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Jüdische Rundschau · 1928-02-03 · Heft 10 (3.2.1928) · page 5

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 10 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1 Nr.lft S U 1028 7UED!5CHE RUNDSCHAU ESCH• 71 Ha^ipnpf mm Zk» fa einer Besprechung der dritte# Emigratioiiikonferept, die vor einigen Tagen In Berlin stattgefunam» hat, schreibt M. Waldmann in der ״Jüdischen Zeitung für Ostdeutschland*' u. a. folgend«*: ״Wenn «an die Vorschläge der Referenten unter* sucht, so kommt man tun» Ergebnis, daß e» sich am einen ZionismutöhnePalJitln* handelt und ohne dl# Affen»- liehen von den Großmächten und dem VA'.kerbund garantierten Rechte, die In Palästina für die dort lebenden und neu einwandernden Juden Geltung haben. Außerdem dürfte dieser Zionismus ohne Palästina an die Opferfreudlekdt de* Jüditehen Volkes gleich hohe Ansprüche stellen wie die Kolonisation im Heiligen Lande. Dabei Ist festzuhalten, daß bei diesem Pseudo- Zionismus die Motive der nationalen Renaissance für die Auswandernden und die Beweggründe natfotaier, kultureller und religiöser Art für die Spender lortfallen. Ob der bei manchen Fürsprechern dieses ״zionkmtis" vorhandene Antagonismus gegenüber dem echten Zionismus mit Palästina sich stark genug erweisen wird, um die Opferfreudigkett für den Pseudo- Zionismus lange wtchzuhalten, mag dahingestellt bleiben." Am Schlüsse des Artikels heißt es: ״wenn die Anhänger der Nur- Oalulharbeft den Weg der Praxis beschreiten, dann kommen sie In der harten Tagesarbeit doch darauf, daß mit kleinen sich in den Bestrebungen von Organisationen wider, die lange genug geglaubt haben, sich mit einem Minimalprogramm zu- Frieden geben zu können.“ Im Anschluß an diese Betrachtung sei ein Teil der Ausführungen des Vertreters der Weltzentrale des Hechaluz, A. Do bk In, auf der Einigrationskonferenz wiedergegeben. Der Redner knüpfte an an verschiedene von bundistiseher Seite gefallene geringschätzige Aeußerongen über Palästina und sagte: ״Die Ausfälle gegen den Zionismus, die hier gemacht wurden, will ich nicht beantworten. Ich will nur erinnern, daß Palästina doch etwa 100000 Menschen seit der Zeit nach dem Kriege aufgenommen hat, das sind etwa 2S®/» der gesamten jüdischen Emigration. Nicht hier ist der Ort, darüber zu diskutieren. Aber eins werden wir nicht zulassen: daß die Eraigraßonsorganisatlon zu einer anüzfonisßschen Organisation werde. Feh freue mich Ober die Zeichen der Sympathie, die man für dm Hechaluz gezeigt hat Aber mm soll sich se'bst nicht lächerlich machen, wenn man vorschlägt, daß der Hechaluz Menschen für Argentinien erziehen und vorbereiten soll. In vielen Dingen Ist man der zionistischen Ideologie näher gekommen. Es wäre gut, wenn auch In andere Länder Pionierdemente emigrieren würden, trotzdem es ganz klar ist, daß eine solche Bewegung wie der Hechaluz nur entstehen kann Im Zusammenhang mR dem befruchtenden Geist Palästinas. Eins werde« wir aber nicht stillschweigend dahingehen lassen, daß man einem Emigrierenden Recht auf Hilfe deshalb verweigert, weil er Chafuz ist oder Beziehungen zu Palästina hat Das ist eine parteiische Einstellung. Besonders muß man sich wunden, derartiges von Mitgliedlrn des ״Band“ zu hdrea. die im Arbeitereinigrationsbüro in Polen sitzen und ihren ganzen Etat aus Amerika vom ״HUt“ bekommen 0000 Pfund jährlich) und ®kJ» damit beschäftigen, antizionirtisene Hefte herau**ugeben. Wir glauben, daß ein gut» Verhältnis zam Hechaluz, der selbstverständlich nur nach Palästina gehen wird, auch dem Ziel der Vorbereitung der Emigranten für andere Länder nur nützlich sein kann. Auch in dieser Hinsicht erfüllt der Hechaluz eine Mission des Pioniertums. Als Beispiel dafür diene die Kolonisation in Rußland, die ausgfng von den Siedlungen der Hachscbarah des russischen Hechaluz. m Kart Biller - . •Eta Freund unseres Matte* *apdet am die '*-•־Angeiinfat Zeitung": vom Ä JoifSt, «für «fass Seise1»rief aus Litauen enthält, worin es u. a. heißt: ״Ab Hauptbefßrden1ng*־mWel benutzt man in Kowno die sehr zahlreichen kleinen Pferdedroschken bzw. im Win'er Schlitten. Droschken powohi wie Schütten sind so eng. daß ein Dicker bequem, zwei Magere unbequem darin Platz finden. Sie Jagen wie die Besessenen über Stock uni Stein. Wenn man dem Kutscher ein Trinkgeld verspricht, besehleunigt sich das Tempo derart, daß man am kippt Wenn Ich mir noch einen guten' Rat erlauben darf, 80 Ist es der, daß man eine Droschke mit einem Jüdischen Kutscher wäh't. Falls nam’jch am Ende der Fahrt, wie gewöhn’lch, ernste Differenzen wegen des Preises entstehen, winkt ein n a t i o - aal-litauischer Kutscher dem nächsten Schupo und Bißt einen auf 14 Tage einsperren, während min mit einem Jüdischen Rosselenker wenigstens handeln kann. Einer rief mir allerdings einmal .verfau'ter Piawke* (Blutegel) nach, aber daraus machte ich mir nichts.“ Was sagt dazu der ״Deutsche judäischen Oeblüts" Kart HlBer, der jüngst — in seinem Aufsatz in der ״Weltbühne“ — wegen des Verhaltens eines Jüdischen Kutschers Chaimke in Kowno einen Pogrom für berechtigt erklärte und der sich *'len National-Litauem gegenüber als Kon-Europäer, dem Juden Chaimke gegenüber aber ,.nur als Deutscher“ (nicht einmal mehr ׳ud"l־c':en ÖeHü'e ) fühlt? E|»e recht« ge Ich'e'e deutsche Zeitung, deren Berichterstatter nicht Jüdischen Oeb’üfes ist. vermag die Wahrheit unbefangen darzustei'en. Denken Sie mal darüber nach, Kurt Hiller, in Ihrer unerschütterlichen Selbst- Gerechtigkeit! Vielleicht entdecken Sie doch noch das Wesen der Judenfrage. Der vierte Baad des Goldeoen Boches Der Jüdische Nationalfonds (Keren KaJenjeth Le'brael) hat einen neuen, vierten Band des Goldenen Buches eröffnet. Der vierte Band soll mit folgenden Eintragungen eingeleitet werden: Die Zionistische Organhatloa und Hadassah- Organisation von Canada, die die Aufbringung von einer Million Dol'ar für Bodenkauf des Nationalfonds übernommen haben: die Begründer von Petach Tikwah anläßlich des 50. Jahrestages des Bestehens der Kolonie: der Verein hebrärcher Lehrer in Palästina anläßlich seines 25;ährigen Bestehens; der welt-Hecha’uz anläß ieh seines lOJIhriten Bestehens; die verfolgten Zionisten in Sowjet-Rußland; Miss Henrletia Szold, das erste weibliche Mitglied der Zionistischen Exekutive; Johann Kremenetzky, erster Direktor des Natioaalfonds, anllßPch seines T5. Geburtstages: Achad Haara anläß ieh des ersten Jrbrestages seine* Todes; der verstorbene Oberrabbiner von wie« Zwi Perez Cha'es, früherer Präsident des Zionistischen Aktion*- CäraiHs: der verstorbene Führer der Chibath Zlon-Bewegung Sew Tem'dn. — Zur Aufbringung der Summe für die .Eintragungen wird *ine Sammlung eröffnet, an der Jeder teil- ״nehmen kann. Auf Ersuchen der itsüeni&hen Zionistischen Organisation bestellte das Hauptbüro des jüdkehen Natiönttlfondt in Jcrusalem ln der Bezalel-Kunstseh'de eine künstlerisch wertvolle Schatulle, die mit e!nem voi'en Satz der neuen paläs'inensischen Münzen dem italienischen König, der ein begeisterter Numismatiker ist, als Geschenk überreicht werden soll. Die Palestine Land Development Cdmpany hat den Bau der 37 Läden auf dem Böden de« ״Merkas Mischari" (״Handelszentrum") in Jerusaiem vollendet fZika) Urteil« gegen die SynagogenwMnder B zweiten drei ...,, ... .... ...... angehörige. die sie für Juden hielten, in Bukarest auf offener Straße tätlich Insultiert hatten. Von den Angeklagten wurde einer zu 2Ö, die übrigen zwei zu Je 10 Tagen Gefängnis verurteilt Der Prozeß in Oroßwardein gegen die Studenten Diaconescu und Gberghel, die den Hotelbesitzer Walßiovich mißhandelt und lebensgefährlich verletzt haben, wurde abermais vertagt Es heißt, daß Prof. Cuza und Codrianu die Verteidigung übernommen haben. Der Prozeß wird in Klausenburg ftattfinden. Jassy, 28. Januar. Ü. T. A.) Nach zweimaliger Vertagung wurde heute das Urfef Studenten, die 1 devaatiert haben, ״_.r_ Kraiova und Verigan aut Doroboi wurden zu zwei Monaten Gefängnis verurteilt; Buzvianu aus Focsani, Kuzu aus Tecuei, Popa aus Vaslul und Latesch aus Jassy kamen mit je einem Monat Gefängnis davon. Bukarest, 30. fanuar. (J. T. A.) Die Polizei in Klausenbürg verhaftete den Buchdrucker Joan Sutchu, der dem jüdtsehen Kaufmann Kolman Oedalia zwei Thora-Roilen zum Preise von 60003 Lei zum Verkauf angeboten hatte. Er hatte die Thora-Rol'en von den Studenten Muresehun und Mitrofanovitsch in Kern nisaioa erhalten. Diese beiden wurden auch verhaftet Es stehen noch weitere Verhaftungen bevor. — Die Studentinnen Maria Paniazf und Draga Po'iearp aus Bukarest, die sieh bei den Synagogenachändungen in Großwardein und Klausenburg besonders hervorgetan naben, wurden in Bukarest verhaftet und in das Klausenburger Gefängnis eingeliefert. Bukarest, 20. Januar. (J. T. A.) Sechs wegen der antisemitischen Exzesse an geklagte Studenten wurden gestern za zwei-, bzw. zu dreimonatigem Gefängnis verurteilt. Sämtliche Verurteilten haben Berufung angemeldet. efl in dem Prozeß gegen die sechs Der Misrachi lflr die Gemeinde - Organisation Jerusalem, 30. Januar. (I. T, A.) Die Konferenz des Misrachi In Palästina hat eine Rftso’ution angenommen, in der die orthodoxe Judenheit Palästinas auf ׳gefordert wird, an der Organisation der neuen jüdischen Gemeinden auf Grund der kürzlich veröffentlichten Gemeinden-Ordnung, sowie an den Wahlert zur jüdischen Nationalversammlung die aus ihrer Mitte den Waad Leumi wählt, teilzunehmen. Kleine IVadirtcMes Die Israel. Landesversammfung Württembergs tagt am Sonntag, den 5., Und am Montag, den 6. Februar 1928, Im Sitzungszimmer des Württembergischea Wirtschaftsmlnisteriures. Vor dem Jugendgericht in Oerolshofep (Franken) haften sich ein Friseurgehilfe und ein Friseurfehrhng wegen Grab- Schändung zu verantworten. Die Angeklagten hatten auf dem jüdischen Friedhof mehrere Grabsteine von den Gräbern gestürzt Die Angeklagten wurden zu vier bzw. zwei Wochen Gefängnis verurteilt. Warschau, 26. Januar. (|.T.A.) Die Wahlen in die Exekutive der vereinigten jüdischen Studentenorgani* sttionea ergaben das folgende Resultat: 7 Zionisten, 5 Vertreter der extremen Linken, 1 Baker Poale Zionist, 1 rech*er Poale Zionist und 1 .Bsmdist ־ “*"Oer MagistratWS"b"Jfäf iiÄlt':£gilr'~aü|»f1cl, liehen Verordnung der litauischen Regierung sämtliehe noch ln ihren Densten s'ehrn len jüdischen Beamten und Angestellten aus ihren Diensten entlassen. Als offizieller Grund wird angegeben, daß die jüdischen Beamten die litauische Sprache nicht beherrschen. Magistrat und Stadtrat von Warschau haben den Be- Schluß gefaßt, die Schulen mit jiddischer Unterrichtssprache als den Staatsschulen gleichberechtigt anzuerkennen und ihnen demgemäß erhöhte Subventionen zu bewilligen. Mit Billigung der Ortsbehörde wurde in Baku eine J e - schiwa für die kaukasischen Bergjuden eröffnet. Laut statistischen Daten leben gegenwärtig in Kaukasien etwa 50000 Juden, davon 10000 sogenannte Bergjuden, 23 (KW grusinische und 15000 europäische Juden. Der wegen Vertriebe* von Keren Kajemeth- Marken(.') verhaftete und nach dem Narim-Oeb'et in Sibirien verbannte Zionist Hirsch Lipanor hat nach einer soeben aus Narim eingetroffenen Nachricht Selbstmord begangen. Zu Ehren von Joseph Meyuchas, dem Präsidenten des Rates der ierusalemer jüdischen Gemeinde (Waad Hair). der in diesen Tagen sein w. Lebensjahr vollendet hat, fand am 24. Januar, abends, ein Bankett statt, dem zahlreiche prominente jüdische Persönlichkeiten sowie hohe Regierungsbeamte beiwohnten. Am 15. Januar hat das einzige in Palästina noch weilende Mitglied der Sachverständigen-Kommlssion der lewish Agency, der Bodenexperte Strahorn, nach einem siebenmonatigen Aufenthalt, während dessen er ungefähr fünf Millionen Dunam Boden in den verschiedenen Landesteßen untersucht hat, das Land verlassen. London, 27. Fanuar. (J. T. A.) In der Jahresversammlung der Förderer des britischen Archäologen-Institutes in Jerusalem, die ln London unter dem Vorsitz von Sir Ffederick Kenyon stattfand, führte Feldmarsehai! Lord Alienby in einer Anspräche aus, es würde eine Schmach für England bedeuten, wenn sich nicht Engländer In weitem Maße an der Erforschung der Altertümer Palästinas beteiligen sollten. Die Führer des Welt-Misrachi, die palästinensischen Rabbiner Uziel und Fishman, haben sich an Bord des Dampfers ״Acouitania“ von New York nach Europa begeben, von wo sie nach Palästina zurückkehren werden. Der Präsident des Welt-Misrachi, Rabbi Meir Berlin, bleibt noch einige Zeit In den Vereinigten Staaten. In Tel*Awiw sind bis jetzt In den Volksschulen 4366 Schüler eingeschrieben worden» gebenflber 4576 jm vorigen Jahre. Letzte Nachrichten Große Spende von Nathan Straus Laut einer Meldung der Times hat Nathan Straus anläßlich •einet 80. Geburtstag•• am 31. Januar telegraphisch eine Spende vo*» 100000 Dollar für xioaistiseb« Arbeit nach Palästina überwiesen. Ara selben Tage wurde in Tei-Awiw in Anwesenheit von Sir Alfred Mond der Grundstein für das Straus’sthc Gesundhejtszentrwn in der BaUauratraße gelegt Kunst und Literatur Bsfli Draper sprich( pddlscb Ate Jenny Ootder» der Star de• Parlier Palace-Theaters, im Adfflira|ap«t1st durch ihr unbekümmertes Jiddisch erfolg- Und nun kommt, «!gekündigt als ״amerikanischer Star", Ruth Dra per .eine außerordentlich vielseitige Darstellerin in die ״Komödie'* und wählt ein jiddisch« Programmstück. Wir sehen also das seltsame Phänomen, daß die ab erfolgreich ausprobierte Form ostjüdisehe Autdrueksform, den ostjüdischen Sketsch ■pleite sie auch privat in der englischen Botschaft — als Allgemelnform annektiert wird. Die ostjüdisch« Leb#»aform übersetzt sie mit samt der unbefangenen Sicherheit der jiddischen Gebärdensprache in englische Worte. Scholen» Altchen» Monologe im Munde der Gesellschaftsdame I Ruth Drapcr ist Diteuse. Jenny Oolder Tänzerin. Aber die mimische Beweglichkeit dieser diszipliniertesten, rautlnlertesten Sprecherin ist ebenso fast uoverfolgbar flink wie die Beweglichkeit der Zunge und hat genügend spielende Lichter gemein mit dem Charni der Körperbeweglichkeit dar Tänzerin. Ruth Drapcr inszeniert unaufhörlich und ihre quirltebendlge Person ersetzt ein Ensemble» So inszeniert sie den Sketseb ״Drei Generationen". ,Großmutter, eingewanderte Jüdin", «neidet das Programm. Ruth Dräper hüllt sich Ins Kopftuch, Ist zum Erschrecken verändert in das Urbild einer ganz uneitelschauderhaft häßlichen, alten ״Jiddinne", zerknautscht ela fürchterliches Amerikaenglisch, brummelt und lamentiert and beglaubigt bei der Klage, weil die Enkelin mit einem Christen davongehen will, unzweifelhafte Echtheit in wohlbekannten, schrillhohen Kreischtönen. Dann verwandelt sie sieh in ״die Mutter“, die Tochter dieser Greisin. Das Tuch Ist über die Schultern geschlagen. Diese Generation ist schm» bedeutend englischer, aber sie, die Mutter ist immerhin noch Jüdin, 80g»» Nationaljüdin, wie man von der Tochter erfährt Sie hatte ein schweres Leben, ist aber abgehärmt, krank, der Mann tot, die Tochter aber wül sie verfassen, will weit fort, mit einem Mann, dem alles Mißtrauen kommende Untaten voraussagt. Die Tochter aber — fa» dieser Verwandlung läßt sie nur die angenommene Ruhekonzentration fallen und entfesselt sich zu sprühendster Beweglichkeit —- die Tochter ist jung, ein ״Flapper", das amerikanische Girl Sie stellt sich vor, sie ist Rosy — lachend, lustig, entzückend. Die Mutter träumt das jüdische Heim, da* Heim für das ganze Volk. Rosy will zunächst ein Heim für sich, im Westen. Sie hat genug von der Not; die Mutter tat Sir leid, aber sie — Rosy — kämpft um ihr Glück, mit Trotz, mit ein paar Tränen, Sie ist energisch, reizend, trotzig, entzückend. Die Draper spielt, ohne kompliziertes Maskemachen, selbstvergessen, eifrig, aus Natur. Die große Sprecherin wp schwindet hinter der Rolle. Packend sind auch die anderen Programm-Nummern. Ihr Repertoire ist nahezu unerschöpflich- Sie spielt die moderne Frau and die moderne Welt Für «ns ist es Interessant, daß die jüdische Assimilation im amerikanischen Schmelztiegel dabei vorgeführt wird — ein wichtiges Phänomen der jüdischen Gegenwart. Ruth Morola Jaltas Cntmann tan WaDner-Theater Im Wallnertheater gastierte am vergangenen Sonnabend der berühmte Charakterspieler des Lembergef jüdischen Theaters JuHu s Gutmann in Leo Kobrins Schauspiel ״Der übrige Mensch*'. Obgleich die augenblicklich dort spielende Truppe auf der Hohe der Kunst nicht gerade steht, war das Theater, angezogen von dem Namen des «deutenden Gastes, gut besetzt und lauschte mit steigender Ergriffenheit dem Drama» das ha® Boulevard-, halb Volksstück, das Enoch Arden-Motiv in besonderer wejse abwandelte. G«*g»ann verstand es aber auch, nicht nur Ae. Mltspielencli-n VP.'Vim m. •-ondem mit Reiner großen Kunst die Gestalt des Musikprofesaors stark zu durch• leuchtön, der nach Jahren geistiger Umnachtung wies! rkehrt und seine Frau als Gattin seines n’chtswürdigen Bruders wiederfindet, der ihn totgesagt und beerbt hatte. Wie er an seinem vorgegebenen eigenen Jahrzeitstage dem zwölfjährigen Sohn das EI mote rachamfm macht und dabei vom Herzschläge getroffen wird, erinnerte an die stärksten Leistungen seines früheren Partners Rudolf Schildkraut, mit dem er lange Jahre den Ruhm des besten jüdischen Mimen teilte. Es wäre wirklieh zu wünschen, daß man Julius Gutmann öfter höre und womöglich dauernd ah Berlin fesseln könnte. Das Publikum war erschüttert und brachte dem Künstler begeisterte Ovationen dar, die sich noch steigerten, als er mit einer bisher nie gespielten und auch noch ungedruckten Szene ״Oidaltu w'kidaschtu“ von Scholen» Aleichem schloß. Emil Cohn. Max Zodykow, ein blinder Dichter, der 1899 in Kowno geboren, in seinem dritten Lebensjahr erblindet ist and gegenwärtig in der Berliner Blinden-Anstalt in Steglitz lebt, wurde dieser Tage einem weiteren Publikum durch eine Rezitation seiner Werke, deren sich die Vortragskünstlerin Johanna Meyer angenommen hatte» bekannt Von den vorgetragenen Stücken seien genannt: Ein Märchen vom ״geflügelten Glas“, eine Legende ״.Moses* letzte Stunde", ferner wurde aus einem größeren Werk ״Weihetage“ ein Stück vorgelesen, das eine poetische Erklärung des Chanukkahfestes .gibt Die Sonette ,JDu und kh'^ und die Anekdote vorn Schwejk-Dlchter Hasehek. Die ״Vosslrchc Zeitung“ veröffentlicht folgende hübsche Anekdote: ’ Jaroslav Hasehek machte einmal von seiner Heimatstadt Prag einen Ab• Stecher in die Provinz nach Böhmisch-Brod, um sich dort Geld zu pumpen. (Böhmlsch-Brod ist nämlich ein Ort, der reich an reichen Juden ist, die für verarmte Stammesgenossen sehr, viel tun.) Hasehek — Vollbluttschechc und Typ eines Ariers, über den Wotan seine Freude gehabt hätte —- schickte von Bähmlseh- Brod an seinen besten Freund E. E. Kisch nach Prag ein Tel#• gramtn folgenden Inhalts: ״Drahte jüdische Ausdrucke, gebe mich hier für Zionisten aus. Hasehek.“ Da» sowjetisti-ehe Kommissariat für Volksbildung hat dem jiddischen Volksdichter Mosche T«i t * c h aus Anlaß d« 25 jährigen JuhLlums «einer literarischen Tätigkeit *Ine leben*«־ längliche Staatspension verliehen. Die Werke von Mosche Tratsch erscheinen jetzt neu ln den Staatsveriagen. Press* •Schan in der -Politischen Korrespondenz" von Emi! Daniel• im Januar-fl|ft der ״Preußischen Jahrbücher" be״ spricht der Berichterstatter auch die franzörfach-ifaltenbeh• Spannung und kommt dabei auf die Lage, in Syrien in sprechen. Er schreibt: ״Angeblich sollen Im Frühjahr neu« Aufstände in Syrien w befürchten sein. Die Syrer vergleichen die stockende Völkswirfechaft ihres Landes mit der fort* schreitenden Blüte des benachbarten P■* lästina♦ Mandats. Namentlich solen sie ungehalten sein über die Verödung des Hafens von Beirut, van dem sich der Handel nach Haifa gezogen hat‘1 1

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