Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 11 (7.2.1928)
- Date
- 1928-02-07
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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\T. 11, 7, II 1928 J 1;[: 1)1 SC II! RUN I) S C II A U Seite 81 ״Habiinah“ in München In München hatte das ״Habi!11ah־'-F11se111ble, das sich! einer er toi 1; re iche 11 (iastspielreise durch I )eiitscliland ln־- siet, einen aiii’ierordentlielien Erfolg hei!,uhlikimi mul Presse, den ״M ü n c 1111 e r Neuest e 11 N a c 11 1׳ i c 111 e 11“ schreibt ilh. v o 11 S c 11 r a 111 111 11. a.: ״Mail kann gestehen, da 11 man noch selten von einem > lieaterahend so tiefe Eindrücke empfanden hat, seihst wenn;1.111 maiiclinial hel'renulet mul abgestoßen wird durch den Lärm, auch den Singsang, durch das aufgeregte 1 )urelieiiiaiider auf .'er Huhne. Aber auch das ist echt, notwendig und im!!filieren Mime, in Be/ielmnet auf ein Volkstum, wahr. Die Schauspieler;eben in dem, was sie spieleil, sie verbrauchen vor allem eine ganz iiberrealistisclie Kunst der Maske, die durch Betonung des Niedrigen und Erbärmlichen pan/ unmittelbar au die Seele greift. Der Tau/ der Krtiiumeii, Lahmen, Blinden und Bettler vor l.eah das liefet auf der Linie, wie sie sich Strimlbcrg ge- 1e״entlieh vorgestellt, aber niemals erreicht hat. Doch vor dem1 Dunklen steht diese l.eah in fast überirdischem Dian/ als das Helle: mit w etilem Kleid ein Engel unter Erbärmlichen. Das Ziisammeiispiel dieser Truppe ist so, wie man es noch nirgends Meschen hat." Audi die anderen Zeitungen äiiliern sieh mit größter Bewtimlermig über die Kunst des ״I labimah“. Stalin, Trotzki und . . . Zionismus So betitelt ein ungenannter, offenbar mit den Verhältnissen in Rullland put vertrauter Mitarbeiter der ״Jüdisch-liberalen Zeitung“ eine Antwort auf den von mir in der ,,Jüdischen Rundschau“ erschienenen Aufsatz: ״Auch Trot/ki“. Der Autor des Artikels in der ״Jüdisch-liberalen Zeitung" weist ״au/ richtig auf die kotn|)li/ierten Verhältnisse und diirclieinamler wirkenden Motive hin, die zu jener fatalen Entwicklung in der Sowjetlזnioii geführt haben, deren Opfer die Führer der Opposition, unter ihnen viele der bekanntesten Kommunisten jüdischer Abstantnitiiig, sind. Der Autor leugnet, (lall in diesem Kampfe lim die Macht das j ii d i s c 11 e Motiv irgendeine Rolle spiele. I )ainit aber rennt er offene Türen ein. Der Sinn meiner Ausführungen war nicht, dal! das Judentum der verbannten Oppositionsführer jüdischer Abstammung sie in einen Ucgeiisatz zur herrschenden Mehrheit gedrängt hätte. Vielmehr versuchte ich dar־/ulegen, dali die Entwurzelung und seelische I leimatlosigkeit dieser a s s i in i I i e r t e 11 11 n d e n t j u d e t e n Führer den Boden abgegeben hat, auf dem ihr besonderer Radikalismus hinsichtlich der Weltrevolution und ihr Unverständnis für die Realität Rull- Lands emporwachsen konnte. Ich wollte sagen, dali unter den Denkern und Wortführern der russischen Opposition Elemente verwiegen, die nicht im Erdreich der Tatsachen verwurzelt sind, sondern, wie es im deutschen Revolutionsliede vom alten Hecker heilit, ״am Traume“ des kosmopolitischen, fundanientlosen Intermitioiialismiis hängen. Ich habe auch nicht behauptet, dali die Bolschewiken die nationalen Fragen in der Sowjet-Union restlos gelöst hätten. Ich verwies mir darauf, dali der Bolsdiewis- 111 ns die nationale I 1,1.:c bejaht. Die prominenten Opposition*- füll rer jüdischer Abstammung aber haben wepen ihrer Wurzellosipkeit für das nationale Problem nicht viel Verständnis. Dali cs auch Juden bei der Mehrheit in der Sowjet-Union gibt, ist mir natürlich nicht unbekannt. Doch handelt es sich bei diesen luden /um proben Teile um schwankende Oestalten, die keinesweps in gleichen! Malle hervorstechend und scharf Umrissen sind wie trotzki, Sinowjew, Joffe und Radek. In meinem Aufsalz stand kein Wort von Zionismus. Warum der Autor das Wort Zionismus in den Titel setzt, ist mir unerfindlich. Ebenso erscheint mir die absolute Ablehnung des Bolschewismus in diesem Zusaminenlianpe pleicherweise abwegig, wie es eine vollständipe Bejahunp wäre. 111. w. Fritsch und Ford Wie erinnerlich, hat der Besitzer des Hammer-Verlapes in Eeip/ig, Theodor Fritsch, ein offenes Schreiben an Henri Ford perichtet, in welchem er den amerikanischen Milliardär zu überreden versuchte, zu der antisemitischen Bewepunp /lirück/iikeliren. Der Brief war nichts anderes als eine Häufung von Schmeicheleien und Lobliiidehinpen und enthielt zum Schlu H die Beinerktmp, dali in einem anliegenden Schreiben die Bedingungen genannt werden, unter denen er, Fritsch, bereit wäre, auf den Vertrieb des Ford'sclien Werkes ״Der internationale Jude“ zu verzichten. Wie die ״U. V.-Zeitiinp“ erfährt, hat Theodor Fritsch, der am 20. Januar dem Richter in der Leipziger Haupt- Verhandlung^ auf die Frape nach seiner wirtschaftlichen Existenz erklärt: ״Mit den Antisemiten kann tnan kein Deld verdienen“, von Ford nicht weniper als •l't (ItIO M. als angebliehen Verdiensteiitpanp durch die Aufgabe des Vertriebs des Ford'sclien Buches verlangt. Der Vorsclilap war bis zum 9. Januar d. J. befristet. Die 1 )״. V. -Zeitunp" bemerkt weiter: ״Ford scheint diese Forderunp für imherechtipt zu lialteil, die Frist bis zum 9. Januar!null wohl ergebnislos abgelallten sein, denn Fritsch veröffentlicht in! ,Börsenblatt für den deutschen Buchhandel׳ nach dem 0. Januar wieder (ine auffallende Annonce, in der er ankiindipt, dali er, pestiitzt auf die urheberrechtlichen (iiitachten prominenter deutscher Juristen hercchtipt sei, seine A 11 s p a b e 11 des I o r d’s e 11 e 11 B 11 c 11 e s w e i t e r z u v e r t r e i b e 11. Fr könne also nach wie vor dem peehrten Publiko die impemein bedeutunpsvollen Betraelitimpen Henry Fords /um Kauf anbieten.“ Wir sind gespannt. was Herr Ford aber auch was die deutsche und sonstige ()effciitlichkcit zu diesen Feststellungen sapen wird. Palästina und die Posener Messe Jerusalem, 20. Januar. (J.T. A.) 1111 Zusammenhang mit der Internationalen Handelsmesse, die am 2S. April in P o s e n eröffnet wird und bis 5. Mai dauert, arrangiert der polnische Ocneralkonsul in Jerusalem, l)r. Titus Zhvszewski, eine Exkursion p a 1 ä s t i 11 e 11 s i s c 11 e r (i e s c I! ä f t s - leute, Städtevertreter und Journalisten nach Polen. Die palästinensiscli-polnisclie Handelskammer in Tel-Awiw hat zu diesem Zwecke ein vorbereitendes Komitee gebildet. Pal.istinensisclic Produkte werden auf der Posener Messe ausgestellt sein. Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr, 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheck■ konto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltun״ der B. Z, V. Der Berliner Veranstaltungskalender wird ausschließlich von der Berliner Zionistischen Vereinigung zusammengestellt. Wir bitten alle Vereine und sonstigen Veranstalter, sich mit etwaigen Wünschen nicht an die Redaktion, sondern an die Berliner Zionistische Vereinigung zu wenden. Dienstag, den 7. Februar abends 8! Uhr Gruppe Nord, im Sitzungssaal des Denieindclnitises, Rosenstralie 2 1. Frau Derda Arlosoroff: ״Palästinensische Wirklichkeit“. Abends SD Uhr Gruppe des XII. Bezirks, im Cafe Bohne, Steglitz, Alb rechtst r. 127. I)r. A. (in1111־erper: ״Die neuen Strömungen in der hebräischen und jüdischen Literatur“. Mittwoch, den 8. Februar abends Sי c Uhr Berliner Zionistische Vereinigung, itn Dartensaal des Logenliauses, Kleiststr. 10. Vortragszyklus: ״I )as Weltjudeiitiim“. 2. Vortrag: Herr Rahb. Dr. Max Wiener: ״Der religiöse Liberalismus“. Abends 8! - Uhr Jüdische Volkspartei (Bezirk: Prenzlauer Berg) im Saale des Musikervereinshauses, Kaiscr-Wilhelm-Str. 31. Oeffentliclie Versammlung: ״Die Volkspartei in der Jüdisehen (Hinein Je". Referenten: Dr. Klee, Dr. Sandler, Lösser 11. A. Sonntag, den 12. Februar vorm. 11 Uhr Jiid.-Nat. Frauenvereinigung, in den Kammerlicbtspieleii, Ooltzstr. 0. Vorführung d. Films: ״Ein ji'ul. Kinderdorf in Ben Schemen“. Eintrittspreis für Kinder 50 Pf., für Erwachsene 1. M. Karten im Büro, Meinekestr. 10. Donnerstag, den 16. Februar abends S' - Uhr Berliner Zionistische Vereinigung, im großen Saal des Logcnbauses, Joaehiinsthaler Str. 13. Herr F. Bernstein, Rotterdam (Verfasser des gleichnamigen Buches): ״Der Antisemitismus als Uruppenersclieimmg“. ווו 1.1 £(££**!< A4£M£TH AL Berliner Zionistische Vereinigung Donnerstag, den 16. Februar, abends ö'/2 Uhr im groben Saal des Logenhauses, Joachimsthaler Strafte 13: Vorlrag von Herrn F. Bernstein, Rotterdam (Verfasser des gleichnamigen Buches) über: ,,Antisemitismus als Gruppenersdieimmg“. Unkostenbeitrag 50 Pt. Eingesandt Gedalja Schmelkes Dießen, den 1. Februar 1028. An die Redaktion der ״Jüdischen Rundsehau“ Berlin. bestatten Sie auch mir, über den liingeschiedenen Oberrabbiner Schmelkes folgendes iiachzutiapen. Fs muß um die Wende des 10. Jahrhunderts gewesen sein, als Rabbi Dedaljahu S e 11 m e 1 k e s zum Oberrabb'iner der Stadt K o 1 o m e a aiiserschen wurde. Ich war damals Zögling der Kolomeaer ״Talmud-Thora- Schule", in der durch den um den galizisdien Zionismus ehe!!- falls sehr verdienten Herrn Osias F a d e!1 h e e 111 y׳\ bereits zionistischer Einfluß herrschte. Unter seiner Führung rückten wir, etwa 120 Kinder, aus, den ״Raw“ zu empfangen. ״Mau erzählte sich zwar im stillen, daß der neue ״Raw“ ein ״Zionist“ sei, aber man wagte es nicht, öffentlich atisztisprechen. Als aber der ״Raw aus dem Zuge stieg, da hörte jedes Rätselraten auf: Rabbi (iedaljaliu Schmelkes trug eine goldetie ״Z i o 11 s n ad e I" an seinem Ueberzieher, weit sichtbar, und alle seine Söhne, es waren deren eine ganze Anzahl, trugen ebenfalls die Zionsnadcl in aller ()Öffentlichkeit. Der Kampf gegen ihn begann sogleich, aber für uns werdende Zionisten war er ein Ansporn und Wegweiser, denn damals war es nicht leicht, Zionist zu sein. Hochachtungsvoll L, T eitle r. Briefkasten der Redaktion R. S., Berlin, Die Jerusalemer Meldung des ״Berliner I ageblatt", Abend-Ausgabe vom 4. d. M., über ein An- I e i 11 e a n g o b o t des Barons R o 111 s c 11 i 1 d von einer Million Ptiuid ist offenbar ein palästinensischer Ausläufer derselben Nachricht, die in europäischen jüdischen Blättern vor drei Wochen stand und zu der wir 11ns in Nr, 6 (Seite 2: Weizmann und Rothschild) geäußert haben. Wir haben dem damals Desagten nichts Neues liinziiziifügeii, da nach unseren Informationen die Verhandlungen wegen einer Teilaiisiedlung auf Pica- Boden noch nicht zum Abschluß gelangt sind. Kleine Nachrichten Lord Balfour ist vor einigen Tagen an einer Luftr ö 11 r e!1 c 111 z ii n d u!1 g erkrankt. Das kritische Stadium der Krankheit war bald überwunden, der Patient geht seiner Denesimg entgegen. Fr wird sich aber mehrere Wochen lang in seinem Heim zu Whittingeham in Schottland aufhalten müssen. Fine Sonderausgabe der palästinensischen ״Official Gazette“ veröffentlicht eine Verordnung, wonach für die Dauer des A u s- I a n d s a u f e 111 h a 11 e s L o r d P 111 m e r s Colonel S y m e s stellvertretender Higli Commissiouer von Palästina ist. Wällreml dieser Zeit wird Colonel Symes als Chief Secretarv von Mr. Mills vertreten. Der britische Kolonial minister \ 111 e 1 y hat seine halbjährige Tour durch die britischen Dominions beendet und wird für den 10. Februar in London zuriiekerwartet. Das britische Kolonialaint hat 75 aus R u ß I a n d ausgewiesene Zionisten die Einreise und die S e ß 11 a f t - machung in Palästina gestattet. Im Dezember 1927 wandelten 253 Personen, unter ihnen 170 Juden, in Palästina ein. Im November betrug die Zahl der Einwanderer 415, davon 306 Juden, im Oktober zählte man 310 Einwanderer, darunter 189 Juden. Die Hauptversammlung des Central-Vereins d e u t - scher Staatsbürger jüdischen Glaubens findet am Sonnabend, den 11., Sonntag, den 12״ und Montag, den 13. Februar 1928 im Plenarsitzungssaal des Reichswirtschaftsrates, Bellevuestraße 15, statt. Das Drama ״I) as reiß e ndc L a in m“ von Emil Bernhard (Rabbiner Dr. Emil-Cohn-Bcrlin) ist in englischer Uebersetzung unter dem Titel ״The Prisoner“ durch das Provincetown Playhonst: in N e w Y o r k zur Aufführung gelangt und hat einen durchschlagenden Erfolg erzielt. Der Londoner ״E v e!1 i 11 g Standard“ veröffentlicht einen Artikel, worin auf die besonders gute Eignung Palästinas für Kur- und Erholungszwecke im Frühjahre hingewiesen wird. Nach der erwähnten Zeitung werden itn kominenden Frühling zahlreiche Engländer sich zur Erholung nach Palästina begehen. Herr Aron Hirsch, Dr. 11. c., Vorsitzender der Firma Hirsch Kupfer und Messingwerke A.-D., feierte in diesen Tagen seinen 71). (iehurtstag. Hirsch hat auch jüdischen Angelegen-!leiten stets tätiges Interesse zugewendet. Er ist der Vater unseres (iesinmtngsgeiiosseii Siegmund Hirsch. Sport Boxklub Makkabi. Die Endrunde um den Bruno Goldstein-Pokal wird am 7. Februar, um 8 Uhr abends itn Saalbau Friedrichshain von den Vereinen Heros und Makkabi aus^etrasjen. — Karten von 0,75 bis 5 Mk. im Saalbau, bei Kazurky, Cafe Petriek, in den Trainingshallen beider Vereine und unter Hansa 5268 erhältlich. Sterbefall. Mitte Januar verstarb plötzlich im Alter von 66 Jahren unser Gesinnungsgenosse Herr Isidor H e r z f e 1 d , Reuthen, Herr Herzfeld gehörte zu den ältesten Zionist(־!! Oberschlesiens, welcher Bewegung er sich von Anfang an angeschlossen hat. Viele Jahre gehörte er dem Vorstand der Beuthener Ortsgruppe an, an deren Arbeiten er bis in die letzte Zeit das regste Interesse nahm. Er war ein Schüler des Rabbiners Dr. Rau s. A. in Pieß, der zu den ersten zionistischen Rahbinern in Deutschland gehörte und er hat diese Tradition in seinem späteren Leben treu bewahrt. Die Teilnahme an dem ganz unerwarteten Hinscheiden des Verstorbenen war außerordentlich und legte Zeugnis davon ab, welcher Wertschätzung sich der Verstorbene in weitesten jüdischen und nichtjüdischen Kreisen erfreut hat. Die oberschlesischen Zionisten werden seiner nicht vergessen. Geschäftliche Mitteilungen Unseren Lesern wird das Cafe Kutschera, Charlotte 11b 11 1־ g , B i s 111 a r c k s t r a ß c 109, am Schillertheatcr, bestens empfohlen; sämtliche in- und ausländische Zeitungen. ACHTUNG! Purim>Aktion des Keren Kajemeth am 19. und 26. Februar und am 4. März