Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXIII (1928)
- Issue
- Heft 8 (27.1.1928)
- Date
- 1928-01-27
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652971-2652979--19702-2677605- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Haifa 3× ep/1047930
- Oradea 1× ep/1002404
- Riga 1× ep/1000826
- Wolf Gold 1× ep/1007457
OCR text
Nr. 8, 27. L 1928 JÜED1SCHE RUNDSCHAU Seite 55 Die jüdische Kolonisation in Rußland und Palästina Die Ergebnisse von Dr. Rupplns Studienreise Dr. Ru pp in, der bekanntlich itn vergangenen Herbst Rußland bereist und das jüdische Sicdiurrgswerk des Joint besichtigt hat, veröffentlicht soeben einen ausführlichen Artikel, in welchem er in sachlich objektiver Weise sein Urteil über die jüdische Kolonisation in Rußland darlegt und zugleich eine Parallele 711 unserer Siedlungsarbeit in Palästina eicht. Dr. Ruppin zeigt, mit welchen technischen und wirtschaftlichen Problemen die Kolonisation in Rußland ähnlich wie in Palästina zu kämpfen hat, worin die grundlegenden Unterschiede der beiden Unternehmungen beruhen und inwiefern wir bei unserer zionistisehen Arbeit aus den iu Rußland gemachten Erfahrungen auch lernen können. Wir können aus dem umfangreichen Aufsatz. Ruppins, der in seinem vollen Wortlaute in deutscher Sprache in der Wiener Zeitschrift ״Palästina“ erscheinen wird, an dieser Stelle nur auszugsweise einige Partien wiedergeben. Dr. Ruppin beschäftigt, sicti zunächst mit der Frage, wieviel Boden für jüdische Kolonisation in Rußland noch zur Verfügung steht: Im ganzen kommen nur noch 150000 bis 250000 Dessjalinen in Südrußland un.l in der Krim in Frage, so daß 1m günstigsten Fall noch 12 000 Familien dort angesicdelt werden könnten. Dagegen hat die Regierung zwei andere Projekte: Das eine betrifft einen 20.0 km langen Streifen am Nordrande des Asow sehen Meeres, ein Sumpigebiet, dessen Ameiioration 5 Millionen Rubel kosten würde; das zweite Projekt betrifft ein großes Gebiet am Amur-Fluß in Sibirien, doch besteht vorläufig die größte Abneigung auf seiten der Juden, in eine derartig entlegene Gegend zu gehen. Uebcr die frage der Autonomie ♦eilt Ruppin mit: Bisher ist nur ein einziger jüdischer autonomer Bezirk gegründet worden, und zwar im Jahre 1027, nämlich der Bezirk Kalinindorf (früher S’dc Menucha). Dieser Bezirk hat!9 000 Einwohner, darunter SO Juden; er zählt 40 Dörfer, darunter 30 jüdische, 5 ukrainische, 2 deutsche. Die jüdischen Dörjfr haben 6 jüdische Dorf Sowjets, die ukrainischen Dörfer 1 iikiafnisehes Dorfsowjet über sich. Die oberste Verwaltungsbehörde im Bezirk Kalinindorf bestellt vorwiegend aus Juden; ebenso ist die Amtssprache im inneren Verkehr des Bezirks das Jiddische. Der Polizeichef und die Polizisten sind Juden. Es besteht hier also in dem Bezirk volle munizipale Selbstverwaltung und nationalc Autonomie. Ich horte, daß dir nicht jüdischen Dörfer sich sehr gern dein jüdischen Bezirke angcschlossen haben. Sie haben dadurch gewisse Vorteile, indem z. B. die jüdischen Kolotiisationsgcsellscnaften ihre Hilfe durch den flau von Schulgebäuden oder durch Gewährung von Krediten auch auf die nichtjüdischen Dörfer des Bezirks ausdehnen. Es ist beabsichtigt, in allernächster Zeit einen weiteren autonomen jüdischen Bezirk im Rayon Kriwoi Rog zu gründen, der etwa 18 000 Einwohner, darunter 13 w! Nichtjuden zählen wird. Ein dritter Bezirk soll in weiteren zwei oder drei Jahren ebenfalls im Rayon Kriwoi Rog entstehen. Ruppin bespricht sodann die fmidamentalen Unterschiede der Zielsetzung des Siedlungswerkes in Palästina und in Rußland. Die Bedeutung der palästinensischen Kolonisatiou besteht darin, daß sie die Grundlage der jüdischen •.NatloaaJcn.־.־W'.gi1l»*tiHje bildete sei; Rußland ,hat «atarlich keine.:.ileiatiägen: Aspirationen* c sondern.... ist•- ■ein reines philanthropisches und wirtschaftspo'.iiisches Experiment von lokaler Bedeutung. Für Palästina ist daher das natiouale Motiv und der Enthusiasmus der Siedler eines der wichtigsten Moni ante bei der Kolonisation, während in Rußfand nur wirtschaftliche Gesichtspunkte in Betracht kommen. Ruppin untersucht also vor allem die Unterschiede der beiden Kdlonisationswerke in wirtschaftlicher und technischer Beziehung. Er kommt dabei zu folgenden Punkten: 1. Der Boden wird in Rußland von der Regierung gegeben, muß in Palästina gekauft werden. 2. ln der Besteuerung kommt die russische Regierung den Siedlern sehr entgegen und befreit in den ersten Jahren sie gänzlich von den Steuern. Auch andere finanzielle V(«rgünstigungcn der Regierung kommen hinzu. (Bekanntlich bemüht man sich seit langer Zeit auch in Palästina Steuererleichterungeu zu erwirken.) 3. Beide Siedlungen leiden darunter, daß in den ersten Jahren keine festen Häuser gebaut sind. Die folgenden Punkte geben wir mit einigen Kürzungen im Wortlaute wieder. •1. Ein wesentlicher Unterschied besteht in der Art der Wirtschaft. Die nissisrbe Kolonisation Ist auf dem reinen Getreidebau aufgebaut und ähnelt dadurch etwa den Kolonien, welche die ICA iu Unter-Galiläa vor 25 Jahren begründet hat. Es hat sich aber schon in den drei Jahren seit der Begründung der neuen russischen Kolonien gezeigt, daß diese Art der Wirtschaft schwere Mängel hat. Die Krim und die südliche Ukraine sind regenarme Gebiete mit nur 35 bis 10 cm jährlichem Regenfail. Die Ende ist ganz und gar von der Regenmenge abhängig und die Erfahrung zeigt, daß in zehn Jahren etwa drei Mißernten durch Regenmangel Vorkommen. Jede Mißernte ist aber eine Katastrophe für den neuen Siedler, weil er noch gar keine Reserven hinter sieh hat, um ein schlechtes Jahr zu überstehen. So hat denn auch das Jahr 1927, das ein Jahr des Miß waehses war, die neuen Siedlungen außerordentlich schwer erschüttert. Ferner sind die Erträge aus dem Getreidebau auch in einem mittleren Jahre nach meinen Bcrechnungen so, daß der Siedler, nachdem er sich Weizen für den eigenen Gebrauch und das notwendige Futter für das Vieh zurückgelassen liat, uur etwa )00 Rubel bare Einnahmen hat, während seine Ausgaben auch hei ganz bescheidenen Ansprüchen (außer Brot und Milch von einer Kuh) an 600 Rubel betragen, ln Palästina ist die Wirtschaft insofern besser fundiert, als sie außer dem Getreidebau auch andere Zweige (Milchwirtschaft, Gemüse, Pflanzungen) umfaßt und Jahre des Mißwachscs liier zwar auch nicht gänzlich fehlen, aber doch seltener sind. Die Kolonisationsgesellschaften in Rußland sind bereif, aus den bisherigen Erfahrungen die Konsequenz zu ziehen und die Wirtschaften durch Einführung von Milchwirtschaft und Pflanzungen (Weinbau) gegen die mit dem reinem Getreidebau verbundene Gefahr Widerstandsfähiger zu machen. 5. In dem Menschenmaterial besteht ein erheblicher Unterschied. Die Ansiedler in Rußland sind ganz überwiegend Händler und Handwerker aus den Städten, die bereits im Alter von 30 bis 50 Jahren stehen, Familienväter sind und ohne jede Vorbildung in ihren neuen Beruf hineinkommen. in Palästina dagegen sind die Siedler vorwiegend junge Leute im Alter von 25 Ws 35 Jahren, die zum mindesten einige fahre bereits in der Landwirtschaft gearbeitet haben. Wanrend der Siedler in Rußland durch seine Unerfahrenheit in Jen ersten Jahren Inventar verdirbt und die Arbeit nur mangelhaft ausführt, ist dies bei den palästinensischen Siedlern :11 geringerem Maße der Fall, weil sie schon einige Uebung 1 der Arbeit haben. 6. Noch hervorstechender als der Unterschied im Alter und!n der Vorbildung ist der Unterschied in der ganzen Ein- Stellung der Siedler zur Landwirtschaft in Rußland einerseit* und in Palästina andererseits. In Rußland ist der Hauptgrund für den Uehergang zur Landwirtschaft der, daß die Juden durch die ökonomische Politik der Sowjetregierung Ihre frühere Existenz als Händler mehr und mehr verloren haben und gezwungen sind, irgendeinen anderen Beruf zu ergreifen. Es ist nicht so sehr innere Neigung als vielmehr äußerer Druck, was die Juden in Rußland zur Landwirtschaft hintreibt Enthusiasmus für die Landwirtschaft ist in den jüdischen Massen kaum vorhanden. Demgegenüber sind die Siedler in Palästina nicht aus Verzweiflung und aus Mangel an anderen Existenzquellrn, sondern aus innerer Nrigung zur Landwirtschaft gegangen.; Sic sehen in dem Uehergang zur Landwirtschaft uicfit, wie der russische Siedler, als Endzweck die Verbesserung ihrer materiellen Lage, sondern sie sehen darin ein Mittel zur Verwirklichung der zionistisehen Idee, zum Aufbau des jüdischen Nationalheims in Palästina. Das erzeugt in ihnen den Enthusiasmus und die Freude an der Arbeit, die ich bei den meisten der rtissisehen Siedler vermißt habe. Diese treten an die Landwirtschaft mit nüchternem Verstände heran und überlegen jeden Tag von neuem, ob die Laudarbeit ihnen wirklich die erhoffte materielle Besserung bringen wird, oder ob es nicht doch für sie vernünftiger gewesen wäre, in der Stadt zu bleiben. 7. Beschäftigt sich mit der Frage der Ansledlungrkosten und legt dar, warum diese in Rußland pro Kopf niedriger sein können als in Palästina. Aber nach Meinung Ruppins werden die Ansiedlungskosten in Ruß'and noch steigen, besonders durch Einführung gemischter Wirtscbah, in Palästina hingegen werden sie abnehmen, vor allem müsse die Frage der Gebäude auf Grund der russischen Erfahrungen neu geprüft werden. Wird die Frage der Verbilligung des Bauens in Palästina gelbst, dann dürfte es gelingen, die Ansiedlungskosterj pro Fami'ie auf £ 450 (ohne Boden) herabzudrücken. In Rußland müsse man bei Einführung neuer Wirtschaftszweige mit zirka £ 300 pro Familie rechnen. 8. Die Kolonisation ist in Rußland vom technischen Gesichtsnunkte aus viel einfacher als in Palästina. Sie kann sich damit begnügen, die Wirtschaft des russischen Bauern mit einigen kleinen Modifikationen nachzuahmen und braucht keine neuen Wege zu suchen. In Palästina dagegen v׳ar es für die jüdische Kolonisation unmSg'ich, die Methoden des arabisehen Fellachen einfach nachzuahmen. Man mußte eine neue Form der Wirtschaft finden, ein Problem, das bisher nicht restlos gelöst ist. 9. Der letzte Punkt in Ruppins Abhandlung bezieht sich auf die sozialen Formen der Siedlungen. Darüber berichtet Ruppin: In Ruß'and erfolgte die erste Bearbeitung des Bodens durchweg in kollektiver Form. Die Regierung empfahl den Siedlern, diese kollektive Bewirtschaftung dauernd beizubehalten. Es hat sich jedoch herausgestellt, daß die individualistisehen Neigungen der Siedler eine ko'lektive Bewirtsehaftung unmöglich machen. Die kollektive Bewirtschaftung besteht als Regel nur noch in Weißrußland. Dagegen ist sie in der Ukraine und Krim auf gegeben und das Prinzip angenommen worden, daß jede Familie, sobald für sic ein Haus gebaut ist, ihren eigenen Boden allein bewirtschaftet Nur in aen Farmen, die von der Jugendorganisation ״Hechaluz“ gegründet sind, ist die kollektive BewirtschaTung beibehalten worden und hat sich hier durchaus bewährt Ich sehe den Grund dafür, weshalb in einem Falle das Prinzip der kollektiven An- Siedlung versagt und im andern Falle sich bewährt hat, darin, daß in den Farmen des ״Hechaluz“ die Siedler durchweg junge Leute sind, welche die Landwirtschaft in Rußland ergriffen haben, um sich auf diese Weist'für eine später e*An sied?־ lung in Palästina vorzubereiten. Für sie spielt nicht der Besitz und die materielle Verbesserung der Existenz die Hauptrolle, sondern die Vorbildung für Pa'ästina. Es ist diese gemeinsame Idee, welche die Mitglieder verbindet und ihre individuellen Erwerbsinteressen zurückdrängt. Bei den anderen Siedlern dagegen, die meist schon Familienväter in reiferem Alter sind, fehlt diese verbindende höhere Idee; es kommt ihnen nur darauf an, Besitz zu erwerben und ihre Wirtschaftliche Lage zu verbessern. Hierbei machen sich die individuellen Interessen geltend und führen hei der kollektiven Bewirtschaftung zu -so schweren inneren Reibungen, daß die gemeinschaftliche Wirtschaft darunter leidet. Die Siedler haben deshalb eine Aufteilung der gemeinschaft'iehen Wirtschaft iu Einzelwirtschaften verlangt und die Regierung hat ihnen hierbei keinen Widerstand entgegengesetzt. Ein neuer Mosrhaw Das Departement der Zionistischen Palästina-Exekutive für landwirtschaftliche Kolonisation siedelt mit den in Holland speziell für diesen Zweck vom Keren Hajessod gesammelten Mitteln zwölf Familien in R 3 m a La j i m an. Sechs Familienhiupter haben ihre Ausbildung iu Holland und die anderen sechs in Deutschland genossen. Dieser neue Mosdiaw wird in der Hauptsache auf Orangenkultur basieren, andererseits wird die Erfahrung, die die Mehrzahl der Siedler iu der Milchwirtschaft: besitzt, ihnen eine befriedigende wirtschaftliche Lage sichern. In der neuen kleinen Siedlung ,,Ir Schalotte10 ,־ km von Tel-Awiw zwischen diesem und Herzliah gelegen, wohnten vor noch einem halben Jahre nur 10 Arbeiter, während die Siedlung jetzt bereits 18 Familien mit 54 Seelen zählt. Auch die Wirtschaft weist Fortschritte auf. Es gibt Jetzt dort außer dem Inventar und Geflügel 52 Stück Großvieh. Die Siedler wohnen vorläufig in Zelten, es soll aber demnächst mit dem Bau von Häusern begonnen werden. Für das Vieh sind bereits zwei Ställe errichtet worden. Eine bestimmte Fläche wurde für die Anlage von Orangengärten vorbereitet. Eine neue Broschüre des Keren Hajessod Eine eigenartige Broschüre ist vom Hauptbüro des Keren Hajessod herausgegeben worden ״Idee und Wirklichk e i t“, verfaßt vom Direktor des Keren Hajessod Dr. Arthur Hantke. Eine Propagandabroschüre, aber in besonderer Form. Auf wenigen Seiten schildert Dr. Hantke iu ungemein klaren und sachlichen Worten die Sammelarbeit des Keren Hajessod, den außerordentlichen Umfang, den diese angenommen hat, und die Bedeutung dieser Sammdarbc.it für das jüdische Leben im Galuth. Dr. Hantke untersucht, inwieweit es dem Keren Hajessod gelungen ist, die jüdischen Massen zu erobern, er wägt Erfolg und Mißerfolg gegeneinander ab, geht den Ursachen aller Erscheinungen nach und gibt dabei ein anschauliches Bild der außerordentlichen Arbeit, die geleistet wurde. Gleichzeitig gibt das Bild eine Zusammenfassung der Notwendigkeifen, die zur Schaffung des Keren Hajessod geführt haben und die ihn zu der Gestalt formten, die er heute zeigt Und in dieser Zusammenstellung bekommen uns vertraute Zahlen und Materialien einen neuen Sinn. Diese Broschüre ist wahrhaft geeignet, Zionisten und Nichtzionisten 7,ur Besinnung aufzurufen, jedem Juden klarzumachen, wie sehr es auf seine Mitarbeit ankommt und in welchem Ausmaß die Arbeit für den Keren Hajessod, für Palästina auf sein eigenes jüdisches Leben im Galuth zurückw irkt. Gerade weil diese Darstellung nur trockenes Material sachlich beleuchtet, ohne agitatorische Phrase, ist die kleine Broschüre eine der besten Werbeschriften. Kleine Nachrichten Wie die palästinensischen Zeitungen melden, ist Herr Pro fessor Gotthoid Weil, der Leiter der Orieutalienabteilung der Berliner Staatsbibliothek, in Palästina eingetroffen. New York, 22. Januar. (1. T. A.) Die Exekutive des amerikanischen Misrachi hat den Herausgeber des ״Jiddisehen Togblatt“ (Jcwish Daily News), Gcaalia Bublik, zum Präsidenten der Organisation gewählt. Vizepräsidenten sind Rabbi Wolf Gold und Rabbi Eiiah Inselbusch. ln einer von den Repräsentanten der Moskauer Jüdischen Gemeinde und den Vertretern aller Synagogenkomitees abgehaltenen Versammlung wurde Rabbiner Jacob Kienes zum Oberrabbiner von Moskau gewählt. Der Moskauer Oberrabbinerstuhl war seit dem im Dezember 1924 erfolgten Ableben des populären Oberrabbiners Jacob Masc verwaist. Major Sir Archibald Boyd-Carpenter, Mitglied des Unterhauses und früherer Unterstaatssekretär 1‘m Sdiatzministerium, weilte einen Tag lang in Jerusalem. Er besuchte auch die hebräische Universität. Zwecks Erleichterung des Palästina-Boudu־..« von Touristen hat Cook’s Tourist Company einen wöchentlichen Luftverkehr mittels Aeroplane von Kairo nach Palästina und Transjordanien eingerichtet. Die Regierung von Palästina hat Vorbereitungen zur 13ckämpfung einer drohen den Heuschreckenplage getroffen. Gewa'tigc Schwärme verheeren das Gebiet längs der Grenze zwischen Aegypten und dem Sudan, und es besteht ernste Gefahr, daß die Schwärme die Richtung auf Palästina cinschlagen. Am 8. Januar kamen von Beiruth nach Haifa zwei Mitglieder des Deutschen Automobilklubs, die sich von Berlin nach Kairo auf Motorrädern aufgemacht haben. Sie begaben sich am 12. November auf den Weg und fuhren über Oesterreich, Ungarn, Jugoslawien, Bulgarien und die europäische und asiatische Türkei. (Seiko.) Die Straße von der Eisenbahnstation nach der Siedlung Chcdera dürfte Anfang Februar zu Ende geführt sein. Die Herstellung dieser vier Kilometer langen Straße erfolgte auf Kosten der Siedlung durch das Regierungs-Departement für öffentliche Arbeiten. (Ziko.) Warschau, 23. Januar. ([. T. A.) Der Deutsche, F u - den, Ukrainer und Weißrussen umfassende Mindcrheitenblock hat einen Wahlaufruf erlassen, in dem alle Minderheiten aufgefordert werden, zur Wahrung ihrer nationalen und bürgerlichen Rechte für die gemeinsame Wahlliste ihre Stimme abzugeben. Jerusalem, 21. Januar. (J. T. A.) Der polnische Handelsattache für den Nahen Osten, der frühere jüdische Seimdeputierte l)r. Hausner, gab in seiner Wohnung zu Haifa einen Empfang zu Ehren des po'ni eben Generalkonsuls in Jerusalem, Herrn Titus Zbyszcwski, dem der Bürgermeister von Haifa, der Präsident der Haifaer arabischen Handelskammer, mehrere prominente arabische Kaufleutc sowie eine Anzahl jüdischer Persönlichkeiten beiwohnten. Das Hygiene-Departement der Herbräischen Universität in Jerusalem hat einen Kursus über Hygiene für Aerzte der Landgemeinden eröffnet. Im Dezember wurden vom palastiuenfrchcn Keren Hajessod 880 Verpflichtungen auf?P 1697 erzielt, ln bar einkässiert wurden EP 578. Der Sekretär der afghanischen Gesandtschaft in Rom, Rene L e v i, fungierte während des Empfanges des Königs Amen Uliah durch den Papst und den Kardinal-Staatssekretär Ctaspmrf als Zeremonienmeister. ל Der Jerusalemer Korrespondent des ״Al Siassa“ berichtet, daß einige Ingenieure nach Haifa gekommen sind, um dort eine topographische Karte für die Legung der Röhrenleitung für das mesopotamische Oel von Mossul nach Haifa auszuarbeiten. (Ziko.) Soeben erschien die erste Nummer des ״Jewish Echo“, der ersten und bisher einzigen jüdischen Zeitung Schottlands, irr G1 a s g o w. Zerlaß des Minderheitenbiocks io Lettland Riga, 24. Januar. (j.T. A.) Nachdem die Mission des Rabbiners Nurok, eine Regierung'der demokratischen Koalition mit Unterstützung des demokratische« Minderhcilcnblocks zu bilden, mißlungen war, wurde vor kurzem in Lettland eine Regicrung mit reaktionärem antisemitischen Einschlag unter der Prcmierschal't von Jurachewskt gebildet. Diese Regierung war durch den Zerfall de« demokratischen Minderheitcnblocks tnög'ich geworden. Die Russen, deren Forderungen die linksgerichtete Regierung nicht erfüllen konnte, schweukten zu den Rechtsparteien ab, danach wurden auch die Polen schwankend, so daß eia demokratischer Minderheitenblock, der bisher das demokratische Regime in Lettland entscheidend gestützt hat, nicht mehr existiert. Der Prozeß gegen die Jassyer Studenten Bukarest, 23. Januar. (J. T. A.) Wie schon mitgeteilt, wurde in der vorige« Woche in Jassy der Prozeß gegen die des Raubes und der Synagogenschandung beschulcligteii Studenten vertagt und die Angeklagten auf freien Fuß gcscl/t. Der heute wieder aufgenommene Prozeß verfiel abermals der Vertagung. Im Schoße des Gerichtes spielten sich anscheinend mysteriöse Vorgänge ab. Lin Richter wurde von der oberen Justizbehörde suspendiert, dann von der Polizei in Haft genommen. Dieser Richter hat auf einem antisemitischen Festbankett der Anhänger des Exkronprinzen Carol eine Rede für die Inthronisimmg Carols und gegen die Juden gehalten. Klausen bürg (Cluj), 18. Januar. (J. T. A.) Der Publirisf Koszburi, Dr, Moldavan der Student Du 11 za und Dr. Cotusch sind unter der Beschuldigung, die Studenten in Großwardein und Klausenburg aufgehetzt zu haben, verhaftet worden. Kabbf Gedaija Schnelles gestorben Krakau,'23. Januar. (j.T. A.) Itn Alter von 79 Jahren verstarb in Przemysl der dortige Rabbiner GcdaljaSchroelk e s, einer der angesehensten Rabbiner Galiziens. Er genoß eineu großen Ruf als Gelehrter. Er begründete die Misrachi- Bewegung in Galizien. Zur Zeit des Kirwcr Ritualmord-Prozesses gege.n Mendel Balis hat er in deutscher Sprache ein grundlegendes Werk über die Rifua'mord’egendc veröffentlicht, in dem er an Hand der gesamten jüdischen Literatur der Vergangenheit die Grundlosigkeit der Ritualmordlegendc nachwies. Dr. Benjamin Fuchs, ein junger Zionist aus Czemovyitz, der nach dem Kriege sich der Bewegung; angeschlosseu und 1920 die Fraktion Hitachdutii in Großruraanien begründet hat, ist dieser Tage gestorben. Dr. Fuchs hat eine ganze Reihe von Aufsätzen zur Theorie des Zionismus veröffentlicht, wobei ihm seine große nationalökonomische Bildung zugute kam, Furhs hat eine Reihe vou wirtschaftlichen Arbeiten und auch einen Band unveröffentlichte Gedichte hütterlassen. Die zionistische Bewegung verliert in ihm einen ergebenen und hoffnungsvollen Genossen,