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Jüdische Rundschau · 1928-02-07 · Heft 11 (7.2.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 11 (7.2.1928)
Date
1928-02-07
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 11. 7. II. 1928 J U E I) I S C H E R U NDS C H A U Seite 79 ׳schlossen hatten, die von der Organisation auch an Posten ,:stellt wurde«, wo sie /war nützliche Arbeit leisten konnten, eil aber diese nicht ihrer Eigenart und ihren Fähigkeiten!!sprach, weder dem Ein/clncu Befriedigung bot, noch für 1c Bewegung wahrhaft fruchtbar wurde. Er unterschätzte ich! die Bedeutung der Politik für die Erreichung lies Ziels,!her das Wesen und die Seele der Bewegung sah er ״in der 'mgcstaltimg des Volkslebens, in der Erziehung einer wahrhaft ,letien (icneration, in der Entwicklung des jüdischen Stammes ,11 einer starken, einheitlichen, selbständigen, gesunden und reifen (ieineinschaft“. Neben der Propaganda durch das Wort für das in der Zukunft liegende Ziel sollte die Propaganda durch produktive Tätigkeit, sollte die ״(i e g e n w,a r t s - arbeif' für das jüdische Volk in der Diaspora treten. Der Begriff ״Jüdische R e 11 a i s s a 11 c e“ wurde durch Huber herausgelioben aus der Sphäre der philosophischen Betrachfung in die lebendige Wirklichkeit. Jüdische Dichtung, jüdische Kunst, aus den Tiefen der jüdischen Volksseele geschöpft, sollten ihre erlösende Kraft für die Wiedergeburt des jüdischen Menschen erweisen. ״In den Seelen 1111115 Zion geboren werden, bevor es in der sichtbaren Wirklichkeit ge- ^!halfen werden kann,‘• Diesem Leitmotiv hat Bubet in den folgenden Jahren gedient; dazu hat er die Jugend aufgerufen, und sic ist ihm freudigen Herzens gefolgt, weil hier neue ungeahnte Möglichkeiten eine reiche, beglückende Lebensaiifgabe schufen. Unter!»übers Leitung fanden in Wien ״Jungjüdische Abende'' statt, in denen sich den westlichen Juden zum erstenmal die Schönheit ostjüdischer Dichtungen in hebräischer und jüdischer Sprache offenharte. Line Brücke wurde geschlagen für ein besseres Verständnis des bisher so verkannten, verachteten ()st judentnrns. Das Verkennen w andelte sich in 15egreifen, ja Liehen. Solche jungjüdischeii Abende fanden von Berthold Fciwcl veranstaltet auch in Berlin statt. In den grollen Rahmen des fünften Kongresses, der sieh erstmalig eingehender mit den Problemen der jüdischen Kultur befalite, stellte Bither sein Referat über ,.J ü d i s c it e K u 11 s t", verbunden mit einer kleinen Ausstellung der Schöpfungen indischer Künstler. Nicht als etwas Fertiges, Vollendetes hetrachtete Buber die jüdische Knust, sondern als ein erst im Keime Vorhandenes, da der Jude, dem in der Abgeschlossenheit des Ghettos jedes künstlerische Schaffen versagt war, sich in reine Geistigkeit versenkt hatte und dem lebendigen Anschauen der Natur und der Menschen jahrhundertelang fern geblieben war. Jüdische Kunst war ihm eine grolle VerheilSung für die Zukunft; sie war ihm ein groller Erzieher, das jüdische Volk zu lebendigem Anschatien alles Seienden, zu lebendigem Empfinden alles Starken und Schönen zu führen; das vornehmste Mittel, aus ganzen Menschen ganze Juden zu machen. Jüdische Biklkinist, jüdische Dichtkunst, jüdische Musik sollten die Künder des unterstandenen Judentums sein. ״Eine wunderbare Vertiefung und Verinnerlichung erwarte ich von der jüdischen Kunst.“ Dem Worte folgte die Tat, die für das westeuropäische (udentüm von großer Bedeutung werden sollte. Auf dem Kongreß war eine Kultur-Kommission gebildet worden, der neben anderen auch Chaim Weizmann, Nahmt! Sokoiow, Martin Buber, Berthold Feiwel und E. M. Lilie angehörten. Gemeinsam mit den beiden Letzgenannten mu. Dr, Alfred Nussig, der später durch Davis Trietsch ersetzt wurde, hat Buber unmittelbar nach dem fünften Kongreß den ״Jüdischen Verlag“ in'Bet in gegründet. Bald wurde der erste Aufruf 1׳ ־ die Monistisch«• weit hinausgesandt. Zentrum der jüdischen Gii.urcnttviekhing wollte der Jüdische Verlag sein, für die 1 ׳:!!affenden einer«eits - für das Volk andererseits, auf dieses durch Herausgabe guter, auch ästethisch einwandfreier Bücher erzieherisch einwirken. Mit viel Liebe und Sorgfalt, allen Gebieten des jüdischen Lebens Rechnung tragend, wurde die Auswahl der in Aussicht genommenen Publikationen getroffen. Durch Ucberset/ungen aus dem Hebräischen und Jüdischen sollte die Welt des östlichen Judentums dem Westen erschlossen werden. Und zu diesem Wollen warb der Jüdische Verlag um Freunde. Schwer, sehr schwer war der Anfang. Die Führer Herzl und Nordau, die das Schwergewicht auf die politische Arbeit legten, hatten wenig Sympathie für die kulturellen Bestre- Innigen der Juiig/ionisten, die sich auf dem Kongreß zur dettiokratisclwioiiistischen Fraktion /usanuneitschlossen. Nach dem Exodus der ״Fraktion“, hervorgerufen durch die gleichgültige Stellungnahme des Kongresses zu den Anträgen der Kultur- Kommission, hatte Herzl zwar erklärt, daß der Kongreß keine kulturfeindliche Haltung einnehme, aber eine positive Unter- Stützung fanden die kulturellen Bestrebungen der Jungzionisten durch die Organisation nicht. Namentlich die ״Offiziellen“ in Berlin haben sich die ersten Jahre zmn Jüdischen Verlag ganz ablehnend verhalten. Und nicht sein׳ groß war die Zahl der Zionisten, die dein Rufe folgten, die sieh an dem zur Aufbringung der Mittel gebildeten Garantiefonds und Stibskriptionsfonds beteiligten. Das Mißtrauen gegen die Jungen, die ״Opposition“, die zum gleichen Ziel auf anderen Wegen gelangen wollte, war zu groß. Wann aber hätte je wahre Jugend sich durch das Kopfschütteln der Alten vom einmal als richtig erkannten Weg abbringen lassen? Die Schwierigkeiten steiften den Nacken, unbeirrt ans Werk zu gelten. Als erste Publikation erschien unter der Redaktion von Feiwel und Lilien der ״J ü d i s c he A I m a ״ a c 11". Selten ist wohl das Werden und Entstellen eines Buches von innigerer Hingabe begleitet worden, als dieses. Jeder Beitrag wurde eingehend geprüft, ob er sieh auch den! Rahmen recht einfüge; auf Tvpe, Raumverteilung, Anordnung der Illustrationen wurde das höchste Maß der Kritik gewandt; nichts war zu geringfügig, uni nicht bis ins Letzte auf seine Wirkung hin untersucht zu werden. Dieses erste Kind des Jüdischen Verlages, als Festgabe zu Roseh-ha-Schanah äbö'i gedacht, sollte in besonders schönem Gewände in die Welt hinaus/ieiien, um die Herzen der Juden zu gewinnen. Segnende Priesterhantle, von Lilien entworfen, schmückten den Einband. Feiwel gab ihm i,1 starken, tiefen Worten das Geleite. Der reiche Inhalt läßt sich hier auch nicht andeutungsweise anschaulich machen. Juden des Ostens, die die Wurzeln ihrer Schaffenskraft noch tief in altjüdischer Tradition versenkt hatten, moderne Juden des Westens, dem National-Judentnm innerlieh verbunden, aber auch westeuropäische Künstler und Schriftsteller, die ohne Zusammenhang mit ihrem Volke lebend, doch dessen Wesenseigentiimlichkeiten in ihrem Schaffen ungewollt zum Ausdruck brachten: Sie alle hatte Feiwel geeint zu dein einen großen Zweck: ״für die Er- Haltung und Entwicklung der jüdischen Rassenkraft und der jüdischen Volkspersönlichkeit." Martin Bttbers Beitrag hieß ״Die Schaffenden, das Volk und die Bewegung“. Die Analvse des Schaffenden, die er darin gibt, sei hierhergesetzt. Die Schaffenden sind ihm nicht die Intellektuellen, denn diese haben zu viel Logik mul zu wenig Mysterium im Leibe; auch nicht die Künstler, denn diese sind niclir auf das Madien aus als auf das Werden. ״Die Schaffenden sind zugleich die intellektuellen und die Künstler, . . Die Schaffenden sind die Starken und Vielfältigen, in denen das menschliche Geschehen ztisammenströnieu muß, um zu neuen Entw ickluiigei] in Geist und Tat zu gelangen... Die Schaffenden sind die heimlichen Könige des Volkes.“ Audi zwei Gedichte von Buber enthält der Almanach: ״Der jünger“ und ״Die Magier“. Jahre hindurch waren sie meiner Lriimenmg enlschw,linden. Dodi als ich jetzt die Seite aufschlug und die ersten Zeilen las, da merkte ich, wie tief sie all die Jahre mit Wort und Rhythmus unvergänglich in mir geruht, wie nur echte mul starke Kunst es vermag. Eintragung: Martin Bubers in das Goldene Buch des Keren Kajemeth Der 50. Geburtstag von Martin Buber gibt den Zionisten Gelegenheit, ihm durch Eintragung in das Goldene Buch des Keren Kajemeth Glück zu wünschen und zu danken. Wir bitten alle diejenigen, die den Wunsch haben, Martin Buber ihre Grüße in dieser uns Zionisten vertrauten und angemessenen Form zu übermitteln, dies durch baldige Ueber- Sendung ihrer Spende zu tun. Zionistische Vereinigung für Deutschland Blumenfeld Rosenblüth Keren Kajemeth Lejisrael Wollsteiner Schwarz Glaser Das nächste große Werk des Jüdischen Verlages ״J i'1 ־ tl i s c h e Künstler" hat Buber heratisgegeben; es ist eine Sammlung von Lssavs über die repräsentativsten jüdischen Maler jener Tage: Josef Israels, Max Liebermann, Lesse!־ Urv, E. M. Lilien, Solomon J. Solomon, jehudo Epstein. Audi dieses Buch ist, wie der Almanadi, nur als ein Anfang, als ein Werdendes gedadit. Keine Theorien werden aufgestellt, sondern die Künstler werden in ihren Schöpfungen vorgeführt und dabei das Nachwirken ihrer Volkseigenschaft aufgedeckf. Buber selbst schrieb über besser IJry. An Hand eines vorzüglichen Bildermaterials vermag er die Welt dieses Künstlers zu erschließen, seine Visionen nachschaffend zum Erlebnis zu gestalten. In den Worten, die Buber dem Buche vorausschickt, rt •׳'en sic1; Jie ersten Ansätze jenes Weges, d ״ Buber spa«,! g,yittgvu ist: den Weg ״*um Chassidisraus. Hier ״:hon bezeichnet er ihn als die ״Geburt des neuert Judentums‘ ״D« r Mensehenleib wird das Wunder der Welt, die SchönhGt , 1״ Ausfluß Gottes, das Schauen eine Vereinigung mit Gent . Die in der Stille erglommenen Kräfte, die in der nivstisdien und doch so erdennahen Glut des Chassidismus ihre religiöse Tat gefunden hatten, lodern in das Schaffen der jüdischen Künstler unserer Zeit herüber." Immer nette Plane tauchten im Jüdischen Verlag auf; darunter auch der Plan zur Herausgabe einer Zeitschrift ״Her Jude", die aber erst viele Jahre später durch Buber Gestalt gewann. Ich muß es mir versagen, auf alle Publikationen Wissenschaftliehen und künstlerischen Inhalts hinzudeuten. Nur eine sei hervorgehoben, weil sich durch sie das Wort Herzls ״Wenn Ihr wollt, ist es kein Märchen“ in wunderbarer Weise erfüllt und das Märchen in unserem Lande weithin sichtbare Gestalt angenommen hat. Im Herbst 1902 erschien im Jüdischen Verlag eine von Buber, Feiwel und Weizinann herausgegebene Broschüre ״Fine jüdische Hochschule“ mit dem hebräischen Motto ״Gib mir Jabneh mit seinen Gelehrten". Der Initiator zur Schaffung einer jüdischen Hochschule war Chain! Weizmann; schon dem fünften Kongreß hatte er und Buber diesen Plan vorgelegt. Hoch schien es so ausgeschlossen, die Hochschule in absehbarer Zeit in Palästina zu errichten, dali anläßlich einer auf der Zionistischen Jahreskonferenz im Oktobet1902 ־ stattfindenden Debatte darüber, ״ob die Hochschule eventuell auch anderorts als in Palästina errichtet w erden könne" sowohl Weizmann als auch Buber sielt f ü 1־ diesen Plan aussprachen. Seither hat Weizmann unentwegt für die Errichtung der Hochschule gewirkt, bis in unserer Zeit der Traum zur Wirklichkeit geworden ist in Palästina. Die zionistische Welt sah nur die Resultate, die Schüpfungen, die der Jüdische Verlag in rascher Folge hervorgebracht hatte. Was dahinterstand an Hindernissen, an Sorgen aller Art, die wirtschaftliehen stets im Vordergrund, das blieb ihr verborgen. Heute nach 25 Jahren darf es eiiigestandeii werden, wie oft seine Leiter den Mut sinket! ließen, wie oft man davor stand, die Arbeit für ihn, an der man doch mit allen Fasern seines Herzens hing, aufgeben zu müssen. Hoch fand sich damals immer noch ein Weg, der die Weiterarbeit erinöglichte; bis schließlich der Zeitpunkt kam, da er nicht länger zu halten war und der Jüdische Verlag von der Organisation übernommen w u rd e. Zum Angedenken an die ״schlimmscliöne Verlagszeit“ hat Buber mir sein Werk ״Jüdische Künstler“ gewidmet. Heute in der Rückschau fällt das ״schlimm“ fort, und es bleibt mir die Erinnerung an die ״schöne'' Verlagszeit. Demi schön und beglückend war es, in einer Gemeinschaft von Menschen wirken zu können, die ״den Ossa auf den Pelion türmen, das Ideal auf die Erde bringen wollten". Einer der Wagemutigsten war Martin Buber gewesen. * Es sind mir wenige Wochen her seit dem Abend, da Buber liier in Berlin in der ״Jüdischen Waisenhilfe" eine Aussprache über ״Religiöse Erziehung“ leitete. Ein Abend, reich an Anregungen, wie selten einer und wohl Allen, die daran teilnahmen, noch in lebendiger Erinnerung. Immer w ieder verschob sich das Problem nach der Seite der j ü ־ d i s c h e 11 Erziehung, und wer zu horchen verstand, fühlte, daß dies die verhaltene, unausgesprochene Not vieler anwesender Mjittcr war, die zu äußern sie nicht wagten, trotz aller Ermunterungen von Seiten Bubers. Da gedachte ich plötzlich des Briefes, den Buber vor zwei Jahren meinem Sohne /n seiner Bar-Mizwah mit auf den Weg gegeben hatte. Ein Gefühl überkam mich, als ob dieser Brief nicht einem Menschen allein zu eigen gehören dürfe, weil er mancher Mutter Antwort geben kann auf Unausgesprochenes oder t '11sagbares; weil er wegweisend wirken kann auf manchen jüdischen, jungen Menschen, der in entscheidender Stunde einer führenden Hand bedarf. Und darum hoffe ich, Buber werde verstehen, daß es nicht Mangel an Ehrfurcht vor dem Persönlichen ist, was mich bewegt, seinen Brief in diesen Zusainmcnhang einzureihen als ein Zeichen dafür, was er, der Fünfzigjährige, unserer heutigen Jugend als Führer und Freund zu sagen hat. Lieber Melchior — Es ist mir leid, daß ich an diesem für Dich so wichtigen Tag nicht bei Dir sein kann. So muß ich mich begnügen, Dir zu schreiben, was ich Dir lieber gesagt hätte. * * Du weißt, was Bar-Mizwah wörtlich bedeutet: Sohn des göttlichen Gebots. Nun freilich ist es nicht üblich, das wörtlich zu nehmen; vielmehr versteht man darunter eben einen, der das Gebot auf sich nimmt, der fortan also nicht mehr bloß als Naturwesen, sondern als Geisteswesen, als ein vom Geist aus bestimmter Mensch leben will. Aber es ist gut, zuweilen auf den ganz buchstäbliclien, obwohl nicht gültigen Sinn solcher Worte zurückzugehn. ״Sohn des Gebots“ — klingt das nicht so, als ob der, der diesen Namen empfängt, zum zweiten Mal geboren würde? Wie vor dreizehn Jahren aus seiner Mutter, so heute aus dem Wort Gottes? Aber ist denn Gottes Wort wie eine Mutter? Kann man sich an das Wort schmiegen, kann man sich bei ihm geborgen fühlen? Wohl, lieber Junge, man kann es, ja erst bei ihm kann man sich vollkommen geborgen fühlen. Der Mensch kann wirklich mit dem Unsichtbaren, das sich ihm in der Stille seines Herzens kundgibt, wie ein Kind mit seinen Eltern verbunden werden. Aber da ist doch ein ganz großer, entscheidend großer Unterschied. Mit seiner Mutter ist ein Kind verbunden, ob es will oder nicht. Aber mit Gott wird der Mensch verbunden, wenn er es mit seinem ganzen Wesen will. Und sieh, Melchior, das ist es, was den Bar-Mizwah-Tag vor allen andern aus/.eichnet: daß man da diesen Willen mit seinem ganzen Wesen zu wollen beginnt — beginnen soll. Und sowie man dies tut, wird man wirklich zum zweiten Mal geboren, als ״Sohn des göttlichen Gebots“. Der Mensch kommt als Gottes Geschöpf ins Leben, aber sein höchstes Ziel ist, Gottes Kind zu werden. Am Bar-Mizwah-Tag macht sich der Jude auf den Weg zu diesem Ziel. Noch ist er erst ״Sohn des Gebots", aber je weiter er in der Erfüllung fortschreitet, je mehr er das göttliche Ebenbild, das in ihm angelegt ist, verwirklicht, um so mehr wird er ein Kind Gottes selber. Für Dich, Melchior, bedeutet der Tag noch etwas Besonderes: den eigentlichen Eintritt in das Judentum, den Eintritt in das Volk, das nur durch Deiner Mutter Blut Dein Volk ist, aber das Du Dir zu Deinem Volk erwählt hast. Werde Dir wohl bewußt, mein Junge, was das für ein Volk ist, das Du Dir erwählt hast. Es ist von allen Völkern der Erde abgehoben, jedoch nicht durch besondere Geistesgaben, die denen der anderen überlegen wären — laß Dir das nicht einreden*. jedes Volk hat seine eigne Berufung, und keins darf sich über die andern erhaben dünken —, wohl aber, weil es einmal, in der entscheidenden Stunde seiner Geschichte, eben dies getan hat, was Du an diesem Tag tun sollst: weil es damals — ein ganzes Volk! — das Gebot Gottes auf sich nahm und Bar-Mizwah wurde; in jener Stunde ist es erst wahrhaft als Volk geboren worden. Und sein ganzes Schicksal, das Schicksal Israels hängt davon ab, ob es den Weg, den es damals antrat und von dem es seither so oft abirrte, bis zum Ziel weitergeht. Und das hängt nun von Dir mit ab, der Du Dir dieses einzigartige Volk erwählt hast und nun in seinen Weg eingetreten bist, mein Junge. Liebe dieses Volk wie es ist, mit seinen Tugenden und seinen Schwächen, mit seinen Bewährungen und seinen Verfehlungen; aber hilf ihm, durch die Art wie Du Dein eignes Leben lebst, tauglich werden und sich bewähren! Indem Du in seinen Weg eingetreten bist, bist Du in den Segen eingetreten, der ihm zugesprochen ist: Segne dich ER und hüte dich, licht mache ER sein Antlitz dir und begnade dich, erhebe Er sein Antlitz über dich und gebe dir Frieden! Dein Onkel und Freund Martin Buber. Ausstellung Regina Mundlak (in der Galle! ie Gasper am Kurfürstendamm). Der Name der in Warschau lebenden Künstlerin ist lins nicht fremd. Man kennt ihn aus der Zeit vor dem Krieg: Regina Mundlak, die junge pol-!lische Jüdin, damals ein Wunderkind, hat vor dem Krieg, noch nicht zwanzigjährig, in Berlin ausgestellt. Fine sein־ schöne Radierung, ein alter Jude auch noch in der jetzigen Ausstellung eine der stärksten Arbeiten, stammt aus dieser Zeit. Regina .Mundlak ist Graphikerin, auch in ihren Aquateilen. Sie ist in erster Linie Zeiehnerin. Man sieht noch die Wurzeln, im Thorahschreiber (Aquarell-Tempera), auch in der ,,leidenden, alten Frau“ (Aquarell): Naturalismus, stark durch das psychologische Erfassen der Ein/elgestalt, aber noch ganz ohne impressionistische Feinheit. Der erwähnte ״alte Jude", die Radierung, wirkt viel moderner; leichter, tiefer, dem großen Zusammenhang näher. Ihre Aquarelle sind übrigens fast alle farbige Zeichnungen; auch das Mädchen mit den Rüben (angekauft von der Kunst- Sammlung der jüdischen Gemeinde) und auch das Kabinettstück, die 108jährige Greisin, in einigen ״lachenden Köpfen“, /. T, Uinriß/eichiHingen in Aquarell, gelingen der zeichnerischen Könnerin prächtige Arbeiten. Sein־ schön ist ein alter Jude mit mongolisch-jüdischem Typ, verschlossen-verschmit/t, und ein altkluger kleiner Ghettojunge. Manchmal spürt man in ihrer Graphik die Leidenschaft der Linie, den großen Wurf. Regina Mundlak geht nach zwei Monaten, die sie in Berlin bleiben will, wieder zurück nach Warschau. Die sein־ begabte Künstlerin braucht und verdient alle Förderung. Ruth Moroid. Die Fortsetzung der Reiseschil lertmg , E i n j ii d i s c 11 e 1־ Schriftsteller reist nach Kanada" von Seit. Gorelik sowie des Rornanes ״Hotel S a v o y" mußte wegen Raummangel für die n ii c 11 s t e N u in rn e r der Unterhaltungshiilagc zunickgestelit werden.

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