe**. Herr Dr. M. Solowcilschik: »Die Geschieht®- auf Fassung der jüdischen Antike“. II. 6 Vorträge über »Neuhebräische Literatur“ Referent: Herr Dr. Max Mayer 1. Die klasshdstiscbe Haskalah-Epoche 2/3. Die romantische und resllstlacheHaskalah-Epoche 4. Der Wandlungsprozeß 5. Neuhebräische Publizistik 6. Neuhebräische Lyrik Die Vorträge Enden statt: Am Dienstag, den 21., Mittwoch, den 22., Sonnabend, den 25., Dienstag, den 28״ Mittwoch, den 29. Februar, Sonnabend, den 3, März, abends 8 Uhr, im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinckestraße 10. Karten: Für den gesamten Zyklus M. 1.—, für den Einzelvortrag 30 Pf. im Büro der B. Z.V, Berlin W15, Meinekestr 10. Ein Vortrag über Antisemitismus F. Bernstein In Berlin In den nächsten Tagen spricht in Berlin Herr F. Bern» stein aus Rotterdam, ein führendes Mitglied der holländischen Zionistischen Organisation, dessen zahlreiche Artikel in dem holländischen Parteiorgan ,*De Joodsche Wächter“ seine große Kenntnis der gesamten zionistischen Materie sowie kompetentes sachliches Urteil beweisen. Bernstein ist einer größeren Oeffentüchkeit durch sein im vorigen Jahre im Jüdischen Verlag erschiencnes Buch ״Antisemitismus als Gruppenerscheinung“ bekannt geworden. Dieses Buch, das bisher leider viel zu wenig beachtet wurde, ist eine der hervor* rasendsten Deutungen des Antisemitismus. Es gibt eine ein• gehende soziologische Analyse der Reaktion von Gruppen int Zusammenleben, und exemplifiziert dies am Antisemitismus. Wir haben im vorigen Jahre bereits eine ausführliche Würdigung dieses Buches gebracht und gebe« nun nachstehend eine ganz kurze und gedrängte Zusammenfassung, um die Erinnerung unserer Leser aufzufrischen. Bernstein zeigt in seinem Buche zunächst, woher der Antisemitismus nicht seinen Ursprung haben kann. Da werden die Argumente vorgenommen und ihrer objektiven Unhalt, barkeit überwiesen, weiche der Begründung des Antisemitismus in den verschiedensten Formen dienen müssen und die letzten Endes alle zusammenzufassen sind in der Beschuldigung der Minderwertigkeit Diese wird je nach der freunoliehen oder feindlichen Tendenz, mit der man sie vorbringt, als eine originäre Rasseneigenschaft oder als eine Folge der unglücklichen Verhältnisse, also als aufhebbar gedeutet Nun gehört Bernstein keineswegs zu den Leuten, die uns als die weißen Schafe in der Umgebung von Wölfen verstehen möchten und er nimmt den jüdischen Menschen mrt all seinen alltäglichen, schlechten und guten Eigenschaften. Nur das bestreitet er mit schlagenden Gründen, daß sich die Schlechtigkeit des Juden von der eines Anderen unterscheide und daß insbesondere die gegen die Juden als Ganzes vorgebrachten Beschuldigungen begründet und zur Motivierung des Antisemitismus zureichend wären. Und wenn sie sich in buntem Wandel trotzdem immer wieder durchsetzen und weite Kreise ehrlich überzeugen, so muß das, da die Argumente selbst nicht zureichend sind, auf einen außerhalb liegenden Faktor zurückgehen. Als diesen Faktor erkennt man die Gruppenfeindschaft, eine ״Leiden- Schaft, welche die Beurteilung von Gruppencharakteren souverän diktiert“. Nicht Gut und Böse entscheiden über die Beurteilung von menschlichen und besonders von Gruppeneigenschäften, vielmehr Liebe und Abneigung, ״ln Wirküchkeit erregt nicht die schlechte Eigenschaft den Haß, sondern der Haß läßt die Eigenschaften des Gehaßten als schlecht erscheinen.“ — Das alles gilt nicht nur für Juden jjnd Antisemitismus, sondern für das Zusammenleben von Gruppen überhaupt, und deshalb versucht Bernstein, um den Ursprung Bes Judenhasses wirklich objektiv darsteilen zu können, die Gesetzmäßigkeiten auf, nach denen das Gruppenleben abläuft. Er fragt sich zunächst, wie Feindschaft überhaupt entstehe. In weit- und tiefgreifenden psychologischen Untersuchungen kommt unser Autor zu dem Schlüsse, daß Feindschaft die automatische Umsetzung von Schmerz ist. Der Schmerz, auch der durch niemanden und nichts verschuldete, enthält eine Haßkomponente, ״hat die Tendenz, sich in ein Feindschaftsgefühl umzusetzen, sich gegen Nebenmenschen zu richten und sich möglichst gegen diese zu äußern“. ״Feindschaft ist auf Nebenmenschen projizlerter Schmerz.“ Es besteht zur Vermeidung des schmerzvollen Schuldgefühls ein unabweisbares Bedürfnis, jede Feind- Schaftsempfindung durch eine wirkliche oder zu dem Zwecke eigens konstruierte Schuld ihres Objektes zu rechtfertigen. Der Mensch hat das Bedürfnis nach Aeußerupg nicht nur von Oefühlen unfreundlicher Art, sondern auch von Freundschaft und Liebe. Diesem Bedürfnis, Freundschaft und Unfreundlichkeit i» einer zu rechtfertigenden Weise zu verteilen, kommt die Gruppe außerordentlich entgegen. Ein Mensch gehört Immer mehreren Gruppen gleichzeitig an (z. B. Familie, Haus, Stadtteil, Land, Gesinnungs- und Bestrebungsgemeinschaft, Klub, Klasse, Stand, Partei, Zweckverband). Jede dieser Gruppen hat ihre Merkmale und ihre Ideologie. Jede Gruppe hat ihren Typus als Schönheitsideal, den einer Fremdgruppe, welche ihr nicht sehr ähnlich oder befreundet ist, empfindet sie als häßlich. Weil aber die ästhetische Minderbewertung allein zur Rechtfertigung von Feindseligkeiten nicht ausreiclit, deute( man die ästhetischen Phänomene ethisch. Der als häßlich empfundene Typus wird zum Ausdruck innerer Verworfenheit. Es fragt sich noch, wieso es kommt, daß die Juden ihrer g' . ' und dabei ein Exempef dafür, wie paradox der Gruppenhaß zu verfahren geneigt ist In einem letzten Kapitel beschreibt der Autor den bisher nur gelegentlich und beispielshalber herangezogenen Antisemitismus in seinen verschiedenen Er• scheinungsforraen, als religiösen, wirtschaftlichen, politischen, gesellschaftlichen, kulturellen und Rassenantisejni istnus. Ruhige Beobachtung, kluge Bewertung und psychologische Durchdringung machen diese Schlußkapitel wertvoll und interessant. [Sorwiii Lind heim"] Wie uns soeben gemeldet wird, ist vor einigen Tagen in New York Norwin Lind heim, ein prominentes Mitglied der amerikanischen Zionistischen Organisation, im Alter von 48 Jahren plötzlich gestorben. Lindheim gehörte zu jener zionistischen Gruppe, die an der letzten Entwicklung des amerikanischen Zionismus unter dem Namen eines ״Finanzkomitees“ steigenden Anteil genommen hat. Er zeigte auch großes Interesse fiir die Wirtschaftsfragen Palästinas, hat im vorigen Jahr Palästina besucht und sodann an der A.-C.-Sitzung in London teilgenommen. Lindheims Frau, Mrs. Irma Lindhelm, ist die Präsidentin der Hadassah, und auch Lindheim selbst hat bei dem Abschluß des Vertrages zwischen der Zionistischen Organisation und der Hadassah 1m vorigen Jahre eine aktive Rolle gespielt. Wir sprechen der Zionistischen Organisation Amerikas unser herzliches Beileid aus. Dentsehes Komitee Pro Palästina (Ergänzung zum Bericht auf Seite 1.) Anwesend bei der Veranstaltung waren u. a.: von! Ehrenausschuß die Herren Staatssekretär Dr. Puender und Direktor Oscar Wassermann, vom Präsidium die Herren Rabbiner Dr. Baeck, Professor Dr. Bredt, M. d. R., Dr. R. Breitscheid, M. d. R., Kurt Blumenfeld, Freiherr von Riehthofen, Legationsrat Prof. Dr. Sobernbeim; als Schriftführer: Karl Glaser. Ferner nahmen u. a. folgende Herren teil: Ministerialdirektor Dr. Badt, Alfred Berger, Kreishauptmann Buck-Dresden, Dr. Buchholz-Hamburg, Reichsminister a. D. Dr. Demburg, Willy Dreyfus, Schulrat D. Eberhard, Geh. Justizrat Fuchs, Dipl.-Ing. Nathan Orünstein-Frankfurt, Reichminister a, D. Dr. Gradnauer, Regierungspräsident Dr. Hausmann-Stralsund, Professor Dr. Jaeckh, Regierungspräsident a. D. Dr. Junghann, Dr. Bernhard Kahn, Dr. Alfred Klee, R.-A. Max Koliensclter, Landrat Kranold, Syndikus Dr. Feitel- Ä“