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Jüdische Rundschau · 1928-02-07 · Heft 11 (7.2.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 11 (7.2.1928)
Date
1928-02-07
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 80 JU El) IS CHE RUNDSCHAU Nr. 11, 7. 11. 1928 ״Aus unbekannten Schriften'1 Als ,,I ■’ c s t 1; ״ h 1׳ tu 1 Martin H 11 11 er /um '>!). (ieburtstag" haben Frau/ Rosenzweig, l.udwig Strauß und Wilheim Michel ein Samiiielbtieh herausgegeben. ׳;las den Titel .,Aus unbekannten Schriften'‘ fuhrt (Verla״ I ambert Schneider, Berlin). Das Huch enthalt bb Beitraue, in welchen Huber nahestehende Menschen verschiedenster Art, Philosophen, Schriftsteiler, Dichter, Religionsforscher, Juden wie Nichtjuden, je ein unbekanntes Zitat aiituhren mul besprechen. Die Beiträge haben /um feil den Charakter einer persönlichen Kundgebung, /um Teil den einer wissenschaftlichen Arbeit. Wir weiden auf dieses merkwürdige Buch noch /ti sprechen kommen, mul geben heule einen der jüdisch interessantesten Beiträge des Buches mit Denchmiguug des Verlages und des Autors hier wieder. Gerhard Scholem Rabbi Abraham ben Eliescr Halewi: Ueber den Tod der Märtyrer Wir wissen nicht sein׳ viel von der Stimmung der Juden in den Jahren, die der Vertreibung aus Spanien voraiiginge.n. Man weil!, dal! sie /u sterben wiilitcn, .Man hat die Berichte der Chronisten. Wie aber ״jüdisch sterben" möglich ist und was sich dabei voll/ieht, erfahren wir bei den Mystikern, Fine Rede Abraham llalcwis, des ״rollen Apokalvptikers der alteren Kabbala, beschreibt den Weg der Martvrer, ihren Tod und ihre Seligkeit, im Aiischhili ans Hohelied VIII, 5 7. Sic ist ein ergreifendes Dokument, liier i-t der (»'danke der ,,I leiligung des Namen-*■ mit der mystisehen (ienauigkeit versfindeii worden, die hei den hedeutenden Autoren der Kabbala so selbstverständlich scheint. Nicht visionäre (icstaltcn und tnistciidc Stimmen erleichtern den Märtyrern den I'od. In der selige״ Anschauung de.י Namens, den / u heiligen die l.clirc befahl, den aus/usprechen sie verbot, sind sie hiiiübergegangen. Da, l '11anschaulichste der Sprache: der Name tiottes, ruht über der I rille der Welt. Und in dies Zentrum aller Sprachbewegung versunken, überlieferten sie sieh seiner (iewait. Vom f euer der (iottcsliebe mehr als vom l ener der Inejnisitiou reingebrannt, keinen sie uirbefleckt in den Mutterscholl der Seelen zurück und sind im mystischen ,Osten' wohnend dem tieset/ der Wiedergeburt entrückt. Die Predigt ist das ein/ige Stuck, das sieh au״ des Autors verlorenem Werk ״Megillath Amratel" erhalten hat. Sie steht in der Oxforder hebräischen Handschrift 2TB. R. Ahraham Halewi lebte etwa von 11(111 bis 15 50. * 1:8 ist eine Ueberliefermtg bei eien Weisen: wenn einer in seinem I ler/en beschlicht, sich für die blue Seines großen Namens hin/.ugeben, map sein, was da will und komme über ihn was map der wird die (dual der Wunden nicht fühlen, :lie nur denen (dualen machen, die nicht mit ihrem pan/011 Herzen entschlossen sind. Führt man nun einen solchen Mann hinaus, um ihn mit harten Foltern zu peinigen und zu plage» wie es den heiligen Märtyrern, der Blute der Jugend, den Söhnen Hannas der Märtyrerin in den Tagen der Makkabäer geschah: das waren die, welche vor üott hintraten, die lleklen, die (ioftes Streit stritten und richtet er in jener Stunde seine ganze Kraft darauf, den gewaltigen und groben Namen (ioftes an/usch״uen, der in dem Raum /wischen seinen Augen steht, und beschlicht in seinem Herzen, ihn zu heiligen, und schauen seine Augen aul den Heiligen Israels und heftet er auf ihn Her/ und Sinn mit aller ,Macht, so da» der heilige Name brennendes Feuer wird und seine Buchstaben erstrahlen, über der Fülle der Welt ruhend, oder kann er die Buchstaben so grub machen, wie irgend in seiner Kraft steht — dann freilich kann er in seinem Herzen gewiß sein, die Versuchung zu bestehen. Sein Sinn ist fest, in üott geborgen, und er wird die Qual der Wunden und Foltern nicht fühlen und zum Zittern in Todesangst wird man ihn nicht bringen. Und mag das dem Verstau.I auch unwahrscheinlich scheinen es ist erfahren worden, und von den Weisen und ,Märtyrern überliefert. Darüber aber, wie er den Entschluß fassen soll, den Namen zu heiligen, wenn sie ihn foltern und befragen und ausforschen, und ihm versprechen, ihn loszugeben und nicht mehr zu quälen, wenn er Uottes!ihre verleugnen wolle, oder wenn sie von ihm verlangen, zu sagen, was er sein wolle darüber habe ich bei einem der Frommen geschrieben gefunden: Dies soll seine Antwort sein ״Was wollt ihr von mir? Ja, ich bin Jude, als Jude will ich leben, als Jude will ich sterben, als Jude, Jude, Jude!“ Und dann soll er im Herzen beschließen, was seine kippen gesprochen und sein Mund geredet, und soll festen Sinnes sein und entschlossen, seinen Schöpfer zu heiligen und den Namen seines üotics nicht zu entweihen. Dann wird er die Foltern nicht fühlen; und auf dies .Mysterium deutet der Prophet Jesaja, wenn er sagt: ״Der soll sagen: ich gehöre üott, und der soll den Namen Jakob rufen, der soll sieh au üott verschreiben mul mit Israels Namen sieh benennen!" Und diese Worte sind wert, in Israel verbreitet zu werden, denn dies Zeitalter ist ein Zeitalter der Verfolgung, und es ist gut, da» der ürundsat/ von der Heiligung des Namens keinem unbekannt bleibe, der nach Israel benannt ist. Denn wer weiß, wer weiß, was der Tag gebiert und was das bilde des .Menschen ist. Von der Seele des Märtyrers aber, der seine Seele an üott allsliefert und an den Scheiterhaufen seinen l eih, der in der hiebe zu Ihm beharrt und unter Frevlem stirbt, von ihr hat Salomo gesagt: ״Wer ist sie, die emporsteigt ans der Wüste, sieh stützt auf ihren Freund?" Demi tiottes Wort ist klar: sie stiit/t sielt und fällt zusammen, ülied um ülied, Stück um Stuck; und die (»‘rechten, die im innersten Palast des Königs wohnen, ela wo die Freude ihre Stätte hat, sie sagen von der Seele des Märtyrers: Wer steigt ela empor ans der unteren Welt, die der Wüste gleicht, wo mir Schlangen und Ottern, Skorpione mul Durst sind? Um der hiebe zu ihrem Freunde willen fällt ihr Leib in Stücke■ bei dem schreck־ liehen (»■rieht, das an ilun vollstreekt wird; mit w eißglühcivden Zangen zwacken sie sein Fleisch oder mit dem Schwert hauen sie ihn zu Stücken, (iott aber, der Herr des Friedens, aus hiebe zu dem sie all;lies erduldet, schaut von seinem Ort herab und sagt von dem Märtyrer, dessen Seele /u ihm aufsteigt: Sieh, du hist rein und grade, heut habe ich dich wiedergehoren und ״unter dem Apfelbaum erwecke ich dielt'• im paradiesischen üefilcl der ,Apfelbäume‘. Deine Seele, die das .Martyrium erlitt, ״tritt rein vor ihre .Mutter", den Thron meiner Herrlichkeit, aus dem sie herausgehvoehen ist. Denn ״dort", wo der Thron, die .Mutter aller Seelen, ist, ״hat deine Mutter dich geboren, dort lag in Wehen, die dich gebar". Und der Märtyrer antwortet seinem Schöpfer mit den Worten des Hohenliedes: ״hege mich wie ein Siegel auf dein Iler/, wie ein Siegel auf deinen Arm“, und vergiß mich nicht in Ewigkeit, gedenke der Liebe, mit der ich dich geliebt, denn wenn sie mich auch für meine Liebe zu dir töten, ich spüre es nicht, ״denn stark wie der Tod ist die Liehe" begrüben sie mich auch hei lebendigem l eihe, das alles gilt mir nichts, denn ״hart wie die Holle ist der Life!", mein Litern für die F.hre deines Namens. Und wenn sie mich verbrennen und in die (ihtl werfen, auch das ist nichtig gegen die Liehe /u dir, denn meine Liehe /11 dir ist ein W under an mir und brennt in mir wie Fackeln, ,,ihre (iluteii Fettei'sgiuten, eine göttliche [lainme". Und wie denn sollte meine Seele von jenem geringen heller leiden, wo die Feuerflammc deiner hiebe anschwillt und in mir entbrennt. Not und Qual, die• wie Wasser sind, können das Feuer meiner hiebe nicht lüschen. Und wäl/en siel! die Verfolger wie ein Strom heran, dein (jeist drängt in mir, mich für dich hiu/ugebett. Ich spreche nicht von meinem Hab und (int, denn ״Habe ist weniger als nichts״, und wollte sieh einer rühmen, ״er gäbe alle Halle seines Hauses für l iebe hin", den verachteten die Vollendeten, Kulturwoche der zionistischen Jugend Berlins vom 19. Februar bis 3. März 1928 P r o g!• a m m : I. Sonntag, den 19. Februar, nachm. 4 Uhr im Gartensaal des Logenhauses, Kleiststr. 10; Eröffnungskundgebung 1. Herr Dr. Ernst Simon, Frankfurt a. M.: ״Jüdische Kultur als Aufgabe“. 2. Herr Dr. M. So 1 o we i t seh i k : ״Die Geschlchtsauffassung der jüdischen Antike“. II. Vorträge über ״Neuhebräische Literatur“ Referent: Herr Dr. Max Mayer 1. Die klassizistische Haskalah- Epoche 2 3. Die romantische und realistische Haskalah-Epoche 4. Der Wandlungsprozeß 5. Neuhebräische Publizistik 6. Neuhebräische Lyrik Die Vorträge finden statt: Am Dienstag, den 21״ Mittwoch, den 22״ Sonnabend, den 25״ Dienstag, den 28., Mittwoch, den 29. Februar, Sonnabend, den 3. Mär־/., abends 8 Uhr, im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestrnßc 10. Karten: Für den gesamten Zyklus M. 1. , für den Einzelvortrag 30 Pf. im Büro der B. Z. V., Berlin W 15, Meinekeslraße 10. die vor üott liintretcii, denn das gilt ihnen nichts und alle I It rrlichki it der Welt ist ihnen verächtü 'h. Aber dessen darf sieh einer rühmen: wenn er seinen Leib dem Scheiterhaufen übergeben hat und all;len andern harten Foltern, von denen ich gesprochen; denn dies gilt vor üott und Fr legt ihn wie ein Siege! an seine Rechte, ,windet ihn um sein Her/ wie einen Schmuck. Seine Seck■ leuchtet in < iottes Licht und Kein Auge hat noch die Seligkeit erschau!, die seiner harrt. Denn seine Stufe »ml üewalt sind groß und sein Platz ist bei denen, ״die nach Osten lagern": Mose mul Aaron, dui von Rom Erschlagenen mul den Er״cl1!.״(׳en* n ,י :־ Ltul. Er wiegt eine gan/e \\ eh auf und seine > ' "ז. ,1,!׳•' ״ To:•״;!. Martin Buber als Erzieher Von Hans Ros e tt k r a u /. Martin Buber ist für viele Juden das was Sigmund Freud für viele auch nichtjüdisehe Menschen ist: der Erklärer ihres Selbst. Er hat in der richtigen, der bereiteten Stunde Fragen gestellt und Antworten gesagt, welche tief in die verschüttete» Scclcnsehächte westeuropäischer Juden hineingruben. ״Warum nennen wir uns Juden? Weil wir es sind? Was bedeutet das, daß wir es sind?" < »an/ einfach ist diese Frage gestellt, die ktiappeste Formulierung׳ eines heiklen Problems, ve.rausset/imgslos gefragt mul geradezu, so geradezu, wie der Jude seinen üott anspricht. ״Die Frage, die ich Ihnen und mir heute vorlege, ist die Frage nach dem Sinn des Judentums für die Juden.'‘ Ja, das ist die Frage! In drei kurzen Sat/en stellt sie vor dem Hörer: ״Warum? Weil wir es sind c Was bedeutet das? . . . V o r a l! s s e t / u 11 g s I o s ist die f rage gestellt, aber wie abgründig ist sie: Welche Untiefen des Schicksals mul des Erlebnisses enthält sie: der Stellung zu den Fitem, zur Religion, zur Rasse, zur Vererbung, zur Sprache, zu ״ich selbst. Voraussei zungslos ist die Frage grstUlt. Aber, was bedeutet das, an diese von der Qun! der Jahrhunderte belastete Frage ledig aller I lypothesen. nur brennend vor Begierde nach der Antwort voranssei/tmgslos heran/itgehen?! Welcher Mut gehört dazu, welche Freiheit und welches Wissen vifti sieh selber! Martin Hubers erziel» rische Mission war es, jüdische Mensehen in sieh selber him.in/11führe!1. I r trug nicht Fragen an sie heran, sondern er holte sie au-, ihnen heraus. Als die innere l.age der Juden und besonders die der jungen jüdischen Intelligenz wieder einmal als unhaltbare verspürt wurde, da stand Bnbers Frage nach dein Warum auf. ,,Warum nennen wir uns Juden?" liier Hegt der Unterschied zwischen seiner Stellung mul derjenigen ller/ls. I ler/ls jüdisches Unuulerlebnis w ar das der gekränkten I hre, des beleidigten Stolzes. Man schmäht unsere Abstammung^ gut, seien wir stolz auf sie! Man ließ unsere Väter den *gelben Fleck der Schande tragen, gut, machen wir eine hhrenfarbe daraus in dem gelben Deckel der ״Welt", unseres Blattes. Bnbers Frage war etwa so; Wir leiden darunter, der jüdischen üemeiiiseluft aii/ugehörcn? Warum leiden wir? Welcher Art ist die (iemeinsehaft? Auf welche Weise und warum gehören wir ihr an? Her/I war Politiker: er sah die Tatsache (tles Verfolgt- und des Beleidigtseins); also entschloß er sich zur großen Tat. Buber ist Erzielter: er sieht das innere Erlebnis des Einzelnen, und daß es ein Negatives sei (Leid- und Fragwürdigkeit des Judesiins), also beginnt er die Prüfung seiner Seihst und findet in sielt Uültiges, Befreiendes, 1 leitendes für die anderen. Wieviel war herunigedcntet worden am Judentum und an den Juden, wie schwer trug man an der Last seiner fragwürdigen Lxistenz. Da kam Buber! Er machte inneren Unwert zu innerem Wert; aus dem bedruckenden subjektiven Erlebnis befreiende, objektive Erkenntnis. Wer ist ein Revolutionär? Ist es der, welcher auf der Tribüne des Tages steht und mit lauten üesten die Herzen der Dorer zu Rauselt und Ekstase i'oitreilit, der in Sturm und Drang sie aufpeitscht zum Taumel, zum bald wieder Verebbenden, oder ist es jener, der zur richtigen, zur bereiteten 8tunde das zu sagen weiß, was in den .Menschen, die es angeht, lagerte und lastete? Ist Revolte das, was wir meinen, Aulstand, Bastilleiistiirm, Rausch und Begeisterung, die atts dem Unbewußten kommen, oder ist es wahrhafte R e v o I u t i o 11 , die uns nottut, plötzliche Klarheit, hallen der Vorhänge vor den Abgründen, Bewußtw׳erdiing, Weg- Weisung, Umwertung?! Rauselt, der sielt verflüchtigt, oder Erkenntnis, die bleibt, und von der es kein Zurück gibt? Und wer ist ein Erzieher? Ist es derjenige, der mit erhobenem Zeigefinger l ehre und Regel sagt, der einen Weg vot schreibt, den mau gelten solle, aber nicht dazu sagt, w i e er zu gehen sei, oder ist es jener, der den inneren Weg jedes Einzelnen aufspürt, ihm die Richtung sagt, welche ihm gemäß ist r Ist der Lehrer der wahrhafte Erzielter oder ist es der (iä rtn er, der den wachsenden!Trieben die ihnen eingeborene Richtung weist, der die Stellung eines Menschen zwischen den (»schlechtem der Väter und der Söhne, der Volker und der Sprachen ihm bewußt werden läßt, auf daß (r sieh erkenne und seinen Weg zu schreiten anbebe?! Wenn wir glauben, daß es nicht mir auf die Ekstase, sondern au! die Stetigkeit, nicht mir auf den Rausch, sondern auf die Klarheit, nicht nur auf die Lehre, sondern auf den Weg, nicht nur aul das Volk als Begriff, sondern auf das Volk als Stimme der Einzelnen ankommt, dann dürfen wir sagen, daß in diesem holleren und geistigeren Sinne Martin Buber ein Revolutionär und ein Erzielter ist. Lin Revolutionär, weil er als erster in dieser Fiele mul in dieser Klarheit zugleich die Stellung des heutigen Juden zu seiner Vergangenheit, zu seiner Umwelt und zu seiner Zukunft erkannt und gedeutet hat. Er hat als erster die Stelle im historischen Ablauf gezeigt, an der der Jude von heute stellt, den Punkt, an welchem die Fäden, die aus der Vergangenheit in die Zukunft, aus dem Erbe in die Anlage führen, in unserem Blute sielt kreuzen. Ein Erzieher, weil er uns uns selber gedeutet, weil ir unsere innere Zweiheit zum Symbol erhoben, weil er einen W e g gewiesen hat. So ist Martin Buber ein Revolutionär und ein Erzieher, w ie es sein Freund üustav Fandauer gewesen ist. Aber es wäre unaulriehtig zu verschweigen, daß auch die 1 ■r/ieherisehe W irkimg Martin Bnbers in manchem!-,unkte und in manchem Menschen verblaßte, so wie die erzieherische W irkuug I attdauers oftmals verschwand. In den stürmischen Jahren der Umwälzung gab es große Teile der zionistischen Jugend (sicher gibt es sie heute noch), welche den Namen Martin Buber mit Enttäuschung nannten und nennen, weil sic einen Führer zu praktischem Tun erwartet hatten, der auf dem Weg nach Zion als nachahmbares Beispiel voraiiginge. Aber /uei Elemente der erzieherischen Wirkung gibt es, die von Wichtigkeit sind: das Wort und das Beispiel. Die Tragik von Hubers erzieherischen Mission ist es, daß er die Bedeutung der (kirn inschatt für das V'olk und für den Einzelnen, ihre Not- Wendigkeit und ihre Möglichkeiten erkannt und gelehrt bat; daß er aber Zeit seines Feltens, weil er ein Dichter und weil er ein (ielchrter ist, in der Vereinzelung, Individualist, bleiben mußte, und daß er bisher noch nicht in cer Lebens-( iemeiiisehaft unmittelbar wirken konnte. Buber geht keinen Wog, den jeder nadtseltreiteu könnte. Nur se<!eil eigenen Weg kamt man suchen mit seiner Inbrunst, Bnbers lat ist das Wort, das er au ui,-o־e ii'idisc.'•. ' i< . ratioti gerichtet hat. Aber wie strahlt dieses wie leuch’ . es hinein in die Tiefen der Seele, welche KUrheit geht von ihm aus, welche (iewißheit trägt es in die Herzen! ״Die Jugend ist die ewige ülüeksebaiiee der Menschheit". Ist dies Wort nicht eine Tat und ist es nicht auch ein Beispiel für die ewig Alten״! Bnbers Fat ist das Wort! Sein Wort vertrieb die Dumpfheit aus den Seelen, riß sie hinauf zu Klarheit und Inbrunst, zur Selbstbejahmig und zur Hingabe. Sein Wort ist Erziehung; denn es ist das Wort eines Führers, der seiner seihst gewiß ist. Er bannte in deutsche Sprache prophetischen Atem. Seine Worte glühen von innen. Sie stehen wie (iottesfackeln an den Rändern seines Weges, den er gläubig dahinsehreitet, immer sich prüfend, führend und dienend, mit Stolz und mit Hingabe, der Jugend gewiß und der Zukunft gewärtig. Presse-Schau ln der ״( ihristliehen Welt" (Herausgeber Prof. Dr. Mactin Rade, Verlag Leopold Klotz, (iotha) vom 7. Januar schreibt Karl Kiilighardt, Frankfurt a. M., einen Aufsatz ״E i 11 W o r 1 f ü r d a s P a I a s t i 11 a w e r k d es Z i o - n is 11111s״, in welchem er sieh sehr nachdrücklich für den Zionismus ausspricht und sich mit den jüdischen Antiziomsten auseiiianderset/t. Ueber die Wirkung des Zionismus auf die Beurteilung jüdischer Dinge schreibt er folgendes: ״Wenn aber eitlem Unternehmen ethische Regungen in aller Weh. zur Seite stehen sollten, dann ist es die jüdische Palästina- Bewegung, die, gerade um ihres übergeschäftlichen und überwirtschal'tl» hen Inhalts willen auch im gesamten christlichen AFimllandc, nicht zuletzt in Deutschland, Uöiinerschaft findet. Wie lautet doch eine bekannte Antithese deutschen und jüdisch.■11 Wesens: ״Deutsch sein, heißt eine Sache um ihrer seihst wißen tun" und ״Jüdisch sein, heißt, jegliche Sache nur um üekles willen tun". Es hätte wahrlich nicht des hundertfältigen Beispicles idealistischer härtester Bauernarheit seitens jüdischer geistiger Kreise in Palästina bedurft, tun die Allgemeingültigkeit solcher Ausdeutung des jüdischen Wesens zu widerlegen. Jüdische Philantropen mul Philosophen aller Jahrhunderte haben zur üeniige andere Einstellung aufgezeigt, so wie umgekehrt sielt echt ״jüdischer" ('»•ist bei zahlreichen Nichtjuden jederzeit hätte feststellen lassen. Aber es ist doch schade, daß nicht die gesamte Jndenheit in der Welt empfindet, daß sie hier in Palästina zumindest ethische Werte zu fördern, ja ethische Weltgcltung zu gew innen hat.“ Der Verfasser weist dann nach, daß die Befürchtung antizionistischer Juden, daß durch die Verwirklichung des Zionistmts die Anerkennung des staatsbürgerlichen Empfindens der Juden leiden könne, völlig unsinnig ist. Zum Schluß äußert er sieh optimisti;eit über die politischen Au ssichten und sagt: ״Wenn es jüdischer und zionistischer Regie geliugt, das Arabertum von ihrer politischen Ungefährliehkeit zu überzeugen, dann wird auch der üefaltr einer lieberrenmuig Palästinas durch großarabische Bewegungen vorgebeugt sein. Und England hat bei aller Skrupellosigkeit itt seinem Ausspielen fremden wie befreundeten Volkstums kein Interesse, seinerseits Unruhe in die Länder um Sue/kanal und Rotes Meer zu tragen.־'

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