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Jüdische Rundschau · 1928-01-27 · Heft 8 (27.1.1928) · page 6

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 8 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 56 Preußlsdie Landesversammliilfg am IS. März Wichtige Beschlüsse des OroBen Rate«. — Der Haushaltsplan für 1028/29. Der Große Rat des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden, der zu einer Sitzung zusammentrat, beschloß, die Landesversammiung zum 25. März eitizuberufen. Direktor Kareski legte den Haushaltsplan für 1928 und 1929 vor. Die Frage der Bestellung eines Sachverständigen für die jüdischen Angelegenheiten im Kultusministerium (dieses Amt wurde früher von dem verstorbenen Justizrat Lilienthal bekleidet) wurde einer Kommission überwiesen, die aus den Herren Rechtsanwalt Dr. Klee, Professor Türk, Rabbiner Dr. Raccle, R.-A. Herzfeld-Essen und M. A. Loeb besteht. Kammergerichtsrat W o J f f berichtete über die Frage der Reichs Organisation. Ein von ihm vorgelegter Entwurf, der auf den Beschlüssen der Dresdener Tagung fußt, soll der gewählten Kommission zur Prüfung überlassen bleiben und eventuell als Grundlage für die weiteren Verhandlungen mit den süddeutschen Verbänden dienen. Da durch das Hinscheiden der Herren Justizrat Lilienthal und Galewski das Präsidium zurzeit nur aus dem Präsidenten Kammergerichtsrat Wolff und dem stellvertretenden Präsidenten Rechtanwalt Dr. Klee besteht, wurden die Herren Professor Türk und M. A. Loeb zu stellvertretenden Prlsldenten bestellt. Prof. Elbogen übernahm das Amt eines stellvertretenden Schriftführers, Herr Gstberg das eines stell־ vertretenden Schatzmeisters, ln den Wohlfahrtsausschuß wurde Herr Dr. Sandler delegiert. Eine Einladung aus Köln, eine Ratssitzung In Köln abzuhalten, sowie eine Einladung der Stadt Köln, aniäßlieh der Presse-Ausstellung dort: eine ״Jüdische K u I - turwoche“ abzuhalten, wurde mit Dank angenommen. Es soll versucht werden, mit anderen Organisationen in Fühlung zu treten, um eventuell eine Kölner ״Jüdische Woche“ zu veranstalten. In das Büro für Schächtschutz wurden die Herren Rechtsanwalt Kollenscher und Loeb delegiert Ueber das Judengesetz und die Verhandlungen mit dem Halberstädter Verband berichtete Dr. Freund. Prof. Türk gab Bericht über die Bewilligungen des Wohlfahrtsausschusses in der Gesamthöhe von etwa 150000 M. lieber die Unterstützung der Rabbiner- Seminare berichtete Dr. KIee. Die bewilligten Beträge sind restlos auszuschütten, in Zukunft aber eine anteilmäßige Beteiligung der anderen Landesverbände herbeizuführen. Die Einberufung einer Konferenz über Taufe und Mischthen wurde im Prinzip genehmigt. Die Tapng des dentsehen Rabbinerverbandes Der Rabbinerverband in Deutschland wird am 29. und 30. Mal in Berlin seine satzungs gemäße Hauptversammlung abhalten. Die Sitzung soll in ihrem nichtgeschäftlichen Teil unter dem einheitlichen Gesichtspunkt ״Die Forderung des Judentums für die Gestaltung des öffentliehen Lehen s“ stehen. Ein Referat über den Sabbatedanken wird diesen Teil der Tagung einleiten; es sind ann ferner vorgesehen Referate über ,,Wirtschafts-Ethik“, ,.Bodenreform“ und Bevölkerungspolitik“. Für die Wahl des die Tagung beherrschenden Themas war der Gedanke maßgebend, daß das religiöse Judentum nicht darauf verzichten darf, eine Ordnung des gesamten Leben? anzustreben, und nicht/ darauf ־vartefcnten darf, seine Stimme zu erheben und in dem ־ Chaos unserer Tage ׳ von seiner' Idee aus Gestaltung zu versuchen. Leipziger Brlel Die Wahle n zur Leipziger Jüdischen Gemeinde sind für ungültig erklärt worden. Bei den am 27. November vorigen Jahres stattgefundenen Gemeindewahlen hatte nämlich ein (überaler) Wahlvorsteher die deutschen und ausländischen Wahl- Zettel vermengt! Auf den von orthodoxer Seite eingelegten Wahlprotest hin sind jetzt die Wahlen für ungültig erklärt worden. Neue Wahlen sind für den 26. Februar d, J. angesetzt — Augenfälliger konnte die Absurdität des hiesigen Gemeinde- Wahlrechts gar nicht gezeigt werden. Nachdem lange Jahre keine systematische zionistische Arbeit unter der an der Leipziger Universität studierenden jüdischen Jugend gemacht worden war, ist es jetzt endlich aus Initiative zionistischer Studenten heraus wieder zur Gründung e’nes Zionistischen Studentenvereins gekommen. Es haben sich bei der Konstituierung bereits zirka 30 Studenten dem Verein angeschlossen. Die Führung liegt in Händen von Goldhaber (Kadimah) und Berlinsky (Bar Kochba). Am 17. Januar veranstaltete der Jüdische Frauenbund ein Konzert moderner jüdischer Musik, in dem Arno Nadel referierte und namhafte jüdische Künstler auftraten. Frau Anna Neu mann sprach am 19. d. M. im Rahmen eines von der Zionistischen Vereinigung veranstalteten Abend über ihre Reiseeindrücke aus Palästina. D'e lebendige Schilderang der mit der jüdischen Vergangenheit in g'ei־׳her weise wie mit den Tagesproblemen vertrauten Referentin hin'erließen bei dem zahlreich erschienenen Publikum, unter dem sich zahlreiche Niehtzionisten befanden, einen nachhaltigen Eindruck. Grfindang einer jüdischen Genossenschallsbank Um dem Kreditbedürfnis der zahlreichen jüdischen Mittel- und IGeinexisfenzen in Berlin entgegenzukommen, wurde in Berlin soeben die Volksbank ״Iwria“ e. G. ni. b. H. gegründet. Das Präsidium bestellt aus den Herren Direktor Kareski, Dr. Altschul und Dr. Taitzlin. Ferner gehören dem Aufsichtsrat Dr. Brtrtzkus» Dr. Klee, Dr. Kollensener, kangermann, Dr. Kap’un, Dr. Mandel und andere an. Die Volksbank soll ihre Oe'chäftstätigkeit eröffnen, sobald Zeichnungen in Höhe von 200000 M, vorliegen. ״Jaden, Jfidlinge and Jadenser .. Die völkischen Zeitungen kündigen die Herausgabe eines Nachrichtendienstes für die Zeit der Wahlen an. Es heißt in der Notiz: ״Unser Nachrichtendienst wird so organisiert sein, daß bei den kommenden Wahlen uns nicht nur jene gegnerisehen Kandidaten bekannt werden, die Juden, Jüdünge oder Judenser sind, sondern daß wir dank des in unseren Händen befindlichen Materials im Nu festzusteiien in der Lage sind, welcher der Kandidaten ein Freimaurer ist Wir werden jede Rücksicht fallen lassen und gegen die anerkannten gedeckten Juden, gegen die weißen Juden, gegen die Freimaurer ein enthüllendes und vernichtendes Feuer eröffnen.“ Beschlüsse des XV. Kongresses. Unter diesem Titel hat die Zionistische Exekutive'in London eine Broschüre herausgegeben, die neben dem systematisch zusammengestelltcn Text der Beschlüsse auch eine gedrängte Darstellung der Verhandlangen des Zionistenkongresses enthält. Der Preis beträgt 25 Pf. Bestellungen sind an das Zeutralbüro der Zionistischen Exekutive in London, 77 Great Russell Street, London W.CI, zu richten. (Ziko.) JUEDI5CHE RUNDSCHAU Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Melnekestr. 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheck* konto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z.V. Sonnabend, den 28. Januar abends 84י Uhr HapoCf-HazaYr, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4 1. Chawer Brumm: ״Palästinensische Presseberichte.“ 2. Chawer Kibak: ״Ziele und Arbeit der Jugendbewegung ,Gordonlah'.“ Gäste willkommen. Abends 8 Uhr Jüdischer Studenteavcretn, Artüleriestr. 6. Mendele-Abend. Referenten: J. Bergeisohn, Dr. J. Rubin. Montag, den 30. Januar abends 8 Uhr Freie Jüdische Volkshochschule, in der Kafser-Hriedrich-Schule, Knesebeckstr. 24. Frau Alice Jacob-Loewenson: ״Moderne jüd. Musik“. Mitwirkende: Frau Rahe! Kaufmann, Herr Leo Riamnzew, Abends 8(4 Uhr בית מדרש לעברית של קהלת היהודים בברליו׳ גרוסה המבורנרשטרסה כ״ז. הרצאתו הששית של מר דוב אשב ל על «י חמתות אור (״נדע וו והמדיינים״ - שופטים פרה ו׳־ ח׳ו. Dienstag, den 31. Januar nachm. >45 Uhr Jüd. Frauenarbeltsgemefnschaft Grunewald, bei Frau Kober, Grunewald, Hagenstr. 27. Das Entstehen des Talmud, Leitung: Frau Helene Kofgen. Nachm. >/»5 Uhr Jüd.-Nat. Frauenvereinigung, Frauengruppe Charlottenburg, Zusammenkunft bei Frau Mittwoch, Kantstr. 88. Abends 8(4 Uhr Poale Zion, im Gemeindehaus, Rosenstr. 2/4. Funktion! rkursus: Chawer Dr. Borodiansky: Rom u. Jerusalem von Moses Heß. Mittwoch, den 1. Februar abends SG Uhr Berliner Zionistische Vereinigung fm Gartensaal des Logenhauses, Kleiststr. 10. Vortragszyklus: ״Das Weltjudentum“. 1. Vortrag: Herr Kurt Blumenfeld: ״Entwicklungen im deutschen Judentum.“ Abends 8*4 Uhr Gruppe Ost, in den Räumen des Agudas Achim, Jostystr. 4. Herr Karl Glaser: ״Die Krise des Assimilationsjudentums“. Donnerstag, den 2. Februar abends 8*4 Uhr Poale Zion, im großen Saal des Gemeindehauses, Rosenstr. 2/4, Chawer Dr. Fritz Gutmann: ״Die Proletarisierung im deutschen Judentum“. Gäste willkommen. בית הועד העברי ב 15 בשבט, יום ב׳, » לפברואר ש״ז, באולם הלונה שבקלייסט־ שטי׳ 10, בשעה 8 וחצי בערב ערב מוקדש לבימת ארץ־ישראל ישתתפו אמני האר׳ז מרת ברנשטיירכהי, מרת פרהל, מר תאומי ומר הלצקיי. יוצגו החזיונות: פודרינה, קומדיה מאת אבנדור המאירי 2) פטום מאת סטרינדברנ(תמונה דרמתית), מתורגם לעברית ע״י בתשטיירכהי 3) "מי נביא וידע" מאת ברקובייז כרטיסים במחיר 8 ט/ a ט׳ n מרק להשיג בהסתדרות הציונית הברלינית ובחי המסחר לספרים עברים. Zionistischer Grnppenverband für Mederschlesien Am Sonntag, den 29. Januar, vormittags 104י Uhr, findet in den Räumen der Silesia-Loge In Liegnitz, Bäckerstraße, ein Gruppenverbandstag statt Tagesordnung: 1. Referat Gerda Arlosoroff: ״Die politische und wirtschaftliche Situation Palästinas“. 2. ״Politik der Z.V.f. D,“ Referent: R.-A. Max Jacobsohn, Breslau 3. Aussprache. Abends 82/י Uhr findet ebenfalls in den Räumen der S11e$ia-Loge eine öffentliche Versammlung statt, in der Frau Gerda Arlosoroff über das Thema ״Palästinensische Wirklichkeit“ sprechen wird. Affe Zionisten Nieder- Schlesiens sind herzlkhst eingeladen. Frauenarbeit Die Weltorganisation Z'onisti cher Frauen hat soeben die zweite Nummer ihres Nachrlchtenbulletlns ״Pioniere und H eifert‘ herausgegeben. Das kleine Heftchen, das durch das immmMmniIHmiiMmMUNHHMimilimHIHtMMINHUIliNHitHMWMHHtlUMNillinitlMHititliiH! Im Rahmen einer Kulturwoche der SlenlstlscliQB legend Berlins finden folgende Vorträge von Herrn Dr. Max Mayer, Zwickau, statt: 1. Die klaaslxistiscbe HaakaLah-Epoche 2, 3. Die romantische and realistische Haskrlah-Epoche 4. Der Wandlungsproieß 5. NeuhebrSische Publizistik 6. NeuhebrSische Lyrik Näheres wird noch belcanntgegeben. Nr. 8, 27.11028 Hauptbureau der W. I. Z. O., 75 Great Rüssel Street, London W. C, zu beziehen ist, bringt eine umfassende Darstellung der von der Organisation in deu letzten Monaten geleisteten Arbeit in Palästina und im Galutb und ist ein Versuch, einen kleinen Abschnitt aus der Tätigkeit der jüdischen Frau von heute in lebendiger Form darzustellen. Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit ln Palästina. Am 10. Januar hielt der Verband Jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina seine diesjährige Generalversammlung ab, die von einer ziemlich großen Zahl Berliner Mitglieder uni einer Reihe von Vertreterinnen der provinzia en Ortsgruppen besucht wurde. Der Kassen- und folgende Arbeitsbericht gab ein Bild von den verschiedenen Formen der Oeldaufbringung und den Resultaten einzelner Aktionen und Gruppenleistungen sowie von der Art der Geldverwendung und a’so damit von den verschiedenen Aufgabengebieten des Verbandes. Auf Grund des Berichtes wurde dem bisherigen Vorstand die Decharge erteilt Bei der Wahl des neuen Vorstandes war wesentlich, daß Vertreterinnen der Provinzen hinzugewählt wurden, wodurch auf eine Erweiterung der Arbeit zu hoffen ist, und daß dem Vorstand eine Vertreterin des Jüdischen Frauenbundes beitrat, wodurch man auf eine glücklichere Zusammenarbeit mit den jüdisch-neutralen Fraucnverbänden rechnen kann. Die Diskussion brachte Vorschlage zur weiteren Belebung der Arbeit, sowohl in der Provinz wie vor allem in Berlin, wo sich ein spezieller Arbeitsausschuß konstituierte. Einen wesentlichen Diskussionspunkt bildete die Frage, durch welche Mittel die Zionistinnen zu größeren finanziellen Leistungen und zur Mitarbeit herangezogen werden können. Die heutigen Forderungen Pa’ästinas, die den Verband zwingen, neben dem bereits um 50 0׳״ gegen das Vorjahr erhöhten uud notwendig zu steigernden Wizo- Budget eine wesentliche Unterstützung für das palästinensische Kinderhilfswerk und neue Mittel für die Hebung der pa'ästinensischen Heimindustrie aiifzubringen, erzwingen d e Mithilfe aller zionistischen Frauen. Der von der Verbandsleitung vorgeschiagene Schlüssel zur Verteilung der Einnahmen wurde von der Versammlung angenommen. Ortsgruppen Braunschwelg. Am 10. Januar d. J. sprach Herr Kurt Blumenfeld in einer gut besuchten öffentlichen Vetsammlung über ״Tatsachen; eine kritische Darstellung des Palästinaaufbaus“. Da Herr Blumen Feld am Abend vorher in einem anderen Kreise über ei!1 ähnliches Thema gesprochen hatte, fand er sich auf Bitten einer Anzahl Versammlungsbesucher bereit; auch Ideologisches in den Kreis seiner Betrachtung einzubeziehen. Trotz der Angriffe, die Herr Blumenfeld gegen die Gegner des Palästina-Aufbaus und besonders gegen die tendenziöse Berichterstattung erhob, meldete sich vorerst keiner der zahlreich anwesenden Gegner zur Diskussion. Erst als Herr Blumenfeld in einem Schlußwort direkt die Anschauung des Centralvereins soziologisch unter die Lupe nahm, erbat der Vorsitzende der Brannschweiger Ortsgruppe dieser Organisation das Wort. Herr Blumenfeld verstand es in seiner Erwiderung ausgezeichnet, die Argumente dieses Redners zu widerlegen. Diese Veranstaltung, seit langer Zeit wieder die erste Man!* festation des Zionismus in Braunschweig, hat zweifelsohne eine gute Basis für unsere weitere Arbeit geschaffen. Chemnitz. Die hiesige Nationalfonds-Kommission veransfaltete am 19. Dezember eine Chanukkahfeier. Das Konzert des Weißgerber-Trios sowie die Vorlesung S. G r o n e - rnanns aus seinen Werken gestalteten den ,Abend zu einem sehr* genußreichen. Am 12. Januar sprach .Dr. S. Kanowitz über: ״Der Kulturwille der neuen jüdischen jtigend“. Es waren zu diesem Vortrag eine Anzahl von Mitgliedern des neutralen jüdischen Jugendvereins erschienen, so daß man auf eine Interessante Diskussion hoffen konnte. Der Redner, der von der Situation der Vor- und Nachkriegsjugend ausging, zeigte, vor welche Entscheidungen die heutige jüdische Jugend gestellt ist. In der Diskussion wurden von nichtzionistischer Seite zwar Palästina, insbesondere die Universität, als geistiges Zentrum anerkannt, aber die weiteren Folgerungen des Referenten abgelehnt. Der Rabbiner der Gemeinde, Dr. Fuchs, glaubte, daß die Missionsidee des libera'en Judentums genüge, um die jüdische Jugend zu erfüllen und den Fortbestand des Judentums zu sichern. Dr. Kanowitz setzte sich in seinem ausgezeichneten Schlußwort mit den einzelnen Diskussionsrednern, besonders mit Herrn Dr. Fuchs, auseinander. Erfurt. Auf der Rückreise aus Rumänien widmete Frau Gerda Arlosoroff zwei Abende der Erfurter zionistischen Ortsgruppe Am ersten Abend fand eine Aussprache mit den Zionisten der sozialistischen Richtungen über die Bildung einer Arbeitsgemeinschaft statt. Im Anschluß daran berichtete Frau Arlosoroff eingehend über die Ichud-Frage (Vereinigung), über das Für und Wider und über die Aussichten dieser Bewegung, sowie über die Stellung der beiden Arbeiter- Parteien im Lande zueinander überhaupt Am 21. d. M., in der allgemeinen Ortsgruppenversammlung, forderte Frau Arlosoroff die Anwesenden auf, ihr die Fragen des palästinensischen Lebens anzugeben, deren Erörterung sie wünschten. Die Fülle der Fragen, die Frau Arlosoroff vorgelegt wurden, zeigte die Verbundenheit der Ortsgruppenmitglieder mit dem Leben des Jischuw. In einem mehrstündigen Vortrag behandelte Frau Arlosoroff dann, ausgehend von den Vorfällen in Petach Tikwah, das Verhältnis der einzelnen Schichten des Jischuw zur Arbeiterschaft, anschließend daran erörterte sie die Lage der Arbeiterschaft im allgemeinen, schließlich recht eingehend die Araberfrage. Die Aussprache bewegte sich um die Frage der großen Kwuzah, und Frau Arlosoroff sprach im Schlußwort auf eine Anfrage aus dem Kreise der Hörer noch über die Aussichten der Verschmelzung des Jischuw, der zunächst noch nach der regionalen Herkunft der Einwanderer unterschiedlich ist, zu einer Bevölkerung von einheitlichem Charakter. Den Ortsgruppen, die sich eingehend über die Lage in Palästina auf den verschiedensten Lebensgebieten unterrichten wollen, kann dringend empfohlen werden, Frau Gerda Arlosoroff zu Vorträgen einzuladen. Hamburg. Auf Anregung einiger Freunde und Verehrer des verstorbenen Rabbiners Dr. Nehemias Anton Nobel s. A. fand auf Einladung von Herrn Hermann Gumperiz in Hamburg am Sonntag, den 22. Januar, in engstem Kreise eine Gedenkfeier für den vor sechs Jahren heimgegangenen großen Rabbiner statt, bei der nach warmherzigen Worten des Herrn Hermann Gumpertz der zu dem Vortrage eingeladene Vorsitzende des deutschen Misrachi, Dr. Oskar Wolfsberg, die eigentliche Gedenkrede hielt Die Rede stellte den Versuch einer eingehenden Würdigung des großen Redners und Denkers dar und analyslerte sowohl die Eigenart der Persönlichkeit als auch das geistige Schaffen Nobels. Die Versammlung, die aus den angesehensten Hamburger Juden sich zusammensetzte — es nahmen insbesondere eine Reihe von Vorstands- und Repräsentantenmitgliedern der Jüdischen Gemeinde und des Syn* agogenverbandes teil — lauschte in weihevoller Stimmung. Sodann wurde auf Anregung von Herrn Dr. Minden die Gründung eines Nobelkomitees beschlossen, das ansehnliche Mittel für den Neubau des Lehrerseminars des Misrachi in Jerusalem aufbringen soll: Es soll zum ewigen Andenken an Rabbiner Nobel zum mindesten ein Teil des Gebäudes seinen Namen tragen. Die Mitglieder dieses Komitees, dem sofort einige hervorragende Männer beitraten, werden demnächst bekannt gegeben werden. Auch sind schon bereits von zwei Herren größere Summen für diesen Zweck bereitgestelit worden.

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