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Jüdische Rundschau · 1928-01-27 · Heft 8 (27.1.1928) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXIII (1928)
Issue
Heft 8 (27.1.1928)
Date
1928-01-27
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Seite 53 Nr. 8, 27. L 1628 und Berechnungen der Sachverständigen zwei Milli• oncn Juden sehr wohl in Westjordanien angesie• delt werden könnten. Dabei ist nicht in Betracht gezogen, daß wahrscheinlich durch die Entwicklung von Landwirtschaft, Industrie, Technik, Handel und Verkehr in fernerer Zukunft mit einer ganz anderen Bevölkerungsdichte auch in Ländern wie Palästina gerechnet werden kann, als wir uns heute vorstellen mögen. Wenn wir nur die eine Tatsache bedenken, daß durch Ausnutzung der fruchtbaren und bewässerbaren Küstenstriche für die Pflanzungskolonisation 100 000 Familien als Pflanzer und Farmer in Palästina Raum und Nahrung finden können, so ist damit — unter Hinzurechnung der Arbeiter, Handwerker und Angehörigen freier Berufe — die Ansiedlung von einer Million Menschen in ländlichen Siedlungen als möglich erwiesen. Das bedeutet aber mit der damit unzweifelhaft verbundenen städtischen Entwicklung die Ansiedlung von insgesamt mindestens zwei Millionen Menschen, lieber diese Möglichkeit sagt Dr. Wiener kein Wort. $ Wohin hat diese ״kritische Reise“ Herrn Dr. Wiener geführt? Ist er nun ein Freund oder ein Gegner der jüdischen Kolonisation in Palästina? Er wehrt sich gewiß gegen den Vorwurf, ein Gegner zu sein, aber kann eine derartige Kritik von einem Freunde stammen? Wozu dann die ständigen Hinweise auf die angeblich größeren Möglichkeiten jüdischer Kolonisation in Rußland? ״Wer jede Palästina-Arbeit ablehnt in der Befürchtung, sie könnte über kurz oder lang einen nationalen Charakter erhalten oder so um gedeutet werden, wird nachprüfen müssen, ob er seine offene Hand nicht lieber dem großen Siedlungswerk in Osteuropa zuwendet“ (S. 117.) Nach allem, was Dr. Wiener aus Palästina berichtet, ist gewiß anzunehmen, daß er die hier von ihm geäußerte Befürchtung teilt. Wir sind keine Gegner der jüdischen Ansiedlungsarbeit in Osteuropa. Nur mutet cs sonderbar an, wenn Dr. Wiener und seine Freunde, die so scharfe Kritik an ein paar kommunistischen Sied- Iungen in Palästina üben und die ein Judentum nur auf religiöser Basis anerkennen wollen, die jüdische Kolonisation statt in Palästina in Sowjetrußland zu betreiben wünschen, wo nur der Kommunismus Religion ist. Und wenn von der Unterstützung hebräischer Lehranstalten in Palästina mit dem Argument abgeraten wird, daß wir zunächst unsere Rabbiner- und Lehrerseminare in Deutschland bedenken müßten, weil ״das Hemd uns näher ist als der Rock“ (S. 95), so müßte dieser Grundsatz doch auch für die Kolonisation in Rußland gelten .... Immer wieder stößt man auf Aeußerungen, die es unverständlich erscheinen lassen, warum $r. Wiener überbaust;<an .•dcf-jödisqlißa• f ,in-..•P$r, lästina Interesse nimmt. Soviel er auch über die ״Üebertreibungen des Nationalismus“ klagt, muß er doch fol* gendes dnräumen: ״Man spricht an und für sich nicht gern von der Zukunft“ ״Man arbeitet praktisch am Aufbau des Landes.“ (S. 71.) Und hieraus schöpft er plötzlich eine seltsame Hoffnung: ״Sogar die Vorstellung ist möglich, daß der Tag einst kommen werde, wo ein palästinensisches Judentum die politische Exekutive der Organisation hinwegfegen wird, weil es sich nur wirtschaftiich im Frieden mit der arabischen Umgebung entwickeln wolle und des national-politischen Kampfes überdrüssig sei; man wünsche nur, palästinensischer Jude in Palästina genau so wie ägyptischer Jude in Aegypten zu sein.“ So möchte Dr. Wiener es haben, doch ״scheint es sehr gewagt, auf diesen starken Optimismus sich zu verlassen. Vorläufig spridit nichts dafür, daß das nationale Moment ausgeschaltet wird . . .“ JUEDTSCHE RUNDSCHAU In solchen Sätzen enthüllt sich immer wieder der Gedankenfehler des Assimilationsjudentums. Die Juden sollen ״palästinensische Staatsbürger“ — jüdischen Glaubens natürlich — doch offenbar keiner Nation zugehörig sein. Aber ״palästinensisches Staatsbürgertum“ bedeutet ja zunächst nur etwas Formales, sein Inhalt kann sehr verschiedenartig, kann jüdisch oder arabisch bestimmt sein. Verzichten die Juden darauf, den Begriff des Palästinensers quantitativ und qualitativ mit jüdischem Inhalt zu erfüllen, soll nichts anderes erstrebt werden, als daß eine gewisse Zahl von Juden in Palästina lebt, ohne sich der nationalen Gemeinschaft und nationaler Ziele bewußt zu werden (ein abstruser Gedanke), so würden sie eben eine jüdische Gemeinde in einem arabischen Lande bilden, die zwar — genau wie in Aegypten -- sich in nationaler Hinsicht trotz Dr. Wieners Einspruch als jüdisch betrachten würde, jedoch mangels jeglicher Zukunftshoffnungen, mangels Zuzugs aus anderen Ländern, allmählich verfallen, wahrscheinlich sogar nach reicheren Ländern auswandern würde. Solche Entwicklung ist möglich, wenn der Zionismus scheitert Daß Dr. Wiener hierauf hofft wenn er es auch gewagt findet, ״auf diesen starken Optimismus sich zu verlassen“ — das enthüllt wieder einmal das W'eltbild des Assimilanten. Tragisch und grotesk ist es, zu sehen, wie in der Geburtsstunde des neuen palästinensischen Judentums vom Berge Moriah herab der Staatsbürger jüdischen Glaubens seine Lehre vom unnationalen Juden verkündet Assimilation um jeden Preis — und sei es die Assimilation an das Nichts! Israel in Aegypten das Ziel der Palästina- Bewegung! Welche Verwirrung der Gefühle! Und welche Verwirrung des Urteils! * Es ist keine erfreuliche Aufgabe, sich mit der Schrift Dr. Wieners auseinanderzusetzen. Es ist ein kleinliches Buch. Statt offen Gegnerschaft anzukündigen, setzt es herab, verkleinert durch schiefe Vergleiche die vorhandenen Größen, bagatellisiert die bereits geschaffenen Werte, sucht zwischen die in Palästina kooperierenden Kräfte einen Keil zu treiben, kritisiert Details, um das Ganze zu diskreditieren. In keinem Wort zeigt sich Verständnis für die schon heute in der ganzen Welt wahrnehmbare Wirkung, die von einem jüdischen Palästina auf das Judentum und die nichtjüdische Welt ausgehen würde: Die Belebung des jüdischen Bewußtseins und die Achtung vor einer großen jüdischen Leistung. Das deutsche Judentum soll durch diese SchrtT von der Mitarbeit an Palästina, von der Beteiligung am Keren Hajessod ferngehalten werden — Dr. Wiener hebt die diesbezüglichen Be- Schlüsse des Central-Vereins deutlich hervor. Das ist die letzte Absicht dieser Schrift. Die Auseinandersetzung im deutschen Judentum geht weiter. Es kann kein Zweifel darüber bestehen, wer den r Sieg dävontragef! wiof. ,Es;njehren'sich, die ¥Sj־mptom^ daß weite Kreise1v'äufch. ׳<f<&*1qicfiiziotiisi’scl'ön;'Juiföi-'' tums, daß viele Mitglieder des Central-Vereins der unfruchtbaren Nörgelei am Palästinawerke müde sind. Mit Worten läßt sich trefflich streiten — aber alle Gegnerschaft gegen den Begriff der jüdischen Nation kann nicht verhindern, daß diese sich in Palästina wieder zum Leben erhebt. Der Keren Hajessod als Universalerbe Bukarest, 22. Januar. (J. T. A.) Die soeben erfolgte Oeffnung des Testamentes des vor drei Jahren in Bukarest verstorbenen sephardischen Juden E. Cohen-Linaru ergab, daß der Verstorbene sein gesamtes Vermögen, Häuser 1m Werte von etwa 10 Millionen Lei, dem Keren Haj e s s o d vermacht hat. Seine Bib'iothek und wertvollen Oemilde bat der Verstorbene der Kunstschule ״Bezalel“ und der Hebräischen Univerri.ät vermacht. Testamentsvollstrecker sind die Leiter des Keren Hajessod in Rumänien. Ein griechisches Pro Palästina• Komitee Saloniki, 18. Januar. (J. T. A.) Der griechische Außenminister Mikhalacopulos äußerte sich in der spanischen Zeitung ״Renassinua Joudia“ über den Zionismus in folgender Weise: ich ergreife die Gelegenheit, meiner warmen Sympathie für die zionistische Bewegung und den Kampf des jüdischen Volkes um Befreiung Ausdruck zu verleihen. Seitdem der Traum Theodor H e r z 1 s und Max Nordaus durch die Verkündung der Ralfour-Deklaration Gestalt annahm, haben die griechischen Staatsmänner wiederholt ihre Sympathie für die zionistische Bewegung Ausdruck gegeben und ihr ihre Unterstützung geliehen, Wir unsererseits haben es nie daran fehlen lassen, die gesetz* liehen Ansprüche der jüdischen Na'ion anzuerkennen; wenn diejenigen, die cs direkt an geht, mit der gleichen Begeisterung für ihr Ideal ciiigcfretcn wären, der jüdische Staat würde heute bereits eine Tatsache sein. Dies ist die Meinung der gesamten griechischen Regierung und des gesamten Griechcnvolkes. Sollte wie in anderen Ländern auch in Griechenland ein Pro Palästina-Komitee geschaffen werden, so würde ich mich glücklich schätzen, zu seinen Mitgliedern zu gehören und werde mit ganzem Herzen bei der Arbeit sein. Die Jaden in der palästinensischen Polizei Gegenüber der Mitteilung der J. T. A., daß sich unter den 1200 Offizieren und Soldaten der palästinensischen Polizei 110 Juden befinden, stellt das Zentralbüro der Zionistischen Welt- Organisation fest, daß laut den Informationen des zionistischen Büros in Jerusalem die Zahl der Juden in der p a I ä - stinen sischen Polizei am 1. Dezember 1927 350 betrug, Davon dienten 219 in der Landespolizei und 101 in der Gemeindepolizei. In der Landespolizei stellen die Juden 40 Offiziere, 10 Sergeanten, 14 Korporale, 181 Schutzleute: dazu kommen noch 31) Rekruten, ln der Gemeindepolizei stellen die Juden einen Offizier, 2 Sergeanten, 0 Korporale und 89 Schutzleute. Die Phantasien der ״Daily Mall“ Das Hauptbüro der Zionistischen Organisation in London sandte an die Presse eine Entgegnung auf der Darstellung des Korrespondenten des ״Daily Mail“ über Palästina aß Zentrum der bolschewistischen Propaganda. In der Zuschrift wird nachgewiesen, daß die jüdische Arbeiterorganisation dem Kommunismus scharf ablehnend gegenübersteht und die Versuche der Kommunisten, in Palästina eine größere Tätigkeit zit entfalten, gescheitert sind. Touristen - Irrelilhrong in Palästina Von einem Freunde unseres Blattes wird uns folgender charakteristischer Vorfall mitgeteilt: Ein jüdischer Chauffeur hatte in Jerusalem zufällig Gelegenheit, mit zwei Touristen einer amerikanischen Touristengesellschaft zu sprechen, die in Palästina von dem Touristcnbüro ״D je mal Bros“ geführt wurde. Dabei hat er im Gespräch festgestellt, daß die Touristen überhaupt nicht wußten, was das Wort Tcl-Awiw bedeutet. Gegen das Versprechen, bestimmt wieder in fünf Stunden zurückzusein, ließen sich die Zwei Touristen zu einem Ausflug nach Tel-Awiw bewegen; nach ihrer Rückkehr protestierten sie heftig gegen die Art der Führung durch das genannte Touristenbüro. Es wird uns übrigens auch mitgeteilt, daß Herr Djetnal einen der letzten amerikanischen Touristentransporte selbst begleitet und unterwegs. informative Vorträge gehalten hat, die das jüdische P4fi'sinä'; vöin#■'''fgnöfjäftetf;':’aäf "Rüidcfrage JüdY$cher, "PaSsaglerfi gab fer Tfrefültrehde AfttwoTfeitt־ Schon oft wurde gegen die Art der Führung von To«* ristenbüros in Palästina protestiert, die in ausgesprochen Judenfeind Li eher Tendenz den Touristen jenen Teil des Landes, der zweifellos für jedermann Hochinteressantes m bieten hat, nämlich die gesamte jüdische Kolonisation, ver* schweigen und vorcnthalten. Es ist höchste Zeit, daß eine allgemeine Aufklärung der Touristen Platz greift, damit diesem Mißsland ein Ende gemacht wird. Es ist wohl der Erwähnung wert, daß die oben genannte Firma auch die Touristentraosportc der Hapag besorgt, so daß auch deutsche Touristen in die Gefahr kommen, in Palästina in der angegebenen Weise irregeführt statt geführt zu werden. Jerusalem, 23. Januar, ü. T. A.) Das von Joint Distribution Committee 1:11 Jahre 1919 in Jerusalem eingesetzte Komitee für Waisenfürsorge ist nunmehr aufgelöst worden. Das Komitee hat in den neun Jahren seiner Wirksamkeit für etwa!000 Waisenkinder gesorgt und rund £ 500 WO ausgegeben. , Joseph Budko Von Dr. Karl Schwarz. Der Name Budko ist bereits ein Begriff geworden. Man verbindet damit die Erinnerung an die vielen kleinen graphisehen Blättchen, die hebräische Schriffzeichen mit zierlichen Ornamenten darstellen, in denen bei aller modernen Formengebung so viel von dem Geiste der Tradition lebt, daß sie eine Wiedererweckung jüdischer Buchgraphik bedeuten. Wir verdanken ihm die ersten modernen Ha״gadahii!ustrationen und einen Zyklus von Radierungen der jüdischen Festtage. Lebensvolle, tiefinnerfiche Szenen der ihm vertrauten östlichen Oaluthwelt hat er in Radierung und Holzschnitt wiedergegeben und Ist neben Jakob Steinhardt der Künstler, der uns diese Gestalten erst ganz verständlich gemacht hat. Aus der großen Zafi! seiner Blätter sind aber die reifsten und besten bisher nur wenigen bekannt geworden. Es sind dies Holzschnitte, die man als gewisse Höchstleistungen betrachten und ihrer minutiösen Ausführung nach als Hofzsfiche bezeichnen kann. 7 Holzschnitte illustrieren die Chassidische Legende von Samuel Lewin*) und eine Serie von 19 Blättern schuf Budko zu der hebräischen Ausgabe von Bialiks Ge- %hten. Seit diesen Arbeiten hat sich Budko der Malerei zugewandt, hat einem Zuge unserer Zeit folgend — Nadel und afichcl beiseite gelegt und seiner Kunst eine ganz neue Richtung gewiesen. Dabei ist sich Budko durchaus treu geblieben, d. h. er hat seine Sphäre nicht verlassen, sondern aur erweitert und neue Mittel angewandt, um seine Welt und sein künstlerisches Empfinden in neuer Form zum Ausdruck m bringen. Wenn wir durch sein bisheriges Schaffen gewöhnt waren, in ihm den Kleinkünstler zu sehen, so lernen wir jetzt den Meister der großen Form kennen, der einer gewissen Monumentalität zustrebt und der, von einer feinen Lyrik »usgehend, in epischer Breite ebenso ergreifende Schilderungen m geben vermag wie er durch seine Griffelkunst zu fesseln wußte. Die ersten Gemälde sind noch etwas leblos schemenhaft. Die Farbe fließt anfangs noch bleiern und schwer; die *) Erschienen im Verlage von Rathenau und Horodiscb, Charlottuiburg. Gestalten erinnern an die Figuren seiner Graphiken, und die dort berechtigte Abstraktion wirkt hier manchmal etwas nüchtern. Aber bald wächst auch mit den neuen Mitteln die Gertaltungskraft; es steigern sich die Register, mit denen er Erlebtes und Erschautes, nicht Erdachtes, zum Ausdruck bringt. Nach kaum einem Jahr sind die technischen Schwierigkeiten überwunden und es entstehen in schneller Folge Gemälde, denen nichts von graphischen Reminiszenzen mehr anhaftet und die eine erstaunliche Vielseitigkeit aufweisen. Denn der Künstler, der sich z. B. bis dahin thematisch fast nur mit den Problemen des jüdischen Menschen beschäftigt hatte, dessen gesamte Produktion im Zeichen jüdischen Erlebens stand und der nur ganz zu Anfang seiner Berliner Studien einige kleine Landschaftsradierungen und Lithographien versucht hatte, wagt sich nun auch auf das Gebiet der Landschaft, des Stillebens und Blumenstockes vor. Wir lernen plötzlich einen ganz neuen Budko kennen, dessen Palette sich angesichts der Natur lockert und aufhellt, der Sonne und leuchtende Blumen malt, Dorfbildcr leicht und flüssig hinsetzt und sich auf diesem ihm bisher völlig ferniiegenden Nebengebiet mit verblüffender Sicherheit bewegt. Dann kehrt er wieder zu seinen früheren Motiven zurück und nutzt auch hier die neuen Erfahrungen. Es entstehen die ergreifenden Pastelle und Oelgemäldc der letzten Jahre. Der ge cifte, vielseitiger gewordene Künstler, der Maler, wächst in größere Aufgaben hinein. Was die frühere Generation der jüdischen Künstler, wie Moritz Oppenheim, Isidor Kaufmann, Moritz Oottlieb und auch Hirszenberg angestrebt, aber nicht! erreicht hat, finden wir bei Budko. ' Jene wollten das jüdische Milieu schildern und das Leben, vor allem der Ost- Juden, darstellen, blieben aber in genrehafter Aeußerlichkeit stecken. Ihre Bilder wirken anekdotenhaft, sind Erzählungen, die jedes Detail getreulich wiedergeben. Dieser Künstler endlieh ’ malt die ostjüdische Atmosphäre, gibt das Erlebnis, de« Pulsschlag und belebt durch seinen Pinsel auch die tote Umgebung, die öden Gassen, traurigen Hütten und dunklen Verließe der Betstuben. Budkos Gemälde sind nicht erlauscht, der Künstler steht nicht abseits von seinen Modellen, sondern ist auch einer von ihnen, der mit ihnen lebt und leidet Er malt nicht ״Die Sabbatstunde“ oder ״Den Jomkippur“, sondern den Alltag. Er malt den Wasserträger und den Jüngling, der aus dem Beth-hamidrasch kommt, die Knaben im Vorhof des Bethauses und den einsamen Greis. Er malt die Jungen und die Alten, denen man ihre Seelenkämpfe von den Augen abliest, und erkennt die Not des neuen Geschlechtes, das in Zwiespalt steht mit der ihr aufgedrüngenen Welt, die die Alten noch erdulden können, die Jungen aber innerlich zerreißt. Er malt seine Elfern, wie sie vor der Ladentür stehen, diese beiden bescheidenen Alltags* mcnschen, den weißbärtigen Alten in langem Rock an die Tür gelehnt, die geschäftige Mutter, gerade aus dem Innern hervortretend und nur einen Blick auf die Gasse werfend. Ich muß gestehen, daß cßeses Bild auf mich den stärksten Eindruck gemacht hat, ich halte es für eine der ergreifendsten Darstellungen ostjüdischen Lebens. Jomim mikedem Tage der Vergangenheit — nennt Budko einen Zyklus seiner Radierungen, der vor 10 Jahren entstanden ist. Seitdem Ist er den Weg von der Graphik zur Malerei, von der Vergangenheit zur Gegenwart gegangen. Und wenn man seine Gemälde in einem Worte zusammenfassen wollte, so könnte man ihnen den Titel geben: Schilderungen der Gegenwart. Ein Buch der Idyllen (״Idilioth“ von David Schimonovitz, Verlag ״Dvir“, Tel-Awiw.) Von Simon Ernst, Tel-Awiw. Es ist ein Unikum in unserer neuesten Literatur, die von Revolutionsstürinen umbraust ist: ein Idyllenbuch. Liebevolle, zart hingehauchtc Schilderungen von Menschen und Dingen, intime verträumte Geständnisse, Momentaufnahmen schalkhaft heiterer Begebenheiten im Felde, auf der Farm, am Landwege, aber auch in der Dämmerung um die Berge der heiligen verwahrlosten Mystikerstadt — Safed. Ein Buch, das es wagt, in breiten Hexametern seine epische Ruhe zu dokumentieren. Kein Strich der Gegend, keine Schattierung des Sonnenspieles im Morgenrot entgehen dem Dichter. Die romantische Epoche des ״Schomer“, die ersten jüdischen Arbeiter in den Weingärten und Orangerien und die letzte, leider allzu früh unterbrochene Chaluzitnbewegung — werden alle in Gestalt und Bewegung festgehalten. Die Großen unserer Dichtung waren allzu sehr von dem Klagetone des QaJuth erfaßt und kamen nie zur Ruhe in der Hast des Schmerzes. Andere schilderten wohl die Natur f

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