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Jüdische Rundschau · 1928-02-03 · Heft 10 (3.2.1928) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 10 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 70 JU1DI8CHK RUNDSCHAO Nr. 10,102 .ח גa Zloiilsüldie Propaganda Ein Beitrag 211 r inar 1׳1 ־or! 1!11ו«chta Disk«•;«io«, Von Gerhard Holdheim, I. B*t der Betrachtung des Jewish Agency-Problen» ist En dieser Zeitung von verantwortlicher Seite immer wieder rum Ausdruck gebracht worden, daß die Heranziehung nichtzionlstiseher Kreise zum Aufbauwerk die gleichzeitige Kräftigung der Zionistischen Organisation erforderlich macht. Leider sind dieser Richtigen Erkenntnis keine äquivalenten Taten gefolgt in dem Aussprechen dieser Tatsache soll kein Vorwurf liegen, fn einer Zeit, wo die ständige Sorge um die Aufbringung der Mittel auf uns lastete, war es schwer, einen Zweifrontemtrieg zu führen. Und auch der grundsatztreueste Idee n pröpagandist hat angesichts der leidigen Geldnöte unserer Fonds oft mehr Freude empfunden, wenn £ t)ö ohne Ueberzeugung gegeben wurden, als wenn ein armer Teufel der Idee nur seine Seele verschrieb. Nun haben sich die Flnanzschwferigketfen gewiß nicht vermindert Es hat vieimehr noch nie eine Situation gegeben, wo das Geld so hoch bei uns im Kurse stand. Dennoch be» ginnt es zu dämmern, daß ein Fortwursteln auf dem W§» hefigen Wege den Verfall des Zionismus herbeiführen muß. Nach langen Jahren chronischen Palästina Ökonom's.heti Drucks, ungewohnter politischer Erregungen und neuartiger zionistischpraktischer Betätigung fühlen wir plötzlich die Angst vor da unheimlichen Stille, die um uns lastet. Wir sehen eine Anzahl wackerer Juden, die mit uns Zusammenarbeiten, sei es in den Gemeindestuben, sei es im Keren Hajessod, und die sich wahrscheinlich oft im Stillen fragen, ob das wirklich Jene gefährlichen Hitzköpfe sind, vor denen ihnen einst das Grusein anging. Sind die Forderungen, die die Zionisten stellen, nicht wirklich akzeptabel, die Forderung des Hebrlisch-Lernens der Jugend, der jüdischen Bildung in Volkshochschulen, der Wahrang der interterritorialen jüdischen Zusammenhänge, der Oeldhergabe für Palästina? Die solche Fragen steifen und bejahen, sind unzweifelhaft Leute, an deren Mithilfe uns viel gelegen ist, aber deren menschliche und jüdische Wert- Schätzung uns nicht die abgrundtiefe Kluft verbergen darf, die zwischen ihrem und unserem Weltbilde klafft Was für den Zionisten Schicksal ist, ist jenen eine gute, unterstützungswerte Sache, was wir als unsere persönliche Judenfrage empfinden, degradiert sich bei Jenen zur Juden frage von vertrieben und heimatlos sich fühlenden Menschen. Ertreulichster Wille zur Mitarbeit kann nicht verbergen, daß der Gedanke an Palästina nur die Peripherie ihres Bewußtseins tangiert und all ihr Tun einem guten Herzen, aber nicht dem Gefühl der Unausweichlichkeit entspringt. * Echter Zionismus wirf heute nur von ganz Wenigen repräsentiert Die Zeit ist gekommen, wo die IsoUetung immer mehr als unerträglich empfunden wird. Erstarrung zieht ein ln die Sitzungsräume, wenn immer wieder die alten Gesiebter gesehen. Immer wieder dieselben Meinungen gehört werden. Man kennt fast schon die Stichwort«, auf die der andere automatisch einschnappt. So ist eg beim Kongreß, wo die Zusammensetzung zumindest der fühlenden Delegierten ewig die gleiche bleibt so bei allen anderen Gremien, vom Akt10n6-C0mitf bis zum kleinsten zioeisuseben Verband. Man sehnt sich nach neuen Genemsen, die unverbildet und nicht eingeschworen auf politische Doktrinen einen neuen Geat in die Debatte hineintragen. U»aS fehlt vor allem die Jugfcftd, die der Autoritäten spottet u*rf uns zwingt das zum Dogma Gewordene aufs neue zu,#jerprüfen. . ־ ■־ ■יי־ * ־ ' ־; Das ständig«? Ringen mit den Anforderungen der Realität hart unsere Energien so absorbiert, daß die früher als zentral empfundene geistige Aufgabe faßt völlig vernachlässigt wurde. Der Zionismus ist physiognomielos geworden. Es filt, der Idee ihre a'te Leuchtkraft zu geben. Die Werberaft unserer Sache ist ungebrochen una durch keine politische Konstellation und keine Zeitströmung zu beeinträchtigen. Das Individualitätsproblem des modernen Juden Ist heute nicht weniger brennend als vor 15 und 20 Jahren. Die Ideologie des Zionismus mag ergänzungsbedfirftig sein; in der grandiosen Einfachheit ihrer Grundthesen bleibt sie unantastbar. Der Kampf um den Zionismus ist weniger leicht als das Ansuchen um das Wohlwollen für den Aufbau. Dafür entfesselt er Innerste Kräfte und gibt uns die Chance, die Lebensfähigkeit unserer Idee immer aufs neue vor uns selbst zu bestätigen. Eine kraftvolle geistige Offensive wird der Bewegung auch innere Beruhigung und Konsolidierung bringen. Denn worauf beruhen die separatistischen Tendenzen, die innerzionistische Mißstimmung und die zunehmende Des- Orientierung? Auf der Versteinerung der Bewegung, dem immer fühlbarer werdenden Mangel an Resonanz. II. Die fnteressierung des breiten jüdischen Publikums für den Aufbau Palästinas kann — wir mögen es noch so beklagen — von philanthropischen Anwerbungen nicht grundsätzlich verschieden sein. Auch wenn noch so deutlich seitens des Keren Hajessod versichert wird, daß es sich hier nicht um ein Hilfswerk, sondern um eine gesamtjüdische Verpflkhtung handelt, wird dieser Appell meist nur insofern gesteigertes Gehör finden, als die Notwendigkeit der Hergabe eines relativ höheren Geldbetrages erkannt wird. D'e Schwierigkeiten, die der Aufruf zur Teilnahme am Palästinaaufbau bei einer jüdisch meist indifferenten und den nationalen Gedanken ablehnenden Juden schalt Im Vergleich zu jedem Wohltätigkeitsunternehmen notwendig finden muß, versuchen wir durch eine intensivere, mit großzügigeren Mitteln arbeitende Propaganda wettzumachen. Hier muß die Notwendigkeit der Aktion erst glaubhaft gemacht werden. Den negativen Ein- Wendungen und Empfindungen wird dadurch begegnet, daß man die Tatsachen sprechen läßt Der Eindruck, den Balfour- Deklaration und Sympathieerklärungen der Großmächte immer wieder ausüben, weiß jeder, der K. H.-Arbeit geleistet hat. Die große Unterstützung, die diese Arbeit durch aktive Teilnähme prominenter Nichtzionisten erfährt, liegt gleichfalls auf der Hand. Aber gerade der Umstand, daß Juden, deren Namen und deren Nichtzionismus das Publikum kennt, an der Spitze stehen, wirkt auf die Gemüter beruhigend und nimmt dem Beitritt jede umwälzende Bedeutung. Man befindet sich ja in sehr guter Gesellschaft und kann seine Einwände mit gutem Gewissen ruhen lassen. Warum soll man nicht bei einer Sache mitmachen, wo Finanzminner und Industrielle, ja wo Minister und führende Parlamentarier die Güte attestieren? Immer ■wieder naß man den Kopf schütteln, wie Menschern die in ihrem übrigen Leben höheren Zielsetzungen zugeneigt slad, dem Judenprobtem sine ira et Studio gegenüberstehen. Es wäre ganz falsch, in diesem Indifferentismus ein Zeichen Woiogincher Assimilation erblicken zu wollen. Denn gerade unter ausgesprochen jüdischen Erscheinungen findet sich vielfach ein völliger Mangel an nationaler Selbsterkenntnis. Die Verstrickung ln die politischen und kulturellen Zusammenhange der Staatsnation ist eben so stark, daß es schon einer kräftigen Erschütterung bedarf, um die Abgründe des eigenen Schicksals bis in ihre letzten Ursachen zu erkennen. Die Abgespaltenheit des modernen Juden von den Quellen seiner eigenen Existenz ist heute schon so mächtig, daß der Prozeß der Wiederentdeckung nur ganz selten ohne fremden Antrieb oder zumindest fremde Beihilfe in die Wege geleitet werden kann. Wir Zionisten haben OeburtshelJeraienste zu leisten. Mehr können und sollen wir nicht. Durch suggestive Methoden werden wir eine Dauerwandlung nicht erreichen. Nur Menschen, in denen, wenn auch noch so tief verschüttet, die jüdische Urbeziehung bewahrt geblieben ist, werfen ltnstände sein, den Zionismus in seiner Fülle zu begreifen und In sich zu erleben. Btrllner zienisilidie Vereintem!() mimiiimiiiiHiiNHiiiiHimmimmiimiimHiiiiiimmiiitmiMNiiiiiiimiii Vortragszyklus ״Das Weltjndcntam“ 2, Vortrag« Mittwodi, den 8. Februar, abends 81/* Uhr im Gartensaal des Logeaheuses, Kleiststrafie 10. Herr Rabbiner Dr. Max Wieners ״Der religiöse Liberalismus“ Eintritt 50 Pf., für Jugendliche 25 Pt I Das Ziel zionistischer Werbearbeit ist die Rettung füdfscher Menschen aus den Verstrickungen der Assimilation. Wir leisten die Arbeit nicht nur, um Menschen von ihrer Judenkrankheit zu heilen und sie in den Stand .zu setzen, ungehemmt und eingebettet in natürliche Zusammenhänge ihren Weg zu gehen. Wir wollen auch, daß unsere schmale Front verstirbt wird, neue Kraft und neue Bewegung in unsere Reihen kommt Wir brauchen die Jugend ln erster Reihe, wir brachen aber auch die Eltern, deren Kinder wir dadurch vur jüdischer Verwahrlosung bewahren. Wir glaubten früher, es sei nicht möglich, an altere Menschen neranzukommen. Das mag für die Zeit vor dem Kriege richtig gewesen sein, da damals die Generation über 35 in festgefügten Vor- Steilungen groß geworden war, gegen die anzurennen verfeblkh erschien. Heute sind die Menschen bis in reifere Itersstufen meist nicht so festgelegt auf konkrete liberalassimilatorische Ideologien; ihr Anschluß an den Zionismus wird nicht mehr so stark durch Affekte gehindert Die Erlebnisse des letzten Jahrzehnts haben manche als fest geglaubte Position erschüttert. « Wie bann die Arbeit geleistet werfen? Bisher meinten wir, daß ״Propaganda" von einer zentralen Stelle aus dirtgiert werden muß. Wir müssen elatehen lernen, daß es ein unsinniges Verlangen bedeutet wenn wir einem Ortsgruppen- Vorstand diese Arbeit zumuten würden. Die Organisation kann, bestenfalls, ,Voraussetzungen schaffen, sic Tran« Ver, Sammlungen einberufen, Zirkelabende arrangieren, Briefe heraussertden. Mehr kann sie nicht Alles übrige muß von Zionisten besorgt werfen, die sich für die EinZeiarBelt zur Verfügung stellen. Es wird kaum bestritten werden können, daß jedem Zionisten, ob Kaufmann, Anwalt oder Arzt, sich fast täglich Ge-!egenhelt bietet, neue Menschen anzuwerben, wenn nur jeder für derartige Tätigkeit geeignete Zionist ein bis zwei Menschen im Jahre für den Zionismus gewinnt (und das ist gewiß nicht viel), dann sähe es um die Ausbreitung unseres Gedankens freundlicher aus. Gerade diejenigen, die angeblich zur K. H.־ Arbeit ungeeignet sind, sollten die Verpflichtung fühlen, an einer Tätigkeit teilzunehmen, wo nicht Geld, sondern der Mensch gefordert wird. Die entscheidende Sorgfaltspflicht beginnt jedoch erst, wenn jemand sieh zum Zionismus entschlossen hat oder kurz vor diesem Entschluß steht Dann kommt es darauf an, ihn in einen bestehenden zionistischen Kreis einzuführen und ihm die Möglichkeit zu geben, ,,Lehre und Leben" miteinander zu verbinden. ״Frei fierumiaufende“ Zionisten haben für die Bewegung wenig Wert Hinzu kommt, daß ein noch nicht fundierter Zionismus der Isolierung und neuen .Einflüssen meist nicht standhält Die dringliche Forderang nach Schaffung einer zionistischen Loge Ist auch In diesem Zusammenhänge wieder zu stellen. Ueber Jugendpropaganda kann hier nicht ausführlich geredet werden. Für diese Arbeit müssen sich, wie es einmal früher war, auch ältere Jahrgänge zur Verfügung steilen. Dies ist um so nötiger, als es heute an Jüngeren mangelt, die selbst so gefestigt sind, um neue Menschen in die Gedankenwelt des Zionismus einzuführen. * Die zionistische Propaganda muß vielgestaltig sein. Zu ausgesprochen Intellektuellen spricht man anders als zu dem Typus der Naiv-Unbeschwerten, zur Jugend anders als zum reifen Mensehen, zur Frau anders als zum Mann. Aber in einem darf es keine Differenzierung geben: Die Werbung gilt der zianistisehen Idee in ihrer Totalität Es geht nicht an, daß nun die Existenz der Judenfrage und die Unauswc:ch!ichkeit ihrer territorialen Lösung auasi unterstellt und sich auf Schi'derungen von Palästina beschränkt Der Kern wahrhaft zionistischer Propaganda bleibt die Aufdeckung der Hintergründe all unseres Tuns. Die große Frage gilt es zu stellen und zu beantworten, warum all diese Arbeit geleistet, all diese Opfer gebracht werden, welche unsichtbaren Mächte uns zwingen, in Pa- Iästina unser Schicksal zu sehen. Am Anfänge jeder Aussprache steht die Auseinandersetzung mit der Lage des jüdischen Volkes und dem Individualiiätsproblem des einzelnen luden, der unter den Völkern lebt. Der Weg zum Zionismus führt über die Erkenntnis der Zukunftslosigkeit jüdischen Golusiebens; und erst wenn am Horizonte des Juden ein neues Weltbild auf flammt und die ״alten Tafeln“ zertrümmert werden, ist die Bahn frei für die zionistische Entscheidung. * Mit dem, was das Wesen solcher Propaganda ausmacht, nämlich durch äußere Mittel Beeinflussung auszuüben, kann und darf die zionistische Idee sich nicht zufrieden geben. Auch zionistische ״Propaganda" wird die Werbung durch Flug- Schriften, Versammlungen oft zur Anwendung bringen müssen, aber sie muß sich bewußt sein, daß all dies nur dazu dienen kamt, um an die Objekte heranzukommen. Es ist erstaunlich, wie sehr der Komplex der zionistischen Praxen ndeh heute, 10 Jahre nach der Balfour-Deklarafion und 30 Jahre seit dem ersten Kongreß, den meisten Juden terra ineoguita ist Es hat — wir entsinnen uns al'e — e!ne Gruppe von Zionisten gegeben, die die Forderung nach einem ideologisch allzu fest verankerten Zionismus als sektenhaft und unvereinbar mit der politischen Idee bekämpfte. Man sagte, der Zionismus dürfe die Tore der Organisation nicht dadurch künstlich schließen, daß unverrückbare Gesinnungskriterien aufgestellt würden. Wir haben diese Auffassung gerade im Interesse einer reibungslosen Zasamraenarbeit mit jüdischen Palästinafreunden bekämpft Wir kannten die Psychologie der in Frage kommenden Oberschichten des deutschen Judentums zu gut um nicht zu wissen, welch starke Hemmungen den Eintritt in die Ztonistisdte Organisation auf jeden Fall verhindern würden. Unser Sträuben gegen eine durch Verwässerung unserer Ideologie erkaufte Verbreiterung unser« Reihen war acht nur bedingt durch dl« Erkenntnis der «nnenten aoniatiseften Gefahren (wenngleich dldt alkin «hon hätte ausreichen müssen, utn eine derartige Po'j.ik zu verwerfen). Ce w« an» auch klar, daß das von alten Zionisten erstrebte Ziel einer weitgehenden Zusammenarbeit rrft propaläsfitiensf-ch gestimmten jüdischen Kreisen nicht durch Verwischung, sondern gerade durch scharfe Herausstellung der Ideologischen Gegensätze zu real!- sieren sei. Als unsere Aufgabe erschien es, die andern davon zu überzeugen, daß zur tatkräftigen Mitwirkung am PiHstinaaufbau eine spezifisch zionistisch« Gesinnung nicht erfOrderlieh sei. Wenn wir heute nach fast sieben Jahren neutralen Keren Hajessod diese ״Bundntoolitik" rückschauend würdigen, so können wir feststoUen, daß unzweifelhafte Erfolge durch sie erreicht und eine gemeinsame jüdische Pa!S9tinafr0nt hierdurch überhaupt erst ermöglicht worden ist Es wäre keine vernünftige Politik gewesen, wenn wir rea’e und psychologische Oagebepheiten einfach wegeskamotlert hätten. Tatsache ist, daß «n beträchtlieher Prozentsatz gerade d« einflußreichen und potenten jüdischen Kreise den nationalen Gedanken und die politische Theorie dee Zionismus ablehnt, aber gleichwohl ib« soviel jidjsche Ressentiments verfügt, um eibem großen historischen Werke, wie es der Palästinaaufbau darstellt, steh nicht zu verschließen, Angesichts der dringenden Notwendigkeit, für die Palästfnaaktton alle verfügbaren Jüdischen Kräfte zu mobil{• *leren, blieb uns gar nichts andern Übrig, als auch den Ideologischen Gegner zum Bundesgenossen zu nehmen. Es werden nur wenige sein, die diesen Weg der Kooperation freudig beschriften hätten. Weitechauende haben früh erkannt, daß mit dem Tage der Gründung des neutralen Keren Hajessod das nichtzionistische Judentum eine offizielle Sanktionierung und sogar eine ideologische Rechtfertigung durch uns erfahren hat. wir haben durch den Keren Hajessod *eine von uns selbst betriebene Propaganda großgezüchtet, die mit dem Argument arbeiten konnte, et sei ja gir nicht nötig, Zionist zu sein, um sich für Palästina zu interessieren. Nicht darin Jag eine Gefahr, daß nichtdonistisehe Notabein an der Spitze der Keren Hajeseod-Komitees stehen. Und es soll gern festgestellt werden, daß die Zusammenarbeit stete reibungslos verlaufen ist und eine Reihe Nichtzionisten efn hervorragendes Verständnis für die Notwendigkeiten unserer PallstinaarbeH bewiesen hat. Handelte es sich überhaupt nur am eine bestimmte soziologische Schicht älterer, fn festgefügten Vorstellungen herangewachsener Juden, so bestünde keinerlei An'aß zur Sorge. Das sind Menschen, die wirklich nicht mehr Zionisten werden können und denen jeder von una gern das Recht attestiert, nichtzionistischer Palästinafreund sein zu wollen. Eine Gefahr entsteht erst dann, wenn jeder Jude hinfort, von uns noch• dazu ermutigt, es sich gestatten darf, am Palästinawerk lediglieh ״interessiert“ zu sein. Und da muß gesagt werden: Was für jene ältere Menschen, <fie aus einer bestimmten Historisch, verstündlichen Situation heraus den Anschluß an die lebendige zionistische Bewegung nicht mehr haben finden können, als durchaus legitim anerkannt werfen kann, darf bezüglich der großen Masse jüng«er und nicht so abgestempelter Juden von unserer Propaganda ln kein« Weise gefordert werden. Es muß einmal deutlich ausgesprochen werden, daß ein Bündnis wohl geschlossen werden konnte mit dem ersteren Typ von Juden, daß aber nicht der geringste Zusammenhang je bestehen kann zwischen Zionisten und einem Sammelsurium von mehr oder weniger indifferenten Juden. Es wäre ein Fiasko sonder- . es-antes, im besten Falle untwstßtzungswertea Sied’un״»uBt«- nehmen «scheint, In seinem Standpunkt unangefochten za lassen. Wer Je eine gesellschaft'icbe Veranstaltung miterlebt hat, wo Nichtjuden uni Juden mit dem fast gleiche« objekt i ve n Interesse den Worten eines zionistischen Redners ' hörten, den «aß. dieses traurige SpektakuIum zu demEnticluuo geführt haben, den alten zionistischen Kampf tun diese Juden aufzunehmen. Den Politikern der anderen Völker hat man zu beweisen, daß Palästina ein wirtschaftlich gesundes Land lat und die Juden ein zur Kolonisation geeignetes Element darstellen. Ihnen gegenüb« hat man die Güte und die Durchführbarkeit d« Sache darzutun. Zu J a d e n aber müssen wir sprechen wie damals, als wir se’bst Zionisten wurden und keine Balfour-Deklaration und keine kolonisatorische Erfahrung unsere Propaganda unterstützen konnten. Nicht Sachlichkeiten, sondern eine Idee, nicht Kolonisationssysteme, ton• dem ein jüdisches Weltbild gilt es dem Bewußtsein der Juden einzuverleiben. Begnügen wir uns mit dem Wohlwollen der seelisch UnbeteiTgten und der dazugehörigen Spende, geben wir dem Juden das beruhigte Gefühl, auch ohne Bewußtseinswandlung am Emeuerangswerk des Judentums tefhiben zu können, so ruinieren wtr die Pfeiler, auf denen die zionistische Bewegung ruht. Im deutschen Judentum lagern noch starke Kräfte, die der Aufrüttelung und aer Erweckung waten. Nicht mit Geschicklichkeit und mit Ueberredung dürfen wir den Juden begegnen. Ihr eigenes Spiegelbi'd vor Augen zu führen, un e Mi ete Verließe aufzulcckera, heimlichste Regungen zur Bewußtseinsschwelle zu bringen, ist die Aufgabe zionistischer Propaganda. Das Geheimnis ihres Erfolges ist, mit der Wärme des eigenen Glaubens die Seele des andern zu überstrahlen. Die WaisenIBrsorge des Joint in Palästina In der letzten Sitzung des ״Pa'estine Orphan Committee“ (Waisenfürsorge-Komitee), die am 5. Januar 1928 in Jeruralem statfand, wurde eine Rerolution angenommen, daß das Komitee, welches vom Amerran Joint Di tribulion Committee im Juli 1919 gegründet wo־den war, aufgelöst werden soll, da es seine Aufgabe vollendet hat im ganzen ist für 4C0Ö Kinder in ganz Palästina gesorgt worden. Das Komitee hatte darauf gesehen, die Kinier nach Möglichkeit in Privat- Häusern unte.zubringen, sie bei i'iren verwitweten Müttern od« auch bei Verwandten oder in sorgfältig ausgesuchten anderen Privatfamilien zu belassen. Auf diese Weise konnten nach und nach die II Waisenhäuser ganz geschlossen werden. Besondere Aufmerksamkeit würfe der handwerklichen Ausbildung der Knaben und Mädchen zugewendet Sie wurden auch für Dienste im Haushalt, In Handfertigkeit, Landwirtschaft, Büroarbeit und Wissenschaft:! :he Berufe aus- ־־•־’• ’ *" ' " יי * ‘ ״* "* (einschließlich des Lehrberufs) ausgebi’det Dank des Mitarbeit d« medizinischen Ore׳anLatioa Had«ssah war es möglieh, die Gesundheit d« Wader gut zu überwachen- Die Listen ein« Grupp« von 5300 Jerusalem« Kindern weisen ira V«lauf von fünf Jahren nur sechs Todesfälle auf. Um die Kinder für die Landwirtschaft vorzuberei «tt, hat das Palestine Orphan Committee zwei Kinder-Dörfcr organisiert: Die Kolonie Meier Shfeyah, in der hauptsächlich Mädchen untergebracht sind, und O i v a t Hamoreh, in der sich hauptsächlich Knaben ba'lsden. Mei« Shfeyah wird aus Geldern der ״funio־ Hadasrah" in Amerika, Qivat Hamoreh von den Juden Südafrika« unterhalten. Es müssen noch ca. 230 Kind« versorgt werden. Miß Berget, die bisherige Exekutiv-Direktonn, hat sich erboten, dieee Arbeit bis «un Abschluß weiter m leiten.

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