Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1928)
- Date
- 1928-01-31
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 62 JÜIDISCHE RUNDSCHAU W. §, 31.1102S Boden in Südmßknd mehr zur Verfügung stellen wolle. Das sibirische Projekt lehnte er in seiner Rede ab. Die Juden werden nicht nach Sibirien gehen. Auch die Lage der bisherigen Kolonisten sei unbefriedigend, weil die Sowjet-Regierung die Kosten der Ansiedlung zu gering veranschlagt hat Aus dieser Rede wie übrigens auch aus den Berichten der kommunistischen Presse geht hervor, daß Dr. Ru pp in richtig gesehen hat, wenn er sagte, das russische Kolonisationswerk befinde sich erst in den ersten Anfängen und werde unvermeidlich Krisen durchmachen und noch höhere Zuwendungen und Zuschüsse benötigen, bevor die Siedlungen wirklich selbsterhaltend sein werden. Die Kolonien stehen also, soweit die kolonisatorische Seite in Betracht kommt, ähnlich da, wie unsve palästinensischen Siedlungen. Auch die Leitung des Kolonisationswerkes steht vor einem ähnlichen Problem: ob sie mit ihren Mitteln zunächst die bestehenden und begonnenen Wirtschaften konsolidieren oder aber ob sie an die Gründung neuer Siedlungen mit ungenügender Fundierung herangehen soll. Auch in Rußland scheint man aus politischen Motiven zu einer Erweiterung zu drängen, die große ökonomische Gefahren in sich birgt Wir haben von Anfang an in der russischen Kolonisation ein großes Hilf s werk für die durch den Bolschewistnus ihrer ökonomischen Position beraubten Juden gesehen. Es ist und bleibt anerkennenswert, daß die Sowjet-Regierung sich der Pflicht nicht entzieht, bei der notwendig gewordenen wirtschaftlichen Umschichtung der jüdischen Bevölkerung mitzuhelfen. Daß dieser Unternehmung Grenzen gesetzt sind, war von vornherein klar und wurde nur durch den politischen Nebel verhüllt, der leider um diese Sache seit Jahren erzeugt wird. Durch das sibirische Projekt zeigt sich jetzt wieder deutlich der politische Charakter der ganzen Bewegung. Offenbar kämpfen innerhalb der maßgebenden Kreise die rein ökonomisch-reproduktiven mit den politischen Tendenzen. Da heute bereits erwiesen und bekannt ist, daß für das Hilfswerk in Südrußland Boden nur in kleinem Maßstab zur Verfügung steht, da man aber auf das politische Schlagwort einer großen autonomen jüdischen Siedlung, ja" sogar einer Jüdischen Republik" nicht verzichten will, versucht man es jetzt mit Sibirien. Natürlich spielt dabei der Wunsch, dem verführerischen zionistischen Ideal etwas Gleichartiges entgegensetzen zu können, die Hauptrolle. Es ist aber nicht anzunehmen, daß dieser Versuch Erfblg haben wird. Bei der Wahl zwischen Palästina tmd Sibirien wird sich wohl auch der primitive Jude für Palästina entscheiden. Es sei denn, daß bei den Antizlonisten innerhalb und außerhalb Rußlands der Haß gegen Palästina stärker ist als die klare Ueberlegung, und daß man jedes noch so phantastische Projekt aufgreift, wenn es nur Palästina schaden kann. Tsddenows zehnter Todestag Am 31. Januar jährt sich zum zehnten Male der Todestag des zionistischen Führers Dr. Jechiel Tschlenow. Fast zugleich fällt der fünfte Todestag Max Nordau. Wir gedenken in Dankbarkeit und pietätvoller Verehrung dieser großen Führer der zionistischen Bewegung. Tschlenow starb während des Krieges, nachdem er kurz zuvor noch zwei große Ereignisse erlebt hatte, die die Erfüllung der zionistischen Hoffnungen in naher Zeit in Aussicht stellten: die russische Revolution und die Balfour-Deklaration. Die März-Revolution von 1917 war für das russische .Judentum und für den russischen Zionismus ein Ereignis von unermeßlicher Bedeutung. Die Ausnahmegesetze waren gefallen, das russische Judentum wurde frei und zum ersten Male in der jüdischen Geschichte sollten wir das Schauspiel;erleben, daß die Erteilung der bürgerlichen Oleichberechtigung zugleich eine nationale Emanzipation wird, das Volk als Ganzes befreit und gleichstellt. Das russische Judentum war in seiner überwältigenden Mehrheit national und zionistisch und die zionistische Konferenz in Petersburg, der Tschlenow präsldiertc, zeigte deutlich die große moralische und materielle Macht, die diese Scharen zum Aufbau Palästinas entschlossener Juden darstellten. Tschlenow war damals der erklärte Führer des russischen Judentums. Er war — zusammen mit Otto Warburg ״- Präsldent dtr Zionistischen Exekutive, damals E. A. C. genannt, wozu er auf dem XL Kongreß in Wien (1913) gewählt worden war. Von Rußland eilte Tschlenow nach London, erlebte noch die Ralfour-Deklaration, erlag aber am 31. Januar 1918 der übergroßen Erschöpfung, die durch die an seine schwächliche Konstitufion gestellten Anforderungen verursacht war. Tschlenow gehörte bereits lange Zeit vor Herzls Auftreten der Chibath-Zion-Bewegung an und trat spater in die Reihen der Zionistischen Organi ation. Seine milde und verbindliche Art bei sachlicher Entschiedenheit gewann ihm bald die Syinpafhien auch der westeuropäischen Zionisten, die ihn vor seinem Auftreten auf den Kongressen n'cht gekannt hatten. Nach Herzls Tode wurde er einer der Führer der auf praktische Kolonisatiönsarbeit drängenden Richtung, die auf dem VII!. Kongreß im Haag siegte, jedoch erst auf dem X. Kongreß in Basel auch zur Neubildung der Leitung führte, Tschlenow, der ein sehr angesehener Arzt in Moskau war, gab, als die Bewegung ihn an die Spitze berief, seine Praxis auf und übersiedelte nach Berlin. Sein Tod im Jahre 1918 bedeutete angesichts der bevorstehenden Neuorganisation einen schweren Verlust für die ganze Bewegung. Tschlenow ist auch heute noch unvergessen. Schon wächst eine zionistische Generation heran, die von den alten Führern nicht« oder nur wenig weiß. Aber das eine muß sie merken) daß sie das zionistische Erbe, das sie zu verwalten hat, den Männern verdankt, die in den schweren Jahren eines beseheidenen Beginnens die Pioniere der Idee waren. Unter ihnen wird Tschlenows Andenken stets einen Ehrenplatz behaupten. Me Steaer*Ke!onn In Palästina Jerusalem, 27. Januar. (J.T.A.) Die Regierung Palastinas hat soeben einen Gesetzentwurf über die Einführung einer Steuer auf unbewegliches Eigentum veröffenilicht, der die aus der Zeit der Türkenherrschaft stammende städtische Immobiliensteuer, die sogenannte ״W e r k 0“, ablöst. (Die Aenderung der ״Werko“ war bekanntlich seit langer Zelt eine zionistische Forderung, doch bleibt abzuwarten, ob aer Ent* wurf die zionistischen Vorschläge genügend berücksichtigt. — A. d. R.) Ans Max Nordaus Leben 1b diesen Tagen sind fünf Jahre verflossen »eit dem Tode Max Nordaus. Was Nordau für den politisehen Zionismus seit seinen Beginn bedeutet hat, bedarf keiner Darlegung. Er hat als einer der ganz Wenigen Herzl von Anfang an unterstützt und, sein großes Re־, nommee in den Dienst der Idee gestellt Er war in den ersten Jahren der Bewegung der repräsentative zionistischc Redner, der in großer Form das Judenproblem in europäischer Oedankenweite und unverbrüchlicher Volkstreue zu erörtern wußte. In nächster Zeit erscheint im Wiener ״Renaissance-Vertag" ein Buch ״Max Nordaus Erinnerungen", enthaltend De* kumente, Briefe, Nordaus Aufzeichnungen, eingeflochten in die von seiner Frau stammende Lebens be- Schreibung. Wir haben die Mögli hkeit, noch vor Er-, scheinen des Buches einzelne Abschnitte abzudrucken. Nachstehend geben wir .eine Darstellung aus der Zeit des Dreyfus־P! ozesses. und des II. Ziomstenkongrcsscs (1898). Red. Was die zionistische Ueberzeugung am tiefsten im Herzen Max Nordaus verankerte, war sicherlich der erste Dreyfusprozeß. Die Eröffnungen Bernard Lazarcs befestigten mit jedem Tage seine spontanen Eingebungen und verwandelten sie in eine fruchtbringende Tätigkeit Im April 1896 hält er eine zionistische Konferenz in Berlin ab. Er legt dabei eine derartige Begeisterung und eine solche Aufrichtigkeit an den Tag, daß die härtesten assimilatorischen Gewissen erschüttert werden. Bevor er nach Berlin fährt, schickt er Herzl ein Exposü seiner Ideen und dieser antwortet ihm: ״Ihr Brief hat mich gestärkt wie ein Glas edlen Weines... Nun, was mich in Ihrem Brief auf richtete: die vollständige Konkordanz meiner Ansichten und Pläne mit denen eines großen Menschen, den ich liebe und bewundere, AJs wären wir Tag für Tag beisammen* »0 haben sie alles aufgeschrieben, was ich hier meinen Nächsten, namentlich Leon Kellner, Oskar Marmorek, Schnirer sage. Die Eroberung der Gemeinde ist ein fertiges Projekt Es ist die Arbeit, die sofort für die Zeit nach dem zweiten Kongreß in Aussicht genommen ist . ... ״Können Sie es nicht, einteiien, daß wir uns schon einige Tage vor dem Kongreß in der Schweiz treffen, nur wir zwei, und alles vor dem Rummel der Kongreßtage verabreden. ״Nebenbei wär’s für mich auch ein geistiger Genuß. Und wir haben uns 5p viel zu sagen . . Seiner Frau schreibt Nordau: ״Die Post hat mir zwei Briefe von Herzl gebracht, die nach Paris adressiert waren. Er ist begeistert von meiner Politik — aber Du wirst ja die Briefe lesen. Du hältst mich für schwach? Das fct ein Irrtum. Ich weiß ganz genau, bis wohin ich In allem gehen will. Am Ende findet man mich immer unerschütterlich- Diesseits der Grenze lasse ich noch mit mir reden und ich gebe nach, denn es ist ja nicht von ausschlaggebender Bedeutung.“ Schon jetzt fühlt er, daß die Überanstrengung seinem Herzen schadet. Die langen Diskussionen der Abende erschöpfen ihn und verschaffen ihm schlaflose Nichte. Das Gefühl der schweren Verantwortung, die er auf sjch genommen hat, Indem er seinen Namen und seine ganze Seele in die Wagschale des Zionismus warf, erschreckt ihn oft. Er ist sich aber gewiß, daß er eine gerechte und schöne Sache vertritt. In einem Brief aus Berlin erzählt er von einer rührenden Episode, die er den Abend vorher erlebt hat: ״Als ich vom Podium herabstieg, stürzte sich ein Mann mit Bart, sicher ein russischer Jude, auf mich, bemächtigte sidbr trotz meines Wider- Standes meiner Hand und küßt» sie. Ich schämte mich und ,siiH! ^raaf־״btwo«׳t|!te;-1«:f~mir: mit Trinen in den Augen; Ja, wir sind stolz, daß wir Sie haben‘. Was für Enthusiasten es doch unter diesen armen Leuten gibt!" Auf dem Rückwege muß er sich noch in Köln aufhalten. Dr. Bodenheimer una Fabius Schach rufen ihn als Schiedsrichter, 11m verschiedene Gruppen aktiver Zionisten zu versöhnen. Max Nordau siebt ein ungeheures Werk vor sich. Er will die Idee der Erhebung ln affe jüdischen Zirkel verpflanzen und seine ganzen Bemühungen sipd nur auf das eine Ziel konzentriert: Palästina für die Juden zu gewinnen. Er will den Elendsten und den Mächtigsten Mut ein flößen, aber seine ganze Sympathie gehört den Armen und den jungen Enmusiasten. ״Jedesmal, wenn Ich mit reichen Juden zusammentreffe," sagt er, ״habe ich einen unbeschreiblichen Nachgesebmack der Bitterkeit" Im August kommt Ben Jehuda aus Jerusalem zu ihm. Max Nordau ist mit seinen Kindei'n in Berck-sur-mer. Ben Jehuda geht zu ihm, um über die Herausgabe eines hebräischen Wörterbuches und über seine eigenen Pläne zu sprechen. Max Nordau ist vollkommen bereit, dieses Werk zu unterstützen, denn er hält es für eines der wichtigsten. Man muß doch vor allem eine Sprache schaffen für die, die nur stammeln, und die Sprache von Erez-Israel ist hierbei die einzig wahre und würdige. Beim zweiten zionistischen Kongreß im August 1898 sind die Leidenschaften noch entfesselter als das Jahr vorher. Eine Stunde nach seiner Ankunft begibt sich Max Nordau zu Herzl und findet ihn fm Hotel ״Drei Könige" von einem zahlreichen Gefolge umgeben, das er aber wegschickt, um mit seinem Vertrauten und Waffenbruder ungestört reden zu können- ״Er hat mir von den Verleumdungen und den Angriffen, denen er seitens der jüdischen Antizionisten ausgesetzt ist, gesprochen, von seiner Bitterkeit, aber auch von seinem Vertrauen. Er ist immer noch so optimistisch und begeistert wie je. Was er von den Delegierten hört, die hierher gekommen sind, besonders von den aus Rußland, kann ihn wirklich^ ih seiner Begeisterung nur stärken. Es gibt aber Tatsachen, die mit seiner Art, die Dinge 711 sehen, nicht übercinstimmen. So stad am Beispiel für die Bank nur 125 000 Aktien gezeichnet Herzl findet das großartig, ich aber finde, daß es erschreckend wenig ist — Um zehn Uhr empfing ich den angesagten Besuch H. Ussischkins. Er blieb bei mir über eine Stunde und sprach im Namen der russischen Juden, die mit dem Aktionskomitee in Wien nicht zufrieden sind.“ Diesen selben Nachmittag wurde Max Nordau Im tiefsten gerührt, als er die Prozession des heiligen Jakob —- eine lokale Feier — an sich vorbeiziehen Sah. ״Zehntausend Pertonen, mutige Männer, Frauen mjt Klrjdcrn, Schützen-, Fechtu , Turnvereine in Uniform oder in Blusen, mit Kriegermusik und historischen Bannern, defilierten vor dem Magistrat. Als sie die zionistischen Fahnen und die Mitglieder des Kongresses erblickt hatten, schwenkten Minner, Frauen und Kinder die alten Banner, die Waffen und die Hüte. ״Hoch die Juden!“ riefen sie. ״Hoch Zion!" ״So etwas hat man seit zweitausend Jahren nicht gesehen. Erschüttert und ganz allein ging kh dann nach Hause.“ Am nächsten Tag; hält er seine große Rede, die. einen wahren Sturm der Begeisterung entfesselt Er spricht von Bernard Lazare, von Zola, von ßcheurer-Keatoer und den anderen Verteidigern, er überträgt die Erregung über die Affäre aus Paris unter die Kongreßteilnehmer, man weint, man schreit, ״man hebt mich auf die Arme trotz meiner Bitten“. Die Schwester Scheurer-Kestners ist im Saal. Sie schickt Hochwürden Hechler zu dem Redner, um ihm zu danken. Eine alte russische Aristokratin nähert sich ihm: ״Erlauben Sie einer Christin, daß sie Ihnen danke,“ und sie küßte ihn auf den Kopf. Nur mit den größten Schwierigkeiten kann er sich dem allem entziehen. * ft. August 1899, Er hatte eben einen Brief von Herd empfangen: ״Lieber und verehrter Freund, diesen Brief erhalten Sie an inrera fünfzigsten Geburtstage und er soll Ihnen etwas von der tiefen und dankbaren Freundschaft sagen, die ich für Sie empfinde. Wir haben uns wie in einem Wald getroffen und als Brüder erkannt und wir, die nichts voneinander haben können oder wollen, sind zu einer starken Gemeinschaft zusammengetreten in einem Alter, wo man nicht mehr schwärmt. Das Erlebnis war ein großes, wag immer auch aus unseren Arbeiten werden möge.“ Lassen Sie mich Ihnen darum heute als Mensch find Jude die Hand drücken und wünschen, daß Sie mir erhalten bleiben mögen. Von Alex Marmorek erhalte Ich aber eine schlimme Nachricht: es sei unsicher, ob Sie zum Kongreß kommen. Ich rede Ihnen nicht zu, weil Sie gewiß alles Mögliche aufbieten werden, zu kommen. Ich will Ihnen nur kurz die Situation andeuten und Ihnen die Entscheidung überlassen, ob der Grad von Notwendigkeit erreicht ist, bei dem Sie selbst ein schweres Opfer bringen müssen. Rednerisch sind Sie der Kongreß. Ohne den Versuch, Bescheidenheit zu affektieren, glaube ich, daß meine Hand ihn zusammenhält, aber Sie sind seine Stimme, die zu Europa spricht. Der Kongreß war sicherlich anfangs nur Parade und ich bin nicht überzeugt, daß dieses Stadium schon Überwunden ist. Darum könnte eine Verminderung der gedanklichen und rednerischen Leistung einer Verminderung des Kongresses gleichkommen. Wer soll über die allgemeine Lage der Juden sprechen, wenn nicht Sie? Wir hätten nur Gaster, mit dem ich aber jetzt einen Konflikt auszukämpfen habe, weil er die Macht über die Bank den Händen unserer Bankleute entreißen will. Gaster würde auqlt einen klerikalen Zug -in die Sache bringen, er würde als glänzender Redner auch" einen Sieg über unsere Ideen der Toleranz davontragea. Wenn Sie nicht kämen, würde ferner ellm die Legend« ,entstehen;'' Sie'" hätten••'•«feh-• von״int*-■ttwgÄgf.-üvte Be»üer1i- Lazare umt anderem י"- ״.'׳..■■.••־-■;׳ ■'■'.■־• ■ Daß ich Sie persönlich vermissen würde, den Rat und Hajt, den ich an Innen habe, das schiebe Ich gar nicht hervor, weil es vielleicht eine Sache meiner Bequemlichkeit ist. Die sachlichen Gründe, die Ihre Anwesenheit in Basel verlangen, sind stärker. Zur Not würden Sie mit einem Tag auskommen. Sic müssen nur am 15. August, dem Eröffnungtage, da sein. Da nun der Dreyfus-Prozeß um diese Zeit bei 70 Zeugen wohl noch im Beweisverfahren steckt, könnten Sie sich vielleicht auf zweimal 24 Stunden vertreten lassen und nach Basel kommen. Tun Sie, was Sie für gut finden. Ich umarme Sie herzlich. Ihr treuer Herzl.“ Nathan Strans* 80. Geburtstag Am Dienstag, den 31. Januar, vollendet der jüdische Phflantrop Nathan Straus In New York sein 83. Lebensjahr. Neben zahlreichen anderen großen Wohlfahrtswerken hat Nathan Straus in der ganzen weit die Organisation für Milchentkeimung geschaffen und dadurch, das Leben von hunderttausenden Säug- Jingen, die sonst zugrunde gegangen wären, retten he'fen. In den letzten Jahren wandte er seine besondere Sorgfalt Palästina zu, wo er ein Gesundheitszentrum für al'e Einwohner ohne Unterschied der Rasse und Konfession schuf. Nathan Straus ist bekanntlich Zionist und hat sich an allen zionistisehen Aktionen stets führend beteiligt. Er steht imner an der Spitze der United Palestine AppeaL für den er sich in Wort und Schrift einsetzt. Er ist auch in diesem Jahr wieder Ehren - pr ä s id e n t der Groß-New Yorker Campagne des U. P. A. Er war es auch, der als erster nach dem großen Erdbeben der Palästina-Regierung £ 5300 überwiesen hat Nathan Straus, der selbst wiederho't Palästina besuchte, genießt die Verehrung a'ier Zionisten, die ihn noch lange Zeit rüstig in ihren Reihen sehen wollen. Berliner zionistische Vereinigung Im Rahmen des Vortragszyklus über .,Das Weltludentum" spricht am Mittwoch, den 1. Februar, abends 81/? Uhr im Gartensaal des Logenhauses, Kleiststraße 10 Herr Karl Blumen leid über; ״Entwicklungen im deutschen Judentum“ Eintritt 50 PL, für des ganzen Zyklus (12 Vorträge) Mk. 3.— Der Hafenhag 10 Haifa Wie die Jerusalemer Zeitungen berichten, soll die Haitaer Küste uni 153 tn nach der S?e zu durch Auf- Schüttungen erweitert werden. Die Seetiefe Im Hafen wird 12 m betragen, an den Kais werden 5300-Tonnen-Schiffe vertäut werden können. Eine Werft für Schiffsreparatur wird angelegt werden. Aus den zwei von der Regierung in der Nachbarschaft von Haifa erworbenen Stelnb-üchen werden eineinhalb Millionen Tonnen Steine für den Hafenbau .geholt werden. Wie ״Haaretz“ und ״Kapai Bulletin“ be ichten, soll es zwischen dem engUs־hen Hafen bau־achverständigen Palmer und der Pallstina-Rerierung zu Differenzen gekommen «ein, bezüglich des Zeitpunktes des Beginns des Hafenbaus iq Haifa, wie auch darüber, wer diesen Bau ausführen soll. Das Regierungs־Departement für öffentliche Arbeiten will Ihn in eigener Regie ausführen, während Ing. Palmer für Ausführung durch einen Privatunternehraer ist Die Entscheidung soll das Colonial Office treffen. Die Palästina-Re gierung will mit den Vorbereitung8arbeiten sofort beginnen, während Palmer erst die Bestätigung des genauen Planes abwarten will. Auch mit dem Hauen aer Steine könne seiner Ansicht nach nicht begonnen werden, da man, ehe nicht der endgültige Plan feststem, die Art der nötigen Steine nicht bestimmen könne.