Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 9 (31.1.1928)
- Date
- 1928-01-31
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Anze!^«t1^cl11a0u DI «jo •lag 13 sd Fra Hag o •eb 4 Uhr. :תרפ״ח ם׳ ש Per »leBlimu« erstrebt Wir glas JOdliche Veite die Schaffuna einer Slfendlch reclitlich «eslcherten Heinistitte In Palästina, 1 XXXIII, Jahrg. ״Baseler Programm.“ Palästina-Regierung und Arbeitslosigkeit! Weizmann geht nach Südafrika? Dr. Weizmann erklärte einem Vertreter der ITA, daß das Colonial Office die Beschaffung derjenigen Fonds, die im Budgetentwurf der Palästina-Regierung zwecks unverzüglicher Durchführung öffentlicher Arbeiten zur Linderung der Arbeitslosigkeit vorgesehen sind, gebilligt hat. Auf Ansuchen Lord Plumers hat das Colonial Office ferner die Mittel zu Aufforstung?- und anderen Arbeiten, die ebenfalls einer größeren Zahl Arbeitsloser Beschäftigung verschaffen werden, bewilligt und seine Bereitschaft erklärt, jedes ähnliche Ansuchen Lord Plumers ebenfalls günstig zu erledigen. Dr. Weizmann bcrichtete auch über weitere in Vorbereitung befindliche Aktionen, die ebenfalls einen Teil der jetzigen Arbeitslosen absorbieren werden. So befaßt sieh die Palästina-Regierung gegenwärtig mit dem Plan der Gewährung von Anleihen an Orangen - und Weinzüchter gegen die Verpflichtung, Arbeitslose zu beschäftigen. Zum Schluß teilte Dr. Weizmann mit, daß er zweifle, ob er seinen Plan, int März nach Amerika zu fahren, werde verwirklichen können. Er gedenke nämlich nach Südafrika zu gehen, wo man die Garantie übernehmen will, im Falle seines Besuches in den nächsten 2 Jahren 250000 Pfund für das Palästinawerk aufzubringen. Dr. Weizmann verwies noch darauf, daß die Juden Europas allmählich ihre frühere Leistungsfähigkeit wiedergewinnen und daß sich demgemäß ihr Beitrag zum Palästina-Budget andauernd erhöht. Besserung der Arbeitslage In Palästina ■ Das ״Kapai-Bulletin“ (herausgegeben vom ״Palästina-Arbefterfond") vom 10- Januar berichtet: Vom Colonial Office in London ist bereits die Bestätigung eingetroffen für Beginn folgender Arbeiten zwecks Beschäftigung der jüdischen Arbeitslosen: Der Bau von Straßen in Jaffa für £ IS000, der für S Monate IV) Arbeitern Beschäftigung geben und Ende Januar beginnen wird; die Chaussee Jericho—Jerusalem für £ 0000, deren Bau gegen 15. Februar beginnen und für 4—5 Monate 150 Arbeiter beschäftigen wird; die QiaüsSec Nik Phara—Jerusalem wird £ 2500 kosten und 75 Arbeitern während 3 Monaten Beschäftigung geben, Beginn 15. Februar; Chaussee Akk»— Haifa für £ 2000 wird 3—4■ Monate 103 Arbeiter beschäftigen, Beginn Ende Januar; die Bauten für das Haifaer Quarantänelager werden £ 10000 kosten und 100 Arbeiter 6—8 Monate beschäftigen und Mitte Februar beginnen; dazu kommen noch Aufforstungsarbeiten, die gleich beginnen und 350 Arbeiter beschattigen werden. Danach werden ira Laufe des. Januar und Februar 925 Arbeiter bei Regienmgsarbeiteii beschaftigt werden. Außerdem wurde noch eine weitere Reihe von Arbeiten bestätigt, deren Beginn jedoch wegen der Regenzeit und der notwendigen technischen Vorbereitung erst Mitte April erfolgen soll. Es sind dies: Der Bau der. Straße und Brücken Kalkilia—Petach Tikwah (vorläufig wird die Strecke Petach Tikwah—Kfar Saba gebaut) für £ 18 000, der 200 Arbeiter während 8 Monaten beschäftigen und Mitte April beginnen wird, die Straße Mes’cha—Afule für £ 10 000 wird 200 Arbeiter durch 8 Monate beschäftigen und Mitte April beginnen; der Bau des Postamtes in Jaffa wird £ 25 000 kosten und während eines Jahres 100 Arbeiter beschäftigen, Beginn Anfang April. Des werteren hat noch die Regierung den Bau von Straßen in Petach Tikwah für £ 4300 gestattet. Es wurden auch bereits die Vermessungen für den Bau der landwirtschaftlichen Schulen aus dem Cadoorie-Nachlaß begönnen. Es sind somit für die Zeit nach der Regenperiode eine Reihe öffentlicher Arbeiten vorgesehen, die täglich 600—700 Arbeiter beschäftigen werden. Den von der Regierung jetzt bewilligten Arbeiten liegen zum größten Teil die von der Arbeitszentrale der Hhtadruth entworfenen Pläne zugrunde. , , (Ziko.) Me Frageder palästinensischen Verfassung Wie aus jerusalem gemeldet wird, ift dort insbesondere tri arabischen 1|re|jeu das' Gerücht verbreitet, daß das Colonial Office einen Vorschlag auf Errichtung eines Gesetzgebend den Rates In Palästina entworfen hat, der bereits an den Oberkommisslr Lord Plumer gesandt worden Ist und In der nächsten Zeit den Vertretern der arabischen und der jüdischen Bevßlkerung vorgelegt werden soll. Bekanntlich wurde bereits im Jahre 1922 eine Verfassung für Palästina veröffentlicht, worin ein teilweise aus gewählten Mitgliedern bestehender Gesetzgebender Rat (Legislative Council) vorgesehen war. Die Araber haben damals durch Boykott der Wahlen die Durchführung des Planes verhindert Aber die Verfassung ist nur suspendiert, nicht aufgehoben. Inzwischen ist, wie wir bereits berichtet haben, in der letzten Zeit ein deutlicher Stimmungsumschwung bei den Arabern zu konstatieren. Vor kurzem hieß es, daß der bevorstehende arabische Kongreß auf den Vorschlag einer Arab Agency zurückgreifen wird. Im Zusammenhang damit ist wahrscheinlich auch das neue Gerücht zu verstehen. Die Frage der palästinensischen Verfassung ist eigentlich niemals von der Tages- Ordnung verschwunden. Erst im vorigen Sommer hat ein Vertreter der Regierung wieder mit den Arabern verhandelt. Bekanntlich hat auch die Mandatskommission des Völkerbundes gerade auf diesen Punkt immer großes Gewicht gelegt In dem benachbarten Mandatsland Irak ist eine Verfassung bereits in Kraft, und in Syrien haben die Franzosen die Aufgäbe, eine Verfassung durchzuführen, und es ist der schwerste Vorwurf gegen die französische Mandatarmacht, daß ihr bisher nicht gelungen ist, dem Lande eine Verfassung zu geben. Palästina nimmt freilich eine Sonderstellung ein, was auch die Völkerbundsorgane trotz anfänglichen Widerstrebens ein- Zusehen begonnen haben. In Palästina ist laut Mandat die nationale Heimstätte für das jüdische Volk zu errichten, und darum muß gefordert werden, daß nichts getan wird, was diesem unzweideutig ausgesprochenen Sinn und Zweck des Mandates zuwiderläuft. Ob die Nachricht von einer bevorstehenden Einführung eines gewählten Gesetzgebenden Rates richtig ist, oder oh sich die Angelegenheit nur iip Stadium der Erwägung befindet, jedenfalls wird es Aufgabe der zionistischen Politik sein, darüber zu wachen, daß bei jeder Neuerung der konstitutionellen Verhältnisse die Errichtung der jüdischen nationalen Heimstätte unzweideutig sichergestellt wird. Amarilanisehe Zionisten bei Amery Wie uns aus New York gemeldet wird, begab sich dieser Tage eine Delegation amerikanischer und kanadischer Zionisten, an deren Spitze Louis Lipsky und der Präsident der kanadischen Zionistischen Landesorganisation A. J. Fr eeman nach Ottawa, wo sie von dem britischen Staatssekretär für die Kolonien, Mr. Ame ry, der bekanntlich auf seiner Weltreise durch die britischen Dominions gerade sich in Kanada aufhält, empfangen wurde. Die Delegation trug dem Minister die Wünsche und Beschwerden der amerikanischen Zionisten vor, wobei besonders diejenigen Punkte, die in der letzten Zelt und auch auf dem Baseler Kongreß von amerikanischer Seite gegen die britische Mandatsverwältung geltend gemacht wurden, erörtert wurden. Die Delegation beklagte sich über die schwere Besteuerung utr jüdischen Kolonisten uno über den Mangel ciper Unterstützung W die jffdlsthe industrielle Entwicklung; sie wies darauf hin, daß, die Juden, beinahe 80 Prozent der Einkünfte der palästinensischen Regierung beitragen. Die Delegation forderte, die Palästinaregierung möge die Hindernisse, die den zionistischen Anstrengungen im Wege stehen, beseitigen und jene wirtschaftspolitischen und Steuerr eformen efnführen, die für die Entwicklung des jüdischen Nationalheimes unerläßlich sind. Mr. Amery, erklärte in seiner Antwort, er müsse zugeben, daß gewisse altmodische Besteueru ngsmethoden, die man aus der Türkenzelt übernommen hat, g c ä n - de rt werden müssen. Die Regierung sei jedoch bereits damit beschäftigt, eine Steuerreform durchzuführen. Der Minister versicherte der Delegation, daß die britische Regierung an den Bestimmungen des Palästinamandates festhalte und es zu einem möglichst großen Erfolg führen wolle. s־ Es ist erfreulich, daß die amerikanischen Zionisten Gelegenheit zu einer direkten Aussprache mit dem verantwortliehen Leiter der englischen Palästina-Politik gehabt haben. Aus dem kurzen Bericht läßt sich natürlich nicht entnehmen, was in dem Gespräch alles erörtert wurde. Es wäre zu wünschen, daß das Gespräch umfassend war, damit Mr. Amery über die in weiten zionistischen Kreisen herrschenden Meinungen aufgeklärt wird. Für eine ungestörte und von Miß- Verständnissen freie Arbeitsatmosphäre im Zionismus ist es unerläßlich, daß ein möglichst enger Kontakt zwischen zionistischer Bewegung und Mandatar macht besteht. Aus diesem Grunde, und weil die größte Stärke des Zionismus in der AHwelt'.ichkeit unserer Organisation besteht, war auch der Gedanke eines ״politischen Komitees“, das aus Zionisten verschiedener Länder zusammengesetzt ist, nicht von der Hand zu weisen, vorausgesetzt, daß cs sich um eine wirkliehe Kooperation mit der politischen Führung handelt und nicht um ein Instrument innerzionistischen Kampfes. Es kommt darauf an, alle Faktoren im Kampfe für unsere politischen Postulate einzusetzen. Darum ist es auch bedauerlich, daß, wie es scheint, der Initiator des erwähnten politischen Komitees, Dr. Stephen Wise, an der amerikanischen Delegation bei Amery nicht beteiligt war — wenigstens nach den bisher vorliegenden Nachrichten. Es wäre gewiß wünschenswert gewesen, daß Dr, Wise, der in seinen Reden der letzten Zeit häufig scharfe Beschwerden gegen die britische Mandats- Verwaltung vorgebracht hat, diese Beschwerden Mr. Amery gegenüber zur Geltung gebracht hätte. Daß die Mandatsregierung und die Palästina-Regierung die Berechtigung vieler dieser Beschwerden bereits einzusehen beginnen, zeigt sich in manchen ihrer Maßnahmen, in dem neuen Zolltarif, in den Anfängen einer Steuerreform, in der Beschäftigung jüdischer Arbeiter usw. Die wichtigsten Forderungen, die noch unerfüllt sind, sind unseres Erachtens die Zuteilung von Staatsländereien sowie die Steuerbefreiung neuer landwirtschaftlicher und industrieller Unternehmungen in den ersten Jahren ihres Bestehens. Das Gespräch der amerikanischen Zionisten mit Amery dürfte seinen Zweck nicht verfehlt haben, auch andere Gesinnungsgenossen als die Londoner Exekutive verantwortlich an der Politik zu beteiligen. Neuer Terrüorialismus Die BodewchwferfgkeUejtt fflr die jüdische Kolonisation in Rußland Wir haben in der vorigen Nummer den Artikel von Dr. Ruppin über die jüdische Kolonisation in, Rußland wiedergegeben. Dr. Ruppin bespricht darin auch das Problem des Boden m a n g e 1 s. für eine weitere ,Ausdehnung des Kolonisationswerkes. Die ursprünglichen, Pläne und Parolen einer ״jüdischen Republik in der Krim‘־‘, später modifiziert in ein jüdisch-autonomes Siedlungsgebiet in der Ukraine, haben sich bereits als trügerisch erwiesen. Es gibt keinen Boden mehr für die Juden. Nun hat man, wie Dr. Ruppin bereits berichtete, zwei neue Projekte erwogen. Das eine ist die Erschließung eines Sumpfgebietes am Asowschen Meer, das sehr große Ameüorationskosten fordert Das andere Projekt, das jetzt in den Vordergrund tritt, Ist der Plan einer Siedlung in Sibirien. Dieses Projekt hat bisher keinen Anklang gefunden. Die Juden wollen nicht nach Sibirien gehen; die Gegend ist zu entlegen, das Experiment zu gewagt und vor allem; nichts zieht die jüdische Seele nach Sibirien. Trotzdem wird das Projekt von den jüdischen Kommunisten jetzt mit großer Energie propagiert. Wir haben es hier offenbar mit einer neuen Form des Territorialismus zu tun, der ebenso scheitern muß, wie jeder vorhergehende Versuch dieser Art. Um die jüdischen Volksmassen wirklich in Bewegung zu setzen, um die ungeheure Revolution einer weiten Wanderung, einer Aenderung der Lebensbedingungen und Lebensformen, einer Wiederbesinnung auf die eigenen Gemeinschaftswerte zu bewirken, bedarf es einer großen bewegenden Kraft, nicht nur kühler und oft recht trügerischer Berechnungen. Diese umwälzende Kraft besitzt jedoch nur die Sehnsucht des jüdischen Volkes nach seiner Heimat, nach dem Lande, dasj§h|tagderteja der Vplkif tüur'fdingen '׳tön! Territorialismus, auch wenn er noch so viel Versprechungen macht, nicht gelingen. lieber das neue sibirische Projekt schreibt A. T s c h emeriski, der Führer der jüdischen Sektion und einer der führenden Organisatoren der jüdischen Landansiedlung in Rußland, in der jüdisch-kommunistischen Moskauer Tageszeitung ״Emes“ einen Propaganda-Artikel, worin er u. a. ausführt: Dem Komzet wurde die Aufgabe gestellt, eine planmäßige Landansiedlung jüdischer Massen in möglichst zusammen* hängenden Gebieten durchzuführen mit dem Ausblick, eine autonome jüdische Einheit im Rahmen der Sowjet-Union zu schaffen. Komzet hat die ihm übertragene Mission zu einem Plane konkretisiert: 1000C0 jüdische Familien in den Gebieten der bisherigen jüdischen Siedlung auf dem Lande seßhaft zu machen. Es wurden einige jüdische Siedlungsrayons geschaffen, es bestand aber nicht die Möglichkeit, ein einziges großes jüdisches Gebiet abzugrenzen, da die Aufnahmefähigkeit in der Ukraine und auch in Weißrußland begrenzt ist. Die Regierung hat deswegen der Komzet die Möglichkeiten gegeben, in den Gegenden von Saalsk, Kaukasien, Altai (Ural) und Sibirien, in den Wolgagegenden in Nordrufiland, in den ostasiatischen Gebieten, am Asowschen Meer, in den Gegenden des Schwarzen Meeres usw. ein geeignetes Land auszusuchen. Von allen diesen Projekten eröffnet die Schaffung eines jüdischen Landes im Fernen Osten im Gebiete des Amur-Flusses nicht weit vom Großen Ozean die weitesten Horizonte. Das Gebiet, das die besten Vorbedingungen, das ״jüdische Land“ zu werden(!), besitzt, trägt jetzt den Namen ״Birer-Bidschaner Rayon“ und grenzt im Süden an den Amur- Fluß, im Norden an die Eisenbahn, im Westen an den Fluß Chingan. Es mißt zwei Millionen Hektar, ungefähr soviel wie die Halbinsel Krim oder Palästina in den historischen Grenzen. Es leben in diesem Lande gegenwärtig 27 000 Menschen, also ein Mensch auf einem Quadratkilometer. Das Land besitzt eine fruchtbare Niederung von 1 400 000 Hektar guten landwirtschaftlichen Bodens, sowie Berg- und Waldmassivs, wo Möglichkeiten für Entwicklung intensiver Landwirtschaft und industrieller, vor allem bcrgindustrieller, Anlagen bestehen. Man wird schon in den nächsten Jahren 35 000 Familien landwirtschaftlich ansiedeln können. Nimmt man eine Einwohnerschaff von 50 Menschen auf einen Quadratkilometer als Norm, so wird hier Platz für eine jüdische Bevölkerung von einer vollen Million Seelen sein. Jetzt haben die jüdischen arbeitenden Massen selbst das Wort. Ihnen läutet eine Glocke zu neuer produktiver Arbeit, zur Erschließung von Neuland und zur Schtniedung einer neuen Werkstitte für den Sozialismus. Wir sind überzeugt, daß in hunderten und tausenden Volks- Versammlungen und Konferenzen das Wort ertönen wird: Wir sind mit der von Komzet getroffenen Wahl einverstanden. ftn Zusammenhang mit dieser neuen Parole der russisehen Judenkolonisation verdient auch eine Rede Beachtung, die Herr Abraham Bragin, einer der Initiatoren des Kolonisationswerkes, kürzlich auf einer Konferenz des ״Ozet“ in Moskau gehalten hat. Herr Bragin war bekanntlieh vor zwei Jahren auch in Berlin, um bei den hiesigen jüdischen Kreisen Sympathien für das Kolonisationswerk zu gewinnen. Er beklagte sich jetzt in seinem Referate darüber, daß die Sowjet-Regierung die jüdische Kolonisaiion nicht genügend unterstütze und daß sie keinen