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Jüdische Rundschau · 1928-02-10 · Heft 12 (10.2.1928) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 12 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Der Hechaluz In Deutschland Der Hechaluz ist die Zusammenfassung aller jungen Zionisten, die in ihrer Vorbereitung für Pallstina stehen, an dort ein Leben der Selbstarbeit, ohne Ausbeuter und Ausgebeutete *u führen, *um Zwecke des Aufbaus Erer-Israels. Der in Deutschland bestehende Landesverband dea Hecbalm ist dem Wellverband des Hecheln* angeschlossen, dessen Zentrale in Warschau ist. Die in den verschiedenen Lindern bestehenden Chaluz- Organisationen sind *war hinsichtlich verschiedener Methoden der Arbeit und in bezug auf ihre besondere Struktur voneinander verschieden, aie bilden aber im wesentlichen eine große, geschlossene Einheit, nämlich; den Nachwuchs der organisiert*n jüdischen Arbeiterschaft Palästinas. Achnlich wie deren zusammenfassende Organisation, die .,IJistadnith haowdim" ist auch der Hechaluz eine die verschiedenen Partoiströmungea umfassende Dachorganisation. Den grüßt«! Prozentsatz der Mitglieder der Chaluzorga&isalionen stellen in den meisten Lindern die zionistisch-sozialistischen .Tugendbande, deren Erziehungsziel die Chaluziuth ist. In dea Lindern des Ostens sind dies in erster Linie der ״Hasch omer Hasalr" und r. T. die sozialistisch-zionistischen Arbeiterparteien, in Deutschland heute vorwiegend der ,Jung-Jüdische Wanderbnnd". Die Anfänge der Chaluzbewegung in Deutschland fallen in die Jahre 1919/30, als, wie in fast allen Lindern, auch in Deutschland die jüdische Jugend durch den Krieg und die Revolution«״ stürme aufgerüttelt wurde und zu ganz neuen Wertungen und Erkenntnissen in ihrem Leben als C'־ "*he Menschen kam. — Aus den Reihen des -Weiß und des ״HapoSl-Hazatr" gingen in der Hauptsache die ersten ״Praktikanten** hervor, die sich *u einem Praktikantenbund Zusammenschlüssen. Die Zahl war gering, denn der Gedanke der Chaluziuth drang nur langsam in die jüdische Jugend Deutschlands ein. Erst als die Chaluziuth zum unbedingten Erziehungsziel in der zionistischen Jugend wurde und man spürte, wie hier eine das ganze Leben des Einzelnen erfassende Tat durch radikale Berufs- und Bewußtsobsurnschichtung starke Kräfte für den Einzelnen und die Gesamtbewegune auslüste, wuchs auch in Deutschland die Zahl und die. Kraft der Chaluzbewegung, Aus den verschiedenen Praktikantenschaften der Jugendbünde entstand 1033 der Deutsche Landesverband des Hechaluz, dem es im Laufe mehrerer Jahre nach und nach gelang, alle Aufgaben der Vorbereitung und der Üobflrtührung von Chaluzim nach Erez- Israel in seinen Arbeitsbereich zu überführen. Von etwa 300 Chaluzim bei Gründung der Organisatten stieg die Zahl der Chawerim und Chaweroth auf etwa 1000 im Jahro 1035, nachdem bereits eil» große Anzahl nach Erez-Israel übersiodelt war und andere wieder in die alten Berufe zurückgegangen waren. Die Jahre 1934/36 brachten entsprechend der Gesamtentwicklung im Zionismus und im Zusammenhang mit der 4• Alijah auch einen maßen Aufschwung des Hechaluz in Deutschland. Nachdem aber diese sich aus den verneblehl der Mitglieder des Hechaluz ziemlich bestlndig: etwa 500 Chaluzim und Chalnzoth. Heute umfaßt (der Hechaluz zirka 45ל Mitglieder, von denen der größte Teil bereits seit Jahren in der Ausbildung steht. Der Deutsche Hechaluz trug bisher nie den Charakter einer Massenbewegung, wie er ihn im Osten in verschieden«! Ländern hat. Die Erklärung dafür liegt naturgemäß in den Bedingungen und Möglichkeiten seiner jüdischen Umwelt. Auch sonst unterscheidet sich der Deutsche Hechaluz in manchen Punkten seiner Arbeit von den anderen Verbänden. Wahrend in den anderen Ländem der Erziehungsgesichtspunkt innerhalb der Haehseharah — der Gesamtvorbereitung — fast immer überwog, galt bei einem großen Teil der deutschen Chaiuzitn die fachliche Ausbildung als dar maßgebende Faktor in dem Gesamtkkomplex der Haehseharah. Erst in den beiden letzten Jahren beginnt auch innerhalb des deutschen Hechaluz eine stärkere Angleichung und eine ihrer Bedeutung entsprechende Gruppierung dieser beiden untrennbar miteinander verknüpften Gebiete der Hachschar ah. Erst nach weiterer Beschreitung dieses Weges wird es sich zeigen können, ob der Deutsche Hechaluz fähig ist, einen ״Chaluztypus" hervor- *nbringen, der dem Aufbau dea Landes seine eigene positive Note hinzugibt, was Ms jetzt «— trotz nundorten Chaluzim aus Deutschland — nur in geringern Maße gelungen ist. Entsprechend dem obersten Gesetz der Chaluziuth Berufsumschichtung oder Produktivierung für die Arbeit am Aufbau des Landes — umfaßt die fachliche Ausbildung einen großen Teil der Arbeit der Bewegung. Die Arbeit auf dem Lande — der den Juden so ontfremdeten Urproduktion am nlchsten — zieht nach wie vor den größten Teil der zur Chaluziuth kommenden Menschen an. Etwa 330—330 Chaluzim und Chaluzoth erlernen bei Gutsbesitzern, Bauern, in Gärtnereien, Geflügel- Und ßienanzüchtereian die verschiedensten Fächer der Landarbeit, Leider steht die Zahl der Chaluzoth in keinem befriedigenden Verhältnis zu der Zahl der Chaluzim (3:1). Dar Grund liegt wohl im wesentlichen in der radikalen Milieu Veränderung, und der physisch äußerst schworen Arbeit, die den Frauen besonders schwer überwindbare Kindernisse schaffen. Die Ausbildung auf dem Land erfolgt sowohl auf Emmistellen, wie auch in größeren und kleineren Gruppen. — Die Tendenz geht immer stärker dahin, konzentrierte Gruppen, sogenannte Zentren und Ortsgruppen zu bilden, um sowohl die Ausbildung besser überwachen zu können, als auch menschliches Reifen durch Erziehung zur Gemeinschaft stärker zu fördern und die Möglichkeiten der kulturellen Arbeit zu steigern, die auf dem Lande auf ungeheure Schwierigkeiten stößt. — Die Stärkst«! und intensivsten Gruppen dieser Art sind heute ״Kibuz Cherutb" bei Hameln mit 35/40 Menschen und Gruppe ״Fischershof* bei Landsberg a. d. Warte mit 10 Menschen. In diesem Zusammenhang spielt auch die Frage dar eigenen Siedlung eine große Rolle, die aus Mangel an Mitteln noch immer keino fruchtbare Lösung finden konnte. Hier liegt zweifellos eine dar besten Möglichkeiten konzentriertester Chaluzarbeitl in fast allen Städten Deutschlands, vor allere in Berlin und Leipzig und Hamburg, arbeitet der QMg• TeU dar Menschen dea Heehaht*. «Be Baadwerkenchaft and die Chaluzoth, die in anderen als landwirtschaftlichen Berufen beschäftigt sind, wie z. B. in Hauswirtschaft, als Hortnerin, in der Säuglingspflege oder als Krankenschwester, im Kunstgewerbe und ähnlichen Berufen. — Die Handwerkerschaft umfaßt fast alle Berufe, die zur Grundlage eines gesunden Volkslebens notwendig sind, vom schweren Handwerk das Schmiedes, Maurers, über alle Arten von Schlossern, Mechanikern, Technikern, Tischlern, Zimmerern, Malern bis zu den Berufen des Schneiden, Druckers und Konservenarbeiters. — Die Arbeit in den städtischen Gruppen ist stark zurückgegangen. Es fehlt vor all ein an geeigneten führenden Kräften, die durchweg von der dem Hechaluz nahestehenden Jugend absorbiert werden und ferner an einer bewegteren zionistischen Atmosphäre, wie sie vor Jahren in Deutschland spürbar war. Hinzu kommen Sch wierigkaiten innerer Natur, die ihren Grund in den Besonderheiten der Umgebung haben. (Fehlen einer jüdischen Maste — hoher Grad von Atsimilation, wirtschaftliche Struktur der deutschen Juden u*w.) Der Nachwuchs des Hechaluz wird heute fast allein durch die chaluzisehe Jugendbewegung gestellt (J.J.W. B, — Zophim), von denen der J, J.W. B. etwa 55«/« der Mitglieder des Hechaluz umfaßt. Demgemäß wird in den Jugendbünden auch der größte Teil dar vorbereitenden Erziehungsarbeit für die Chaluziuth geleistet, so daß der Hechaluz seine Erziehung•- und kulturelle Arbeit daran anknüpfen kann. Diese muß — der Umgebung und unserer Entwicklung entsprechend — natürlich in erster Linie in der Hinwendung zum Jüdischen, in der Beschäftigung mit jüdischer Geschichte, den Fragen des Zionismus, der Erlernung der hebräisehen Sprache und Literatur und im Vertrautwerden mit den Fragen des palästinensischen Lebens bestehen. Daneben muß sie in intensivster Form die Gemeinschaftserziehung sowie die Besehäftigung und Auseinandersetzung mit der sozialen Frage und ihren Erscheinungen umfassen, die duxch die Vorstellung neuer Lebensformen und vor allem durch die In Freiwilligkeit grundlegend veränderte soziale Stellung gefördert werden und heute schon in weiten Kreisen de* Hechaluz zu einer seriellst!- sehen Einstellung zu Fragen der Wirtschaft und der Gesellschaft geführt haben. Die bisherige kulturelle Arbeit und die Anfänge einer neuen Erriehungsarbeit gehen in diese Richtung. Sie lefdet natürlich unter dem Mangel an Konzentrierung und besonders unter dem Mangel an genügenden Mitteln. Die auch aus Deutschland stets fließende Alijah nach Erer-Israe! stockt nun schon seit etwa einem Jahre. Die Nöte des Lahdes und der Gesamtbewegung haben auch über die Chaluzbewegung in Deutschland ihre Schatten geworfen. Noch haben die schwersten Auswirkungen dieser Situation und des ״Stopp imigration“ die Bewegung in Deutschland nicht mit voller Schärfe getroffen, die Zahl ist seit einem Jahro stabilisiert und es zeigen sich sogar Ansitze innerer Stärkung. Trotzdem liegt kein Grund vor, die ernsten Gefahren «fieses Zustandes sowohl für die Bewegung als aüch für die ihr nahestehende Jugend #«- fahren, denen e• zu begehen gilt. Die Ueberwindung der Gefahren kann, und wird keineswegs darin bestehen, in irgendeiner Form die Organisation von außen her einzuschränken oder für sie eine ״Rettungsaktion" zu veranstalten, denn sie fühlt sieh immer noch als ein entscheidender und einer der lebendigsten Faktoren im Gesamt- Zionismus — beim Aufbau des Landes. §» vertraut auch darauf, daß es immer wieder Jager»! geben wird, die, unzufrieden mit den Lebensformen der Galuth und im Innersten davon ah gestoßen, von innen her den Weg zur Chaluzbewegung finden Wird! Die bevorstehende Konferenz (3., 4• und 5. März) wird sieb mit diesem Fragenkomplex zu beschäftigen haben. Der Weg zur stärkeren Bindung an die zionistische Jugend, die Erkenntnis der erzieherischen Funktionen des Hechaluz und die intensiver werdende fachliche Vorbereitung zeigen schon heute die Richtung. Seine Besonderheit innerhalb des Gesamtzionismus als arbeitendes Element, die sozialo Stellung seiner Menschen wiederum werden Ausgangspunkt einer Klärung der ideologischen Grundlagen des Hechaluz sein müssen. Die Auf* gäbe geht über Erhaltung und Stärkung des Bestehenden hinaus zur Erweiterung und Erneuerung des Chaluzgedankens in der jüdischen Jugend! A. W. Zur Erziehung der neuen zionistischen Generation (Vom Sein und Wollen der ״Zophim“) Die Wirklichkeit Palästinas ließ den Bund Blau- Weiß zerbrechen und die Menschen nach allen Richtungen auseinandergehen. Im Zerfall der Bewegung lassen sich, soweit überhaupt au zionistische Arbeit gedacht wurde, zwei große Gruppen unterscheiden: die eine folgte dem Gesetze der Radikalisierung, die andere der Linie des schwächeren Widerstandes. Die zionistisch am tiefsten Verankerten wurden zum großen Teil von der radikalen sozialistischen Arbeiterjugend aufgesogen. Hier fanden rieh die Menschen, die ihre Berufsentscheidung unlöslich mit dem Zionismus verknüpft hatten und vor allem die, für welche Zionismus untrennbar war mit einer neuen Gesellschaftsordnung. Hier war der Chaluz noch der geforderte palästinensische Typ, hier zeigte ihm die zionistische Bewegung allein noch reale Möglichkeiten, seinen Zionismus zu verwirklichen- Als Nachwuchsbewegung einer heroisch gefeierten Arbeiterschaft schien der Weg nach Erez-Israel verhältnismäßig gesichert, zumindest war eine Chance gegeben. Grundlage der anderen Richtung war das Dogma der Krise. Man stellte voll Originalität fest: Palästina ist zu klein für das ganze Volk, der Zionismus umfaßt heute nur einen Bruchteil jüdischer Menschen, er ist. eine Idee, aber dar west jüdische Junge hat keine Möglichkeit, mitzuarbeiten. Man empfand das Auslesegriazip, dm Zionismus hart uni •rkllrte et fflr ungeefgne* war Grendlage einer neuen jüdischen Erziehung. Gestützt auf mißverständliche Aeußerungen des offiziellen Zumismus sah man dm bestehenden Zustand als dauernd an und suchte nun nach der *Mitralen Idee, welche wieder eine Erriehangriiuis für eine jüdische Jugend abgebea kennte. Man entwich aas der Welt der harten Realitäten in das unkontroUierbare und daher so «!Ziehende Gebiet rein abstrakter Spekulationen, lieber die Etappen des ״Galuth"- und ״Kultur- Zionismus" führte der Weg unter Annahme einer gewissen Religiosität tum ״positiven Judentum", zur tatsächlichen Neutralität. Man verrichtete auf jeden Versuch, den Erriehungsweg **durch die Wirk- Ikhkeit zu erproben. Es verschwinden hier aus der Erziehung die pädagogisch und politisch, soziologisch und praktisch mit jeder jüdischen Erziehungsarbeit verknüpften Fragen der Berofsentscheidüng, der Aelterenarbeit, des Zionismus. Dies tritt zurück als die Angelegenheit jüdischer Parteien, in den Vordergrund treten Vorstellungen der Organisalion der Weltjudenheit. Wir glauben nicht, daß diese Wege den rionistisehen Notwendigkeiten, noch den Bedürfnissen der jüdischen Jugend in Deutschland entsprechen. Tatsächlich ist es auch der sozialistischen Jugend nicht gelungen, in weitem Maße die westjüdische Jugend an rieh za riehen, denn hier konnten keine Führer herangezogen werden, die den Problemen dieser Menschen hätten gerecht werden können. Und der Weg des ״positiven Judentums" vermochte wohl Jüngeren angemessen erscheinen, aber die Bewegung kann aus ihrer Konzeption heraus den Bedürfnissen ihrer heran gewachsenen Menschen hinsichtlich ihres jüdischen Weltbilde» nicht genügen. Die Situation und ihre Analyse zwang uns, unseren Weg außerhalb der bestehenden Richtungen zu suchen. Die jüdische Jugend erscheint uns heute mehr denn je beschäftigt, sich mit zwei Grund- Problemen auseinanderzusetzen. Sie führt in sich eine ständige Auseinandersetzung mit der Zukunft ihres Volkstums und mehr als früher stehen — infolge der Veränderung de* Zeitgeistee — alle Aufgaben der Wirklichkeit, der Verwirklichung, im Vordergründe. Es sind dies die Aufgaben unseres Bundes. Wir müssen es deshalb ah!ebnen, uns einer Partei zu unterstellen, wir müssen es ablehnen, uns als fest verbundene Nachwuchsbewegung einer jüdischen Klasse zu betrachten. Der Bund lehnt den Klassenkaropf als bewußtes Erzinhungsmoment ab, weil er die Zerstörung einer einheitlichen zionistischen Erziehung bedeutet. Zionistische Erziehung im Galuth soll Menschen nicht mit gebundener Route nach Palästina gehen lassen. Wir vertreten allen Fronten gegenüber einen einhettUchen zionistischen Erriehtragsweg. Solange alle Schichten für Palästina notwendig sind, solange die anerkannt wertvollen Kräfte der ״bürgerlichen" Jugend für den Aufbau des Landes und die Arbeit der Bewegung nicht entbehrt werden können, ist es falsch, eine Jugend dogmatisch-klassenideologisch ah zuschnüren. Es ist nicht za verantworten, wenn man versucht, Chaluziuth zu einer Parteiangelegenheit herunterzudrüclten. Es gibt keinen zionistischen Erziehung«- weg, der nicht die Ueberführnng »einer Mensch«! in die für den Aufbau des Lande» produktivsten Berufe fördern müßte. Aufgabe des zionistischen Erzichungsbundes in der Galuth ist es, Menschen zu werben und Menschen vorzubereiten, ihren zionistischen Weg gehen zu können. Ziel dimer Erriehtmg ist die zionistische Betätigung, deren Beginn den Menschen zur politischen Arbeit in der Galuth bzw. zur Alijah führt. Hier mündet der Erzichungshund in dea politischen Bund, sei es ein Chaluzbund oder ein Bund wie das K. J. V. Die zionistische Jugend ist verknüpft mit der zionistischen Idee, nicht mit den Parteien und Weltanschauungen des politischen Zionismus. Deshalb wehren wir uns gegen Parteimaximen als Erzieh!» gsgrundlagen. Der zionistische Erriehungaband hat seine Menschen mit dar Idee der Bewegung zu erfüllen. Zionist sein heißt — einmal ganz weit gefaßt — eintreten für nationale Erneuerung des jüdischen Volkes in Erez-Israel. Zionistische Erfüllung kann sich nur in Erez-Israel vollziehen. Deshalb ist ein Erziehung»- bund, der festhallen muß am Absoljiten, Gegner des ״GaluthZionismus": in höherem Maße als für alles andere gilt für die zionistische Jugend der Satz von der ״Aufbruchsbewegung im Zionismus". Diese Erziehung erschöpft sich nicht in Darstellung und Objektivierung jüdischer Geschichte und Kultur, sie maß den großen Mut haben, Menachen wieder Wege weisen za wollen, zum persönlichen Einsatz in der Lösung dar Judenfrage, denn es gilt den Willen und die Lebenskraft einer Jugend in den Dienst der Zukunft des Volkes zu stellen, Menschen, die sich eimetzen wollen, sei es im Lande, sai es in der Galutharbeit, sind zu erziehen, aber recht genügt es sich zu begnügen mit dem Lippenbekeantnia zn einer Resolution. Es ist klar, daß Chaluziut, wenn es an die Verwirklichung dieser Erziehung geht, an erster Stelle steht. Chaluziut in dem Sinne, daß Zionisten sich Berufen zuwenden, um sie in Palästina auszuüben. Es ist bedenklich, die Selbständigkeit der Entseheidüng durch Kollektivität und gemeinsame Aktion zu gefährden. Denn cs maß einmal begriffen werden, daß Erziehung rin Ende *u finden bat, daß es nicht mehr angängig ist, Männer in bün- «fischen Werken zusammenröhaltcn. Da der Bund ea ahlehnt, mittels der Chaluzfrage Politik und Erziehung miteinander zu verflechten, so rechnet er mit Chaluzim aus seinen Reihen, die sich ״bürgerlichen Berufen“ zu wenden. Und dies ״MM■! •tpAiwlItsiSa Wansiul schaffen worden muß, wo endlich efamal der i Versuch gemacht werden mußte, aus der Füll•1 zionistischer Selbstverständlichkeiten feste Aufgaben für die Menschen zu gewinnen. Es genügt nicht, seinen Zionismus durch Rundscliaulektüro und Arbeit für den K. K. L. einzuschläfern, denn die Forderung der Alijah gilt nicht allein für den manuellen Arbeiter. Notwendig ist es, Menschen *נו erziehen mit härfarem und festerem zionistischen Wollen, denen Zionismus lebensnotwendig verbunden ist mit Er* füUung in Erez-Israel. Zumindest muß man •ine indksive Mitarbeit in der Galuth verlangen, wo ja nach pädagogischer und politischer, kultureller und wirtschaftlicher Richtung hin Möglichkeit genug zu verantwortlicher Betätigung gegeben ist. Dies ist der Punkt, an welchem »ich die Menschen au» dem Erriehungsbund zu lösen haben, den zunächst aufzubauen, es heute gilt. Die zionistische Jugend, entmutigt und zerfallen in Parteigruppen ist zuerst wieder zu sammeln. Neben der Lehre von den Idealen gilt e» mehr denn je, die Lehre von den Widerständen dieser Welt zu verkünden. Größtes Hindernis der gemeinsamen einheitlichen zionistischen Erziehung sind die Traditionen und Symbole, unter denen die heutige zionistische Jugend herangewachsen ist. Hat doch ein jeder Kreis das verständliche Gefühl, bei einer Zusammenarbeit seine in langen Jahren erworbene Anschauung preiszugeben und seiner Idee untreu zu werden. Wir haben gezeigt, daß enge Parteidogmatik nicht in der Lage sein kann, eine große zionistische Er- Ziehungsbewegung zu schaffen, wir haben ferner gesehen, daß ein Verlassen bestimmter ztenwtischer Richtlinien vielleicht zu einer allgemein jüdisehen, aber nicht za einer zionistisch«! Jugend führen kann. Wir wollen daran geh«!, in intenriver und zäher Arbeit dea freien zionistischen Erziehungsbund zu schaffen Walter Levy. 5*4 /!•■ twzVttnl Der erste Bundestag der Zeire Misrachi ן (35. a. 38. Dezember 1937.) Während bislang die der Misrachi-Jugend angehörigen Delegiert«! sich auf den zionistischen und misrachistisehen Delegiertentagen zu treffen pflegten, und dann naturgemäß in nur kurz bemessener Zeit ihre speziellen Fragen erörtern könnt«!, berief der verantwortliche Leiter des Deutschen Zeire Misrachi, Dr. Heppner, dieses Jahr zum ersten Male eine Konferenz der gewählten Vertreter aller Gruppen ein, deren vornehmste Aufgabe es sein sollte, die organisatorische Grundlage der zukünftigen Arbeit festzustellen. Die Konferenz hat nun in den Chanukkkaii tagen in und, ,Gästen *w»;״s!U@*.Gcgeaden Deutschlands;*ggt;,besebjell,, -*totjpfte#«* Der nachfolgende Bericht gibt ehrt Inhalt der Referato wieder und dürfte auf diese Weise, indem er einen Einblick in die bei der Tagung behandelten Fragen gibt, zugleich am besten *eigen, was den Bund beschäftigt und wie er seine Aufgabe auffaßt. Chawer Dr. Heppner vertrat in seinem sehr ausführlichen Referate, das noch an anderer Stelle in extenso veröffentlicht werden wird, die Meinung, daß ein Mißerfolg der Misrachiarbeit zu konsiahören sei und daß dieser in historischen Gründen seine Wische Erklärung finde. Der Misrachi sei nämlich bisher ein Teil jener Orthodoxie, die in der slaubensmäßigen Gebundenheit eine Voraussetzung für jeden organisatorischen Zusammenschluß sähe. Der Misrachist stünde also in zwei Lagern, in dem orthodoxen und dem zionistischen■ Orthodoxie aber als Prinzip der Ruhe und Beharrung, und Zionismus als das der Bewegung seien Gegensätze. Die Auffassung des Misrachi enthalte also eben Konstruktionsfehler, der sich auch dahin auswirken müsse, daß der Misrachi nur als Verbindungsmann zwischen beiden Lagern ■toleriert, sebe Auffassung vielleicht geachtet, aber niemals diskutiert worden wäre, so daß auch seine Erfolge lediglich als Kompromißerfolge zu werten seien, d. h., daß man auf zionistischer Seite sich emfach vor der Forderung ober zahlenmäßig großen Menge gebeugt, niemals aber sich von der Richtigkeit ihrer Be- Gründungen überzeugt habe. In Wahrheit sei aber der Misrachi anders zu begründen. Der Aufbau Erez-Israela setzt eb geebtes jüdisches Volk voraus, die Einigung dos jüdischen Volkes kann aber nicht allein auf gemeinsamen Literaturkonntnissen, muß vielmehr auf dem ebzigen jüdischen Gut, dem Gesetze basioren. Dis Anerkennung des jüdischen Gesetzes sei also zionistische Pflicht und Voraus- Setzung für das Gelbgen des Palästbaaufbaus. Der Zeire Misrachi rnütje sich daher freimachen von der überkommenen Vorstellung, als sei die Verbbdlichkcit des Gesetzes abhängig von der Glauhensfähigkeit des Einzelnen. Er habe die Aufgabe, innerhalb der zionistischen Jugend für die Anerkennung des Gesetzes als Grundlage zionistischer Arbeit zu kämpfen. Hierauf referierte Chawer Erich Michaelis über die grundsätzliche Einstellung der Misrachi-Jugend. Er sah erneu wesentlichen Unterschied zwischen Stammisrachisten und Zeire Misrachi b einer großeren Erlobnisfähigkeit und Aktivität der Jugend. Wir scheiden uns, meint er, nicht nach dem Lebensalter, sondern nach dem Programm. Man müsse und könne bei uns den Einsatz der ganzen Persönlichkeit fordern, und zwar für Chaluziuth in Palästina und in der Galuth. Der Zeire Misrachi will sebe Menschen heranbilden und sei in diesem Sinne eine Erriehungsgemeinschaft. Er habe aber eb ganz praktisches politisches Ziel. Die Zusamrnenfassung im Zeire Misrachi geschehe also nach Gesichtspunkten menschlicher Wertung; denn nur nach solchen Gesichtspunkten könne eine Er- Ziehungsgemeinschaft aut gebaut werden. Der Prüfsteiu für die Eignung sei die Fähigkeit zum Ent- Schluß. Der Entschluß müsse dahin gehen, sich seihst heranzubilden zu einem Träger des gesetzestreuen zionistischen Ideals und gebe ganze Persönlichkeit b den Dienst unserer Aufgabe, nämlich des Aufbaus von Erez-Israel zu stellen. Wir seien also keino Organisation junger Misrachisten, noch

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