Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 12 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 12, 10. ü. 1928 JUEDISCHE RUNDSCHAU Sehe 85 .1028 Mischen hwieriejüdische : im jü- *oöe Or- »osftiven m wäre das der te, nicht oliänder ei feindi Judenden ge- :ebenen. י Juden- ׳inn des schwere Juden ו treffe, amtheit Awlw ן t Eisenw vorben, in en» Die |!Hungen J he von ag abkamen Centralaf hinh VerhtefSgt Ic ent-! and n, daß tschaft« e maß- Türken ie von idr atff h oder end so Petacü• lachringöl, [eladen ahrend obotit, elias *erden; agdiei, nbahn- »acht, perten c; so״״ Aäjetzt unben für vernach es für n und anders Telschaffer Inauche er gefite1?־ vahrt. löpfek, das erden, :11 ist platzt unbe- :r die man schon Satyra mit Siolem t hat, juren stase, נ, der mitrolog amm. janze I Be- Was ranze!eres.!־aber ilert, ו die hinvon isteriusik CoHc4* Miß* zum rvorihett, Der Jude Hatvany ln einer palästinensischen Zeitung war anläßlich der Verhannung von Trotzki nach Sibirien erzählt, daß der verstorbene Oberrabbiner von Moskau, Jakob Mase, im Jahre!,QIS Trotzki aufgesucht und Ihn gebeten hätte, auf die verzweifelte Lage der russischen Judenheit, die Wirtschaftlieh durch den Sieg des Bolschewismus am meisten gelitten hatte, Rücksicht zu nehmen. Trotzki lehnte es Jedoch ab, irgendwie als Jude betrachtet zu werden und gegenüber den Juden irgendeine besondere Verpflichtung zu haben, da er für ״nationale Fragen" gar kein Interesse hätte, [ra weiteren Gespräche sagte Mase zu Trotzki: ״Kein Mensch kann die weitere Entwicklung der Dinge vorausselien, aber cs ist möglich, daß eines schönes Tages Leib Bronstein das Akzept zahlen muß, welches Leo Trotzki unterschrieben hat“ ich weiß nicht, ob diese Geschichte authentisch ist Ich mußte aber an sie denken, als in den letzten Tagen ein großer Teil der linksstehenden europäischen Presse sich mit dem Falle des Barons Ludwig Hatvany in Budapest beschäftigt hat. Es war im Jahre 1916. Damals saß ich in Gesellschaft von Franz Molnar, Ludwig Magyar und Josef Pogany in einem Budapester Kaffeehaus. Auf Kriegsfahrten als Kriegsberichterstatter hatte ich ganz Ungarn kennengelernt und gab gegenüber den genannten Herren, von denen später Pogany Kriegsminister der Bela Khun-Regierung und dann landesflüchtig, während Magyar zu zehnjähriger Zuchthausstrafe verurteilt und gegen ungarische Adelige nach Moskau ausgetauscht wurde, meiner Befürchtung Ausdruck, daß eines Tages die mit Hilfe der Juden in den Randgebieten Ungarns national vergewaltigten Minderheitsvölker sich gegen die Juden wenden und dann auch die Magyaren die Juden verfolgen würden. Darauf antwortete Franz Molnar in seiner unnachahmlich iranischen und durch Uebertreibung plastischen Art: ״Pogrome in Budapest? Pogrome in Ungarn? Unmöglieh. Die anderen sollen froh sein, daß wir Juden ihnen nichts tun.“ Und dann folgte eine Aufzählung der ungeheuren Verdienste, die die ungarischen Juden sich um das ungarische Vaterland erworben haben. Sie formten Budapest zu einer Weltstadt um, sie sind die Träger der Bildung, sie haben die Industrie geschaffen, sie haben den Handel organisiert, sie haben die Theater begründet und die auf europäischem Niveau stehende große ungarische Presse gemacht. Sie haben dem ungarischen Vaterlande Dichter, Maler, Musiker, Gelehrte von internationalem Ruf geliefert und auf solche Weise das kleine Ungarn auf die Stufe eines Kulturstaates gehoben. Es gibt in Ungarn, erzählten mir meine ungarischen Freunde, eine ungeheure Anzahl jüdischer Adeliger, die den Stolz der feinen ungarischen Gesellschaft bilden. Und bei dieser Gelegenheit nannte mir Ludwig Magyar, damals gemeinsam mit Ludwig Biro und Oskar Jaszy, Hauptmitarbeiter des angesehensten linksbürgerlichen Organs, den Namen des Barons Ludwig Hatvany, der einer der reichsten Männer Ungarns, ein Schriftsteller van internationalem Rang und der schönste Mann der ungarischen haute voläe sei. Staunend und ungläubig horte ich diese Schilderung des jüdischen Paradieses in Ungarn und wußte für meinen Freund Magyar nur folgende Antwort: ״Ich fürchte, der Baron Hatvany Laj'os wird jsepoen Tage» als .,Ludwig,,Deutsek,,.(das;.4tf ursprüngliche Name seiner Familie) erkennen, daß et doch nicht restlos Magyare, sondern ein Jude Ist“ Zwölf Jahre sind seit jenen Tagen verstrichen, da ich dieses Gespräch im Kaffee Abbazia auf dem Budapester Oktogon-Platz hatte, und heute ist Ludwig Hatvany, der christliche ungarische Baron, der Besitzer eines der größten Vermögen in Ungarn und noch immer einer der schönsten Minner seines Vaterlandes, zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt, weil er in der Emigration in einigen Zeitungsartikeln gegen Hejas, den blutbefleckten Kommandanten des weißen Schreckens und vielfachen Judenmördern aufgetreten war, welcher jahrelang den vollen Schutz der ungarischen Behörden genossen hatte. Darin erblickte das ungarische Gericht eine Beleidigung der ungarischen Nation und der Vorsitzende der königlichen Kurie, Herr Töroky, meinte, Hatvany hätte nur darum sein Vaterland und die ungarische Nation geschmäht, weil er eigentlich kein Magyare sei. . . . Der Jude Deutsch zahlt also die Akzepte, die der Magyare Hatvany unterschrieben hat. * Delegiertentag der Z. V. f. D. Bekanntmachung 1. Der XXII. Delegiertentag der Zlonlstlselten Vereinigung für Deutschland findet am 17. Mal und den folgenden Tagen in Breslau statt. 2. Wahlberechtigt sind mir diejenigen Mit• glieder der Z. V. f. D.f die Schekel and Lan• desbeitrag (bzw. Zionistensteaer) für das laufende Jahr entrichtet haben und sich durch Vorlage entsprechender Quittungen darüber aasweisen können. 3. Die zionistischen Ortsgruppen und Vertraaensleute werden dringend ersucht, die S chek elaktio n unverzüglich und mit größter Energie dvrchzuiühren. Jeder Zionist ist verpflichtet, für sich und seine Famillenangehörigen den Schekel zu entrichten und darüber hinausneue Mitglieder für die Zionistische Organisation zu werben. 4. Der erste Schekelausweis iür das Jahr 5688 erscheint in der ״Jüdischen RundschauM vom 2. Mürz. Er wird die bis zum 29. Februar vorliegenden Ergebnisse aus samtliehen Ortsgruppen enthalten. Zionistische Vereinigung iür Deutschland Blamenfeld Rosenblüth Hatvanys Verurteilung hat in der ganzen •Welt Aufsehen erregt. Vor dem Prozesse richteten berühmte Gelehrte und Schriftsteller an den gegenwärtigen ungarischen Minister- Präsidenten Grafen B e t h 1 e n eine Depesche, in der sie für Hatvany Gerechtigkeit erbaten. Diese Depesche trug die Unterschrift von ungefähr 20 berühmten Männern. Neben Einstein waren die Namen von Fulda, Schnitzler, Salten, Werfel usw. zu lesen. Von Nichtjuden waren auf diesem Telegramm nur drei Namen vertreten. Sicherlich ein Zufall! Wäre die Sache besser organisiert gewesen, so hätte man zweifellos sehr viele berühmte niehtjüdische Namen sammeln können. Spontan jedoch meldeten sich zur Upter- Stützung von Ludwig Hatvany.;Minner aus jüdischem Blut Sie taten es für Ludwig Hatvany; im Unterbewußtsein spielte bei diesen Männern wohl auch das Motiv mit, daß sie für ihren näheren Verwandten, den Juden Deutsch, eintreten, der hauptsächlich wegen des Verbrechens seiner Abstammung den Neid und die Mißgunst der herrschenden Kreise in Ungarn erregt hat und in welchem nicht nur er persönlich, sondern auch die Gemeinschaft, der er entstammt, getroffen werden sollte. Man mag rieh drehen und wenden wie man will: Man mag sich taufen lassen, seinen Namen verändern, ein berühmter Schriftsteller werden, körperlich und geistig ein Prachtexemplar der menschlichen Rasse sein — ist man dem Judentum entsprossen, so hat man eine Hypothek, auf seinen Lebensweg mitbekommen und muß ewig für diese Hypothek Zinsen zahlen. Der Jude Ludwig Deutsch zahlt jetzt die Zinsen der auf ihm lastenden zweitausendjährigen jüdischen Golushypothek. Moses Wald mann. Die Wahlsiftiaiioii in Polen Die Zionisten und die Regierung Pilsudskh — Scharfer innerjü ]]scher Kampf. — Gemeinsame zionistische Front In Galizien, (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 6. Februar. Die Wahlbewegung in Polen ist in ihre letzte Phase eingetreten. Sämtliche Wahllisten sind bereits eingereicht worden und so kann man bereits die Wahlsituation überblicken*!. Aur der allgemeinen Wahlfront gibt es Erscheinuneen, welche auch für die Juden von Bedeutung sind. In der polnischen Oeffentlichkeit ging nach den Maiereignissen 1926 eine gewaltige Aenderung vor sich. In sämtlichen polnischen Parteien kam es zu Spaltungen, die Anhängerschaft Pilsudskis wuchs von Tag zu Tag und die Regierung tat alles, um diesen Prozeß zu stärken. Ein harter Schlag traf in erster Reihe die antisemitische, erzreaktionäre Nationaldemokratie, welche seit Jahrzehnten das politische Leben der polnischen Nation beherrschte. Die Nationaldemokratie ist zusammengebrochen, una dieses Ereignis ist vom jüdischen Standpunkt selbstverständlich zu begrüßen. Nun erwartete man von Regierungsseite lange Zeit, daß sich die Wahlsituation zum Sejm sehr einfach gestalten werde: für oder gegen Pilsudskf werde die einzige Wahllosung sein und die gesamte Bevölkerung, auch die nichtpolnische, werde sich in solche zwei, scharf abgegrenzte Lager teilen. Es kam aber anders, zum Teil aus Schuld der Regierung selbst. Diese vermied es, ein klares Progrannn aufzustellen, suchte Anschluß an sozial entgegengesetzte Schichten der Bevölkerung und trat offen gegen parlamentarische und demokratische Prinzipien auf. Das ResuJtat war, daß sämtliche bisher existierenden Parteien — manche von ihnen zählen viele Anhänger des Marschalls — in den Wahlkampf eintraten und die Zahl der Wahllisten ist im Verhältnis zum Jahre 1927, nicht nur nicht kleiner, sondern viel größer. Und als Partei erschien auch die Regierung selbst Sie beeinflußt den Wähler mit allen ihr zur Verfügung stehenden Machtmitteln des — Staates. Dies ist vielleicht das hervorstechendste Merkmal der gegenwärtigen Wahlen. Dies trifft in erster Reihe den Teil des Judentums, welcher sich dem Minoritätenblock angeschlossen hat Drohungen, Repressionen, Schikane#, Verbpte, mit einem Worte die stärksten Mittel werden seitens der Regierungsbehörden im ganzen Lande gehandhabt, um die Juden zu terrorisiere# und abzuschrecken. Dies geschieht wohl auch gegenüber anderen Parteien, aber weit nicht in solchem Grade wie den Juden gegenüber. Es war offenbar für die Regierungskreise eine Enttäuschung, daß die Juden selbständig auftreten. Und der Groll der Regierung gilt in gleichem Maße der nationalen Juden- Schaft Kongreßpolens und der Randgebiete, welche ein Teil des Minderheitenblocks sind, als auch den Zionisten GaHzigns, welche diesem Blocke fernstehen. Der Regierung ist jlde selbständige und würdige jüdisch-nationale Politik nicht genehm una die Juden bekommen es hart zu spüren . . . Eine paradoxe Situation: die Zionisten Polens waren seit den ersten Umsturztagen im Mal 1926 diejenige jüdfsdie Gruppe, welche ap stärksten mit der neuen Regierung vym• pathirierte und diese Sympathien sind bis heute nicht erloschen. Meinte aber die Regierung, darum in den Bonistep willige Trabanten ihrer Politik zu finden, sah sie sich stark enttäuscht, und daher der GrolL . '•׳•‘י״Sn- *lag‘ -־•Ie-'׳■de» •;•Hm».׳- te:-d«..־; ttdUAtn:,׳‘OrinAMiifc׳ wohlbekannten Weg und fand Im polnischen Judentum Parteien und Individuen, welche jeder aufrichtigen naiio» na len und menschlichen Würde bar, für einen Topf Linsen sich zu Handlangerdiensten bereit fanden. Ke alle Ghettopsychologie lebt noch in einem Teile des Judentums fort und diese Kreise schlossen ein Bündnis mit der Regierung Pilsudskis nicht etwa, weil sie ihr Programm anerkennen, sondern einzig und allein, weil diese jetzt die Macht besitzt Die Agudah und kleine ihr angeschiossene Gruppen sind es, weiche unter ״jüdisch-nationaler“ (!) Firma die alte assimilatorische Politik erneuern. Ohne Scham geht es dabei zu. Denunziationen, Intrigen, Verleumdungen sind an der Tagesordnung. Im besten Einvernehmen mit Regierungsstellen wird ein widerwärtiger und erbarmungsloser Kampf gegen die Zionisten geführt Kein Mittel wird gescheut —- auch nicht das der Korruption und des religiösen Fanatismus. Jetzt erst ist allen klar geworden, wie recht diejenigen hatten, welche gegen ein Zusammengehen von Zionisten und Agudah auftraten. Der gegenwärtige Wahlkampf in *) Siehe ״Jüdische Rundschau“ vom 29. Dezember 1927. glänzend die technische Regie, die für Jaakobs Traum auch den Fl'ra in ihre Dienste gezogen hat. Die Handlung des Dramas ist höchst einfach. Vorspiel: Jaakobs Traum; I. Akt: Ankunft bei Laban: II. Akt: Heirat mit Lea; III. Akt: Heirat mit Rahel. Nachspiel: Kampf mit dem Engel. Vor- und Nachspiel sind, wie der ״Haarcz“ meinte, überflüssig. Vielleicht der ganze Text. Denn, wie schon gesagt, alles ist hier Schauspiel. Starke Talente sind unter den Schauspielern zu finden. Das ganze Spiel Labans und seiner Söhne, der Primitiven, ist, wenn auch utriert, doch beachtenswerte schauspielerische Leistung. * Der Weg, den ״Ohel“ zurückgelegt hat, führt durch die Zeit der wirtschaftlichen Depression. Sir Alfred Mond sagte uns, man könne nicht von einer ״Krise“ reden. Unsere wesentliehen Positionen haben sich günstig weiter entwickelt. Wahrhaftiß־, er hat recht. Nicht nur, weil bei der starken Verknüpfung von Wirtschaft und Gesellschaft das, was für jene, so auch für diese gilt. Wenn in solcher Zeit unsere schöpferischen Kräfte in ihrer Dynamik so wenig beeinträchtigt worden sind, wie es uns die Premiere des ״Ohel“ gezeigt hat, dann haben wir wirklich kein Recht, zu klagen. Und deshalb sollte der Tag der Premiere rot in unserem Kalender verzeichnet sein. Nicht, weil er ein Merkstein in der Geschichte des palästinensiseben Theaters ist und bleiben wird, sondern weil 'er zu fenen Ereignissen gehört, die uns immer wieder den Mut und die Kraft zum Durchhalten, auch in schweren Zeiten, geben. Dr. KurtGrunwald. Vortrag David Koigen. Im Instituten Judaicum sprach letzten Freitag Prof. David Kdlgen über ״Religiöse Kämpfe im Ostjudentum“. Er sprach von der Entstehung des Chassidismus, seiner Fortentwicklung^ der Gegensätzlichkeit, die zwischen ihm und dem Rabbimsmus entstand, von seiner Ausbreitung und dem Kampf, in welchem er schließlich — äußerlich wenigstens — Sieger geblieben ist Im Mittelpunkt standen die Gestalten des Baal-Schem, Schneur Salmans und des Begründers des Zaddikismus aut der einen Seite, des Gaons von Wilna auf der anderen. Der Baal-Schem leugnete das Gesetz nicht, aber es war ihm nicht der zentrale Punkt. Auch die talmudiscbe Gelehr־ sandtet galt ihm nicht viel Gut und Böse waren ihm nicht starre Größen. Seine Lehre formulierte Koigen als die Verkündung des Urzustandes vor dem Sündenfall. Daraus folgt ihm die Bejahung des Lebens und seine Ergreifung in Freuden. Schneur Salman ist der Begründer einer chassidischen Schule, die in ihren Lehren sehr viel Aehnliches mit denen des Neuplatonismus hat, ohne daß Salman je von diesen Kenntnis gehabt haben dürfte. Der Chabad-Chassidismus, wie sich diese Schule nennt (״Chabad“ aus den Anfangsbuchstaben von: Chochma, Binah, Daath), behauptet den scheinbaren Charakter der Welt. Das Ziel muß die Erlangung jener Erkenntnis sein, welche den Schleier der Illusion zerreißt. Der Zaddikismus schließlich schaltet zwischen Mensch und Gott den Zaddik als Mittier ein. Noch zu des Baal-Schem Zeiten entstanden Gegensätzlichkeiten zum rabbinischen Judentum, sie wurden um so heftiger, je mehr es dem Chassidismus gelang, Fuß zu fassen und Ausbreitung zu gewinnen. Anlaß dafür waren weniger die Lehren an sich, als vielmehr gewisse Aenderunen Im Ritus und in den Gebräuchen, die sich allmählich ei den Chassidim ergaben. Die Kräfte der Mithnagdim sammelten sich um den Gaon von Wilna, einen außerordentliehen Menschen, der Zeit seines Lebens die aufs Wort enommene Autorität im damaligen Judentum war upd noch eute in sehr lebendigem Gedächtnis ist. Bannsprüche regnete es von beiden Seiten, auch Regierungshilfe wurde von den damals autonomen Kahalira in Litauen in Anspruch genommen und die Ausweisung von Chassidim aus litauischen Städten erwirkt Beide Parteien führten den Kampf auch durch Wanderprediger. Diese gelangten bis nach Deutschland und Oesterreich, und einer von innen, Salomon Maimon, ein Mithnaged, der nach Frankfurt a. O. verschlagen wurde, verfaßte jenes antichassidische Pamphlet in deutscher Sprache, das lange Zeit das Urteil der westlichen Welt über die Chassiduth so sehr beeinträchtigt hat In Wahrheit aber zeigt dieses Pamphlet schon dje Hand, die sich auch gegen den Rabbinismus erheben wird, die Hand der Haskalah. Die Bewegung der Haskalah, die Uebersetzung der Aufklärung in die jüdische Umgebung hat den Kampf zwischen Chassiduth und Mithnagdim gegenstandslos gemacht. In Wahrheit ist aber nicht ne die echte ParaUeierscheinung einer europäischen Entwicklung, deren bloße Uebersetzung sie ist, sondern die Chassiduth, welche aus dem Judentum wurzelhaft erwachsen, in ihm die Funktion der Reformation in der europäischen Welt erfüllt; Die Rüdekehr zu den Wurzeln. M- & BOcherschan Quellenbuch zur jüdi::hen Geschichte und Literatur. Von Dr. J u 1 i u s H ö x t e r. II. Teil: Spanien, j. Kauffmann, Verlag, Frankfurt a. M. 1928. 1,80 M. Die Kenntnis der jüdischen Literatur des Mittelalters ist heute auf einen sehr kleinen Kreis beschränkt; es ist daher höchst willkommen, daß uns hier ein Lesebuch geschenkt wird, das eine reichhaltige Auswahl aus dem poetischen, religiösen, philosophischen, apologetischen Schrifttum jener Zeit darbietet Alle Größen der spanisch-hebräischen Epoche sind durch charakteristische Stücke vertreten. (Die gewählten Uebersetzungen der Gedichte sind manchmal etwas altmodisch.) Diese Gelegenheit, zu den Quellen unserer Vergangenheit hinabzusteigen, sollte nicht un ausgenützt bleiben, zumal das Büchlein gut gedruckt und billig ist. Leopold Hlchler, Der Sohn des Moses Mautner. Ein Wiener Roman. R. Löwit Verlag, Wien und Leipzig. Schmalz ist gut, wenn es von Gänsen kommt und im Verein mit Grieben auftritt. Schmalz ist schlecht, wenn es von Schreibern kommt und im Verein mit Druckerschwärze auftritt Schmalz wird unerträglich, wenn es in Gestalt eines Wiener Romanes von 321 Seiten auftritt Noch niemals habe ich mir an Gänseschmalz so stark den Magen verdorben wie an diesem Buche. Und doch — dies Buch mag sein Publikum finden. Würde sonst ein großes jüdisches Wochenblatt auf den von allen guten Geistern des Geschmacks verlassenen Gedanken kommen, den Roman brockenweise seinen Lesern vorzusetzen? o Mosenthal! o Kompert! blickt herab auf das undankbare Geschlecht der Enkel und verzeiht mir, daß ich euch mit L. Hichler in einem Atem nenne, B a t h H i i 1 e 1. Unter die Klassiker deutscher Geschichtsschreibung, die der Verlag Wolfgang J e ß in Dresden nach den vorangegangenen Neuausgaben der Werke von Ferdinand Gregorovius herausbringt, gehören Alfred yon Reumont und Johannes Voigt. Es erscheinen: Alfred von Reumont, Frauenschicksale in der Renaissance. Zwei Bände. Mit einem Farbenlichtdruck und 60 Lichtdrucken nach alten Vorlagen herausgegeben von Emil Schaeffer; Johannes Voigt vereinigt in seinem Buche Deutsches Hofleben im Zeitalter der Reformation (500 Seiten mit einem Zweifarbendruck und 30 Lichtdrucken). Berichte über das Leben an deutschen Fürstenhöfen.